Orkantief ‚Kyrill‘ im Anzug

Eigentlich sind wir ja im tiefsten Winter. Aber wirklich sind wir noch mitten im Herbst. Meteorologen sagen für dieses Jahr neue Höchstwerte der Temperatur voraus. Und nach reichlich Sturm kommt jetzt das Orkantief „Kyrill“ auf Deutschland zu. Böen bis zu 200 km/h werden erwartet. Das ist der Klimawandel hautnah!

Orkantief

Wer nicht muss, sollte spätestens ab Mittag zu Hause oder in geschlossenen Räumen bleiben. Dabei Fenster und Türen nach außen geschlossen halten. Wälder sind zu meiden. Gegenstände im Freien sollte man möglichst bald sichern. Fahrzeuge sollten nicht gerade unter Bäumen abgestellt werden. Gerüste und Hochspannungsleitungen sind zu meiden.

Weiteres siehe zdf.de

Was ist bloß mit Ian los? Teil 44: Erste und letzte Konzerte

Hallo Wilfried,

geht es Deiner Schwiegermutter ein wenig besser ? Konnte sie das Krankenhaus in der Zwischenzeit verlassen ? Zwar haben wir bereits über die unselige Knallerei ausgelassen, aber ich habe noch heute matschige Überreste der Neujahresfreude auf der Straße gesehen. Das ist schon bemerkenswert.

Die Übersetzung des Shakespeare-Sonetts ist in der Tat genial. Hier wird sehr deutlich, dass der Übersetzer sich nicht nur in der Fremdsprache bestens auskennen muss. Er muss mindestens genau so sehr ein Meister der Muttersprache sein (…soll das Werk den Meister loben). Mr. Anderson ist nicht Shakespeare, das ist wohl wahr. Allerdings ist beiden Lyrikern gemein, dass mir ihre Werke größtenteils verschlossen bleiben. Ich finde die Übersetzung des Sonetts schön, wirklich angenehm zu hören, es schmeichelt dem Trommelfell. Aber der tiefere Sinn dahinter, also die Absicht des Verfassers, bleibt mir verborgen. Dieser Sinn ginge mir vielleicht auf, wenn ich mich mit dem Text intensiver befassen würde. So, wie wir es früher in der Schule machen mussten. Aber dazu fehlt mir Muße und vor allem Interesse. In vielen Dingen der schöngeistigen Ideale bin ich ein grober Klotz und bedauere das nur wenig.

Ian mit Songbook

Erstaunlich finde ich, dass Du das Kaufdatum Deiner ersten JT – Platte behalten hast. Auch wenn das Datum recht markant ist, ich hätte es längst vergessen. Ich kann mir nicht mal den Hochzeitstag merken. Ich könnte in der Innenseite des Rings nachsehen, aber meine Augen können die Gravur nicht mehr erkennen. So geht das, wenn man älter wird. Vom Adlerauge zum Hühnerauge. Ich will Deine Gedächtnisleistung nicht in Abrede stellen, aber die erste JT-Platte muss schon einen ziemlich starken Eindruck bei Dir hinterlassen haben, wenn Dir das Datum noch so gegenwärtig ist. Zwei 6en, zwei 9en. Vielleicht könnte ein Kabbala-Experte hier eine besondere Bedeutung herausfinden, wer weiß ?

Hinter das Geheimnis der rückwärts gespielten Flöte bin ich auch noch nicht gekommen. Akustisch jedenfalls konnte ich keine Hinweise darauf entdecken.

Das Konzert auf der Isle of Wight kenne ich in kurzen Auszügen. Vielen Dank für die Übersetzung des Interviews. Mir sind dabei zwei Dinge aufgefallen: Der Meister kokettiert damit, dass nur er und ein Gott einbeinig flöten und er hat die Fingernägel unnötig lang. Aber das hat er wohl auch mit Krishna gemeinsam.

Eine schöne Woche wünscht Dir
Lockwood

13.01.2007

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Hallo Lockwood,

meiner Schwiegermutter geht es soweit ganz gut. Sie kommt aber frühestens nächste Woche aus dem Krankenhaus und muss dann auch gleich zur Reha. Und was macht Dein Sohn? Alles wieder verheilt?

Mit Gedichten (und Liedertexten) tue ich mich auch schwer. Ich habe zwar schon viele Gedichte gelesen, aber wenn man sich nicht intensiv damit beschäftigt, wie Du richtig erkannt hast, dann erschließt sich einem der tiefere Sinn nur wenig. Schule und Pflichtlektüre: Das ist ein eigenes Thema. Vielen Schülern wurde dadurch das Lesen vergrault. Erstaunlich dabei, dass viele Bücher über Jahrzehnte Pflichtlektüre der deutschen Schulen bleiben (so muss Jan oft das lesen, das ich schon lesen musste). Mehr Auswahlmöglichkeiten wäre sicherlich nicht schlecht.

Das mit dem Kaufdatum ist eigentlich ganz simpel und hat nicht mit meinem ebenso löchrigen Gedächtnis zu tun (wie Deines). Zum einen war es wirklich die erste Scheibe, die ich mir gekauft habe. Alles andere an Musik interessierte mich bis dahin nicht so sehr, um Geld dafür auszugeben. Ich weiß das Datum aber einfach daher, weil ich es mir auf die papierene Innenhülle der LP aufgeschrieben habe. Als Sammlertyp neigt man wahrscheinlich dazu, eine gewisse Ordnung dadurch zu erhalten, indem man bestimmte Daten dauerhaft festhält. Da ich ganz entgegen dem Anschein kein gutes Verhältnis zu Jahreszahlen habe, hilft es schon einwenig, die eigene Biografie anhand solcher ‚aufgeschriebener’ Daten nachvollziehbar werden zu lassen. Sollte ich hier ohne solche Hilfsmittel einen möglichst genauen Lebenslauf von mir aufschreiben müssen, so wüsste ich auf der Stelle mein Geburtsdatum, alles andere wäre aber schon ‚geraten’. Trotzdem finde ich das Kaufdatum (der LP „Stand Up“) schon erstaunlich: 06.09.96. Ein Kabbalist würde mit Sicherheit einen bestimmten Bezug herstellen können.

Die „Isle of Wight“-DVD halte ich in erster Linie für ein außergewöhnliches Zeitdokument. Neben dem Auftritt von Jethro Tull erfährt man einiges vom Drumherum dieses europäischen „Woodstock“. Erstaunlich auch, wie aus dem alten Filmmaterial doch eine akzeptable DVD wurde (ähnlich verhält es sich ja auch mit der Tullavision-Tampa-DVD). Ich will Dich durchaus zwicken: Beide Scheiben sind ein Muss für echte Tull-Fans. Aber Du bist ja ‚nur’ ein temporärer Fan. Wenigstens war 1970 meine Zeit, wenn es auch noch knapp anderthalb Jahre dauern sollte, bis ich in Hannover mein erstes Konzert von Jethro Tull erlebte.

Mein erstes Tull-Konzert 1972

Wenn Du nichts zu meckern hast, dann bist Du nicht zufrieden, oder? Sei getröstet, diesen Spruch muss ich mir zu Hause auch öfter anhören. Also das mit den Fingernägeln ist mir nicht aufgefallen. Und so lang erscheinen sie mir nicht. Aber „unnötig lang“ sind sie schon für einen Musiker. Ich war, wie Du vielleicht weißt, vorletztes Wochenende mit meinen Söhnen in Hamburg zwecks Bummel durch diverse Geschäfte für Musikinstrumente. Da kam ich nicht umhin, mir auch die eine oder andere Klampfe (Gitarre, wie man im Musikerjargon sagt) zur Hand zu nehmen. Mit langen Fingernägeln lässt sie eine Gitarre wirklich schlecht spielen. Bei einer Querflöte mag es etwas anders sein. Nun, solche, ich sage einmal: äußerlichen Details entgehen mir meistens. Vielleicht bin ich nicht der Typ, der zu sehr Wert auf Äußerlichkeiten legt. Aber dafür haben wir ja Dich. Das soll keine Kritik sein, im Gegenteil. Dank Deiner in diesen Dingen besonderen Aufmerksamkeit sind wir ja bereits auf einige Details gestoßen, die interessante Aufschlüsse über Herrn Anderson gaben.

Und noch etwas zu Deiner Äußerung, Ian Anderson kokettiere „damit, dass nur er und ein Gott einbeinig flöten“. Der Meister erzählt in diesem Zusammenhang von der Vorliebe der Ziegenhirtinnen für den flötespielenden Gott. Ziegenhirtinnen vertrieben sich bekanntlich ihre Zeit neben dem Ziegenhüten mit Musik und beherrschten meist selbst ein Instrument. Vielleicht besteht hier ein Zusammenhang zwischen dem flötespielenden Herrn Anderson und all den geigespielenden Damen. Ians Verschleiß an diesen Damen ist doch ziemlich groß. (im unten erwähnten Anderson-Tagebuch steht u.a.: Lucia M, AMC and AP are ladies of the night. Allerdings beachte: … of … und nicht …for…).

In diesem Zusammenhang verweise ich auf die jetzt wohl offiziellen Tourdaten für Juni/Juli 2007 – „Acoustic and Electric Tull in Europe (Deutschland)“, wohl bemerkt: ELECTRIC !!! Und ich wollte eigentlich schon immer einmal zur Kieler Woche (nicht ernsthaft!). Liest man Ians Diary für Januar 2007, dann erfährt man neben ‚ausführlichen Ausführungen’ zu Damen und Herren, die Geige spielen oder spielten, leider nichts Genaues zur Besetzung der Tour. Martin Barre dürfte auf jeden Fall dabei sein. Aber ich habe das erst quer gelesen, was Anderson da schreibt.

Ach nee doch: Bei den Tourdaten steht es unzweideutig (oder täusche ich mich da):

From my regular touring band who accompany the orchestral and other solo shows come John O’Hara on piano and accordion, David Goodier on acoustic and electric bass guitar and James Duncan on drums and percussion.

German guitarist Florian Opahle is standing by for any dates Martin can’t do.
Playing 6-string and acoustic violins, Anna Phoebe will join us in the UK and for European dates in the Summer …

Damit dürfte man Sohn James Duncan als reguläres Tull-Mitglied willkommen heißen, oder? Nicht das mich das alles jetzt ärgert, aber ich sehe schon wie die gute Shona heimlich Geige übt, um die Familienband bald vollständig zu machen (und eine Tochter gibt es da ja auch noch). Neben Herrn Anderson bleibt also nur noch Martin Barre, wenn er denn kann und nicht durch Florian ersetzt wird. Nichts gegen Old pal (young pal, actually) Florian (wie Anderson schreibt), aber wenn ich schon Jethro Tull sehen will, dann wenigstens mit dem alten Kumpel Martin.

Ich sehe schon, wir können die Gegenwart und (unmögliche) Zukunft der Gruppe Jethro Tull gegenwärtig und in Zukunft vernachlässigen. Beschäftigen wir uns weiterhin mit der ruhmvollen Vergangenheit dieser Gruppe.

Ich wünsche Dir auch eine schöne Woche
Wilfried

P.S. Nun geht mein Rechner doch im Reparatur (Garantiefall). Ich denke, dass das Netzteil eine Macke hat. Also eigentlich nichts Schlimmes. Aber ich sehe schon, wie ich wochenlang darauf warte, den Rechner zurück zu bekommen (d.h. vorerst keine neuen Videos von mir bei youtube.com usw.).

Übrigens: Dank für das nette Bildchen vom Songbook samt Anderson. Du willst mich wirklich langsam neidisch machen, oder?

16.01.2007

English Translation for Ian Anderson

Wikipedia feiert Geburtstag

Eines der größten und erfolgreichsten Webprojekte wird sechs Jahre alt: Wikipedia, ein Online-Lexikon, das von der Mitarbeit der Benutzer lebt. Die deutsche Ausgabe beinhaltet inzwischen über 500.000 Artikel, die englischsprachige sogar 1,5 Millionen. Jeder kann sich an Wikipedia beteiligen, ob er nun neue Beiträge anlegt oder bestehende nach Belieben ändert. Und genau hier liegt für viele Kritiker der Knackpunkt: Wikipedia wäre nicht wirklich verlässlich. Trotz ständiger Kontrolle flössen zu viele Falschinformationen hinein. Teilweise herrsche ein regelrechter Vandalismus, also die absichtliche Verbreitung von unsinnigen Meldungen (das viel zitierte Beispiel: aus Schalke 04 wurde Schalke 05).

Sicherlich sind die Probleme mit dem wachsenden Umfang gestiegen. Trotzdem bediene ich mich (jeder wird es in diesem Blog sehen) immer wieder gern bei Wikipedia. Was man dabei immer berücksichtigen sollte und was für jedes Nachschlagewerk grundsätzlich gilt: Wer wirklich verlässliche Informationen sucht, sollte immer mehrere Quellen zu Rate ziehen. Wikipedia-Artikel eignen sich sehr gut für den ersten Einstieg in ein Thema, denn sie sind meist äußerst aktuell. Außerdem nennen sie Links zu anderen brauchbaren Webseiten sowie weiterführende Literatur.

WilliZ Wikipedia

Aller Kritik zum Trotz: Ich halte Wikipedia für ein Projekt, das über kulturelle, religiöse, überhaupt über Ländergrenzen hinaus für einen gewissen Zusammenhalt unserer doch sehr gebeutelten Menschheit sorgt. Querschläger gibt es leider überall. Es ist ein Bündnis des Wissens. Wissen ist bekanntlich Macht. Und die Macht sollte allen dienen. Von daher ist Wikipedia wirklich demokratisch.

siehe mehr bei zdf.de: Sechs Jahre Wikipedia

Sophie Auster: Sophie Auster

Wenn ein Mädel von 16 Jahren ihre erste Scheibe aufnimmt, dann noch u.a. Tom Waits als ihr musikalisches Vorbild nennt, dann muss da schon etwas besonders sein – an dem Mädel. Nun Sophie Auster ist die Tochter von Paul Auster, den wir als Schriftsteller und Filmregisseur kennen. Und sie hat sich für ihre erste CD auch der Dienste des Papa bedient. Mehrere Texte von französischen Dichtern hat dieser ins Englische übersetzt. Und nicht nur die Texte, sondern auch die Musik hat sehr viel Französisches an sich.

Erstaunlich ist aber diese Stimme – für eine 16-Jährige. Sicherlich fehlt dieser noch der letzte Schliff. Aber es ist die Stimme, wie sie kaum zu diesem Alter passt.

Inzwischen ist Sophie Auster 19 Jahre alt und erinnert mich vom Aussehen her an die frühe Natalie Imbruglia (ihr Vater erinnert mich irgendwie an Franz Kafka – muss an der Herkunft liegen), also bemerkenswert attraktiv.

CD-Cover: Sophie Auster Sophie Auster
Sophie Auster

Inzwischen bedient sich umgekehrt der Vater des schauspielerischen Talents seiner Tochter. In Frankreich ist Sophie Auster bereits ein gefeierter Star. Mag an der Musik liegen. Hier ein kleiner Ausschnitt aus ihrer ersten CD: Sophie Auster

Sophie Auster: The Swimmer

weitere Infos bei laut.de

Ian Anderson: Interview 2004 – Isle of Wight 1970

Es gibt ein ganz interessantes Interview mit Ian Anderson, dem Kopf der Gruppe Jethro Tull, das für die DVD „Jethro Tull: Nothing is Easy – live at the Isle of Wight 1970“ aufgezeichnet wurde. Das Festival auf der Insel Wight gilt heute als das Woodstock Europas und 1970 hatte auch Jethro Tull hier seinen großen Auftritt.

In den Interview-Ausschnitten (samt einiger Ausschnitte der Stücke „My God“ und „Dharma for One“) äußert sich Ian Anderson u.a. auch zum phallischen Symbol seines Instruments und seinem Markenzeichen, dem Flötenspiel auf einem Bein:

Was ist bloß mit Ian los? Teil 43: Mondlandung mit Shakespeare

Hallo Wilfried,

die Musikerwelt scheint in der Tat klein zu sein. Vor einigen Jahren hat mir ein Fachmann für Irish Folk die personellen Verquickungen innerhalb dieses Genres aufgezeigt. Auch hier sah es so aus, als gäbe es nur eine Handvoll Musiker, die wie Wanderpokale weitergereicht werden.

Der Unfall Deiner Schwiegermutter ist wohl noch übler als die Verbrennungen meines Sohnes. So langsam hängt mir die Böllerei wirklich zum Halse raus. Ist die größte Gefahr nach der Neujahrsnacht erst einmal vorüber, bleibt Tage danach der Dreck auf den Straßen liegen. Mit offizieller Duldung der Behörden. Wenn dieselben Behörden beobachten, wie ich eine Zigarettenkippe auf den Boden schmeiße, bin ich mit 10 € dabei. Jedenfalls wünsche ich Deiner Schwiegermutter und allen Böllergeschädigten dieser Welt gute Besserung. Möge es eine einmalige Erfahrung bleiben.

Deinen Verbesserungen in der Übersetzung der Astronautenhymne stimme ich vorbehaltlos zu. Wir sind uns darin einig, dass Übersetzungen kein leichtes Geschäft sind. Und jetzt kommt’s: Stell‘ Dir vor, Du müsstest so übersetzen, dass der deutsche Text sich reimt… Man erlebt es häufiger bei deutschen Coverversionen internationaler Songs: Lediglich das Thema des Originals bleibt erhalten, ansonsten löst der Übersetzer sich ziemlich vom Text. Ich denke, eine andere Wahl hat er auch nicht.

Deine Erklärungen zur Mondfahrerlyrik finde ich plausibel. So oder so ähnlich habe ich es mir auch zusammengereimt. Es ist ein schöner Zug von Mr. Anderson, dass er dem zurückgebliebenen Astronauten ein Lied widmet. Wie man an mir gesehen hat, ist sein Name aus dem Bewusstsein der Menschen verschwunden. Neil Armstrong kennt jeder, aber Michael Collins, das war doch der irische Rebell, oder ?? Es ist das Los des Zweiten; den ersten Papst könnte jeder benennen, aber wer kann aus dem Kopf sagen, wie der Zweite hieß ?

Zum Schluss noch etwas, um unserer Rubrik treu zu bleiben: Bisher bin ich immer davon ausgegangen, dass der Meister bei seinen Auftritten ausschließlich das linke Bein anhebt. Gestern sah ich durch Zufall in meiner Sammlung zwei Bilder, die ihn auf dem linken Bein stehend zeigen. Aber es ist wirklich die Ausnahme; wenn er auf einem Bein flötet, dann meistens auf dem Rechten.

Einen besseren Verlauf des restlichen Jahres wünscht Dir

Lockwood

08.01.2007

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Hallo Lockwood,

meine Schwiegermutter hat es wirklich schlimm getroffen. Es ist ein Trümmerbruch und wurde bereits operativ behandelt – sie hat jetzt ein künstliches Schultergelenk. So kann das kommen. Es sind oft die kleinen Rücksichtslosigkeiten, die schnell zur Gewissenlosigkeit eskalieren. Aber ich schweife schon wieder ab.

Ich war mir der Reime des Anderson’schen Textes von „For Michael Collins, Jeffrey and Me“ erst gar nicht so bewusst. Und um in einer Übersetzung Reim und vielleicht auch noch Versform zu berücksichtigen – das grenzt schon an einen Geniestreich. Solches findet man höchstens in den Übersetzungen von Shakespeare (von Schlegel, Tieck u.a.). Auch wenn ich hier wieder völlig vom Thema abkomme, so doch ein kleines Beispiel für eine solche Übersetzung (Shakespeares 1. Sonett):

Den höchsten Wesen, wünschen wir Gedeihn,
Auf daß der Rose Schönheit nie verdorrt,
Doch muß des Tods die reife Blüte sein,
So pflanz‘ ein Erbe ihr Gedächtnis fort.
Du lebst nur dir, der Schönheit Selbstgenuß,
Schürst eignen Glanz, der dich verzehrend scheint,
Schaffst Hungersnot statt reichen Uberfluß,
Grausam dir selbst gesinnt, dein eigner Feind.
Heut bist du noch der frische Schmuck der Welt,
Der einz’ge Herold für des Frühlings Reiz,
Doch wenn dein Schatz in einer Blüte fällt,
Wird zur Verschwendung, süßer Filz, dein Geiz.
Hab‘ Mitleid, birg nicht überreiche Gabe,
Der Welt Anrecht, in dir und in dem Grabe.
FROM fairest creatures we desire increase,
That thereby beauty’s rose might never die,
But as the riper should by time decease,
His tender heir might bear his memory:
But thou, contracted to thine own bright eyes,
Feed’st thy light’st flame with self-substantial fuel,
Making a famine where abundance lies,
Thyself thy foe, to thy sweet self too cruel.
Thou that art now the world’s fresh ornament
And only herald to the gaudy spring,
Within thine own bud buriest thy content
And, tender churl, makest waste in niggarding.
Pity the world, or else this glutton be,
To eat the world’s due, by the grave and thee.

Ich finde das wirklich genial. Es zeigt aber auch, dass man manche Begriffe ‚kürzen’ und andere ‚umschreiben’ muss, um überhaupt Rhythmus und Reim beizubehalten. Soweit kann das Songbook nicht gehen. Und Anderson, bei aller Liebe, ist nicht Shakespeare.

Deine Sammlung täuscht nicht: Anderson hat tatsächlich auch schon (öfter wohl) das rechte Bein gehoben. Im Internet habe ich zwei Fotos gefunden, die das belegen. Aber das sind eher ‚Ausfallschritte’, wie mir scheint. Typisch und sein Markenzeichen: Anderson steht auf dem rechten und hebt das linke Bein, wie auch grafisch immer wieder belegt.

Huiii, das falsche Bein ... So ist das richtig! Huiii, nochmals das falsche Bein ...

Wie – ich glaube – schon einmal von mir erwähnt: Auf der „Isle of Wight 1970“-DVD gibt es ein längeres Interview mit Ian Anderson. Und da äußert er sich u.a. auch zu diesem einbeinigen Flötenspiel. Das mit der zu engen Unterhosen (geäußert von Ian Anderson in der ‚ultimativen Chart-Show‘ bei RTL), die im Schritt kneift, ist bekanntlich ein Märchen. Ich habe die entsprechenden Interview-Ausschnitte herausgefischt und werde sie zusammen bei youtube.com einstellen. Ist ganz aufschlussreich und einen eigenen Beitrag wert (außerdem mit deutschen Untertiteln). Kennst Du die DVD?

Komme ich noch einmal zur Mondlandung zurück. Es war Apollo 11, die zum Mond startete und am 20. Juli 1969 die ersten beiden Menschen dort absetzte. Ich war damals noch jung an Jahren, habe aber, sicherlich im Gegensatz zu Dir, das ganze Geschehen sehr bewusst verfolgen können. Du weißt, ich bin ein Sammlertyp. Und so habe ich alte Zeitungsausschnitte von diesem Ereignis bis zum heutigen Tage aufgehoben (nur wo? Ich werde suchen müssen, wie immer in einem Vier-Personen-Haushalt). Bei mir kam noch hinzu, dass ich mit meinen damals 15 Jahren in den Tagen der Mondlandung mit meinem Vater meine Großmutter in der DDR besuchte, was schon als solches ein Ereignis besonderer Art war. So habe ich auch die Reaktion der dortigen Presse einfangen können. Durch den „For Michael Collins …“-Text bin ich wieder diesen alten Erinnerungen erlegen. Kommt wohl vom Alter her. Der Zeitraum ist auch deshalb interessant, weil ich am 6. September 1969 meine erste Tull-LP („Stand Up“) gekauft habe, also nur wenige Wochen nach der 1. bemannten Mondlandung. Das Datum kann ich mir gut merken (6.9.69) und ist mir gegenwärtiger als alle anderen Geschichtszahlen.

Aber genug von Widmungen für vereinsamte Astronauten und Mondlandungen. Bleiben wir auf der Erde. Bei cupofwonder.com las ich Folgendes zum Lied „With You There to Help Me“, das mit der rückwärts gespielten Flöte:

According to Greg Russo this song is about Jennie Franks, a secretary in Chrysalis‘ publishing department, whom Ian would marry later that year. The lyrics reflect the pressure of the heavy touring schedule and his longing for being home.

Danach beschreibt der Text seine Sehnsüchte nach dem trauten Heim mit seiner ersten Frau Jennie. Also doch eine Art Liebeslied, auch wenn Herr Anderson im oben erwähnten Interview behauptet, keine ‚klassischen’ Liebeslieder schreiben zu können. Okay, auch der folgende Text ist nicht ’klassisch’ (statt von ‚ihr’ singt er u.a. von ‚dem einen’ – ‚the ones’).

In days of peace
sweet smelling summer nights
of wine and song;
dusty pavements burning feet.
Why am I crying, I want to know.
How can I smile and make it right?
For sixty days and eighty nights
and not give in and lose the fight. (nachgeben)

I’m going back to the ones that I know,
with whom I can be what I want to be.
Just one week for the feeling to go
and with you there to help me
then it probably will. (wird es möglich sein)

I won’t go down
acting the same old play.
Give sixty days for just one night.
Don’t think I’d make it: but then I might.
I’m going back to the ones that I know,
with whom I can be what I want to be.
Just one week for the feeling to go
and with you there to help me
then it probably will.

Was die ‚rückwärts’ gespielte Flöte dieses Stückes betrifft, da bin ich mir immer noch nicht im Klaren. Ich habe beide Versionen (‚rückwärts’ gespielte Flöte des Originals und die nochmals im ‚Rückwärtsgang’ eingespielte Version – mithin müsste es die Flöte ‚vorwärts’ wiedergeben) noch einmal verglichen. Nach den Anmerkungen auf der Tull-Website stand der Meister mit dem Rücken zum Publikum. Das kann aber kaum mit ‚rückwärts’ gemeint sein. In Frage kommt auch die kontrapunktische Technik des Krebses, das Rückwärtsspielen einer Notenpassage. Ich denke mir aber, dass die Bandaufnahme des Flötenspiels einfach ‚rückwärts’ abgespielt wurde. Dafür spricht die Aussage, Anderson hätte mit ‚production techniques’ experimentiert.

Aber genug der lyrischen und musiktheoretischen Ausschweifungen. Mag dieses Jahr wahrlich besser werden als sein Anfang.

Bis demnächst
Wilfried

10.01.2007

English Translation for Ian Anderson

Little Miss Sunshine

Eigentlich glaube ich es kaum, dass dieser Film aus den USA kommt. Denn statt mit überzogener Effekthascherei wie in vielen Hollywood-Produktionen überzeugt dieser Film mit Seele und viel Witz: Little Miss Sunshine (USA 2006 – Regie: Jonathan Dayton, Valerie Faris, Drehbuch: Michael Arndt – mit Abigail Breslin, Greg Kinnear, Paul Dano, Alan Arkin, Toni Collette, Steve Carell u.a.).

Es geht um eine Familie, deren kleine Tochter am „Little Miss Sunshine“-Wettbewerb teilnehmen soll, obwohl sie eher pummelig und von daher wenig dazu geeignet scheint. Die Familie macht sich mit dem obszönen und drogenkonsumierenden Großvater und dem desillusionierten (homosexuell und selbstmordgefährdet) Onkel in einem leicht schrottreifen gelben VW-Bus auf nach Kalifornien. Mit dabei sind die um Zusammenhalt der Familie ringende Mutter, der Nietzsche-lesende und kein Wort von sich gebende Sohn und ein Vater, der als viel zu optimistischer Motivationstrainer wenig erfolgreich ist.

Little Miss Sunshine

Und so kurvt die Familie durch die Staaten von einem Schlamassel ins andere. Ein Roadmovie also, aber ein ganz besonderer. Erfolgsdruck und Schönheitswahn, der auch vor Kindern keinen Halt macht, werden hier aufs Korn genommen. Am Ende siegt die Gemeinschaft der Familie, in und mit der man den Widrigkeiten dieses Lebens trotzen kann. Ein liebenswerter Film mit viel Charme und Menschlichkeit – sowohl im Sinne von Menschenwürde als auch im Sinne menschlicher Schwächen. Es ist ein Film, der einen zum Lachen bringt, aber auch zum Nachdenken.

weitere Infos zum Film bei filmstarts.de

Hier der offizielle Trailer:

Graffiti in Hamburg – Teil 1

Nicht nur in New York, sondern natürlich auch in Hamburg gibt es an exponierten Stellen Wandmalereien, die sich zu einer neuen Kunstrichtung entwickelt haben, den Graffiti, die manch altem Gemäuer zu neuem Glanz verhelfen. Auf meinen Wegen durch die Stadt fällt öfter ein Blick auf eine mit Spraydosen ausgeführte Malerei.

'Under Pressure'
„Under Pressure“ – Budapester Straße

siehe auch meinen Beitrag: Graffiti Archaeology

Was ist bloß mit Ian los? Teil 42: Für einsame Astronauten

Hallo Wilfried,

vielen Dank, auch im Namen meines Sohnes, für Deine Genesungswünsche. Das wirklich Ärgerliche an dem Unfall ist, dass mein Filius selber gar nicht beballert hat. Er stand mit seinen Geschwistern einige Meter von den Stalin-Orgeln und Granatwerfern entfernt und wollte nur zuschauen. Seine Verletzung verdankt er dem fahrlässigen Umgang mit dem Feuerwerkskörper durch einen erkennbar angetrunkenen Gast unserer Nachbarn. Aber ich bin den Schicksalsmächten dankbar, dass mein Sohn „nur“ am Bein verletzt wurde und die Wunde in den letzten Tagen gut zu heilen scheint.

Nachrichten im Fernsehen schaue ich mir nur hin und wieder an. Nicht, dass ich etwas gegen die Nachrichtensendungen dort einzuwänden hätte, aber mein bevorzugtes Medium ist das Radio. Zeitungen lese ich keine. Hin und wieder werfe ich einen Blick auf die Online-Seiten unseres Lokalblättchens, aber auch nicht regelmäßig. Ich gebe zu, dass mich das weltweite Geschehen nicht sehr interessiert; dazu bin ich zu sehr in meinem eigenen Mikrokosmos eingebunden. Nur wenn etwas allzu sehr aus dem Ruder läuft, mache ich mir meine Gedanken darüber. Wie jetzt aktuell die Irak-Politik und die Abschusspläne des Innenministers. Allerdings will ich ihm zugute halten, dass er nicht selber schießen und auch nicht alle Flugzeuge runterholen will.

Zum „Psalm“:
Dein Bild vom Leichenzug in New Orleans ist sehr treffend. Es könnte sein, dass bei diesen Zügen tatsächlich vertonte Psalmen (die gibt es in der Kirchenmusik recht häufig) gespielt werden. Jedenfalls herrscht dort eine vergleichbare Stimmung wie beim Auftritt von Mr. Ferry. Ich kann mir nicht helfen und als erklärter Jethro Tull – Fan gebe ich es nur ungern zu, aber dieses Video gefällt mir wirklich. Na ja, Mr. Anderson lebt uns vor, dass wir nicht in Schubladen denken sollen.

Wie gehst Du beim Digitalisieren Deiner LPs vor ? Ein Kumpel von mir hat ein Set gekauft, besteht aus Software und ein bisschen Hardware, mit dem ein Plattenspieler an den Rechner angeschlossen werden kann. Eine andere Variante sah ich im Prospekt eines Computerladens: Hier wurde ein spezieller Plattenspieler angeboten, der an den PC angedockt wird. Welches Verfahren wendest Du an ?

Gerade wird mir klar, dass meine letzten mails kaum noch unter die Überschrift „Was ist bloß mit Ian los ?“ passen. Ich schweife ab. Mal sehen, ob ich mich bessern kann.

Kind regards
Lockwood

06.01.2007

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Hallo Lockwood,

ja, wir schweifen von unserem Thema schon sehr ab. Aber Ian Anderson und Jethro Tull sind keine Insel fernab der großen Wasserstraßen. Und wenn man auf einen Eddie Jobson zu sprechen kommt, der eine Zeitlang bei Tull gespielte, dann kommt man zwangsläufig auf Roxy Music und Frank Zappa, die sich auch seiner Dienste bedient haben. Ich finde es sogar höchst interessant, solche Querverweise festzustellen. In diesem Zusammenhang: Ich habe Dir vor einiger Zeit geschrieben, dass ich die Musik von Joan Armatrading mag – zumindest aus ihrer Anfangszeit. Und ich musste feststellen, dass es auch zwischen ihr und Jethro Tull Verbindungen gibt. So hat u.a. Dave Mattacks, der außer bei Fairport Convention auch auf einer Live-Tour für Jethro Tull Schlagzeug spielte (CD von 1992: J.T. live – A little light music), auch schon auf zwei Alben von Joan Armatrading das Schlagzeug als Studiomusiker bedient. Und bereits auf den beiden ersten Alben von ihr war es Gerry Conway, der ebenfalls Schlagzeug spielte und den Du jetzt von der Broadsword-Aufnahme her kennst. Außerdem gibt es da noch den Saxophonisten Mel Collins, der sowohl für Joan Armatrading als auch Martin Barre (auf seinem 2. Soloalbum) mitspielte. Die Musikerwelt ist doch ziemlich klein.

Es freut mich, dass es Deinem Sohn wieder besser geht. Ich will nicht zu sehr auf diesen ganzen Silvester-Wahnsinn schimpfen, aber: Auch meine Schwiegermutter wurde letzte Woche indirekt ein Opfer davon. Sie rutschte auf den Weg zum Arzt (sic!) auf dem Überbleibsel eines China-Böllers aus und brach sich die rechte Schulter. Also auch bei uns beginnt das neue Jahr sehr bescheiden.

Zum Digitalisieren meiner alten LPs: (ich bin bisher noch nicht dazu gekommen, vielleicht am nächsten Wochenende) Ich schließe den Plattenspieler an meinen PC über einen Eingang mit zwei Cinch-Buchsen (rot und weiß) in Frontbereich an. Über die Lautstärkeregelung (rechter Mausklick auf das Lautsprechersysmbol) muss ich eine Zuordnung zu dieser Schnittstelle herstellen (Optionen -> Eigenschaften -> Lautstärke regeln für Aufnahme -> Auswahl bei „Front Line-In“).

Cinch-Stecker

Hat man eine solche Schnittstelle nicht, so geht es auch über den normalen Line-In-Eingang auf der Rückseite des Rechners (die blaue Buchse). Hat der Plattenspieler Cinch-Stecker, dann müssen diese mit einem Klinkenstecker-3,5-mm-Adapter am PC angeschlossen werden.

Klinkenstecker 3,5 mm Klinkenstecker-Adapter

Als Aufnahmesoftware kann man u.a. Musicmatch nehmen (hatte ich bereits früher erwähnt). Ich muss einmal gucken, denn ich habe weitere Video- und Audio-Programme mit denen ich aufnehmen kann (damit kann ich dann später auch die Aufnahmen zurechtschneiden).

Das ist alles bisschen aufwändig, aber hat man erst einmal alles auf- und eingestellt, dann geht das ganz gut.

Noch einmal etwas zu „For Michael Collins, Jeffrey and Me“: Jan Vorbij von cupofwonder.com erwähnt etwas von einem Gefühl der Entfremdung und Entwurzelung (feeling of alienation and dislocation).

Ich will mich nicht an eine Neuübersetzung machen, aber einige Wörter würde ich doch etwas anders setzen.

Watery eyes of the last sighing seconds,
 
blue reflections mute and dim
 
 
beckon tearful child of wonder
 
to repentance of the sin.
Wässrige Augen der letzten seufzenden
Sekunden,
trauriges Flimmern (Reflexionen ->
da Spiegelung, aber auch Besinnung
gemeint sein könnte), stumm und matt,
fordern (ein Zeichen geben) das
weinende Kind des Staunens auf,
die Sünde zu bereuen.
And the blind and lusty lovers
of the great eternal lie
go on believing nothing
since something has to die.
Und die blinden und wollüstigen Liebhaber
der großen ewigen Lüge
glauben weiterhin an nichts,
da etwas sterben muss.
And the ape’s curiosity
 
money power wins,
and the yellow soft mountains move under him.
Und die Neugier (auch: Merkwürdigkeit)
des Affen –
die Macht des Geldes siegt,
und die gelben, weichen Berge beben
(bewegen sich) unter ihm.
I’m with you L.E.M. 1
though it’s a shame that it had to be you.
 
The mother ship is just a blip
 
from your trip made for two.
Ich bin bei dir, L.E.M.,
obwohl es schade (eine Schande) ist, dass
es ausgerechnet ihr sein musstet.
Das Mutterschiff ist nur ein Blinken (i.S.v.
Leuchtimplus auf dem Radar)
von eurer Reise zu zweit.
I’m with you boys, so please employ just
a little extra care.
It’s on my mind I’m left behind
 
when I should have been there.
Walking with you.
Ich bin bei euch, Jungs, also gebraucht
bitte etwas mehr Vorsicht.
Es geht mir nicht aus dem Sinn, dass ich
zurückgelassen wurde,
wenn ich doch dort sein
und mit euch spazieren sollte.
And the limp face hungry viewers
 
fight to fasten with their eyes
 

like the man hung from the trapeze
whose fall will satisfy.
And congratulate each other
on their rare and wondrous deed

Und die hungrigen Zuschauer mit den
welken Gesichtern
bemühen sich krampfhaft (kämpfen
darum), ihre Blicke zu konzentrieren (evtl.
auch: ihre Augen auszurichten),
wie der Mann, der am Trapez hängt –
dessen Sturz Befriedigung bringt.
Sie beglückwünschen einander
zu ihrer einzigartigen und
bewundernswerten Tat,
That their begrudged money bought
 
to sow the monkey’s seed.
And the yellow soft mountains
they grow very still
witness as intrusion the humanoid thrill.
die ihr widerwillig herausgerücktes
(eigentlich: beneidetes) Geld gekauft hat,
die Saat des Affen zu säen.
Und die gelben, weichen Berge,
sie werden wieder ruhig,
empfinden die humanoide Erregung als
Aufdringlichkeit (Eindringen, Eingriff).
1 Lunar excursion module: Mondfahrzeug

Wie ich Dir bereits schrieb: Es ist grundsätzlich schwer, den Text ins Deutsche zu übertragen, zumal es sich dabei auch um Reime handelt, die in der Übersetzung entfallen sind ( dim – sin / lie – die / you – two / still – thrill usw.). Und wie auch geschrieben: Es ist eine offensichtliche Kritik an dem Raumfahrtprogramm Richtung Mond. Die Menschheit wird hier u.a. zu Affen, die mit ihrem Geld die ‚Saat’ (z.B. die menschlichen Errungenschaften) auch über die Erde hinaus (hier eben zum Mond) zu verstreuen bemüht ist. Auf der Erde die gaffende Masse, wie diese vor dem Fernsehen sitzt und das ganze beobachtet. Es könnten auch die Leute im Kontrollzentrum sein, die sich einander zu dieser so einzigartigen Tat beglückwünschen.

Und es beschreibt auch die Sicht von Michael Collins, z.B. wie er mit Tränen in den Augen zugucken muss, wie sich die beiden anderen Astronauten auf dem Weg Richtung Mond machen.

Am Schluss, als die Astronauten den Mond wieder verlassen, finden die gelben, weichen Berge des Mondes wieder Ruhe – trotz des Eindringens der Menschen und all ihrer Aufgeregtheit.

Gut, einige Zeilen sind weiterhin etwas unverständlich: And the blind and lusty lovers … – aber auch darin würde ich die Menschheit sehen (oder deren Repräsentanten bei der NASA), die eben blind für mögliche Folgen nur ihre Ziele verfolgen.

Soviel zu diesem Text und soviel für heute.
Man liest sich weiterhin

Bis dann
Wilfried

P.S. Bin eben über laufi.de auf das Horrorskop Horoskop von Ian Anderson gestossen. Naja, wem es gefällt und wer damit etwas anfangen kann?!

08.01.2007

English Translation for Ian Anderson

Knoten im Lichtmast

Der FC St. Pauli wird es mir verzeihen, wenn ich, obwohl über 10 Jahre in Hamburg ansässig, nie zu einem Fan des Vereins wurde. Die fast 25 Jahre in Bremen wirken bis heute nach (SV Werder Bremen). Als ich am letzten Wochenende mit meinen beiden Jungs auch am Millerntor vorbeikam, ist mir gleich der eine Knoten im Lichtmast aufgefallen. Das Station wir zz. umgebaut. Dieser Knoten muss neu sein und benötigt nur noch den letzten Anstrich.

Lukas und der FC St. Pauli 1910 Knoten im Lichtmast
Lukas und der FC St. Pauli 1910 Knoten im Lichtmast

Auf der Reeperbahn tags um halb vier

Letzten Samstag war ich mit meinen beiden Söhnen in Hamburg, um ein bisschen in verschiedenen Läden nach Musikinstrumenten Ausschau zu halten. Zwangsläufig kommt man so auch zur Reeperbahn, der ’sündigsten Meile der Welt‘. Zuletzt war ich wohl im November 1989 hier, als Verwandtschaft aus der damals noch real existierenden DDR durch die so plötzlich geöffnete deutsch-deutsche Grenze mit ihrem Trabi angereist war und natürlich auch diese Errungenschaft des Kapitalismus kennen lernen wollte.

Um ehrlich zu sein: Tagsüber gegen 15 Uhr 30 gibt die Reeperbahn nicht allzu viel her. Was mich verwunderte, waren die vielen Döner-Läden, die Vertreter der amerikanischen Fast-Food-Ketten und Supermärkte, die immerhin die Möglichkeit bieten, auch bis 23 Uhr einkaufen zu können.

Eine Seitenstraße der Reeperbahn, die Große Freiheit, ist in Musikerkreisen (und weit darüber hinaus) durch den Karrierebeginn der Beatles Anfang der 60-er Jahre bekannt geworden. Denn hier begann es für John, Paul, George, Ringo und andere: Der Siegerzug der populären Musik in Europa.

Reeperbahn Schmidt Theater und Schmidts Tivoli
Reeperbahn Schmidt Theater und Schmidts Tivoli
St. Pauli-Theater am Spielbudenplatz und Davidwache Reeperbahn
St. Pauli-Theater am Spielbudenplatz und Davidwache Reeperbahn
Große Freiheit Heilsarmee in der Talstraße
Große Freiheit Heilsarmee in der Talstraße