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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Querbeet (2): WilliZ Neuer

’nen neuen Rechner brauchte der Willi – und schon hat er einen. Auch gleich mit neuem Bildschirm.

Wer denkt, der Willi hat keinen großen Bock mehr aufs Verfassen seiner tagtäglichen Botschaften, weil er ins Alter gekommen ist, der irrt (wenigstens zum Teil). Ich war damit beschäftigt, meinen neuen Rechner zu bepacken, damit er das tut, was ich gern von ihm zu tun erwarte …

Wie bei vielen Dingen, so hat man beim Kauf eines neuen PCs samt Bildschirm die Qual der Wahl. Eines stand für mich allerdings fest: Es sollte einer mit Windows sein (nichts Apfel- oder Linuxmäßiges), denn die von mir gehortete Software läuft nun einmal nur unter Windows. Und da Windows, dann doch noch am besten in 7er Version (8, selbst 8.1 kommt für mich u.a. aus Kompatibilitätsgründen nicht in Frage). Dann natürlich auch die Frage, welchen Prozessor der neue Rechner haben soll, einer von Intel (I3, I5 oder I7) oder einen AMD. Usw. Usf.

Um es auf den Punkt zu bringen: Möglichst schnell sollte der neue PC sein (da auch für Videobearbeitung im HD-Bereich gedacht), möglichst stabil laufen (ha, und das mit Windows 🙂 ) und nichts bis maximal wenig kosten.

Apropos Windows 7: Microsoft scheint auf seiner 8er resp. 8.1er Version sitzen zu bleiben. Da droht man schon seit Monaten, einen Verkaufsstopp für Windows 7 zu erlassen. Jetzt wurde aus der Drohung (fast) Ernst. Bis spätestens 31. Oktober diesen Jahres ist die 7er Version noch käuflich erhältlich, dann ist Sense (außer Win7 Professional – mit Geschäftsleuten will sich Microsoft noch nicht anlegen). Das hat zz. zur Folge, dass Win7 teurer als Win8.1 ist, denn die ‚Vorräte’ schwinden. Wer also bald einen neuen Rechner braucht und wie ich Win7 favorisiert, der sollte bald zuschlagen.

    WilliZ neuer Rechner (2014)

Wie immer: Lange Rede, kurzer Sinn. Ich habe einen preiswerten, meinen Anforderungen entsprechenden Rechner gefunden. Kein Markengerät, aber mit Markenkomponenten ausgestattet – von einer Klitsche (gecCOM) – ausgehend von einem Prototypen – zusammengeschraubt und fast unter dem Ladentisch (wenn auch über amazon.de) verkauft (BBe-Tec); beide Firmen gehören irgendwie zusammen.

Das Produktangebot klingt eher abenteuerlich (und wenig werbewirksam, aber das interessiert mich ja auch nicht): #1| Windows7 Pro 64, STROM SPAR Office / Multimedia COMPUTER Eco-Tec PC 80PLUS, Quad-Core Intel i5-4570 4×3.2GHz, 1000GB SATA III, 8GB DDR3 PC1600, BeQuiet 300W Netzteil 80Plus Bronze, MSI B85 Mainboard, INTEL HD4600-Grafik mit HDMI/DVI, DVD-Brenner, FrontUSB3 + CardReader, 5.1 Sound, GigabitLANhier geht’s zur Produktbeschreibung.

Man beachte: Kein WLAN (was brauche ich das, der Rechner bleibt bei mir zu Hause unterm Schreibtisch stationiert – WLAN ließe sich aber nachrüsten), auch keine Tastatur oder Maus (damit kann ich mich tot schmeißen). Zwar gibt es noch einige PCI-Steckplätze. Es bleibt aber ansonsten wenig Platz für weitere einzubauende Komponenten. Dafür jede Menge USB-Anschlüsse, worüber ich extern das notfalls Benötigte anschließen kann (Festplatte, TV-Stick, Camcorder usw.). Vielleicht nicht so gut ist, dass die Grafikkarte on board ist (also direktes Teil der Hauptplatine ist).

Um es gleich zu sagen: Das ist keine Kaufempfehlung, eher ein Hinweis darauf, welche Komponenten einen halbwegs brauchbaren Rechner für den Hausgebrauch (und etwas darüber hinaus) ausmachen, ohne gleich das Budget zu sprengen.

Dazu dann einen (nicht zu) großen Monitor, der auch VGA-Anschlüsse (D-Sub) unterstützt (der Rechner hat natürlich auch einen HDMI-Anschluss). Preiswert kommt da der Samsung S22C350H 54 cm (21,5 Zoll) LED-Monitor (HDMI, 5ms Reaktionszeit) schwarz glänzend daher.

Übrigens: Die Ware (PC wie Bildschirm) hatte ich letzten Donnerstag bestellt – und am Samstag war beides bereits bei mir angekommen.

Wie gesagt: Die letzten Feierabende verbrachte ich damit, den Rechner zu bepacken (bestücken, Software einzurichten, wie man es auch nennen mag). Näheres später.

Das erste Hauptproblem war natürlich die Frage, wie ich an die Daten auf der Festplatte meines alten Rechners (Windows XP) komme, denn der Rechner war ‚abgekackt’ (wie man so schön in IT-Kreisen sagt), ließ sich also nicht wieder starten. Ursachenforschung habe ich nur kurz betrieben, ich denke aber, dass das Mainboard (gern auch Motherboard genannt) den Geist aufgegeben hat.

Wie also an die Daten kommen? Schon vor einiger Zeit hatte ich mir für wenige Euro einen USB-Adapter für den externen Anschluss von internen Festplatten gekauft. Gedacht war diese Bridge zunächst dafür, ausrangierte Festplatten weiterhin nutzen zu können (z.B. zur Datensicherung). Jetzt war dieser Adapter meine Rettung (denn viele Daten waren leider eben nicht gesichert). Okay, es gab Rechte-Probleme mit den Benutzer-Daten im Verzeichnis „C:\Dokumente und Einstellungen\[benutzername]\“. Da kam ich auch als Administrator nicht heran. Ich habe das Problem auf eine Weise gelöst, die leider nicht vielen zur Verfügung steht (die besagte Festplatte mit dem Adapter an einen Rechner in ein von einem Domain Controller verwaltetes Netzwerk angeschlossen und dann die Rechte ausgehebelt). Ich empfehle vorbeugend: Macht von Euren Daten (vor allem von Euren Benutzerdaten) eine Datensicherung oder speichert in das besagte Verzeichnis nicht unbedingt Dateien, die Ihr später (z.B. nach einem Crash des PCs) unbedingt braucht.

Bitte nicht mit dem Kopf schütteln. Aber auf dem alten Rechner hatte ich als Mailprogramm Outlook Express 6.0 von Microsoft laufen. Der Rechner ist immerhin zehn ¼ Jahr alt geworden. Und damals gab es z.B. kein Thunderbird oder ähnliches. Und ich war im Laufe der Jahre einfach zu faul, Outlook Express auf ein anderes Programm umzustellen. Wie jetzt also verfahren? Wie die vielen Mails, auf die ich weiterhin Zugriff haben wollte, von der Festplatte des alten XP-Rechners retten? Das ist schon ein Thema für sich und interessiert vielleicht nur die wenigen (so wenige sollen es aber gar nicht sein), die wie ich Outlook Express immer noch benutzen und die Maildaten eines Tages auf ein neues Programm umstellen wollen (ich kann nur raten: Lieber heute als morgen!). Ich habe es immerhin geschafft, sowohl Mails als auch Adressbuch nach Thunderbird zu ‚verpflanzen’.

Wie gesagt: Später mehr zur Rettung der Daten aus Outlook Express. Und natürlich zur Software-Bestückung meines neuen Rechners (ausgestattet mit Windows 7 Professional 64-Bit-Version). Leider habe ich nicht alles zum Laufen bekommen und bin dann auf kostenlose Alternativen umgestiegen (die teilweise sogar besser sind).

Zuletzt natürlich die Frage, wie ich mit dem neuen Rechner zufrieden bin. Ich kann nur sagen, ich bin … Als Maßstab kann ich natürlich nicht meinen alten mit Software überfrachteten XP-Rechner nehmen. Da starte jeder PC schneller … Aber es ist schon eine Freude zu sehen, wie schnell er startet und vor allem, wie schnell er ‚rechnet’. Also doch eine Kaufempfehlung? Ich bin immer ziemlich skeptisch. Für mich ist auch die Lebensdauer von großer Bedeutung. Und dazu, ist klar, kann ich mich erst in Jahren äußern. Bis dann 😉

Schwarzes Loch: Nordkorea im Dunkeln

Wir haben es ja längst gewusst: Der Oberste Führer Kim Jong-un (ja der von Korea-Nord) ist eine Art Vorreiter in Sachen Energiesparprogramm! Da können wir uns glatt ein Beispiel dran nehmen … 😉

Schwarzes Loch: Nordkorea im Dunkeln © ISS

Weltraum: Etwa in der Mitte dieses Bildes befindet sich das Land Nordkorea. Auf dieser Aufnahme der Internationalen Raumstation ISS wird deutlich, dass das verschlossene Land auch aus dem Weltraum kaum sichtbar ist. Während Straßenlaternen, Autos und Wohnhäuser die übrigen Staaten hell erleuchten, herrscht in Nordkorea in weiten Teilen Finsternis. Lediglich Pjöngjang, die Hauptstadt Nordkoreas, strahlt ein wenig Licht ab.

Karte Nordkorea – © Google Maps

HSV – Werder: Der Klassiker im Norden

Werder Bremen gegen den Hamburger SV: Keine Partie gab es öfter in der Fußball-Bundesliga. Am Sonnabend (15.30 Uhr) kreuzen die beiden Nordclubs zum 100. Mal die Klingen – doch diesmal ist vieles anders: Beide Traditionsvereine bangen vor dem Jubiläumsspiel um den Klassenerhalt (Quelle: ndr.de)

Werder Bremen: Alles für den Derbysieg!

Natürlich ist es längst nicht das 100. Spiel zwischen beiden Vereinen. Die Hanseatische Rivalität besteht nicht erst seit Gründung der Bundesliga (Werder und HSV waren Gründungsmitglieder – der HSV ist der einzige Verein, der seit der Gründung in der Bundesliga spielt – Werder war nach der Spielzeit 1979/80 ein Jahr zweitklassig). Schon früher stritten sich Werder und HSV darum, wer die Nummer eins im Norden ist. Diese Frage dürfte für dieses Jahr geklärt sein: keiner von beiden!

Das Jubiläumsduell mit dem Bundesliga-Dino verspricht Dramatik pur, da sich zur regionalen Brisanz noch der Abstiegskampf gesellt. „Dieses Derby ist das wichtigste Spiel“, sagte der Werder-Trainer: „Zum einen hat es eine sehr hohe emotionale Bedeutung, zum anderen ist es aufgrund der Wettkampfsituation immens wichtig.“

Auf gut Deutsch: Wer am Samstag verliert, dem winkt der Abstieg! Man darf gespannt sein

Ein Energieriegel zuviel …

Heute schon sind die Olympischen Winterspiele von Sotschi der Schnee von gestern:

    Putins Spiele: die XXII. Olympischen Winterspiele in Sotschi/Russland

Wie bereits befürchtet, so gestaltete sich die zweite Woche nicht mehr allzu erfolgversprechend, im Gegenteil: Es gesellten sich jede Menge Pleiten, Pech und Pannen hinzu. Es ging so „ziemlich alles schief, was nur schiefgehen konnte. Ein bereits vor Sotschi verunfallter Skistar, unglückliche Stürze auf der Zielgeraden, Defekte am Material, um Wimpernschläge verpasste Bronzemedaillen, verstopfte Gewehrläufe – und zu guter Letzt, sozusagen als finaler Stimmungstöter, eine üble Dopingaffäre um das ehemalige ‚Glamour Girl’ des deutschen nordischen Skisports Evi Sachenbacher-Stehle, die auch nach Olympia noch lange nachwirken wird. Die zweite Woche – aus deutscher Sicht ein Debakel.“ (Quelle: ard.br.de)

    Tim Tscharnke (L) und Hannes Dotzler im Ziel | Bild: dpa Bildfunk dpa Kay Nietfeld

Ja, da hatte die gute Evi wohl einen Energieriegel zuviel zu sich genommen. Und ihr vierte Platz beim Biathlon-Massenstart der Frauen, die beste Platzierung der Frauen in dieser Sportart, war dahin. Immerhin konnten die Männer noch mit zwei Silber-Medaillen aufwarten. Ansonsten: Leerlauf im Biathlon!


Größere Kartenansicht
Olympiapark Sotschi („Küsten-Region“) in Adler

Leerlauf auch bei den Bobfahrern. Einst eine Paradedisziplin der Deutschen avancierte dieser Sport zum Debakel. Da hätte man doch lieber die alten Geräte hervorgeholt. Jetzt werden einige der alten Damen und Herren in den wohlverdienten Ruhestand gehen (müssen).

Ansonsten auch nur viel Mittelmaß. Lediglich die Rodler wurden ihrer Favoritenrolle vollends gerecht. Ihre Vorrangstellung ist nur noch mit den Eisschnelllaufspezies der Niederlande vergleichbar. Bei den anderen Medaillengewinnen spielte viel Glück und Versagen der Konkurrenz (z.B. Skispringen der Frauen) eine Rolle.

Ach, und dann noch die Freestyler und Snowboarder. Ich frage mich schon, was solche Have-Fun-Sportarten bei Olympia zu suchen haben. Reiner Skizirkus! Wohl ambitioniert war man nach Sotschi gereist. Zurück in die Heimat geht’s mit nur zwei Medaillen. Die Verantwortlichen befürchten eine Kürzung der Gelder – bevor die Förderung richtig begonnen hat. Viel Fun, wenig Money!

Immerhin kamen am Ende doch noch 19 statt der erwarteten 30 Medaillen zusammen – und ein Platz sechs im Medaillenspiegel, der Nationenwertung. Die Winterspiele 2014 sind zu Ende. Und es bleibt die Frage, ob die Fördermittel für deutsche Athleten vielleicht nicht im Breitensport besser untergebracht wären.

Querbeet (1): ’nen neuen Rechner braucht der Willi

Wieder Wochenende. Zeit zum Entspannen. Aber gleich geht es erst einmal los zum Frühstücken mit meinen Lieben ins Cafe Hof Quellen in Wistedt: ein reichhaltiges Gourmet-Frühstück mit vielen hausgefertigten Köstlichkeiten auf vegetarischer Basis (nachträglich zu meinem Geburtstag) wartet auf uns.

Entspannung habe ich auch nötig (ganz so schlimm ist es dann auch wieder nicht), denn Mitte dieser Woche hat nach zehn ¼ Jahren mein Rechner den Geist aufgegeben. Gerade rechtzeitig, denn am 8. April 2014 stellt Microsoft den Support für Windows XP ein 😉 Okay, die Gurke hat wirklich lang gehalten (Netzteil und Grafikkarte mussten zwischenzeitlich allerdings schon erneuert werden), aber allein wegen einiger Teile (TV-Karte und Eingänge vorn am PC mit Cinchbuchsen für Audioeingang, Composite- und S-Video) werde ich IHN schon vermissen. Denn immerhin habe ich noch altes Videomaterial, das ich digitalisieren möchte. Und dafür brauche ich diese analogen Anschlüsse. Natürlich hätte ich noch einmal versuchen können, den Rechner wieder in Gang zu setzen. Aber ich muss endlich einen Schnitt machen. Ein Neuer muss her. Damals kostete mich der Rechner 1179 €. Dafür bekommt man heute fast ein so genanntes High-End-Gerät. Mitte November 2003 erwarb ich auch einen ersten Flachbildschirm für meine Söhne für 349 €. Drei Jahre später kaufte ich mir dann selbst einen ersten LCD-Bildschirm 19 Zoll für dann noch 199 €. Und heute kostet so ein Teil nur noch ab 99 € (21,5 Zoll). Und einen PC mit halbwegs ordentlicher Performance gibt’s dann schon für den halben Preis (ab 500 €). Es muss ja nicht immer das Neueste sein.

    WilliZ neuer Rechner (2014)

Mir graut es allerdings davor, den inzwischen georderten neuen Rechner mit all der Software zu bestücken, die ich auf dem alten PC habe. Hoffentlich läuft dann auch alles wie bisher.

Aber soweit ist es noch nicht. Jetzt erst einmal gemütlich frühstücken.

Winterolympische Randnotizen

Schon gehen die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi dem Ende entgegen. Nach 67 von 98 Entscheidungen führt im Medaillenspiegel das deutsche Team knapp vor Norwegen und den Niederlanden, die besonders im Eisschnelllauf wie selten zuvor dominieren. Aber bis zum Sonntag wird sich da sicherlich noch einiges ändern. Hier einige Randnotizen zum bisherigen Geschehen.

    Putins Spiele: die XXII. Olympischen Winterspiele in Sotschi/Russland

Ja, gegen dichten Nebel ist selbst Putin machtlos. Da musste u.a. im Biathlon der so genannte Massenstart der Männer über 15 km mehrmals abgesagt werden. Aber gegen Ruhestörer wie die Pussy-Riot-Mitglieder Tolokonnikowa und Aljochina samt dem Menschenrechtler Semjon Simonow gibt’s ja die Polizei. Diese und mindestens sieben weitere Aktivisten sind in den vergangenen Tagen in Sotschi bereits mehrfach festgenommen worden. „Am 16. Februar wurden wir für sieben Stunden festgehalten, und am 17. waren wir zehn Stunden beim Inlandsgeheimdienst FSB“, sagte Aljochina.

Nach eigenen Angaben wurde den beiden Frauen Diebstahl im Hotel vorgeworfen. Ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter des Innenministeriums sagte Moskauer Medien zufolge, die Frauen hätten „gegen Meldeauflagen verstoßen“. Die Aktivistinnen sagten, sie hätten sich zum Zeitpunkt ihrer Festnahme nicht an Protestkundgebungen beteiligt. Die Polizei gab zunächst keinen Kommentar.

Inzwischen sind die beiden Pussy-Riot-Mitglieder wohl wieder auf freiem Fuß.

Den Plan, mindestens 30 Medaillen in Sotschi zu holen, hat die deutsche Delegation schon früh aufgeben müssen (inzwischen sind es gerade einmal die Hälfte). Sicherlich liegt es nicht nur an den Pleiten im Eisschnelllauf, Bobfahren und auch im Biathlon (immerhin erhofft man sich nun doch noch die eine oder andere Medaille, z.B. im 5000-m-Eisschnelllauf der Frauen heute ab 14 Uhr 30 – im Viererbob am Wochenende – oder in den Mannschaftswettbewerben im Biathlon, z.B. heute in der Mixed Staffel ab 15 Uhr 30). Besonders über die Leistung der Bobfahrer muss man geradezu erstaunt sein. Bei denen stimmt so gut wie nichts: die Startzeiten sind schlecht. Ungewöhnlich viele Fahrfehler kommen hinzu. Und auch das Material, also die Bobs selbst, soll nicht das Beste sein.

Es kommen einige Krankheitsfälle hinzu, die die Medaillenausbeute schrumpfen lassen. In der nordischen Kombination startete zwar gestern im Großschanzenwettbewerb der Normalschanzen-Olympiasieger Eric Frenzel. Trotz der Führung nach dem Skispringen war er durch eine Viruserkrankung doch stark geschwächt. So ließ er zunächst die Konkurrenz im 10-km-Langlauf auflaufen und musste vor dem Ziel abreißen lassen. Zwar ging damit das taktische Konzept auf, die in Lauerstellung verharrenden weiteren drei deutschen Sportler ebenfalls in die Führungsgruppe auflaufen zu lassen. Aber dann waren diese selbst so dusselig und behinderten sich kurz vor dem Ziel gegenseitig. Die beiden Norweger, die den Sieg unter sich ausmachen durften, wird’s gefreut haben.

    Sotschi 2014: dusselige deutsche Nordisch-Kombinierer behindern sich gegenseitig

Beim Riesenslalom verzichtete gestern Maria Höfl-Riesch wegen einer Erkältung auf ihren Start. Aber dafür fuhr immerhin Viktoria Rebensburg nach einem fulminanten zweiten Durchgang aufs Treppchen (Bronze).

Heute nun ist Felix Neureuther an den Start im Riesenslalom der Männer gegangen. Nach einem Autounfall litt er an einem Schleudertrauma. Nach der ersten der beiden Durchgänge liegt er nur auf Platz acht, allerdings noch in der Nähe des Silber- bzw. Bronze-Ranges. Der US-Amerikaner Ted Ligity, übrigens ein guter Freund Neureuthers, führt mit großem Abstand. Warten wir den 2. Durchgang, der um 11 Uhr 30 gestartet wird, ab. So oder so ist Neureuther beeinträchtigt.

Was wären die olympischen Spiele ohne die Exoten. Da wagen sich manche bessere Freizeitsportler auf Pisten und Bahnen, bei denen man als Zuschauer um deren Gesundheit fürchten muss. Zwei Namen stehen hier repräsentativ für all die Athleten aus Ländern, die wahrscheinlich noch nie oder sehr selten Schnee gesehen haben. Neben den Bobpiloten aus Jamaica sind das jener Bruno Banani vom Inselstaat Tonga, der eigentlich Fuahea Semi heißt (der Rest ist mehr oder weniger ein Werbegag) und immerhin Platz 32 (von 39) im Rennrodeln erreichte – und Vanessa-Mae. Ja, genau die: Neben Nigel Kennedy und David Garrett ist sie die bekannteste Violinistin, die zwischen Klassik und Rock für Crossover-Musik steht. Sie startet für Thailand unter dem Namen ihrer Vaters als Vanessa Vanakorn im Riesenslalom und Slalom – wurde gestern im Riesenslalom allerdings nur 67. und damit letzte der Läuferinnen, die in beiden Durchläufe das Ziel erreichten. Ihre Geige hatte sie übrigens nicht dabei.

Nachtrag: Felix Neureuther kann sich leider nicht verbessern und bleibt auch nach dem 2. Durchgang auf Platz 8. Das noch etwas zu reißen war, zeigte der Franzose Steve Missillier, der von Platz 10 auf den Silber-Platz vorfuhr. Der Vorsprung von Ted Ligety, der Olympiasieger wurde, schmolz doch bedenklich …

Plitschnass: Jethro Tull – Under Wraps-Tour 1984

Am 8. Oktober 1984 erschien in den USA das Album Under Wraps der Gruppe Jethro Tull. Es war ohne Schlagzeuger im Frühjahr 1984 in Ian Andersons Heimstudio aufgenommen und ist das einzige Album der Gruppe, das überwiegend Stücke aus der Feder der Bandmitglieder enthält, hauptsächlich aber Lieder in Zusammenarbeit von Ian Anderson mit dem Keyboarder Peter-John Vettese, der dann auch erheblich den Stil des Albums prägte: elektronischer Rock mit jeder Menge Synthesizer, u.a. auch mit programmierten Schlagzeug. Höchste Chart-Position war Platz 76 in den USA (in Großbritannien erschien das Album bereits am 9. September und erreichte Platz 18).

Das Album wird unter Tull-Fans bis heute heiß diskutiert, denn an ihm scheiden sich immer noch die Geister. Auch ich war damals beim Erscheinen nicht gerade begeistert. Inzwischen habe ich aber Frieden damit geschlossen und betrachtet es vor allem als ein Kind seiner Zeit (eben die 80-er Jahre).

Wenige Tage nach der Veröffentlichung begann dann am 12. Oktober die Konzerttour durch die USA und führte die Gruppe am 28. Oktober nach Passaic, New Jersey. Dort traten sie im Capitol Theatre auf. Erstmals bei einer Tour mit dabei war Doane Perry am Schlagzeug. Das Konzert wurde von MTV für die Sendung „MTV Rock Influence“ aufgezeichnet, Sendedauer: 45 Min. Hierfür wurden allerdings nur vier bzw. fünf Lieder (Aqualung, Living in the Past kurz angespielt, Teile von Thick as a Brick, Under Wraps #1 und zuletzt, ist klar: Lomomotive Breath) verwendet. Wegen Probleme mit dem Urheberrecht ist das bei Youtube vorhandene Video dieser Sendung (in allerdings bescheidener Qualität) in Deutschland leider nicht zu betrachten (lässt sich aber über eine russische Website aufrufen). Die Rechte liegen inzwischen wohl u.a. bei Bill Graham Archives bzw. Wolfgang’s Vault und werden von dort vermarktet (eine inzwischen kostenpflichtige Mitgliedschaft ist notwendig – Bill Graham rotiert deshalb sicherlich in seinem Grab!).

Die Sendung „MTV Rock Influence“ allein ist sicherlich schon fast einen Beitrag wert. Es geht um Progressive Rock, und neben den Einspielungen aus dem Konzert in Passaic, New Jersey, kommt Ian Anderson zu Wort. Daneben werden Konzertausschnitte z.B. von Emerson, Lake & Palmer, Yes, King Crimson und Traffic (auch von Genesis – ohne Peter Gabriel bieten Phil Collins & Co. aber nur Mainstream-Rock) samt einiger Kommentare von Bandmitgliedern eingespielt. Im Mittelpunkt steht aber Jethro Tull und Ian Anderson (da war der Meister wohl zur rechten Zeit am rechten Ort).

Zurück zum Konzert: Hier zunächst die Playlist, wie sie in der Tull Tour History von The Ministry of Information (MoI) aufgeführt ist:

Under Wraps (intro), Locomotive Breath (inst. intro)/Hunting Girl, Under Wraps #1, Later That Same Evening, Nobody’s Car, Fly By Night, Thick As A Brick, Skating Away…, Clasp, Living In The Past, Serenade To A Cuckoo, Fat Man, Instrumental, Black Sunday, Songs From The Wood, Minstrel In The Gallery, My Sunday Feeling, Aqualung, Locomotive Breath, Too Old To Rock’N’Roll, Thick as a Brick (reprise)

Wie gesagt: MTV nahm damals das Konzert auf. Rechtemäßig ist es bei Wolfgang’s Vault gelandet. Und über die Website concertvault.com kann man das Konzert in ordentlicher Qualität (bei bestehender Mitgliedschaft) betrachten: Jethro Tull – Under Wraps 1984. Es gibt inzwischen auch eine alternative Website paste.com, über die man sich probeweise kostenlos einwählen kann (ich vermute Trittbrettfahrer, die die Wolfgang’s Vault-Videos ‚abschöpfen’): Jethro Tull – Under Wraps 1984

Wer evtl. die Videos herunterladen möchte (denn das lässt sich machen) findet Rat und Tat und weitere Infos zu dem Konzert bei Jethro Tull@www.laufi.de.

Allerdings fehlen gegenüber der Auflistung bei MoI die Stücke Minstrel In The Gallery und My Sunday Feeling. Letzteres kann man verknusen. Hier noch einmal die Playlist der Videos:

1 Under Wraps #1 02:18
2 Locomotive Breath (instrumental) / Hunting Girl 06:12
3 Under Wraps #1 04:46
4 Later, That Same Evening 04:13
5 Nobody’s Car 05:12
6 Fly By Night 04:19
7 Thick As A Brick 08:38
8 Skating Away On The Thin Ice Of A New Day 02:05
9 Clasp 04:06
10 Living In The Past 03:35
11 Serenade To A Cuckoo 04:19
12 Banter
(Vorstellung der Band) 02:10
13 Fat Man 06:17
14 Instrumental 08:15
15 Black Sunday 06:22
16 Songs From The Wood 06:34
17 Aqualung 07:28
18 Locomotive Breath 06:54
19 Too Old To Rock ‚N‘ Roll, Too Young To Die 09:06

Zuletzt einige (verkleinerte) Screenshots von Herrn Anderson in action. Man kann von „Under Wraps“ halten was man will. Aber das Konzert sollte man gesehen haben. Dermaßen energiegeladen habe ich Ian Anderson noch nie gesehen (und ich habe einige Konzerte seit 1972 besucht). Immerhin war der große Flötenguru damals auch schon 37 Jahre alt. Ich kann mich beim Betrachten der Videobilder des Eindrucks nicht erwehren, dass Anderson während des Konzertes unter Strom stand oder etwas in seinem Pausentee hatte. Etwas ätzend ist Andersons Kopfbinde (und die Kopfhörer samt Empfänger am Gürtel sprechen für eine noch nicht allzu ausgereifte Übertragungstechnik).

Und wie der Meister aus allen Poren schwitzt … Schon bald ist das Hemd klitschnass. Und zuletzt trieft auch die Gärtnerhose Andersons nur so von Körperflüssigkeiten (welchen auch immer?!). Erwähnenswert ist sicherlich auch, dass zu sehen ist, wie sich der Meister kurz unters Fußvolk mischt. Das ist wirklich ein seltener Anblick.

Erstaunlich ist auf jeden Fall, mit welcher Power Ian Anderson das Konzert bestreitet. Die Stimme ist zwar schon deutlich angeknackst, was ihn aber nicht davon abhält, wie ein Berserker zu singen: absolut sehens- und hörenswert!

Ian Anderson plitschnass: Jethro Tull live - Under Wraps-Tour 1984

Ian Anderson plitschnass: Jethro Tull live - Under Wraps-Tour 1984

Ian Anderson plitschnass: Jethro Tull live - Under Wraps-Tour 1984

Ian Anderson plitschnass: Jethro Tull live - Under Wraps-Tour 1984

Ian Anderson plitschnass: Jethro Tull live at Capitol Theatre, Passaic, NJ, USA – Under Wraps-Tour 1984

Ian Anderson plitschnass: Jethro Tull live - Under Wraps-Tour 1984

Ian Anderson plitschnass: Jethro Tull live - Under Wraps-Tour 1984

Psychopathie: Die Geschichte von den zwei Beerdigungen

Im Internet (hier nur einige Beispiele: [1] [2] [3] [4] [5] [6]) kursiert folgende Story: Während des Begräbnisses ihrer Mutter begegnet eine Frau einem Mann, den sie nie zuvor gesehen hat, und fühlt sich auf geheimnisvolle Weise zu ihm hingezogen. Sie glaubt, in ihm einen Seelenverwandten gefunden zu haben, und verfällt ihm sofort. Doch sie fragt ihn nicht nach seiner Telefonnummer und kann ihn, als die Beerdigung vorbei ist, nicht ausfindig machen. Wenige Tage später tötet sie ihre Schwester. Warum?

Nehmen Sie sich ein wenig Zeit, bevor Sie antworten. Denn offensichtlich lässt sich mithilfe dieses einfachen Tests feststellen, ob Sie wie ein Psychopath denken oder nicht. Welches Motiv könnte die Frau wohl haben, ihre Schwester umzubringen? Eifersucht? Findet sie ihre Schwester später mit dem Mann im Bett? Rache? Beides plausibel. Aber falsch. Die Antwort – gesetzt den Fall, Sie denken wie ein Psychopath – lautet: Weil sie hofft, der Mann würde bei der Beerdigung ihrer Schwester erneut auftauchen.

Falls dies Ihre Lösung war … keine Panik! Um ehrlich zu sein, ich habe gelogen. Natürlich bedeutet es nicht, das Sie wie ein Psychopath denken.

Ich lese zz. Psychopathen: Was man von Heiligen, Anwälten und Serienmördern lernen kann von Kevin Dutton, einem promovierten Psychologen und Professor am Calleva Research Centre for Evolution and Human Science der Universität Oxford – und Bestsellerautoren.

    Kevin Dutton: Psychopathen

Den Test (eigentlich ein Lateral, also ein Rätsel, bei dem mit wenigen Informationen eine paradox oder unsinnig erscheinende Endsituation einer Kurzgeschichte vorgegeben wird) mit der etwas hergeholte Geschichte findet man im Buch auf S. 52 im Kapitel „Echte Psychopathen bitte vortreten!“. Natürlich ist es kein ‚echter’ Test. Allerdings hat Kevin Dutton diese Geschichte echten Psychopathen vorgelegt, von denen aber nicht einer auf die „Folge-Beerdigung“ kam.

Ich werde auf dieses Buch wohl noch öfter zu sprechen kommen. Sicherlich zielt es nach meinem Geschmack etwas zu sehr auf eine breite Leserschaft. Aber es enthält eine lesbare und aufschlussreiche Darstellung der Psychopathie und die provokante These, dass wir von Psychopathen ‚lernen’ können. Zunächst beginnt das Buch mit einer Darstellung dessen, was wir Persönlichkeit nennen. Die oben aufgeführte Geschichte dient gewissermaßen als Schmankerl, also als Einstieg in die Darstellung der Psychopathie.

Psychopathie (nicht zu verwechseln mit Psychopathologie) bezeichnet eine schwere Persönlichkeitsstörung, die bei den Betroffenen mit dem weitgehenden oder völligen Fehlen von Empathie, sozialer Verantwortung und Gewissen einhergeht. Psychopathen sind auf den ersten Blick mitunter charmant, sie verstehen es, oberflächliche Beziehungen herzustellen. Dabei sind sie mitunter sehr manipulativ, um ihre Ziele zu erreichen. Oft mangelt es Psychopathen an langfristigen Zielen, sie sind impulsiv und verantwortungslos. Psychopathie geht mit antisozialen Verhaltensweisen einher, so dass oft die Diagnose einer dissozialen/antisozialen Persönlichkeitsstörung gestellt werden kann (Quelle: de.wikipedia.org)

Schneeglöckchen, grün Röckchen …

Gestern war es wieder einmal frühlingshaft warm: 12,5 °C im Schatten. Und Schatten gab es ja wirklich im Sonnenschein. Dass Schneeglöckchen bereits blühen, ist weniger ein Wunder, heißt es doch im Kinderlied: Schneeglöckchen, weiß Röckchen … Nur weiß ist das Röckchen nicht, denn das ist eigentlich aus Schnee …

Und die ersten Krokusse (oder wie man hier in Norddeutschland auch sagt: Kroken) blühen allerdings auch bereits. Etwas früh, immerhin schreiben wir Mitte Februar!

Schneeglöckchen - Mitte Februar 2014

Krokusse - Mitte Februar 2014

Schneeglöckchen, grün Röckchen …

Suzanne Vega: Tales From the Realm of the Queen of Pentacles (2014)

Suzanne Vegas letztes reguläres Studioalbum war Beauty & Crime aus dem Jahr 2007. Zum Erscheinen dieser CD schrieb ich damals vor fast sieben Jahren: … ihr neuestes Werk Beauty & Crime …, das sich im Wesentlichen um NYC dreht – mit anspruchsvollen, feministisch ausgerichteten Texten zu schönen Melodien, meist mit Begleitung durch eine aktustische Gitarre und sparsamen Arrangements, also im Stile einer Singer-Songwriterin.

Die New Yorker Singer-Songwriterin hat mit ihren beiden 80er-Jahre-Hits „Luka“ und „Tom’s Diner“ (siehe am Ende dieses Beitrags) Popgeschichte geschrieben. Nach siebenjähriger Pause veröffentlichte sie nun auf ihrem eigenen Plattenlabel ein neues Studioalbum: Tales from the Realm of the Queen of Pentacles. Okay, es waren keine sieben Jahre ohne Produktion. Zwischen 2010 und 2012 spielte Suzanne Vega viele ihrer alten Stücke neu ein und gliederte sie thematisch auf insgesamt vier Scheiben, die unter dem Titel Close-Up erschienen.

CD-Cover 'Tales From the Realm of the Queen of Pentacles' von Suzanne Vega | Bild: Cooking Vinyl, colourbox.com, Montage: BR

Auch dieses neue Album ist im Wesentlichen geprägt von Gitarre und Suzanne Vegas Stimme, die sich im Laufe ihrer nun fast schon 30jährigen Karriere kaum verändert hat. Weil diese Stimme, die sie selbst in einem Interview kürzlich als einfach und anspruchslos bezeichnete, immer im Mittelpunkt steht und der sich alle musikalischen Ideen unterordnen müssen, wirkt ihr Werk vielleicht so homogen. Zudem wird an dieser Stimme nicht groß technisch gewerkelt, wie Live-Aufnahmen bestätigen. Liest man die Kritiken auch über diese neue CD, dann erstaunt man schon: so viel Positives habe ich sonst kaum über einen anderen Musiker bzw. über eine andere Musikerin vernommen.

Das neue Album enthält wieder viel amerikanischen Folk-Pop, mit mehr rockigeren Anklängen als sonst und hier und da sogar orchestraler Verstärkung, darüber hinaus ist hier ein Banjo, da eine Flöte und dort eine Trompete hingetupft. Das wirkt alles ausgewogen, vielseitig, aber nicht nach zu viel, wenn die Arrangements auch etwas üppiger ausfallen als sonst.

Sie könne gut Geschichten erzählen, weshalb ihr besonderes Augenmerk auf den Texten ihrer Lieder liege, sagte sie unlängst. Und auch hier findet man wieder diese Suzanne Vega-Geschichten, etwa gleich im ersten Song, CRACK IN THE WALL, dessen Anfangszeilen auch gut beschreiben, wie man sich beim Hören dieses Albums fühlt: „A crack appeared inside a wall / A door sprang up around it.“ Oder SONG OF THE STOIC, ein berührendes Lied über das entbehrungsreiche Leben eines nunmehr alten Mannes.


Suzanne Vega – Crack in the Wall (live City Winery, Chicago, 29.09.2013)

Suzanne Vega mag das Geheimnisvolle, sympathisiert mit den Außenseitern der Gesellschaft – aus diesem und anderen Gründen erklärt sie in der Singleauskopplung I NEVER WEAR WHITE Schwarz zu ihrer Farbe: „All other colours lie.“ Trotzdem ist ihr ein buntes, ein vielseitiges, ein tiefsinniges Album gelungen. Das Comeback des Jahres, keine Frage (Quelle u.a. Kundenrezensionen bei amazon.de).


Suzanne Vega — I Never Wear White

Die Songtexte sind im Internet nachzuschlagen; außerdem hat Suzanne Vega natürlich auch einen Channel bei Youtube.

In FOOL’S COMPLAINT bedient sie sich kurzerhand einiger musikalischer Ideen aus ihrem Song WHEN HEROES GO DOWN. Aber der erschien ja schon 1992, und da geht es dann auch in Ordnung:


Suzanne Vega — Fool’s Complaint

Ein anderes Sample hätte man ihr vermutlich kaum zugetraut: in DON’T UNCORK WHAT YOU CAN’T CONTAIN tauchen Motive von 50 Cents CANDY SHOP auf, klingen hier allerdings, passend zum Text, orientalischer. In dem Lied geht es darum, dass nicht alles geöffnet werden sollte, was sich öffnen lässt; Aladins Wunderlampe mag noch angehen, aber wie steht es mit Pandoras Büchse? DON’T UNCORK, wie auch die folgenden Lieder, wurden zusammen mit dem Smichov Chamber Orchestra aus Prag aufgenommen (zu Prag am Ende mehr):


Suzanne Vega — Don’t Uncork What You Can’t Contain

Spanisch mutet es in dem Lied JACOB AND THE ANGEL an (Händeklatschen wie bei einem Flamenco), in dem es vordergründig um den biblischen Kampf Jakobs mit dem Engel Gottes am Ufer des Jabbok-Flusses geht.


Suzanne Vega – Jacob and the Angel

HORIZON schließlich, das das Album beschließt, ist Václav Havel gewidmet. Mit ihm verbindet Suzanne Vega eine Brieffreundschaft; sie bewundert seine Art, einen steinigen Weg zu gehen und seinen einstigen Gegnern ohne Groll zu begegnen. Es könnte also ebenso eine Hommage an Nelson Mandela sein. 2006, anlässlich des 70. Geburtstages von Václav Havel, dem Schriftsteller und ehemaligen Staatspräsident der Tschechoslowakei und von 1993 bis 2003 der erste der Tschechischen Republik, sang Suzanne Vega ihr Lied Tom’s Diner als Ständchen (‚im Stile’ von Marilyn Monroe bei Kennedys Geburtstagsgala 1962):


Suzanne Vega – Horizon (There Is A Road)


Suzanne Vega sings for Václav Havel

Das Album mit dem sperrigen Titel ist sicherlich keine musikalische Offenbarung und daher frei von gewagten Innovationen. Aber es ist ein Album, das in Ruhe gehört gleichzeitig Spaß macht und auch zum Nachdenken anregt, wie eigentliche alles von Suzanne Vega. Ich bin, wie so oft, rein zufällig auf diese Neuerscheinung aufmerksam geworden, denn in diesen Tagen fiel mir ihr Name wieder ein und ich fragte mich, was es wohl Neues von ihr geben könnte. Und es gab ja nun wirklich nach langer Zeit wieder Neues von ihr …

Jetzt sind die Sportler am Zuge

Der Altkanzler Gerhard Schröder bezeichnet die Berichterstattung der Medien zu Sotschi als einseitig. Russlands Präsident Putin lobte er für die gute Vorbereitung der Olympischen Spiele.

„Einst hatte er Russlands Präsidenten Wladimir Putin als ‚lupenreinen Demokraten’ bezeichnet, nun kann Altkanzler Gerhard Schröder auch den Winterspielen in Sotschi nur Gutes abgewinnen. ‚Es ist eine tolle Situation’, sagt er im Interview mit dem Sport-Informationsdienst sid. Die Kritik in Deutschland an dem Sportereignis kann er nicht nachvollziehen. ‚Die Berichterstattung, speziell bei uns, ist reichlich unfair’, sagte er. ‚Das ist ideologisch geprägt und nur sehr selten unvoreingenommen. Da sollten einige, die so berichten, mal neu nachdenken.’“ (Quelle: spiegel.de)

Wir kennen Schröders saloppe, etwas verquere Redeweise. Und sein Engagement als Aufsichtsratsvorsitzender der Nord Stream AG (Ostsee-Pipeline) und damit für Gazprom, das weltweit größte Erdgasförderunternehmen aus Russland, kennen wir auch. Und wiederum damit seine freundschaftlichen Beziehungen zu Putin.

    Putins Spiele: die XXII. Olympischen Winterspiele in Sotschi/Russland

Damit wischt Gerhard Schröder in seiner Blauäugigkeit allerdings kaum die berechtigten Kritiken an Putins Spielen vom Tisch. Es wird zukünftig an den obersten Funktionären des IOC liegen, unter welchen Voraussetzungen olympische Spiele vergeben werden. Allerdings traue ich da dem neuen IOC-Präsidenten Thomas Bach kaum eine Neuausrichtung zu. Autokratisch bzw. totalitär regierte Länder werden sich auch weiterhin um die Ausrichtung von sportlichen Großereignissen bemühen, bei denen die Finanzierung keine Rolle spielt und auch IOC oder beim Fußball die FIFA auf ihre Kosten kommen.

Genug geklagt. Jetzt sind die Sportler am Zuge, auch wenn ich sie weiterhin ‚zwischen den Fronten’, gewissermaßen in Geiselhaft der Veranstalter (Putin einerseits, das IOC andererseits), sehe.

Eins schon vorweg: Bisher, da hat Gerhard Schröder wohl Recht, ist die Stimmung gut in Sotschi und der Schneeregion Krasnaja Poljana. Die Bedingungen sind bisher bestens, das Wetter spielt mit – und die Bewohner der Austragungsorte sind freundlich und zuvorkommend. Die Sportler selbst sind es, die für die nötige Stimmung sorgen. Gänsehautfeeling eingeschlossen. Und das ist auch gut so.

Trotzdem haben auch diese Olympischen Spiele weiterhin einen faden Beigeschmack für mich, auch wenn ich mich zu einem Boykott – rein persönlich (wie 2008 bei den Sommerspielen in Peking) nicht hinreißen will. Der Sport, vor allem die Sportler stehen im Mittelpunkt, ohne dass man – ich wiederhole mich – die politischen Hintergründe vernachlässigen darf.

In den Social Media des Internet wie Twitter, Facebook oder Google+ versehen die teilnehmenden Mitglieder ihre Beiträge oft mit so genannten Hashtags (Hash ist das Zeichen #, Tag ist eine Art Stichwort) wie #Sotschi2014, #Sochi2014 (englische Schreibeweise des Olympiaorts) oder #WirfuerD (D steht für Deutschland). Ich will da keinen übertriebenen Nationalismus unterstellen oder sogar Chauvinismus. Aber ich finde diesen Hashtag eher unglücklich gewählt, auch wenn mannschaftliche Geschlossenheit (‚Wir’) z.B. beim Eishockey wünschenswert ist. Ansonsten, so denke ich, sind gerade auch Wintersportler eher Individualisten. Dieses „Wir für Deutschland“ wird zudem von manchen Sportler(n/innen) ad absurdum geführt, wie bei den Auseinandersetzungen („Zickenalarm!“) bei den Rodlerinnen oder Eisschnellläuferinnen. Wer mag diesen Tag nur eingeführt haben?

Nun nach weniger als einer Woche führt die deutsche Mannschaft den Medaillenspiegel (nach 32 von 98 Entscheidungen) mit sechsmal Gold, einmal Silber und Bronze an. Ich erinnere mich an Zeiten, in denen man darüber diskutiert hatte, ob ein solcher Medaillenspiegel überhaupt noch Sinn macht, vor allem wenn erst einmal nach der Anzahl der Goldmedaillen gruppiert wird. In manchem Medium gliederte man damals auch gern nach Anzahl der Gesamtmedaillen. Heute scheint das keinen mehr zu jucken. Da passt dann dieses „Wir für Deutschland“ (a la „Wir sind Papst!“) auch wieder bestens.

Trotz oder gerade wegen der bisher guten Leistung einiger deutschen Athleten hagelt es inzwischen auch harsche Kritik. Das Ziel, insgesamt 30 Medaillen (schon wieder diese runden metallenen Dinger) aus Sotschi nach Deutschland ‚heimzuholen’, sieht man jetzt schon verfehlt. Besonders bei den Biathleten läuft (und schießt) nichts nach Wunsch. Sicherlich sind wir von früher her (z.B. durch die Erfolge einer Magdalena Neuner) verwöhnt. Aber es grenzt schon an Arbeitsverweigerung, was da bisher geboten wurde. Vielleicht wird ja heute etwas?! Auch von den Leistungen der Eisschnellläufer muss man enttäuscht sein. Curling mit viel Pech? Und dann gibt es noch einige andere Sportler, die deutlich hinter ihren bisherigen Leistungen hinterherhinken.

Natürlich fragt man sich, warum so viele Sportler beim für sie wichtigsten Sportereignis plötzlich dermaßen einknicken. Die Nerven allein können es nicht sein, oder? Vielleicht sollten sie dieses „Wir für Deutschland!“ noch etwas mehr verinnerlichen …?!

Ich weiß, es ist gut meckern. Ein Sportler, der sein sich selbst gesetztes Ziel um Längen verfehlt hat, wird erst einmal untröstlich sein. Da interessiert kein „Wir für Deutschland!“, da steht er allein da mit seinem Unglück. Niemand ist enttäuschter als der Athlet selbst. Und dann muss er auch noch dusselige Fragen der Reporter beantworten. Außerdem ist sogar zu befürchten, dass dieses „Wir für Deutschland!“ zum Fluch wird, denn hinter diesem Sprüchlein stecken quasi die Gelder der Sporthilfe, die schneller versiegen als man sie zum Sprudeln bringt.

Aber noch ist ja nicht aller Tage in Sotschi Abend. Drücken wir den Sportlern die Daumen. Bekanntlich soll aber der Bessere (bzw. die Bessere) gewinnen …