Fußball zum Abgewöhnen

Bot die Vorrunde noch wirklich ansehnlichen Fußball, so beherrschte taktisches Geplänkel das Viertelfinale bei der Fußball-Europameisterschaft 2008. Die größte Enttäuschung: Der „Europameister der Vorrunde“, die Niederlande. Der Mannschaft war über Nacht jeder Mut zum Risiko, jeder Spielwitz und jegliches Selbstvertrauen abhanden gekommen. So gewann ein junges, unbekümmert aufspielendes russisches Team völlig verdient gegen die Holländer.

EM 2008: Russland - Niederlande 3:1 n.V.

Und mit einer taktischen Meisterleistung, allerdings auch mit einer spielerisch guten Vorstellung, konnte eine deutsche Elf den Mitfavoriten Portugal schlagen, der ebenfalls nicht an die Leistung der Vorrunde anknüpfen konnte.

Fußball zum Abgewöhnen boten dagegen Kroatien gegen die Türkei. Sicherlich muss man den Türken zugute halten, bis zuletzt gekämpft zu haben, wenn es auch mehr Krampf als Kampf war, was da geboten wurde. Dieses Hin- und Hergeschiebe des runden Spielgeräts im Mittelfeld konnte keinen aus dem Sessel reißen. Nach 90 Minuten habe ich das Fernsehgerät ausgeschaltet. Mir fielen die Augen zu. Mein jüngerer Sohn war bereits eingeschlafen …. Ähnliches dann auch beim Spiel Spanien gegen Italien. Als hätte ich es geahnt, habe ich es mir geschenkt, das Spiel anzuschauen (ich schlafe lieber in meinem Bett als auf der Couch vor dem Fernseher).

Ungewöhnlich dabei das Ausscheiden der hoch gehandelten Favoriten. Es mag ja sein, dass die OK-Runde andere Gesetzen hat als die Vorrunde. Aber wer seine Spielweise auf taktische Mätzchen reduziert, muss fürchten, auf der Verliererstraße zu landen.

Deutschland spielt jetzt also im Halbfinale gegen die Türkei. Sicherlich hat der deutsche Bundestrainer Recht, wenn er meint, die Türken wären unberechenbar und gefährlich. Wer aber nichts wagt, der kann auch nichts gewinnen. Ähnlich wie gegen Portugal muss die deutsche Mannschaft daher couragiert auftreten, das Heft in die Hand nehmen und nach vorn spielen. Angriff ist bekanntlich die beste Verteidigung. Also, Herr Löw, keine taktisches Sperenzien. Wohin das führt, haben wir im Viertelfinale zuhauf gesehen. Und aufgepasst bis zur letzten Spielsekunde: Die Türken (bei deren Glück) sind immer noch für ein Tor kurz vor Toresschluss gut!

Im 2. Halbfinale trifft Russland erneut auf Spanien. Das Spiel dürfte anders als in der Vorrunde (4:1 für Spanien) ausgehen. Die jungen Russen haben Mut gefasst und werden es den Spaniern nicht noch einmal so einfach machen.

Da meine Viertelfinal-Tipps völlig in die Hose gegangen sind, verzichte ich auf weitere Tipps fürs Halbfinale und das Endspiel. Wer hätte schon 2004 auf Griechenland getippt (außer einige Griechen). Wahrscheinlich gewinnt am Ende die Türkei. Auf jeden Fall nicht die Italiener!

Keltischer Nachschlag: A Man’s A Man for A’ That – Trotz alledem

In mehreren Beiträgen stand das Lied „A Man’s A Man for A’ That“, vom schottischen Nationaldichter Robert Burns 1795 verfasst nach der Melodie „Lady Macintosh’s Reel“ (aus Bremner’s “Reels” von 1759), im Mittelpunkt: Robert Burns: A Man’s A Man for A’ ThatRobert Burns: A Man’s A Man for A’ That – Teil 2. Hierzu gibt es auch eine deutsche Fassung (Fiedel Michel: Trotz alledem) mit dem Text von Ferdinand Freiligrath: Trotz alledem.

Ich habe noch einmal im Internet (sprich: bei youtube) nach weiteren als den bereits veröffentlichten Fassungen der beiden Lieder (also die in schottischer Mundart und die deutsche) recherchiert und bin natürlich fündig geworden.

Zunächst das Gedicht von Burns in einer Lesung von David Rintoul: A Mans a Man for A‘ That‘ -Robert Burns. Dann trägt es ein schottischer Männerchor vor, was auch seinen Reiz hat. Dann ist ein gewisser Lionel McClellend of Moffat, der diese famose Ode an die Menschlichkeit vorträgt. Zuletzt eine Fassung mit Western-Verschnitt von Jim Malcolm.

Und zwei deutsche Fassungen habe ich auch gefunden. Einmal mit der wohl ursprünglichen Melodie und dem Text von Freiligrath, das kurz nach der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848 entstanden ist: Volkslied aus dem Revolutionsjahr 1848 – Trotz alledem. Und in einer angepassten Fassung von und mit Hannes Wader: Trotz SPD und alledem (da haben alle Linken Grund, einmal kräftig zu klatschen):

Musik und Qualität

Im Beitrag Kumpelschaften (Noddy & Ian) fragte Lockwood zuletzt: „Wann ist Musik “gut” ?“ und deutete an, ein Problem zu haben, wenn „Michael Jackson und Diedä Bohlen bedeutende zeitgenössische Musiker“ wären. Ob wir Lockwood von seinem Problem erlösen können? Hier geht es weiter …

Kretakatze schrieb am 16.06.2008:

Hallo meine Lieben,

Lockwood hat das Thema „erfolgreiche Musiker“ und „Chartplatzierungen“ angesprochen, und darauf möchte ich doch noch etwas differenzierter eingehen (ziemlich differenziert sogar).

Zunächst einmal stammt von ihm der Satz „Die Hitliste, auf deren 2. Stelle Slade zu finden ist, basiert wohl auf Chartplatzierungen, also auf Verkaufszahlen“. Charts basieren durchaus nicht immer und ausschließlich auf Verkaufszahlen, sondern wie wir in diesem Wikipedia-Artikel nachlesen können, evt. auch auf Publikumswahlen oder auf Sendehäufigkeiten im Radio. In Zeiten sinkender Plattenverkäufe und zunehmender illegaler Downloads aus dem Internet sind Verkaufszahlen allein auch kein ausreichendes Kriterium für die Beliebtheit einer Musik mehr. Der Billboard Hot 100, der aktuell wichtigste amerikanische Musik-Chart, basiert daher bereits seit Jahren auf einer Kombination aus Endverbraucher-Verkäufen und „Airplay“, also Sendehäufigkeit und -Reichweite (d.h. erreichte Hörer) im Radio. Hier wurde also bereits versucht, den „Erfolg“ einer Musik in beiden Kategorien durch einen gemeinsamen Index gegeneinander aufzurechnen und vergleichbar zu machen.

Dazu als Beispiel einmal wieder Clay Aiken – sorry, Jungs, aber er eignet sich so gut. Wie wir bereits wissen besteht die Fangemeinde von Mr. Aiken hauptsächlich aus anständigen, wohlsituierten Damen über 40. Dieses Publikum ist noch von alters her gewohnt, dass man Musik im Laden kauft und dafür bezahlt. Außerdem wollen sie ihr Idol unterstützen und auf den Verkaufscharts vorne sehen, und sie haben die finanziellen Mittel dazu. Veröffentlicht Mr. Aiken also ein neues Album, wie erst letzten Monat geschehen, dann stürmen die Claymates bereits am Tage der Veröffentlichung die Läden und kaufen nicht nur ein Exemplar, sondern gleich 3 oder 5 oder 10. Antwort einer Dame mittleren Alters, die interviewt wurde als sie mit einem ganzen Packen „Clay Aiken – On My Way Here“ in der Hand den Laden verließ, auf die Frage was sie mit all den CDs machen wolle: „Eine ist für daheim, eine fürs Auto, eine fürs Büro, und den Rest verschenke ich“.

So kommt es, dass Clay Aiken’s CD in der Woche ihres Erscheinens auf Platz 2 der Verkaufscharts lag (Dummerweise brachte er sein neues Album am gleichen Tag heraus wie Josh Groban und Neil Diamond – an Josh Groban kam er vorbei, an Mr. Diamond nicht. Das zeigt auch von welchen „Zufälligkeiten“ Chart-Platzierungen abhängen können. Hätte Mr. Diamond sein Album eine Woche später veröffentlicht…). Gleichzeitig führte der Titelsong seines Albums die Download-Charts an – ich möchte wetten, dass jede Menge Ladies, die das Album schon fünfmal erstanden hatten, sich zusätzlich auch den Song noch fünfmal heruntergeladen haben – Mr. Aiken lässt man sich gerne etwas kosten.Irgendeine Band, deren Fans hauptsächlich aus Teenies bestehen, hat dagegen keine Chance. Da kauft sich vielleicht Einer in der Clique die CD und die anderen 10 kopieren sie oder laden sie sich aus dem Web runter – natürlich ohne zu zahlen. Ein Auto und ein Büro hat da auch Keiner und Geld für 10 CDs auch nicht.

Schaut man sich dagegen die Radio-Charts an, dann sieht das ganz anders aus. In den Airplay-Charts der Top 40 amerikanischen Radiostationen taucht der Name Clay Aiken nicht auf. Hier bestimmen die Disc-Jockeys, was auf den Teller kommt, und die wählen das aus, was ihrer Meinung nach ihr Publikum hören will. Dieses Publikum ist vermutlich überwiegend jugendlich, und die DJs scheinen überwiegend der Meinung zu sein, dass man denen Clay Aiken nicht zumuten kann (worin ihnen Wilfried sicher lebhaft zustimmen wird). Hier haben jetzt die Favoriten der Teenies eine echte Chance – was allerdings die Qualität der Musik auch nicht unbedingt erhöht, wie wir gleich erleben werden.

Dazu noch einmal ein Beispiel, mit dem ich mich bei Wilfried wieder unbeliebt machen werde. Im letzten Sommer hatte sich Clay Aiken für seine Bühnenshow ein Medley aus 12 Titeln zusammengestellt, die alle zu dieser Zeit vordere Plätze in den Airplay-Charts der Top-40-Radiostations belegten – er wollte auch einmal etwas cooles singen, was im Radio gespielt wird. Ich habe dieses Medley erst vor ein paar Tagen Wilfried in einem Kommentar untergejubelt, aber für die, die es noch nicht kennen, hier das Gleiche noch einmal in einer anderen Version: The Classics Medley (wer nicht will, muss es ja nicht anklicken – also ich finde es herrlich albern).

Was mir daran auffiel: Abgesehen von jeder Menge Sex und Schwachsinn tauchen hier Titel auf wie Beat It (Michael Jackson), Like a Virgin (Madonna), Oops, I Did it Again (Britney Spears), 1999 (Prince) oder Bills, Bills, Bills (Destiny’s Child), die teilweise wahrscheinlich schon fast 10 Jahre alt sind. Aus den Verkaufs-Charts sind sie längst verschwunden, aber im Radio belegen sie immer noch erste Plätze. Wie vergleicht man den Erfolg von einem Titel, der eine Woche lang die Download-Charts angeführt hat (und an den sich in zwei Jahren vermutlich kaum noch ein Mensch erinnert) mit einem Song, der vielleicht nie einen ersten Platz belegt hat, der aber nach 10 Jahren immer noch regelmäßig im Radio gespielt wird?

Kommen wir vom Vergleich des Erfolgs von Musiktiteln zum Vergleich des Erfolgs von Musikern, und dafür werde ich 3 Absolventen von American Idol anführen. Nach offizieller Auffassung – nachzulesen in Wikipedia – sind die bislang erfolgreichsten Teilnehmer an American Idol Carrie Underwood (Gewinnerin AI4), Kelly Clarkson (Gewinnerin AI1) und Clay Aiken (Zweiter AI2) – in dieser Reihenfolge. Sie basiert allein auf der Anzahl verkaufter Tonträger. Bei einer Abstimmung im Jahr 2006, in der es darum ging das „beliebteste Idol“ zu küren, gewann Mr. Aiken. Geht es um die offizielle Anerkennung des „Musikschaffens“, dann konnten sich beide Damen bereits Grammies in die Vitrine stellen, bei Mr. Aiken war es bislang „nur“ ein Music Award Fanpreis aus dem Jahr 2003 und eine Music Award Nominierung. Beim „Airplay“ liegen die Ladies deutlich vorne, was die Präsenz im Fernsehen betrifft ist Mr. Aiken klarer Gewinner. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass er bereits in mehreren Fernsehserien Gastauftritte hatte, in Fernsehshows als Co-Host agierte oder in seiner Funktion als UNICEF-Botschafter gefilmt bzw. interviewt wurde – hat also nicht direkt etwas mit Musik zu tun. Ein ganz wichtiger Aspekt sind aber meiner Meinung nach die Konzerte. In Zeiten sinkender Verkaufszahlen von Tonträgern werden für Musiker die Konzerte als Einnahmequelle immer wichtiger. Bislang gibt es noch keinen Chart, der Konzerte irgendwie berücksichtigen würde, z.B. in Form von Anzahl verkaufter Tickets. Da Mr. Aiken in diesem Bereich sehr aktiv ist und meist zwei Tourneen im Jahr absolviert, würde ich vermuten, dass er in diesem Punkt die Nase vorn hat.

So, wer ist jetzt von den Dreien der oder die Erfolgreichste? Ich denke, das kann man so nicht sagen, das einzige halbwegs objektive Kriterium könnten hier noch die jährlichen Einnahmen sein. Und über die wird man wohl kaum zuverlässige Informationen bekommen. Ansonsten sollte man besser nicht global von „Erfolg“ sprechen, sondern konkret das Kriterium nennen, das man gerade vergleichen möchte.

Der langen Rede kurzer Sinn: Zurück zu Slade und ihrem Titel als „2. erfolgreichste Band“. Diese Aussage kann sich eigentlich nur auf ein ganz bestimmtes Kriterium beziehen (vermutlich eben Plattenverkäufe) in einem ganz bestimmten Jahr, und das vermutlich auch noch in einem ganz bestimmten Land. In der Liste der erfolgreichsten Musiker aller Zeiten (die natürlich sehr mit Vorsicht zu genießen ist) tauchen Slade nämlich garnicht erst auf. Allerdings tauchen z.B. Creedence Clearwater Revival auch nicht (mehr) auf, ich bin mir sicher sie in dieser Liste schon einmal gesehen zu haben. Vermutlich sind sie gelöscht worden, weil die Quelle als zu zweifelhaft galt. Ich habe eine Zahl von 125 Mio. Tonträgern in Erinnerung. Stattdessen sind jetzt auch Jethro Tull hier zu finden, die ich das letzte Mal noch vermisst hatte.

Aber Lockwood war in seiner letzten Mail schnell weitergeeilt, von der Frage des Erfolgs zur Frage der Qualität. Und das ist nun ein noch viel schwammigeres Gebiet. Qualität und Erfolg sind wohl schon irgendwie positiv miteinander korreliert, aber nach meinem Gefühl nicht besonders stark. Und was „gute Musik“ ist beruht auf rein subjektivem Empfinden, dafür kann es keine objektiv messbare Maßeinheit geben. Seinerzeit hatte ich auch in meinem Beitrag mit dem Titel Musik und Intelligenz schon einige Worte zu diesem Thema verloren. „Musik und Intelligenz“ oder „Musik und Qualität“- das läuft mehr oder minder auf’s Gleiche hinaus. Allein wir Drei bis Vier, die wir ja tendentiell musikalisch ähnlich veranlagt sind, können uns in diesem Punkt schon nicht einig werden – unsere teilweise weit auseinanderliegende Auswahl der „besten Songs aller Zeiten“ spricht da Bände. Und über Geschmack sollte man sich nicht streiten, das führt zu nichts.

So genug für heute, und ab morgen wird wieder philosophiert…

Seid herzlichst gegrüßt
Kretakatze

PS.: Entfällt heute wegen akuter Erschöpfungszustände

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WilliZ schrieb am 16.06.2008:

Ja, meine Lieben,

Sympathie und Erfolg … Wann ist Musik „gut“?! Ihr habt Probleme. Wenn ich eine bestimmte Musik gut finde, dann werde ich in der Regel auch den Interpreten gut und damit mehr oder weniger sympathisch finden. Ungeachtet all dessen, was wir inzwischen Negatives von Herrn Anderson wissen, wird er uns (auf jeden Fall mir) sympathisch bleiben. Das hat eben viel mit seiner Musik zu tun. Wenn wir seine Musik nicht mögen sollten, dann gäbe es kein Interesse an seiner Person – und die Frage nach Sympathie oder Aversion würde sich erst gar nicht stellen. Das gilt in meinem Fall bei Wolfgang Petry. Auch ich kenne ihn eigentlich nur dem Namen nach. Vielleicht habe ich schon das eine oder andere Lied von ihm gehört. Aber ich wüsste jetzt nicht, welches. Und so finde ich ihn weder sympathisch noch unsympathisch. Ich kenne ihn einfach nicht. Wahrscheinlich möchte ich ihn auch gar nicht kennen lernen, weil er musikalisch aus einer Ecke kommt, in der ich mich nicht aufhalte.

Bei Noddy Holder mag das etwas anders sein. An die Musik von Slade erinnere ich mich noch, sie entsprach zwar nicht meinen Geschmack, aber ich bin auf jeden Fall nicht zusammengebrochen, als auf früheren Parties das eine oder andere Lied von denen gespielt wurde.

Und Erfolg? Dazu hat sich Kretakatze ausführlich ausgelassen und ich kann ihr nur zustimmen. Erfolg ist nur messbar, wenn die benutzten Variablen die gleichen sind. Erfolg ist zudem eine quantitative Größe, die nur wenig mit Qualität zu tun hat. Mögen die Beatles auch mit „guter“ Musik Erfolge erzielt haben. Viele andere „erfolgreiche“ Musiker boten diese Qualität nicht. Erfolg hat heute auch viel mit Marketing zu tun. Daher auch der Erfolg von TV-Sendungen wie DSDS, American Idol und wie immer diese heißen. Aber das Thema hatten wir ja bereits.

Was ist nun „gute Musik“? Hierfür gibt es mindestens zwei Sichtweisen. Für viele ist Musik dann gut, wenn sie gefällt. Da spielt der individuelle Geschmack die Hauptrolle. Nicht jeder mag Currywurst mit Pommes. Aber es gibt durchaus einige, die sowohl Kaviar mögen als auch Currywurst (und einzelne, die Currywurst mit Kaviar mögen). Damit kommen wir zur 2. Sichtweise: Was macht die Qualität von Musik aus? Wolfgang Petry ist wie Currywurst von der Pommesbude nebenan: zu fett und ungesund. Noddy Holden und seine Slade sind vielleicht Fish and Chips, aber in einem Mittelklasserestaurant serviert. Die Zutaten sind frisch, der Fisch in Butter gedünstet statt in ranzigem Frittenfett. Und auch die Fritten kommen nicht aus dem Tiefkühlfach.

Nun Kaviar ist auch nicht unbedingt gesund. Nehmen wir eine Mahlzeit, die ausgewogen, also gesund ist. Es kommt zunächst auf die Zutaten an. Schon allein die Tatsache, das Ganze mit frischem Pfeffer (aus der Pfeffermühle) zu würzen, kann graduelle Unterschiede bewirken. Manchmal tut es ein einfacher Salat, aber eben raffiniert gewürzt. Das ist wie ein schlichtes Lied, das trotzdem qualitativ als gut bewertet werden kann. Und je aufwändiger ein Mahl zubereitet wird, um so mehr Geschick (Kompositionsgabe) muss der Koch besitzen. Dazu gehört Talent, meist aber auch eine gründliche Ausbildung.

Qualität ist also nicht allein ein Kriterium des Geschmacks. Aber zunächst sollte man auch Geschmack haben, um ein Qualitätsurteil bilden zu können. Wer Tag für Tag Fastfood in sich hineinstopft, schmeckt im Grunde nichts mehr. Hauptsache es macht satt. Wer bewusst isst (hört), wird auch eher ein richtiges Urteil fällen können.

Gehabt Euch wohl
Euer Wilfried

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Lockwood schrieb am 17.06.2008:

Hallo Kretakatze, Hallo Wilfried,

Wilfried zieht das Fazit „Qualität ist also nicht allein ein Kriterium des Geschmacks.“

Dieses Ergebnis beruhigt mich; daraus folgt, dass eine gut verkaufte Platte nicht unbedingt eine qualitativ hochwertige Platte sein muss. Damit bin ich einverstanden.

Aber Euren Ausführungen entnehme ich, dass es kein objektives Kriterium für musikalische Qualität gibt. Einfach zu wertende Ingredienzien wie altes Fett oder frische Butter – um in Wilfrieds Bild zu bleiben – gibt es in der Musik nicht.

Die Beurteilung eines Liedes wird immer von den eigenen Vorlieben gefärbt. Das wiederum bedeutet, dass man nicht mit Fug und Recht behaupten kann, G.G. Anderson mache schlechte und Ian Anderson mache gute Musik.

Habe ich damit Eure Ausführungen korrekt zusammengefasst ?

Mein Ergebnis gefällt mir überhaupt nicht. Ich bitte um Widerspruch.

So long
Lockwood

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Kretakatze schrieb am 18.06.2008:

Hallo meine Lieben,

da habe ich ja nicht schlecht gestaunt – Wilfried entpuppt sich als Meisterkoch und Experte für kulinarische Genüsse. „Butter bei die Fische“ und frischen Pfeffer an den Salat, hier gibt’s jetzt kostenlose Tipps für den Hobby-Koch! Und dass es nicht nur schmeckt sondern auch gesund ist, ist das Merkmal für Qualität. Habe ich das so richtig verstanden?

Also meiner Meinung nach ist Essen dazu da, Bedürfnisse zu befriedigen, genauso wie im Übrigen auch Musik. Da sind zunächst die Grundbedürfnisse: Es sollte nahrhaft sein und sättigen. Dann die Sekundärbedürfnisse: Es sollte schmecken. Und zuletzt der Luxus: Es ist schön, wenn es auch noch gesund ist. Wobei der „Gesundheitsaspekt“ schwer zu messen ist (außer es handelt sich um Diät). Butter und Pfeffer sind vielleicht nicht unbedingt dazu angetan, den Gesundheitseffekt zu erhöhen. Fisch und Salat schon eher, aber auch nur, solange sie nicht zu einseitig genossen werden.

Schluss jetzt bevor ich beginne Euch die Strukturformeln essentieller Aminosäuren aufzuzeichnen (wer schon einmal einen Blick auf meine Homepage geworfen hat weiß, dass ich ein verhinderter Ernährungswissenschaftler bin). Die Frage ist: Was hat das alles mit Musik zu tun, bzw. wo sind die Parallelen. Ich muss zugeben, lieber Wilfried, dass mir das aus Deinen Ausführungen nicht klar geworden ist. Deine Schlussfolgerung „Qualität ist also nicht allein ein Kriterium des Geschmacks“ kann ich so nicht nachvollziehen. Woran genau erkennst Du nun Qualität in einer Musik? Was ist denn nun „Geschmack“, vor allem derjenige, „den man haben sollte“? Hat nicht in unseren Augen immer derjenige „Geschmack“, der die gleichen Vorlieben hat wie man selbst? Gibt es überhaupt etwas Subjektiveres als „Geschmack“?

Schon vor Jahren (ich glaube es waren sogar Jahrzehnte) hatte ich mir einmal Gedanken gemacht zu der Frage: Was ist eigentlich Qualität? Ich kam damals zu folgender Definition: Qualität ist ein Maßstab für die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse. Oft wird der neutrale Ausdruck „Qualität“ gleichgesetzt mit dem Ausdruck „hohe Qualität“, d.h. ein hoher Grad der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse.

Ich würde heute, aus einer anderen Perspektive betrachtet, noch eins obendrauf setzen: „Gute Musik“ ist Musik, die dem Sinn des Lebens dient, oder simpler ausgedrückt, die die Welt besser macht.

Weltverbesserische Grüße
Kretakatze

PS: Simples Lied, das die Welt verbessert (keine Angst, das könnt Ihr ruhig anklicken, es kommt ausnahmsweise kein Clay Aiken darin vor)

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WilliZ schrieb am 18.06.2008:

Seid gegrüßt,

also den Hobbykoch mache ich hier nicht. „Was hat das alles mit Musik zu tun, bzw. wo sind die Parallelen“, fragt Kretakatze an. Nun es geht bei der Frage nach „guter Musik“ auch um Geschmack. Ursprünglich bezieht sich das Wort auf etwas, was eng mit der Nahrungsaufnahme zu tun hat. Vielleicht von daher die Parallele. Aber lassen wir die Currywurst in der Pfanne.

Natürlich ist Geschmack etwas sehr Subjektives. Das habe ich nie bestritten. Daneben gibt es aber begrifflich etwas, nämlich den „guten Geschmack“, den ich bei „Geschmack haben“ zugeordnet sehen wollte. Es geht also darum, einen „guten Geschmack zu haben“ (so wie wir eigentlich von guter Qualität sprechen müssen, wenn wir Qualität meinen). Natürlich haftet auch diesem Begriff etwas Subjektives an. So wie ich es sehe, hat „guter Geschmack“ etwas mit der bewussten Auseinandersetzung mit etwas zu tun, z.B. Musik hören. Ich setze mich damit auseinander, ich werde davon berührt. „Guter Geschmack“ wird entwickelt, indem über einen langen Zeitraum geschmeckt wird. Erst nach und nach werden mir viele Details bewusst, die ich als Kriterium für weiteres Schmecken benutzen kann. Und nur mit der Zeit kann ich (muss aber nicht) ein gewisses Gespür für Qualität entwickeln.

„Qualität ist ein Maßstab für die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse“. Das deckt sich durchaus mit dem von mir eben Gesagtem. Sind meine Bedürfnisse nicht besonders hoch, dann gebe ich mich auch mit Einheitskost zufrieden. Je mehr ich aber meinen Geschmack kultiviere (bewusst schmecke), desto anspruchsvoller werde ich und damit mein Geschmack.

„Gute Musik“ ist Musik, die dem Sinn des Lebens dient, oder simpler ausgedrückt, die die Welt besser macht, schreibt Kretakatze. Dem stimme ich gern zu. Aber gut = Güte = Qualität definiert diese Aussage nur zum Teil (die Frage nach dem Sinn des Lebens lasse ich hier außer Acht, das Thema diskutieren wir ja an anderer Stelle).

Ich will mich hier nicht mit Musiktheorie beschäftigen (Harmonielehre usw.). Aber es gibt Lehrsätze, die sich über viele Jahrhunderte gebildet haben und die zu Kriterien auch über die Bestimmung, was gute Musik ist, entscheiden können. Auch dies ist nur ein Punkt, der uns hilft, gute von schlechter Musik zu trennen. Die Herkunft spielt natürlich auch eine Rolle. Arabische Musik werden wir als disharmonisches Gejaule empfinden (und umgekehrt).

Wenn wir versuchen, „gute Musik“ zu definieren, dann meinen wir sicherlich auch die Texte (z.B. eines Liedes). Ohne jetzt auch noch „gute Literatur“ definieren zu wollen, aber bestimmte Schlagertexte wird jedes Kind (natürlich nicht wirklich jedes) als bescheiden einstufen können. „Ich bin verliebt in die Liebe“, „Tränen sind nicht nur zum Weinen“ (um Herrn G.G. Anderson zu zitieren), „Der Colt steckt immer im Pyjama“. Das könnte ich endlich fortsetzen. Aber lasse ich das. Auch der andere Herrn Anderson hat sicherlich manch krauses Zeug getextet. Ich selbst schließe mich da gar nicht aus.

Um es kurz zu machen (ich erhebe in meinen Erläuterungen keinen Anspruch auf Vollständigkeit; es gibt auch noch etwas anderes, als hier seitenlang über die Güte von Musik zu diskutieren, z.B. gute Musik zu hören): Was ‚gut’ ist, hängt von vielen Faktoren ab. Daher bleibe ich bei meiner Aussage: Qualität ist nicht allein ein Kriterium des Geschmacks!

Zuletzt: Da wir alle gern unser bescheidenes Wissen bei Wikipedia erweitern, hier die Definition für Qualität gemäß DIN EN ISO 9000:2005, der gültigen Norm zum Qualitätsmanagement: Danach ist Qualität der „Grad, in dem ein Satz inhärenter Merkmale Anforderungen erfüllt“. Es geht also um Anforderungen, die bei jedem Menschen unterschiedlich sein können. Aber da wäre ich wieder bei dem, was ich oben schon geschrieben habe.

Ich wünsch Euch ’was
Euer Willi

P.S. Vielleicht lässt sich Lockwoods Frage am besten beantworten, wenn man sich selbst fragt, warum man das eine oder andere Lied für gut befindet (natürlich ist die Antwort eine rein subjektive).

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Lockwood schrieb am 19.06.2008:

Meine Lieben,

wenn ich Wilfrieds Ausführungen über die Bewertung musikalischer Qulität zusammenfasse, besteht diese Bewertung in der Hauptsache aus zwei Faktoren:

1. persönlicher Geschmack
2. objektive Kriterien aus der Musiktheorie (Harmonielehre etc.)

Das bedeutet: Wenn Musikwissenschaftler mit akademischen Methoden ein Lied analysieren und für schlecht befinden, so kann es mir immer noch gefallen. Es kann Freude in meinem Kopf auslösen und damit hat dieses Lied seine Daseinsberechtigung.

Ich gestehe an dieser Stelle, dass mir der subjektive Eindruck eines Liedes wichtiger ist als das Ergebnis wissenschaftlicher Untersuchungen.

Es wäre interessant zu erfahren, wieviel gute Musik es auf diesem Globus gibt, die ich einfach noch nicht gehört habe, weil sie in den Medien nicht so repräsentiert wird wie z.B. aktuelle Popmusik.

Vielleicht wäre ich ein Fan von Brahms oder Mahler, wenn ich mich mit ihrer Musik auseinander setzen würde.

In mir klingt ein Lied
Lockwood

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Alex schrieb am 19.06.2008:

Hallo Leute,

Ich stimme mit Wilfried überein. Ein Lied muss schon Kunst in sich haben (Harmonie, Struktur, eine nette Melodie…), aber es kann erst dann gut sein, wenn es etwas im Inneren bewegt. Da spielt die Leidenschaft des Künstlers eine wichtige Rolle. Nicht nur die Virtuosität mit der das Stück interpretiert wird.

„Yesterday“, zum Beispiel, ist ein schönes Lied, aber es gibt eben Musiker, die sich (und hauptsätzlich uns, dem Publikum) die Cover-Version sparen könnten.

Ein interessantes Beispiel sehe ich in diesem Sinne bei dem Lied „All your love“ (W. Dixon & O. Rush), das schon beide, Eric Clapton (damals noch mit John Mayall) und Gary Moore oft gespielt haben. Beide sind zwar technisch außerordentlich gut, allerdings fehlt es bei der Fassung von Herrn Moore – meiner Meinung nach – an Seele.

Noch ein wichtiger Faktor ist nach meiner Meinung, wie oft ein Lied gespielt wird. Manchmal braucht es an Zeit, bis man ein Lied mag. Ab und zu findet man dies oder jenes Lied nichts Besonderes, aber wenn man es noch ein Paar mal hört, gefällt es einem allmählich (z.B. klassische Werke). Oder auch umgekehrt, wenn man satt ist andauernd dasselbe Lied im Radio zu hören (z.B. einfache Pop-Lieder).

Liebe Grüsse an Wilfried, Kretakatze und Lockwood!
-Alex-

Das Wunder von Basel

Die Augen musste man sich reiben: War das Wirklichkeit oder Traum? Nach dem Schlafwagenfußball in der Vorrunde, hatte jemand die deutsche Mannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft 2008 aus dem Wachkoma geweckt. Wie Phoenix entstiegen die Fußballhelden der Asche. Auferstanden aus Ruinen: Die deutsche Mannschaft gewinnt das erste Viertelfinale gegen Portugal für viele überraschend mit 3:2.

Aber was war geschehen? Sicherlich war es ein geschickter taktischer Schachzug, das Mittelfeld stärker zu besetzen. Vielleicht kam da der Ausfall von Frings (Rippenbruch) gerade recht, um endlich auch personelle Veränderungen vorzunehmen. Aber es war etwas anderes: Die Verbannung des Bundestrainers Löw auf die Tribüne wirkte wie der schrille Wachruf eines Weckers, der alle Beteiligten aus dem Schlaf riss. Die hehren Ziele vergangene Tage (für Vaterland und Merkel – for Queen and Country) ziehen nicht mehr. Selbst Kohle haben die Jungs genug. Aber für Löw ist man bereit zu sterben siegen. Hoffentlich hält dieser Wachzustand noch ein, zwei Spiele länger an.

Auch Klose triff wieder - Ronaldo darf zugucken

Aber Deutschland ist nicht alles. Es warten noch drei weitere spannende Paarungen im Viertelfinale auf uns. In meinen wagemutigen Tipps zu dieser Fußball-EM habe ich immerhin sechs der acht Viertelfinalteilnehmer richtig getippt. Lediglich (wenn auch entscheidend) bei der Niederlande und der Türkei habe ich mich getäuscht. Okay, tauschen wir einfach Frankreich gegen die Niederlande und Tschechien (die es ja selbst vermasselt haben) gegen die Türkei. Dafür habe ich die Russen ins Viertelfinale einziehen lassen – und mit Arschawin, der die ersten beiden Spiele der Vorrunde gesperrt war, gegen Schweden aber groß aufspielte, muss man den Russen einiges zutrauen – auch wenn es gegen die Niederlande geht. Es verspricht, ein interessantes Spiel zu werden.

Wie befürchtet (Ein Traum in oranje), haben es die Italiener doch noch eine Runde weiter geschafft. Immerhin konnte so der kollektive Suizid der Italiener verhindert werden. Und fast befürchte ich, dass die Italiener in einer harten Gangart die eleganten Ballzauberer aus Spanien entzaubern. Bleibt noch Kroatien gegen die Türkei. Die Türken dürften ihr Maximum erreicht haben (und mein jüngerer Sohn das richtige Näschen besitzen – immerhin tippte er auf Kroatien als neuen Europameister).

Für mich sieht es so aus, als würden folgende Mannschaften die Halbfinals bestreiten:

Deutschland – Kroatien
Niederlande – Italien

Die erstgenannten Mannschaften kommen dann (laut meiner bescheidenen Meinung) ins Endspiel. Und da mein Tipp, Portugal wird Europameister 2008, bereits in die Hose gegangen ist, könnte doch glatt das deutsche Team Europameister werden. Na, Franzl, da schaun mer mal! (Nein, ich tippe auf die Niederlande – aber Hauptsache ist, die Italiener gewinnen nicht!).

Kretakatzes Top 12 (Musiker/Bands) & Mark Knopfer live

Hallo Wilfried, Hallo Lockwood,
und jetzt wohl auch Hallo Alex,

Wilfried hatte uns schon vor längerer Zeit Hausaufgaben aufgegeben – jeder sollte seine 10 Lieblingstitel vorstellen – und ich bin nun wohl die Einzige, die sie noch nicht abgeliefert hat. Wie ich allerdings schon angedeutet hatte – bei 10 Titeln wird es kaum bleiben. Sehen wir mal wieviele am Ende herauskommen werden.

Da fange ich am besten mit Cat Stevens an. Seine Musik hat meine Jugend geprägt und mit seiner „Philosophie“ hat er mein Denken bis zum heutigen Tag vielleicht mehr beeinflusst als irgendein Anderer. Einen Lieblingstitel zu bestimmen ist unmöglich. In den 70ern hätte ich wohl Moonshadow an die erste Stelle gestellt, heute würde ich vielleicht eher zu The Wind tendieren. Aber z.B. auch Changes IV und Sitting sind Songs, denen ein erster Platz gebühren würde. Und es gibt da noch so viele andere…

Auch bei Al Stewart ist es für mich unmöglich einen Lieblingssong zu bestimmen, bestenfalls würde ich eine Top-10-Liste zusammenbekommen. Deshalb hier nur als Beispiel der Titel Life In Dark Water von seinem 1977er Album „Time Passages“, der wohl auf diese Liste kommen würde. Was mir allerdings heute im Vergleich zu den 70ern immer deutlicher wird – auch dieser Song müsste ganz anders gesungen werden, hier könnten eine andere Stimme und ein rockiger Gesangsstil noch Wunder wirken.

Von Uriah Heep habe ich 3 „favorites“, und ich werde mir erlauben sie alle zu verlinken: July Morning, The Wizard und Stealing. Und da gibt es noch zahlreiche andere Top-Titel, in jüngster Zeit ist Sunrise in die Führungsgruppe aufgestiegen (wenn ich auch den Sänger optisch furchtbar finde – da fühle ich mich an einen Ausspruch erinnert, den Simon Cowell wohl erstmals bei Clay Aiken zur Anwendung brachte: „I prefer you with my eyes shut!“).

Warum sind eigentlich Deep Purple fast in Vergessenheit geraten. Anfang der 70er waren sie die Größten. Nachdem CCR den Bach runter gegangen waren, wurden sie von den Bravo-Lesern zur beliebstesten Band gekürt, das muss wohl 1972 gewesen sein. Hier fällt mir die Wahl des Lieblingstitels nicht schwer: Child In Time.

Dann komme natürlich auch ich nicht an Led Zeppelin vorbei: Stairway To Heaven ist für mich unverzichtbar.

Und auch Janis Joplin ist für mich noch nicht vergessen – Piece Of My Heart hat auch in meinem Herzen seinen Platz.

Creedence Clearwater Revival dürfen nicht fehlen. Obwohl der Titel nicht original von CCR stammt sondern ein Cover ist, würde ich doch I Heard It Through The Grapevine an die erste Stelle setzen. In diesem Zusammenhang darf ich sicher auch einmal wieder John Fogerty erwähnen (den ich übrigens erst am 6.Juni in Stuttgart gesehen und gehört habe – dazu vielleicht noch ein andermal mehr). Seit ein paar Monaten habe ich von ihm einen neuen Lieblingssong (der eigentlich schon aus dem Jahre 1976 stammt – ist damals völlig an mir vorbeigegangen…): You’ve Got The Magic (leider miserable Sound-Qualität).

Auch Elton John gehört zu den Musikern, von denen ich ein paar Platten besitze. Da gibt es eine ganze Reihe Titel, die ich hier nennen könnte – ich entscheide mich jetzt einfach einmal für Rocket Man.

Zwei Klassiker aus dem Jahre 1967 höre ich immer wieder gerne: Procol Harum – A Whiter Shade Of Pale (Version, an der auch ein uns bekannter Flötist beteiligt ist) und The Moody Blues – Nights In White Satin (auch hier betätigt sich ein Flötist – da war unser Meister wohl doch nicht der „Allererste“…).

Nun wird es Zeit, dass ich zu den Dire Straits komme. Hier fällt mir die Wahl des Lieblingstitels wieder wirklich schwer. Nach Abwägen aller für und wider habe ich mich für Brothers In Arms entschieden.

Last but not Least – Jethro Tull. Unmöglich, hier einen einzelnen Song herauszugreifen. Da es die Songs From The Wood waren, die mich zu Jethro Tull gebracht haben, darf dieser Titel in der Liste nicht fehlen. Aber auch Locomotive Breath reisst mich noch heute aus dem Sessel (Danke, lieber Wilfried, für dieses süße Video, das inzwischen ein Plätzchen in meinen Favorites gefunden hat). Auch die weiße Ente (One White Duck) hat einen Dauerplatz in meinem Herzen. Genauso wie Velvet Green, The Whistler, Weathercock, Moths, Black Satin Dancer, Slipstream … Ich könnte noch eine Weile so weitermachen. Aber ich denke das reicht.

Jetzt sind es doch nicht so sehr viel mehr als 10 Songs oder zumindest nicht viel mehr als 10 Musiker geworden – 12 um es genau zu nehmen. Ich denke das ist genug Stoff. Ich habe mich durch Eure Hitlisten auch noch nicht vollständig durchgearbeitet, von Lockwood’s Liste fehlen mir noch ein paar Songs. Dann werde ich auch noch einen Kommentar dazu abliefern. Aber lassen wir es erst einmal gut sein für heute.

Hochmusikalische Grüße von Eurer
Kretakatze

PS.: Heute fällt mein Nachtrag etwas umfangreicher aus, denn ich möchte Euch doch einen kurzen Stimmungsbericht vom Mark Knopfler Konzert am 07.05.2008 in Stuttgart nicht vorenthalten:

Der Abend war für mich leider eher eine Enttäuschung. Ich hatte Mark Knopfler das erste und letzte Mal 1979 in irgendeiner alten Fabrikhalle in Sindelfingen gesehen, damals natürlich noch als Dire Straits – Stehplätze, proppenvoll und Mordstimmung. Das war diesmal alles ein bißchen anders.

Das lag weniger an Mark Knopfler, als an dem „Drumherum“. Da ist erst einmal die unübersichtliche, schlecht ausgeschilderte Halle. Ich irrte treppauf-treppab durch zahlreiche Gänge, bis ich endlich meinen Block und Platz gefunden hatte, und da schien ich nicht die Einzige zu sein. Dazu erklang eine grauenhafte, jazzig-primitivrockige Vormusik. Trotzdem wirkte es verfrüht als 10 nach 8 Uhr Mr. Knopfler auf der Bühne erschien, denn noch immer suchte zahlreiches desorientiertes Publikum verzweifelt nach den richtigen Sitzen. Und so musste auch ich zu den Klängen von Why Aye Man – das war bereits der zweite Song – mit irgendwelchen Leuten darüber diskutieren, wer auf diesem Platz sitzen darf. So etwas nervt!

Ich saß schräg neben der Bühne in ca. 10 m Abstand vom Bühnenrand – das ist für eine Halle mit 100 m Länge nicht viel. Trotzdem hatte ich das Gefühl zu weit vom Geschehen entfernt zu sein, und der Blick auf das unruhige Publikum, in dem ständig irgendwelche Leute hin- und herliefen, sorgte für weitere Ablenkung. Auf eine Videoleinwand, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und mehr Nähe zu den Akteuren auf der Bühne hätte vermitteln können, war leider verzichtet worden.

Obwohl ich praktisch schräg unter riesigen Lautsprecherboxen saß, hatte ich von Anfang an das Gefühl der Sound ist zu leise, und ich gehöre wirklich nicht zu denen, die sich beim Musikgenuss gerne eine Gehirnerschütterung holen. Mark Knopfler spielte zahlreiche ruhigere, langsame (ich möchte fast sagen „langweilige“) Titel, die ich nicht kannte, vermutlich von seinem letzten Album, und bei manchen der akustischen Intrumentalpassagen musste ich schon die Ohren spitzen um noch etwas mitzubekommen. Wenn nur Einer der um die 10.000 Zuschauer meinte, er muss jetzt pfeifen oder kreischen, dann war das teilweise lauter als die Musik.

Das heißt nicht, dass es nicht auch rockige Passagen mit sattem Sound gegeben hätte, wie etwa bei Sultans Of Swing, einem Highlight des Abends. Aber wenn Mr. Knopfler so richtig in die Saiten seiner Stratocaster griff, dann klang der Ton für meine Begriffe wieder zu schrill. Der weiche, singende Klang seiner Gitarre, den ich so liebe, kam an meinem Sitzplatz jedenfalls nicht wirklich so an.

Und so kam es, dass ich es kaum glauben konnte, als Herr Knopfler nach Telegraph Road die Bühne verließ – war der Auftritt etwa schon zu Ende? Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass bereits mehr als anderthalb Stunden vergangen waren, ich hatte das Gefühl das Konzert hat noch garnicht richtig begonnen – jedenfalls war noch keine entsprechende Stimmung bei mir aufgekommen. Meine Lieblingsstücke aus alten Zeiten – Tunnel Of Love, Once Upon A Time In The West, Ride Across The River, Water Of Love (um nur ein paar zu nennen) – hatte ich nicht zu hören bekommen, auch Walk Of Life und Money For Nothing waren nicht erklungen.

Die Zugaben konnten den insgesamt enttäuschenden Gesamteindruck ein wenig mildern. Inzwischen war das Publikum zum Bühnenrand geströmt, unten im Saal stand nun alles, und zu den Klängen von Brothers In Arms schien die steril wirkende Stahlträger-Halle doch noch lebendig zu werden. Die Jungs auf der Bühne ließen sich auch nicht lumpen, hängten an die ersten zwei Zugaben auf Publikumswunsch noch zwei weitere dran und spielten gutgelaunt und flott noch einmal über 20 Minuten. Hätten sie nur mal schon eine Stunde früher damit begonnen…

Fazit: Mark Knopfler und seine Band bekommen trotz der für meinen Geschmack nicht sehr geglückten Songauswahl noch ein „gut“, für Halle, Organisation, Technik und Sound gibt’s „mangelhaft“. Ich werde versuchen diese Location in Zukunft zu meiden.

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Hierzu schrieb Lockwood am 18.06.2008:

Meine lieben Freunde der Vielfalt,
zunächst vielen Dank an Kretakatze für ihre Favoritenliste !

Diese Liste kommt sehr rockig daher; das ist nicht unbedingt das, was ich vom schönen Geschlecht erwartet hätte.

Cat Stevens und Al Stewart hier zu finden stellt keine Überraschung dar. Wohl aber Namen wie Uriah Heep, Deep Purple und Led Zeppelin. Über Kretakatzes Faible für CCR und Jethro Tull war ich bereits informiert.

Ganz im Ernst: Bisher war ich der Meinung, dass sich die Fans der Rockbands vorwiegend aus Männern rekrutieren.

Ich habe heute dazu gelernt; anscheinend denke ich zu sehr in Schubladen.
Also, liebe Kretakatze, noch einmal vielen Dank für die Liste !

Rock on !
Lockwood

Tostedt ist bunt – 2008

Es hat etwas gedauert, bis nach 2002 jetzt endlich das 3. Bürgerfest in Tostedt stattfindet. Anlass ist das 10-jährige Bestehen des Forums für Zivilcourage, einem unabhängigen Gremium, in dem sich Bürgerinnen und Bürger aus Tostedt und Umgebung versammeln, um sich für Zivilcourage, Demokratie und Toleranz einzusetzen. Das Bürgerfest steht wieder unter dem Motto: Tostedt ist bunt.

Tostedt ist bunt - 2008

Auftakt des Bürgerfestes ist eine Veranstaltung am Freitag, den 27.06.2008, in der Vielharmonie Tostedt, Am Sande, ab 19 Uhr. Das eigentliche Bürgerfest findet am Samstag, den 28.06.2008 rund um den Ortskern „Am Sande“ statt – Beginn: 14 Uhr – Ende zwischen 22 und 23 Uhr. Im Mittelpunkt steht ein internationales Büfett mit Spezialitäten aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt. Immerhin sind in Tostedt über 90 Nationalitäten vertreten.

Weitere Informationen zum Bürgerfest entnehmen Sie bitte dem anliegenden Begleitprogramm des Bürgerfestes: „Tostedt ist bunt“

Hier einige Fotos vom letzten Bürgerfest vom 24. August 2002

Högschde Disziplin?

Nach dem grottenschlechten Spiel gegen Kroatien gelobte der Bundestrainer Besserung. Nun schlechter ging nicht mehr, aber viel besser war es dann auch nicht: Deutschland gewann durch ein Freistoßtor von Ballack mit Hängen und Würgen 1:0 gegen den Gastgeber Österreich und zieht damit ins Viertelfinale gegen Portugal ein. Wie gut, dass die Österreicher im Abschluss vor dem Tor nicht nur während der ersten Spiele, sondern auch in der Partie gestern ohne Wirkung blieben und der Schiedsrichter in einer umstrittenen Situation Österreich keinen Strafstoß gab. So kann das Spiel als Arbeitssieg abgehakt werden.

Wurden die Prinzipien, die der Bundestrainer Joachim Löw ausgegeben hat, im ersten Spiel gegen Polen noch halbwegs beherzigt, so war in den Spielen gegen die Kroaten und auch gegen Österreich wenig von Agieren statt reagieren, Tempo machen und Eigeninitiative zu sehen. Selbst der Teamgeist lag brach. Nichts von „högschder Disziplin“. Sollte die Mannschaft irgendwie nicht gegriffen haben, was Herrn Löw da vorschwebte? Haben die Spieler Herrn Löw überhaupt „verstanden“ (bekanntlich kann man auch im Landkreis Lörrach alles außer hochdeutsch)?

Neben dem Freistoßtor war der eigentliche Höhepunkt die Strafversetzung der beiden Trainer (Löw und Hickersberger, Teamchef der Österreicher) von der Trainerbank auf die Tribüne, nachdem sich die beiden Herren fast in den Haaren gelegen hatten. So konnte Herr Löw mit unserer Bundeskanzlerin, Frau Merkel, einen kleinen Plausch halten, den diese bereits zuvor mit Schweini (Bastian Schweinsteiger, ihrem Lieblingsspieler) halten durfte. Die Kanzlerin war mit großen Tross angereist (5 , 6 Minister im Gepäck), u.a. auch die „Stones“ (Steinbrück und Steinmeier), von denen sich besonders Herrn Steinmeier unendlich gelangweilt haben muss (mit müden Augen blätterte er im Regelwerk des Fußballs):

Steinmeier zu Merkel: „Wenn ich das richtig verstanden habe, dann war das eben ein Abseits, Angie!“ – Merkel: „Mann, Frank-Walter, jetzt ist doch Halbzeitpause, wo soll da ein Abseits sein?“ – Steinmeier: „Ich meine ja nur theoretisch! Und warum bekommt nicht jeder Spieler einen Ball, davon steht hier nichts drin, dass die nur einen Ball haben!“ – Merkel: „Frank-Walter, jetzt reicht ’s! Lies das etwas genauer durch …Und lass mich in Ruhe mit Deinen sozialdemokratischen Spitzfindigkeiten!“

Angie trägt oranje
Übrigens Frau Merkel: Ihr oranjes Jäckchen steht ihnen wirklich ausgezeichnet. Sollten Sie etwa den Niederländern ob ihres schönen Spiels geneigt sein?

Kleiner Nachtrag: Fußball-Österreichisch für Deutsche:

Fußball: Bemmerl
Fußball spielen: ballestern
Tor – Goal
Elfmeter: Öfa
Eckball: Korner
Eine hohe Niederlage erleiden: an Schraufn kriang (eine Schraube kriegen)
Kopfball: Köpfler
Strafstoß: Penalty
Torwart: Goalmann
Ein Tor infolge eines unglücklichen Torwartfehlers: Steirertor
Abziehen: anreißen
„Wembley-Tor“: Lattenpendler
Schiri-Assi: Out-Wachler
Fußballschuhe: Bakla
Spannendes Spiel: Wödpartie

Fußballersprüche

Ja, wenn unsere Herren Profifußballer (und Trainer) den Mund aufmachen, dann kommt schon merkwürdig krauses Zeug heraus. Dabei sind nicht alle eigentlich Döspaddel, wie man hier in Norddeutschland sagt. Von den im EM-Aufgebot stehenden Spielern haben viele Abitur (Metzelder sogar mit einem Notendurchschnitt von 1,8) oder mindestens mittlere Reife (sogar Frings, Schweinsteiger und Podolski), nur Miroslav Klose hat lediglich einen Hauptschulabschluss, dafür aber eine abgeschlossene Zimmermannsausbildung (mit der Note sehr gut).

Natürlich können jedem Versprecher unterlaufen, aber wer schon so mit vor Stolz geschwollener Brust meint, auch noch geschwollen reden zu müssen, muss sich solche verbalen Ausrutscher immer wieder aufs Brot schmieren lassen. Übrigens: auf Sprüche von Herrn Thomas Doll, zz. arbeitsloser Fußballtrainer, habe ich hier verzichtet. Denn meist redet er in einem solchen Wortschwall und hochtrabend-unsinnig, sodass jeder Normalmensch spätestens nach 5 Minuten die Ohrläppchen hochklappt. Und auch von Herrn Andreas Möller habe ich nur einen Spruch ausgraben können; alles andere von ihm Gesagte ist fast immer in Tränen aufgelöst unverständlich geblieben.

Besonders schön sind Sprüche mit Drehern, d.h. „geflügelte Worte“ bzw. Zitate, in denen Begriffe verdreht wurden:

Wie so oft, liegt auch hier die Mitte in der Wahrheit. (Rudi Völler)
Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken. (Lothar Matthäus)

Die nackte Wahrheit: Pele & Beckenbauer
Die nackte Wahrheit

Schwer tun sich die Jungs auch dann, wenn Fremdwörter ins Spiel kommen:
Ich habe ihn nur ganz leicht retuschiert. (Olaf Thon)
Wir können sowas nicht trainieren, sondern nur üben. (Michael Ballack)

Auch bei den geografischen Kenntnissen hapert es leider oft, obwohl die Herren Fußballer doch eigentlich weit in der Weltgeschichte herumkommen:

Ich fliege irgendwo in den Süden. Vielleicht nach Kanada oder so. (Mehmet Scholl)
Mailand oder Madrid? Hauptsache Italien! (Andreas Möller)
Die Schweden sind keine Holländer – das hat man ganz genau gesehen. (Franz Beckenbauer)

Ansonsten ist Fußball nicht nur die schönste Nebensache der Welt, sondern auch die einfachste, oder? Poldi: Fußball ist einfach: Rein das Ding – und ab nach Hause (Lukas Podolski).

Spitzfindig wird es bei Vogts: Die Breite an der Spitze ist dichter geworden (Berti Vogts). Und selbst der frühere Fußballbundestrainer wusste: Fußball ist deshalb spannend, weil niemand weiß, wie das Spiel ausgeht (Sepp Herberger).

Was Herr Kahn nur meint, wenn er sagt: Wir brauchen Eier! (Oliver Kahn). Ansonsten hat er den vollen Durchblick: Es ist eigentlich wie es immer im Leben ist, die Vergangenheit ist vorbei (Oliver Kahn). Und wer Eier braucht, der ist auch hart gegen sich selbst: Bei einer Weltmeisterschaft gibt es keine Schmerzen (Oliver Kahn). Immerhin: Die Fans müssen wissen, dass ich kein Clown bin (Oliver Kahn) und: Es ist schon verrückt, was der Fußball aus mir macht (Oliver Kahn).

Bei der Berufswahl tat sich der Loddar etwas schwer, nachdem er die eigenen Fußballstiefel an den Nägel hängte: Schiedsrichter kommt für mich nicht in Frage, schon eher etwas, was mit Fußball zu tun hat (Lothar Matthäus).

Hier noch weitere schöne Sprüche: Ich habe mehr Körper als alle anderen. Nur den habe ich eingesetzt (Karsten Jancker) – Was meine Frisur betrifft, da bin ich Realist (Rudi Völler) – In der Schule gab es für mich Höhen und Tiefen. Die Höhen war der Fußball (Olaf Thon) – Ich habe in einem Jahr sechzehn Monate durchgespielt (Franz Beckenbauer) – Wir haben alle Möglichkeiten das Achtelfinale nicht zu erreichen (Franz Beckenbauer) – Dann kam das Elfmeterschiessen. Wir hatten alle die Hosen voll, aber bei mir lief `s ganz flüssig (Paul Breitner).

Frau Vogts möchte ich übrigens nicht sein, denn: Hass gehört nicht ins Stadion. Solche Gefühle sollte man mit seiner Frau im Wohnzimmer ausleben (Berti Vogts).

Nun, gut! Es soll nicht übertrieben werden, daher zum Schluss der gute Andie: Ich sage nur ein Wort: Vielen Dank! (Andreas Brehme) – Bitte, Herr Brehme!

Warum ist eigentlich ETWAS und warum ist nicht NICHTS?

Hallo Wilfried, Hallo Lockwood,
und Hallo an Alle, die es sonst noch interessiert,

auf besonderen Wunsch von Lockwood werde ich mich heute bemühen Euch die bisher noch unveröffentlichten philosphischen Theorien einer gewissen Kretakatze näherzubringen. Sie wurden von ihr an einem schönen Sonntagmorgen des Jahres 1971 während eines Aufenthaltes in der Badewanne entwickelt und beschäftigen sich mit dem Thema „Was ist der Sinn des Lebens?“.

Am Anfang zahlreicher philosophischer Betrachtungen steht die Frage: „Warum ist eigentlich ETWAS und warum ist nicht NICHTS?“. Diese Frage ist sinnlos, denn es ist eine Tatsache, dass ETWAS ist, und ich würde davon ausgehen, dass dies unvermeidlich ist. Die Existenz von ETWAS hat unter anderem zur Folge, dass es einen Sinn geben kann. Nur wenn NICHTS ist, gibt es mit Sicherheit auch keinen Sinn. Soweit zum grundlegenden Ausgangspunkt der folgenden Überlegungen.

Dieses ETWAS besteht nach unserem heutigen Kenntnisstand aus Energie und Materie, die nach der allgemein bekannten Formel e = m . c² ineinander überführt werden können. Dazu benötigt man allerdings noch eine dritte Komponente, die Zeit. Zeit ermöglicht Veränderung. Es gibt Vermutungen, nach denen es auch noch etwas geben könnte, das „Gott“ genannt wird, und das denkt, plant und steuert, oder zumindest beeinflusst, jenseits der rein physikalischen Gesetzmäßigkeiten von Materie, Energie und Zeit. Für derartige Theorien gibt es allerdings keinerlei Beweise.

Trotzdem kann die Existenz von „Gott“ nicht ausgeschlossen werden. Sollte es sich bei „Gott“ um etwas handeln, das überall zu aller Zeit in gleicher Form und Intensität existiert, dann ist es nicht wahrnehmbar und nicht messbar, denn jede Art von Wahrnehmung beruht auf dem Erkennen von Unterschieden. Darüber hinaus gibt es Indizien, die auf eine Existenz von „Gott“ hindeuten. Immer wieder gibt es Ereignisse bzw. Folgen von Ereignissen, die nicht auf reinem Zufall zu beruhen scheinen, manches wirkt „geplant“ oder „koordiniert“. Letztendlich ist die Existenz von „Gott“ aber eine reine Glaubensfrage. Für die Beantwortung der Frage nach dem Sinn des Lebens ist die Klärung der Frage nach der Existenz Gottes auch nicht unbedingt erforderlich.

Kommen wir zurück zum real existierenden ETWAS (ggf. einschließlich Gott). Wie wir täglich erleben, ist es voller Fehler, Mängel und Schwächen – es ist im Ungleichgewicht. Jedes Ungleichgewicht hat ein natürliches Bestreben, sich ins Gleichgewicht zu bringen. Im Verlauf dieser Entwicklung, auch Evolution genannt, entstand eine selbstgesteuerte Funktionseinheit aus Materie und Energie, die man mit Leben bezeichnet. Leben ermöglicht die mehr oder minder zielgerichtete Veränderung von ETWAS, denn es ist (zumindest in seinen höheren Entwicklungsformen) ausgestattet mit Bewußtsein, Erinnerungsvermögen und Willen. Das sind die Voraussetzungen für zielorientiertes Entscheiden und Handeln, und genau diese Eigenschaften muss „Gott“ auch haben, falls ES existiert. Das legt die Vermutung nahe, dass Leben nicht nur aus Materie und Energie sondern zusätzlich aus Gott besteht. Und alles, aus dem es besteht, das kann es verändern und von dem kann es auch verändert werden.

Damit kommen wir jetzt allmählich zum Sinn. Der besteht darin, das Gleichgewicht von ETWAS herzustellen, oder anders ausgedrückt, sich selbst und die Welt zu verbessern und der Vollkommenheit näher zu bringen. Sollte diese Vollkommenheit eines Tages tatsächlich erreicht werden, dann wird alles Leben schlagartig überflüssig, denn Leben heißt Veränderung, und jede Veränderung könnte dann nur wieder eine Verschlechterung darstellen. Aber ich denke, meine lieben Freunde, dass wir uns keine Sorgen zu machen brauchen, dass dieses Ereignis zu unseren Lebzeiten noch eintritt.

Nun muss ich zugeben, dass diese Sinndeutung etwas dürftig ist, wenn man davon ausgeht, dass „Gott“ nicht existiert. Materie und Energie würden im Laufe der Zeit vermutlich auch allein aufgrund physikalischer Gesetzmäßigkeiten in einen stabilen, unveränderlichen, wertneutralen Gleichgewichtszustand verfallen. Das einzige wirklich schrecklich Unvollkommene auf dieser Welt ist Gott, und Leben ist der einzige Weg, auf dem man Gott verändern kann.

Tja, so sehe ich das, es ist unser Job Gott zu verbessern, wobei man das auch schon erreicht, indem man sich selbst verbessert. Aber allein das erscheint mir schon fast unmöglich. Und damit will ich nicht sagen, dass es an mir nichts zu verbessern gäbe…

Nun hoffe ich, ich habe Euch nicht zu sehr ins Grübeln gebracht.

Sinnreiche Grüße
Kretakatze

PS.: Meine heutigen Ausführungen waren hochgeistig und tiefschürfend und wurden von keinem einzigen Video illustriert. Das kann ich so nicht stehen lassen. Deshalb gibt es hier im Nachtrag – passend zum Thema und völlig kommentarlos – doch noch ein wenig Musik: Tell Me Why.

11.06.2008

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Hallo alle zusammen,

Kretakatze ist bekanntlich immer für eine Überraschung gut. Ihre philosophischen Theorien zeugen von einer Einfachheit, die geradezu genial sind. Zudem bezieht sie ein heute allgemein gültiges Weltbild mit ein. Hut ab, Kretakatze!

Natürlich tun sich beim Lesen Fragen auf und der (logische) Schluss, dass es unser Job wäre, „Gott zu verbessern“, weil Gott „das einzige wirklich schrecklich Unvollkommene auf dieser Welt ist“, klingt zunächst äußerst anmaßend. Aber gegen diese Argumentation muss man erst etwas Besseres finden. Also ich muss das erst einmal ruhig auf mich wirken lassen, was Kretakatze da geschrieben hat.

Hier nur einige erste Eindrücke von mir: Im Stile von Siegmund Freud (ES, ICH und ÜBERICH) gelingt es Kretakatze, komplexe Gefüge auf wenige Begriffe zu reduzieren (das ETWAS und in einer Neudefinition Gott als das ES). Das ETWAS bedarf natürlich einer genauen Beschreibung, soweit das überhaupt möglich ist: Ist ETWAS nur etwas mehr als NICHTS oder ist ETWAS ALLES?

Warum ist eigentlich ETWAS und warum ist nicht NICHTS?

Du mutmaßt, „dass Leben nicht nur aus Materie und Energie sondern zusätzlich aus Gott besteht“ (wenn es denn Gott gibt). Die Zeit sollte nicht vergessen werden. Es gibt bekanntlich Materie und Energie außerhalb des Lebens (ich denke da an den berühmten Stein, der allen Philosophen irgendwann einmal auf den Fuß gefallen sein muss). Wie sieht es mit Gott aus? Besteht er als Teil des Lebens oder besteht er auch außerhalb dessen (so wie Materie und Energie außerdem des Lebens bestehen können, z.B. als Stein)? Vermutlich ja …Aus den Aussagen von Kretakatze schließe ich, dass Gott etwas anderes ist als Materie und Energie (und Zeit). Allerdings hat Gott Eigenschaft, die auch beim Leben zu finden sind (Bewusstsein, Erinnerungsvermögen und Willen). Hat evtl. das Leben diese Eigenschaften, weil Gott ein Teil des Lebens ist (und damit die Eigenschaften göttlich sind), oder hat das Leben diese Eigenschaften auch ohne Gott?

Zuletzt noch eine Frage: Wenn wir es geschafft haben, Gott zu optimieren, also das ETWAS einschließlich ES (Gott) ins völlige Gleichgewicht zu bringen, würde dann an diesem „Tag der Vollkommenheit“ nicht nur das Leben, sondern auch ES überflüssig werden? Und was wäre dann am Tag darauf: NICHTS?

Ich sehe, das wird so langsam ein Philosophie-Blog (Anderson ade?!). Aber das hat ja auch ETWAS, oder?

Ich bin gespannt, was Lockwood zu Kretakatzes Theorien eingefallen ist.

Bis später
Wilfried

12.06.2008

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Liebe Freunde der Philosophie,

wenn drei Köpfe wie wir uns daran machen, den Sinn des Lebens zu entschlüsseln, dann steht er kurz vor seiner Entdeckung. Soviel ist mir bei Euren ersten Schreiben zu diesem Thema schon klar geworden.

Wenn ich Kretakatze richtig verstanden habe, ist das Leben deshalb erschaffen worden (hier wird ein Schöpferwesen vorausgesetzt !), um die Schöpfung zu vervollkommnen. Das leuchtet mir aber nicht ein, denn warum hat Gott (bleiben wir der Einfachheit halber bei dieser Bezeichnung für das Schöpferwesen) die Schöpfung nicht direkt perfekt erschaffen ? Wieso braucht er dazu solch primitive Handlanger wie Viren oder Menschen ? Auch habe ich ein Problem mit der Kausalitätenkette: Gott schafft eine suboptimale Schöpfung. Warum suboptimal ? Konnte er es nicht besser ? Ist ein solcher Gott jetzt in der Lage, etwas zu erschaffen, das diese unvollkommene Schöpfung optimiert ? Die Frage nach Gottes Allmacht hat schon Einstein beschäftigt. Spitzbübig, wie er war, formulierte er folgende Frage: „Kann Gott einen Stein erschaffen, der so schwer ist, dass er ihn selber nicht heben kann ?“ Die Antwort darauf bringt den Christenmenschen ins Schwitzen; kann er einen solchen Stein erschaffen, so kann er ihn nicht heben. Kann er ihn nicht erschaffen, ist er deshalb nicht allmächtig.

Ich freue mich aufrichtig für Kretakatze, dass sie den Sinn des Daseins für sich gefunden hat. Das ist eine sehr wertvolle Erfahrung. Leider kann ich mir ihre Antwort nicht zu eigen machen. Meine Problemstellung ist eine Stufe höher angesiedelt: Warum gibt es überhaupt eine Schöpfung ? Wer hat etwas von unserem Planeten, unserer Galaxie, unserer Milchstraße ? Wer gibt sich eine solche Mühe damit und warum ? Solange mir diese Frage nicht beantwortet wird, erschließt sich mir der Sinn des Lebens nicht.

Sollte der gesamte Kosmos durch puren „Zufall“ entstanden sein (eine Theorie, die u.a. von hochintelligenten Menschen vertreten wird), macht das einen Lebenssinn sehr unwahrscheinlich. Leben und die ganze Evolution als Zufallsprodukt, damit können wir uns die ganzen Vorstellungen vom Jenseits abschminken.

Die entgegengesetzte Theorie – die Vorstellung von einem Schöpferwesen – wird nicht minder von hochintelligenten Menschen unterstützt. Und das nicht nur von Gläubigen oder dem Klerus. Es sind die Physiker, die erkannt haben, dass das herrschende Gleichgewicht im Universum eine derart komplexe und sensible Angelegenheit ist, dass es unmöglich auf Zufällen basieren kann. Hier sei eindeutig ein „intelligent Designer“ am Werk gewesen.

Ob ihr Recht habt oder nicht, das sagt euch jetzt das Licht. Schön wär’s. Möglicherweise wird die Menschheit nicht lange genug existieren, um diese Frage zu beantworten.

Ich halte es mit den Agnostikern: Weder die Existenz noch die Nichtexistenz Gottes sind zu beweisen.

Vielleicht mache ich einen Denkfehler, aber der Sinn des Lebens ist für mich untrennbar mit einer göttlichen Existenz verbunden. Ohne die Aussicht auf einen höheren Plan und ein jenseitiges Dasein ist das irdische Leben für mich nur ein Gärungsprozess zwischen Geburt und Tod.

Ich erwarte von niemandem, dass er das Unmögliche möglich macht und eine göttliche Existenz oder Nichtexistenz beweist. Aber ich bin dankbar für Hinweise in die eine oder andere Richtung. Welche Hinweise habt Ihr gefunden ?

Die Beantwortung dieser wohl schwersten aller Fragen bietet (so sie denn möglich wäre) lediglich eine Teillösung. Hätten wir Gottes Existenz bewiesen, wüssten wir immer noch nicht, warum er seine Geschöpfe in dieses Jammertal setzt. Anders als in der christlichen Lehrmeinung ist es in meinen Augen kein Zeichen von großer Liebe, wenn der Schöpfer seine Geschöpfe Krankheiten, Schmerz, Krieg und allen erdenklichen Formen von Leid aussetzt.

Eines machen diese Zeilen ganz deutlich: Den Philosophen und Wissenschaftlern wird nicht so bald der Stoff ausgehen.

Gott mit Euch
Lockwood

12.06.2008

Kumpelschaften (Noddy & Ian)

Liebe Freunde,

zum Thema Musiker muss ich noch einen Gedanken loswerden, sonst wären meine bisherigen Ausführungen nicht komplett.

Das Schwergewicht unserer Betrachtungen der letzten Monate und Jahre lag eindeutig bei Mr. Ian Anderson und seinem Schaffen. Und das völlig zu Recht; was seine Kompositionen, seine Bühnenshows betrifft, ist er für mich einfach der Größte. Von allen Musikern, die ich in den letzten 30 Jahren wahrgenommen habe, ist er der Beste. Punkt.

Der Beste. Aber nicht der Sympathischste. Er ist zwar kein unsympathischer Mensch, aber ein König der Herzen ist er für mich nie gewesen. Dazu wirkt er oft zu unnahbar, blasiert und arrogant. Innerhalb des Rock-Circus ist er etwas Besseres und dafür hält er sich auch. Mr. Anderson ist kein Kumpeltyp.

Es gibt Kumpeltypen in der Rockwelt. Oder zumindest solche, die dieses Image pflegen. Die Rede ist von Noddy Holder von Slade, wir kennen ihn alle. Ich will an dieser Stelle gar nicht auf sein musikalisches Wirken eingehen, so viel Aufwand möchte ich im Moment nicht betreiben. Die Musik von Slade ist für mich okay, manche Songs sind nett, es sind einige Ohrwürmer dabei.

Mehr möchte ich dazu im Moment nicht sagen.

In diesen Zeilen soll nur die Rede davon sein, wie Mr. Holder auf mich wirkt. Nämlich bodenständig, handfest, britisch, kameradschaftlich, ein Typ zum Pferdestehlen. Lt. Wikipedia ist Slade nach den Beatles die erfolgreichste englische Band. Trotzdem habe ich von Frontmann Holder nie irgendwelche beifallheischende oder selbstgefällige Kommentare gehört. Die Mannen von Slade wurden nie müde, auf ihre Herkunft aus der Arbeiterklasse und aus einer Malocherstadt hinzuweisen. Während andere Größen der Rockmusik in ihren Texten ihre Bildung und literarische Brillanz unterstreichen, bringen Slade in ihren Titeln oft ihren heimatlichen Dialekt ins Spiel („Coz I Luv You“). Dieses Selbstverständnis manifestierte sich auch – von einigen Auswüchsen während des Glitter-Rocks abgesehen – im Bühnenoutfit des Mr. Holder. Und damit wirkt er absolut glaubwürdig: Niemand trägt die Hosenträger mit soviel Stolz wie er, bei niemand anderem scheint die Ballonmütze derart mit dem Schädel verwachsen wie bei ihm. Und seit den 70er Jahren trägt Mr. Holder seine Haare, wie man es von einem Engländer erwartet: rotblonde Mähne, gigantische Koteletten. Als stolzer Brite, der er ist, gehörte auch ein Outfit aus der Dickens-Aera zu seinem Fundus. Nie sah ich jemanden, der einen Zylinder mit mehr Würde tragen kann als Mr. Holder (na ja, vielleicht Abraham Lincoln, aber der spielt hier nicht mit).

Noddy Holder ist nicht unbedingt das, was ich einen schönen Mann nennen würde. Sein Gesicht, seine Augen liegen irgendwo zwischen Michael Caine und Marty Feldman. Aber stets strahlt dieses Gesicht Offenheit und Freude aus. Ich habe mir etliche Sladevideos auf youtube angesehen; es ist kaum eines dabei, wo Mr. Holder nicht lächelt.

Er ist der Kumpeltyp, der dem Rockbusiness etwas von seiner Verbissenheit genommen hat. Ich kann mir nicht helfen, ich mag ihn.

So, das musste gesagt werden.

Gehabt Euch wohl und auf bald
Lockwood

07.06.2008

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Hi Ihr Lieben,

Lockwood hat uns mit Noddy Holder beglückt. Ich muss gestehen, dass ich Slade zwar aus alten TV-Sendungen her kenne, aber musikalisch nicht allzu berauschend fand. Darum geht es Lockwood ja auch nicht. Es geht um das Kumpelhafte, das typisch Britische des Mannes, der sich als musikalischer Vertreter der Arbeiterklasse ausweist. Zum ziemlich stark ausgeprägten Klassenbewusstsein der Briten haben wir uns ja bereits an anderen Stellen unterhalten. Die Arbeiterklasse (lower class) findet in Noddy Holder gewissermaßen ein Aushängeschild: optisch durch seine Kleidung, sprachlich durch seinen Akzent und auch musikalisch. Irgendwie erinnere ich mich auch an Reggae-Einflüsse der Musik von Slade (und eine Zeitlang kleideten sich die Slade-Mannen ja als Skinheads).

Ich stimme Lockwood zu: Mr. Holder wirkt sehr sympathisch und ist es mit Sicherheit auch. Ein Typ mit dem man durchaus einmal ein Bierchen zusammen trinken gehen könnte. Und da ich mich dieser Tage durchaus auch über Fußball unterhalte, hätten wir ein für einen Engländer wohl weniger erfreuliches Thema, da England sich ja nicht für die EM 2008 qualifiziert hat.

Wenn ich das richtig sehe, so waren Slade in den USA nicht allzu erfolgreich. In Deutschland allerdings kannte man sie damals ganz gut. Vielleicht, weil viele Deutsche ein Faible für alles Britische haben. So ist ja auch Jethro Tull mit Herrn Anderson gerade in Deutschland immer sehr beliebt gewesen.

Nun Herrn Anderson haben wir tiefenpsychologisch bereits in seine Einzelteile zerlegt. Ein Freund (oder Arbeitskollege oder beides) meines Bruders hat in frühen Jahren während einer Deutschland-Tournee für Jethro Tull als Roadie gearbeitet. Dieser bezeichnete Herrn Anderson als arroganten „Kotzbrocken“. Muss also schon etwas dran sein, wenn viele den Flötenkobold nicht allzu sehr mögen.

Nun kann man das sehen wie man will. Sicherlich ist Ian Anderson kein kumpelhafter Typ. Aber er hat wenigstens keinen Hehl daraus gemacht, eine Abneigung dagegen zu haben, sich von jedem die Schulter klopfen zu lassen. Ich bin auch eher unnahbar. Bin ich deshalb arrogant? Kommt eben auf die Sichtweite drauf an.

So wie ich mir vorstellen könnte, mit Mr. Holder ein Bier zu trinken, könnte es auch sein, mit Mr. Anderson etwas Frischgezapftes zu mir zu nehmen. Über Fußball würden wir uns aber sicherlich nicht unterhalten wollen.

Man hört (bzw. liest) weiterhin voneinander.

Viele Grüße und bis bald
Euer Wilfried

12.06.2008

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Seid gegrüßt, Kretakatze und Wilfried,

nachdem ich Wilfrieds Antwort auf mein Empfehlungsschreiben für Mr. Holder gelesen hatte, war ich darüber erfreut, dass er mit mir einer Meinung ist.

Wirklich ein netter Kerl, dieser Noddy.

Aber in meine Freude mischte sich bald ein Wermutstropfen. Es tat sich nämlich eine Frage auf: Warum ist uns Mr. Holder sympathisch ? Wegen seiner plakativen Herkunft aus der Arbeiterklasse ? Seinem Akzent ? Seinem kumpelhaften Auftreten ? Diese Attribute treffen auch alle auf Wolfgang Petry zu. Und der ist mir überhaupt nicht sympathisch. Freiwillige Hausaufgabe: Was unterscheidet Noddy Holder von Wolfgang Petry ?

Ist doch klasse, wenn man die eigenen Ansichten in Frage stellt. Das bringt uns menschlich rasant weiter.

Tschüss
Lockwood

12.06.2008

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Hallo Leute,

über Herrn Holder muss ich mich noch erkundigen, um mir eine Meinung bilden zu können. Im Übrigen stimme ich mit Lockwood absolut überein: der Petry ist furchtbar. Musikalisch grauenvoll, und vom Charakter her kann ich ihn auch nicht leiden. Die längst verfärbten und zerrupften Armbänder die er Jahrzehnte lang trägt… Pfui! Das sieht aus, als würde er nicht gerne unter die Dusche stehen.

Viele Grüsse!
Alex

13.06.2008

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Meine lieben Freunde,

wieviele Mails verschickt Ihr eigentlich so am Tag? Heute sind 7 Stück bei mir eingetrudelt, da komme ich doch nicht mehr mit!

Jetzt nur kurz zu Noddy Holder von Slade, den uns Lockwood vorgestellt hatte. Ich muss zugeben, dass ich Slade im Laufe der Jahrzehnte völlig verdrängt hatte, mir war kein Name und kein Gesicht mehr in Erinnerung. Titel wie „Mama, Weer All Crazy Now“ und „Coz I Luv You“ kamen mir allerdings durchaus noch bekannt vor.

Tatsächlich hat mich Mr. Holder vom Äußeren her sofort an Mr. Anderson erinnert, für mich besteht da eine frappierende Ähnlichkeit. Unbelastet von jeglicher weitergehenden Kenntnis seiner Person habe ich ihn wohl auch deshalb intuitiv in die gleiche Sympathie-Klasse eingeordnet. Mr. Anderson ist mir ja auch nicht unsympathisch. In seinen jungen Jahren so ungefähr bis Mitte der 80er ist mir seine – wenn auch immer unterschwellig vorhandene – Arroganz nie negativ aufgefallen. Die eine oder andere leicht größenwahnsinnige Äußerung seinerseits aus dieser Zeit kann man problemlos in die Rubrik „jugendlicher Überschwang“ einordnen. Und ein strahlendes Lächeln hatte er bei seinen Auftritten auch immer auf den Lippen. Zu Wolfgang Petry kann ich dagegen nichts sagen, ich kenne ihn nur dem Namen nach.

Eine Bemerkung möchte ich aber doch noch loswerden zu Lockwood’s Ausdruck von der „erfolgreichsten Band“. Wie wird eigentlich Erfolg gemessen, um ihn vergleichbar zu machen? Wie rechnet man verkaufte Singles und Alben, Chartplatzierungen in den verschiedensten Ländern, verkaufte Konzert-Tickets, Anzahl Fernseh- und Filmauftritte, gewonnene Preise oder Titel etc. gegeneinander auf, um einen „Erfolgsindex“ zu ermitteln? Was genau ist überhaupt Erfolg? Ich denke ein derart schwammiger Titel – vermutlich von einem Fan erfunden – hat keinerlei Aussagekraft.

Soviel für heute – zu den anderen 6 Mails dann ein andermal…

Liebe Grüße
Kretakatze

13.06.2008

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Hallo erstmal,

die Hitliste, auf deren 2. Stelle Slade zu finden ist, basiert wohl auf Chartplatzierungen, also auf Verkaufszahlen.

Wenn eine Band das Ziel hat, ein möglichst großes Publikum anzusprechen (welche Band hat das nicht ?), so eignen sich die Verkaufszahlen in meinen Augen doch als Erfolgs-Indikator. Aber, liebe Kretakatze, hier gebe ich Dir Recht, so 100% korrekt ist diese Maßeinheit für Erfolg nicht.
Warum z.B. haben die Beatles mehr Platten verkauft als Slade ? War ihre Musik besser ? War ihr Publikum zahlungskräftiger ?

Keine Ahnung.

Wann ist Musik „gut“ ? Wenn sie vom Zuhörer als „gut“ empfunden wird.

Wenn viele Zuhörer eine bestimmte Musik als „gut“ empfinden und in den Plattenläden entsprechend nachfragen, ist diese Musik dann besser als andere ?

Falls dem so wäre, würde das bedeuten, dass Michael Jackson und Diedä Bohlen bedeutende zeitgenössische Musiker sind.

Und mit dieser Aussage habe ich ein Problem.

Neben unseren philosophischen Baustellen ergibt sich hier eine zusätzliche Fragestellung: Wann ist Musik „gut“ ?

In freudiger Erwartung Eurer Antworten grüßt Euch
Lockwood

13.06.2008

You need Zugzwang

You cannot write about world affairs without a Weltanschauung; you cannot practice literary criticism without an understanding of Zeitgeist; you cannot nibble your nails properly without Angst, and you cannot report on turmoil anywhere without Sturm und Drang.

Zeitgeist

Let us suppose you already have a world view (Weltanschauung), dig the spirit of the age (Zeitgeist), are suffering anguish to the point of depression (Angst), and can thus clearsightedly observe the storm and stress of a thundering confusion (Sturm und Drang). What is it that you need?

You need Zugzwang.

William Safire in einer Kolumne über den zunehmenden Gebrauch deutscher Wendungen unter US-Intellektuellen. Titel der Glosse: „Go Easy in the Fingerspitzengefühl“ („New York Times“, 9. Dezember 1985). Aus: DIE ZEIT – Nr. 51 – 13. Dezember 1985 als Zeitmosaik

Hierzu fand ich in der NZZ Folio 01/1997, der Zeitschrift der Neuen Züricher Zeitung, u.a. folgende Kolumne:

In der «New York Times» prophezeite ihr Sprachkolumnist William Safire, in hundert Jahren werde Englisch die Muttersprache eines Drittels der Menschheit sein und für die anderen zwei Drittel die internationale Verständigungssprache – ein mit frischer Würze versehenes Englisch freilich, mit Importen angereichert, wofür Safire als Anleihen beim Deutschen Schadenfreude, Faulpelz und Fingerspitzengefühl empfahl. Andere zusammengesetzte Hauptwörter sind ja längst zu Dutzenden im englischen heimisch: Rucksack und Hinterland, Weltschmerz und Weltanschauung, Realpolitik und Ostpolitik, Katzenjammer und Götterdämmerung, Zeitgeist, Waldsterben, Vergangenheitsbewältigung und Fahrvergnügen. Auch unter den einfachen Substantiven haben sich einige den Weg ins Englische gebahnt: Angst, Lied, Kitsch, Ersatz und Gemütlichkeit.

Ja, es gibt schon einige deutsche Begriffe, die in der englischen Sprache kein entsprechendes Äquivalent haben wie zwei weitere Beispiele zeigen:

Schadenfreude: „the guilty feeling of pleasure at the misfortune of others“
Fingerspitzengefühl: „the sandpapered-fingertip sensitivity of a safecracker“