Kategorie-Archiv: Fußball: Welt- und Europameisterschaften

Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006/2010 & Europameisterschaft 2008

Áfram Ísland!

Eigentlich wollte ich hier etwas über die maue Torausbeute bei der Euro 2016 in Frankreich schreiben. Und wie so mancher Fußballstar nicht die Kurve bekommt:

Bisher war es eine Meisterschaft der Kollektive. So konnten sich Mannschaften wie Nordirland, Island oder Irland (ja, auch die!) fürs Achtelfinale qualifizieren, die durch mannschaftliche Geschlossenheit – besonders in der Abwehr – überzeugen konnten. Von den großen Star konnten nur wenige überzeugen, sicherlich Andrés Iniesta, der aber die 2:1-Nierderlage der Spanier gegen Kroatien auch nicht verhindern konnte (Sergio Ramos hatte bisher nicht seine besten Tage) – und vielleicht Gareth Bale, der mit seinen walisischen Mannen trotz der unglücklichen Niederlage gegen England den Gruppensieg (vor England) einfahren konnte. Und das dürfte noch nicht das Ende sein

    UEFA Euro 2016 in Frankreich

Der gestrige Tag begann nicht besonders. Als ich aber nach Hause kam, kreuzte mein Sohn (der jüngere der beiden) freudestrahlend meine Bahn: Er hatte morgens ein Vorstellungsgespräch und hat ab 1. August den Job. SUPER! Und dann gab es gestern das Spiel der Isländer gegen Österreich. Ein Unentschieden hätte den Nordmännern zum Weiterkommen gereicht. Und nach einem Lattentreffer war es nach knapp 18 Minuten Kolbeinn Sigþórsson, der den Ball zum 1:0 für Island in die Maschen des Tores jagte. Nach dem Ausgleich für Österreich nach 60 Minuten schien die isländische Mannschaft zu wanken. Aber die Abwehr hielt dicht. Und durch einen Konter in der Nachspielzeit gelang dann durch Arnór Ingvi Traustason sogar noch der Siegtreffer für Island. Áfram Ísland! Vorwärts Island! Als Gruppenzweiter – vor Portugal, geht es nun gegen England im Achtelfinale. Was für eine Geschichte!

Euro 2016 in Frankreich: Isländische Fans

Natürlich hatten die Isländer viel Glück. Aber das Glück ist bekanntlich mit den Tüchtigen. Und überhaupt: halb Europa hat die isländische Mannschaft inzwischen adoptiert. So wie viele den Iren die Däumchen drücken (allein schon wegen ihrer unbeschreiblichen Fans), so halten viele zu Island. Und auch Islands Fan kann man nur ins Herz schließen. Oder auch wie ich in einem Kommentar bei 11freunde.de las: … „wenn sich die Mannschaftsaufstellung schon liest wie aus ‚Wickie und die starken Männer‘ kann das nur gut werden: ISLAND!“Hannes Þór Halldórsson, Ragnar Sigurðsson, Aron Gunnarsson, Theódór Elmar Bjarnason, Jón Daði Böðvarsson und natürlich Eiður Guðjohnsen. Nordisch-lyrischer Singsang wie aus der Edda.

Nun auch Irland hat es geschafft. Und so dürfen wir uns neben den Isländern weiterhin auch an den Iren und ihren Fans erfreuen. Die Euro ist gottlob nicht nur ein kommerzielles, taktisch defensiv ausgerichtetes Unternehmen. Auch wenn die Iren und Isländer nicht immer den technisch ausgefeiltesten Fußball bieten. Man bangt mit ihnen, hält die Daumen und freut sich über jede halbwegs gelungene Aktion. Glückwunsch an Irland, Island – auch die Nordiren will ich nicht gegessen!

Euro 2016 in Frankreich: Isländische Fans

Gestern endet also die Gruppenphase. Damit sind bereits 36 von 51 Spielen Fußball-Geschichte (über 70 %). Nach zwei Tagen Pause geht’s dann am Samstag mit den Achtelfinalspielen in der KO-Phase weiter, und damit, ganz ehrlich, beginnt die eigentliche Europameisterschaft.

Neben Island und Irland freut mich natürlich auch das bisher gute Abschneiden der walisischen Mannschaft um Superstar Gareth Bale. Ja, ich und meine Affinität zum ‚Nordischen‘ bzw. Britischen. Nicht umsonst haben meine beiden Söhne als Zweitnamen Namen aus Island (Einar) und Wales (Vaughan – abgeleitet von fechan = klein (Walisisch)).

Und die KO-Phase teilt sich in zwei Stränge, wobei sich die Favoriten schon vor dem Finale eliminieren werden: Was haben Spanien, Italien, England, Frankreich und Deutschland gemeinsam? Diese EM-Mitfavoriten werden sich schon vor dem Finale begegnen und gegenseitig ausschalten. Die Chance, dass es dagegen ein vermeintlicher Außenseiter ins Finale schafft, ist größer denn je (Schweiz, Polen, Kroatien, Portugal oder Belgien).

Mit Zlatan Ibrahimović (Schweden) und Tomáš Rosický (Tschechien) haben sich zwei Altstars bereits von der Euro 2016 verabschiedet. Hinzu kommt Zlatko Junuzović (Österreich), der durch eine Verletzung und dann durch das frühe Ausscheiden seiner Mannschaft leider nicht auf sich hat aufmerksam machen können. Vielleicht ganz gut für den SV Werder Bremen, denn dann wird ihm wohl nichts anderes übrig bleiben, als in Bremen zu bleiben.

Gestern ist wohl der Knoten bei Cristiano Ronaldo (Portugal) geplatzt. Mit zwei sehenswerten Toren meldete er sich und Portugal zurück im Euro-Geschehen. Bei anderen ist es noch nicht soweit: Robert Lewandowski (Polen) und Paul Pogba (Frankreich) enttäuschten bisher. Luka Modrić (Kroatien) muss sich auch erst noch beweisen (war zuletzt verletzt ausgeschieden).

Und Russland, der Gastgeber der nächsten Weltmeisterschaft 2018? Die zweitälteste Mannschaft (nach Italien) schied sang- und klanglos aus. Es reichte nur zu einem Unentschieden gegen England. Lediglich die brutalen russischen Hooligans machten auf sich aufmerksam. Mich wundert es, dass Putin nicht längst eingegriffen hat, um den russischen Fußball auf den ‚richtigen Weg‘ zu bringen. Ein Umbruch der Mannschaft zwei Jahre vor der WM kommt reichlich spät. Und die Gefahr vor gewaltbereiten Hooligans? Das wird Putin allerdings schon zu regeln wissen. Notfalls wandern die in den Knast. Oder mit ihren guten Kontakten zur Politik werden sie sich schon ruhig verhalten (vielleicht dürfen sie auch mit Duldung höchster Stellen den einen oder andern schwulen Fußballfan ‚zur Raison‘ bringen).

Am Samstag geht’s also weiter. Natürlich gucke ich auch die Spiele der deutschen Mannschaft. Ich sehe da noch reichlich Steigerungspotential. Aber das deutsche Team ist bekanntlich eine Turniermannschaft und hat sich immer zur rechten Zeit – von kleinen Hängern abgesehen – finden können. Die Slowakei ist der nächste Gegner (Sonntag, 26.06., um 18 Uhr), gegen die es allerdings in der Vorbereitung eine 1:3-Niederlage hagelte.

Putin und die Hooligans

Die offensichtlich gut organisierten russischen Hooligans bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich sind extrem nationalistisch, also ganz im Sinne von Präsident Putin. Mit Sport wird in Russland Außenpolitik betrieben – entsprechend eng sind die Verbindungen zwischen der Szene und der Politik. (Quelle: tagesschau.de)

    UEFA Euro 2016 in Frankreich

Da gibt es das staatlich gesteuerte Doping, sodass Überlegungen angestellt werden, Russland bei der im August d.J. in Rio stattfindenden Olympiade auszuschließen. Und bei der Vergabe der nächsten Fußball-Weltmeisterschaft 2018 an Russland dürfte die Korrumpierbarkeit einige FIFA-Offiziellen ausgenutzt worden sein.

Zurück nach Frankreich: Etwa 150 russische Hooligans waren an den Ausschreitungen zwischen Fangruppen in Marseille beteiligt. „Sie sind gekommen, um sich zu schlagen“, sagte Staatsanwalt Brice Robin über die „extrem trainierten“ ‚Fußballanhänger‘. Die Polizei konnte keinen von ihnen festnehmen. Sie hätten extrem schnell gehandelt und seien dann wieder verschwunden. (Quelle: sportschau.de)

Russische Hooligans hatten sich am Samstag in der französischen Hafenstadt Marseille vor einem EM-Spiel einen brutalen Straßenkampf mit überwiegend englischen Fußballfans geliefert, es gab mehrere Schwerverletzte. Inzwischen wurden drei der beteiligten russischen Hooligans identifiziert und am Donnerstag im Schnellverfahren in Frankreich zu Haftstrafen verurteilt.

Sechs weitere russische Hooligans haben auf ihrer Rückreise aus Marseille in Köln spanische Touristen angegriffen und einen von ihnen schwer verletzt. Die gewalttätigen Fußballfans seien daraufhin in Polizeigewahrsam genommen worden, teilte die Polizei Köln mit. Die 26 bis 30 Jahre alten Männer seien am Donnerstagabend gegen 19 Uhr „äußerst aggressiv und brutal“ auf die Touristen losgegangen. (Quelle: heute.de)

Für Empörung hatte die Äußerung des russischen Parlaments-Vizepräsidenten Igor Lebedew gesorgt, der nach den Ausschreitungen rund um das EM-Spiel zwischen Russland und England in Marseille erklärt hatte, er könne nichts Schlimmes an kämpfenden Fans finden: „Eher im Gegenteil. Bravo, Jungs. Macht weiter so“, hatte Lebedew bei Twitter geschrieben. (Quelle: heute.de)

Natürlich sind auch ‚Anhänger‘ anderer Nationalmannschaften an Ausschreitungen beteiligt. So deutsche ‚Fans‘ von Dynamo Dresden, denen die Einreise nach Frankreich verweigert wurde. Dresden? Warum kommt mir das so bekannt vor?

Es ist nicht das erste Mal, dass deutsche ‚Fans‘ unrühmliche Fußballgeschichte geschrieben haben. So wurde bei der Weltmeisterschaft 1998 – ebenfalls in Frankreich – im nordfranzösischen Lens der Polizist Daniel Nivel durch deutsche Hooligans zusammengeschlagen und lebensgefährlich verletzt. Er überlebte den Vorfall, ist heute aber schwerbehindert und kann sich an nichts mehr erinnern. (Quelle: de.wikipedia.org)

Und bereits knapp zwei Jahre zuvor bei einem Testspiel am 4. September 1996 in Zabrze zwischen Deutschland und Polen interessierten die Tore von Oliver Bierhoff und Jürgen Klinsmann niemanden – es wurde einer der dunkelsten Tage in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft. Denn ein Teil der Fans, die die Mannschaft begleiteten, fielen mit antisemitischen Gesängen und Plakaten auf. „Schindler-Juden, wir grüßen Euch“, war zu lesen – „Wir sind wieder einmarschiert“, war zu hören. Ausschreitungen auf den Rängen gab es ebenfalls. „15 Jahre hat es gedauert, ehe Deutschland mal wieder ein Länderspiel in Polen ausgetragen hat, von uns aus darf es nun wieder 15 Jahre dauern“, wurde später ein polnischer Polizist in Medien zitiert. Er sollte Recht behalten. Außenminister Klaus Kinkel schrieb der polnischen Regierung: „Ich schäme mich.“ (Quelle: sportschau.de)


Deutschland – Polen in 1996 Zabrze

Natürlich gibt auch eine sportliche Seite der Fußball-Europameisterschaft. So taten sich Frankreich gegen Albanien und England gegen Wales bei ihren knappen Siegen äußerst schwer, die erst in der Nachspielzeit klar gemacht werden konnten. Und dem deutschen Team ging es nicht besser: Gestern reichte es nur zu einem 0:0 gegen Polen. Bereits zuvor hatten die Nordiren überraschend 2:0 gegen die Ukraine gewonnen, so wie schon am Dienstag Ungarn die Österreicher und am Mittwoch die Slowakei die Russen aus ihren EM-Träume rissen.

Es ist eine EM der wenigen Tore, die zudem oft erst in der Nachspielzeit fallen. Und weiterhin wird viel Beton angerührt. Ich denke, dass es keine so gute Idee war, die EM von 16 auf 24 Mannschaften aufzustocken.

Ist wirklich nur jeder zehnte Isländer in Frankreich?

Ja, da wurde bisher viel Beton in Frankreich bei der Fußball-Europameisterschaft angerührt. Im Eröffnungsspiel machten es die Rumänen dem Gastgeber Frankreich reichlich schwer. Besonders viel Beton rührten die Tschechen gegen Spanien an. Die Mauer aus zehn Spielern hielt dann auch bis zur 87. Spielminute, um dann doch noch zu fallen. Die Nordiren vergaßen es über eine Stunde, eigene Angriffe gegen Polen zu starten. Alle Betonmischer wurden dann am Ende bestraft.

    UEFA Euro 2016 in Frankreich

Auch die isländische Mannschaft war defensiv gegen das übermächtig scheinende Portugal mit Superstar Cristiano Ronaldo eingestellt. Auch hier wurde kräftig Beton gerührt. Aber immerhin wagte man doch auch Schritte nach vorn – und wurde dafür am Ende mit einem durchaus sensationell zu nennenden 1:1-Unentschieden belohnt (siehe den etwas anderen Liveticker zum Spiel auf 11freunde.de)

Euro 2016: Portugal – Island 1:1 – die isländischen Fans feiern ihre Mannschaft

Vor der Euro 2016 überlegte ich, mir vielleicht auch einmal ein Fußballtrikot anzuschaffen. Natürlich dachte ich da gleich an das isländische Team als den großen Außenseiter. Allerdings fand ich dann 70 € für das ‚Auswärts‘- und sogar 80 € für das Errea Island Home EM 2016 Trikot doch ziemlich teuer. Vielleicht hätte ich aber doch …

Gestern endete der 1. Spieltag in der Gruppenphase dieser EM. Neben der Island-Überraschung gab es weitere Ergebnisse, mit denen man so kaum rechnen konnte. Wales mit Gareth Bale siegte 2:1 gegen stärker eingeschätzte Slowaken (die in der Vorbereitung immerhin die deutsche Mannschaft 3:1 besiegten). Junge Belgier mussten sich von der alten italienischen Garde 0:2 geschlagen geben. Und gestern bekamen die Träume der Österreicher nach dem 0:2 gegen Ungarn einen gehörigen Dämpfer (Sitzen zwei Rentner vor dem Fernseher. Sagt der eine: Gleich spielt Österreich-Ungarn. Fragt der andere. Und gegen wen?). Auch das 1:1 der ebenfalls ältlichen Russen gegen England war überraschend.

Als bisher bestes Spiel muss man die Partie Deutschland – Ukraine werten (vor allem die 1. Halbzeit). Dank der hervorragenden Leistung von Manuel Neuer im Tor konnte die deutsche Mannschaft am Ende einen zwar verdienten, aber doch mühevollen 2:0-Sieg feiern. Morgen geht es gegen Polen, die sich gegen die Nordiren dank deren Mauer-Beton-Taktik sehr schwer taten.

Noch einmal zu Island: Was haben Island und Bielefeld gemeinsam? Nein, nichts mit Verschwörungstheorien und so. Beide haben mit rund 330.000 Menschen etwa die gleiche Einwohnerzahl. Man schätzt, dass sich zz. etwa zehn Prozent der isländischen Bevölkerung mit ihrer Mannschaft in Frankreich aufhalten, also mit rund 30.000 Mann und Maus. „Zum ersten Gruppenspiel reisten ganze Familien an. Mütter schoben Kinderwagen mit der Nationalfahne, Großväter humpelten am Krückstock, aber in Trikot durch Saint-Étienne.“

Um auf die Frage zurückzukommen: Ist wirklich nur jeder zehnte Isländer in Frankreich? – „Gerade in den Schlussminuten wirkte es nicht so, als sei jeder zehnte Isländer vor Ort. Sondern alle 300.000 Einwohner am eigenen Sechzehner.“ (siehe 11freunde.de)

Eines ist sicher: Ich werde auch bei den zwei weiteren Spielen gegen Ungarn und Österreich den Isländern die Daumen drücken und aufs Weiterkommen hoffen. Gangi ykkur vel! – wie der Wikinger sagt!

Worte zum Wochenende (23. KW 2016)

Vorwort: Gestern fand ja die Informationsveranstaltung der Planungsgemeinschaft Nord GmbH aus Rotenburg (PGN) zum Bauvorhaben „Am Bahnhof 9/9a“ in Tostedt statt (siehe: Abriss von “Tostedts Schandfleck” – Teil 3). Dazu später mehr. Ich muss mindestens noch einige Nächte darüber schlafen. Außerdem möchte ich etwas Material zu den architektonischen ‚Meisterleistungen‘, die in letzter Zeit in Tostedt entstanden, sammeln und hier zu Vergleichszwecken dokumentieren.

Schon wieder steht das Wochenende vor der Tür (Betonung liegt auf: Wochenende, leider nicht so sehr auf: schon wieder)! Und Juni ist es bereits geworden. Da winkt in nicht mehr so weiter Ferne der Urlaub, der sommerliche.

Worte zum Wochenende (23. KW 2016 – WilliZBlog)

Apropos Sommer: Im April hatten wir ja bereits eine ganze Woche Hochsommerwetter. Der Mai war eher durchwachsen. Und seit Ende Mai ist es zwar wieder hochsommerlich, allerdings mit großen Schönheitsfehlern: Unwetter ziehen über Deutschland und schädigen sowohl Leib wie Gut – und ein Ende ist irgendwie nicht in Sicht. Sollte der ganze Sommer so werden? Ich hoffe nicht …

Auch in Frankreich haben Unwetter große Schäden angerichtet. Der Pegelstand der Seine war so hoch wie lange nicht mehr. Und heute beginnt die Fußballeuropameisterschaft der Männer, kurz Euro 2016 genannt, mit dem Spiel des Gastgebers Frankreich gegen Rumänien.

    UEFA Euro 2016 in Frankreich

Es ist nicht nur das Wetter, das diese EM eintrüben könnte. Da sind die Streiks (u.a. bei der Bahn und der Fluggesellschaft Air France), die zu erheblichen Beeinträchtigungen führen können. Und über allem schwebt das Schwert des Damokles: die Gefahr von Terroranschlägen.

Zu dem ganzen Kommerz auch dieser sportlichen Großveranstaltung heute kein Wort. Aber doch noch ein Wort zu Gauland und der von ihm entfachten Nachbarschaftsdiskussion. Als die GDL den Bahnverkehr in Deutschland lahmlegte, kam der Autoverleiher Sixt auf die Idee zu einer witzigen Werbekampagne:

GDL-Ungetüm Weselsky

Jetzt ist Herr Gauland, AfD-Vize und an AfDemenz leidend, zum Gegenstand des Gespötts ebenfalls bei Sixt geworden.

AfD-Ungetüm Gauland

Und das ein politisches Statement nicht immer komplex sein muss, sondern auch ‘ohne Worte’ voll ins Schwarze treffen kann, hat der CDU-Abgeordnete im Landtag von Brandenburg, Sven Petke, bewiesen. Als Sitznachbar von Herr Gauland muss dieser es nun ertragen, einen Nachbarn zu haben, den er eigentlich nicht will (gilt wohl für Herrn Petke wie Herrn Gauland):

Nun Deutschland greift am Sonntagabend ab 21 Uhr ins EM-Geschehen ein. Es geht dann gegen die Ukraine und das sicherlich auch mit Jérôme Boateng!

(letzte) Worte zum Wochenende (20. KW 2016)

Münchhausens Zopf

Wolfgang Niersbach ist von seinem Amt als Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB) zurückgetreten. Was sagt uns das? Es muss mehr daran sein, als bisher vermutet: Hat Deutschland sein so genanntes „Sommermärchen“, die Fußball-Weltmeisterschaft 2006, gekauft, indem mindestens ein Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees, der für Deutschland als Ausrichter der WM gestimmt hat, bestochen wurde? Bei Ermittlungen sei ein Schriftstück gefunden worden, das diesen Verdacht erhärte.

Niersbach übernimmt die „politische Verantwortung“ in diesem Skandal, ohne sich nach wie vor selbst für etwas verantwortlich zu fühlen. Logisch, er ist genauso ein unschuldiges Lamm wie Blatter, der noch amtierende Präsident des Weltfußballverbandes, die FIFA.

Bei der Vergabe von Fußballweltmeisterschaften an bestimmte Länder war hinter vorgehaltener Hand immer wieder von Mauscheleien die Rede, besonders zuletzt bei der Vergabe der WM 2022 an Katar. Im Oktober 2010 wurden Korruptionsvorwürfe laut: Zwei Reporter der „Sunday Times“ gaben sich als Lobbyisten amerikanischer Firmen aus und boten zwei Mitgliedern des FIFA-Exekutivkomitees hohe Geldsummen an, falls sie den USA ihre Stimme als Austragungsort für 2022 geben würden. Beide Funktionäre gingen auf diese Angebote ein mit der Angabe, sie wollten die angebotenen Summen in die Fußball-Infrastruktur stecken.

Ähnlich wird es sich nun auch bei der Vergabe der WM 2006 an Deutschland verhalten haben. Im Zentrum der gesamten Affäre steht eine Zahlung von 6,7 Millionen Euro, die der frühere adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus zunächst für das deutsche WM-Organisationskomitee an die FIFA überwiesen hat und die dann im Jahr 2005 unter falscher Deklarierung von den deutschen WM-Machern an den Franzosen zurückfloss.

Mir erscheint es so, als gebärdeten sich FIFA und DFB wie Staaten im Staate, als gelten für sie Gesetze einfach nicht, so als könnten sie entgegen jeden Anstandsregeln mit Geld jonglieren, wie es ihnen gefällt. Natürlich wissen das global agierende Firmen zu nutzen. Kein Wunder also, wenn ein Sportartikelhersteller viel Geld springen lässt, um sich damit ein Stück am Kuchen namens Weltfußball zu erwerben. Eine Hand wäscht die andere. Man kennt es zuletzt gar nicht anders bei den Herren Fußballfunktionären. Da wandert dann schon einmal die eine oder andere Million in die eigene Tasche.

So ist die FIFA längst in einem Korruptionssumpf versunken. Und auch beim DFB ist es kaum besser bestellt. Geschweige denn beim europäischen Fußballverband, der UEFA, mit Herrn Platini an ihrer Spitze, der sich gern als Saubermann auszugeben trachtet und Nachfolger von Blatter als FIFA-Präsident werden möchte, selbst aber mit beiden Beinen im Sumpf feststeckt.

    Baron von Münchhausen zieht sich am eigenen Zopf aus dem Sumpf

All diesen Verbänden muss es jetzt wie einst dem Baron von Münchhausen gehen: sie müssen sich am eigenen Zopf aus dem Sumpf ziehen. Ob das gelingt, bleibt fraglich. Neue Männer oder gar Frauen braucht der Fußball an seiner Spitze. Aber längst ist Fußball ein lukratives Milliardengeschäft. Da trachtet jeder nach seinem eigenen Vorteil. Da wird wahrscheinlich auch der integerste Charakter schnell zum Schwein.

… wie begossene Pudel

Die Gruppenspiele für die Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich (vom 10. Juni bis zum 10. Juli 2016) sind beendet und neben Gastgeber Frankreich haben sich folgende Gruppenerste und –zweite qualifiziert:

Tschechien, Belgien, Spanien, Deutschland, Polen, England, die Schweiz, Rumänien, Österreich, Russland, Italien, Kroatien, Portugal und als bester Gruppendritter die Türkei. Außerdem qualifizierten sich zum ersten Mal für eine EM Island, die Slowakei, Wales, Nordirland und Albanien.

Als weitere Gruppendritte machen die Mannschaften von der Ukraine, Bosnien und Herzegowina, Schweden und Ungarn als gesetzte Teams und Dänemark, Irland, Norwegen und Slowenien als ungesetzte Mannschaften die letzten vier Teilnehmer an der EM 2016 unter sich aus. Die Auslosung zu diesen Play-offs erfolgt am Sonntag, den 18.10., in Nyon. Die Spiele selbst finden zwischen dem 12. Und 17. November 2015 statt.

    UEFA Euro 2016: Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich

In Frankreich treten zum ersten Mal 24 statt bisher 16 Mannschaften an. Aber das dürfte nicht der Grund sein, dass erstmals auch Underdogs die Qualifikation geschafft haben. Island hat sich bereits im Juniorenbereich hervorgetan und hat immerhin den WM-Dritten, die Niederlande, weit hinter sich gelassen, die als Gruppenvierte die EM nun endgültig verpasst haben. Wie begossene Pudel verließen die Spieler gestern nach der 2:3-Niederlage gegen Tschechien den Platz in Amsterdam. Wales verdankt seine Teilnahme sicherlich auch ihrem Superstar Gareth Bale.

Enttäuschend also das Abschneiden der Niederlande. Aber besonders die Träume von Ex-Europameister Griechenland bekamen einen gehörigen Dämpfer, allem voran die zwei Niederlagen gegen die Färöer dürften Anlass zum Nachdenken geben.

Neben Wales hat mich natürlich Österreich besonders positiv überrascht. Nach einem 1:1-Unentschieden zu Hause gegen Schweden errang die Mannschaft neun Siege in Folge und wurde unangefochten Tabellenerste der Gruppe G, bot dabei durchweg attraktiven Fußball. Dagegen taten sich Mannschaften wie Spanien, Italien, Portugal und zuletzt auch wieder Deutschland eher schwer. Lediglich England konnte allen Unkenrufen zum Trotz als einzige Mannschaft alle Spiele siegreich gestalten.

Die Auslosung der Gruppen des Endrunden-Turniers findet dann am 12. Dezember 2015 in Paris statt.

Tatort und Fußball

Vor dem Qualifikationsspiel zur Europameisterschaft 2016 der deutschen Mannschaft gegen Polen am letzten Freitag schaute ich mir noch die Tatort-Folge 805 aus Ludwigshafen (2011) an: Im Abseits. Gerwissermaße als Einstimmung auf das Fußballspiel. Diese Folge wurde anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2011 gezeigt und hat Gastauftritte einiger prominenter Vertreter des DFB (neben Theo Zwanziger, dem damaligen DFB-Präsidenten, auch Joachim Löw, Steffi Jones u.a.). Es geht dabei um den Mord ein einer Fußballspielerin:

Die Frauenfußballmannschaft vom FC Eppheim ist beim Training, während die attraktive Fadime Gülüc ein Fotoshooting hat. Der Fotograf möchte, dass sie auch in aufreizenden Dessous posiert. Sie lehnt das zunächst ab, willigt dann aber doch ein. Nach dem Duschen wird sie erschlagen aufgefunden.

Allzu aufregend ist dieser Fall zwar nicht (am Ende ist der Platzwart der Täter), vor allem der Auftritt der DFB-Oberen hat eher etwas Peinliches. Aber immerhin gibt es da einen kleinen Gag, den sich die Ausstatter des Films geleistet haben. Als Abonnent des Magazins für Fußballkultur 11 Freunde fiel es mir natürlich gleich ins Auge. Als Kriminalhauptkommissarin Lena Odenthal den verdächtigen Manager des Vereins verhört, sieht man sie vorn auf einem Tisch liegen: nein, keine Ausgaben von 11 Freunde, sondern Ausgaben von 11 Freundinnen.

Kriminalhauptkommissarin Lena Odenthal – 11 Freund/innen

Anschließend legte also die deutsche Fußballnationalmannschaft los und siegte mit 3:1 gegen die Polen. Es war ein ansehnliches Spiel mit kleinen Schönheitsfehlern in der Abwehr. Heute in Glasgow gegen die Schotten kann man alles klarmachen für die Qualifikation zur EM im nächsten Jahr in Frankreich.

UEFA Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich

Es reichte zwar nur zu einem 0:0 gegen Kasachstan: Aber neben Gastgeber Frankreich, den Engländern und Tschechen haben es auch die Isländer in Gruppe A geschafft: Bereits nach acht von zehn Spieltagen haben sie sich für die EM 2016 qualifiziert. Glückwunsch! Dagegen muss der WM-Dritte, die Niederlande, um eine Qualifikation bangen. Nach der 0:3-Niederlage in der Türkei sind sie nur noch Gruppen-Vierte und würden als solcher ausscheiden. Zuvor hatten die Holländer zu Hause gegen Island 0:1 verloren.

Mit Gareth Bale sind auch die Waliser in Gruppe B auf dem besten Weg, sich neben Belgien die Fahrkarte nach Frankreich zu holen. In Gruppe C streiten sich Spanien, die Slowakei und die Ukraine um die Plätze. Neben Deutschland haben die Polen in Gruppe D die besten Chancen für eine direkte Qualifikation. England hat sich bereits in Gruppe E qualifiziert. In Gruppe F liegen neben Nordirland und Rumänien noch die Ungarn gut im Rennen. Österreich führt die Gruppe G vor Schweden und Russland an und könnte mit einen Unentschieden heute in Schweden alles klar machen. In Gruppe H führt Italien knapp vor Norwegen und Kroatien. Am spannendsten ist es wohl in Gruppe I, wo sich Portugal, Albanien und Dänemark ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern.

Neben Island sind es also die vermeintlich Kleinen, die für Furore sorgen: Albanien, Nordirland, auch Österreich und Wales haben gute Chancen sich direkt oder spätestens über die Play-off-Spiele der Gruppendritten für Frankreich zu qualifizieren.

Der Tatort aus Ludwigshafen ist nicht der erste, der sich um Fußball dreht. Im gleichen Jahr, 2011, gab es die Folge 794 aus Hannover: Mord in der ersten Liga, die sich mit Homosexualität und Homophobie im Profifußball beschäftigte. 2004 gab es zudem die Folge 581 aus Leipzig mit dem Titel Abseits, in deren Mittelpunkt das neue Leipziger Zentralstadion steht (heute heißt es nach diesem österreichischen Brausehersteller), das in zwei Tagen mit einer großen Feier eröffnet werden soll. Dort ist Susanne Fellner, Leiterin der Personalabteilung, erschlagen aufgefunden worden.

Ben Lyttleton: Elf Meter – Die Kunst des perfekten Strafstoßes

Champions-League-Finale 2012, FC Bayern München gegen FC Chelsea, Elfmeterschießen. Wie schaffte es Torwart Petr Čech, sechsmal in die richtige Ecke zu springen? Und warum versagten auf Seiten der Bayern ausgerechnet erfahrene Spieler wie Schweinsteiger und Robben?

Auf der Suche nach dem Geheimnis des perfekten Elfmeters sprach Ben Lyttleton mit Spielern, Trainern und Sportwissenschaftlern. Er erfuhr, welcher Teufel Panenka ritt, als er den entscheidenden Elfmeter im EM-Finale 1976 elegant über Sepp Maier hob. Er diskutierte mit Jens Lehmann, warum die Deutschen so gut im Elfmeterschießen sind. Und er lernte, welche körperlichen und mentalen Faktoren den Schützen beeinflussen. Gleichzeitig erzählt dieses Buch von den größten Elfmeterdramen, den sichersten Schützen, den besten Elfmeterkillern, aber auch von tragischen Helden wie Roberto Baggio, der im WM-Finale 1994 den entscheidenden Schuss vergab.

Wie berichtet, habe ich mich vor einiger Zeit für ein Abonnement der Monatszeitschrift 11 Freunde – Magazin für Fußballkultur entschieden. Mir gefällt das ganz einfach, wie hier witzig, sogar auf gewissem höheren literarischen Niveau über Fußball gefachsimpelt wird. Wirklich empfehlenswert. Als Abonnent kann man an immer neuen Auslosungen teilnehmen und dabei vor allem Bücher über Fußball gewinnen. Ich habe es öfter gewagt – und gewonnen! Vielen Dank!

    WilliZ Dauerkarte bei ‚11 Freunde‘

Eigentlich habe ich bei solchen Sachen kein Glück. Aber diesmal klappte es. Und das Buch, das ich gewann, habe ich inzwischen mit viel Spaß gelesen: Ben LyttletonElf Meter: Die Kunst des perfekten Strafstoßes – aus dem Englischen von Olaf Bentkämper – Originalausgabe erschien 2014 unter dem Titel Twelve Yards. The Art and Psychology oft he Perfect Penalty – Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2015.

    Ben Lyttleton: Elf Meter – Die Kunst des perfekten Strafstoßes

In einer der Ausgaben der „11 Freunde“ (#163 Juni 2015) hatte dann auch schon der stellvertretende Chefredakteur des Magazins, Tim Jürgens, eine Rezension des Buches geschrieben (die ich hier sicherlich ungestraft wiederholen darf):

Die Entschlüsselung des Elfmeter-Codes

Wie viel besser wäre es um den englischen Fußball bestellt, gäbe es mehr Typen wie Matt Le Tissier? Im Gegensatz zu seinen Kollegen empfand es das Enfant terrible nämlich stets als Hochgenuss, Strafstöße auszuführen: ‚Ich mochte es, wenn das ganze Stadion auf mich schaute, das tat meinem Ego gut. Außerdem war es die einfachste Art, ein Tor zu schießen, vor allem, wenn ich nicht mal laufen musste.“ Da aber nicht jeder Profi diese Leichtigkeit empfindet, macht es sich der renommierte englische Autor Ben Lyttleton zur Aufgabe, das Geheimnis des perfekt geschossenen Elfmeters zu entschlüsseln. Zur Bewältigung dieser Sisyphosaufgabe sprach der mit einer Vielzahl prominenter Schützen und Torhüter und wertete zahllose Statistiken über Anlaufwinkel, bevorzugte Torecken, Reaktionszeiten und situative Entscheidungen Einzelner aus. So erfährt der Leser, dass Miro Klose bei allen Elfmetern, die er ausführte, als sein Team nicht im Rückstand war, stets in seine ‚natürliche‘ Torecke schoss. Wir lernen, dass Antonin Panenka 1976 kein Affekttäter war, sondern zwei Jahre lang an der Strafstoßtechnik feilte, die ihn im EM-Finale berühmt machte. Und dass bei Shootouts gegen die Niederlande 63 Prozent der Torhüter die richtige Ecke der Oranje-Schützen ahnen. Jede Frage, die wir uns je zum Elfmeter stellten, wird abendfüllend und anhand historischer Ereignisse beantwortet und in Gesetzmäßigkeiten überführt. Diese lesen sich mitunter zwar ein bisschen wie eine Diät, die zu Bewegung und Obst rät: ‚Lass dich nicht verunsichern‘, ‚Entscheide dich für eine Ecke und zaudere nicht‘, ‚Höre nicht auf Medien‘. Dennoch: Diese Scheinwissenschaft ist ein großer Spaß. Lyttleton überlässt nichts dem Zufall: Er beschreibt minutiös den Tagesablauf der Teams beim ersten Shootout der WM-Geschichte, um nachzuweisen, warum 1982 die deutsche Elf einen psychologischen Vorteil gegenüber Frankreich hatte. Die Versuchsanordnungen sind so vielfältig, dass der Leser gut gelaunt durch 320 anekdotengeschwängerte Seiten schmökert, um am Ende doch festzustellen, dass kein Elfmeter wie der andere ist und im Ernstfall die Psyche jede überzeugende Statistik ad absurdum führt. Oder wie Lothar Matthäus über den Unterschied der DFB-Elf zu den ‚Three Lions‘ bei der WM 1990 sagte: ‚Wir machten uns keinen Kopf. Statt groß drüber nachzudenken, konzentrierten wir uns.‘


Antonín Panenka – letzter Elfmeterschütze im Endspiel Europameisterschaft 1976 in Jugoslawien

Der Panenka (oder Panenka-Heber) hat es mir übrigens angetan. Und so habe ich noch zwei weitere auf diese Weise geschossene Strafstöße gefunden, die von keinen anderen als von Zidane bzw. Messi geschossen wurden.


Zinédine Zidane mit einem Panenka bei der WM 2006 im Endspiel 2006


Lionel Messi mit einem Panenka in einem Spiel der spanischen Liga 2015

Wenn man überlegt, dass viele Meisterschaften durch Strafstöße und durchs Elfmeterschießen entschieden werden, dann wird einem schnell klar, welche Bedeutung diesen zukommt. Kein Geringerer als Johan Cruyff behauptete, man könne das Elfmeterschießen nicht trainieren. Sicherlich sind die Bedingungen im Training völlig andere als z.B. bei einem Turnier wie eine Weltmeisterschaft. Aber es ist sicherlich hilfreich, das Schießen von Elfmetern zuvor – vom Ablauf her – trainiert zu haben. Je mehr man diesen Ablauf verinnerlicht hat, umso größer werden die Erfolgsaussichten sein. Wer nach 120 Spielminuten überhastet ‚am Punkt‘ antritt, verringert diese mit Sicherheit:

‚Sich Zeit zu nehmen, bedeutet keine Treffergarantie, aber zumindest verschießt man nicht wie so viele andere Spieler aus meinen Studien, weil man sich nachlässig und unachtsam auf den Schuss vorbereitet hat‘, betonte [der norwegische Sportpsychologe Geir] Jordet. ‚Indem man sich auf eine Strategie konzentriert, die auf gesicherten Daten basiert, hat man sich selbst und die Situation gleich besser im Griff und erhöht seine Erfolgsaussichten. Sich eine Sekunde mehr Zeit zu nehmen, um durchzuatmen, wirkt entspannend und erhöht die Konzentration, und wenngleich es die Spieler nicht direkt in einen meditativen Zustand versetzt, kann es die nachteiligen Auswirkungen von Stress ein wenig dämpfen.“ (S. 48)

Apropos Cruyff: Er gehörte wie viele andere prominente Fußballspieler zu denen, die sich am liebsten vor dem Elfmeterschießen gedrückt haben. Aber zumindest einmal schrieb er Elfmetergeschichte, als er 1982 mit Ajax Amsterdam in einem Ligaspiel mit Hilfe seines Mitspielers Jesper Olsen einen Elfer auf kuriose, aber durchaus regelkonforme Art verwandelte: Beim Spiel in der niederländischen Eredivisie zwischen Ajax und Helmond Sport am 5. Dezember 1982 spielte Johan Cruyff einen Elfmeter kurz ab, worauf Olsen den gespielten Ball dem Niederländer zurückspielte, der dann den verdutzten Torhüter ganz einfach bezwingen konnte. Allerdings soll Cruyff samt Olsen wohl nicht die ‚Urheberrechte‘ daran haben.


Johan Cruyff und Jesper Olsen: Elfer der kuriosen Art (1982)

Da die durchschnittliche Trefferquote vom Punkt etwa 78 % beträgt, ist bei jedem Elfmeterschießen mit einem Fehlschuss zu rechnen. Dieser Wert sinkt auf 71 % bei Weltmeisterschaften, was […] ein Hinweis darauf ist, wie sich der erhöhte Druck auf die Spieler auswirkt. Für Mannschaften, die auf England treffen, steigt der Wert allerdings. […] In den sieben Elfmeterschießen, die England bei Welt- und Europameisterschaften bestritten hat, trafen die Gegner 83 % (29 von 35) ihrer Schüsse. Die Engländer selbst verwandelten nur 66 % (23 von 35). (S. 45)

Ausgangspunkt des Buchs sind die Probleme englischer Nationalspieler beim Elfmeterschießen. Aber dabei bleibt es nicht: Neben Anleitungen, die durch Statistiken aller Art untermauert werden, und vielen Anekdoten erfahren wir als Leser am Ende dann auch noch einiges zur Geschichte des Strafstoßes und der Entscheidungsfindung bei KO-Spielen durch das Antreten und Schießen ‚vom Punkt‘. „Unterhaltsam, brillant, meisterhaft“ nennt die Sunday Times das Buch und trifft damit den Nagel auf den Kopf (oder vom Punkt ins Tor). Daher sei dieses Buch jedem Fußballfan wärmstens ans Herz gelegt. Ich habe es auf jeden Fall mit Genuss gelesen.

siehe u.a.:
Alle Fakten zum Elfmeterschießen
10 psychologische Fakten über Fußball

Stockender Start

Es kommt einem Déjà-vu gleich, der Start des SV Werder Bremen in die neue Fußball-Bundesliga-Saison: Wie in der letzten Saison verliert Werder sein Heimspiel gegen Schalke mit 0:3. Und im Spiel in Berlin gegen Hertha BSC reicht es nur zu einem Unentschieden. Immerhin. Da fürchtete ich gegen die Borussia aus Mönchengladbach auch ähnlich Schlimmes wie im Vorjahr. Aber die Bremer überzeugten mit einer kämpferischen Leistung und mit einem 2:1-Sieg gegen inzwischen eher verunsicherte Gladbacher (nach drei Niederlagen zum Start finden sie sich auf dem letzten Tabellenplatz wieder), wobei sich Felix Kroos noch den Luxus erlaubte, einen Elfmeter weit links neben das Tor zu setzen.

Vestergaard (SV Werder Bremen) bejubelt das 2:1 gegen Gladbach

Nun bei Werder hat sich in den letzten Wochen vor dem Saisonstart einiges getan. Nach dem frühzeitigen Wechsel von Davie Selke an den Brauseherstellerverein in Leipzig, packten auch Nils Petersen (jetzt mit festem Vertrag beim FC Freiburg in der 2. Liga) und Franco Di Santo, der sich zuletzt noch mit großen Worten zu Werder bekannte und dann in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zu Schalke zog, die Koffer. Gleich drei Stürmer verließen die Weser. Wie gut, dass man mit dem Ex-Kölner Anthony Ujah schon einmal für Nachschub gesorgt hatte. Statt eines ‚Traumsturms‘ mit Ujah/Di Santo gibt es jetzt einen mit den Herren Ujah und dem US-Amerikaner mit isländischen Wurzeln, Aron Jóhannsson – beide 24 Jahre alt, beide zunehmend aufeinander eingespielt.

Mit Cédric Makiadi, eine Altlast aus Zeiten von Robin Dutt, Eljero Elia und Ludovic Obraniak ist Werder drei Spieler losgeworden, wenn auch ablösefrei, die die Erwartungen in sie nie erfüllt und nur viel Geld gekostet haben. Der sicherlich schmerzhafte Abgang von Sebastian Prödl wurde durch Ulisses Garcia und eigenem Nachwuchs (Jannik Vestergaard war ja schon zuvor zu Werder gekommen) kompensiert.

Nach dem stockenden Start mit Niederlage, dann Unentschieden und jetzt einem Sieg kommt die Länderspielpause gerade recht, bevor es am 13. September (wieder einem Sonntag) um 15 Uhr 30 gegen Hoffenheim geht, die auch alles andere als gewünscht gestartet sind.

Sollten die Zahlen halbwegs stimmen, dann hat Werder für neue Spieler 8,7 Millionen € ausgegeben, dafür das Doppelte (17,4 Mill. €) für Verkäufe eingenommen – erlöst somit 8,7 Millionen €, die den Schatzmeister freuen werden. Sportlich, so glaube ich, ist die Mannschaft nicht schlechter geworden. Obwohl man im DBF-Pokal gegen die Würzburger Kickers zwar alles andere als geglänzt hat, aber immerhin eine Runde weiter ist, so fließt auch hier noch einiges an Geld in Werders Kassen. Neben der sportlichen ist die finanzielle Konsolidierung des Vereins unumgänglich.

Das ist natürlich nichts gegen die Summen, mit denen die Bayern hantieren (rd. 86 Millionen € Ausgaben stehen 33,5 Millionen € Einnahmen gegenüber). Aber selbst das ist wenig gegen das, was die englische Premier League investiert. Da werden allein in einzelne Spieler ‚Unsummen‘ gesteckt (z.B. Kevin De Bruyne, Spieler des Jahres 2015 in Deutschland, geht für kolportierte 75 Millionen € von Wolfsburg zu Manchester City – ob er da wirklich glücklich wird, mag ich trotz der 20 Millionen €, die er als Jahresgehalt bekommen soll, zu bezweifeln). Und ein Hammer wäre es, wenn lt. Wild-Zeitung Louis van Gaal, Trainer von Manchester United, angeblich 330 Millionen € (mit allem Drum und Dran) für den Brasilianer Neymar locker machen will. Die Entartung des Fußballs wird nicht nur durch Funktionäre a la Blatter vorangetrieben.

Nach nur drei Spieltagen in der neuen Saison findet man wieder Dortmund und ‚natürlich‘ Bayern München an der Tabellenspitze. Überraschend gut verkauft haben sich bisher die Aufsteiger Ingolstadt und Darmstadt. Am Ende rangiert (siehe oben) neben Hannover und Stuttgart eben Mönchengladbach, die damit als Tabellendritter der letzten Saison einen klassischen Fehlstart hinlegen (wie gut für Werder). Verunsicherung macht sich breit. Zudem dürften es die Gladbacher auch in der Gruppenphase der Champions League nicht leicht haben. Mit Manchester City, Juventus Turin und dem FC Sevilla warten hochkarätige Gegner auf sie. Nach Top kommt der Flop?

Ums kommende Wochenende herum steht dann auch wieder die Qualifikation zur Europameisterschaft 2016 an. Für das deutsche Team geht es am Freitag gegen den Gruppenersten, Polen – und dann am Montag darauf in Schottland schon fast um Alles oder Nichts. Für mich interessant ist auf jeden Fall das Spiel Niederlande – Island am Donnerstag. Das Spiel wird live von RTL Nitro übertragen (Spielbeginn wie auch bei den Deutschland-Spielen: 20 Uhr 45). Für die Isländer drücke ich die Däumchen, damit sie es verdientermaßen zum ersten Mal zu einem großen Turnier schaffen!

Der Fußballwahnsinn ist also wieder voll im Gange.

Fußball – online

Bis der Ball in der Fußball-Bundesliga wieder rollt, dauert es noch einige Zeit (am Freitag, den 14. August, empfängt Bayern München den HSV zum Saisonauftakt). Das heißt aber nicht, dass bis dahin nichts los wäre, was das Runde anbelangt, das ins Eckige muss. Bis zum 31.08.2015 12:00 Uhr ist nämlich das Transfer-Fenster offen, d.h. bis dahin dürfen die Profivereine des deutschen Fußballs wie auf einem Sklavenmarkt Spieler kaufen bzw. verkaufen.

Und damit sind wir bereits auf eine Website gestoßen, die uns detailliert über Spieler, Vereine und Ligen dieser Welt informiert, was Marktwerte und Transfersummen einschl. der Gerüchte um mögliche Transfers betrifft. Dabei erfährt man auch vieles über die ‚Leistungsdaten‘ der Spieler, über die Kader der Vereine und ich weiß nicht, was sonst noch: transfermarkt.de

Eine für Fußballfans (aber auch andere Sportfans) höchst interessante Website ist ergebnisselive.com. Hier bekommt man so ziemlich alle Ergebnisse aller Fußballspiele unseres Globus geliefert – mit Liveticker, Statistiken, Mannschaftsaufstellungen – und nach dem Spiel meist auch mit Videos von den Höhepunkten des Spiels samt der Tore.

Bei kicker online schaue ich vorbei, wenn ich es etwas genauer wissen will (Spielberichte usw.). Apropos Kicker: Das Wort ist wie Handy, Beamer usw. ein Wort, das englisch klingt, aber (zumindest in der Wortbedeutung) nicht englisch ist. Auf der britischen Insel ist das, was wir Kicker nennen, ganz einfach ein Football Player.

    WilliZ Dauerkarte bei ‚11 Freunde‘

Eigentlich lese ich keine Zeitung und habe auch nicht viel für Zeitschriften übrig: alles Papierverschwendung! Jetzt habe ich mir aber doch ein Abonnement zugelegt: 11 Freunde – Magazin für Fußballkultur – natürlich auch online für lau erhältlich. Mir gefällt das ganz einfach, wie hier witzig, sogar auf gewissen höherem literarischen Niveau über Fußball gefachsimpelt wird. Wirklich empfehlenswert.

Wenn’s denn wieder soweit ist (Bundesligastart), dann rufe ich natürlich bundesliga.de auf: Hier ist man live (Ticker mit Aufstellung und Statistiken – und Radioreportagen) dabei und hat alle laufenden Spielpaarungen der ersten und zweiten Liga auf einem Blick. Ergänzt wird das alles durch Videos, Spielberichte usw. usf.

Natürlich gucke ich auch bei den Öffentlich-Rechtlichen immer wieder gern vorbei: sportschau.de der ARD oder zdfsport.de – da finde ich auch alle anderen Sportarten ausführlich kommentiert und in Bildern/Videos. Bei großen Sportveranstaltungen (z.B. Olympia) werden extra Startseiten geschaltet, über die ich dann alles Wichtige erfahren kann.

Das ist so meine Fußballwelt – online. Natürlich gibt es noch viele andere Websites, die über die (zweit-)schönste Nebensache der Welt informieren: spox.comsport1.de90min.com uvm. Als Werder-Fan besuche ich natürlich immer wieder die Werder-Seite und die Werder-Seiten von weser-kurier.de und kreiszeitung.de aus dem Bremer Umland.

Was sind Eure Websites, über die Ihr Euch über die sportlichen Ereignisse dieser Welt online informiert? Und warum gerade die? Vielleicht schreibt Ihr mir ja einen kleinen Kommentar. Ich freue mich auf jeden Fall! 😉

Blech statt Gold Bronze

Tore entscheiden nun einmal ein Fußballspiel. Im Spiel um Platz drei bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Kanada musste sich die deutsche Mannschaft mit 0:1 in der Verlängerung den Engländerinnen geschlagen geben, weil sie ihre vielen Chancen vergaben. Der Elfmeter, der zum einzigen Tor des Spiels führte, war vielleicht nicht ganz unumstritten, aber wer es nun einmal nicht schafft, Tore zu schießen, der hat auch den Sieg nicht verdient.

Wären nicht die US-Amerikanerinnen, die im Endspiel gegen Japan deutlich und verdient mit 5:2 gewannen, dann müsste man sagen: Diese Frauen-WM war nicht nur für die deutschen Spielerinnen eine große Enttäuschung. Der erhoffte Schritt nach vorn blieb aus.

    Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2015

Was mir besonders bei den deutschen Spielerinnen aufgefallen ist, das ist diese bescheidene Schusstechnik: Das Schussbein streckt sich so zum Ball, während der Körper nach hinten fällt. Damit bewegt sich der Körperschwerpunkt weg vom Ball – und der Schuss geht in die Wolken. Um einiges besser machten es die US-Girls, die besonders im Endspiel eine sehenswerte Leistung boten.

Ebenfalls am Wochenende endete die Europameisterschaft der U-17-Mädchen in Island. Die deutschen Juniorinnen schieden in ähnlicher Weise im Halbfinale aus (0:1 gegen die Schweizerinnen) wie die Seniorinnen bei der WM. Trotz klaren Übergewichts im Spiel erzielten sie keine Tore. Europameister wurde Spanien nach einem 5:2-Sieg gegen die Schweiz.

Und auch die südamerikanische Kontinentalmeisterschaft Copa América 2015 hat am Wochenende ihren Abschluss gefunden: Gastgeber Chile siegte im Elfmeterschießen gegen Favorit Argentinien.

Während die Mannschaft der Bundesliga bereits aus dem Urlaub zurückgekehrt sind und sich auf die neue Saison vorbereiten, startet heute die U-19-Europameisterschaft der Junioren in Griechenland. Auch hier ist eine deutsche Mannschaft beteiligt, die übrigens Titelverteidiger (mit Spielern wie Joshua Kimmich, Davie Selke bzw. Levin Öztunali) ist.