Archiv für den Monat: März 2011

Die verstrahlten Helden von Fukushima

Erst waren es 50 Mitarbeiter, die alles Erdenkliche taten, um den Super-GAU am Atomkraftwerk Fukushima zu verhindert. Schon jetzt gelten sie als die großen Helden, die „Fukushima 50“, die ihr Leben riskierten, um den größten denkbaren Schaden von Land und Leuten abzuwenden. Inzwischen sollen sich nach einem Aufruf der Betreiberfirma Tepco weitere Mitarbeiter (auch von anderen AKWs) freiwillig für den Kamikazeeinsatz gemeldet haben. Auch Hubschrauber des Militärs kamen bis Donnerstag zum Einsatz, um Wasser über dem Krisen-AKW abzuwerfen. Und inzwischen sollen 140 Feuerwehrleute die Armee unterstützen.

Am Freitagmittag (Ortszeit) begann man erneut, Reaktor 3 mit Wasserwerfern zu kühlen. Diese Methode soll auch bei Block 4 und womöglich auch bei Block 1 helfen. Bei den Reaktoren 1 und 2 soll zudem eine neue Stromleitung das Kühlsystem wieder zum Laufen bringen. Der Ausgang des Dramas bleibt aber weiterhin ungewiss.

Experten gehen davon aus, das die meisten dieser Menschen dem Tod geweiht sind, weil die Strahlenbelastung vor Ort einfach zu hoch ist, um ungeschadet davon kommen zu können.

Was veranlasst einen Menschen, sich freiwillig für diesen Einsatz auf Leben und Tod zu melden? „Eine Rolle mag dabei spielen, dass in der Erziehung der Japaner das Opfer des Einzelnen für die Gemeinschaft eine große Rolle spielt. Dazu mag Zusammengehörigkeitsgefühl in solchen Kraftwerken kommen. ‚Es gibt einen Sinn für Loyalität und Kameradschaft, wenn man mit den Männern über Jahre trainiert und Schichtwechsel absolviert hat’, sagte ein langjähriger Anlageführer amerikanischer Akw der ‚New York Times’. Und der deutsche Arbeitspsychologe Michael Kastner ergänzte im Radiointerview: ‚Wer nahe dran ist an der Gefahr, der nimmt die nicht mehr so wahr.’“ (Quelle: zdf.de)

Atomkraft - nein danke!

Das sind, wie ich denke, nur zwei Aspekte, wenn auch sehr wichtige, die zu einem solchen Handeln führen. In jedem Menschen liegt ein selbstzerstörerisches Potential, ein Todestrieb. Da wir von Natur aus jedoch jeder dem Tode geweiht sind, strebt ein jeder – bewusst oder nicht – dahin, dieses unvermeidbare Übel positiv zu besetzen bzw. den Todestrieb zu sublimieren. Wenn ich also mit meinem Tod etwas Positives bewirken kann (auf Fukushima bezogen die Vermeidung eines Katastrophe), dann bin ich sogar bereit, frühzeitig zu sterben. Sterben muss ich ohnehin. Aber selbst dieser frühzeitige Tod ist ja noch nicht vorprogrammiert. Vielleicht, und das ist gewissermaßen die kleine Hintertür beim Abwägen meines Tuns, entkomme ich ungeschadet oder wenigstens lebendig.

Ohne die ‚Heldentaten’ schmälern zu wollen, spielen sicherlich auch geldliche Gründe eine Rolle. Wenn ich weiß, dass meine Familie finanziell abgesichert sein wird, wenn ich sterbe, dann bin ich eher bereit, den Tod auf mich zu nehmen.

Auch ohne hier von der eigentlichen Nuklearkatastrophe ablenken zu wollen, so finde ich diese auf die einzelnen Personen bezogenen Erwägungen, diese zu gewinnenden psychologischen Erkenntnisse, sehr interessant. Die Taten und hierzu die Motive der „Helden von Fukushima“ sind dabei nur ein ‚Gegenstand’, der später einmal näher beleuchtet werden sollte. Die Ängste und die daraus resultierenden Handlungen auch aller anderen direkt oder indirekt Betroffenen (bis hin zu uns hier in Deutschland, denen unmittelbar keine Gefahr droht) wird man sicherlich zunehmend thematisieren. Die Ängste bestehen nun einmal. Und wer sie ignoriert oder instrumentalisiert, wird hierfür die Rechnungen zahlen müssen.

Das Leben ist zu lang

Das Leben ist zu lang ist ein deutscher Film des Schweizer Regisseurs Dani Levy aus dem Jahr 2010.

„Alfi Seliger (Markus Hering) versucht seit Jahren vergebens an den Erfolg früherer Jahre anzuknüpfen. In der Filmindustrie ist der Glanz seines Erfolgsfilms „Mein blaues Wunder” längst verblasst und so bemüht sich der liebenswerte Loser zunehmend verzweifelt sein neuestes Drehbuch an den Mann zu bringen. Privat ergeht es dem sich selbst als Nebbich bezeichnenden Alfi auch nicht viel besser. Die beiden Kinder empfinden ihn als peinlich und seine Pornos synchronisierende Frau (Meret Becker) würde ihren jüdischen Hypochondergatten liebend gern für ihren Boss verlassen. Auch von der Mutter (Elke Sommer) bekommt Alfi Druck, der Hausarzt (Heino Ferch) konfrontiert ihn allzu gern mit möglichen Krankheiten und sein Psychiater-Guru Tabatabai (Udo Kier) rät ihm auch schon mal zum Selbstmord. Auf einem Empfang trifft der Unglückliche dann auf die durchtriebene Natasha (Veronica Ferres), die ein Auge auf ihn und zugleich auf eine Rolle in seinem Skript wirft. Sie nötigt ihren einige Jahre älteren Produzenten-Ehemann dazu, dass Projekt umzusetzen. Doch der Deal birgt einige Tücken und das Leben hat noch einige weitere Gemeinheiten für Alfi parat…“

aus: filmstarts.de


Das Leben ist zu lang [Trailer]

Ich halte immer einmal Ausschau nach einem guten Film aus deutschen Landen. Deutsche Filme gibt es jede Menge, meist sind das Komödien – leider sehr unterschiedlichster Qualität. So kam ich zu diesem Film, der natürlich auf DVD Das Leben ist zu lang erhältlich ist, und kann mich irgendwie nicht entscheiden, ob ich ihn nun empfehlen soll oder nicht.

Zunächst ist der Film ein Porträt der Filmindustrie und eine Erzählung von der Gier nach Ruhm und Geld. Und es ist ein Film über einen nicht mehr taufrischen jüdischen Regisseur, dessen Erfolge schon etwas länger her sind. Dieser erinnert mit seiner Hornbrille allein vom Aussehen her (aber eben nicht nur) Woody Allen und der Figur des Alvy Singer aus Allens „Stadtneurotiker”. Der Vergleich mit Allens Film drängt sich also auf und soll es wohl auch: Allen ist einer der großen Vorbilder von Regisseur Dani Levy. Und hier setzt die Kritik dann auch an: Levy ist „unerreichbar weit weg von seinem großen New Yorker Vorbild.“ Der Anspruch Levys, eine Art deutschsprachiger Woody Allen sein zu wollen, wächst ihm über den Kopf und erfüllt sich nicht, wenigstens nicht ganz.

„Alfi Seliger ist ein Filmemacher, dessen große Zeit vorbei ist. Man erinnert sich noch an eine ziemlich gute Komödie von ihm, aber eigentlich ist er aus dem Geschäft. Seit Jahren arbeitet er an einem Drehbuch über die Mohammed-Karikaturen. Denn Humor, sagt er, sei die letzte Form der Freiheit. Ein alter Filmproduzent nimmt das Projekt tatsächlich an. In Wirklichkeit hat er aber kein Geld mehr und würde viel lieber eine TV-Serie daraus machen, selbstverständlich ohne muslimisches Ärgerpotenzial. Alfis Bank geht pleite, seine Frau langweilt sich in der Ehe und bändelt mit einem anderen an. Seine Kinder hassen ihn, seine Mamme nervt. Er hat Krebs. Sein Psychiater sagt: Wer nicht mehr kann, der will einfach nicht. Das ist genug für einen 50-Jährigen, und so schluckt Alfi einen Cocktail aus Schlafmitteln, Schnaps und Allzweckreiniger.

Und dann ist er trotzdem nicht tot. Er wacht wieder auf und merkt, dass er buchstäblich im falschen Film ist, will sagen, er rebelliert gegen diese ganze klischeehafte Verstrickung, die sein altes Leben gewesen war. Er spürt diesen “Levy” auf, der ihn an den Regie-Fäden hält, und bleibt doch der Schwächere in dieser filmischen Lebensfiktion, der er nicht entkommt. Das Leben des anderen bleibt immer das eigene.“ (Quelle: zeit.de)

Ich denke, das Problem des Films ist folgendes: Er handelt von einem 50-jährigen Nebbich, einem neurotischen Versagertypen, von „einen, dem sich das Leben unter den Händen auflöst, bloß noch krasser hier, jüdisch überzeichnet, also verzweifelt“. Und wer interessiert sich schon wirklich für einen solchen Menschen. Denkt man sich das große Vorbild Woody Allen einmal weg, dann ist das ein ganz passabler Film. Irgendwie erinnerte mich der Film gleich zu Anfang an die Film- und TV-Produktionen von Helmut Dietl (u.a. Rossini und Kir Royal), denen man einen gewissen Unterhaltswert nicht absprechen konnte. Vielleicht liegt es bei mir auch daran, dass ich in die Altersklasse des Protagonisten des Films bestens hineinpasse. Oder ist es dieser jüdische Flair, der dem Film zweifellos Charme verleiht?

Einar Kárason: Die Teufelsinsel

Mein ältester Sohn heißt mit zweitem Vornamen Einar (Vorname altisländischen Ursprungs Einarr zu altisländisch einn “ein; allein” + altisländisch herr “Herr, Krieger, Menge, Volk” -> etwa -> “der allein kämpft”). Aber das war wohl nur ein Grund, weshalb ich mir vor gut zehn Jahren den Roman „Die Teufelsinsel“ von Einar Kárason (spricht sich Äinar Kaurason) kaufte und dann auch innerhalb kürzester Zeit las. Einar Kárason ist ein isländischer Autor, der 1955 in Islands Hauptstadt Reykjavík geboren wurde.

Der Autor begann seine Schriftstellerkarriere damit, Gedichte in literarischen Zeitschriften zu veröffentlichen (1978-80). Später schrieb er auch Romane. Am bekanntesten wurde seine „Barackentrilogie“, die in proletarischem Milieu in Reykjavík spielt. Der erste Band „Die Teufelsinsel“ (Þar sem djöflaeyjan rís) (1983) war auch in Deutschland ein großer Erfolg. Der nächste Band „Die Goldinsel“ (Gulleyjan) erhielt 1986 den Literaturpreis der isländischen Zeitung DV und wurde im nächsten Jahr für den Literaturpreis des Nordischen Rates nominiert. Drei Jahre später stand der dritte Band der Trilogie „Das gelobte Land“ (Fyrirheitna landið) auf der Auswahlliste für den Isländischen Literaturpreis. Die Trilogie wurde auch auf die Bühne gebracht und der erste Band vom isländischen Regisseur Friðrik Þór Friðriksson als „Devil’s Island“ verfilmt. Einar Kárason verfasste das Drehbuch für die Verfilmung.

Baracken im Camp Thule

Der Roman spielt im Camp Thule, einer Barackensiedlung im Reykjavik der fünfziger Jahre. Im Zweiten Weltkrieg wurde dieses Camp für die amerikanischen Besatzungssoldaten errichtet, die dann in den 50-er Jahren das Feld für obdachlose Familien räumten. Hier überschlagen sich die Ereignisse schneller als anderswo. Die Männer und Frauen der Siedlung müssen hart arbeiten, um ihre unbändigen Großfamilien über die Runden zu bringen. Die Jugend träumt den Traum von Dollars, Rock’n Roll und schnellem Leben. Ausgelassenheit oder den Alltag vergessen: einen Grund zum Feiern gibt es immer. Wilde Säufer, verarmte Bauernsöhne, angejahrte Nutten bestimmen das Bild. Dicht unter dem Polarkreis treibt die Anarchie üppige Blüten. Statt Selbstmitleid und Resignation herrschen jedoch trotzige Ironie, brutale Lebensfreude und bedenkenslose Liebe. Statt der Edda glauben die Akteure lieber an Elvis Presley. Echte Helden sind diese Verlierer, und ihr Slum ist zugleich eine Goldgrube, in der eine seltsame Aufbruchsstimmung herrscht.

Lina und Tommi und Familie

Im Mittelpunkt stehen Lina, die Wahrsagerin und ihr Mann Tommi, der einen kleinen Lebensmittelladen in der Barackensiedlung führt und die Familie damit ernährt, die neben den beiden noch aus drei Kindern von Linas Tochter Gogo (verheiratet in den USA) und später den drei Kindern von Dolli, Gogos Tochter, besteht, die vielen anderen nicht mitgerechnet, die zwischendurch immer wieder Unterschlupf in dem „Alten Haus“ finden. In Rückblenden erfahren wir einiges auch aus ihrem früheren Leben.

Und es handelt von den Kindern und Jugendlichen, die durch ihre Streiche die Nachbarschaft unsicher machen, sodass Tommi auf die Idee kommt, einen Fußballverein zu gründen, um wenigstens die Jungs von der Straße zu bekommen.

Obwohl der Roman in den 50-er Jahren spielt, so finde ich ihn unerwartet zeitgemäß. Vielleicht ist das auch ein Grund, weshalb die Barackentrilogie im Mai bzw. Juni neu aufgelegt werden soll: Literatur von Einar Kárason. Kárason bedient sich der Sprache dieser Menschen, schafft so ein authentisches Bild – und dank stimmiger Psychologie gelingt uns ein tiefer Blick in die verwundeten Seelen der großen und kleinen Helden. Manche Romanfigur wird der Leser dabei verabscheuen, denn deren Verhalten ist unerhört, unmenschlich brutal. Aber schon deckt der Autor deren Seele auf, um uns die Hintergründe für dieses Tun aufzuzeigen.

Nun dieser erste Teil „Die Teufelsinsel“ wurde 1996 verfilmt, ist aber zz. leider nicht erhältlich (ich habe lediglich eine isländische Fassung mit englischen Untertiteln gefunden). Immerhin gibt es bei Youtube den Trailer zum Film und auch einen weiteren kleineren Ausschnitt (alles allerdings auf Isländisch):


Djöflaeyjan – Trailer

Natürlich habe ich die zwei anderen Romane dieser Barackentrilogie damals vor über zehn Jahren auch gelesen (und bin jetzt beim erneuten Lesen mit dem Roman „Goldinsel“ beschäftigt).

Hier für den interessierten Leser einen kurzen Ausschnitt aus dem Roman ‚Teufelsinsel’ (Original: Þar sem djöflaeyjan rís, was wohl soviel heißt wie: ‚Da wo sich die Teufelsinsel erhebt’), zunächst auf Isländisch, dann auf Deutsch. Isländisch entstammt dem Altnordischen und hat sich in den letzten tausend Jahren im Bereich der Formenlehre (Morphologie) kaum verändert. Daher können Isländer von heute ohne größere Probleme die alten Sagas ihrer Vorfahren lesen. Bemerkenswert ist natürlich auch das isländische Alphabet, das z.B. die Buchstaben C und W nicht kennt, dafür aber Buchstaben enthält, die es in anderen Sprachen nicht gibt: Ð und Þ, Eth und Thorn genannt.

zunächst ein Ausschnitt aus dem Original:

Þar sem djöflaeyjan rís

Og Baddi: hann gaf öllu jarðnesku streði tilgang. Skýri og fallegi efnispilturinn, blessaður ættarsóminn, ömmudrengur ömmubænanna sem Drottning Gamla hússins raulaði upphátt við eldhúsvaskinn eða í hljóði meðan hún gruflaði yfir spilum og framtíð vandalausra. Drengurinn með augun skæru, brosið, hjálpsemina og gæðin við allt sem lífsanda dró.
 Nú var hann væntanlegur heim.
 Gæfumenn voru ameríkanar að hafa fengið að njóta nærveru hans þessi ár fannst Karolínu, þessari stálhörðu manneskju sem ekki hafði leyft sér tilfinningalega viðkvæmni í áratugi. Núorðið talaði hún af svo klökkvum söknuði um Badda sinn að jafnvel Tommi varð hrærður og fór að ímynda sér að allt yrði bjart og fagurt þegar engillinn kæmi heim. Samt hafði Tommi alltaf haft miklu meiri taugar til Danna; þeir áttu svo margt sameiginlegt hann og yngri bróðirinn sem lítið var saknað og vitjaði ekki minninganna í hugum heimilisfólksins nema einsog hrafn sem tyllir sér á bæjarburstina og krúnkar.
 Tommi sá það þegar hann hugsaði til baka að Baddi hafði svosem aldrei verið neinn óknyttastrákur. Það voru nú bara ýkjur og skilningsleysi gagnvart ungdómnum. Verða ekki strákar alltaf strákar? Undir það síðasta var hann reyndar orðinn Tomma töluverð byrði vegna sekta og skaðabóta fyrir allskyns smáspellvirki sem Baddi hafði forgöngu um, en svoleiðis eldist af piltum. Mestar áhyggjur hafði Tommi af unglingsstrákunum þegar þeir voru farnir að fikta við brennivín, stela flöskum og drekka sig fulla og fara inní skúra og kompur með stelpur sem æptu og veinuðu og komu svo æðandi út, allar úr skorðum gengnar, með eld og trylling í augum, en létu samt alltaf plata sig inní skúrinn aftur. En hvað var Tommi að hafa áhyggjur af þessu? Þetta er ungt og leikur sér, Tommi var kominn á þá skoðun að það væri bara af öfund sem fullorðna fólkið var alltaf að hneykslast á unglingunum sem gátu tekið lífinu létt. Tommi sjálfur, hann var alveg einsog Baddi hálfri öld áður, þannig hafði nú tíminn staðið í stað. Menn voru líka að segja að þeir væru nauðalíkir feðgarnir og þá varð Tommi hrærður en vandræðalegur og eyddi talinu. Þótt það væri óskiljanlegt þá vissi hann að þetta var ekki alveg útí bláinn, hann var oft að sjá sjálfan sig í Badda; báðir voru þeir til að mynda óttalega kulvísir og áður en Baddi fór út gekk hann jafnan í föðurlandsnærfötum innst og ullarhosum uppá miðja kálfa; fimmtán ára kvennagullið. Og ef hart var á tóbaksdalnum tóku guttarnir bara í nefið einsog heilbrigð íslensk æska.
 Svo gleymdi Tommi því ekki hvað drengurinn var nú laginn í fótbolta. Verst að hann skyldi hætta að æfa. Það var fljótlega eftir keppnisferðina til Færeyja og Noregs, þá hættu líka Grjóni og Lúddi og megnið af gamla harða kjarnanum og ný kynslóð tók við með Danna og þannig pottorma í fararbroddi. Það var minnisstætt þegar Baddi kom á síðustu æfinguna og sagðist ekki nenna lengur svona smábarnadellu. Tölti svo á brott í gúmmískónum, kveikti sér í sígarettustubb á göngunni með eldsnöggum handtökum, skaut eldspýtunni uppí loftið og tók hana á hælinn í fallinu.
 Þannig endaði sú fótboltaæfing. Baddi var kominn á sextánda árið þegar hann lagði af stað út í heiminn með stóru flugvélinni. Elsku drengurinn hennar ömmu, hún mundi það svo vel þegar hann kvaddi þau á flugvellinum, fámáll en æðrulaus.
 „Þó í lífsins straumi bjáti eitthvað á
 ákveðinn og sterkur sértu þá.“ (s. 146-147)

Dieses zu Deutsch:

„ Und Baddi: er gab allem irdischen Streben ein Ziel.
  Dieser vielversprechende, aufgeweckte und hübsche Junge, Stolz der Familie, der Herzensschatz in Großmutters Gebeten, die die Königin des Alten Hauses am Spülbecken laut vor sich hin sang oder schweigend, während sie über Karten und fremden Schicksalen grübelte. Der Junge mit seinem strahlenden Augen, dem Lächeln, der Hilfsbereitschaft und Güte allem gegenüber, was da lebte und atmete.
  Nun stand seine Heimkehr bevor.
  Glücklich die Amerikaner, daß sie seine Anwesenheit während der letzten Jahre genießen durften, fand Lina, dieses beinharte Wesen, das sich jahrzehntelang keine Sentimentalitäten geleistet hatte. Jetzt sprach sie mit so tränenerstickter Sehnsucht von ihrem Baddi, daß sogar Tommi gerührt war und sich einbildete, nun, da der Engel heimkäme, würde alles hell und schön. Trotzdem – Danni hatte Tommi immer nähergestanden; sie hatten so vieles gemeinsam, er und der jüngere der Brüder. Er, den man kaum vermißte und der selten in den Erinnerungen der Familie auftauchte, höchstens, wie wenn ein Rabe sich flüchtig auf dem Giebel niederläßt und krächzt.
  Wenn Tommi zurückdachte, sah er, daß Baddi nie wirklich ein unartiges Kind gewesen war. Alles Übertreibungen und mangelndes Verständnis gegenüber der Jugend. Sind und bleiben Jungs nicht immer Jungs? Zuletzt war er für Tommi eine …
aus: Einar Karason: Die Teufelsinsel
… zündete sich im Gehen mit blitzschnellen Handbewegungen einen Zigarettenstummel an, warf das Streichholz in die Luft und kickte es mit der Ferse weg.
  Damit endete jenes Fußballtraining.“

(S. 162-164 – 2. Auflage Taschenbuchausgabe Mai 1997 – btb Taschenbuch 72142)

Pop meets Pop

„In den Räumlichkeiten des Hamburger Beatles-Museums (Beatlemania) erwarten die Besucher einige der populärsten Werke des legendären Pop-Art-Künstlers Andy Warhol, darunter auch einige Beatles-Motive.

Die Ausstellung ‚POP meets POP’ (Pop Music meets Pop Art) vermittelt ihren Besuchern einen Ausschnitt genialer Begebenheiten. Sie ist die fragmentarische Illustration einer Ära, in der zwei einzigartige Persönlichkeiten für einen Moment ‚vorbeihuschten’, um einander kennen zu lernen und sich näher zu kommen.

Pop meets Pop

BEATLEMANIA Hamburg zeigt im Original einige der populärsten Arbeiten Warhols, darunter die Portraits von Marylin Monroe, Ingrid Bergmann, Judy Garland oder Goethe, Variationen der Campbell Soup Cans, Teile der ‚Ladies & Gentlemen’-Serie und seine berühmte ‚Cow’.
Und natürlich fehlen bei einer Warhol-Ausstellung in den Räumen von BEATLEMANIA auch nicht das Portrait von John Lennon und seine Beatles-Motive. Zahlreiche Fotos dokumentieren darüber hinaus die Beziehung zwischen Andy Warhol und dem Beatle.

Insgesamt 80 Arbeiten Warhols und Fotografien von Billy Name umfasst die Ausstellung ‚POP meets POP’, darunter einige, die erstmalig in Deutschland gezeigt werden. Die Exponate sind Leihgaben des Andy Warhol Museum of Modern Art Slowakei. POP meets POP wird mit BEATLEMANIA Hamburg als Veranstalter in Zusammenarbeit mit dem Kurator Dr. Michal Bycko und der Andy Warhol Gesellschaft im Rahmen der Slowakischen Kulturtage 2011 realisiert.“

aus: hamburg.de

Adresse: Nobistor 10, 22767 – Hamburg

Tickets: Der Eintritt für BEATLEMANIA kostet für Erwachsene 12 Euro – der Eintritt für die Sonderausstellung ist in diesem Preis bereits enthalten.

Öffnungszeiten: Täglich von 10:00 Uhr bis 19:00 Uhr geöffnet. Letzter Einlass ist um 18:00 Uhr.

Natur und Hightech: Japan nach Erdbeben und Tsunami

Japan lebt mit der Erdbebengefahr. Was das Land aber jetzt durchmacht, ist die schwerste Katastrophe seit dem 2. Weltkrieg. Zuerst zerstörte ein schweres Erdbeben das Land, kurz darauf rollte eine durch dieses Erdbeben ausgelöste Flutwelle über die Ostküsten des Landes. Die Anzahl der Todesopfer ist nicht absehbar. Viele tausend Menschen werden noch vermisst. Die Zerstörung ist gewaltig. Weitere Nachbeben erschüttern das Land.

Video bei zdf.de: Verstörendes aus einem zerstörten Land
Bilderserie bei zdf.de: Nach dem Tsunami: Spuren der Verwüstung
Japan – vor und nach der Welle: Satellitenbilder
Augenzeugenberichte aus Japan u.a. via YouTube: Citizentube

Japan ist ein Hightech-Land und hat viel Know-how eingesetzt, um Häuser, Straßen und besonders Atomkraftwerke (AKW) erdbebensicher zu bauen. Jetzt zeigt sich, dass auch die Japaner gegen solch verheerende Naturgewalten nicht gewappnet waren. „Das Erdbeben der Stärke 9,0 am Freitag im Nordosten Japans hat in sechs Atomkraftwerken große Probleme vor allem mit der Kühlung ausgelöst, die entscheidend für die Vorbeugung gegen eine Kernschmelze ist.“ Besonders das AKW Fukushima, in dem sich bisher zwei größere Explosionen ereigneten, ist betroffen. „In Tokio und anderen japanischen Städten wurde am Montag für drei Stunden der Strom abgeschaltet. Damit sollen Verluste ausgeglichen werden, weil die Atomstromproduktion momentan nur eingeschränkt läuft. 1,9 Millionen Haushalte waren von den Blackouts betroffen. Viele Menschen mussten auch auf eine andere Grundversorgung verzichten: Mindestens 1,4 Millionen Haushalte hatten kein Wasser.“ (Quelle: zdf.de)

Bisher ist nicht absehbar, wie dieser Alptraum endet. Mit dem Schlimmsten, den Super-GAU, muss weiterhin gerechnet werden. Natürlich ist damit die Atomdebatte auch in Deutschland wieder entfacht. Eine Rückkehr zur Tagesordnung ist nach den Ereignissen in Japan kaum möglich. Wenn Frau Merkel jetzt die Atommeiler in Deutschland überprüfen lassen will, dann ist das nur Augenwischerei, eine Überprüfung soll vor dem Hintergrund der vielen Landtagswahlen in diesem Jahr Handlungsfähigkeit signalisieren. Ansonsten hält sie weiter an der Kernenergie fest. Es stellt sich die Frage, warum jetzt eine Überprüfung erfolgen soll und diese nicht schon vor der Verlängerung der Laufzeiten erfolgte.

Die deutsche Anlagen sind für einen derartigen Notfall wie in Japan ebenso wenig ausgelegt, denn auch in den 17 deutschen Atomkraftwerken sei der Ausfall der Kühlung möglich. Im hessischen Biblis habe am 8. Februar 2004 die Kernschmelze gedroht. Außerdem bleibt die Frage der Endlagerung von Atommüll weiterhin ungeklärt.

Lothar Hahn, Physiker und früherer Geschäftsführer der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit sagt: “Es war ein Fehler, den Atomkonsens aufzukündigen. Damals wurden Nachrüstungs-Maßnahmen gerade bei älteren Reaktoren unterlassen, weil diese noch kurze Restlaufzeiten hatten. Das schien vertretbar. Jetzt, bei acht oder 14 Jahren längerer Laufzeit, ist es das nicht mehr. Ich empfehle dringend: Die Regierung sollte die Verlängerung zurücknehmen.” (Quelle: blog.zdf.de)

Atomkraft bleibt unbeherrschbar. Die Risiken sind einfach zu hoch. Deshalb müssen die Laufzeitverlängerungen deutscher AKW rückgängig gemacht werden. So fürchterlich die Katastrophe in Japan ist, so muss sie bei uns zu Konsequenzen und zu einem Umdenken der verantwortlichen Politik führen. Ansonsten hat der Wähler das Wort.

siehe auch meine Beiträge: Merkel und die AtomlobbyZiviler Ungehorsam

Nachtrag: siehe ard.de – Kommentar: Merkels hilfloses Wahlkampfmanöver zum Moratorium der Bundeskanzlerin

Vor 200 Jahren: Großfeuer zerstört Teile des Ortskerns

„Auf seinem Feldzug nach Russland war #Tostedt für Napoleon und seine Truppen eine so wichtige Station, dass der Feldherr 1811 den Auftrag erteilte, die alte Heerstraße zwischen Hamburg und Bremen (in etwa jetzige B 75) auszubauen und damit eine wichtige Verbindung für den Handel zu schaffen.

Die französischen Soldaten hielten sich also zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts in Tostedt auf und ließen es sich hier durchaus gut gehen. Am 14. März 1811 [also heute vor genau 200 Jahren] waren die Soldaten dabei, sich Eierkuchen zu backen. Dabei verhielten sie sich so ungeschickt, dass sie ein Feuer entfachten, das so verheerende Ausmaße annahm, dass es in die Tostedter Geschichte einging.

Großfeuer 1811 in Tostedt

Tostedt, damals mit rund 400 Einwohnern ein gemütlicher aber wichtiger Ort, hatte seinen Ortskern rund um die alte Feldsteinkirche, die dort stand, wo jetzt das Gemeindehaus am Himmelsweg steht. Rund um die Kirche war der Friedhof (noch heute könnten Knochen gefunden werden, wenn tiefer gegraben würde) und darum herum standen die Häuser. Unter anderem auch die alte ‚Dubschmiede’, die schon 1659 von der Familie Prigge gegründet wurde.

Rund 150 Jahre lang wurde in ihr heißes Eisen geschlagen. Gestanden hat die alte Schmiede ziemlich genau dort, wo jetzt die alte Sporthalle der Dieckhofschule steht. Als 1928 mit den Ausschachtungen für die Halle begonnen wurde, wurden viele Schmiedeerzeugnisse gefunden. In dieser Schmiede also saßen die Franzosen, backten ihre Eierkuchen und steckten diese so in Brand. Und nicht nur die alte Schmiede wurde ein Opfer der Flammen, auch das Küsterhaus mit der Dorfschule und das alte Pfarrwitwenhaus. Eine große Katastrophe für die alten Tostedter. Stehen blieben glücklicherweise der Dieckhof und die alte Brennerei.

Der Dubschmied Prigge ließ sich nicht unterkriegen und begann kurz nach dem Brand mit dem Bau eines neuen Hauses, das bis heute steht. In der Waldstraße, die damals noch ‚Bauerbackhausstraße’ hieß, baute Christoph Prigge sein neues Haus, das 1812 fertig wurde. Genau gegenüber, am jetzigen Standort des Ärztehauses an der Ecke zur Bahnhofstraße entstand seine neue Schmiede. Das Haus von Familie Prigge war damals das überhaupt erste Haus in der Bauerbackhausstraße, dahinter Pferdekoppeln und Kartoffelacker. Auch noch heute ist hinter den Gebäuden eine große Wiese. Sie liegt etwas tiefer als der Rest der Straße, hier wurde früher Sand her genommen für den Kirchenbau, daher ist die Wiese eine Senke. In der Wiese ist ein kleiner Bachlauf zu sehen, der an einer Stelle in der Erde verschwindet. Dies ist die Quelle der Töste! Sie wird am Rand der Wiese in ein Rohr geleitet, fließt dadurch unter den Straßen durch und kommt hinter dem Sande wieder aus dem Boden und ist dort für alle zu sehen.

Das alte Gebäude der Dubschmieds steht noch heute an gleicher Stelle. Nur das Strohdach wurde 1953 durch ein festes Dach ersetzt. Der Hof des Dubschmieds, der Hof Nr. 32 in Tostedt, war der letzte Hof des alten Dorfes, wie es über Jahrhunderte bestanden hat. Die danach erbauten Höfe gelten als Neubauerstellen und prägten das ‚moderne’ Tostedt.

… Die Bauerbackhausstraße … wurde nach dem ersten Weltkrieg in ‚Waldstraße’ umbenannt.“

aus: Tostedter Wochenblatt – Nr. 4/ 4. Jahrgang – 10. März 2011 – Seite 1 + 3

siehe auch meinen Beitrag: Napoleon in Tostedt?! – 200 Jahre B 75

Endlich Frühling

Bis zum eigentlichen Frühlingsanfang ist es noch über eine Woche hin. Aber an diesem Wochenende stiegen endlich die Temperaturen deutlich über 10 °C, die Sonne zeigte sich längere Zeit, sodass man sich einmal längere Zeit draußen aufhalten konnte, ohne sich Frostblasen zu holen.

Die Nacht zum Samstag war zwar wieder leicht frostig, aber den Blumen im Garten macht das nichts mehr aus. Im Sonnenschein blühten Krokusse und Schneeglöckchen tagsüber voll auf. Es soll ab Mittwoch wieder leicht regnen. Der Frühling lässt sich aber nicht mehr aufhalten: Endlich Frühling!

Frühlingswiese bei AlbinZ mit Krokussen

Frühlingswiese bei AlbinZ mit Krokussen

Frühlingswiese bei AlbinZ mit Krokussen

Frühlingswiese bei AlbinZ mit Krokussen (März 2011)

Happy Birthday, Janosch!

Heute gestern wurde Janosch (eigentlich Horst Eckert) 80 Jahre alt. Er ist ein deutscher Illustrator, Kinderbuchautor und Schriftsteller. Besonders als Kinderbuchautor wurde er über die Grenzen Deutschlands bekannt.

Sein bekanntesten, aber wohl auch sein schönstes Kinderbuch ist: Oh, wie schön ist Panama. 1979 erhielt Janosch dafür den Deutschen Jugendbuchpreis. Eigentlich kauft man sich im zarten Alter von Mitte zwanzig Jahren keine Kinderbücher, es sei denn für die eigenen Kinder. Vor dreißig Jahren kam ich aber nicht umhin, das Buch MIR zu kaufen.


Janosch: Oh, wie schön ist P a n a m a

Zwar sind meine beiden Söhne inzwischen (fast) erwachsen. Groß geworden sind beide u.a. auch mit Janosch und seinen Büchern – und mit der TV-Produktion des Südfunk Stuttgart, in der die Geschichten liebevoll umgesetzt wurden: TV-Produktion Janoschs Traumstunde auf insgesamt 4 DVDs (Laufzeit: ca. 718 Min – zum Preis vom 35 €)

Wer kleine Kinder hat, ob als die eigenen oder im Familien- und Freundeskreis, dem kann ich nur wärmstens Janoschs Bücher empfehlen. Selbst für Erwachsene sind sie ein großer Spaß.

Happy Birthday, Janosch!

Siehe auch meine Beiträge: Oh, wie schön ist PanamaJanoschs Traumstunde: Schnuddelbuddel

und siehe auch zdf.de: Video Janosch wird 80

weser-kurier.de: Janosch feiert heute 80. Geburtstag. Testen Sie ihr Wissen in unserem Janosch-Quiz

Stichtag

Stichtag ist eine US-amerikanische Filmkomödie von Todd Phillips aus dem Jahr 2010 mit Robert Downey Jr. und Zach Galifianakis in den Hauptrollen.

Peter Highman (Robert Downey Jr.) hat keine Zeit zu verlieren, seine Frau (Michelle Monaghan) erwartet in wenigen Tagen in Los Angeles ihr erstes Kind. Alles kein Problem für den gut organisierten Architekten, der sich momentan noch in Atlanta, also (fast) am anderen Ende der Vereinigten Staaten, aufhält. Bereits vor dem Flughafen stößt Peter jedoch mit dem Möchtegern-Schauspieler Ethan Tremblay (Zach Galifianakis) zusammen. Gepäckstücke werden vertauscht und Peter muss beim Sicherheitscheck einen gefundenen Joint erklären. Doch damit beginnt die Katastrophe erst: Noch bevor das Flugzeug startet, wird der adrette Peter wegen Terrorismus-Verdachts festgehalten und mitsamt seines neuen „Freundes” Ethan auf die No-Fly-List gesetzt! Ohne Gepäck und Brieftasche muss Peter eine alternative Reisemöglichkeit auftun. Der nervtötende Ethan bietet ihm als Wiedergutmachung an, ihn in einem Leihauto nach Kalifornien mitzunehmen. Mit einem schlechten Gefühl steigt Peter ein – eine Entscheidung, die er bereits nach wenigen Meilen schon wieder zutiefst bereut…

aus: filmstarts.de


Stichtag – Deutscher Trailer (OT: Due Date)

Mit Hangover hatte der Schauspieler Zach Galifianakis seinen großen Durchbruch. Und wie in diesem Film so führte auch in ‚Stichtag’ Todd Phillips Regie. Robert Downey Jr. kennen wir aus Sherlock Holmes und Iron Man (Teil 1 und 2). Mich erstaunte es dann schon, beide Seite an Seite in einer Road-Trip-Komödie wiederzufinden. Sollte das gut gehen?

Nun der Film ist vor Kurzem als DVD Stichtag bzw. Blu-ray Stichtag erschienen und die Erwartungen, die ich und mein jüngerer Sohn in diesen neuen Film steckten (denn ‘Hangover’, diese aberwitzige Komödie, hatte uns sehr gut gefallen), wurden nur zum Teil erfüllt.

Sicherlich ist es ein verrückter Road-Trip durch Amerika. Aber wer auf die ganz großen Knaller wartet, wird eher enttäuscht. Dazu wird nach meinem Geschmack zu sehr auf die Klamottenkiste zurückgegriffen. Die Szene im Flugzeug, die dazu führt, dass beide Protagonisten aus dem Flieger geworfen werden, hat es woanders schon ähnlich (wenn nicht sogar besser) gegeben. Vertauschte Koffer oder die Kaffeedose mit den Überresten eines Vaters (die Asche findet später versehentlich als Kaffeepulver Verwendung) – irgendwie kennt man das schon. Und wenn Ethan Tremblay alias Zach Galifianakis eine Ausfahrt nach Mexiko mit einer Texaco-Tankstelle verwechselt, nun ja, das ist neu, aber nur begrenzt witzig.

Vielleicht gaben die beiden Hauptdarsteller wegen ihres Gegensatzes dann doch ein gut harmonierendes Gespann ab, Harmonie aber in einem eher negativen Sinne. Und was den Film letztendlich herausreißt, ist, dass er immer herrlich unkorrekt und unangepasst bleibt. Das gilt in besonderer Weise für Peter Highman alias Robert Downey Jr., dessen Charakter bis zum Schluss unfreundlich bleibt. Man spürt die Erleichterung, die er empfindet, als sein Gegenspieler, der Möchtegern-Schauspieler Ethan, endlich die Kurve kratzt. Wohl keiner der Zuschauer würde es lange mit diesem Typen (ich meine Ethan) ausgehalten haben, die gut 90 Minuten Filmlaufzeit einmal ausgenommen.

Herzlich

Es ist doch wohltuend, morgens bereits herzlich im Zug gegrüßt zu werden: „Werte Fahrgäste, wir begrüßen Sie herzlich … zur Fahrt nach … und wünschen Ihnen eine angenehme Fahrt!“ So, oder so ähnlich. Angesichts des Streiks bei der Bahn und hier bei uns beim Metronom klingt das aber fast wie Hohn. Überhaupt: Herzlich begrüßt werden möchte ich von meiner Frau, meinen Kindern und guten Freunden, aber nicht von wildfremden Zugbegleitern.

Nun heute wurde ich nicht herzlich begrüßt; ich wurde gar nicht begrüßt. Per Lautsprecherdurchsage am Bahnsteig wurde ich darauf hingewiesen, dass zwischen Bremen und Hamburg bis um 10 Uhr keine Züge fahren werden. Natürlich wusste ich, dass die GDL (ich brauche wohl keinem zu erläutern, für was diese drei Buchstaben stehen) heute von 4 Uhr bis 10 Uhr morgens zum Streik aufgerufen hat. Aber irgendwie muss ich ja zur Arbeit – und das geht bei mir nur mit dem Zug.

So sitze ich jetzt also zu Hause, habe einen Tag frei nehmen müssen, obwohl auf der Arbeit wichtige Dinge warten. Das ist das erste Mal, dass mir so etwas passiert.

Dafür möchte ich der GDL ‚herzlich’ danken, so komme ich schon einmal dazu, meine Unterlagen für die Steuererklärung zusammenzusuchen und damit zu beginnen, via ElsterFormular die ersten Daten einzutragen.

Ein Tag mag ja noch gehen, aber wie wird es weitergehen? Wie viel Streik kommt da noch auf uns zu? Der Streik im Güterverkehr klappte übrigens wohl nicht ganz so gut, nach den zahlreichen Güterzügen zu urteilen, die heute Morgen bei uns vorbeirauschten. Dafür hat es den Pendlerverkehr massiv getroffen. Ich möchte nicht wissen, wie viele neben mir heute einen freien Tag genommen haben oder heute Abend ihre fehlenden Arbeitsstunden nachholen müssen. Und ich möchte nicht wissen, wie viele Schüler heute anstehende Klausuren verpasst haben.

Das breite Verständnis für die Forderungen der Lokführer (Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF-Politbarometer) dürfte im Schwinden begriffen sein. Und es wird weiterschwinden, wenn man Pendler auch in den nächsten Wochen zum Sündenbock machen wird. Ich habe keine Verständnis für solch unsinnige Aktionen von Arbeitnehmern gegen Arbeitnehmern.

Italienische Verhältnisse

Die GDL (Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer) kündigt unbefristete Streiks an, nachdem ihre Mitglieder in einer Urabstimmung für eine Ausweitung des Ausstandes gestimmt haben. Das betrifft auch den Personennahverkehr in Norddeutschland und damit die Züge der Metronom Eisenbahngesellschaft mbH.

Die GDL fordert einen Flächentarifvertrag für alle Lokomotivführer (egal ob sie Fern-, Nah- oder Güterzüge fahren) in Deutschland, kurz BuRaLFT genannt. In diesem Flächentarifvertrag soll ein Entgelt festgeschrieben werden, das bei 105 Prozent des DB-Niveaus liegt.

Die Tarifrunde selbst dauert bereits seit Sommer 2010 an und ist aus verschiedenen Gründen für Außenstehende nicht vollständig nachvollziehbar. „Am 8. Oktober hatten die privaten SPNV-Unternehmen der Tarifgemeinschaft aus Transnet und GDBA“ (seit dem 30. November 2010 sind diese beiden zur Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, kurz EVG, fusioniert) „ein weitgehendes Angebot vorgelegt, das im Basistarif eine Anhebung der Entgelte auf das DB-Niveau vorsieht. Bei Berücksichtigung struktureller Unterschiede in den Zuschlägen und Zulagen kommt das Angebot beim Jahresentgelt auf 90 Prozent des DB-Niveaus.“ Am 5.11.2010 wurde hierzu ein bilaterales Schlichtungsverfahren vereinbart. Zu diesem Gespräch war auch die GDL eingeladen. „Ziel der Schlichtung soll ein gemeinsamer Tarifvertrag für die Beschäftigten im Schienennahverkehr sein.“ (Quelle: arriva.de).

Im Januar 2011 hatten sich dann die genannten sechs SPNV-Unternehmen mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sowie mit der DB auf einen Branchentarifvertrag für den SPNV geeinigt. Die Einigung kam durch einen Schlichterspruch von Dr. Peter Struck, ehemaliger Bundesverteidigungsminister und bis 2009 Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, zu Stande. Mit diesem Branchentarifvertrag SPNV wurde erstmals die Eigenständigkeit der Branche anerkannt. (Quelle: veolia-verkehr.de)

Genau diesen Branchentarifvertrag akzeptiert die GDL nicht.

Die GDL hat etwa 34.000 Mitglieder; von den rund 25.000 Triebfahrzeugführern in Deutschland sind mehr als 70 Prozent bei der GDL organisiert. Die ‚konkurrierende“ EVG hat etwa 240.000 Mitgliedern. Bei ihr ist die Mehrzahl der Lokrangierführer organisiert.

GDL und EVG treten mehr und mehr konkurrierend auf. Die EVG hatte sich ja Anfang des Jahres mit den Arbeitgebern auf einen SPNV-Branchentarifvertrag geeinigt. Der EVG- Vorsitzende Alexander Kirchner kritisiert daher die jetzige Vorgehensweise der GDL. „Es gehe den Lokführern [der GDL] nicht um den Tarifkonflikt…. Ihr Ziel sei es stattdessen, mehr Mitglieder als die Schwestergewerkschaft zu bekommen. Kirchner sehe die Gefahr einer Entsolidarisierung der Gesellschaft, wenn jede Berufsgruppe für sich ‚vom Kuchen immer ein größeres Stück abschneidet als die anderen’ ‚Im Bereich Bahn gibt es jede Menge Beschäftigtengruppen, die mindestens oder sogar noch ein höheres Druckpotenzial erzeugen können als die GDL’, sagte Kirchner. Er kritisierte auch mögliche längere Streiks: ‚Wenn es aber darum geht, dass in Zukunft nur noch Ergebnisse erzielt werden, wenn man möglichst lange und häufig streikt, dann kriegen wir eine andere Republik, eine andere Gesellschaft.’“ (Quelle. zdf.de) Italienische Verhältnisse?

Werfen wir einen Blick auf die Arbeitgeberseite und hier speziell auf die Gesellschaft, die die Metronom-Züge betreibt:

Die Metronom Eisenbahngesellschaft mbH gehört zu 69,9 % der NiedersachsenBahn GmbH. Diese wiederum ist ein Zusammenschluss der privaten Osthannoversche Eisenbahnen AG (60 %) aus Celle und der staatlichen Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser GmbH (40 %) aus Zeven. Die Osthannoversche Eisenbahnen AG (OHE) wiederum ist seit März 2007 mehrheitlich im Besitz der Arriva Deutschland GmbH. Nachdem diese zwischenzeitlich ein Teil der Deutschen Bahn war, wurde die Arriva Deutschland GmbH Anfang Dezember 2010 an ein Konsortium der italienischen Staatsbahn Ferrovie dello Stato und des französisch-luxemburgischen Finanzinvestors Cube Infrastructure verkauft. Über die Arriva Deutschland GmbH gehört die Metronom Eisenbahngesellschaft mbH also der italienischen Staatsbahn. Italienische Verhältnisse – Klappe die zweite?

In den laufenden Tarifverhandlungen zwischen GDL auf der einen Seite und der Deutschen Bahn samt der sechs großen Schienenpersonennahverkehrsunternehmen (Abellio GmbH, Arriva Deutschland GmbH, BeNEX GmbH, Keolis Deutschland GmbH & Co. KG, Veolia Verkehr GmbH und die Unternehmen der Hessischen Landesbahnen) andererseits zählt man die Metronom Eisenbahngesellschaft mbH zur Arriva Deutschland GmbH.

Das Ganze hat natürlich noch eine weitere Dimension: Im Auftrag des Landes Niedersachsen erstellt die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) „ein bedarfsgerechtes öffentliches Verkehrsangebot und gestaltet es für Fahrgäste einfacher, mit Bahnen und Bussen aktiv zu sein.“ Die LNVG ist eine Tochter des Landes Niedersachsen und übernimmt „die Verkehrsplanung und konzipieren den Fahrplan, … führt Wettbewerbsverfahren durch und schließt Verträge mit Eisenbahnverkehrsunternehmen.“

So wird alle acht Jahre der Schienenpersonennahverkehr (SPNV) zwischen Bremen und Hamburg sowie zwischen Hamburg und Uelzen – kurz Hanse-Netz genannt – durch die LNVG ausgeschrieben. Zuletzt zum Dezember 2010. Und wie bereits acht Jahre zuvor (und zum ersten Mal) bekam die Metronom Eisenbahngesellschaft mbH den Zuschlag und schlug einen Konkurrenten wie die Deutsche Bahn aus dem Rennen (siehe hierzu eine Info der LNVG als PDF 109 KB groß). Kritiker behaupten nun, Metronom hätte den Zuschlag bekommen, weil diese durch ‚Dumping-Löhne’ den Preis drücken konnte. Italienische Verhältnisse – Klappe die dritte?

Ja, so langsam wird ein Karussell daraus. Und auf diesem sitzt der dumme August, der Kunde. Ich will das hier gar nicht weiter ausführen und kommentieren. Jeder wird sich seinen eigenen Reim darauf machen können. Irgendwo hat, wie es scheint, jeder Dreck am Stecken. Was ich aber zuletzt dann doch noch sagen darf:

Ich möchte die SPNV-Betreiber wie Metronom, die Gewerkschaft GDL und ihre Lokführer und auch die Verantwortlichen beim Land daran erinnern, dass es der Kunde ist, der so genannte Fahrgast, für den Ihr alle arbeiten dürft und der Euch bezahlt. Wenn Ihr den aus dem Karussell fallen lässt (um bei diesem Bild zu bleiben), dann entzieht Ihr Euch auch Eure Existenzgrundlage. Mögen die Forderungen nach einem Flächentarifvertrag (und eine Gehaltserhöhung von rd. 16,6 % – geht man von bisher 90 % des DB-Niveaus aus und der GDL-Forderung von 105 %) gerechtfertig sein oder nicht. Es muss doch etwas anderes geben, als durch Streik den Kunden zu vergraulen.