Hier einige Ausschnitte aus dem Film in einer Zusammenfassung:
Und täglich grüßt das Murmeltier
Aber der heutige Tag hat noch etwas mehr auf Lager als Murmeltiere (und Geburtstage), immerhin hatte ich es vor nun acht Jahren gewagt, diesen Blog ins Internet zu stellen, um Euch gehörig auf den Geist zu gehen. Aber anscheinend finde ich doch immer wieder solche, die sich für das Eine oder Andere von dem interessieren, was auch mich interessiert. So ganz aus der Welt kann ich also nicht sein. Danke Euch und Danke auch Euren Kommentaren (weniger Dank den Trackbacks, die lediglich versuchen, Werbung bei mir zu lancieren – immerhin deutet das daraufhin, dass mein Blog für solche Versuche nicht uninteressant zu sein scheint – aber diese werden gnadenlos von mir gelöscht).
In diesen nun acht Jahren ist viel Wasser die Elbe, die Weser, den Rhein, den Nil und den Mississippi hinuntergelaufen – und der Oste entsprungen. Von einem Anfangfünfziger habe ich mich zu einen Endfünfziger entwickelt. Im nächsten Jahr mache ich das fünfte Dutzend voll. 5 Dutzend nennt man als Zählmaß auch Schock (dann heißt es im nächsten Jahr: Oh, Schock, ein Schock …?!). Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, mich mehr und mehr an dieser Stelle zurückzuziehen. Es gibt ja wichtigere Dinge, als einen Blog mit Text und Bildchen zu füttern. Aber so ganz kann ich nicht davon lassen …
Spätestens in einem Jahr werden wir schauen, was dann das Murmeltier wieder sagt, ob’s ein längerer Winter wird, als es uns recht ist. Heute lassen wir erst einmal die Korken knallen … !!!
Zu Lars von Trier selbst habe ich mich in diesem Blog einmal geäußert (Empörung und Melancholie). Es ging um seine unsägliche „Ich bin ein Nazi!“-Äußerung anlässlich einer Pressekonferenz während der 64. Filmfestspiele von Cannes 2011, als er seinen Film Melancholia vorstellte. Alles, was von meiner Seite zu dieser Aussage zu sagen war, habe ich dort niedergeschrieben.
Der dänische Regisseur Lars von Trier gilt als einer umstrittensten europäischen Filmemacher der Gegenwart. Der Film Melancholia ist eine düstere Geschichte um Depressionen und die Apokalypse. Die Hauptrollen spielen Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg und Kiefer Sutherland.
Der Film „entspricht im Aufbau einer Oper, d.h er besteht aus einer Ouvertüre, zwei Akten und einem Finale. Die Ouvertüre besteht aus verschiedenen Standbildern ohne Ton und Handlung, die sich minimal bewegen. Diese Einleitung dauert acht Minuten und ist eine Weiterentwicklung der Kapitelbilder in ‚Breaking the Waves’. Filmmusik ist Richard Wagners ‚Tristan und Isolde’. Dann beginnt das erste Kapitel/der erste Akt mit dem Namen Justine, die von Kirsten Dunst gespielt wird. Erzählt wird die Fahrt zur Hochzeitsfeier, die Hochzeitsfeier, die immer wieder aus dem Ruder läuft sowie die Abreise des Bräutigams samt seiner Eltern. Das zweite Kapitel heißt Claire nach der zweiten Schwester, die von Charlotte Gainsbourg gespielt wird und erzählt vom Leben der Schwestern nach der desaströsen Heirat. Justine ist schwer depressiv und muss auf dem luxuriösen Landsitz ihres Schwagers von ihrer Schwester gepflegt werden. Hintergrundthema ist, wie die vier Familienmitglieder, Claire, Ehemann, Sohn und Justine zum Herannahen des Planeten Melancholia stehen. Der Schwager und der Neffe sind anfangs sicher, dass der Planet an der Erde vorbeifliegt und erwarten ein ungefährliches Abenteuer. Justine und Claire tauschen gefühlsmäßig die Rollen. Ist während der Hochtzeitsfeier nur Justine beunruhigt, so bekommt im Verlauf des Films Claire immer mehr Angst und Justine fügt sich ins Unvermeidliche. Das Finale beginnt mit dem Selbstmord von Claires Ehemann, als er versteht, dass die Erde zerstört werden wird. Und endet mit einem Feuerball, der das magische Tipi, das Justine gebaut hat, um ihren Neffen zu beruhigen, mit Justine, Claire und ihrem Sohn verschluckt.“ (Quelle: de.wikipedia.org)
Lars von Trier: Melancholia
Zwischen den Jahren, wie man die Zeit zwischen den Weihnachtsfesttagen und Neujahr zu nennen pflegt, habe ich mir endlich diesen Film (und auch seinen Vorgänger – dazu später mehr) angeschaut. Lars von Trier leidet seit längerer Zeit unter Depressionen und hat das in seinen letzten Filmen verarbeitet. So wird Justine, die von Kirsten Dunst hervorragend gespielt wird, zu Triers Alter Ego, die sich nichts sehnlicher wünscht als das Ende der Welt. Es ist Weltekel, der den Regisseur umtreibt und uns Filme serviert, die den Zuschauer durch seine nicht gerade menschenfreundliche Botschaft erschüttern und ratlos zurücklassen soll. Da von Trier anders als in seinen Filmen zuvor auf Gewaltszenen und explizite sexuelle Darstellungen verzichtet, erreicht der Film eine Eingängigkeit, die um so mehr den Zuschauer bedrückt.
Wer sich durch einen Film lediglich gut unterhalten lassen möchte, ist natürlich bei Lars von Trier an der falschen Adresse. Von Trier wagt den Blick in den Abgrund der menschlichen Seele, wenn auch in manch schönem Bild. Die heile Oberfläche interessiert ihn nicht, und noch weniger die Gewinner. Wenn von Trier die Welt untergehen lässt, dann nicht wie bei Roland Emmerich in einem minutenlangen Getöse. Dafür bleibt bei von Trier dann aber auch wirklich nichts mehr übrig, keine Hoffnung, kein Leben …
Seinen schrägen Humor hat er gezügelt und findet sich nur in Andeutungen wieder, etwa wenn auf einem Golfplatz ein 19. Loch auftaucht.
Die Haut, in der ich wohne (Originaltitel: La piel que habito) ist ein Melodram mit Elementen des Thrillers von Regisseur Pedro Almodóvar aus dem Jahr 2011. Almodóvar schrieb auch das Drehbuch, das wenigstens zum Teil auf dem Roman „Mygale“ von Thierry Jonquet basiert.
Dr. Robert Legard (Antonio Banderas) kommt zu einer wissenschaftlichen Erkenntnis: Durch eine Kombination des menschlichen Genmaterials mit dem von Schweinen produziert er eine perfekte Nachbildung der Haut. Bei seinen Kollegen stößt das erfolgreiche und im Prinzip verbotene Experiment jedoch auf Missbilligung. In einem abgeschiedenen Haus lebt der Chirurg mit seiner geheimnisvollen Haushälterin, dort unterhält er auch eine Privatklinik, in der er obsessiv weiter forscht – er will eine Frau erschaffen, die seiner verflossenen Liebe gleicht. Nur Patienten scheint es hier nicht zu geben, abgesehen von einer mysteriösen Frau namens Vera (Elena Anaya) in einem hautfarbenen Ganzkörperanzug, die der Doktor Tag und Nacht durch mehrere Monitore beobachtet. Langsam verliert sich Lagarde in seiner Faszination für die rätselhafte Dame. Doch er ahnt nicht, dass die Kollegen ihm seine Erkenntnisse neiden und es auf seine Klinik abgesehen haben. Dann lernt Vera, wer sie wirklich ist – und bricht aus Legardes Gefängnis aus…
Es ist schon eine Zeit her, dass ich einen Film von Pedro Almodóvar gesehen habe: Volver – Zurückkehren aus dem Jahre 2006. Zerrissene Umarmungen aus 2009 habe ich immer noch ungesehen im Schrank liegen – die Zeit dieses Films kommt aber bald. So habe ich mir Almodóvars letztes Werk angeschaut. Wie in seinen Filmen zuvor mischt der große spanische Regisseur auch hier Melodram mit Thriller und etwas Film Noir und weiht uns in dunkle Geheimnisse ein, die von genetischer Manipulation oder gar einer Geschlechtsumwandlung handeln. Es geht um Schuld, Scham und Sühne. Almodóvar stellt immer auch gern Bezüge zu Klassikern der Filmgeschichte her. In diesem Fall bekundet er seine Faszination zu Verwandlungsgeschichten wie bei Fritz Lang oder Friedrich Wilhelm Murnau aus der Stummfilmära. Ähnlichkeiten sind auch im französisch-italienischer Schwarzweißfilm Augen ohne Gesicht von Georges Franju aus dem Jahr 1960 erkennbar. Für mich erscheint der Film wie eine moderne Version von Frankenstein, nur dass sich das Monster hier als eine bildhübsche Frau entpuppt.
Almodóvars Film ist ‚phantastisch’ im Sinne von grotesk, illusionär, aber auch besessen. Ich mag spanische Filme, auch wenn (oder gerade weil) sie ziemlich von der Wirklichkeit abgehoben sind. Die menschliche Leidenschaft bahnt sich oft seltsame Wege. Filme dieser Art stellen ein Abbild, eine Imagination dieser Leidenschaften dar.
Ausgerechnet Sibirien ist eine deutsche Filmkomödie aus dem Jahre 2012 in der Regie von Ralf Huettner (Vincent will Meer) und in der Hauptrolle mit Joachim Król.
Matthias Bleuel (Joachim Król) ist ein pedantischer Logistiker aus Leverkusen. Seit der Scheidung von seiner Frau Ilka (Katja Riemann) lebt er tumb und taub vor sich hin. Der Direktor (Michael Degen) des Modeversandhandels Fengler verpasst ihm gerade die richtige Kur: Er schickt ihn in eine Verkaufsstelle in Südsibirien. Nach einer turbulenten Reise hat Bleuel jedoch keine Chance, seine Arbeit zu machen. Dolmetscher Artjoms (Vladimir Burkalov) erste Lektion ist, dass in Russland viele Sachen anders laufen. Bei einem Konzert verliebt sich Bleuel dann auch noch Hals über Kopf in die schorische Sängerin Sajana (Yulia Men). Mit wiedererweckten Empfindungen reisen er und Artjom ihr hinterher…
Ausgerechnet Sibirien ist eine so genannte Culture-Clash-Komödie über einen mittleren Angestellten aus Deutschland, der sich während einer Dienstreise nach Sibirien in einen anderen Menschen verwandelt. Dazu trägt ohne Zweifel die uns exotisch anmutende weite Landschaft Sibiriens bei und die uns fast unbekannte Kultur der Schoren, einem kleinen indigenen Volk in Sibirien. Der Film spielt mit dem Gegensatz von schnöder Realität und magischer Imagination. Wer hätte da nicht auch Lust, aus seinem Alltag auszubrechen?
Sicherlich verbleibt der Film ziemlich an der Oberfläche, taucht nur wenig in die Kultur der Schoren ein, was ihn sicherlich noch interessanter gemacht hätte. Der Film entspricht unserer westlichen Sichtweise. Trotzdem hat er mir sehr gut gefallen. Ich kann den Film durchaus empfehlen.
Vorbild der schorischen Sängerin ist wohl Tschyltys (alias Olga Tannagaschewa), geboren 1978, die nicht nur jenen Matthias Bleuel im Film, sondern auch uns durch ihren Kehlkopfgesang (Obertongesang) verzaubert. Obertongesang ist eine Gesangstechnik, die aus dem Klangspektrum der Stimme einzelne Obertöne so herausfiltert, dass sie als getrennte Töne wahrgenommen werden und der Höreindruck einer Mehrstimmigkeit entsteht.
Ich habe natürlich nach jener Tschyltys im Internet geforscht und dabei zwei interessante Videos gefunden – zum einen ein Lied mit diesem Kehlkopfgesang – dann ein Stück mit Improvisationen auf dem Khomus, also der Maultrommel – das ähnliche Klangfarben erzeugt wie der Kehlkopfgesang:
Ted ist eine US-amerikanische Filmkomödie aus dem Jahr 2012. Regisseur und Drehbuchautor des Films ist Seth MacFarlane. In den Hauptrollen spielen Mark Wahlberg und Mila Kunis.
Als kleiner Junge wünscht sich John (Mark Wahlberg) nichts so sehr, wie, dass sein Teddy-Bär und bester Freund lebendig wird. Und auf magische Art und Weise passiert das dann auch. Doch im Laufe der Jahre stellt sich Ted (Stimme im Original: Seth MacFarlane) zwar als guter Freund heraus, aber auch als Stolperstein für John auf dem Weg erwachsen zu werden. Das wird besonders dann deutlich, als John seiner Freundin Lori (Mila Kunis) einen Heiratsantrag macht, diese aber nicht sicher ist, ob eine so feste Bindung mit Ted in der Wohnung möglich ist. Zumal dieser mit seinen Drogen-, Alkohol- und Sexeskapaden nicht unbedingt den besten Einfluss auf John zu haben scheint. Wird John seinen besten Freund für die Frau, die er liebt auf die Straße setzen? Und wird Ted vielleicht auch endlich mal erwachsen?
Die Grundidee zu diesem Film ist ohne Zweifel originell. Und wer das Filmplakat betrachtet, ahnt, was auf ihn zukommt. Meine Frau als Teddybärenfan wollte den Film natürlich auch sehen. Wir warnten sie vor zu zotigen Sprüchen. Nun Ted, der lebendig gewordene Teddy, äußerst sich schon ziemlich ordinär und obszön – aber auf durchaus sympathische Weise, sodass selbst meine Frau am Ende eher ‚enttäuscht’ war. Oder anders gesagt: Das Thema ist irgendwie nicht voll ausgeschöpft worden. Und am Ende ist es wieder ein ziemlich typisch amerikanischer Film – mit Happy End und Tralala.
Am letzten Samstag fragte das ZDF in einem ‚neuen deutschen Bildungstest’, was jemand heute wissen muss. Im Vorfeld der Show wurde in einer repräsentativen Forsa-Umfrage ganz Deutschland befragt: „Was ist Bildung?“ und „Was muss ein gebildeter Mensch heute alles wissen?“. Aus den Ergebnissen dieser Umfrage, zusammen mit einer Einschätzung führender Bildungsforscher und -experten, wurde ein Fragenkatalog entwickelt, der die 50 wichtigsten Fragen auflistet, die ein gebildeter Deutscher heute wissen muss. „‚Der neue deutsche Bildungstest’ wirft ein Schlaglicht auf einen neuen ‚Bildungskanon’, zu dem alles das gehört, was man benötigt, um sich in der modernen Welt zu orientieren.“
Das, was wir als Bildungskanon ansehen, ist ohne Zweifel wandelbar, so wie sich Wissen ständig erweitert und sich damit Bildung in andere Richtungen orientiert. Sicherlich kann man das in der Sendung abgefragte Wissen zu einem aktualisierten Wissenskanon zählen, aber eigentlich geht es bei den 50 Fragen im Wesentlichen um Alltagswissen, das jemand besitzen sollte, „um sich in der modernen Welt zu orientieren“, wie es heißt.
Aber Bildung beinhaltet dann doch mehr als dieses Alltagswissen. Ob Goethe und Beethoven ‚out’ sind, wie in der Sendung behauptet, muss bezweifelt werden. Ich will mich gar nicht so sehr auf eine klassische Bildung beziehen, aber um die Welt zu verstehen und um ‚gebildet’ zu sein, bedarf es mehr als das Wissen um die uns täglich begegnenden Dinge. Hier liegt eben der Knackpunkt dieser Sendung: Alltagswissen allein wird bereits als Bildung verkauft. Auf der anderen Seite, auch das ist klar, sollte sich jemand, der viele der Fragen nicht beantworten kann, fragen, ob er wirklich so gebildet ist, wie er meint (bekanntlich ist auch Einbildung eine Art von Bildung).
Selbst umfangreiches Wissen ist nicht immer mit Bildung gleichzusetzen. Ich habe Menschen kennen gelernt, die geradezu ein enzyklopädisches Wissen aufwiesen, die man die unmöglichsten Sachen fragen konnte – und die ich doch nicht unbedingt als gebildet bezeichnen möchte. Sie haben sich das Wissen angelesen (z.B. Wikipedea), viel mehr nicht.
Gebildet ist für mich ein Mensch, der ein Mindestmaß an Wissen aufweist, der gleichzeitig im Stande ist, dieses Wissen auch bei komplexen Zusammenhängen anzuwenden. Erst im Zusammenspiel zwischen Wissen und analytischer Befähigung ‚bildet’ sich Bildung. In meinem Beitrag Bildung, ein angefressener Bauch habe ich das Buch Bildung – Alles, was man wissen muss von Dietrich Schwanitz vorgestellt. Auch dieses Buch ist natürlich nicht der Bildung letzter Schluss.
Übrigens: Man muss nicht ‚alles’ wissen. Oft genügt es zu wissen wo ‚etwas’ steht.
In diesem Jahr jährt sich zum 170. Mal der Geburtstag von Karl May. Außerdem wird seines 100. Todestages gedacht. Karl May war viele Jahre für Kinder und Jugendliche das, was heute die Harry Potter-Romane sind. Die Abenteuer von Old Shatterhand und Winnetou im wilden Westen oder von Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar, übrigens Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawud al Gossarah mit vollem Namen (»So bist Du also der Sohn Abul Abbas’, des Sohnes Dawud al Gossarah?«), habe ich in jungen Jahren gelesen. Dabei gefielen mir die Orientabenteuer besonders gut. Diese beginnen mit dem Buch „Durch die Wüste“.
Viele der Abenteuer der Helden Karl Mays wurden verfilmt. So gibt es auch Verfilmungen der Orientabenteuer. Die erste mir bekannte Verfilmung ist Durch die Wüste aus dem Jahre 1936. Erst 1958 wurde dann der Film Die Sklavenkarawane, der erste Karl May-Film in Farbe, gedreht. In diesem Film, der herzlich wenig mit dem gleichnamigen Roman von Karl May zu tun hat, spielte Viktor Staal den Kara Ben Nemsi, Georg Thomalla den Hadschi Halef Omar und Theo Lingen Sir David Lindsay. Weitere Informationen zum Film siehe bei wikipedia.org: Die Sklavenkarawane
Beide Filme sind zum Karl May-Jahr auf DVD erschienen. Ich habe mir den Spaß erlaubt, beide Filme an einem längeren Abend anzuschauen. Viele kennen aus dem Fernsehen sicherlich die späteren drei Verfilmungen (1964 – 1965, dazu später einmal mehr) mit Lex Barker als Kara Ben Nemsi, der dann ja auch Old Shatterhand verkörperte, was durchaus sinnvoll war, denn sowohl Kara Ben Nemsi als auch Old Shatterhand waren gewissermaßen die Alter Egos von Karl May. Hadschi Halef Omar wurde in diesen Filmen von Ralf Wolter gespielt. Als ich mich jetzt mit Karl May und besonders mit den Verfilmungen der Orient-Romane beschäftigte, erinnerte ich mich daran, dass ja auch Georg Thomalla den Hadschi Halef Omar gespielt hatte (ich muss diese Filme in früher Jugend im Fernsehen gesehen haben), und dass ich damals Thomalla irgendwie witziger fand als dann Ralf Wolter.
Jetzt also hatte ich die Filme ‚im Laufwerk’ und konnte mich von meinem früheren Eindruck überzeugen. In früheren Kritiken wurden beide Filme mit Thomalla mehr oder weniger verrissen. Von mäßig spannend ist die Rede, von possenhaft-komischen Situationen wird gesprochen. Und „Georg Thomalla als Hadschi Halef Omar ist die schiere Karikatur eines Orientalen.“ Sicherlich ist durchaus etwas daran. Aber Karl May besaß durchaus Humor und hat jenen Halef Omar bewusst etwas überzeichnet. Da ich kein Karl May-Purist bin, fand ich die Darstellung von Thomalla durchaus witzig und mein Eindruck hat mich nicht getäuscht.
Zunächst einmal zur Qualität der Filme. Ich bin vielleicht ein Nostalgiker und gestehe, alte Filme aus jener Zeit zu mögen. Das beginnt mit dem alten 4 zu 3-Seitenverhältnis dieser alten Filme. Und dann diese Farbe in Agfacolor. Ton und Bild sind sehr gut erhalten bzw. digital überarbeitet. Nur im zweiten Film gibt wohl zwei sehr kurze Passagen, in denen die Farbe kurz ‚kippt’. Ansonsten bin ich begeistert von der Qualität.
Zum Inhaltlichen: Auch da bin ich Nostalgiker. Ich liebe es, wie geruhsam hier die Handlung entwickelt wird. Keine überhastete ‚Action’, die nur vom fehlenden Inhaltlichen ablenken soll. Und Georg Thomalla als Hadschi Halef Omar, so überzeichnet er sein mag, finde ich einfach herrlich. Okay, der Nil im Sudan oder der Tigris in Babylonien ist immer der Tajo in Spanien (auch die Außenaufnahmen stammen aus Spanien). Aber südliche Gefilde sind das allemal. Wer alte Kamellen nicht mag, sollte gewiss die Finger von diesen Filmen lassen. Ansonsten kann ich beide Filme nur empfehlen (und das besonders den ‚alten’ Karl May-Fans).
Die Gelehrten streiten sich um Karl May. Manche halten ihn für genial, andere halten seine ‚Reisebeschreibungen’ für Schund. Wie auch immer: Manchmal heiligen die Absichten die Werke. Karl May entwarf Bilder des friedvollen, gerechten ‚Gutmenschen’ unabhängig von Herkunft, Religion und Hautfarbe. Und bewerkenswert ist ohne Zweifel, wie er Menschen und Landschaften schilderte, ohne jeweils persönlich an Ort und Stelle gewesen zu sein. Dass ein gewisser Adolf Hitler großer Fan von Karl May war, hatte wohl etwas mit Hitlers Unvermögen zu tun, Realität und Phantasie auseinander zu halten. In den Figuren Karl Mays sah z.B. Erich Fromm (Anatomie der menschlichen Destruktivität, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, September 1977) auf Hitler bezogen „eine Manifestation [s]einer narzißtischen Haltung, in deren Mittelpunkt das Thema: Hitler, Führer, Kämpfer, Sieger, stand.“ (S. 430).
Zum 2. Mal stieg Markus Lanz letzten Samstag in den „Wetten, dass ..?“-Ring und zeigte auf, dass es auch die Öffentlich-rechtlichen Sender schaffen, dass Niveau einer Unterhaltungssendung stetig zu senken. Eigentlich wollte ich mir diesen Beitrag hier schenken, es wäre einfach zu viel Wind um Nichts. Aber da ich eine Vorliebe für triviale Absurditäten habe, nun also doch …
Bereits in der ersten Sendung nach Thomas Gottschalk bewies Markus Lanz, dass trotz einiger Änderungen, den dann marginal ausfielen, „Wetten, dass ..?“ eigentlich in die Requisitenkammer der deutschen Fernsehgeschichte gehört. Dachte ich noch, dass jene Cindy aus Marzahn, die Herrn Lanz als Assistentin zur Seite stand, eine ironische Parodie zu Gottschalks Assistentin, Michelle Hunziker, darstellen sollte, so sieht es doch so aus, als sollte sie auch weiterhin diesen undankbaren Job bewerkstelligen, auch wenn sie wegen eines angeblichen Hexenschusses in Lanz’ 2. Sendung durch den gleichfalls als Comedian tätigen Atze Schröder vertreten wurde. Oder ist das mit dem Hexenschuss und so vielleicht eine Art Parodie der Parodie? Darf man Herrn Lanz soviel Ironie zutrauen?
Dann gehören solche Spielchen, in denen sich Markus Lanz mit einem Zuschauer misst, wohl auch zu den ironische Seiten der neuen Staffel: Liegestütz mit Bierkasten auf dem Rücken (1. Sendung) und Sackhüpfen (2. Sendung). Wie auf einem Kindergeburtstag!
Bemerkenswert bereits der Start, als Robbie Williams die Sendung mit einem Showact begann. Dann tänzelte Markus Lanz auf die Bühne, durfte sein musikalisches Können auf den hohen Tasten des Klaviers zeigen und ein ständiges Wow säuseln (Wow, was für ein Künstler, wow, was für ein Lied … mindestens fünfmal: Wow! – später dann waren es schon keine ‚sensationellen Wetten‘ mehr wie letztes Mal, sondern „… was für ein sensationelles Ding!“)
Immerhin waren mit Halle Berry und Tom Hanks echte Hollywood-Stars an dem Abend vertreten, die es sogar bis zum Ende der Sendung aushielten, besser: aushalten mussten. Allein ihren fragenden, meist irritierenden Blicken nach zu urteilen, waren diese sich nicht sicher, ob sie überhaupt „im richtigen Film“ waren. Die Krönung der Lanz’schen Ironie waren dann seine genialen Fragen, z.B. was es bei Halle Berry mit ihrer Vorliebe für frisch gebratenes Fleisch auf sich habe, genauer: mit dem Duft! Es war wohl Oliver Welke, der Moderator der Sendung Heute-Show, der ständig die Augen verdrehte und der Herrn Lanz darauf verwies, nicht alles zu glauben, was im Internet stehe. Schließlich kam Hanks seiner Kollegin souverän zur Hilfe: „Wer liebt diesen Geruch denn nicht?”
Absoluter Höhepunkt der Sendung war dann die Androhung von Markus Lanz, Tom Hanks müsse, wenn er seine Wette verliert, gleichfalls die eine Sendung zuvor von Lanz gezeigten Liegestütz mit Bierkasten auf dem Rücken vorführen. Hurra, wir verblöden …
Wenn sich die Kritik von Berry und Hanks in Hollywood herumspricht, dann dürften bald keine Weltstars der Filmbranche den Weg zu „Wetten, dass ..?“ finden. Immerhin spart dann das ZDF viel Geld, das schon so unsinniert verplempert wird. Stattdessen dürfte dann deutsche Prominenz a la Daniela Katzenberger oder die Geissens, Peinlichkeiten der privaten TV-Sender, Wettpate spielen. Als Krönung dann vielleicht noch der jeweiligen Gewinner des Dschungelcamps?
„Unserer Welt, die in einer Flutwelle von Anweisungen zum Glücklichsein zu ertrinken droht, darf ein Rettungsring nicht länger vorenthalten werden …. Der Sozialstaat braucht die stetig zunehmende Hilflosigkeit und das Unglücklichsein seiner Bevölkerung so dringend, daß diese Aufgabe nicht den wohlgemeinten, aber dilettantischen Versuchen des einzelnen Staatsbürgers überlassen bleiben kann. Wie in allen anderen Sparten des modernen Lebens ist auch hier staatliche Lenkung vonnöten.
Unglücklich sein kann jeder; sich unglücklich machen aber will gelernt sein, denn dazu reicht etwas Erfahrung mit ein paar persönlichen Malheurs nicht aus.“
[…] Jeder Leser dürfte etwas von sich selbst in diesem Buch wiederfinden – nämlich seine eigene Art und Weise, den Alltag unerträglich und das Triviale enorm zu machen.
(aus dem Klappentext)
Eines dieser Axiome, dass jede Kommunikation eine Objekt- und eine Beziehungsebene hat, spielt auch in diesem kleinen Büchlein eine nicht unbedeutende Rolle – und in diesem Zusammenhang wird ein Mechanismus genannt, den man zurecht den Namen Illusion der Alternativen gab („Tut er A, hätte er B tun sollen, und tut er B, hätte er A tun sollen.“). Aber ich will nicht zuviel verraten, lesen … (Übrigens: Loriot war ein Meister darin, uns diese Illusion der Alternativen vor Augen zu führen …).
Neurotisch? Verträumt? Abergläubisch? Widersprüchlich? Single? Das ist Tiffany Blechschmid (Johanna Wokalek). Sie betreibt in Berlin ein Feinkostgeschäft und wartet auf das große Glück. Aber in Tiffanys Leben folgt auf Glücksgefühle in der Regel die Katastrophe. Sie, die zuversichtlich Glückskekse in ihrem Laden verkauft, muss sich da Watzlawicksche Fragen stellen. Was heißt schon Glück? Und wieso steht man sich immer selbst im Weg? Würde sie es sehen, wenn plötzlich der Mann ihrer Träume auftaucht? Als dann ihr ehemaliger Klavierlehrer Hans Luboschinski (Richy Müller) in die Nachbarschaft zieht, sie sich zum draufgängerischen Polizisten Frank (Benjamin Sadler) hingezogen fühlt und auch noch der Fotograf Thomas (Itay Tiran) ihr Interesse weckt, ist die junge Frau ratlos. Die Tatsache, dass immer in den unpassendsten Momenten ihre tote Mutter (Iris Berben) erscheint und ungefragt Lebensweisheiten von sich gibt, macht die Sache für Tiffany auch nicht gerade einfacher.
Bei Youtube gibt es übrigens ein ‚Hörbuch’ von Hermann Hesses Steppenwolf als so genannte Playlist in 34 Teilen, die knapp sieben Stunden lang ist. Wer also nicht nur das Buch lesen, sondern es gern ‚vorgelesen’ bekommen möchte, hat dazu die Gelegenheit.
Hermann Hesse: der Steppenwolf – S. Fischer Verlag, Erstausgabe Deckblatt 1927
Hermann Hesse: der Steppenwolf – Suhrkamp Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 4. Auflage, 151. – 190. Tausend 1975
Vom Steppenwolf gab es im Zuge der Hermann-Hesse-Renaissance in den 70er Jahren eine Verfilmung mit Max von Sydow in der Hauptrolle. Der Film besticht durch seine Worttreue. Ende Juni ist der Film noch einmal als DVD Steppenwolf auf den Markt gekommen. Ich finde den Film durchaus gelungen, wenn auch die mittels elektronischer Farbmanipulationen erreichten Traumbilder des Magischen Theaters mit der hierfür verwendeten Technik schon damals eher entnervend waren. Max von Sydow reißt dieses Manko dank seiner schauspielerischen Leistung mehr als heraus. Durch ihn bekommt der Steppenwolf Gestalt. Er zeigt ihn als verletzlichen, im Grunde eher naiven und schüchternen Menschen, der sich von der Welt abwendet, dann aber durch eine bezaubernde Hermine (Dominique Sanda) auf den Weg der ‚Heilung’ geführt wird. Er gewinnt durch sie dem Leben den gehörigen Humor ab, um weiterleben zu können.
Sherlock Holmes: Spiel im Schatten (Originaltitel: Sherlock Holmes: A Game of Shadows, auch bekannt als Sherlock Holmes 2) ist ein britisch-US-amerikanischer Abenteuer-Krimi und die Fortsetzung des Films Sherlock Holmes. Wie sein Vorgänger ist Sherlock Holmes 2 keine direkte Verfilmung oder Adaption einer von Arthur Conan Doyles Geschichten, obwohl es einige Bezüge zu diesen gibt.
Der Film ist kurz vor Weihnachten 2011 in Deutschland in die Kinos gekommen und jetzt auf DVD bzw. Blu-ray Sherlock Holmes – Spiel im Schatten erhältlich. Am Wochenende habe ich den Film zusammen mit meinem jüngeren Sohn über unsere kleine Heimkinoanlage im Keller gesehen.
Sherlock Holmes 2 – Spiel im Schatten | Deutscher Trailer
Zunächst zum Inhalt des Films: Ein Jahr nach den Ereignissen in Guy Ritchies „Sherlock Holmes“ macht der berühmte Meisterdetektiv (erneut gespielt von Robert Downey Jr.) Jagd auf den sinisteren Professor Moriarty (Jared Harris). Holmes Instinkte sagen ihm, dass er es mit einem Gegner zu tun hat, der so gefährlich ist, wie kein anderer vor ihm: Moriarty ist der erste Superbösewicht der Welt! Auf seiner gefährlichen Mission steht Holmes erneut sein bester Freund und Gehilfe Dr. Watson (Jude Law) zur Seite. Der hat nicht nur alle Hände voll zu tun, den exzentrischen Detektiv aus brenzligen Lagen zu befreien und am Leben zu erhalten, sondern muss sich auch um seine große Liebe Mary Morstan (Kelly Reilly) kümmern. Als der Kronprinz von Österreich tot aufgefunden wird, sieht für Inspector Lestrade (Eddie Marsan) alles nach Selbstmord aus, doch Holmes erkennt, dass Moriarty ihn ermordet haben muss und damit einen weit größeren Plan verfolgt. Die Sache wird mysteriöser, als Holmes und sein Bruder Mycroft (Stephen Fry) den Junggesellenabschied von Watson feiern und dabei auf die schöne Zigeunerin und Wahrsagerin Sim (Noomi Rapace) treffen, die mehr sieht als sie sagt und daher selbst auf die Abschussliste gerät. Als Holmes ihr das Leben rettet, ist sie bereit ihm und Watson zu helfen, Moriarty zu stoppen. Doch sie scheinen keine Chance zu haben, denn wohin sie Moriarty bei ihrer Jagd quer durch Europa hin verfolgen, der Superverbrecher ist ihnen immer einen Schritt voraus…
Wer den ersten Teil mochte, wird auch diesen zweiten Teil mögen. Es ist wieder ein Film in bester Popcornkino-Manier: Eine dramaturgisch attraktive Mixtur aus furioser Action und exaltierter Komik. Manchmal erinnert mich Holmes/Downey Jr an Inspektor Clouseau/Peter Sellers, nicht nur wegen der Verkleidungsmanie. Gelungen finde ich auch den verbrecherischen Gegenspieler von Holmes: Moriarty, dem Jared Harris viel Charisma verleiht. Ansonsten gilt, was ich bereits sehr ausführlich zum ersten Teil geschrieben habe. Erwähnenswert sind vielleicht noch die nicht gerade wenigen Filmfehler, die selbst mir aufgefallen sind, z.B. die Flagge des deutschen Reichs (schwarz-rot-gold statt richtig schwarz- weiß-rot) oder eingesetzte Waffen, die es 1891 noch gar nicht gab.