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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Das Wunder von Basel

Die Augen musste man sich reiben: War das Wirklichkeit oder Traum? Nach dem Schlafwagenfußball in der Vorrunde, hatte jemand die deutsche Mannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft 2008 aus dem Wachkoma geweckt. Wie Phoenix entstiegen die Fußballhelden der Asche. Auferstanden aus Ruinen: Die deutsche Mannschaft gewinnt das erste Viertelfinale gegen Portugal für viele überraschend mit 3:2.

Aber was war geschehen? Sicherlich war es ein geschickter taktischer Schachzug, das Mittelfeld stärker zu besetzen. Vielleicht kam da der Ausfall von Frings (Rippenbruch) gerade recht, um endlich auch personelle Veränderungen vorzunehmen. Aber es war etwas anderes: Die Verbannung des Bundestrainers Löw auf die Tribüne wirkte wie der schrille Wachruf eines Weckers, der alle Beteiligten aus dem Schlaf riss. Die hehren Ziele vergangene Tage (für Vaterland und Merkel – for Queen and Country) ziehen nicht mehr. Selbst Kohle haben die Jungs genug. Aber für Löw ist man bereit zu sterben siegen. Hoffentlich hält dieser Wachzustand noch ein, zwei Spiele länger an.

Auch Klose triff wieder - Ronaldo darf zugucken

Aber Deutschland ist nicht alles. Es warten noch drei weitere spannende Paarungen im Viertelfinale auf uns. In meinen wagemutigen Tipps zu dieser Fußball-EM habe ich immerhin sechs der acht Viertelfinalteilnehmer richtig getippt. Lediglich (wenn auch entscheidend) bei der Niederlande und der Türkei habe ich mich getäuscht. Okay, tauschen wir einfach Frankreich gegen die Niederlande und Tschechien (die es ja selbst vermasselt haben) gegen die Türkei. Dafür habe ich die Russen ins Viertelfinale einziehen lassen – und mit Arschawin, der die ersten beiden Spiele der Vorrunde gesperrt war, gegen Schweden aber groß aufspielte, muss man den Russen einiges zutrauen – auch wenn es gegen die Niederlande geht. Es verspricht, ein interessantes Spiel zu werden.

Wie befürchtet (Ein Traum in oranje), haben es die Italiener doch noch eine Runde weiter geschafft. Immerhin konnte so der kollektive Suizid der Italiener verhindert werden. Und fast befürchte ich, dass die Italiener in einer harten Gangart die eleganten Ballzauberer aus Spanien entzaubern. Bleibt noch Kroatien gegen die Türkei. Die Türken dürften ihr Maximum erreicht haben (und mein jüngerer Sohn das richtige Näschen besitzen – immerhin tippte er auf Kroatien als neuen Europameister).

Für mich sieht es so aus, als würden folgende Mannschaften die Halbfinals bestreiten:

Deutschland – Kroatien
Niederlande – Italien

Die erstgenannten Mannschaften kommen dann (laut meiner bescheidenen Meinung) ins Endspiel. Und da mein Tipp, Portugal wird Europameister 2008, bereits in die Hose gegangen ist, könnte doch glatt das deutsche Team Europameister werden. Na, Franzl, da schaun mer mal! (Nein, ich tippe auf die Niederlande – aber Hauptsache ist, die Italiener gewinnen nicht!).

Tostedt ist bunt – 2008

Es hat etwas gedauert, bis nach 2002 jetzt endlich das 3. Bürgerfest in Tostedt stattfindet. Anlass ist das 10-jährige Bestehen des Forums für Zivilcourage, einem unabhängigen Gremium, in dem sich Bürgerinnen und Bürger aus Tostedt und Umgebung versammeln, um sich für Zivilcourage, Demokratie und Toleranz einzusetzen. Das Bürgerfest steht wieder unter dem Motto: Tostedt ist bunt.

Tostedt ist bunt - 2008

Auftakt des Bürgerfestes ist eine Veranstaltung am Freitag, den 27.06.2008, in der Vielharmonie Tostedt, Am Sande, ab 19 Uhr. Das eigentliche Bürgerfest findet am Samstag, den 28.06.2008 rund um den Ortskern „Am Sande“ statt – Beginn: 14 Uhr – Ende zwischen 22 und 23 Uhr. Im Mittelpunkt steht ein internationales Büfett mit Spezialitäten aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt. Immerhin sind in Tostedt über 90 Nationalitäten vertreten.

Weitere Informationen zum Bürgerfest entnehmen Sie bitte dem anliegenden Begleitprogramm des Bürgerfestes: „Tostedt ist bunt“

Hier einige Fotos vom letzten Bürgerfest vom 24. August 2002

Högschde Disziplin?

Nach dem grottenschlechten Spiel gegen Kroatien gelobte der Bundestrainer Besserung. Nun schlechter ging nicht mehr, aber viel besser war es dann auch nicht: Deutschland gewann durch ein Freistoßtor von Ballack mit Hängen und Würgen 1:0 gegen den Gastgeber Österreich und zieht damit ins Viertelfinale gegen Portugal ein. Wie gut, dass die Österreicher im Abschluss vor dem Tor nicht nur während der ersten Spiele, sondern auch in der Partie gestern ohne Wirkung blieben und der Schiedsrichter in einer umstrittenen Situation Österreich keinen Strafstoß gab. So kann das Spiel als Arbeitssieg abgehakt werden.

Wurden die Prinzipien, die der Bundestrainer Joachim Löw ausgegeben hat, im ersten Spiel gegen Polen noch halbwegs beherzigt, so war in den Spielen gegen die Kroaten und auch gegen Österreich wenig von Agieren statt reagieren, Tempo machen und Eigeninitiative zu sehen. Selbst der Teamgeist lag brach. Nichts von „högschder Disziplin“. Sollte die Mannschaft irgendwie nicht gegriffen haben, was Herrn Löw da vorschwebte? Haben die Spieler Herrn Löw überhaupt „verstanden“ (bekanntlich kann man auch im Landkreis Lörrach alles außer hochdeutsch)?

Neben dem Freistoßtor war der eigentliche Höhepunkt die Strafversetzung der beiden Trainer (Löw und Hickersberger, Teamchef der Österreicher) von der Trainerbank auf die Tribüne, nachdem sich die beiden Herren fast in den Haaren gelegen hatten. So konnte Herr Löw mit unserer Bundeskanzlerin, Frau Merkel, einen kleinen Plausch halten, den diese bereits zuvor mit Schweini (Bastian Schweinsteiger, ihrem Lieblingsspieler) halten durfte. Die Kanzlerin war mit großen Tross angereist (5 , 6 Minister im Gepäck), u.a. auch die „Stones“ (Steinbrück und Steinmeier), von denen sich besonders Herrn Steinmeier unendlich gelangweilt haben muss (mit müden Augen blätterte er im Regelwerk des Fußballs):

Steinmeier zu Merkel: „Wenn ich das richtig verstanden habe, dann war das eben ein Abseits, Angie!“ – Merkel: „Mann, Frank-Walter, jetzt ist doch Halbzeitpause, wo soll da ein Abseits sein?“ – Steinmeier: „Ich meine ja nur theoretisch! Und warum bekommt nicht jeder Spieler einen Ball, davon steht hier nichts drin, dass die nur einen Ball haben!“ – Merkel: „Frank-Walter, jetzt reicht ’s! Lies das etwas genauer durch …Und lass mich in Ruhe mit Deinen sozialdemokratischen Spitzfindigkeiten!“

Angie trägt oranje
Übrigens Frau Merkel: Ihr oranjes Jäckchen steht ihnen wirklich ausgezeichnet. Sollten Sie etwa den Niederländern ob ihres schönen Spiels geneigt sein?

Kleiner Nachtrag: Fußball-Österreichisch für Deutsche:

Fußball: Bemmerl
Fußball spielen: ballestern
Tor – Goal
Elfmeter: Öfa
Eckball: Korner
Eine hohe Niederlage erleiden: an Schraufn kriang (eine Schraube kriegen)
Kopfball: Köpfler
Strafstoß: Penalty
Torwart: Goalmann
Ein Tor infolge eines unglücklichen Torwartfehlers: Steirertor
Abziehen: anreißen
„Wembley-Tor“: Lattenpendler
Schiri-Assi: Out-Wachler
Fußballschuhe: Bakla
Spannendes Spiel: Wödpartie

Fußballersprüche

Ja, wenn unsere Herren Profifußballer (und Trainer) den Mund aufmachen, dann kommt schon merkwürdig krauses Zeug heraus. Dabei sind nicht alle eigentlich Döspaddel, wie man hier in Norddeutschland sagt. Von den im EM-Aufgebot stehenden Spielern haben viele Abitur (Metzelder sogar mit einem Notendurchschnitt von 1,8) oder mindestens mittlere Reife (sogar Frings, Schweinsteiger und Podolski), nur Miroslav Klose hat lediglich einen Hauptschulabschluss, dafür aber eine abgeschlossene Zimmermannsausbildung (mit der Note sehr gut).

Natürlich können jedem Versprecher unterlaufen, aber wer schon so mit vor Stolz geschwollener Brust meint, auch noch geschwollen reden zu müssen, muss sich solche verbalen Ausrutscher immer wieder aufs Brot schmieren lassen. Übrigens: auf Sprüche von Herrn Thomas Doll, zz. arbeitsloser Fußballtrainer, habe ich hier verzichtet. Denn meist redet er in einem solchen Wortschwall und hochtrabend-unsinnig, sodass jeder Normalmensch spätestens nach 5 Minuten die Ohrläppchen hochklappt. Und auch von Herrn Andreas Möller habe ich nur einen Spruch ausgraben können; alles andere von ihm Gesagte ist fast immer in Tränen aufgelöst unverständlich geblieben.

Besonders schön sind Sprüche mit Drehern, d.h. „geflügelte Worte“ bzw. Zitate, in denen Begriffe verdreht wurden:

Wie so oft, liegt auch hier die Mitte in der Wahrheit. (Rudi Völler)
Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken. (Lothar Matthäus)

Die nackte Wahrheit: Pele & Beckenbauer
Die nackte Wahrheit

Schwer tun sich die Jungs auch dann, wenn Fremdwörter ins Spiel kommen:
Ich habe ihn nur ganz leicht retuschiert. (Olaf Thon)
Wir können sowas nicht trainieren, sondern nur üben. (Michael Ballack)

Auch bei den geografischen Kenntnissen hapert es leider oft, obwohl die Herren Fußballer doch eigentlich weit in der Weltgeschichte herumkommen:

Ich fliege irgendwo in den Süden. Vielleicht nach Kanada oder so. (Mehmet Scholl)
Mailand oder Madrid? Hauptsache Italien! (Andreas Möller)
Die Schweden sind keine Holländer – das hat man ganz genau gesehen. (Franz Beckenbauer)

Ansonsten ist Fußball nicht nur die schönste Nebensache der Welt, sondern auch die einfachste, oder? Poldi: Fußball ist einfach: Rein das Ding – und ab nach Hause (Lukas Podolski).

Spitzfindig wird es bei Vogts: Die Breite an der Spitze ist dichter geworden (Berti Vogts). Und selbst der frühere Fußballbundestrainer wusste: Fußball ist deshalb spannend, weil niemand weiß, wie das Spiel ausgeht (Sepp Herberger).

Was Herr Kahn nur meint, wenn er sagt: Wir brauchen Eier! (Oliver Kahn). Ansonsten hat er den vollen Durchblick: Es ist eigentlich wie es immer im Leben ist, die Vergangenheit ist vorbei (Oliver Kahn). Und wer Eier braucht, der ist auch hart gegen sich selbst: Bei einer Weltmeisterschaft gibt es keine Schmerzen (Oliver Kahn). Immerhin: Die Fans müssen wissen, dass ich kein Clown bin (Oliver Kahn) und: Es ist schon verrückt, was der Fußball aus mir macht (Oliver Kahn).

Bei der Berufswahl tat sich der Loddar etwas schwer, nachdem er die eigenen Fußballstiefel an den Nägel hängte: Schiedsrichter kommt für mich nicht in Frage, schon eher etwas, was mit Fußball zu tun hat (Lothar Matthäus).

Hier noch weitere schöne Sprüche: Ich habe mehr Körper als alle anderen. Nur den habe ich eingesetzt (Karsten Jancker) – Was meine Frisur betrifft, da bin ich Realist (Rudi Völler) – In der Schule gab es für mich Höhen und Tiefen. Die Höhen war der Fußball (Olaf Thon) – Ich habe in einem Jahr sechzehn Monate durchgespielt (Franz Beckenbauer) – Wir haben alle Möglichkeiten das Achtelfinale nicht zu erreichen (Franz Beckenbauer) – Dann kam das Elfmeterschiessen. Wir hatten alle die Hosen voll, aber bei mir lief `s ganz flüssig (Paul Breitner).

Frau Vogts möchte ich übrigens nicht sein, denn: Hass gehört nicht ins Stadion. Solche Gefühle sollte man mit seiner Frau im Wohnzimmer ausleben (Berti Vogts).

Nun, gut! Es soll nicht übertrieben werden, daher zum Schluss der gute Andie: Ich sage nur ein Wort: Vielen Dank! (Andreas Brehme) – Bitte, Herr Brehme!

You need Zugzwang

You cannot write about world affairs without a Weltanschauung; you cannot practice literary criticism without an understanding of Zeitgeist; you cannot nibble your nails properly without Angst, and you cannot report on turmoil anywhere without Sturm und Drang.

Zeitgeist

Let us suppose you already have a world view (Weltanschauung), dig the spirit of the age (Zeitgeist), are suffering anguish to the point of depression (Angst), and can thus clearsightedly observe the storm and stress of a thundering confusion (Sturm und Drang). What is it that you need?

You need Zugzwang.

William Safire in einer Kolumne über den zunehmenden Gebrauch deutscher Wendungen unter US-Intellektuellen. Titel der Glosse: „Go Easy in the Fingerspitzengefühl“ („New York Times“, 9. Dezember 1985). Aus: DIE ZEIT – Nr. 51 – 13. Dezember 1985 als Zeitmosaik

Hierzu fand ich in der NZZ Folio 01/1997, der Zeitschrift der Neuen Züricher Zeitung, u.a. folgende Kolumne:

In der «New York Times» prophezeite ihr Sprachkolumnist William Safire, in hundert Jahren werde Englisch die Muttersprache eines Drittels der Menschheit sein und für die anderen zwei Drittel die internationale Verständigungssprache – ein mit frischer Würze versehenes Englisch freilich, mit Importen angereichert, wofür Safire als Anleihen beim Deutschen Schadenfreude, Faulpelz und Fingerspitzengefühl empfahl. Andere zusammengesetzte Hauptwörter sind ja längst zu Dutzenden im englischen heimisch: Rucksack und Hinterland, Weltschmerz und Weltanschauung, Realpolitik und Ostpolitik, Katzenjammer und Götterdämmerung, Zeitgeist, Waldsterben, Vergangenheitsbewältigung und Fahrvergnügen. Auch unter den einfachen Substantiven haben sich einige den Weg ins Englische gebahnt: Angst, Lied, Kitsch, Ersatz und Gemütlichkeit.

Ja, es gibt schon einige deutsche Begriffe, die in der englischen Sprache kein entsprechendes Äquivalent haben wie zwei weitere Beispiele zeigen:

Schadenfreude: „the guilty feeling of pleasure at the misfortune of others“
Fingerspitzengefühl: „the sandpapered-fingertip sensitivity of a safecracker“

Die Fußball-Philosophen

Grundlegende Weisheiten wie „Der Ball ist rund!“ und „Ein Spiel dauert 90 Minuten!“ haben unser Weltbild entscheidend geprägt. Dass „das Runde ins Eckige muss“, ist eine Erkenntnis, die uns mit der Muttermilch eingeflößt wurde. Und „nach dem Spiel ist bekanntlich vor dem Spiel!“: Emanuel Kant hätte es nicht besser ausdrücken können, denn hiermit bildet sich prägnant die Apperzeption des sukzessiven Fortstreitens heraus: Das Leben geht weiter!

Gerade das Begreifen zeitlicher („90 Minuten“, „vor bzw. nach dem Spiel“) wie räumlicher („rund“, „eckig“) Attribute des Seins kommuniziert mit einem autochthonen Grundwesen. Eine Erkenntnis wie „Der Ball ist rund!“ assoziiert unausgesprochene Begrifflichkeiten wie „grüner Rasen“, „der Schiedsrichter ist eine Pfeife“ und „am Ende gewinnen doch wieder die Deutschen!“, obwohl gerade Letzteres (aus England stammend) in der heutigen Lehre wieder arg bestritten wird.

Besonders bemerkenswert ist, dass Fragen der Selbstkritik und der Wirklichkeiten dabei nicht ausgelassen werden. Beeindruckend hierzu die Aussage des Ex-Fußballprofis Andreas Möller (die Heulsuse aus Ex-Dortmund), der den Ball auf den Punkt brachte: „Ich bin immer sehr selbstkritisch, auch mir selbst gegenüber.“ Ein wahrer Sokrates ist besonders unser Fußballphilosoph Berti Vogts, der immer schon wusste: „Die Realität ist anders als die Wirklichkeit“. Sechs Worte, ein Satz, kein Sinn! Bravo dem „Terrier“ Vogts!

Deutschlands Fußball-Philosophen

Aber da lächelt der Weise, der alles längst schon weiß, und trotzdem ohne erhobenem Zeigefinger mit landesüblicher Nonchalance zu uns spricht: „Schaun mer mal!“ (Franzl Beckenbauer). Welch futuristischer Weitblick guckt uns da an.

Jethro Tull: Seppuku beim Schlagzeugsolo

In der Ausgabe des Rockmagazins eclipsed vom Mai d.J. (in meinem Beitrag Jethro Tull: Mafiosi auf dem Weg zum Friseur hatte ich bereits eine Anekdote zum Besten gegeben) erschien auch ein Interview mit Ian Anderson, dem Kopf der Gruppe Jethro Tull. Auf die Frage nach dem lustigsten und traurigsten Moment seiner Bühnenlaufbahn antwortete Herr Anderson wie folgt:

Hört sich seltsam an, aber die beiden Momente waren eigentlich nur ein einziger. Lass mich mit der traurigen Seite beginnen: Es war in den Siebzigern während eines Konzerts in, ich glaube, Denver. Da beging jemand im Publikum mit einem Samuraischwert Selbstmord. Furchtbar! Und jetzt kommt der lustige Teil. Lustig allerdings nur dann, wenn man mit schwarzem Humor etwas anfangen kann: Er verübte die Tat während eines langen und sehr langweiligen Drumsolos. Wer Selbstmord begehen will, findet dafür bei Drumsolos fast perfekte Bedingungen. Sollte ich selbst eines Tages meinem Leben ein vorzeitiges Ende setzen wollen, würde ich das vermutlich auch während eines Drumsolos tun. Vielleicht sogar während einem von Jethro Tull.

aus: Landlord und Clochard – Exklusivinterview mit Ian Anderson (Interview: Stefan Krulle) – eclipsed – Rock Magazin – Nr. 101 Mai 2008

Ein Traum in oranje

Vorbemerkung: Für mich ist der Weltmeistertitel 2006 im Herren-Fußball vakant. Wenn es so etwas wie Gerechtigkeit gäbe, dann hätte man den Italienern den Titel nachträglich wegen grober Unsportlichkeiten aberkennen müssen (die hätten erst gar nicht an der WM in Deutschland teilnehmen dürfen, denn kein Land wurde in den letzten Jahren von so vielen Fußball-Skandalen wie Bestechung, systematisches Doping, Gewaltexzesse, Rechtsradikalismus, Misswirtschaft, verpfiffene Spiele, getürkte Transfers und Scheinverträgen heimgesucht): Italien ist höchstens Weltmeister im Schinden von unberechtigten Freistößen und Elfmetern (z.B. im WM-Achtelfinale in der 5. Nachspielminute gegen Australien – oder in der EM-Qualifikation in Schottland) und im Provozieren des Gegners (der Fall Zidane). Berühmt ist die Mannschaft für ihre Nickeligkeiten wie versteckte "technische Fouls" und dergleichen.

Es gibt Augenblicke, da kehrt der Glaube an die Gerechtigkeit bei mir zurück; so gestern geschehen in einem Traum in oranje: Beim Fußball-Europameisterschaftspiel der Niederlande gegen Italien führten die Holländer die Squadra Azzurra, wie man die italienische Mannschaft nennt, geradezu vor. 3:0 für die Niederlande! Der Catenaccio, der italienische Sperrriegel, wurde durch schnelles Spiel überwunden. Und die ins Alter gekommenen Herren der Verteidigung (allen voran Materazzi, der sich am Ende selbst ‚lahm‘ legte und verletzt ausgetauscht wurde) waren nicht schnell genug, die Holländer durch versteckte Fouls zu behindern.

EM 2008: Niederlande - Italien 3:0

Es tat der Fußball-Seele gut, die "betröppelten" Gesichter der italienischen Spieler zu sehen. Sie wussten nicht, wie ihnen geschah. Für einen Abend war die Fußballwelt wieder in Ordnung. Aber wie man die Italiener kennt, werden sie "zurückschlagen". Und am Ende mogeln sie sich an Frankreich und Rumänien vorbei in die nächste Runde. Mag der Fußball-Gott dem im Wege stehen …

siehe auch zdf.de: Ist der Ruf erst ruiniert …

Deutscher Sieg – Made in Poland

Am Wochenende startete also endlich die 13. Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz. Und mit meinen Tipps für die ersten vier Spiele lag ich ganz gut (siehe Excel-Tabelle zum Herunterladen und auch zum Selbstausfüllen), Deutschland – Polen habe ich sogar auch vom Ergebnis her richtig getippt. Bei meinen weiteren Tipps habe ich übrigens einigen Wagemut gezeigt, deren ‚Auflösung’ ich selbst mit Spannung entgegensehe.

Dank Podolski und seiner zwei Tore war es ein geglückter Start der deutschen Mannschaft gegen Polen. Man begann konzentriert und mit hohem Tempo. Neben dem zweifachen Torschützen tat sich besonders Clemens Fritz von Werder Bremen auf der rechten Seite hervor, der sehr gut mit Philipp Lahm harmonisierte. Fritz war überraschend für Schweinsteiger in die Mannschaft gekommen. In der 2. Halbzeit verlor das deutsche Team aber den Faden und ließ Polen zu einigen Torchancen kommen. Der Ausgleich lag in der Luft. Überraschend dann der Wechsel Schweinsteiger gegen Fritz, der aber seinen Einsatz dadurch rechtfertigte, indem er die entscheidende Vorlage zum 2. Tor gab. Kurz vor dem Tor hatte die deutsche Mannschaft doch wieder zu ihrem Spiel gefunden. Insgesamt etwas enttäuschend die Leistungen von Ballack und Gomez. Der Letztere scheint mir in der letzten Zeit doch etwas zu hoch gehandelt zu sein.

Nun es war ein Sieg – made in Poland. Und der sehr verhaltende Jubel des Lukas Podolski zeigte es: In seiner Brust schlägt ein polnisches Herz. Und bei Miroslav Klose, der ebenfalls wie Podolski in Polen geboren wurde, hatte ich sogar den Eindruck, dass er unter keinen Umständen ein Tor gegen die Polen machen wollte. Immerhin war er positiv an den beiden Toren beteiligt.

Podolski im polnischen Trikot
“Lukasz“ Podolski im „richtigen“ Trikot?

Und jetzt geht es am Donnerstag gegen die Kroaten, die gegen Österreich enttäuschten und nur glücklich gewannen. Die Spielweise erinnerte mich doch sehr an die Italiener bei der WM 2006 (viel Schauspielerei, minimaler Einsatz mit optimalem Erfolg). Mein jüngerer Sohn hat auf Kroatien als Europameister getippt. Ich selbst gebe Portugal die größten Chancen, die im Spiel gegen die Türken auch schon eine ansprechende Leistung boten und teilweise geradezu brasilianischen Fußball spielten (weiteres siehe in meinen Tipps).

Aber gucken wir erst einmal, wie sich die anderen Mannschaften schlagen. Da sind ja noch einige Favoriten, auch selbsternannte, dabei.

Fußball-Europameisterschaft 2008 bei zdf.de

Christas Bärchen 16: 1938 Classic Bär 30 auf Holzrädern

Typische Spielzeuge Anfang des 20. Jahrhunderts waren Spielsachen wie Tiere, meist Pferde, auf Rädern, die die Kinder hinter sich herziehen konnten. Ein solches Spielzeug ist ein 30 cm großer Bär auf Rädern, der Classic Bär von Steiff, eine Nachbildung eines Bären aus dem Jahre 1938, das ich meiner Frau zu Weihnachten 2000 schenkte. Natürlich dient auch dieser Teddy nicht als Spielzeug, sondern als Sammlerstück. Der 1938 Classic Bär wurde 1995 hergestellt und ist aus Mohair. Er ist wohl nicht limitiert.

Christas Bärchen: 1938 Classic Bär 30 auf Holzrädern von Steiff

1938 Classic Bär 30 auf Holzrädern

Steiff – 1938 Classic Bär 30 auf Holzräderm – von ca. 1995, wahrscheinlich nicht limitiert – Mohair – EAN 036064

gekauft haben wir den Bären im April 2003 in der Steiff Galerie Hamburg (Levantehaus)

Steiff - Knopf im Ohr

Blumenpracht Teil 14

Von den Unwettern dieser Tage, wie diese über West- und Süddeutschland hereingebrochen sind, wurden wir hier im Norden halbwegs verschont. Zwar gewitterte es am Dienstagnachmittag und es regnete auch im Strömen, aber Hagel und stärkere Sturmböen blieben uns erspart.

So wurden auch die Blüten an den Büschen in unserem Garten nicht ‚erschlagen’, sondern zeigen sich weiterhin in voller Pracht, auch wenn sie jetzt beginnen, so langsam zu verblühen.

Blumenpracht in AlbinZ Garten - Juni 2008

Blumenpracht in AlbinZ Garten - Juni 2008

Blumenpracht in AlbinZ Garten – Juni 2008

Blumenpracht in AlbinZ Garten - Juni 2008

Blumenpracht in AlbinZ Garten - Juni 2008