Alle Artikel von WilliZ

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Wenn die Enkelin eines Komikers keinen Spaß versteht

Ja ich weiß, es ist ein Lieblingsthema von mir: Urheberrechte (Mafiose UrheberrechtsabgabenVom geistigen Eigentum und der KohlescheffeleiWas ist bloß mit Ian los? Teil 94: Superstars & Idole Teil 2). Um eines gleich klarzustellen: Ich bin durchaus dafür, dass das geistige Eigentum eines Menschen einen gewissen Schutz erhält. Nicht jeder soll sich mit den Ideen anderer bereichern können. Aber auch dieser Schutz sollte und hat seine Grenzen, wenn ich das richtig verstanden habe. Dazu am Schluss etwas mehr.

Es gibt da im Internet eine Website, die eine Art Zitaten-Quiz betreibt. Wirklich witzig gemacht mit hübschen animierten Bildchen. Das Ganze dient der Unterhaltung, ist kostenlos und hat nicht die Absicht, Geld zu scheffeln. Nun werden dort natürlich viele Prominente zitiert, u.a. findet fand man dort auch witzige Sprüche von Karl Valentin. Aber genau das ist der Enkelin Karl Valentins ein Dorn im Auge. Sie hat nämlich die Rechte an dem Werk. So erhielt der Seitenbetreiber eine kostenpflichtige Abmahnung. Als Enkelin eines Komikers versteht man eben keinen Spaß.

Sind hier nun wirklich Urheberrechte verletzt? Ich bin kein Jurist, aber ich denke nein: „Bei der Verwendung der Karl-Valentin-Zitate könne es sich nämlich um eine im Hinblick auf die Kunst- und Meinungsäußerungsfreiheit „freie Benutzung“ gemäß Paragraf 24 Urhebergesetz handeln. Außerdem könnte die Nutzung durch das Zitatrecht gemäß Paragraf 51 Urhebergesetz gedeckt sein.“

Wie auch immer: Die Humorlosigkeit von Karl Valentins Enkelin hat etwas Erschreckendes. Humor, so scheint es, ist nicht vererblich!

siehe zdf.de: Satire-Seite in der Abmahnfalle – Urheberrecht: Zitateportal muss Tore schließen

Sofies Welt: Sartre

Bevor ich hier weitere Philosophen früherer Jahrhunderte wie Descartes, Kant usw. vorstelle, mache ich zunächst einen Sprung ans Ende des Buchs Jostein Gaarder: Sofies Welt – Roman über die Geschichte der Philosophie. So landen wir in der Neuzeit (genauer im 20. Jahrhundert) und bei Jean-Paul Sartre, dem Begründer des Existentialismus. Mit Sartre endet dann auch Sofies Welt.

Ich ziehe Sartre den anderen Philosophen deshalb vor, weil an verschiedenen Stellen in diesem „Seminar“ die Frage nach der Tauglichkeit der Philosophie für unser Leben mit seinen Alltagsproblemen gestellt wurde, also ob die Philosophie so etwas wie eine Überlebenshilfe bieten kann.

Nun Sartre wird uns mit seinen Ansichten sicherlich nicht helfen, jedes kleine Problem zu lösen. Aber er gibt uns eine Art Gerüst, wie ich finde, dass uns im Grundsätzlichen „auf die Sprünge“ helfen kann. Sartre hat die Philosophie auf jeden Fall ganz und gar auf die Erde zurückgeholt: Im Mittelpunkt findet sich die menschliche Existenz. Als Atheist klammert Sartre religiöse Fragen allerdings vollständig aus. Daher hat das Leben im Allgemeinen auch erst einmal keinen Sinn. Trotz der atheistischen Ausrichtung glaube ich (sic!), dass Sartres Ansichten für jedermann interessant sind.

Neben Sartre ist Albert Camus ein wichtiger Vertreter des Existentialismus. Mit Camus habe ich mich in diesem Blog schon öfter beschäftigt (Mythos Kafka – Mythos CamusAlbert Camus: Der FremdeLicht und Schatten). Sartre und Camus waren zunächst freundschaftlich verbunden; ihre Wege trennten sich dann aber wegen grundsätzlicher Meinungsverschiedenheiten. So wollen beide Philosophen gegen die „Sinnlosigkeit des Lebens“ revoltieren. Für den Marxisten Sartre endet die Revolte im Endziel Kommunismus, bei Camus ist die Revolte ‘endlos’.

Jean-Paul Sartre

Albert Camus

Jean-Paul Sartre

Albert Camus

Hier aber zunächst Ausschnitte aus „Sofies Welt“ von Jostein Gaarder:

Sartre hat gesagt: ‚Existentialismus ist Humanismus.’ Er meinte damit, daß der Existentialismus ausschließlich vom Menschen selbst ausgeht.

… für Sartre hat .. die Frage nach dem Sinn des Lebens so ganz allgemein keinen Sinn. Mit anderen Worten, wir sind zum Improvisieren verdammt. Wir sind wie Schauspieler, die ohne einstudierte Rolle, ohne Rollenheft und ohne Souffleuse, die uns ins Ohr flüstert, was wir zu tun haben, auf eine Bühne gestellt werden. Wir müssen selbst entscheiden, wie wir leben wollen.

Sartre sagt, daß der Mensch sich in einer Welt ohne Sinn fremd fühlt. … Das Gefühl des Menschen, auf der Welt ein Fremder zu sein, meint Sartre, führt zu einem Gefühl von Verzweiflung, Langeweile, Ekel und Absurdität.

Sartre selbst erlebte die Freiheit des Menschen auch als Fluch. ‚Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt’, schrieb er. Er ist verurteilt, weil er sich nicht selber erschaffen hat, und ist dennoch frei. Denn wenn er erst einmal in die Welt geworfen ist, dann ist er für alles verantwortlich, was er tut.

… wir sind freie Individuen, und unsere Freiheit verdammt uns unser ganzes Leben lang dazu, uns zu entscheiden. … Sartre weist gerade darauf hin, daß der Mensch niemals seine Verantwortung für das, was er tut, leugnen kann. Deshalb können wir unsere Verantwortung auch nicht vom Tisch fegen und behaupten, wir ‚müßten’ zur Arbeit oder ‚müßten’ uns nach gewissen bürgerlichen Erwartungen darüber, wie wir zu leben haben, richten. Wer auf diese Weise in die anonyme Masse gleitet, wird zum unpersönlichen Massenmensch. Er ist vor sich selber in die Lebenslüge geflohen. Aber die Freiheit des Menschen befiehlt uns, etwas aus uns zu machen, eine ‚authentische’ oder echte Existenz zu führen.

… Sartre … ist kein Nihilist.

… Sartre meint, daß das Leben eine Bedeutung haben muß. Das ist ein Imperativ. Aber wir selber müssen diese Bedeutung, diesen Sinn für unser eigenes Leben schaffen. Existieren heißt, sich sein eigenes Dasein zu erschaffen.

[zuletzt heißt es in „Sofies Welt“:]

Eine philosophische Frage ist per definitionem eine Frage, die sich jede einzelne Generation – ja, jeder einzelne Mensch – immer wieder neu stellen muß. … war es nicht immer schon so, daß die Menschen gerade dann klare und endgültige Antworten auf ‚kleine’ Fragen gefunden haben, wenn sie nach Antworten auf die ‚großen’ Fragen suchten?

aus: Jostein Gaarder: Sofies Welt – Roman über die Geschichte der Philosophie – S. 537-546 – Carl Hanser Verlag 1995

Etwas respektlos zu philosophischen Fragen habe ich mich einmal in einer kleinen Abhandlung geäußert, in der die Sprache auch auf Sartre kommt: „Eingelegte Gurke“
(wenn auch Sartre nicht helfen sollte, dem Leben Sinn einzuhauchen, dann vielleicht das von mir Verfasste mit der einfachen Botschaft: Man sollte im Leben nie den Humor verlieren!).

Den Gipfel verfehlt

„44 Tage nach dem offiziellen Start der „Bergtour 2008“ mit der Bekanntgabe des DFB-Aufgebots für die Fußball-EM auf der Zugspitze ist Joachim Löws Projekt kurz vor Erreichen des Gipfels für die Deutschen jäh zu Ende gegangen.“

Spanien ist also Fußball-Europameister 2008. Und es gibt keinen Zweifel, dass die Iberer das Turnier verdient gewonnen haben. Luis Aragonés, der fast 70-jährige Fußball-Fuchs, hat eine Reihe junger Individualisten zu einer starken Mannschaft geformt, die durch Kurzpassspiel das deutsche Mittelfeld immer wieder schlecht aussehen ließ. Und bei dem gekonnten Spiel in die Spitze hatte die deutsche Abwehr ein ums andere Mal das Nachsehen.

Deutschland - Spanien 0:1 (Tor durch Torres)

Eigentlich sollte man in Deutschland froh sein, das Endspiel erreicht zu haben. Insgesamt gab es nur wenige Höhepunkte in den Spielen mit deutscher Beteiligung. Lediglich gegen Polen konnte die Mannschaft 60 Minuten lang glänzen. Und auch gegen Portugal gelang es, taktisch diszipliniert und spielerisch gradlinig aufzutreten. In den anderen Spielen überwog Schatten dem Licht. So kann man insgesamt nicht Europameister werden.

Joachim Löw hat weiterhin viel Arbeit vor sich. In der Qualifikation zur WM 2010 geht es u.a. gegen die Russen, deren junges Team zu den Überraschungsmannschaften bei der EM 2008 gehörte. Löw selbst hat ebenfalls eine junge Mannschaft zusammengeführt, der einige Routiniers zur Seite stehen. Von Letzteren sollte sich aber der eine oder andere Gedanken machen, von der Nationalmannschaft zurückzutreten und ebenfalls jungen Spielern Platz zu machen. An aller erster Stelle denke ich da an Jens Lehmann, der nicht immer glücklich agierte. Souveränität sieht anders aus! Aus Lehmanns Worten ist allerdings zu entnehmen, dass er nicht an Rücktritt denkt:

Jens Lehmann: „Ich bin sehr enttäuscht über den Ausgang des Finales. Es war wohl meine letzte Europameisterschaft. Es kommen jetzt Gedanken auf: vielleicht hätte man etwas besser machen können. Der Konjunktiv ist der Feind des Verlierers, auch wenn wir das Maximum rausgeholt haben. Auf schlechte Spiele folgten gute, aber diesen Rhythmus haben wir diesmal nicht durchhalten können.“

siehe auch zdf.de: Die Sprüche zur EM

Vor dem Finale

Bald hat Partyotismus und Patriotismus wieder ein Ende. Dann werden die Fähnlein nach und nach eingerollt, damit sie im Tageslicht nicht gänzlich verbleichen. Denn nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Und nach der EM ist vor der EM. Aber da kommt ja erst noch die WM 2010 in Südafrika. Dann geht der ganze Spuk wieder von vorne los.

Aber noch erwartet uns heute Abend das Finale der Fußball-Europameisterschaft 2008: Deutschland gegen Spanien! Und wenn das Spiel hält, was uns verheißen ist, dann sollte es ein großes Finale werden. Wer da wohl am Ende die Nase vorn hat? Ich meine: Der Bessere soll gewinnen. Wenn das das deutsche Team sein sollte, okay. Wenn die Spanier, dann eben die …

Als ich mit meinen Lieben 1998 in Spanien Urlaub machte, da war gerade die Fußball-WM in Frankreich, die die Gastgeber dann ja auch gewannen. Und überall konnte man die Trikots der teilnehmenden Mannschaft kaufen. Natürlich wollten auch meine Jungs jeder ein Trikot. Lukas, der Jüngere, entschied sich für Brasilien. Und Jan für ein spanisches Trikot, gewissermaßen als Reverenz an das Urlaubsland. Dieses Trikot haben wir nun wieder ausgegraben. Und es hängt jetzt in Lukas’ Fenster … sozusagen als Kompensation zu all den vielen schwarz-rot-goldenen Fähnchen in unserem Land:

Spanien packt Deutschland in den Sack

Ich denke, Spanien gewinnt 3:1!

Tostedt ist bunt: Internationales Buffet

Nicht nur Liebe, sondern auch Gastfreundschaft geht durch den Magen. Wenn es, wie in Tostedt an diesem Wochenende, um Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit geht, dann ist ein erster Weg dorthin der über den Magen. Anlässlich des Bürgerfestes „Tostedt ist bunt“ boten zahlreiche ausländische Mitbürger kleine kulinarische Genüsse ihrer Länder an.

Ich vermag gar nicht, all die Leckereien aufzuzählen, aber da gab es kleine Kuchen aus Island, Snúðar genannt, türkische Teigfladen mit Hack oder Schafskäse gefüllt (Börek) bis hin zu spanischer Tortilla, eine Art Kartoffelomelette (daher auch Tortilla de patatas genannt).

Abends wird das Bürgerfest als Buntabend (bunter Bandabend) abgeschlossen. Auf der Open Air-Bühne treten verschiedene Bands aus Tostedt und Umgebung auf. Leider ist das Wetter sehr wechselhaft – hoffentlich bleibt es am Abend halbwegs trocken.

Tostedt ist bunt 2008: Internationales Buffet

Tostedt ist bunt 2008: Forum für Zivilcourage

Zahlungsmittel fürs Internationale Buffet

Tostedt ist bunt 2008: Internationales Buffet

Tostedt ist bunt 2008: Internationales Buffet

Tostedt ist bunt 2008:
Internationales Buffet (von Amerika über Afrika, Europa bis hin zu Asien)

Generationen im Geschichtsverlauf

Schon Aristoteles lehrte uns, in Schublädchen zu denken. Und so gibt es solch schiebbare Kästchen, die zu einem Schrank mit Namen „Generation“ gehören, um den Begriff Generation dem Verlauf der Geschichte gemäß zu klassifizieren. Auf gut Deutsch gesagt: Jeder gehört einer bestimmten Generation an.

Gehen wir von der (noch) lebenden Bevölkerung aus, so beginnt es mit der „Verlorenen Generation“ Ende des 19. Jahrhundert (Lost Generation). Das Ganze endet mit der ‚aktuellen’ Generation, die den hübschen Namen „iGeneration“ trägt. Dazu werden alle die ab ca. 1993 Geborenen gezählt.

iGeneration

Hier eine kurze Übersicht, die allerdings dicht am Verlauf der amerikanischen Geschichte ausgerichtet ist. Wir hier in Deutschland haben teilweise andere Begriffe oder benutzen für einen bestimmten Generationenbegriff etwas abweichende Zeiträume (z.B. zählt man teilweise auch die in den 50er Jahren Geborenen der „Generation X“ zu):

1. Die „Verlorene Generation“ Ende des 19. Jahrhundert (Lost Generation)
2. Die „Größte Generation“ 1900 – 1924 (Greatest Generation)
3. Die „Stille Generation“ 1925 – 1945 (Silent Generation)
4. Die „Baby Boomer“ 1945 – 1965 – in Deutschland gleichzusetzen mit den rebellischen ’68ern
5. Die„Generation X“ 1960-1975 (60er und 70er Jahre) – in Dt.: Generation Golf
6. Die „MTV Generation“ zw. 1975 und 1986
7. Die „Millennial-Generation“ ca. 1983-1998 – auch „Generation Y“ genannt
8. Die „iGeneration“ nach 1993

Eine Art Zwischengeneration ist die „Beat Generation“, die allerdings im Wesentlichen eine Richtung der amerikanischen Literatur der 50er Jahre bezeichnet .

Die „Lost Generation“ war zynisch, die „Baby Boomer“ individuell, die „iGeneration“ lebt fast nur im Internet. Und im US-Wahlkampf treten jetzt die „Millennials“ in den Fokus. Jeder Generation werden also bestimmte „Eigenschaften“ zugerechnet.

Generationen im Geschichtsverlauf: Von der „Verlorenen Generation“ zur „iGeneration“

Siehe auch meine Beiträge: Georg Heinzen – Uwe Koch: Von der Nutzlosigkeit, erwachsen zu werdenJack Kerouac: Unterwegs – On the Roadtechnosexual lifestyle

Wenn das Glück die Seite wechselt

Dreimal ist Bremer Recht, viermal ist auch nicht schlecht, sagt man in Bremen, ist klar, wo sonst. Dreimal haben die Türken bei der Fußball-Europameisterschaft 2008 in den letzten Minuten ein Spiel noch mit Last-Minute-Toren zu ihren Gunsten gekippt. Und auch wieder im Halbfinale gegen Deutschland schafften sie in der 86. Minute den Ausgleich (Lahm und besonders Lehmann sei Dank). Aber dann war des Glückes genug für die Türken. Es wechselte klammheimlich die Seite und Lahm durfte einige seiner Fehler wieder gut machen, indem er den 3:2-Siegtreffer erzielte – in der 90. Spielminute!

Lehmann und der Kullerball
Lehmann: Ei, da kommt der Kullerball …!
Lehmann und der 2:2-Ausgleich der Türken
Lehmann: Böser Türke, was machst du denn da?!

Pfui, Herr Anderson

Wir sind ja schon einiges gewohnt von Herrn Anderson. Wenn er seinen Flötenpenis macht, dann lächeln wir wohlwollend, wenn auch leicht beschämt („Das in dem Alter …!“). Selbst wenn er seinem Gitarristen, dem guten Martin Barre, ein Küsschen gibt, sehen wir das als Anerkennung des Meisters für das gelungene Gitarrenspiel seines alten Kumpels:

Küsschen für Martin

Aber jetzt schlägt ’s dreizehn, da übertreibt Herr Anderson maßlos. Das kommt einer Vergewaltigung gleich – und das vor breitem Publikum. Wir mögen gar nicht hinschauen:

Pfui, Herr Anderson - was treiben Sie da?

Aber entspannen wir uns gleich wieder. Was hilft da Besseres als die Musik von Anderson & Co. Wolfgang’s Vault hat einen weiteren Tull’schen Konzertschatz ausgegraben und dem geneigten Hörer zur Verfügung gestellt: Jethro Tull live im Tower Theater zu (Philadelphia, PA) vom 25.11.1987. Das Ganze ist gut 100 Minuten lang und enthält viele der uns lieb gewordenen Stücke der Gruppe. Als Zugabe u.a. Wind Up, das nicht allzu oft live zu hören ist. Mit dabei ist der Keyboarder Don Airey, der u.a. 1975 bis 1977 bei der Gruppe Colosseum II mitgespielt hatte (außerdem gibt es ein Zusammenspiel mit den Fairport Convention-Jungs). Bei Wolfgang’s Vault muss man sich nur auf der Website anmelden, das natürlich kostenlos.

siehe auch: Konzert von Jethro Tull zur „Under Wraps“-Album Tour aus dem Hammersmith Odeon in London vom 8. September 1984

Fußball zum Abgewöhnen

Bot die Vorrunde noch wirklich ansehnlichen Fußball, so beherrschte taktisches Geplänkel das Viertelfinale bei der Fußball-Europameisterschaft 2008. Die größte Enttäuschung: Der „Europameister der Vorrunde“, die Niederlande. Der Mannschaft war über Nacht jeder Mut zum Risiko, jeder Spielwitz und jegliches Selbstvertrauen abhanden gekommen. So gewann ein junges, unbekümmert aufspielendes russisches Team völlig verdient gegen die Holländer.

EM 2008: Russland - Niederlande 3:1 n.V.

Und mit einer taktischen Meisterleistung, allerdings auch mit einer spielerisch guten Vorstellung, konnte eine deutsche Elf den Mitfavoriten Portugal schlagen, der ebenfalls nicht an die Leistung der Vorrunde anknüpfen konnte.

Fußball zum Abgewöhnen boten dagegen Kroatien gegen die Türkei. Sicherlich muss man den Türken zugute halten, bis zuletzt gekämpft zu haben, wenn es auch mehr Krampf als Kampf war, was da geboten wurde. Dieses Hin- und Hergeschiebe des runden Spielgeräts im Mittelfeld konnte keinen aus dem Sessel reißen. Nach 90 Minuten habe ich das Fernsehgerät ausgeschaltet. Mir fielen die Augen zu. Mein jüngerer Sohn war bereits eingeschlafen …. Ähnliches dann auch beim Spiel Spanien gegen Italien. Als hätte ich es geahnt, habe ich es mir geschenkt, das Spiel anzuschauen (ich schlafe lieber in meinem Bett als auf der Couch vor dem Fernseher).

Ungewöhnlich dabei das Ausscheiden der hoch gehandelten Favoriten. Es mag ja sein, dass die OK-Runde andere Gesetzen hat als die Vorrunde. Aber wer seine Spielweise auf taktische Mätzchen reduziert, muss fürchten, auf der Verliererstraße zu landen.

Deutschland spielt jetzt also im Halbfinale gegen die Türkei. Sicherlich hat der deutsche Bundestrainer Recht, wenn er meint, die Türken wären unberechenbar und gefährlich. Wer aber nichts wagt, der kann auch nichts gewinnen. Ähnlich wie gegen Portugal muss die deutsche Mannschaft daher couragiert auftreten, das Heft in die Hand nehmen und nach vorn spielen. Angriff ist bekanntlich die beste Verteidigung. Also, Herr Löw, keine taktisches Sperenzien. Wohin das führt, haben wir im Viertelfinale zuhauf gesehen. Und aufgepasst bis zur letzten Spielsekunde: Die Türken (bei deren Glück) sind immer noch für ein Tor kurz vor Toresschluss gut!

Im 2. Halbfinale trifft Russland erneut auf Spanien. Das Spiel dürfte anders als in der Vorrunde (4:1 für Spanien) ausgehen. Die jungen Russen haben Mut gefasst und werden es den Spaniern nicht noch einmal so einfach machen.

Da meine Viertelfinal-Tipps völlig in die Hose gegangen sind, verzichte ich auf weitere Tipps fürs Halbfinale und das Endspiel. Wer hätte schon 2004 auf Griechenland getippt (außer einige Griechen). Wahrscheinlich gewinnt am Ende die Türkei. Auf jeden Fall nicht die Italiener!

Keltischer Nachschlag: A Man’s A Man for A’ That – Trotz alledem

In mehreren Beiträgen stand das Lied „A Man’s A Man for A’ That“, vom schottischen Nationaldichter Robert Burns 1795 verfasst nach der Melodie „Lady Macintosh’s Reel“ (aus Bremner’s “Reels” von 1759), im Mittelpunkt: Robert Burns: A Man’s A Man for A’ ThatRobert Burns: A Man’s A Man for A’ That – Teil 2. Hierzu gibt es auch eine deutsche Fassung (Fiedel Michel: Trotz alledem) mit dem Text von Ferdinand Freiligrath: Trotz alledem.

Ich habe noch einmal im Internet (sprich: bei youtube) nach weiteren als den bereits veröffentlichten Fassungen der beiden Lieder (also die in schottischer Mundart und die deutsche) recherchiert und bin natürlich fündig geworden.

Zunächst das Gedicht von Burns in einer Lesung von David Rintoul: A Mans a Man for A‘ That‘ -Robert Burns. Dann trägt es ein schottischer Männerchor vor, was auch seinen Reiz hat. Dann ist ein gewisser Lionel McClellend of Moffat, der diese famose Ode an die Menschlichkeit vorträgt. Zuletzt eine Fassung mit Western-Verschnitt von Jim Malcolm.

Und zwei deutsche Fassungen habe ich auch gefunden. Einmal mit der wohl ursprünglichen Melodie und dem Text von Freiligrath, das kurz nach der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848 entstanden ist: Volkslied aus dem Revolutionsjahr 1848 – Trotz alledem. Und in einer angepassten Fassung von und mit Hannes Wader: Trotz SPD und alledem (da haben alle Linken Grund, einmal kräftig zu klatschen):