Kategorie-Archiv: Literatur

WilliZ Welt der Literatur

Jethro Tull Over Germany

Es ist schon fast wieder ein Vierteljahr her, da bekam ich folgende Mail (Mail vom 11.08.2011) von einem Wolfgang Thomas, Journalist und als solcher 30 Jahre ehemaliger Leiter der WR (Westfälische Rundschau) in Siegen, freier Mitarbeiter des Rockmagazins Eclipsed und Betreiber einer Website namens rock-museum.de:

Hallo Herr Albin, im Zuge der Recherchen für das Buch „Jethro Tull Over Germany“ (Arbeitstitel) bin ich auf Ihre Website gestoßen und würde gerne mit Ihnen über Ihre Tull-Leidenschaft sprechen. Ich würde mich freuen, wenn Sie auch dazu Lust hätten und wenn Sie sich bei mir melden würden – per Mail oder auch per Telefon: 0271-nnnnnn.

Zur Info: 1998 war ich als einer von zwei Autoren an dem Buch The Rolling Stones over Germany beteiligt, das Tull-Projekt läuft nun zusammen mit meinem Sohn. Ansonsten bin ich nach 40 Jahren als Tageszeitungsjournalist nun Altersteilzeitler, arbeite aber frei für das Rockmagazin „Eclipsed“.

The Rolling Stones Over Germany

Viele Grüße aus Siegen
Wolfgang Thomas

Willi schrieb am 19.08.2011

Hallo Herr Thomas,

vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich melde mich etwas verspätet, da ich in Urlaub war. Oh weh, meine Tull-Leidenschaft interessiert Sie. Eigentlich habe ich dazu alles gesagt bzw. in meinem Blog geschrieben, was ich dazu zu sagen habe: Jethro Tull und zusammen mit anderen Tull-Fans in Ian und die (Musik-)Welt. Sie dürfen sich gern aus diesem Fundus bedienen. Viel mehr, als dort geschrieben, wüsste ich nicht zu sagen.

[…]

„Jethro Tull Over Germany“ klingt schon sehr speziell, eben auf Deutschland bezogen. Ich habe nachgedacht, wie viele Konzerte ich von Jethro Tull gesehen habe, das erste war in Hannover 1972, zweimal in Bremerhaven (1981 und zuletzt 2005) einmal in Bremen und zweimal in Hamburg, also ein halbes Dutzend. Auf der Fahrt nach Bremerhaven (1981) hatte ich dann auch die einzigste persönliche, wenn auch nur kurze Begegnung mit Ian Anderson. Mit irgendwelchen Anekdoten kann ich also nicht dienen. Vielleicht haben Sie ja Fragen.

Übrigens: Ich habe etwas in Ihrem Rock-Museum gestöbert. Das hat mir sehr gut gefallen. Ich selbst bin zwar kein großer Fan der Stones, aber Jethro Tull und die Stones verbindet ja schon früh etwas; so durfte Tull bekanntlich mit diesen beim Rock and Roll Circus 1968 auftreten. – Ich weiß nicht, ob sie das Foto kennen (bisschen viel Gegenlicht):

Ian Anderson mit Claude Nobs & Keith Richard und Ron Wood von den Stones

Im Anhang ein kleines Bildchen mit zwei der Stones und Ian Anderson; der vierte im Bunde ist Claude Nobs, der Begründer des Montreux Jazz Festivals und bekannt durch die Ansage am Anfang des Bursting Out-Livealbums. Fragen Sie mich nicht, woher ich das Bild habe – irgendwo aus dem Internet.

Viele Grüße aus Tostedt in der Lüneburger Heide
Wilfried Albin

Darauf schrieb mir Wolfgang Thomas mit Mail vom 20.08.2011

Hallo Herr Albin,

vielen Dank für Ihre Antwort – die Information, dass ich mich auf Ihrer Website bedienen darf, werde ich im Zusammenhang mit Ihrer „Begegnung mit Anderson“ gerne nutzen. Es passt deshalb gut, weil ich dem Konzert in Bremerhaven 1981 eine längere Passage gewidmet habe, weil damals in zwei Zeitungen des gleichen Verlags (Nordsee-Zeitung und Sonntagsjournal) zwei herrlich gegensätzliche Konzertberichte erschienen sind: Himmelhoch jauchzend der eine, Totalverriss der andere.

[…]

Frage noch: Haben Sie möglicherweise die Eintrittskarten der von Ihnen besuchten Konzerte aufgehoben und würden Sie gegebenenfalls zum Abdruck zur Verfügung stellen? Uns fehlen noch die 70er Jahre, aber auch die anderen Tickets wären interessant, damit nicht immer Siegen, Köln und Frankfurt auftauchen.

Und dann wüsste ich noch gerne, wie Sie zum Tull-Fan geworden sind – Platte, Konzert, TV? Die Antwort auf diese Frage habe ich auf Anhieb nicht auf Ihren Seiten finden können. Und wenn Sie möchten würde ich gerne ein Bild von Ihnen mit zu dem Bericht stellen, das kann ein Porträt, ein Jugendfoto etc. sein…

Viele Grüße, ein schönes Wochenende!
Wolfgang

Willi schrieb daraufhin am 21.08.2011:

Hallo Herr Thomas,

im Anhang finden sie die Eintrittskarte von meinem ersten Tull-Konzert 1972 in Hannover. Ich hoffe die Bild-Auflösung ist groß genug. Aus dem gleichen Jahr ist dann auch ein Bild von mir – ich habe damals begonnen, in einer Band Bassgitarre zu spielen, nichts Aufregendes, eher das, was man gern „Schweine-Mucke“ nennt. Von Jethro Tull hatten wir nur einen Titel: We Used to Know – das wurde aber endlos in die Länge gezogen – mit einem ausführlichen Gitarrensolo (meines Bruders, einem Fan von Eric Clapton). Ich hoffe, dass das Foto von mir ‚okay‘ ist.

Ticket Jethro Tull 1972

Willi and his bass-guitar 1972

Ich kam zu Jethro Tull über das Fernsehen:

Wie geschrieben kenne ich Jethro Tull schon ziemlich lange, fast von Anfang an her. Sicherlich habe ich mich damals auch schon für Musik interessiert. Aber es war nichts dabei, was mich vom Hocker riss. Erst als ich Ian Anderson mit seiner Gruppe im Fernsehen sah (es war nicht das Stockholm-Konzert von Anfang 1969), da hatte ich ‘meine’ Musik gefunden; u.a. spielte Jethro Tull “Living in the Past” und “Bourree”.

Das muss gegen Mitte 1969 gewesen sein. Zunächst hatte ich Schwierigkeiten, den Namen der Gruppe ausfindig zu machen. In meiner Euphorie hatte ich nicht auf diesen geachtet. Und bei der letzten Ansage verstand ich den Namen natürlich nicht. Am 6.9.1969 habe ich mir dann das erste Album (Stand Up) von Jethro Tull gekauft, es war überhaupt mein erstes Album. Das ist gewissermaßen ein Datum, das man wie seinen Geburtstag oder Hochzeitstag eigentlich nicht mehr vergessen kann (6-9-69 ist gut zu merken). Besonders ‚Living in the Past‘ fand ich damals einfach super. Erst später wurde mir klar, dass das sicherlich auch an dem ungewöhnlichen 5/4-Takt des Stückes lag.

Apropos mein Bruder: Er erzählte mir vor längerer Zeit, dass ein ehemaliger Arbeitskollege in seinen frühen Jahren als Roadie gearbeitet hatte. Dabei soll er u.a. auch bei den Stones, aber auch aushilfsweise bei einer Deutschlandtorunee für Jethro Tull gearbeitet haben. Dieser war von Herrn Anderson menschlich gesehen stark enttäuscht, weil Anderson sich sehr arrogant gab. Er nannte Anderson „ein Arschloch“. Leider hat mein Bruder keinen Kontakt mehr zu diesen ehemaligen Kollegen.

Ich wünsche noch einen schönen Sonntagabend.
Viele Grüße
Wilfried Albin

Mail Wolfgang Thomas vom 21.08.2011:

Hallo nach Tostedt, und ein herzliches Dankeschön. Ich denke, dass ich die Bilder so bearbeiten kann, dass sie passen. Wenn nicht: Darf ich mich noch mal melden?..

Was Ian Anderson und den Begriff „Arschloch“ angeht: Den habe ich im Zuge der Recherchen auch hin und wieder gehört. Ich habe ihn in den 90er Jahren mehrmals zu Interviews getroffen und habe ihn als höflichen und zuvorkommenden Menschen kennengelernt. Und diese Einschätzung habe ich in den vergangenen 15 Monaten ebenso häufig gehört wie A…

Vielleicht ist es eine Frage der Tagesform.
Viele Grüße, und noch einmal ein Dankeschön aus Siegen
Wolfgang Thomas

Willi schrieb zuletzt am 24.08.2011:

Hallo Herr Thomas,

sollten Sie mit den Bildern Probleme haben, dann dürfen sie sich gern wieder bei mir melden. Ansonsten wünsche ich Ihnen und Ihrem Sohn gutes Gelingen mit dem Buch. Sie sind ja schon eine längere Zeit damit beschäftigt. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir mitteilen würden, wenn das Buch auf den Markt kommt.

Auch ich kann mich nur bedanken und Ihnen und Ihrer Familie für die Zukunft alles Gute wünschen.

Viele Grüße aus Tostedt nach Siegen.
Wilfried Albin

Ich gebe es zu, auf das Buch gespannt zu sein (nicht nur, weil ich dazu meinen bescheidenen Beitrag liefern durfte). Wolfgang Thomas hat ein profundes Wissen um die Rockszene, was u.a. seine Beiträge (z.B. über Jethro Tull) im Rockmagazin Eclipsed und sein schauens- wie lesenswertes Rock-Museum beweisen. Ich melde mich, wenn das Buch (hoffentlich bald) erschienen sein wird.

siehe auch: Verdienste für die Gesellschaft -> Wolfgang Thomas

Hinweis: Das Buch, an dem Wolfgang Thomas und sein Sohn Kevin über die Deutschland-Beziehungen der Band um Ian Anderson zurzeit arbeiten, „Jethro Tull Over Germany“ wird am 2. April 2012 im Verlag Siegener Rock-Museum erscheinen, für den Maria Thomas verantwortlich zeichnet.

Leerizismus (1)

Nein, ihr braucht es erst gar nicht zu googeln: Leerizismus ist die Übersetzung eines Neologismus (voidancy, eine Wortschöpfung des Autors zu voidance = Entleerung), den Wole Soyinka, Träger des Nobelpreises für Literatur 1986, in einem seiner Romane prägte: Leerizismus zu leer wie inhaltslos (geistige Gegenstände), hohl, alle (Gefäße), nüchtern (Magen) – wohl zum englischen empty gebildet. Soyinka lässt einen nigerianischen Intellektuellen, den Journalisten Sagoe, in seinem 1965 erschienen Buch sprechen und verunsichert damit den Botenjungen Mathias, indem er gewissermaßen ‚ins Leere’ hinein philosophiert. Das Ganze geht dann sogar in späteren Kapiteln noch weiter …

    Leerizismus - leere Hände

Mathias grinste breit, und Sagoe räusperte sich.

„ … Mit diesem Tag grabsinge ich allen anderen –ismen, vom homöopathischen Marxismus bis zum Existentialismus. Wenn ich hier meine eigene Person einbringe, dann deshalb, weil die Übermittlung meiner Geschichte nicht mehr und nicht weniger ist als die Enthüllung des Wunders meiner philosophischen Entwicklung, handelt es sich hier doch um einen Ritualismus, für den ich keinem anderen Vorläufer zu dank verpflichtet bin als der gesamten Menschheit selbst, handelt es sich hier doch um eine Erkenntnis, für die ich keinen anderen Urgrund anerkennen kann als die unveränderlichen Gesetze der Natur. Wenn ich hier meine eigene Person einringe, dann deshalb, weil es sich hier um die innerlichste aller nach innen gekehrten Philosophien menschlicher Existenz handelt. Funktionell, spirituell, kreativ oder rituell, der Leerizismus bleibt die einzig wahre Philosophie des wahren Egoisten. Als Definition, meine Damen und Herren, genüge uns dies: Leeriszismus ist keine Protestbewegung, aber er protestiert; es ist unrevolutionär, aber er revoltiert. Leeriszismus, so möchten wir sagen, ist die unbekannte Größe. Leerizismus ist die letzte auf keiner Karte verzeichnete Fundgrube schöpferischer Kräfte, in seinem Paradoxon liegt der Kern der kreativen Liturgie – in der Freigabe liegt das Erzeugnis. Ich bin kein Messias und doch kann ich nicht umhin zu glauben, ich wurde geboren, diese Rolle zu übernehmen, denn die Natur meiner kongenialen Leiden barg in sich bereits die ersten Anzeichen meines späteren Martyriums und der unvermeidlichen Apotheose. Ich wurde mit einem emotionellen Magen geboren: war ich ärgerlich, revoltierte er; war ich hungrig, schlug er Krawall; wurde ich getadelt, reagierte er prompt; wurde ich enttäuscht, geriet er aus dem Häuschen; er drehte sich um bei Furcht, verkrampfte sich in Momenten der Spannung, er war misstrauisch in Examenssituationen und gänzlich unberechenbar während des Liebesaktes. Meine lieben Freunde, einem Propheten gebührt die Ehre … Oft verdächtigte man mich der Drückebergerei und war mit der Strafe rasch bei der Hand; doch gerade die Begleiterscheinungen des Stark ausgeprägten Gerechtigkeitsgefühls ist ein Zeichen für die Feinfühligkeit des emotionellen Magens. Weiteren Einfluß auf die Entwicklung meiner Leerungsintroversion nahm die Tante einer Freundin aus Kindertagen, die manchmal zu uns zu Besuch kam. Sie furzte wie Beelzebub. Doch eine noch viel größere Erleuchtung war meine eigene Mutter, die, obschon Opfer des gleichen Leidens, doch zugleich eine tief religiöse Furzerin war. Sie prahlte damit – selbst als sie schon mit einem Fuß im Grabe stand -, daß Gottes Stimme ein Wind sei und daß Gott es keinen Tag verabsäume, nach dem Abendgebet zu ihr zu sprechen. Alle Haushaltsmitglieder trommelte sie als Zeugen zusammen, und alle sagten – Amen. Meine Vorstellung vom rechten Ort für das Gebet formte sich daher wohl in jenen Tagen, als ich erkannte, daß der Grund, die Toilette aufzusuchen, weniger in der physiologischen Notwendigkeit als vielmehr in einem psychologischen und religiösen Druck lag. Bereits in dieser Lebensperiode begann ich mich dem Problem zu widmen, dem ich später in systematischen, objektiven Forschungen weiter nachging, dem Problem des digestiven Behaviorismus beim sensiblen Kind. Ich sprach zwar auf die wohlbekannte Pose des Schnell-fertig-und-weg gut an, doch mitunter erfuhr ich eine Selbstbesinnung, eine Entschlossenheit, einen Glauben, einen inneren Frieden; ich entwickelte eine geistige Fühlungnahme mit einer Welt der Spannungen und Widersprüche …“

Sagoe hielt inne und blickte Mathias an, der mit offenem Mund dasaß. Erklappte das Manuskript zu und sagte: „Das war’s für heute, Mathias. Die erste Lektion ist vorbei.“

Mathias würgte ein „Yessah. Dankschön, Sah“ hervor und ließ Sagoe mit seiner Dissertation allein. Beim Hinausgehen schwenkte er die Bierflasche übertrieben lässig, um zu kaschieren, wie froh er war, endlich wegzukommen.

aus: Wole Soyinka: Die Ausleger (S. 100 ff. – Walter-Verlag, Olten und Freiburg im Breisgau, 1983 – Dialog Afrika – Übersetzung von Inge Uffelmann – Original: The interpreters, 1965)

Altonaer Theater: A Clockwork Orange

Den Roman A Clockwork Orange von Anthony Burgess als Theaterstück umzusetzen, ist sicherlich eine Herausforderung. Dem Altonaer Theater in Hamburg ist das sehr gut gelungen. Die Inszenierung von Harald Weiler ist der heutigen Zeit angepasst (immerhin erschien das Buch bereits 1962 – und die Verfilmung von Stanley Kubrick mit Malcolm McDowell ist auch schon 40 Jahre alt) und überzeugt durch das immer richtige Tempo und seine klare stilisierte Form. Lars Peter sorgt mit seiner geradezu spartanischen Ausstattung für den richtigen störungsfreien Rahmen. Gelungen ist vor allem auch die Darstellung der Gewaltszenen, die mehr noch als im Film tänzerisch (Choreographie: Angela Guerreiro) inszeniert wurden, durch diese Abstrahierung aber nichts von ihrer Eindringlichkeit verlieren. Und der frenetische Beifall am Schluss für den Protagonisten, Sven Fricke als Alex, bezeugt die glaubhafte Darstellung. „Alex und seine ‚Droogs’ erobern das Altonaer Theater in einer klaren, formbewussten Inszenierung von ‚Clockwork Orange’ und lassen das Publikum gleichermaßen fasziniert wie fassungslos zurück.“ (Hamburger Abendblatt)

Die letzten Vorstellungen: 1. bis 5. November 2011


Anthony Burgess’A Clockwork Orange – in einer Aufführung des Altonaer Theaters Hamburg

Wenn man kleine Kinder hat und dazu etwas abseits der Großstadt lebt, dann kommt man kaum noch dazu, kulturelle Veranstaltungen zu besuchen: selten eine Ausstellung oder ein Konzert, fast nie mehr Theater, dafür eher Kino. Nun sind die Kinder groß – und so kommen wir wieder öfter dazu, einen Theaterabend einzulegen – und können den Nachwuchs gleich mitnehmen, um ihnen Appetit auf mehr zu machen. Das ist uns ohne Zweifel gelungen. Mit „Clockwork Orange“ war es dann natürlich auch das richtige Stück. Am Samstagabend besuchten wir die Vorstellung in Hamburg. Und waren begeistert. Es ist eben doch etwas anderes, Schauspieler live auf der Bühne agieren zu sehen – als Fernsehen oder Kino.

Noch etwas zu „Clockwork Orange“: Ein besonderes Stilmittel des Romans von Anthony Burgess ist der fiktionale Jargon namens Nadsat, den Alex und seine Droogs (Freunde) benutzen. Ich denke, dass der Roman auch besonders durch diesen Slang Popularität erlangte. Nadsat ist eine verballhornende Mischung von russischen Vokabeln mit dem Londoner Cockney Rhyming Slang. Dazu kommen Begriffe aus der englischen Zigeunersprache (Gypsy Slang) sowie Elemente der Kindersprache:

„Das hier bin ich, Alex, und meine drei Droogs: Pete, Georgie und Dim. Wir hockten in der Korova-Milchbar und zerbrachen uns die Rasoodocks, was wir mit diesem Abend anfangen sollten. In der Korova-Milchbar konnte man Moloko-Plus kriegen… Das heizt einen an und ist genau richtig, wenn man Bock hat auf ein wenig Ultra-Brutale.“

Vokabeln: Droog: Freund; Rasoodock: Hirn; Moloko-Plus: Milch mit Drogen; Ultra-Brutale: Mord, auch: Brutalität, Vergewaltigung

Und noch etwas: Ein kleines bisschen Horrorschau (Untertitel: Die Lieder aus Clockwork Orange und andere schmutzige Melodien) ist das fünfte Studioalbum der Toten Hosen und enthält zur Hälfte die Bühnenmusik, welche die Band für Bernd Schadewalds Inszenierung von A Clockwork Orange an den Kammerspielen Bad Godesberg schrieb.

Anthony Burgess: A Clockwork Orange (Buch)
Stanley Kubrick: A Clockwork Orange (Film als DVD bzw. Blu-ray)
Die Toten Hosen: Ein Kleines Bisschen Horrorschau (Die Lieder aus Clockwork Orange und andere schmutzige Melodien: „Dieser Bastard von einer dreckigen Schallplatte erzählt die Geschichte von Alex, einem Bratschnik, der von Grund auf wie böse war und viel Spaß hatte am Tollschocken, Ladenkrasten und einem bißchen schmutzigen Zwanzig gegen Einen. …“ – hierzu bald etwas mehr).

Umberto Eco: Der Friedhof in Prag

Der neue Eco ist auf dem Markt. Der neue Roman von Umberto Eco heißt Der Friedhof in Prag und handelt von der ‚Entstehungsgeschichte’ der „Protokolle der Weisen von Zion“ – das wahrscheinlich weitest verbreitete Buch der Welt nach der Bibel … -, die Grundlage einer angeblichen Weltverschwörung der Juden sind. Adolf Hitler bezog sich als Rechtfertigung für die so genannte Endlösung der Judenfrage auf diese Protokolle – und auch die Hamas beruft sich auf diese in Artikel 32 ihrer Charta, um ihren Kampf gegen Israel zu begründen.

Nun Verschwörungstheorien, welcher Art auch immer, sind bei Eco nicht neu. In „Der Name der Rose“ geht es um ein Exemplar des verlorengegangenen „Zweiten Buches der Poetik“ des Aristoteles, in dem die Komödie behandelt wird (nach der Tragödie im ersten), ein für das Christentum gefährliches Buch, denn „Lachen töte die Furcht, ohne die es keinen Glauben geben könne. Wer den Teufel nicht mehr fürchte, brauche keinen Gott mehr: dann könne man auch über Gott lachen.“

In „Das Foucaultsche Pendel“ werden gleich verschiedenen Verschwörungstheorien kombiniert. Es geht um Tempelritter, Kabbalisten, den Heiligen Gral und um ein Dokument, das „einen Geheimplan der Tempelritter enthalte, mit dem sie erstens die Weltherrschaft erringen und sich zweitens für all das Unrecht rächen wollten, das sie bei der Auflösung des Ordens zu Beginn des vierzehnten Jahrhunderts erlitten hätten.“

Und in „Baudolino“ spielt neben der Legende vom Reich des Priesters Johannes der Heilige Gral auch eine gewisse Rolle – und damit die Vorstellung von Unsterblichkeit und Macht. Legenden und Verschwörungen allenthalben.

Zurück zum neuen Werk von Umberto Eco: Im Roman ist von einer Versammlung auf dem Friedhof von Prag die Rede, auf der Vertreter der 12 Stämme Israels die Fortschritte bei dem Plan zur Eroberung der Welt besprechen: alles gesammelt in den angesprochenen Protokollen! Alles ist aber nur ausgedacht … Fiktion, wie allerdings auch die Hauptfigur des Romans, Simone Simonini. Dafür stimmen aber (fast) alle anderen Personen und Bezüge im Buch.


Umberto Eco: Der Friedhof in Prag
siehe auch: Die Macht der Dummen (Interview mit Umberto Eco)

„Streng gehütete Geheimnisse des französischen Militärs sind an das Deutsche Reich verraten worden, und die Geheimdienste glauben sofort zu wissen: Das kann nur der jüdische Hauptmann Alfred Dreyfus gewesen sein. Zur gleichen Zeit ziehen Die Protokolle der Weisen von Zion immer weitere Kreise, jenes gefälschte ‚Dokument’ für die ‚jüdische Weltverschwörung’, das fatale Folgen haben wird.

Simone Simonini, ein Italiener in Paris und leidenschaftlicher Antisemit, weiß mehr von dieser gefährlichen Geschichte als jeder andere. Simonini ist wahrlich eine anrüchige Figur, steht mal bei der einen, mal der anderen politischen Macht im Dienst, bewegt sich geschickt zwischen Jesuiten und Freimaurern, Republikanern und Antiklerikalen, Bonapartisten und russischen Spionen. Dann aber sieht er sich immer tiefer verstrickt in die geheimen Pläne einer Verschwörergruppe, die mit einem Attentat auf die gerade im Bau befindliche Pariser Métro die Bevölkerung aufrütteln will, mit einem Attentat auf das große Symbol der modernen Zeit und der modernen Technik. Und die Bombenbauer haben ausgerechnet Simone Simonini erwählt, die Tat auszuführen. Nach einigem Zögern sagt er zu.

Umberto Eco hat einen Roman geschrieben, wir nur er es kann: Eine Geschichte, die tief in die Vergangenheit eindringt, und doch immer auch von unserer Gegenwart erzählt.“

„Ein Abt, der zweimal stirbt, ein paar unbekannte Tote im Pariser Abwasserkanal, geheime Militärpapiere und angebliche Verräter: das Paris der Belle Époque ist eine brodelnde Stadt, in der Geheimbünde und Verschwörer, Freimaurer und Antisemiten, Spione und Geheimpolizisten ihr dunkles Spiel treiben. […]“

(aus dem Klappentext zu Umberto Eco: Der Friedhof in Prag – Roman – Deutsch von Burkhart Kroeber – Carl Hanser Verlag München – 1. Auflage 2011)

Impasse Maubert

Rue Maître-Albert

Impasse Maubert (von der Rue Frédéric Sauton aus)

Rue Maître-Albert (in der Nähe des Boulevard Saint German)

Simone Simonini, die Hauptfigur des Romans und der Verfasser der Tagebücher, die Grundlage des Romans sind, schreibt diese Tagebücher in einer Doppelwohnung in Paris, von wo aus er auch operiert (und in welchem Haus im Keller in einem Zugang zum Abwasserkanal sich die Leichen ansammeln). Die Adresse wird genannt:

„Am Ende machte der Korridor einen Knick nach rechts […], das das Licht aus einer Straße hereinfiel, die nicht die enge Impasse Maubert sein konnte. Und tatsächlich, als ich an eines der Fenster trat, sah ich, dass es die Rue Maître-Albert war.“ (S. 32)


Rue Maître-Albert auf der Höhe der Impasse Maubert

Umberto Ecos neuer Roman ist ziemlich überfrachtet. Fürs Hamburger Abendblatt enthält er „zu viel des Bösen“. Und die Süddeutsche Zeitung verlangt ein Extra-Studium, „denn der historische Hintergrund ist nur mit Begleitliteratur verständlich“. Außerdem wäre der ‚Friedhof in Prag’ „als Roman bestenfalls ein Fehlschlag von Rang“. „Und die eigentliche Geschichte ist langweilig.“ (Quelle: sueddeutsche.de)

Langweilig finde ich den Roman nun nicht gerade, allerdings schon für reichlich verwirrend. Eco versucht akribisch alle Fakten, die für die Geschichte notwendig erscheinen, vorzutragen und gerät dabei vom Hundertsten ins Tausendste. Und da alles aus der Sichtweise des Simone Simonini, einen von Neurosen zerfressenen, hasserfüllten Egoisten, einen gierigen, skrupellosen Gourmand (abendblatt.de), geschrieben ist, fragt man sich als Leser oft, ob man sich noch ‚im richtigen Buch’ befindet. Obwohl der Romanheld dermaßen negativ besetzt ist, versucht man sich als Leser in ihn hineinzuversetzen – und erzeugt so etwas wie Sympathie für ihn, für den eigentlich wirklich keine Sympathie zu bezeugen ist. Trotzdem bietet der Roman, auch ohne vertiefte Kenntnisse, einen gelungenen Einblick in die Wirren des 19. Jahrhunderts. Es sind eher die Wirren der Zeit als die des Romans.

Auf jeden Fall gibt der Roman viel Stoff zum Nachdenken. Hier einige Beispiele, z.B. wenn der Großvater von Simon Simonini, einen Antisemiten erster Klasse, sagt: „Der sich selbst überlassene Mensch ist zu schlecht, um frei zu sein. Das bisschen Freiheit, das er braucht, muss durch einen Souverän garantiert sein.“ (S. 61) Manchmal bin ich versucht, dem zuzustimmen.

Simon Simonini selbst erkennt: „Ich habe immer Leute gekannt, die fest daran glaubten, dass irgendwelche verborgenen Feinde eine große Verschwörung planen, […] wer weiß, wie viele andere Leute es noch auf dieser Welt gibt, die sich von einer Verschwörung bedroht fühlen. Hier haben wir eine Form, die jeder nach Belieben mit einem Inhalt füllen kann. Jedem sein Komplott. […] Wonach strebt jeder, und zwar umso mehr, je elender und vom Glück verlassener er sich fühlt? Nach Geld, und zwar leicht verdientem, nach Macht (was für eine Lust, einen deinesgleichen herumkommandieren und erniedrigen zu können!) und nach Rache für erlittenes Unrecht (und jeder hat mindest einmal im Leben ein Unrecht erlitten, so klein es auch sein mag). […] Warum, so fragt sich ein jeder, warum bin gerade ich vom Glück benachteiligt (oder zumindest nicht so begünstigt, wie ich es wollte), warum sind gerade mir Belohnungen vorenthalten worden, die weniger Verdienstvolle erhalten haben? Weil niemand auf den Gedanken kommt, dass seine Missgeschicke mit seiner eigenen Beschränktheit zu tun haben könnten, deshalb muss jeder einen Schuldigen finden.“ (S. 94f.)

Bis zum heutigen Tag hat diese Aussage Gültigkeit, wenn es heute vielleicht auch nicht mehr die Juden sind, denen man die schlimmste Weltverschwörung zutraut, sondern (aus Sicht nicht nur der Rechtsextremen) die Islamisten, Araber, Moslems – alle hinein in einen Sack und draufgeschlagen!

Oder Lagrange vom französischer Geheimdienst – er beschreibt gewissermaßen auch die Arbeit des Verfassungsschutzes unserer Tage: „… die einzigste Art, eine subversive Sekte zu kontrollieren, ist, ihre Führung zu übernehmen […] von zehn Mitgliedern einer Geheimorganisation seien drei unsere mouchards [Informanten] […], sechs seien vertrauensselige Dummköpfe und einer sei gefährlich.“ (S. 202)

Jedem sein Komplott, jedem sein Feind: „Damit der Feind erkennbar und furchterregend ist, muss er im Hause sein oder jedenfalls an der Schwelle des Hauses. […] Wir brauchen einen Feind, um dem Volk eine Hoffnung zu geben. Jemand hat gesagt, der Patriotismus sei die letzte Zuflucht der Kanaillen – wer keine moralischen Prinzipien hat, wickelt sich gewöhnlich in eine Fahne, und die Bastarde berufen sich stets auf die Einheit ihrer Rasse. Die nationale Identität ist die letzte Ressource der Entrechteten und Enterbten. Doch das Identitätsgefühl gründet sich auf den Hass, Hass auf den, der nicht mit einem identisch ist. Daher muss man den Hass als zivile Leidenschaft kultivieren.“ So spricht Ratschkowski im Roman, Mitglied der Ochrannoje Otdelenie, Sicherheitsabteilung, der Dienst für vertrauliche Nachrichten, des russischen Innenministeriums (S. 401)

Entgegen früherer Vorsätze, hegt Umberto Eco diesmal durchaus pädagogische Absichten. Nur ob die greifen, glaube ich nicht. Wer aus dem rechten Spektrum wird seinen Roman lesen? Und wenn, wer wird sich schon vom Besseren belehren lassen?! Mir hat der Roman auf jeden Fall sehr gut gefallen. Umberto Eco ist einfach eine ‚Marke für sich’ und er ist mehr noch als ein Dan Brown für Intellektuelle.

Viele weitere Informationen befinden sich auf umberto-eco.de (z.B. ein ausführliches Personenverzeichnis) – siehe auch den Blog auf eco-online.de

Klabund: Borgia

Heute Abend läuft der letzte Teil der insgesamt 6-teiligen Historienreihe Borgia (Gemeinschaftsproduktion Tschechien/Deutschland/USA 2011) im ZDF. In der ZDFmediathek sind alle (anderen) Teile zz. auch online zu sehen. Ich selbst habe mir die am Ende 600 Minuten dauernde TV-Reihe allein schon aus Zeitgründen nicht angeschaut. Dafür habe ich aber den gleichnamigen Roman von Klabund gelesen: Borgia

„‚Roman einer Familie’ nannte Klabund dieses fesselnde und brillant geschriebene Buch. Die ‚Familie’ ist das berühmt-berüchtigte Adelsgeschlecht der Borgia, das zeitweise ganz Italien und in der Person zweier Päpste das ganze Abendland unter seine Herrschaft zwang. Grausamkeit und Verschlagenheit, die absolute Unbedenklichkeit in der Wahl der Mittel halfen ihnen, ihre Macht zu festigen und auszuweiten.

Mord an den nächsten Verwandten, Liebe als Machtspiel, Blutschande zwischen Vater-Papst Alexander VI. und seinen Kindern bezeichnen die Maßlosigkeit im Leben der Borgia.

Giftkelch und Meucheldolch regieren unangefochten. Doch auf diesem Gipfel der Macht fallen die Borgia ihnen selber zum Opfer.“

„Klabund, eigentlich Alfred Henschke, wurde 1890 in Crossen a. d. Oder geboren. Nach dem Studium der Literatur und Philosophie in München und Lausanne lebte er als freier Schriftsteller in München, Berlin und in der Schweiz.

Er war ein ungestümer, aufsässiger Mensch, der sich in viele Skandale verwickelte, erotische Themen bevorzugte, wenig Freunde hatte – bis auf Gottfried Benn.
Der Roman Borgia erschien zum ersten Mal nach Klabunds Tod im Jahre 1928.“

Aus dem Klappentext zu Klabund – Borgia – Roman einer Familie – Fischer Taschenbuch Verlag – 16. – 20. Tausend: August 1980

Natürlich dürfte sich die TV-Serie kaum mit diesem kleinen Büchlein von gut 100 Seiten vergleichen lassen. Die Bezeichnung Roman ist sicherlich nicht ganz richtig, nicht ausreichend. Es ist eine Erzählung in Episoden verfasst, die gleichsam Dialoge wie in einem Theaterstück und Szenen wie in einem Film enthält. Schon allein daraus ergibt sich eine besondere Spannung. Im Mittelpunkt stehen natürlich die Borgias, vor allem Rodrigo Borgia, der als Papst Alexander VI. in die Geschichtsbücher einging, Cesare Borgia, der Niccolò Machiavelli als Vorbild für seinen Il Principe („Der Fürst“), den rücksichtslosen Machtpolitiker, diente, und Lucrezia Borgia, die oft als Instrument der Politik ihres Vaters herhalten musste. Daneben spielt Fra Girolamo Savonarola aus Ferrara in dem Roman eine größere Rolle, Savonarola, der von Florenz aus mit seiner Kritik am Lebenswandel des herrschenden Adels und Klerus, hier besonders an dem Papst, den er bezichtigte, der Antichrist zu sein, für Aufsehen sorgte – und nachdem er von Papst Alexander VI. als ‚Häretiker, Schismatiker und Verächter des Hl. Stuhles’ exkommuniziert wurde, vor einer riesigen Menschenmenge auf dem Scheitelhaufen landete. Aber auch der Florentiner Bildhauer und Maler Michel Angelo erscheint in einem Treffen mit Lucrezia Borgia und malt sie als „Leda vom Schwan geliebkost. [Als] Venus von Amor geliebkost.“ (S.74). Und der Christus in der römischen Pietà, „trägt er nicht die Züge jenes in Florenz verbrannten Fra Girolamo – jenes unseligen Ketzers –“? (S. 74). Natürlich treffen wir in dem Buch auch Cesare Borgia im Gespräch mit Niccolò Machiavelli.

Klabund („KLAbautermann und VagaBUND“) gelingt mit Borgia „ein grausiger Alptraum von Macht und Schicksal, Mord und Blutschande.“ „Marcel Reich-Ranicki nannte ihn – vielleicht mit Bedauern – vierzig Jahre nach Klabunds Tod »nur noch eine literarhistorische Erscheinung«. Inzwischen kann Klabund allerdings neu entdeckt werden, denn er wird in der ganzen Breite seines Schreibens wieder zugänglich gemacht: Im kleinen Heidelberger Eifenbein-Verlag liegt eine achtbändige Lese- und Studienedition der Werke Klabunds nach dem Text der Erstdrucke vor.“ (aus: KLABAUTERMANN UND VAGABUND: Eine Einführung von Christian von Zimmermann).

Hermann Hesse: Stufen

Hermann Hesse widmete sich in seinem Tun und literarischem Schaffen dem Individuum. Seine Romane, Erzählungen und Gedichte haben immer wieder die Selbstverwirklichung, die Selbstwerdung, die Autoreflexion des einzelnen zum Thema. Im Glasperlenspiel nun findet das individuelle Leben in eine überpersönlichen Gemeinschaft seine Einordnung. Obwohl es hier um eine streng hierarchisch geordnete Gesellschaft geht, so ist diese zutiefst human und lässt dem Einzelnen die Wahlmöglichkeit.

Aus diesem Roman stammt das wohl von Hesse bekannteste Gedicht: Stufen.

Wie jede Blüte welkt
und jede Jugend dem Alter weicht,
blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in and’re, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu leben.

Hermann Hesse: Stufen

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten!
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt,
so droht Erschlaffen!
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen senden:
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

(Hermann Hesse)

A Clockwork Orange

Es ist viele Jahr her, da hatte ich das Buch von Anthony Burgess in Händen: A Clockwork Orange. Die Frage, warum ich es mir nicht gekauft habe, kann ich bis heute nicht beantworten. Und dann wurde das Buch auch noch 1971 von Stanley Kubrick mit Malcolm McDowell als Alexander DeLarge verfilmt: A Clockwork Orange


Stanley Kubrick: A Clockwork Orange

Es hat immerhin vierzig Jahre gebraucht, bis ich mir den Film angeschaut habe. Aus gegebenem Anlass, denn Antony Burgess’ Roman läuft in einer Bühnenadaption zz. im Altonaer Theater in Hamburg.


Anthony Burgess’A Clockwork Orange – in einer Aufführung des Altonaer Theaters Hamburg

Am nächsten Samstag besuche ich mit meinen beiden Söhnen die Aufführung. Wir sind schon sehr gespannt, denn das Stück (Buch und Film) ist durchaus sehr aktuell. Dazu aber später mehr …

Wer weder Buch noch Film kennt, hier eine kurze Inhaltsangabe:

„Alex DeLarge und seine Gang, die Droogs, sind jung, charismatisch, brutal und gewissenlos. Sie treffen sich in einer Milchbar, trinken „Moloko“ – Milch mit Drogen – und ziehen los, um wahllos Menschen zu überfallen, zu berauben, zu quälen, zu vergewaltigen. Sie zelebrieren ihre abendlichen Gewaltstreifzüge aus purer Freude an der Gewalt. Der Bewährungshelfer ist machtlos, Alex gelingt es jedes Mal sich die Hände reinzuwaschen. Doch bei einem Einbruch wird Alex von einem seiner Droogs außer Gefecht gesetzt und von der Polizei verhaftet. Er fühlt sich verraten und selbst als Opfer.

Im Gefängnis wird er einer neuartigen Therapie unterzogen und fortan wird ihm beim geringsten Gedanken an Sex und Gewalt übel. Zu eigenen gewalttätigen Handlungen ist er nicht mehr fähig.“

Anthony Burgess: A Clockwork Orange (Buch)
Stanley Kubrick: A Clockwork Orange (Film als DVD bzw. Blu-ray)

Vergessene Stücke (12): Botho Strauß – Kalldewey, Farce

Botho Strauß (* 2. Dezember 1944 in Naumburg) ist ein deutscher Schriftsteller und Dramatiker. Er gehört zu den erfolgreichsten und meistgespielten zeitgenössischen Dramatikern auf deutschen Bühnen. Sein Stück Kalldewey, eine Farce, wurde am 31.01.1982 in der Regie von Niels-Peter Rudolph am Deutschen Schauspielhaus Hamburg uraufgeführt.

Das Stück von Botho Strauß selbst kenne ich aus einem Band mit verschiedenen Theaterstücken (suhrkamp taschenbuch 1190 – 1. Auflage 1985) Theater heute, dessen andere Stücke ich hier bereits alle vorgestellt habe.

Personen:
Der Mann (Hans)
Die Frau (Lynn)
K (Kattrin)
M (Meret)
Zweiter Mann (Kalldewey)
Kellner/Chef

M: … nur Lieb und Graus …

„Lynn und Hans wollen Abschied nehmen und kommen doch nicht voneinander los. Dann explodiert die Elegie, anfangs verbal und kurz darauf in einer Orgie der Gewalt, die Küsse auf Bisse reimt: Lynn hat zwei Lesben angeheuert, mit deren Hilfe sie ihren Mann zerfetzt und in die Waschmaschine stopft. Erneut abrupter Szenenwechsel: Alle sind wieder wohlbehalten auf der Bühne, bilden inzwischen eine Art Therapiegemeinschaft und feiern Lynns Geburtstag. Neben Hans erscheint ein zweiter Mann, den keiner kennt und keiner eingeladen hat. Er heiße Kalldewey, sagt er, gibt ein paar Obszönitäten von sich und bleibt ansonsten stumm. Zuerst ist er den anderen lästig, doch als er so plötzlich, wie er kam, verschwindet, fehlt er ihnen sehr. Ein zweites Mal sind Lynn und Hans mit sich allein, bis der letzte Akt sie auf den Korridor eines Bürogebäudes katapultiert. Der Chef, von dem man nur die Stimme hört, ist hier zugleich der Therapeut und lässt alle ohne allzu großes Zutun in turbulenten Rollenspielen ihre Konflikte mit sich, Gott und der Welt durchexerzieren …“ (Quelle: rowohlt-theaterverlag.de)

Der Mann: Da gab es einmal einen Rattenfänger, dem sind wir hinterher. Mit seiner Flöte zog er uns das Ungeziefer von der Seele und ertränkte es im Vergessensfluß.

Strauß‘ Persiflage auf das Heilsbegehren westlicher Wohlstandsmenschen wurde 1982 mit dem Mülheimer Dramatikerpreis ausgezeichnet: „Kalldewey, Farce beschreibt die Zerstörtheit ehelicher und nicht-ehelicher Zweierbeziehungen, die Scharlatanerie der zur Routine gewordenen Seelen- und Gruppentherapie, das Versatzstückhafte einer sich anti-bürgerlich gebenden Sprache. Kalldewey, Farce ist gleichzeitig ein Beitrag zu einer zeitgenössischen Dramaturgie. Das Stück bekennt sich in jedem Augenblick dazu … nichts als Theater zu sein.“ (Aus der Begründung der Jury – Quelle: rowohlt-theaterverlag.de)

Der Mann: Es war dies nur ein Spiel mit tieferen Spielen
Nicht wirkliche Magie: nach Katalog bestellte Therapie
Ein Wühlen in der Krabbelkiste namens Seele
Restposten, alte Wünsche grün und blau
Spottbillig der Krempel, man wühlt sich
Durch Gelegenheiten, halb gierig, halb interesselos
Und bringt bestimmt was Überflüssiges nach Haus.
Dennoch hab ich viel dazugewonnen.
Die Kur war schlimm, die Regeln wirr
Doch hätt ich niemals bessere Partner finden können
Als ihr es wart, ihr drei, ihr wart fantastisch
Ich dank euch vielmals, große Könner!

K: Nun lassen wir noch etwas liegen hier,
nur zur Erinnerung – für Kalldewey.

Stücke, Prosa und mehr von Botho Strauß

Martin Walser: Muttersohn

Es ist ein seltsamer Roman, dieser Muttersohn von Martin Walser, und die Kritiken sind entsprechend harsch, wenn auch dem Alter des Autors Rechnung getragen, d.h. Nachsicht geübt wird. Martin Walser probt schon mal das Altersirresein, heißt es da, oder: „In ‚Muttersohn’ genügt der Autor sich selbst, ein landläufiges Gelingen hatte er gar nicht im Sinn.“ (süddeutsche.de)

„Wovon handelt dieser Roman? Es ist leichter zu sagen, wovon er nicht handelt. Er handelt von 1937 bis 2008, kommt nicht aus ohne Augustin, Seuse, Jakob Böhme und Swedenborg, handelt aber vor allem von Anton Percy Schlugen.

Seine Mutter Josefine, Fini genannt, ist Schneiderin; sie lebt, auch als sie mit einem Mann zusammenlebt, allein. Jahrelang schreibt sie Briefe an Ewald Kainz, der auf den Stufen des Neuen Schlosses in Stuttgart eine politische Rede hielt. Die Briefe schickt sie nicht ab; sie liest sie ihrem Sohn vor und vermittelt ihm so, dass zu seiner Zeugung kein Mann nötig gewesen sei.

Mir diesem Glauben lebt Percy. Er wird Krankenpfleger im psychiatrischen Landeskrankenhaus Scherblingen, wird gefördert von Professor Augustin Feinlein und eines Tages mit einem Fall betraut, an dem die Ärzteschaft fast verzweifelt. Es geht um einen Suizidpatienten, einen Motorradlehrer, der sich allen Therapieversuchen stumm widersetzt. Dieser Patient heißt: Ewald Kainz.

Percy ist inzwischen berühmt, weil er keiner Weltvernunft zuliebe verzichtet auf die von der Mutter in ihn eingegangene Botschaft vom Kind ohne leiblichen Vater. Berühmt auch durch seine prinzipiell unvorbereiteten Reden. Das ist sein Thema: Ich sage nicht, was ich weiß. Ich sage, was ich bin.“

„In ‚Muttersohn’ fügen sich Bekenntnisse und Handlungen zu einem Roman des Lebens: empfindungsreich, ironisch und schwerelos zugleich.“

(beides aus dem Klappentext zur 1. Auflage Juli 2011 – Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg)

Im Mittelpunkt stehen die drei Herren Percy Slugen, sein Mentor, der Professor Augustin Feinlein, und Ewald Kainz, verstummter Patient des Psychiatrisches Landeskrankenhauses in Scherblingen, ein fiktiver Ort – als Vorbild könnte das Psychiatrisches Zentrum Nordbaden gedient haben.

Im ersten Kapitel „Dem Leben zuliebe“ lernen wir Anton Parcival (genannt Percy) Slugen, geboren 1977, kennen, zu dessen Zeugung kein Mann nötig gewesen sein soll. Percy heilt Kranke, die alle anderen aufgegeben haben und er hält spontane Ansprachen, die den Zuhörern ungewöhnlich zu Herzen gehen. Er ist ganz ‚positiv’, so positiv, dass er sich selbst ankreidet, nicht ein wenig negativ zu sein. Es gelingt ihm lediglich, die Verneinung zu verneinen (S. 170).

Im Kapitel zwei „Dieses Leben“ erleben wir Ewald Kainz, den Heimzögling, Kommunisten, dem dadurch vom Berufsverbot Betroffenen, Sonderschulpauker und Motorradfahrlehrer. Sein Lebensschicksal hat ihn zum Stotterer werden lassen. Geheilt wird er durch Elsa Frommknecht, die er auch lieben lernt. Aber da kommt ihn eine Frau Dr. Silvi Schall in die Quere. Hingerissen zwischen diesen beiden Frauen endet er im Verstummen – und schließlich im PLK (Psychiatrisches Landeskrankenhauses) Scherblingen des Professor Augustin Feinlein.

Das dritte Kapitel „Mein Jenseits“ (kam bereits letztes Jahr als selbständiges Buch heraus) kennt den Professor Augustin Feinlein, Leiter des PLK Scherblingen, als Autoren. Dieser hat seinen Kampf mit dem noch jungen Chefarzt Dr. Bruderhofer auszutragen, der gern sein Nachfolger werden möchte. Hier kämpft Tradition gegen Moderne, Johanniskraut gegen Psychopharmaka, Religiosität gegen europäische Aufklärung, ein Kampf, den der ‚alte Knabe’ verliert, als er die Monstranz mit der Heilig-Blut-Reliquie aus der Stiftskirche stiehlt, um sie vor dem Unverständnis der Gegenwart in Sicherheit zu bringen. Er wird selbst zum Fall.

Im 4. Kapitel „Fortleben“ lernen wir noch einen gewissen Modest Müller-Sossima kennen, der mit Slugen und dem ‚befreiten’ Professor auf der ebenfalls fiktiven Insel Rheinau eine Akademie für Unvollendete gründet. Dies erinnert mich komischerweise an das Alterswerk „Das Glasenperlenspiel“ von Hermann Hesse, obwohl es hier nicht um die Perfektion der Wissenschaften und Künste und insbesondere der Synthese beider Bereiche geht, sondern gerade das Unvollendete, das Spontane, das Zusammenkommen von Denken und Sagen im Vordergrund steht. Und Autoren, die möchten, können hier ihre Werke shreddern lassen, natürlich zuvor nicht ungelesen.

Der Roman geht dem Ende zu – und wir erfahren nicht nur, das Ewald Kainz doch den Freitod gewählt hat, nein auch Percys mögliche Adoptivväter, Modest Müller-Sossima und der Professor, kommen ums Leben. Und im letzten Kapitel „Letzte Nachricht“ erfahren wir dann auch noch vom Tode Percys.

In „Muttersohn“ zieht sich Martin Walser sehr weit zurück. Wie so oft im Alter spielt das Heute keine eigentliche Rolle mehr. Dafür beschäftigt sich Walser verstärkt um Glaubensfragen. Es klingt fast wie eine Entschuldigung, wenn er den Glauben für eine Fähigkeit, eine Begabung hält: „Bei Musik weiß jeder: Manche sind musikalisch, andere nicht. So mit der Glaubenskraft.“ (S. 173) Sollte Walser dieses Talent fehlen, so kompensiert er es gewissermaßen intellektuell und kommt da Kierkegaard sehr nahe, der u.a. davon ausging, dass die Wahrheit nicht in Sätzen gelehrt werden könne, sondern eine Bewegung des Menschen in der Zeit sei.

Bemerkenswert ist die Figur des Percy Slugen, der sich zuletzt als „Fürst der Freundlichkeit“ (S. 504) definiert. Sollte er wirklich ein neuzeitiger Jesus sein? Neben Geburt und Wirken erinnert auch sein Tod stark an den Tod von Jesus Christus. Aber kann und darf man einen Jesus von Nazareth in unsere Zeit hineinstellen? Muss er da nicht zu einer naiven Kitschfigur verkommen? Walser hat die Gefahr durchaus erkannt. Aber die Grantwanderung seines Percy-Jesus gelingt nur halb – und genau da schwächelt dann Walsers Roman.

Wie sagt der Motorradfreak ‚Katze’, der Percy Slugen später tötete, zu diesem: „Ein toller Text, Percy. Leider nicht von dieser Welt. Und nicht für diese Welt.“ (S. 435). So könnte man auch zu Martin Walser sagen: Ein toller Text. Leider nicht von dieser Welt.

Literaturnobelpreis für den schwedischen Dichter Tomas Tranströmer

Der Nobelpreis in Literatur des Jahres 2011 wird dem schwedischen Poeten Tomas Tranströmer verliehen, „weil er uns in komprimierten, erhellenden Bildern neue Wege zum Wirklichen weist“.

Hiermit begründet die Schwedische Akademie die Vergabe des diesjährigen Literaturnobelpreises an den 80-jährigen Tomas Transtömer. Nach vielen Jahren wird damit wieder ein Dichter geehrt: Tomas Tranströmer – Gedichte. Völlig überraschend kommt diese Ehrung nicht, denn Tranströmer zählte schon im Vorfeld zu den Favoriten auf diesen Preis.

Tomas Tranströmer
Urheber des Bildes: Andrei Romanenko, CC-BY-SA

„Tomas Tranströmer setzt auf Intensität durch höchste sprachbildliche Verdichtung, die mit sehr wenigen Worten auskommt. […] Mit der Selbstdisziplinierung durch größtmögliche Verknappung der Rede gelangte Tranströmer schon seit den 1950ern immer wieder zu den strengen Formvorschriften des japanischen Haiku-Gedichts.“

Besonders zutreffend beschreibt Harald Hartung das Werk des neuen Nobelpreisträgers: „Eine poetische Welt, die ganz nah der Realität bleibt und doch nicht von dieser Welt ist, ein imaginärer Raum, aus dem ein kühles, aber intensives Licht auf die Gegenstände und Menschen fällt.“

Obwohl ich kein allzu großer Freund der Lyrik bin, so wirken die Gedichte von Tomas Tranströmer auf seltsame Weise auf mich. Es sind leise Gedichte eines leisen Dichters. Und es ist wohl die Vielfalt an Assoziationen, die besonders ein Gedicht wie das folgende hervorruft:

Der Adlerfels

Hinterm Glas des Terrariums
die Reptile
seltsam reglos.

Eine Frau hängt Wäsche auf
im Schweigen.
Der Tod ist windstill.

In der Tiefe des Bodens
gleitet meine Seele
schweigend wie ein Komet.

aus: Tomas Tranströmer – Das große Rätsel. Gedichte

Zdf.de Video: Tukur liest Tranströmer

.. und wer bekommt nun den Literaturnobelpreis?

Morgen ist es wieder soweit: Der Preisträger des Nobelpreises für Literatur wird bekannt gegeben. „13 Jahre ohne Poesie! Das gab es noch nie“, lautet der Aufschrei aus der schwedischen Presse kurz vor der Bekanntgabe. Bei Ladbrokes wird kräftig gewettet: Und so ist Bob Dylan (70) plötzlich in den Favoritenkreis aufgerückt (wurde aber auch schon in den letzten Jahren genannt). Vor Dylan lagen auf der Wettliste der libanesisch-syrische Lyriker Adonis (81), dessen schwedischer Poeten-Kollege Tomas Tranströmer (80) und der japanische Romancier Haruki Murakami (62).

Günter Grass, Preisträger des Jahres 1999, hat natürlich seinen eigenen Favoriten, den israelischen Autor Amos Oz, 72. „Oz habe den Preis allein für sein Buch ‚Eine Geschichte von Liebe und Finsternis’ (2002) verdient, sagte Grass. ‚Wenn man mich fragen würde nach einem Rückblick auf das 20. Jahrhundert, dann würde ich dieses Buch an erster Stelle nennen.’“ (Quelle: abendblatt.de)

Und wie sieht es für deutschsprachige Autoren aus? Da sieht es natürlich nicht so gut aus: Vor zwei Jahren ging der begehrteste Literaturpreis der Welt an die in Rumänien geborene und in Berlin lebende Herta Müller (58). Und wenn es um die Zocker geht, dann haben die wenig Chancen: Für einen Literaturnobelpreis an Christa Wolf (82) würde es das Vierzigfache des Einsatzes geben und für Peter Handke das Sechsundsechzigfache.

Wer könnte also den Preis bekommen? Da der Literaturnobelpreis auch immer ein politischer Preis ist, könnte ich mir vorstellen, dass aus gegebenem Anlass („arabischer Frühling“ und weitere Protestbewegung in Syrien) der libanesisch-syrische Lyriker Adonis gute Chancen hat. Morgen wissen wir mehr …

Ob ich einen persönlichen Kandidaten für den Preis habe? Natürlich. Nur sind dessen Chancen sehr gering: Martin Walser zählt für mich zu den ganz großen Schriftstellern, auch wenn sich Walser in seinem letzten Buch Muttersohn „selbst genügt und ein landläufiges Gelingen gar nicht im Sinn“ hatte, wie es die Süddeutsche nennt (zum Buch später mehr). Aber ich denke, Martin Walser wird auch ohne Nobelpreis auskommen.