Die Fußball-Philosophen

Grundlegende Weisheiten wie „Der Ball ist rund!“ und „Ein Spiel dauert 90 Minuten!“ haben unser Weltbild entscheidend geprägt. Dass „das Runde ins Eckige muss“, ist eine Erkenntnis, die uns mit der Muttermilch eingeflößt wurde. Und „nach dem Spiel ist bekanntlich vor dem Spiel!“: Emanuel Kant hätte es nicht besser ausdrücken können, denn hiermit bildet sich prägnant die Apperzeption des sukzessiven Fortstreitens heraus: Das Leben geht weiter!

Gerade das Begreifen zeitlicher („90 Minuten“, „vor bzw. nach dem Spiel“) wie räumlicher („rund“, „eckig“) Attribute des Seins kommuniziert mit einem autochthonen Grundwesen. Eine Erkenntnis wie „Der Ball ist rund!“ assoziiert unausgesprochene Begrifflichkeiten wie „grüner Rasen“, „der Schiedsrichter ist eine Pfeife“ und „am Ende gewinnen doch wieder die Deutschen!“, obwohl gerade Letzteres (aus England stammend) in der heutigen Lehre wieder arg bestritten wird.

Besonders bemerkenswert ist, dass Fragen der Selbstkritik und der Wirklichkeiten dabei nicht ausgelassen werden. Beeindruckend hierzu die Aussage des Ex-Fußballprofis Andreas Möller (die Heulsuse aus Ex-Dortmund), der den Ball auf den Punkt brachte: „Ich bin immer sehr selbstkritisch, auch mir selbst gegenüber.“ Ein wahrer Sokrates ist besonders unser Fußballphilosoph Berti Vogts, der immer schon wusste: „Die Realität ist anders als die Wirklichkeit“. Sechs Worte, ein Satz, kein Sinn! Bravo dem „Terrier“ Vogts!

Deutschlands Fußball-Philosophen

Aber da lächelt der Weise, der alles längst schon weiß, und trotzdem ohne erhobenem Zeigefinger mit landesüblicher Nonchalance zu uns spricht: „Schaun mer mal!“ (Franzl Beckenbauer). Welch futuristischer Weitblick guckt uns da an.

Jethro Tull: Seppuku beim Schlagzeugsolo

In der Ausgabe des Rockmagazins eclipsed vom Mai d.J. (in meinem Beitrag Jethro Tull: Mafiosi auf dem Weg zum Friseur hatte ich bereits eine Anekdote zum Besten gegeben) erschien auch ein Interview mit Ian Anderson, dem Kopf der Gruppe Jethro Tull. Auf die Frage nach dem lustigsten und traurigsten Moment seiner Bühnenlaufbahn antwortete Herr Anderson wie folgt:

Hört sich seltsam an, aber die beiden Momente waren eigentlich nur ein einziger. Lass mich mit der traurigen Seite beginnen: Es war in den Siebzigern während eines Konzerts in, ich glaube, Denver. Da beging jemand im Publikum mit einem Samuraischwert Selbstmord. Furchtbar! Und jetzt kommt der lustige Teil. Lustig allerdings nur dann, wenn man mit schwarzem Humor etwas anfangen kann: Er verübte die Tat während eines langen und sehr langweiligen Drumsolos. Wer Selbstmord begehen will, findet dafür bei Drumsolos fast perfekte Bedingungen. Sollte ich selbst eines Tages meinem Leben ein vorzeitiges Ende setzen wollen, würde ich das vermutlich auch während eines Drumsolos tun. Vielleicht sogar während einem von Jethro Tull.

aus: Landlord und Clochard – Exklusivinterview mit Ian Anderson (Interview: Stefan Krulle) – eclipsed – Rock Magazin – Nr. 101 Mai 2008

Ein Traum in oranje

Vorbemerkung: Für mich ist der Weltmeistertitel 2006 im Herren-Fußball vakant. Wenn es so etwas wie Gerechtigkeit gäbe, dann hätte man den Italienern den Titel nachträglich wegen grober Unsportlichkeiten aberkennen müssen (die hätten erst gar nicht an der WM in Deutschland teilnehmen dürfen, denn kein Land wurde in den letzten Jahren von so vielen Fußball-Skandalen wie Bestechung, systematisches Doping, Gewaltexzesse, Rechtsradikalismus, Misswirtschaft, verpfiffene Spiele, getürkte Transfers und Scheinverträgen heimgesucht): Italien ist höchstens Weltmeister im Schinden von unberechtigten Freistößen und Elfmetern (z.B. im WM-Achtelfinale in der 5. Nachspielminute gegen Australien – oder in der EM-Qualifikation in Schottland) und im Provozieren des Gegners (der Fall Zidane). Berühmt ist die Mannschaft für ihre Nickeligkeiten wie versteckte "technische Fouls" und dergleichen.

Es gibt Augenblicke, da kehrt der Glaube an die Gerechtigkeit bei mir zurück; so gestern geschehen in einem Traum in oranje: Beim Fußball-Europameisterschaftspiel der Niederlande gegen Italien führten die Holländer die Squadra Azzurra, wie man die italienische Mannschaft nennt, geradezu vor. 3:0 für die Niederlande! Der Catenaccio, der italienische Sperrriegel, wurde durch schnelles Spiel überwunden. Und die ins Alter gekommenen Herren der Verteidigung (allen voran Materazzi, der sich am Ende selbst ‚lahm‘ legte und verletzt ausgetauscht wurde) waren nicht schnell genug, die Holländer durch versteckte Fouls zu behindern.

EM 2008: Niederlande - Italien 3:0

Es tat der Fußball-Seele gut, die "betröppelten" Gesichter der italienischen Spieler zu sehen. Sie wussten nicht, wie ihnen geschah. Für einen Abend war die Fußballwelt wieder in Ordnung. Aber wie man die Italiener kennt, werden sie "zurückschlagen". Und am Ende mogeln sie sich an Frankreich und Rumänien vorbei in die nächste Runde. Mag der Fußball-Gott dem im Wege stehen …

siehe auch zdf.de: Ist der Ruf erst ruiniert …

Deutscher Sieg – Made in Poland

Am Wochenende startete also endlich die 13. Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz. Und mit meinen Tipps für die ersten vier Spiele lag ich ganz gut (siehe Excel-Tabelle zum Herunterladen und auch zum Selbstausfüllen), Deutschland – Polen habe ich sogar auch vom Ergebnis her richtig getippt. Bei meinen weiteren Tipps habe ich übrigens einigen Wagemut gezeigt, deren ‚Auflösung’ ich selbst mit Spannung entgegensehe.

Dank Podolski und seiner zwei Tore war es ein geglückter Start der deutschen Mannschaft gegen Polen. Man begann konzentriert und mit hohem Tempo. Neben dem zweifachen Torschützen tat sich besonders Clemens Fritz von Werder Bremen auf der rechten Seite hervor, der sehr gut mit Philipp Lahm harmonisierte. Fritz war überraschend für Schweinsteiger in die Mannschaft gekommen. In der 2. Halbzeit verlor das deutsche Team aber den Faden und ließ Polen zu einigen Torchancen kommen. Der Ausgleich lag in der Luft. Überraschend dann der Wechsel Schweinsteiger gegen Fritz, der aber seinen Einsatz dadurch rechtfertigte, indem er die entscheidende Vorlage zum 2. Tor gab. Kurz vor dem Tor hatte die deutsche Mannschaft doch wieder zu ihrem Spiel gefunden. Insgesamt etwas enttäuschend die Leistungen von Ballack und Gomez. Der Letztere scheint mir in der letzten Zeit doch etwas zu hoch gehandelt zu sein.

Nun es war ein Sieg – made in Poland. Und der sehr verhaltende Jubel des Lukas Podolski zeigte es: In seiner Brust schlägt ein polnisches Herz. Und bei Miroslav Klose, der ebenfalls wie Podolski in Polen geboren wurde, hatte ich sogar den Eindruck, dass er unter keinen Umständen ein Tor gegen die Polen machen wollte. Immerhin war er positiv an den beiden Toren beteiligt.

Podolski im polnischen Trikot
“Lukasz“ Podolski im „richtigen“ Trikot?

Und jetzt geht es am Donnerstag gegen die Kroaten, die gegen Österreich enttäuschten und nur glücklich gewannen. Die Spielweise erinnerte mich doch sehr an die Italiener bei der WM 2006 (viel Schauspielerei, minimaler Einsatz mit optimalem Erfolg). Mein jüngerer Sohn hat auf Kroatien als Europameister getippt. Ich selbst gebe Portugal die größten Chancen, die im Spiel gegen die Türken auch schon eine ansprechende Leistung boten und teilweise geradezu brasilianischen Fußball spielten (weiteres siehe in meinen Tipps).

Aber gucken wir erst einmal, wie sich die anderen Mannschaften schlagen. Da sind ja noch einige Favoriten, auch selbsternannte, dabei.

Fußball-Europameisterschaft 2008 bei zdf.de

Christas Bärchen 16: 1938 Classic Bär 30 auf Holzrädern

Typische Spielzeuge Anfang des 20. Jahrhunderts waren Spielsachen wie Tiere, meist Pferde, auf Rädern, die die Kinder hinter sich herziehen konnten. Ein solches Spielzeug ist ein 30 cm großer Bär auf Rädern, der Classic Bär von Steiff, eine Nachbildung eines Bären aus dem Jahre 1938, das ich meiner Frau zu Weihnachten 2000 schenkte. Natürlich dient auch dieser Teddy nicht als Spielzeug, sondern als Sammlerstück. Der 1938 Classic Bär wurde 1995 hergestellt und ist aus Mohair. Er ist wohl nicht limitiert.

Christas Bärchen: 1938 Classic Bär 30 auf Holzrädern von Steiff

1938 Classic Bär 30 auf Holzrädern

Steiff – 1938 Classic Bär 30 auf Holzräderm – von ca. 1995, wahrscheinlich nicht limitiert – Mohair – EAN 036064

gekauft haben wir den Bären im April 2003 in der Steiff Galerie Hamburg (Levantehaus)

Steiff - Knopf im Ohr

Blumenpracht Teil 14

Von den Unwettern dieser Tage, wie diese über West- und Süddeutschland hereingebrochen sind, wurden wir hier im Norden halbwegs verschont. Zwar gewitterte es am Dienstagnachmittag und es regnete auch im Strömen, aber Hagel und stärkere Sturmböen blieben uns erspart.

So wurden auch die Blüten an den Büschen in unserem Garten nicht ‚erschlagen’, sondern zeigen sich weiterhin in voller Pracht, auch wenn sie jetzt beginnen, so langsam zu verblühen.

Blumenpracht in AlbinZ Garten - Juni 2008

Blumenpracht in AlbinZ Garten - Juni 2008

Blumenpracht in AlbinZ Garten – Juni 2008

Blumenpracht in AlbinZ Garten - Juni 2008

Blumenpracht in AlbinZ Garten - Juni 2008

Respekt, Herr Geißler

Heiner Geißler war und ist eine streitbare und daher umstrittene Persönlichkeit der Politik. 1977 beschuldigte er viele linke und liberale Kulturschaffende und Politiker der Bundesrepublik Deutschland als „Sympathisanten des Terrors“ (der RAF). Willy Brandt warf Geißler 1985 vor, der „schlimmste Hetzer seit Goebbels zu sein“. Auf der anderen Seite konnte er auch seine eigene Partei, die CDU, als „führerkultische Partei“ (auf die Rolle Helmut Kohls anspielend) bezeichnen.

Von daher überrascht der 78-Jährige (oder überrascht auch wieder nicht), wenn er sich seit Mai 2007 in der globalisierungskritischen Organisation Attac engagiert. Zu 10 Jahre Bestehen von Attac äußerte sich Herr Geißler nun gegenüber zdf.de: „Der reine Kapitalismus ist krank“ – CDU-Politiker Geißler über zehn Jahre Attac

Hier einige Auszüge aus dem Interview. Den Aussagen von Herrn Geißler kann ich nur meinen vollen Respekt zollen:

Es ist ja nun kein Geheimnis, dass die jährliche Spekulationsblase der Finanzindustrie 90 Billionen Dollar beträgt. Erst diese Immobilienkrise, die das Eigentum von Millionen Menschen zerstörte, hat manchen jetzt die Augen geöffnet.

Das derzeitige Wirtschaftssystem definiert sich im Moment rein kapitalistisch – das ist krank und unsittlich. Wie kann es sein, dass der Börsenwert eines Unternehmens steigt, sobald Angestellte wegrationalisiert werden?

Die Globalisierung an sich ist natürlich nicht mehr rückgängig zu machen. Und natürlich sitzt die Wirtschaft, weil sie global agiert, da am längeren Hebel. Deswegen wird es notwendig, dass die Politik sich internationalisiert und damit wieder mit der Ökonomie auf eine Augenhöhe kommt.
Entscheidend wäre außerdem eine internationale Börsenumsatzsteuer [die so genannte Tobin-Steuer], um mit diesem frei werdenden Geld den Entwicklungsländern zu helfen. Bei 0,02 Prozent Tobin-Steuer bei einem börsentäglichen Umsatz von zwei Billionen würden 500 Milliarden Euro frei. Damit könnten wir die gesamten Infrastrukturprobleme in Afrika und Südostasien lösen. Dann bräuchten wir unser Geld nicht mehr so stark in klassische Entwicklungshilfe stecken, sondern könnten mehr in Bildung investieren. Außerdem müsste eine internationale Börsen- und Bankenaufsicht eingeführt, die Steueroasen geschlossen und die Weltinstitutionen IWF, WTO und Weltbank demokratisiert werden.

Telekom ade?! – Teil 2

Juhu, unsere Hoffnungen wurden nicht enttäuscht. Unseren Internet- samt Telefonanschluss haben wir gewechselt und auch die Umschalterei klappte reibungslos. Endlich sind wir weg von der Telekom und haben bei der EWE TEL ein ‚neues’ Zuhause samt DSL- und Telefonflatrate gefunden.

Wie bereits berichtet, hatten wir unseren alten Vertrag gekündigt und Ausschau nach einem günstigen neuen Anbieter gehalten. Wenn man allerdings nicht in einer Großstadt lebt, dann ist die Auswahl an günstigen Anbietern sehr gering (oder man muss weiterhin einen Telekom-Anschluss haben, was zusätzliche Kosten verursacht).

Da wir nun Strom und Gas von der EWE AG bekommen, ergab sich die Möglichkeit bei deren Tochterunternehmen, eben der EWE TEL, über einen Vertrag namens EWE Trio zusätzlich einen Anschluss an die weltweite Telekommunikation abzuschließen, was wir taten.

EWE AG - EWE TEL - günstig Strom, Gas & Telekommunikation

Und nun rechtzeitig zum vereinbarten Termin (Montag, den 02.06.) wurde irgendwann am Morgen die Leitung frei- bzw. umgeschaltet. An unserem Router brauchte ich nur den Benutzernamen samt Passwort ändern – und schon konnten wir nicht nur telefonieren, sondern auch ohne Probleme wieder ins Internet.

Natürlich gab es im Vorfeld schon einige kleinere Probleme. Und so hat mir die Telekom auch noch ‚rechtzeitig’ für den gesamten Juni den alten Anschluss in Rechnung gestellt (das dauert jetzt wieder Monate, bis ich das Geld zurückerhalte, oder?).

Besonders beeindruckend, fast rührend war es, wie die alten Anbieter (freenet.de für den DSL-Anschluss, Tele2 für die Telefonie) bemüht waren, uns als Kunden zu halten. So wurden wir nicht nur mit entsprechenden Mails überflutet, nein, auch per Post kamen Briefe mit so ‚günstigen’ Angebote. Und zuletzt wurden wir auch noch telefonisch ‚belästigt’.

Nun ja, der Wechsel hat geklappt, was wollen wir mehr. Und auch auf dem Lande kann man ohne die Dienste der Telekom auskommen, wenn man einen entsprechenden lokalen bzw. regionalen Anbieter findet.

Jethro Tull: Mafiosi auf dem Weg zum Friseur

Ich habe 11 € geopfert, um mir die letzten beiden Ausgaben (Mai und Juni) des Rockmagazins eclipsed zu gönnen. Immerhin enthalten diese einen zweiteilige Bericht zum 40-jährigen Bestehen der Gruppe Jethro Tull. So oft findet man heute keine Artikel zu dieser Band in Musikzeitschriften. Gut, langjährige Tull-Fans finden hier kaum etwas Neues zu Ian Anderson und seine Mannen. Aber ein, zwei Anekdoten sind doch enthalten, die ich ganz witzig finde. Hier das erste kleine Geschichtchen aus dem Jahre 1969, als die Gruppe ein Konzert von Elvis Presley besuchte:

Eclipsed Mai 2008: Jethro Tull

Mafiosi auf dem Weg zum Friseur – Jethro Tull besuchten 1969 geschlossen eine Show von Elvis Presley

Dass die LP „Stand Up“ Nummer 1 in der britischen Hitparade geworden war, erfuhren Jethro Tull während ihrer USA-Tournee im Sommer 1969 – und bekamen vom Management als Belohnung Tickets für eine Show in einem der ersten Hotels von Los Angeles geschenkt. Anderson, Barre, Bunker und Cornick staunten nicht schlecht, als sich herausstellte, dass an diesem Abend ausgerechnet der King of Rock ’n’ Roll persönlich auf der Bühne stehen würde – „rotten old Elvis“, wie sich Ian Anderson nach der Rückkehr in London ausdrückte.

Presley hatte allerdings mit seinem Auftritt offensichtlich Eindruck bei den vier Briten hinterlassen: „Um fair zu sein: Er war richtig gut und sang nicht einen einzigen falschen Ton – was man von den Sängern der meisten Bands von heute nicht sagen kann.“ Was Anderson und seinen Kollegen besonders gefiel: Elvis, der unter anderem „Heartbreak Hotel“ und „Hound Dog“ im Programm hatte, habe sich durchaus das Können aus den Anfangstagen seiner Karriere bewahrt: „Er küsste die Hände seiner weiblichen Fans und wackelte wie einst mit den Hüften, aber das alles ohne peinlich zu wirken, sondern er machte es geschmackvoll, mit Würde und mit einem unglaublichen Südstaatencharme.“ Niemand im Publikum sei auf die Idee gekommen, über Presley zu lachen, vor allem, weil er sich während seines Auftritts ständig selbst auf dem Arm genommen habe.

Damit die schrillen Rocker aus England die strengen Türsteher des Hotels passieren konnten, mussten sie sich übrigens die bei solchen Veranstaltungen obligatorischen Smokings ausleihen. Anderson, der keine schwarzen Schuhe dabei hatte, trug zu der vornehmen Kleidung grüne Stiefel, was naturgemäß für einiges Aufsehen bei den Gästen sorgte: „Aber ansonsten waren wir makellos, wie wir mit einem Blick in den Spiegel feststellen konnten: Die Hosen waren erstklassig geschnitten und passten wunderbar. Wir sahen eben aus wie Mafiosi auf dem Weg zum Friseur.“

aus: eclipsed – Rock Magazin – Nr. 101 Mai 2008 (Wolfgang Thomas)

(Fast) unterschlagene Beiträge – Teil 8

Bahn: Das ist die Krönung

Er ist und bleibt einer meiner Lieblinge: Bahn-Chef Mehdorn (eigentlich heißt er Hartmut mit Vorname). Nun Bahn-Chef Mehdorn lenkt einen Konzern, der sich neu erfunden hat, sagt er – auch wenn es der Bürger nicht so merkt. Nun sprach er über die Zukunft der Bahn, die sich schneller wandelt, als man „danke“ sagen kann. Oder gibt es Grund zu Beschwerden?

So ein Kack: Verstopfung im All

Verstopfung im All: Auf der Raumstation ISS ist die Toilette kaputt. Für das Klo der ISS müsste ein Klempner her. Inzwischen nutzen sie ein Behelfssystem, das jedoch nicht dauerhaft funktionieren kann. Und: In diesen Tagen kurvt die ISS auch über Deutschland. Hoffentlich werfen die nicht irgendeinen unnötigen Ballast ab …

Franjo Pooth fühlte sich von Krise überfordert

Franjo Pooth, Ehegesponst von Verona ‚Bluub’ Pooth, macht sich den Vorwurf, Privates und Geschäftliches zu sehr vermischt zu haben, d.h. Pooth soll sich mit teuren Geschenken an Sparkassen-Vorstände hohe Kredite für sein Unternehmen erschlichen haben.

Und: Durch die Pleite habe er alles verloren, „was ich mir hart verdient habe“. Aha, verdient, nicht erarbeitet. Und womit hat er sich das verdient – mit teuren Geschenken? Auch an die werte Gemahlin? Auch das hat wohl nichts genützt: Derweil hängt nämlich auch noch der Haussegen schief im Hause Pooth. Zum Weinen …

Multimediales Mittelalter im Netz – Universität Augsburg startet Mittelalter-Portal im Internet

Hobby-Historiker und Geschichtsstudenten aufgepasst: Ab sofort vermittelt ein Multimedia-Portal die Kunst des Handschrift-Lesens oder der Archivrecherche. Was trocken klingt, ist ein Beispiel für vorbildliche Wissensvermittlung im Netz.

Aus für die Maus?

Nach Windows Vista soll spätestens 2010 Windows 7 kommen. Und das mit Touchscreen-Technologie. Dann begrabbelt mal schön eure Bildschirme …

Sofies Welt: Aristoteles

Nachdem wir in Jostein Gaarder: Sofies Welt – Roman über die Geschichte der Philosophie Sokrates und Platon kennen gelernt haben, will ich heute auf den dritten der großen antiken griechischen Philosophen zu sprechen kommen, Aristoteles (griechisch ?????o?????, * 384 v. Chr. in Stageira (Stagira) auf der Halbinsel Chalkidike; † 322 v. Chr. in Chalkis auf der Insel Euboia), der unsere europäische Gedankenwelt bis heute wesentlich beeinflusst hat. Ohne Aristoteles gäbe es keine Wissenschaften, wie wir diese heute kennen.

Aristoteles

Hier aber wieder zunächst die wichtigsten Textpassagen aus dem Buch:

Philosoph und Wissenschaftler
Aristoteles … war zwanzig Jahre lang Schüler an Platons Akademie.

Aristoteles selber war kein Athener. Er stammte aus Makedonien, kam aber an die Akademie, als Platon 61 Jahre alt war. Sein Vater war ein anerkannter Arzt – also Naturwissenschaftler. Schon dieser Hintergrund sagt etwas über Aristoteles’ philosophisches Projekt aus. Die lebendige Natur interessierte ihn am allermeisten. Er war nicht nur der letzte große griechische Philosoph, er war auch Europas erster großer Biologe.

Wenn wir alles ein bißchen überspitzt formulieren wollen, dann können wir sagen, daß Platon so in die ewigen Formen oder „Ideen“ vertieft war, daß er die Veränderungen in der Natur kaum registrierte. Aristoteles dagegen interessierte sich gerade für die Veränderungen – oder das, was wir heute als Naturprozesse bezeichnen.

Wenn wir es noch überspitzter formulieren wollen, dann können wir sagen, daß Platon sich von der Sinnenwelt abwandte und das, was wir um uns herum sehen, nur flüchtig wahrnahm. (Er wollte doch aus der Höhle heraus. Er wollte in die ewige Ideenwelt schauen!) Aristoteles machte das genaue Gegenteil: Er ging in die freie Natur und studierte Fische und Frösche, Anemonen und Mohnblumen.

Aristoteles’ Bedeutung für Europas Kultur liegt nicht zuletzt darin, daß er die Fachsprache schuf, die die verschiedenen Wissenschaften noch heute verwenden. Er war der große Systematiker, der die verschiedenen Wissenschaften begründete und ordnete.

Keine angeborenen Ideen

Aristoteles glaubte, Platon habe alles auf den Kopf gestellt. Er stimmte seinem Lehrer darin zu, daß das einzelne Pferd „fließt“, und daß kein Pferd ewig lebt. Er stimmte auch darin zu, daß die Pferdeform an sich ewig und unveränderlich ist. Aber die „Idee“ Pferd ist für ihn nur ein Begriff, den wir Menschen uns gemacht haben, nachdem wir eine bestimmte Anzahl Pferde gesehen haben. Die „Idee“ oder die „Form“ Pferd existiert also nicht vor aller Erfahrung. Die „Form“ Pferd besteht für Aristoteles aus den Eigenschaften des Pferdes – wir würden von der Spezies Pferd sprechen.

Mit der „Form“ Pferd meint Aristoteles das, was allen Pferden gemeinsam ist. Und hier stimmt das Bild mit der Pfefferkuchenform nicht mehr, denn Pfefferkuchenformen existieren ja ganz unabhängig vom einzelnen Pfefferkuchen. Aristoteles glaubte nicht, daß solche Formen sozusagen in ihrem eigenen Regalfach in der Natur existieren.

Für Platon ist es der höchste Grad von Wirklichkeit, daß wir mit der Vernunft denken. Für Aristoteles ist es ebenso einleuchtend, daß der höchste Grad der Wirklichkeit darin liegt, daß wir mit den Sinnen wahrnehmen oder empfinden. Platon hält das, was wir um uns herum in der Natur sehen, lediglich für Reflexe von etwas, das in der Welt der Ideen existiert – und damit auch in der Seele des Menschen. Aristoteles meinte das genaue Gegenteil: Was in der Seele des Menschen liegt, sind nur Reflexe der Gegenstände der Natur.

Aristoteles leugnete nicht, daß der Mensch eine angeborene Vernunft hat. Ganz im Gegenteil: Aristoteles zufolge ist gerade die Vernunft das wichtigste Kennzeichen des Menschen. Aber unsere Vernunft ist ganz „leer“, solange wir nichts empfinden. Ein Mensch hat also keine angeborenen „Ideen“.

Die Formen sind die Eigenschaften der Dinge
Aristoteles .. stellt fest, daß die Wirklichkeit aus verschiedenen Einzeldingen besteht, die eine Einheit aus Form und Stoff darstellen. Der „Stoff“ ist das Material, aus dem das Ding besteht, während die „Form“ die besonderen Eigenschaften der Dinge bezeichnet.

Im Stoff liegt immer eine Möglichkeit, eine bestimmte Form zu erlangen. Wir können sagen, daß der Stoff danach strebt, eine ihm innewohnende Möglichkeit zu verwirklichen. Jede Veränderung in der Natur ist Aristoteles zufolge eine Umformung des Stoffes von der Möglichkeit zur Wirklichkeit.

Wenn Aristoteles von „Form“ und „Stoff“ spricht, dann denkt er nicht nur an lebendige Organismen. Wie es die „Form“ des Huhns ist, zu gackern, … ist es die „Form“ des Steins, zu Boden zu fallen.

Logik

Aristoteles war ein peinlich genauer Mann der Ordnung, der in den Begriffen der Menschen aufräumen wollte. Auf diese Weise hat er auch die Logik als Wissenschaft begründet. Er stellte mehrere strenge Regeln auf, welche Schlüsse oder Beweise logisch gültig sind. Ein Beispiel muß uns reichen: Wenn ich zuerst feststelle, daß „alle lebenden Wesen sterblich sind“ (1. Prämisse), und dann feststelle, daß „Hermes [Name eines Hundes] ein lebendes Wesen ist“ (2. Prämisse), dann kann ich die elegante Schlußfolgerung daraus ziehen, daß „Hermes sterblich ist“.

Die Trittleiter der Natur

Die Natur, so Aristoteles, schreitet von den unbeseelten Dingen zu den lebenden Wesen allmählich fort. Auf das Reich der unbeseelten Dinge folgt erst das Reich der Pflanzen, die „im Verhältnis zu den leblosen Dingen fast wie beseelt, im Verhältnis zu den Tieren aber fast wie unbeseelt“ erscheinen. Schließlich teilt Aristoteles auch die lebenden Wesen in zwei Untergruppen ein, nämlich in Tiere und Menschen.

Alles Lebendige (Pflanzen, Tiere und Menschen) hat die Fähigkeit, Nahrung aufzunehmen, zu wachsen und sich zu vermehren. Tiere und Menschen haben außerdem die Fähigkeit, ihre Umwelt zu fühlen und sich in der Natur zu bewegen. Alle Menschen haben dazu die Fähigkeit, zu denken – oder eben ihre Sinneseindrücke zu verschiedenen Gruppen und Klassen zu ordnen.

Und damit besitzt der Mensch einen Funken der göttlichen Vernunft. … Ja, ich habe „göttlich“ gesagt. An einigen Stellen erklärt Aristoteles, daß es einen Gott geben müsse, der alle Bewegungen in der Natur in Gang gesetzt hat. Und so wird Gott zum absoluten Gipfel auf der Trittleiter der Natur.

Aristoteles stellte sich vor, daß die Bewegungen der Sterne und Planeten die Bewegungen hier auf der Erde leiten. Aber irgend etwas muß auch die Himmelskörper bewegen. Dieses Etwas nannte Aristoteles den ersten Beweger oder Gott. Der erste Beweger bewegt sich selber nicht, ist aber die erste Ursache der Bewegungen der Himmelskörper und damit aller Bewegungen in der Natur.

Ethik

Der Mensch wird nur glücklich, wenn er alle seine Fähigkeiten und Möglichkeiten entfalten und benutzen kann.

Aristoteles glaubte an drei Formen des Glücks: Die erste Form des Glücks ist ein Leben der Lust und der Vergnügungen. Die zweite Form des Glücks ist ein Leben als freier, verantwortlicher Bürger. Die dritte Form des Glücks ist ein Leben als Forscher und Philosoph.

Aristoteles betont, daß alle drei Formen zusammengehören, damit der Mensch ein glückliches Leben führen kann. Er lehnte also jede Form der Einseitigkeit ab.

Auch was die Tugenden betrifft, verwies Aristoteles auf einen „goldenen Mittelweg“. Wir sollen weder feige noch tollkühn sein, sondern tapfer. … Auch sollen wir weder geizig noch verschwenderisch sein, sondern großzügig.

Die Ethik von Platon und Aristoteles erinnert an die griechische medizinische Wissenschaft: Nur durch Gleichgewicht und Mäßigung werde ich ein glücklicher oder „harmonischer“ Mensch.

aus: Jostein Gaarder: Sofies Welt – Roman über die Geschichte der Philosophie – S. 128-140 – Carl Hanser Verlag 1995

Soweit einige Textpassagen aus „Sofies Welt“, die uns Aristoteles im Wesentlichen als Begründer der modernen Wissenschaften zeigen. Die Systematik des Denkens, wie es von Aristoteles ausgeht, beeinflusst auch noch oder gerade heute unser Denken. Aristoteles entwickelte das System der formalen Logik: er erarbeitete eine vollständige Theorie der Urteile und Schlussfolgerungen, der Definitionen und Beweise, der wissenschaftlichen Einteilungen und Methoden.

Bemerkenswert ist vor allem der weitreichenden Einfluss von Aristoteles auf das Vokabular (in griechischer Originalform oder in lateinischen Ableitungen), das er geprägt hat. Neben Wortpaaren wie Energie und Potential, Materie und ihre Form, Substanz und Wesen, Quantität und Qualität, Genus und Spezies, Subjekt und Prädikat u.s.w. stehen Prägungen wie Ursache (causa), Beziehung (relatio) oder Eigenschaft (Akzidenz).

Aristoteles hat gewissermaßen die Philosophie aus dem Himmel auf die Erde geholt. Aber obwohl seine philosophischen Betrachtungen als Ausgangspunkt die Wahrnehmung und die Empfindungen über die Sinne hatten und er als Begründer der Erfahrungswissenschaft (Empirie) zu gelten hat, fehlen mir bei ihm die platonischen Visionen. Es ist wie ein Blick auf den Teller, von dem wir essen, ohne den Blick über den Tellerrand zu wagen (wenn vielleicht auch nur als Fiktion bzw. Vision).

Lockwood fragte in einem seiner Kommentare: Wann konnte man jemals einen Philosophen lachen hören ? Zu dieser Frage und im Zusammenhang mit Aristoteles fällt mir der Roman „Der Name der Rose“ von Umberto Eco ein. Darin spielt eine Klosterbibliothek eine zentrale Rolle und in der ein besonderer Schatz, nämlich das „Zweite Buch der Poetik“ von Aristoteles, welches die Komödie behandelt. Dieses zweite Buch ist zwar von Aristoteles ‚angekündigt’ (als Behandlung des Lächerlichen in der Poetik), aber nicht überliefert. Vielleicht hätten wir hier einen Philosophen lachen hören? Wer weiß …