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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Robert Burns: A Man’s A Man for A’ That – Teil 2

Ich möchte noch einmal auf Robert Burns und sein Gedicht „A Man’s A Man for A’ That“ (1795) zurückkommen, das wir als Lied zu der Melodie „Lady Macintosh’s Reel“, aus Bremner’s „Reels“ (1759), kennen.

Robert Burns

Burns Werke haben selbst über 200 Jahre nach seinem Tod immer noch einen großen Stellenwert in Schottland, was unter anderem auch daran zu sehen ist, dass zur Eröffnung des schottischen Parlaments 1999 das oben genannte Lied gesungen wurde; siehe hierzu das Video (wer hört schon ein ganzes Parlament singen)

Aber es sind mindestens noch zwei weitere Gedichte von Robert Burns, die als Lieder weltweit bekannt wurden: John Barleycorn (u.a. auch von Jethro Tull live vorgetragen) und Auld lang syne.

„Then let us toast John Barleycorn,
Each man a glass in hand;
And may his great posterity
Ne’er fail in old Scotland!”

Aber zurück zu „A Man’s A Man for A’ That”: Neben einer eigenen Interpretation dieses Lieder bin ich beim Stöbern durch meine alte LP-Sammlung auch auf ein Doppel-Album schottischer Folk-Songs gestoßen, und dort natürlich auch auf eine Aufnahme des Liedes, hier von Ian Campbell.

Bemerkenswert finde ich die sparsame Instrumentalisierung – nur mit Gitarre und Konzertina. Aber erspare ich mir weiteres Geschreibe, hört einfach hinein, ein Lied, das es mir irgendwie angetan hat (und das ich nicht nur für Euch digital eingespielt habe):


Ian Campbell: Robert Burns’ A Man’s A Man For A’ That

Hierzu auch noch der Text, zunächst die 1. Strophe des schottischen Originals:

Is there for honest Poverty
That hings his head, an’ a’ that;
The coward slave-we pass him by,
We dare be poor for a’ that!

Hierzu die gesamte deutsche Übersetzung:

Ob Armut euer Los auch sei,
Hebt hoch die Stirn, trotz alledem!
Geht kühn den feigen Knecht vorbei;
Wagt’s, arm zu sein trotz alledem!
Trotz alledem und alledem,
Trotz niederm Plack und alledem,
Der Rang ist das Gepräge nur,
Der Mann das Gold trotz alledem!

Und sitzt ihr auch beim kargen Mahl
In Zwilch und Lein und alledem,
Gönnt Schurken Samt und Goldpokal –
Ein Mann ist Mann trotz alledem!
Trotz alledem und alledem,
Trotz Prunk und Pracht und alledem!
Der brave Mann, wie dürftig auch,
Ist König doch trotz alledem!

Heißt »gnäd’ger Herr« das Bürschchen dort,
Man sieht’s am Stolz und alledem;
Doch lenkt auch Hunderte sein Wort,
’s ist nur ein Tropf trotz alledem!
Trotz alledem und alledem!
Trotz Band und Stern und alledem!
Der Mann von unabhängigem Sinn
Sieht zu, und lacht zu alledem!

Ein Fürst macht Ritter, wenn er spricht,
Mit Sporn und Schild und alledem:
Den braven Mann kreiert er nicht,
Der steht zu hoch trotz alledem:
Trotz alledem und alledem!
Trotz Würdenschnack und alledem –
Des innern Wertes stolz Gefühl
Läuft doch den Rang ab alledem!

Drum jeder fleh‘, daß es gescheh‘,
Wie es geschieht trotz alledem,
Daß Wert und Kern, so nah wie fern,
Den Sieg erringt trotz alledem!
Trotz alledem und alledem,
Es kommt dazu trotz alledem,
Daß rings der Mensch die Bruderhand
Dem Menschen reicht trotz alledem!

Den deutschen Text von Ferdinand Freiligrath hierzu findet ihr u.a. bei Wikipedia

Das war ´ne heiße Märzenzeit,
Trotz Regen, Schnee und alledem!
Nun aber, da es Blüten schneit,
Nun ist es kalt, trotz alledem!

usw.

Internetabzocke! Achtung!

Unter dieser Überschrift werden in diesen Tagen Mails versandt, wie unter angezeigt:

Internetabzocke! Achtung!

Allein die Art und Weise dieser Mail verrät, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugehen kann (z.B. der Hinweis auf einen Bekannten). Abgesendet werden diese Mails unter einer Adresse, die wohl zu freenet.de gehört.

Wie es aussieht, handelt es sich hierbei nur um eine von den Verantwortlichen der Internet-Adresse nicht veranlasste Spam-Nachricht. Ist das Ganze also harmlos?

Ich kann nur raten, solche Mails ‚ernst‘ zu nehmen und möglichst sofort zu löschen. Wer vorhandene Anhänge zu solchen Mails öffnet, darf sich nicht wundern, wenn er sich Viren usw. einfängt. Vorsicht ist auch geboten, wenn man Internet-Adressen aus solchen dubiosen Mails aufruft. Auch hier besteht die Gefahr, dass man seinen Rechner mit Viren verseucht.

Zz. grassieren auch Mails zum Thema Lebensprognose. Die aufgerufenen Seiten entpuppen sich meist als extrem kostenpflichtig.

Ian Anderson: Walk into Light (1983)

Um es gleich zu sagen: Ich bin kein Purist! Wenn ich der sicherlich stolze Eigentümer einer großen LP-Sammlung bin, so heißt das nur, dass es damals, als ich mir diese Scheiben zulegte, noch keine CDs auf dem Markt gab. CDs sind für mich einfach handlicher und lassen sich (meist) auch ohne Probleme z.B. auf einen MP3-Player kopieren. Da ich nun aber diese LP-Sammlung habe und einige dieser Scheiben als CD auf dem Markt nicht mehr ohne weiteres erhältlich sind (nur über ebay oder ähnliches für viel Geld), bin ich mehr oder weniger gezwungen, die musikalischen Perlen zu digitalisieren (wie das in etwa geht, siehe am Schluss).

Als alter Fan von Jethro Tull habe ich mir zunächst das erste Solo-Album von Ian Anderson aus dem Jahre 1983 vorgenommen: „Walk into Light“. Das Album ist also nicht mehr im Schallplattengeschäft erhältlich. Auch dürfte es nicht unbedingt jeden Tull-Fan erfreuen, denn es zeugt lediglich von der Experimentierfreude des Herrn Anderson – mit Hilfe des Keyboarders Peter-John Vettese, der auch maßgeblich am Entstehen des 1984 erschienen Tull-Albums „Under Wraps“ beteiligt war. „Walk into Light“ ist gewissermaßen der Vorbote von „Under Wraps“.

Ian Anderson: Walk into Light (1983)

Ian Anderson selbst bezeichnet sein erstes Solo-Album als „eclectic-electric“, was ich als vielschichtig (aus verschiedenen Quellen schöpfend) und elektronisch deuten möchte. Denn elektronisch ist die Scheibe bis zum Exzess: Synthesizer en masse, die Drums aus der Dose. Aber gerade die Drums finde ich hier weniger nervig als auf „Under Wraps“, wo sie mir auch den letzten Hörgenuss verleiden können.

Interessant finde ich die Scheibe aber trotzdem. Da kennen wir Ian Anderson als Verfasser und Interpret von akustischen Stücken. Und plötzlich schert sich der Mann einen feuchten Kehricht um alles und begibt sich auf völlig anderes Terrain. Okay, einiges verrät trotzdem, dass hier Ian Anderson seine Finger im Spiel hat. So völlig kann er seine Vergangenheit nicht verleugnen. Ist auch gut so. Auf jeden Fall scheiden sich die Geister an diesem Album (und damit auch an „Under Wraps“).

Hier nun als Hörprobe den Titelsong aus dem Album:


Ian Anderson: Walk into Light

Texte zu „Walk into Light“ siehe cupofwonder.com

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Zum Digitalisieren meiner alten LPs schließe ich den Plattenspieler an meinen PC über einen Eingang mit zwei Cinch-Buchsen (rot und weiß) in Frontbereich an (zusätzliche Sound- und TV-Karte). Über die Lautstärkeregelung (rechter Mausklick auf das Lautsprechersymbol) muss ich eine Zuordnung zu dieser Schnittstelle herstellen (Optionen -> Eigenschaften -> Lautstärke regeln für Aufnahme -> Auswahl bei „Front Line-In“).

Cinch-Stecker

Hat man eine solche Schnittstelle nicht, so geht es auch über den normalen Line-In-Eingang auf der Rückseite des Rechners (die blaue Buchse der Soundkarte). Hat der Plattenspieler Cinch-Stecker, dann müssen diese mit einem Klinkenstecker-3,5-mm-Adapter am PC angeschlossen werden.

Klinkensrecker 3,5 mm Klinkenstecker-Adapter

Als Aufnahmesoftware bediene ich mich beim Nero Wave-Editor aus dem Nero 7-er-Paket. Dabei nehme ich zunächst jeweils eine ganze LP-Seite als unkomprimierte WAV-Datei auf. Später schneide ich mir die einzelnen Stücke heraus, muss meistens auch die Lautstärke etwas höher stellen und konvertiere diese zu MP3 (hierfür eignet sich u.a. der Audio-Editor vom ULEAD Media-Studio oder andere entsprechende Software, z.B. GoldWave).

Nero Wave-Editor

Das ist alles bisschen aufwändig, aber hat man erst einmal alles auf- und eingestellt, dann geht das ganz gut.

Ahooga Nonsen – Frühlings Erwachen oder Dreck am Stecken – Teil 2

Hier nun die Fortsetzung und auch bereits das Ende eines Kriminalromans, über dessen Einleitung ich nicht hinaus gekommen bin. Dies Stück Weltliteratur stammt aus meiner ‚weißen Phase‘ etwa im März 1993, also vor inzwischen vielen Jahren, als ich auch noch in Hamburg hauste und mir diese Stadt als Kulisse dieses gerade zu kafkaesken Romanfrakments diente. Am Ende verliert sich dieser poetische Erguss in einigen Randnotizen, die ich gut ein Jahr später (welche Hoffnung war in mir, diesen Roman vielleicht doch noch zu Ende zu schreiben) verfasste und die vielleicht Ausfluss Aufschluss (welcher ‚Freud‘ reitet mich hier) bieten, wie alles hätte enden sollen. Genug – viel Spaß auch hier beim Lesen:

Ahooga Nonsen heißt eigentlich nicht Ahooga. Wie er zu diesem Namen kam, weiß er wohl selbst nicht mehr genau. Ahooga klingt wie ein Ausruf – von Tarzan, der von Liane zu Liane springt, könnte dieses Ahooga stammen. Aber Ahooga Nonsen weiß es besser: Tarzan schreit: Ahaha! Wie Ahooga wirklich heißt, verrät er nicht. In seinem ureigenem Personalausweis könnte man seinen tatsächlichen Vornamen finden oder in seinem Führerschein. Aber beides hat er vor einiger Zeit eingebüßt, als er als zweiter Sieger aus einer tatkräftigen Auseinandersetzung hervorging mit blutendem Maul, zerrissenen Hosen und fehlender Brieftasche, in der noch die drei Hunderter steckten, die ihn zuvor ein Klient für verauslagte Kosten gegeben hatte – und seine Papiere. Das gigantische Schlüsselbund war ihm aber erhalten geblieben. Und obwohl sich in diesen kalten Wintertagen kein neuer Auftrag auftat, saß er lieber in seinem warmen Büro, als von Behörde zu Behörde zu rennen, den Verlust seiner Papiere zu melden und neue zu beantragen. Ahooga Nonsen heißt Ahooga Nonsen, wenn er im Dienst ist, wie er es nennt, wenn er im Büro sitzt. Sobald er aber sein Büro verläßt, nimmt er andere Namen an. Als Privatdetektiv muß man Vorsorge treffen. So hat er ein Arsenal an Visitenkarten, hat sich auch beizeiten gefälschte Papiere besorgt, um bei entsprechenden Eventualitäten versorgt zu sein. Als er in die Schlägerei geriet, da war er außer Dienst, wollte sich lediglich seine Zutaten für sein Abendessen besorgen und hatte seine Originalpapiere bei sich. Manchmal ist es wie verhext. Da benimmt man sich wie ein Amateur, läßt sich die Nase polieren, strauchelt und am Ende verliert man gewissermaßen seine wahre Identität. (01.03.94)


Ahooga Nonsen für einen Privatdetektiven halten, darauf würden auf Anhieb nur die wenigsten kommen, wenn überhaupt einer. Nicht das er schmal und schmächtig, zart oder gar schwächlich gebaut ist. Eher das Gegenteil ist der Fall. Ahooga ist klein und breit. Fast quadratisch. Und wenn er durch die Straßen geht, die Kneipen der Stadt abklappert in seinem verschlissenen Mantel und der dazu ziemlich unpassenden Schottenmütze, dann wirkt sein Gang behäbig, geradezu schwerfällig. Man sollte sich aber nicht täuschen lassen. Schon mancheiner hat ihn unterschätzt und dafür Lehrgeld kassiert. Vielleicht weil er so klein ist – und in seinem Mantel mit Mütze noch kleiner wirkt -, sind seine starken Arme schneller um die Ecke dank der kürzeren Hebel. Wenn er so durch die Kneipen geht, ob auf der Suche nach einem untreu gewordenen Ehegatten oder einem lustsüchtigen Töchterlein, mit dem Foto in der Hand, dann könnte man ihn eher für einen Hamburg-Touristen halten, der irgendwo vom Lande kommt und in Hamburg nichts Eiligeres zu finden hat als die Reeperbahn, wenn auch nicht nachts um halb eins. In einigen Kneipen kennt man ihn natürlich schon, besonders in den einschlägigen, in denen sich schon einige der Gesuchten auch tatsächlich aufgabeln ließen. Aber selbst dort nimmt man es ihm immer noch nicht so recht ab, daß der ein Schnüffler ist. Und das ist ihm auch ganz genehm.


Das Büro ist nicht gerade ein Schmuckkästchen. Neben dem Fenster, das in Richtung Norden weist und kaum Licht in das ohnehin kleine Zimmer läßt, steht ein großer Aktenschrank, schon altersschwach wie man ihn heute noch höchstens in Finanzämtern, und dort auch nur noch in staubigen Kellern, findet. Dieser Schrank ist zweigeteilt und durch Rolläden, die aber an allen Ecken und Kanten haken, verschließbar. Der obere Teil enthält jede Menge Aktenordner; der untere enthält die Zutaten für sein Mittagessen, daneben eine Unmenge an leeren und vollen Bierflaschen. Neben dem Kochtopf mit dem Tauchsieder steht eine Dose mit Tee und eine Tasse, deren Inneres zu leben scheint. Und eine Flasche besten Jamaica-Rums, mit dem Ahooga seinen Tee an kalten Tagen wie diesen zu würzen trachtet. Ahooga ist ein ausgesprochener Teetrinker. Wenn er nicht gerade seine Bierchen zischt. Und mit einen Schuß Rum ist der Tee für ihn das Getränk, für das er jedes andere Getränk dieser Welt stehen läßt. Ebenfalls im unteren Teil des Aktenschranks befindet sich weiteres Geschirr, Messer, Gabel und Löffel, die ein oder andere geöffnete oder noch verschlossene Dose mit irgendeinem Fertiggericht. Um sich zu waschen oder das Geschirr zu spülen, befindet sich zur anderen, der linken Seite des Fensters ein Waschbecken. In diesem Waschbecken wäscht er oft seine Socken, denn er hat das, was man qualmende Füße nennt. Wäsche, also auch frische Socken, ein Hemd und auch eine von ihm persönlich gebügelte Hose, befinden sich im unteren Teil eines ebenfalls antiken Schreibtisches, der mitten im Raum steht. Zwischen Schreibtisch und Fenster steht der Ledersessel mit den Armlehnen, über denen er von Zeit zu Zeit seine Beine baumeln läßt, wenn er den Rücken zur Tür gekehrt aus dem Fenster blickt. Links neben der Tür dem Aktenschrank gegenüber steht der Garderobenständer mit den Spiddelfingern. Auf der anderen gibt es dann noch eine Sitzmöglichkeit für Klienten. Wie anders sollte man dieses Möbelstück nennen, daß selbst für den Sperrmüll zu schade ist. Es handelt sich dabei um eine Art von Gestell auf meist vier Beinen. Sollte es einer der Klienten einmal wagen, sich auf diesen Sitz zu setzen, so stellt es sich bestimmt als dreibeinig heraus – das vierte Bein liegt dann wie der Klient am Boden. Aber auch das hat Vorteile. Der Klient ist gezwungen zu stehen, während ihn Ahooga von unten aus seinem Sessel heraus, das Fenster im Rücken, betrachten kann. Klienten, die stehen, halten sich meist kurz und nerven nicht mit langen Vorreden.

Nonsens Büro

Eigentlich schmuddelig ist es nicht in Ahoogas Büro. Dafür ist Ahooga in seinem Sinne ordnungsliebend. Das muß allerdings näher erläutert werden. Ahooga hat nämlich seine ureigenste Auffassung von Ordnung. Diese entspricht nicht ganz dem Motto: „Wer Ordnung schafft, ist nur zu faul zum Suchen!“, kommt dieser aber sehr nahe. Sein Hirn hat Ähnlichkeit mit einem Computer. Er speichert vieles im Kopf, das dem normalen Menschen nicht einfiele zu speichern. So merkt er sich gewissermaßen seine Unordnung, was im Bezug auf seine Akten heißen kann: Die für den Normalmenschen chaotische Unordnung in seinen Aktenordnern ist für Ahooga Nonsen ein selbstgeschaffenes Ordnungssystem. Fragte man ihn, wo z.B. ein bestimmter Artikel aus einer bestimmten Zeitung eines bestimmten Datums zu finden ist, so wird er es auf Anhieb finden, während Otto Normalverbraucher, der den gesuchten Artikel mit Sicherheit nach einem allgemeingültigen System (je Zeitung ein Ordner und dort nach Datum abgeheftet oder nach Thema usw.) suchen wird, den Artikel wahrscheinlich nie finden wird. Und so ist Ahooga Nonsen in allen Dingen. Benötigen wir z.B. ein bestimmtes Paar Socken, so werden wir diese in einer Schublade suchen, in der alle Socken, die wir haben (bis auf die, die wir tragen bzw. die sich in der Wäsche befinden), befinden. Ahooga Nonsen wird die benötigten Socken allerdings – und das schneller als wir in der Sockenschublade – irgendwo in einem Haufen zwischen Hemden und Hosen finden. (02.03.94)

Antik wäre aber auch nicht das richtige Wort.

(01.03.94)

[Verhältnis zu Frauen eher gestört – er hatte eine Liebhaberin, ein eher ältliches Fräulein, das ihm aber die Liebhaberei aufgekündigt hat, weil es mit seinem Lebenswandel und seiner Arbeit „nicht klarkam“. Irgendwie schwebte ihr ein im deutschen Sinne „gemütliches“ Eheleben vor – der Mann als arbeitsamer Arbeitnehmer, der morgens sich, von der Ehefrau verköstigt, zu seinem Büro aufmacht, um abends zu gewohnter Stunde heimzukehren zu Herd und Frauchen … – Jetzt läßt er sich sein ohnehin eher sporadisch aufflammendes Liebesbedürfnis von den handgreiflichen Fesselungskünsten einer Prostituierten befriedigen.]

[Ahooga haßt Gewalt. So trägt er keine Waffe bei sich, weder Pistole, noch Messer, noch sonstiges Schlag-, Stich- oder Schießinstrumentarium. Ahooga leicht grün angehaucht …] (24.03.94) [… höchstens einen Zahnstocher, den er immer bei sich trägt, um eventuelle Reste der Imbißnahrung (Frikadellen, Currywurst u.ä.) zwischen den Zähnen hervorzuholen. Dieser diente ihm allerdings einmal als Waffe, als er – wie so oft – unversehends in eine Keilerei geriet. Viel hatte ihm der Zahnstocher aber nicht geholfen … Er brach unvermittelt ab …] 04.05.94)

[Was er haßt, Zeit zu verschwenden. Für was er sich liebensgern Zeit läßt, ist zu schlafen…] (24.03.94) [Der Schlaf als „kleiner Bruder des Todes“ … Dabei ist Ahooga nicht todessehnsüchtig – nur, so meint er wenigstens, macht ihm der Tod, d.h. der eigene Tod, nichts aus. Wie sollte er auch – wenn es tot ist, so ist er tot. Und im Leben Furcht vor dem Tode zu haben, hält er für absurd. Anders ist es mit Schmerzen! Sollte sein Tod mit großen Schmerzen verbunden sein, so wünscht er sich natürlich einen leichten Tod. Notfalls würde er auf Sterbehilfe zurückgreifen. – Solche Gedanken macht er sich, wenn er kurz vor dem Schlafen dahindöst. …] (4.5.94)

Der Hund als Widersacher -> Chiquisnaque (vergl. Cervantes – „Rinconete und Cortadillo“)

Der Typ, der Kafka liest und zitiert (aber in anderen Sprachen – z.B. Isländisch) (1.8.94)

Geheime Botschaften

Es ist nur ein Spaß, aber ich spiele gern Spion. Als Spion verstrickt man sich nicht unbedingt in James Bond’sche Abenteuer, es ist eher viel Routinearbeit. Eine wesentliche Aufgabe ist der Austausch von Nachrichten, die möglichst vom ‚Feind’ nicht entschlüsselt werden sollten. Oder noch besser: Die von Feind nicht gefunden werden.

Eine Möglichkeit wäre z.B., Nachrichten in einem digitalen Bild zu verstecken. Ein digitales Bild besteht genau wie ein digitaler Text (also den man z.B. auf einem Computer speichert) aus Bits und Bytes. Ein Byte, wer es noch nicht weiß, besteht in der Regel aus 8 Bits, das sind kleine ‚Lichtschalter’, die lediglich ein- oder ausgeschaltet sein können. Mit acht solchen Bits (also einem Byte) kann man z.B. einen Buchstaben darstellen. Für einen Farbpunkt (Pixel genannt – ein digitales Bild besteht aus vielen kleinen Bildpunkten) benötigt man meist schon drei Bytes (je einen für einen der Grundfarben – die richtige Mischung ergibt die Farbe).

Lediglich die richtige Software interpretiert nun diese Bytes als Text oder Bild. Meistens helfen die Endungen eines Dateinamens (TXT oder DOC = Text – BMP, JPG oder GIF = Bild). Mit einem Texteditor kann man aber auch eine JPG-Datei, also ein Bild, öffnen, nur wird man lediglich kryptischen Text zu lesen bekommen. Sinngemäß geht es auch anders herum.

Nun kann ich einige dieser Farbpunkte, die als Text kryptisch, also nicht ‚lesbar’ sind, so manipulieren, dass diese, öffnet man das gesamte Bild mit einem Texteditor, durchaus sinnvollen Text ergeben.

Nehme ich ein Bildchen von 100 mal 100 Bildpunkten. Da ich für jeden Bildpunkt drei Bytes benötige, so sind das 3x100x100 = 30.000 Bytes. Da Dateien noch einen so genannten Header haben, die Informationen zur entsprechenden Datei enthalten, so ist die Bild-Datei 30.054 Bytes groß.

Welcher Editor, spricht Textbearbeitungsprogramm, eignet sich nun für die Implantation von Texten? Microsofts Word kann man vergessen, da Word neben dem Header noch viele andere Informationen in die Datei schreibt. Das allzeit beliebte Notepad, von Microsoft mit Windows geliefert, geht irgendwie auch nicht. Bleibt eigentlich nur noch Wordpad, was aber auch nicht so ganz zum gewünschten Erfolg führt, zumal man gern einen bestimmten Punkt ausmachen möchte, ab dem die geheime Botschaft steht. Ich habe da einen sehr schönen Editor gefunden, den Hexadezimal-Editor XVI32, der sich überhaupt zum Manipulieren von Dateien jeder Art eignet.

Originalbild (100 x 100 Pixel groß) mit dem Hex-Editor XVI32 manipuliertes Bild mit Wordpad manipuliertes Bild
Originalbild (100 x 100 Pixel groß) mit dem Hex-Editor manipuliertes Bild mit Wordpad manipuliertes Bild

Ich öffne also z.B. mit dem Hex-Editor XVI32 die oben angezeigte Bilddatei. Von den 30.054 Bytes suche ich mir das 4117. Byte (= Zeichen) heraus. Da die Zählung immer mit null beginnt und der Editor hexadezimal rechnet, ist es das Byte 1014 (1014 hexadezimal = 4117-1 dezimal). Ab dort überschreibe ich die kryptischen Bild-Bytes mit menschenlesbaren Text-Bytes.

Textbearbeitung mit dem Hex-Editor XVI32

Originalbild (100 x 100 Pixel groß) - 2,5x vergrößert mit dem Hex-Editor XVI32 manipuliertes Bild - 2,5x vergrößert
Originalbild (100 x 100 Pixel groß) – 2,5x vergrößert mit dem Hex-Editor XVI32 manipuliertes Bild – 2,5x vergrößert

Dann speichere das Ganze und habe nun ein Bildchen, das dem ursprünglichen fast gleicht, aber eben nur fast, wie man unten im vergrößertem Ausschnitt sieht.

Auszug aus Originalbild Auszug aus manipuliertem Bild
Auszug aus Originalbild Auszug aus manipuliertem Bild

Den implantierten Text könnte ich natürlich zunächst noch chiffrieren, um das Ganze noch spannender zu machen. Aber ich will an dieser Stelle nichts übertreiben.

Buchstaben im ASCII– bzw. ANSI-Code

Großbuchstaben A – Z
Hex 41 – 5A
Dez 65 – 90

Kleinbuchstaben a – z
Hex 61 – 7A
Dez 97 – 122

Dank an www.chmaas.handshake.de für den Hex-Editor XVI32, mit dessen Hilfe ich wie beschrieben diese Bild-Text-Manipulationen vornehmen konnte (hier kann man sich das Programm auch herunterladen).

Ahooga Nonsen – Frühlings Erwachen oder Dreck am Stecken – Teil 1

Es war im März 1993, da brach bei mir wieder einmal die poetische Ader auf und ergoss sich in Form einer Einleitung zu einem Kriminalroman aufs weiße Papier (eigentlich doch eher in kleinen Bits bzw. Bytes auf die Festplatte meines Rechners). Über diesen Anfang bin ich nie hinweg gekommen (in des Wortes doppelter Bedeutung), denn schon sehr bald versiegte die schöpferische Quelle und es blieb mir nur das folgende Roman-Fragment, dessen ersten Teil ich hiermit zum Besten gebe. Immerhin hat es geradezu Kafka’sche Qualität und sollte nicht in einer Schublade meines Schränke verstauben (respektive Festplatte). Und auch thematisch passt es in die jetzige Jahreszeit. Also viel Spaß beim Lesen:

1 Tauwetter

Tauwetter – Sauwetter! Es kommt tja schon selten vor, daß der Schnee in Hamburg liegen bleibt. Und wie der Schnee alles unter seiner weißen Decke verschwinden läßt, alles gewissermaßen verhüllt, so daß Schritte, der Autolärm und alle anderen Geräusche, die eine Stadt alltäglich hervorbringt, dämpft und sogar, wenigstens teilweise, zum Schweigen bringt … man könnte denken, daß Leben kommt zum Erliegen … so schwieg auch das Telefon von Ahooga Nonsen, der tagelang allein in der weißverhüllten Stille des Winters in seinem Büro hockte, sprungbereit, um beim nächsten Klingeln des Telefonapparats den Hörer aufzunehmen, z.B. die Zigarre lässig zwischen Daumen und Mittelfinger der linken Hand drehend – absolute Sendepause! Es gab für ihn nichts zu tun. Und irgendwie war er froh darum, nichts tun zu müssen und stattdessen seinen Blick aus dem Fenster auf die fallenden Schneeflocken richten zu können. Als dann die Dämmerung einsetzte und das Telefon immer noch nicht zu klingeln wagte, als wäre es eingeschneit, da drückte Ahooga seine längst schon erkaltete Zigarre im rettungslos überfüllten Aschenbecher aus; die Zigarettenkippen samt Asche quollen wie aufgeschäumter Kunststoff hervor und mehrere fielen dann auch über den Rand auf den mit ausgeschnittenen Zeitungsartikeln übersäten Schreibtisch. Tagsüber bevorzugte Ahooga Zigaretten, die er sich wie beiläufig selbst zu drehen pflegte. Stand der Abend vor der Tür, dann gönnte er sich eine Zigarre, nicht die billigste, beileibe aber auch nicht die teuerste. An einen Tag wie diesen rauchte er viel, während er in den Zeitungen blätterte und den einen oder anderen Artikel, der ihm interessant erschien, mit der angerosteten Schere ausschnitt, er rauchte zu viel, wie sein Arzt ihm sagen würde. Und der Kippen sammelten sich zusehends. Als interessiere ihn der übergequollene Aschenbecher nicht, ließ Ahooga alles liegen und stehen, stand aus seinem abgestoßenen Ledersessel auf, schlich langsam und bedächtig auf den Garderobenständer zu, der einen in den Ärmeln ausgebeulten hellen Mantel und seine schottengemusterte Schlägermütze wie auf gegen die Zimmerdecke ausgestreckte Spiddelfinger barg, um beides aufzunehmen, zuerst den Mantel mit der rechten Hand, um ihn über den linken Arm zu hängen, dann die Mütze ebenso mit der rechten, um sie sogleich über den Kopf zu stülpen, wobei die linke Hand, durch den in der Armbeuge eingeklemmten Mantel behindert, beim Richten der Mütze nachzuhelfen suchte, was aber nicht auf Anhieb gelang. Erst beim dritten Versuch schien es zu klappen, zumindest dachte Ahooga Nonsen das, aber die Mütze knüllte einen größeren Haarbüschel des Hinterkopfes, so daß die ansonsten vermeidlich geordnete Frisur durcheinander geriet und die Mütze am Hinterkopf unmäßig beulte. Den Mantel zog er erst im Hausflur an, nachdem er die Türe zu seinem Büro mit dem Schlüssel, den an einem mit unzählig vielen Schlüsseln unterschiedlichster Art übersäten Schlüsselbund, verschlossen hatte. Wie ein Magier fand er aus dem Metallknäuel in Sekundenschnelle den richtigen Schlüssel, schloß mit der linken Hand ab, um gleichzeitig mit der rechten den Mantel aufzunehmen, diesen gewissermaßen in die Luft warf, um mit dem rechten Arm in den durchaus richtigen rechten Ärmel hineinzuschlüpfen. Und kaum war die Tür verschlossen, war auch schon das Schlüsselknäuel in der linken Hosentasche verstaut. Im Hinuntergehen zog er sich dann den Mantel vollständig an. Unten an der Haustüre, zwei Stockwerke unterhalb seines Büros, nesselte er am Mantelkragen herum, noch bevor er die Tür zur Straße geöffnet hatte. Ein Kälteschauer fuhr ihn über den Rücken. Er knöpfte auch den obersten Knopf schnell zu, öffnete die Tür und mit einem kleinen Sprung, so als wäre er gestoßen worden, hüpfte er auf den Gehweg, der, obwohl vor kurzem gefegt, wieder fast vollständig beschneit war. Als er auf das Pflaster aufsetzte, mußte er mit den beiden Armen balancierend seinen Schwung ausgleichen, um nicht ins Staucheln zu geraten. Das Pflaster war glatt, zumal er nicht die für diese Witterung richtigen Schuhe anhatte. Er hatte keine anderen Schuhe außer diese schwarzen, deren rechter Schürsenkel schon vor längerer Zeit gerissen und dann von Ahooga notdürftig zusammengeknotet war, um weiterhin seinen Dienst zu verrichten. So kam Ahooga Nonsen bei fast jedem Schritt, den er tat, ins Rutschen, mußte einmal den einen, dann den anderen, meist aber beide Arme zu Hilfe nehmen, um seinen Gang auf dem glitschigen Grund aufrecht zu halten. Fast wie ein Seiltänzer balancierte er auf Eis und Schnee.

Tauwetter ist Sauwetter! dachte sich Ahooga Nonsen. Denn nach einer Woche der Eiseskälte hatte eine Westströmung plötzlich wärmere Luft über Frankreich aus dem Mittelmeerraum um Spanien herum auch nach Hamburg gebracht, die innerhalb kürzester Zeit den angehäuften Schnee zum Schmelzen brachte. Ahooga hatte sich extra für dieses unverhofft eingebrochene Winterwetter feste Stiefel mit Fellimitat und Profilsohle gekauft, weil seine schwarzen Schürschuhe förmlich im Schnee ersoffen waren und mit Zeitungspapier ausgefüttert zum Trocknen unter der Heizung seines Büros standen. Einen halben Tag lang war er mit nassen, eiskalten Füßen durch die Innenstadt Hamburgs gelaufen, die ersten Anzeichen eines Schnupfens hatte er halbwegs erfolgreich mit einem Tee, der verdächtig nach Rum roch, bekämpft, um sich dann endlich zu diesem Kauf zu entschließen. Wie zufällig kam er an einem Schuhgeschäft vorbei, das diese dunkelbraunen Stiefel mit dem Plastikfell in Massen zu einem herabgesetzten Preis: besonders preisgünstig – der Sommerschlußverkauf nahte – an den Käufer zu bringen suchte. Eigentlich war er am Schuhgeschäft schon vorbei, da schmerzten ihn plötzlich seine halberfrorenen Füße, so daß er kehrt machte, ein Paar seiner Größe am Eingang des Ladens aufnahm und unter die linke Achselhöhle stopfte, den Laden betrat, Ausschau noch nach dicken Socken hielt, keine passenden auf Anhieb finden konnte, so zur Kasse schritt, um den Preis zu entrichten. Das Anprobieren vergaß er dabei, bereute es sehr bald, denn die Schuhe waren zu groß. Zunächst erschien das kein Problem zu sein. In seinem Büro zurückgekehrt, suchte er im rechten unteren Schreibtischschubfach nach Socken, konnte keine finden und nahm so bereits getragene, die auf der Heizung zum Trocknen lagen. Sie waren noch etwas klamm, er zog die alten Schuhe samt nassen Strümpfe aus, stülpte sich die lauwarmen Socken über und schlüpfte in die neuen Stiefel. Da diese zu groß waren, ergänzte er sein Fußkleid um die kaltnassen Strümpfe, was aber auch nicht viel half, denn er rutschte mit den Füßen hin und her, wobei sich die Hacken am rauhen Stiefelleder rieben. Zunächst kein Problem, wie gesagt. Als er aber vom Büro nach Hause kam, unterwegs noch schnell Zutaten für sein Abendessen einkaufte, sich auch noch in seiner Eckkneipe mit einem Grog stärkte, da verspürte er bereits ein Stechen in beiden Hacken, das in ein Brennen überging, nachdem er sich von den Stiefel befreit hatte, und nicht wie der Schmerz eisiger Füße vorübergehen sollte. Nachdem er sich die Füße rundum wund gelaufen hatte, diese mit Salben behandelt und Pflästerchen unterschiedlichster Größe verbunden hatte, da setzte das Tauwetter ein. Seine schwarzen Schuhe standen im Büro und er saß auf seiner Couch mit einer Flasche Bier vor dem Fernseher, um sich ein Bundesligaspiel mit dem HSV anzugucken, obwohl er alles andere als ein HSV-Fan war.

Am nächsten Tag ging er dann zum letzten Mal mit diesen quälenden Stiefeln in sein Büro. Das lauige Lüftchen aus dem Mittelmeerraum hatte dem Schnee nun gänzlich den Garaus gemacht. Die bisher tiefgefrorene Hundescheiße lag häufchenweise quirlig-frisch und von besonders weicher Konsistenz an fast jedem Straßenrand und nicht nur gelegentlich, auch mitten auf dem Bürgersteig. Ahooga mußte es also passieren, daß er voll in einen solchen braunen Stinkhaufen hineintrat. Und wäre er nicht so gut bei Training und Balance, so hätte er sich bestimmt noch hingelegt, denn er rutschte auf dem Scheißmist aus, ruderte mit den Armen verzweifelt in der Luft, fand aber schnell das Gleichgewicht, um fluchend Ausschau zu halten nach einem Herrchen oder Frauchen mit Hundeseele, um dieser sein Leid zu klagen. Aber er war allein auf weiter Flur und kratzte den Hundedreck am nächsten Bordstein notdürftig ab. Im Büro angekommen zog er schnell die Stiefel aus, um sie in Richtung Papierkorb zu werfen. Da dieser aber mit zusammengeknüllten alten Zeitungen bereits übervoll war, einzelne Papierschnipsel lagen zerstreut daneben, so trumpften die Stiefel lediglich einzeln auf dem Korb auf, um sich in Richtung Garderobenständer zu verflüchtigen. Hier sollten sie noch einige Zeit liegen bleiben, obwohl von dem an ihnen haftenden Hundekot ein etwas übelverursachender Gestank ausging.

Fortsetzung folgt …

Feindliche Übernahme

Die Hüter des freien Geldverkehrs in Brüssel wollen das VW-Gesetz kippen, das dazu geschaffen wurde, feindlichen Übernahmen des Volkswagen-Konzerns zu verhindern. Nach diesem Gesetz darf keiner mehr als 20 % der Stimmrechte haben, auch wenn er mehr Aktien besitzt. Ansonsten könnte die Kontrolle über ein Unternehmen wie VW erreicht werden, wenn man im Besitz der absoluten Mehrheit der Aktien ist. Zz. hält die Porsche AG 27,4 % und das Land Niedersachsen 20,4 % der Aktien. Der Rest verteilt sich auf Kleinaktionäre.

Christian Wulff, Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, sieht keine Gefahr für VW, selbst wenn das VW-Gesetz kippen sollte, und begründet das mit dem Engagement von Porsche bei VW. Und schon ist man auch gleich bereit, Porsche gegenüber Entgegenkommen zu zeigen: Der Widerstand gegen den Porsche-Großaktionär Piëch als Aufsichtsratschef wurde aufgegeben und Porsche selbst ein 3. Posten im Aufsichtsrat zugesichert.

Damit ist die Volkswagen AG mit ihren Mitarbeitern aber auch auf Gedeih und Verderb von Porsche abhängig, was einer feindlichen Übernahme in meinen Augen schon sehr nahe kommt.

Wulff & Piech --- Krawalle in Sizilien

Daneben ist es für mich äußerst erstaunlich, wie sehr man in der Europäischen Union auf den freien Kapitalmarkt setzt, um nur keinen potenziellen Investor zu verschrecken (Investor im Sinne von Anleger von Kapital in Aktien, nicht in Anlageinvestitionen wie Maschinen usw.). Vielleicht wären Investitionsanreize für benachteiligte Regionen wie Sachsen und Sizilien etwas wichtiger. Wenn man dort den Menschen, insbesondere den Jugendlichen, berufliche Perspektiven böte, dann erübrigten sich vielleicht auch solche Fußball-Krawalle wie jetzt in Catania/Sizilien oder zuletzt in Leipzig. Ansonsten droht dem Fußball auch so etwas ähnliches wie eine „feindliche Übernahme“.

siehe zdf.de: EU-Generalanwalt: VW-Gesetz verstößt gegen Europarecht
und: VW: Niedersachsen überlässt Porsche das Lenkrad

Vom Pseudonym zum Nickname

Wer sich ein Pseudonym, also einen fingierten („getürkten“) Namen, zulegt, tut dies meist aus gutem Grund. Die Person hat etwas zu verbergen. Gründe gibt es deren viele. So schrieben vor nun doch langer Zeit Frauen unter Männernamen, um überhaupt eine Chance zu bekommen, veröffentlicht zu werden. Heute sind es meist Schlageraffen, die sich ein Pseudonym, einen Künstlernamen (wo bleibt nur die Kunst?) zulegen, weil ihr Allerweltsname allein schon die Marktchancen zunichte machen würde.

Die Liste derer mit Pseudonym ist lang.

Wer nun heute im Internet unterwegs ist, bedient sich in der Regel auch eines Pseudonyms, hier Nickname genannt. Das kommt wie so vieles aus dem Englischen und bedeutet Spitz- bzw. Neckname (früher nannte frau/man das auch Kosename). Hinter einem Nickname kann man Anonymität wahren (was wortwörtlich nicht ganz richtig ist – bedeutet es doch Namenlosigkeit). Der eher seriöse Typ ‚verdichtet‘ dabei meist seinen wirklichen Namen auf eine Abkürzung, hängt zur Unterscheidung zu anderen eine Zahl (meist im Zusammenhang mit dem Geburtstag) hinzu und heißt dann frank81, andy00 oder susi66. Der protzende Typ nimmt sich einen Namen, der sie/ihn als etwas erscheinen lässt, was sie/er eigentlich gern wäre (meist aber nicht ist): superman, sexy66, goldkind usw.

Nickname-Maker

Und wie heißt Du? Für den, dem kein Nickname einfällt (soviel Phantasielosigkeit wäre dann aber wirklich erschreckend) bzw. der eine flippige Alternative zu seinem Nicknamen sucht, gibt es den Nickname-Maker, ein kostenloses Programm.

Ex-RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt bald auf freiem Fuß

Das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart hat entschieden, dass die frühere RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt nach mehr als 24 Jahren im Gefängnis auf freien Fuß zu setzen ist. Die zu fünfmal lebenslänglich plus 15 Jahren Haft verurteilte Mohnhaupt wird auf Bewährung entlassen und darf die Justizvollzugsanstalt zum 27. März verlassen. Die heute 57-Jährige gehörte in den Jahren von 1977 bis zu ihrer Festnahme 1982 zur Führungsebene der terroristischen „Roten Armee Fraktion“ (RAF), dort innerhalb der ‚2. Generation‘ zur Offensive 77, die für die Morde an den Generalbundesanwalt Siegfried Buback, den Bankier Jürgen Ponto und den Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer verantwortlich zeichnete.

Logo der RAF

Natürlich ist eine hitzige Debatte wegen dieser Freilassung entbrannt. Viele konservative Politiker fordern zumindest ein Reue-Bekenntnis, andere endlich die Mitarbeit an der Aufklärung der Terrorakte, die im Grunde bis heute nicht vollständig aufgeklärt wurden. Andererseits wies Friedrich Küppersbusch in der „taz“ darauf hin, dass die RAF-Terroristen Mohnhaupt, Klar und Haule bisher länger im Gefängnis sitzen als Haupt-Kriegsverbrecher der Nazis.

Steckbrief 1977 - u.a. Brigitte Mohnhaupt

Ich persönlich denke, dass es endlich an der Zeit ist, unter diesem Kapitel deutscher Geschichte einen Schlussstrich zu ziehen. Der entscheidende Punkt ist aber der, dass die gesetzlichen Voraussetzungen zu einer Haftentlassung erfüllt sind. Nach Aussage der Gefängnisleitung und aufgrund von psychiatrischer Gutachten besteht keine Gefahr, dass Brigitte Mohnhaupt dort anknüpft, wo sie 1982 aufhörte. Das ganze Gerede um Reue und Gnade ist in diesem Zusammenhang bedeutungslos. Bei der Haftentlassung handelt es sich nämlich nicht um einen Gnadensakt (eine Begnadigung durch den Bundespräsidenten wurde seinerzeit abgelehnt), noch ist Reue eine gesetzliche Voraussetzung hierfür.

Weiterhin denke ich, dass nach der Freilassung von Brigitte Mohnhaupt eine Aufarbeitung der terroristischen Straftaten durch deren Mitarbeit möglich sein dürfte, nicht im juristischen Umfeld, sondern z.B. Im Rahmen einer soziologischen Studie. Diese halte ich allerdings für sehr wichtig angesichts der heutigen terroristischen Bedrohung durch religiöse Fanatiker.

siehe auch zdf.de mit weiteren Infos: Ex-RAF-Terroristin kommt frei

Der 60-Stunden-Winter

Damit wir nicht völlig das Gefühl für Winter verlieren, hat sich das Wetter doch noch zu einem Winter von 60 Stunden Dauer entschlossen. Und das Ganze zunächst mit Schnee und am Samstag sogar bei Sonne mit etwas Frost. Nach zweieinhalb Tagen reichte es aber und es setzte Regen ein, der die weiße Pracht nun dahinschmelzen lässt.

60-Stunden-Winter in Tostedt 60-Stunden-Winter in Tostedt
Der 60-Stunden-Winter (vom 8. bis 11. Februar 2007)