Alle Artikel von WilliZ

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Magie des Kinos: The Artist

The Artist („Der Künstler“) ist ein Spielfilm des französischen Regisseurs Michel Hazanavicius aus dem Jahr 2011. Die Geschichte um einen amerikanischen Stummfilmstar (gespielt von Jean Dujardin), der sich Ende der 1920er Jahren dem Übergang zum Tonfilm verweigert, wurde von Hazanavicius im Stummfilmformat 1,33:1 in Schwarzweiß-Bildern mit Zwischentiteln und so gut wie wortlos konzipiert.

Die Tragikomödie wurde am 15. Mai 2011 bei den 64. Internationalen Filmfestspiele von Cannes uraufgeführt und startete am 12. Oktober 2011 in den französischen Kinos. Von der internationalen Fachkritik überwiegend als brillante Hommage an das alte Hollywood bzw. als Liebeserklärung ans Filmemachen verstanden, gewann „The Artist“ mehr als 30 internationale Filmpreise, darunter 2012 drei Golden Globe Awards. Der deutsche Kinostart ist für den 26. Januar 2012 geplant.

Hollywood 1927: George Valentin (Jean Dujardin) ist ein gefeierter Stummfilm-Star. Doch die Einführung des Tonfilms schwebt als Damoklesschwert über seiner Karriere. Auf einer Premierenfeier verliebt sich George in die charismatische junge Statistin Peppy Miller (Bérénice Bejo), die mit ihrem gewinnenden Lächeln selbst das Zeug zum Leinwandliebling hat. Während der Siegeszug des Tonfilms für Peppy den Beginn ihres Aufstiegs bedeutet, verpasst George, der sich selbst als Star vom alten Schlage sieht, den Anschluss und fällt immer tiefer auf der Karriereleiter. George fehlt das Gespür für die Modernisierung des Kinos und die neuen Ansprüche des Publikums. Er überwirft sich mit seinem Produzenten (John Goodmann) und sein selbst produzierter Stummfilm wird zum Flop. Das gefährdet nicht nur die Beziehung zu seiner Frau, sondern führt ihn auch fast in den finanziellen Ruin.

aus: filmstarts.de

Ein Stummfilm in Schwarzweiß-Bildern im Jahre 2012 – geht das überhaupt? Ja, das geht und hat nicht nur bei den Kritikern, sondern auch beim Publikum großen Erfolg. Regisseur Michel Hazanavicius hatte mit Jean Dujardin bereits Komödien mit dem Geheimagenten OSS 117 im 60er Jahre-Look vorgelegt, die besonders in Frankreich ein breites Publikum fanden. Jetzt wagte er sich noch weiter in der Zeit zurück, zum Wendepunkt zwischen Stumm- und Tonfilm, und legte eine Hommage auf an das alte Hollywood, an den guten alten Stummfilm, ans Kino ganz allgemein und insgesamt. Eine Erklärung für den sich abzeichnenden Erfolg ist sicherlich der Überdruss eines Großteils der Zuschauer, der die ins Unendliche gesteigerten digitalen Tricks, diesen ganzen 3D-Kram einfach satt haben und sich noch einfacher, aber wohl schmeckender Kost sehnen. Diese Sehnsucht erfüllt „The Artist“. Zudem hebt sich der Filmheld George Valentin ganz einfach positiv von all diesen Superhelden ab. Man muss erst einmal darauf kommen, im 21. Jahrhundert einen schwarzweißen Stummfilm zu drehen.

Erneuter Filmriss: Hangover 2

Hangover 2 (Originaltitel: The Hangover: Part II) ist eine US-amerikanische Filmkomödie aus dem Jahr 2011 von Regisseur Todd Phillips mit Bradley Cooper, Ed Helms und Zach Galifianakis in den Hauptrollen und eine Fortsetzung zu „Hangover“ aus dem Jahr 2009. In dieser Fortsetzung erleben die Freunde abermals eine exzessive Nacht mit folgenschwerer Gedächtnisstörung.


Hangover 2 –deutscher Trailer

Gerade ist der fürchterliche Kater ihres Las-Vegas-Trips überwunden, da macht sich das berüchtigte Party-Crasher-Quartett aus „Hangover“ einmal mehr auf die Reise. Diesmal führt sie ihr Weg nach Thailand. Und diesmal soll alles anders, zivilisierter, unverfänglicher laufen, hat Stu (Ed Helms) beschlossen, um seine besorgte Verlobte (Jamie Chung) zu beruhigen. Doch er hat den Chaos-Geist seiner Kumpels Phil (Bradley Cooper), Alan (Zach Galifianakis) und Doug (Justin Bartha) fatal unterschätzt. Einmal mehr bricht eine Nacht voller abstruser Episoden an, an die sich am Ende niemand mehr erinnert – und vielleicht auch nicht erinnern will…

aus: filmstarts.de

Eigentlich ähnelt Hangover 2 sehr dem ersten Teil (Reichlich verkatert: Hangover). Wieder erleben wir einen absoluten „chaotischen Junggesellenabschied“ mit jede Menge Aberwitz. Aber weil der erste Teil so neu und originell war, kommt dieser zweite Teil lediglich als Abklatsch daher. Der Standort wurde zwar von Las Vegas nach Thailand verlegt und ein Tiger mit einem Affen ausgetauscht, aber weil einem alles irgendwie bekannt vorkommt, zündet der Funke nicht mehr so richtig. Okay, witzig ist der Film allemal, aber es bleibt ein zweiter Aufguss. So schnell verbraucht sich eben ein witziges Thema.

An die Hoffnung

Die Hoffnung, so sagt man, stirbt zuletzt. Sie hat viele Facetten. Und immer beinhaltet sie ein unterschiedliches Maß an Zweifel, das vom Grad der Gewissheit, der Erfüllbarkeit des mit der Hoffnung verbundenen Wunsches abhängig ist. Hoffnung in höchster Ausprägung ist die Gewissheit.

Und wie wohl eines Sternes kleines Licht
Verheißungsvoll in schwarzen Höhen funkelt
Und milden Strahls durch finstre Wolken bricht,
So, süße Hoffnung, wenn mein Sinn umdunkelt
Von trübem Ahnen, dann erscheine du,
Mit Silberschwingen fächle mich in Ruh!

John Keats aus: An die Hoffnung (Februar 1815)

John Keats: An die Hoffnung (Sonnenuntergang Neuwerk 2009)

Original: To Hope

And as, in sparkling majesty, a star
Gilds the bright summit of some gloomy cloud;
Brightening the half veil’d face of heaven afar:
So, when dark thoughts my boding spirit shroud,
Sweet Hope, celestial influence round me shed,
Waving thy silver pinions o’er my head.

Brauchen wir noch einen Bundespräsidenten?

„Solange ein Präsident, unser Staatsoberhaupt, das Resultat parteipolitischen Geklüngels ist, kann dieses Volk spielend auf einen Gesetzes-Abnicker verzichten, der zu Weihnachten moralingetränkte Belanglosigkeiten herunterfaselt.“ So kommentiert „villa_villekulla“ einen Beitrag zu ZDF Kennzeichen Digital – Das Blog: Die Causa Wulff tut uns gut! – und bringt es auf den Punkt. Verschiedene Verfassungsrechtler plädieren nämlich für eine Direktwahl des Bundespräsidenten, um parteipolitische Machtspielchen zu unterbinden. Und dann wäre Christian Wulff mit großer Sicherheit nicht Bundespräsident geworden.

Dank Parteiklüngelei Bundespräsident: Wulff

Anlässlich der Querelen um Herrn Wulff wird in diesen Tagen die Frage gestellt, ob wir das Amt des Bundespräsidenten überhaupt noch brauchen.

„Ein Bundespräsident soll moralisch unangreifbar sein, er soll überparteilich sein. Er soll integrierend wirken nach innen und außen, repräsentieren und immer die richtigen Worte in beachteten Reden zu wichtigen Themen finden. Seine Glaubwürdigkeit ist seine Macht.“ (Quelle: tagesschau.de)

Im Falle Wulff kommt beides zusammen: Parteiklüngelei und fehlende Eignung. Einen solchen Präsidenten brauchen wir nicht. Aber man sollte Amtsträger und Amt voneinander trennen. Es kann nicht jedes Amt abgeschafft werden, nur weil der jeweilige Amtsinhaber ungeeignet ist.

Der Ruf nach Abschaffung des Bundespräsidentenamtes ist also ziemlich voreilig. Denn er ist mehr als nur Notar oder Ersatzkaiser. Die Diskussion, die durch die Causa Wulff angeleiert wurde, sollte daher in eine andere Richtung gehen: Statt durch die Bundesversammlung sollte er (oder sie) endlich durch das Volk direkt gewählt werden. Die Gefahr von Fehlbesetzungen wie bei Wulff oder dessen Vorgänger Köhler dürfte mit einer direkten Legitimation durch das Volk wesentlich geringer sein. Und es wäre kein Präsident, der so einfach aus dem Hut gezaubert wäre.

Richard von Weizsäcker (ehemaliger Bundespräsident) soll gesagt haben: „Die Fähigkeiten, die ein hohes Amt erfordert, sind anderer Art als die, die man braucht, um dorthin zu gelangen. Wie oft kommt es vor, daß ein Kandidat über beides verfügt?“ Es sollte eigentlich genügen, die Fähigkeiten zu sitzen, ein hohes Amt angemessen auszuüben.

Der Präsident und „Bild“

Die Affäre um Wulff weitet sich zu einem Kampf zwischen Wulff und der „Bild“-Zeitung aus. Beide haben sich in gewisser Weise gegenseitig den Krieg erklärt, die „Bild“-Zeitung durch ihre Enthüllungen um den Kreditvertrag, Wulff in seiner Nachricht, die er auf der Mailbox des „Bild“-Chefredakteur hinterließ.

Dabei begann alles einmal im gegenseitigen Einvernehmen. Es war ein Geben und Nehmen zwischen beiden Parteien, von dem beide profitierten: Wulff und „Bild“ – eine fesselnde Beziehung

Dann kam der Bruch. Ausgangspunkt könnte Wulffs Äußerung „Der Islam gehört zu Deutschland“ sein, eine Äußerung, die nicht ins Meinungsbild der „Bild“-Zeitung gehört. Günter Wallraff, der Spezialist für das „Bild“-Zeitungswesen, unterstellt inzwischen der „Bild“-Zeitung: „Das ist keine Demontage. Das ist Vernichtungswille“.

Wie Wulff, der nur in kleinen Brocken mit der Wahrheit herausrückt, so benutzt die „Bild“-Zeitung eine Art Salami-Taktik und kommt nur scheibchenweise mit immer neuen Enthüllung heraus (als Letztes: Wulff und die Bonusmeilen).

Was die „Bild“-Zeitung sonst noch in petto hat, wissen wohl nur die Herren dieses Schmierenblattes, man kann aber erahnen, dass sie noch einiges auf Lager haben.

Der Kampf Wulff gegen „Bild“-Zeitung wirft heute schon viele Fragen auf, die auch die Frage der Pressefreiheit betreffen. Sauberer Journalismus sieht anders aus. Wo sind die Grenzen? Herr Wulff könnte einen fast Leid tun, aber er hat sich nun einmal freiwillig mit den Herren von „Bild“ eingelassen. Diese suchen nur nach ihren Vorteil. Notfalls schlachten sie auch das Vieh, das sie zuvor gemästet haben.

Wieder einmal: Freitag, der 13.

Schwarze Katzen, die den Weg kreuzen. Nicht unter Leitern durch. Mit dem falschen Bein aufstehen (war das nun das linke oder rechte?). Und natürlich Freitag, der 13.! All das bringt Unglück, behaupten viele. Was ist aber dran, am Freitag, den 13.?

    Freitag, der 13.

Nach alter Zahlensymbolik ist die Primzahl 13 eine ‘übersteigerte Zwölf’ und zerstöre die Harmonie des Universums. 13 bedeutete in vielen Kulturen, dass die Zahl 13 die symbolträchtige 12, die göttliche, kosmische und jahreszeitzeitliche Ordnungen repräsentiert (der Tag hat 12 Stunden – und auch die Nacht; es gibt 12 Monate und die Apostel Jesu waren derer 12), überschreitet. Bei der 13 hat Satan die Hand mit im Spiel, im Volksmund wird die 13 auch als das ‘Dutzend des Teufels’ bezeichnet.

Die 13 als Unglückszahl treibt seltsame Blüten. So gibt es in vielen Hotels kein Zimmer mit dieser Nummer. Und auch in Flugzeugen überspringt man gern diese Zahl. Wer sitzt schon gern auf einem Platz mit der Nummer 13. Und dann gab es natürlich die Raumfahrtmission zum Mond mit Apollo 13 im April 1970, die voller Pannen war, am Ende aber doch glimpflich verlief. Übrigens startete Apollo 13 an einem Freitag.

Das die 13 für viele allerdings auch eine Glückszahl sein kann, zeigt sich daran, dass die erste Lottozahl, die am 9. Oktober 1955 gezogen wurde, eine 13 war.

Und weshalb Freitag? Aberglaube ist zwar die Umkehrung des Glaubens, hat aber immer noch etwas mit Glauben zu tun. An einem Freitag wurde Christus an das Kreuz genagelt. Also kann Freitag nur ein Unglückstag sein. Aus jüngerer Zeit kennen wir den ’schwarzen Freitag’, den Tag des Börsenkrachs im Jahre 1927.

Und: In grauer Vorzeit galten Jahre (und auch Monate) als Unglücksjahre, wenn diese mit einem Freitag begannen.

siehe: Freitag, den 13.

TAAB2?!

Huuuuhiiidooooooo … da bin ich wieder, euer Willi, mit einer seiner Jethro-Tull-Kolumnen. Denn es hat sich doch einiges um den großen Flötenmeister getan, das ich in aller Kürze zusammenfassen möchte. Beginne ich mit der Jethro-Tull-Website. Dort wird uns wieder ein ‚großes Ereignis“ in nunmehr knapp 20 Tagen (noch so ’ne big surprise?) suggeriert (genau am 01.02. um 10 Uhr MEZ). Was das jetzt wieder sein wird? Sollte da der Remix von Thick as a Brick auf den Markt kommen? Aber dann hätten wir längst etwas davon gehört. Gibt Ian Anderson endlich offiziell das Ende von Jethro Tull bekannt?

Apropos Thick as a Brick: Der Meister kündigt für April d.J. ein neues Album an. Und es soll sich dabei um TAAB2 (siehe u.a. Laufis Jethro Tull Board), also einen zweiten Teil zu Thick as a Brick handeln (den er dann ja auch auf der TAAB-Tour als Zugabe bringen könnte/wird – immerhin beginnt die TAAB-Tour mit dem Erscheinen des möglicherweise neu erscheinenden Albums). Gleich vorne weg: Martin Barre bleibt außen vor und ist nicht in die Studioaufnahmen involviert. Oder anders ausgedrückt: Jethro Tull gibt es nicht mehr bzw. sollte es nicht mehr geben, wenn Ian Anderson Wort hält: Sollte Martin Barre nicht mehr Stage Left an seiner Seite zu finden sein, dann ist Jethro Tull gestorben. Unter welchem Namen sollte dann aber TAAB2 herauskommen: Jethro Tull 2.0?!

Aber zurück zum neuen Album. In Laufis Jethro Tull Board schreibt Whistling Catfish gut informiert an Snafje: It’ll be TAAB Part II. A new album. While TAAB was about adolesence and growing up this one will be about ageing. This is going to be fun……..I like this idea very much. And we know already a couple of pieces from it. „The fuckin‘ tune“ for example is the overture. And as far as I know „A Change Of Horses“ and „Adrift and Dumbfounded“ will be also part of it! I can’t wait actually…this is gonna be a new classic…and by no means a copy of part one…..oh…and I can already hear the scream of those already who will whine that is has nothing to do with Part 1. F#ck them….this is gonna be a great record!

TAAB2 soll also vom Alter(n) handeln. Und diverse bereits aufgeführte Stücke (Altes „Neues“ von Jethro Tull (7)) werden dabei verwurstelt. Wie auch immer: Ich muss gestehen, dass bei mir nach langer Zeit wieder so etwas wie Spannung aufkommt. Und gespannt sein darf man (wenigstens das).

Ian Anderson Combo 2010 ff.

Herr Anderson ist zz. wirklich sehr rührig (oder lässt andere rühren) und nutzt auch verschärft die sozialen Netze. Als Promotiongag hat er Gerald Bostock, den fiktiven Texter zu TAAB, wieder auferstehen lassen und ihm sowohl bei Facebook (Gerald’s Real Facebook® page) als auch Twitter (TAAB2 – das sagt alles) einen Account gegönnt.

Angesichts dieser Entwicklung stehe ich kurz davor, mir zu überlegen, ob ich mich vielleicht doch aufraffe, um eines der TAAB-Tour-Konzerte zu besuchen. Mich reizt allein schon die Truppe tanzender Elefanten, die dann doch nicht tanzt. Und überhaupt das ganze Gewusel drum herum. Oh, je, was kommt da auf uns zu ….????!!!!

siehe auch: Jethro Tull: Thick as a Brick 5.1

Da fällt mir ein, dass ich mich bisher noch nicht zu der Neuauflage resp. dem Remix zum Aqualung-Album: Aqualung 40th Anniversary geäußert habe.

Jethro Tull: Aqualung - Frontcover

Jethro Tull: Aqualung - Rearcover

Jethro Tull: Aqualung – Cover Art

Jethro Tull: Aqualung - Innerfold

Zunächst einmal: Zuerst hatte ich mir das Remix in Internet ausschnittweise angehört. Dann habe ich (ebenfalls nur in Ausschnitten) dem Ganzen auf meinem Rechner gelauscht und bis heute alles zusammen mehrmals als verlustbehaftete MP3-Dateien (allerdings mit erhöhter Bitrate) auf meinem MP3-Player auf dem Weg von der Arbeit nach Zuhause in der Bahn gehört.

Natürlich habe ich mir nicht dieses 100 €-Pack gekauft. Eine 5.1-Version (wenn auch nicht remixt) habe ich vorliegen. Zusammen mit dem 2-CD-Aqualung-Remix-Paket werde ich leben können. Das Booklet zur Doppel-CD ist erst einmal ganz nett. Und die Scheibe selbst? 1. Aqualung im alten Kleid lud immer dazu ein, an der Lautstärke zu fummeln. Das ist mit dem Remix schon einmal viel besser (gerade Beginn und Ende von Wind Up ist weiterhin etwas zu leise, aber wohl mit Absicht). 2. Erstaunlich ist schon, was da Steven Wilson aus den 40 Jahre alten Multi-Track-Masterbändern gezaubert hat. Ohne mich auf einen Vergleich eingelassen zu haben, empfinde ich den Klang als viel sauberer. Die einzelnen Instrumente kommen klarer herüber. Man merkt schon, dass hier mit neuester Aufnahmetechnik gearbeitet wurde. 3. Das Equipment der Musiker aus dem Jahre 1971 lässt sich allerdings nicht ins Jahr 2011 übertragen. Steven Wilson hat sicherlich an dem einen oder anderen ‚Knopf’ gedreht. Und Martin Barres Gitarre klingt etwas rotziger als auf der alten Scheibe (kommt mir wenigstens so vor). Aber die technischen Möglichkeiten vor 40 Jahren waren eben bescheidener als sie es heute sind. Fazit: Wer das Album „Aqualung“ wirklich mag, dem kann ich diesen Remix nur empfehlen. Man muss ihn aber nicht auf Teufel komm ’raus haben. Auf jeden Fall freue ich mich schon auf das Remix von „Thick as a Brick“ (und natürlich auch auf TAAB2).

siehe zur Coverart auch: 40 Jahre Jethro Tull’s Aqualung

Die Geschäftstüchtigkeit von Ian Anderson wurde allerorten immer wieder gerühmt. Für dieses Jahr allerdings dürfte ihm, so scheint es mir, der ganz große Clou gelingen. Und ich denke, dass es ihm dabei nicht nur um Kohle geht. Er will es einfach noch einmal allen (zumindest den alten Tull-Fans) zeigen. Und das könnte gelingen. Die Spannung steigt. Hoffen wir nur, dass der kreißende Berg nicht nur eine kleine Maus gebiert. Natürlich bleibt so oder so ein bitterer Nachgeschmack: Ohne Martin Barre an der Klampfe ist Jethro Tull einfach nicht mehr Jethro Tull. Aber schauen und hören wir, was da auf uns zukommt.

Zerfallserscheinungen

Nein, Manager Klaus Allofs und Trainer Thomas Schaaf haben es nicht leicht beim Fußballbundesligisten SV Werder Bremen. Thront das Schiff gewissermaßen hoch über den Wellen, dann freut sich jeder, an Bord sein zu dürfen. Droht das Schiff aber zu sinken, dann möchte jeder der erste sein, der das Schiff verlässt.

Noch schwimmt das Werder-Schiff, wenn auch schon manche Woge über die Reling Wasser bis ins Innere spült. Erste Ängstlichkeiten machen sich breit. Die Mannschaft sucht nach den besten Plätzen für einen rechtzeitigen Absprung: Zerfallserscheinungen?

Werder Bremen: ein sinkenes Schiff?

Mertesacker hat Werder bereits verlassen, um sich ‚weiterzuentwickeln’. Bei Arsenal London darf er schon in dieser Saison noch Champions League-Luft schnuppern. Pizarro droht, Bremen spätestens zum Ende der Saison zu verlassen, wenn Werder die folgende Saison nicht international vertreten sein sollte (die Champions League sollte es möglichst sein). Und Mertesackers langjähriger Partner in der Innenverteidigung, Naldo, sehnt sich zurück in seine Heimat Brasilien. Immerhin findet dort in zwei Jahren die Weltmeisterschaft statt. Und er möchte zurück in die Nationalmannschaft. Selbst Marko Marin, dessen Weiterentwicklung bei Werder ‚auf dem Trockenem’ liegt (um beim maritimen Sprachgebrauch zu bleiben), könnte/sollte/dürfte den Weg zurück zur Borussia in Mönchengladbach antreten, wenn dort kein Ersatz für den im Sommer zu Dortmund wechselnden Marco Reus ‚an Land’ gezogen wird.

Naldo hat sich von Allofs erst einmal bequatschen lassen und denkt jetzt sogar über eine Vertragsverlängerung nach. Marin? Das wird sich zeigen. Was sonst noch so in den Köpfen der anderen Spieler herumspukt, man kann es nur erahnen, aber nicht wissen.

Der Dreh- und Angelpunkt ist das Erreichen eines internationalen Wettbewerbs in der nächsten Saison. Dazu muss dann aber mindestens der 6. Tabellenplatz am Ende herausspringen. Ansonsten wird mancher Spieler das Schiff Werder wie die Ratten verlassen. Zerfallserscheinungen? Dann mit Sicherheit!

Am Samstag, den 21. Januar geht’s weiter beim Start der Rückrunde um 18 Uhr 30 im Spiel beim 1.FC K’lautern. Dann heißt es wieder: Ran an die Riemen!

Kafka, der Prozess und das Kino

Franz Kafkas Prosa gilt vielen als unverdaulich, da sie zu schwer zu verstehen ist. Manche halten Kafka für krank. Wer solchen Kram geschrieben hat, konnte nur krank sein. Letzteres musste ich mir von einer Deutsch-Lehrerin einer Realschule anhören. Unfassbar!

Sicherlich ist Kafka starker Tobak. „So schwer der Gehalt des Werkes auch zu erfassen ist, so einfach, klar und schlicht ist andererseits die Sprache, in der es geschrieben ist.“ (Martin Pfeiffer: Erläuterungen zu Franz Kafka: Amerika / Der Prozeß / Das Schloß – Königs Erläuterungen und Materialien Band 209 – C. Bange Verlag, Hollfeld/Obfr. – 1981 – S. 57). Bei Kafka werden Alpträume gewissermaßen wahr, er ‚spielt’ mit seinen/unseren Ängsten und auch mit seinen/unseren Wünschen – und beschreibt diese dabei so real, wie es kein anderer Schriftsteller je geschafft hat. Nein, da fließt kein Blut. Der ‚Horror’, um dieses Wort einmal (und dann nie wieder) zu benutzen, ist viel subtiler bei Kafka. Nehmen wir Kafkas Roman „Der Prozess“ (nachzulesen u.a. im Projekt Gutenberg Spiegel Online). Hier wird eines morgens Josef K., ein aufstrebender Bankangestellter, mir nichts, dir nichts an seinem 30. Geburtstag zu Hause ‚verhaftet’. Eine richtige Verhaftung ist es eigentlich nicht, denn er wird nicht davon abgehalten, zur Arbeit zu gehen. Warum er verhaftet wird, weiß weder der ‚Aufseher’, noch wissen es die zwei ‚Wächter’, die K. daheim aufsuchen. Schon allein die Umstände dieser Verhaftung sind wie in einem Alptraum. Und das Ganze geht dann immer weiter.

Das gesamte Werk von Franz Kafka

Franz Kafka: Der Prozess - handschriftliche erste Seite
Quelle: franzkafka.de

Ich lese Kafkas „Der Prozess“ (Franz Kafka – Gesammelte Werke Band 2 – herausgegeben von Max Brot – Taschenbuchausgabe in sieben Bänden – Fischer Taschenbuch Verlag – April 1976) in diesen Tagen zum 3. Mal. Die letzten beide Male liegen schon lange zurück (1977 und 1987). Es wurde für mich als Kafka-Bewunderer also wieder ‚höchste Eisenbahn’. Hier in diesem Beitrag möchte ich mich lediglich mit dem ersten Kapital des leider unvollendeten Werkes beschäftigen und da auch nur mit den ersten 13 ¼ Seiten, der Verhaftung Josef K.s. Und das zudem aus einem ganz besonderem Blickwinkel.

Kafka interessierte sich sehr für ein neues Medium, den Cinémato- bzw. Kinematographen – also dem Kino (hierzu eine Seminararbeit zum Thema Franz Kafka und das Kino). Liest man die besagten gut 13 Seiten des Romananfangs, dann fällt einem sehr bald der „filmische Blick“ des Erzählers auf. Diese Seiten (und überhaupt das gesamte Werk) weisen einen hohen Grad an Visualität auf. Besonders die vielen Gesten der Handelnden werden – ähnlich wie in einem Drehbuch – sehr präzise beschrieben und erläutert, hier nur einige der vielen Textpassagen, die das belegen:

„.. machte eine Bewegung, als reiße er sich von den zwei Männern los …“ (S. 8 ) – „… und klopfte ihm öfters auf die Schulter.“ (S. 8 ) – „… hob aber schon einen Rock vom Stuhl und hielt ihn ein Weilchen mit beiden Händen, als unterbreite er ihn dem Urteil der Wächter.“ (S. 13) – „Er hatte die Beine übereinandergeschlagen und einen Arm auf die Rückenlehne des Stuhles gelegt.“ (S 14) – „… schob seine Manschetten zurück, befühlte die Brust, strich sein Haar zurecht, …“ (S.16) – „Die drei jungen Leute hatten die Hände in die Hüften gelegt und sahen ziellos herum.“ (S. 17) – „Der Aufseher hob die Augen, nagte an den Lippen und sah auf K.s ausgestreckte Hand; …“ (S. 17)

Den Aufseher hat es dabei besonders ein Nachttisch angetan:

„… und verschob dabei mit beiden Händen die wenigen Gegenstände, die auf dem Nachttischchen lagen, die Kerze mit Zündhölzchen, ein Buch und ein Nadelkissen, als seinen es Gegenstände, die er zur Verhandlung benötige.“ (S. 14 f.) – „… fragte der Aufseher und stellte nun die Kerze in die Mitte des Tischchens, während er die anderen Sachen um sie gruppierte.“ (S. 15) – „… sagte der Aufseher und sah nach, wie viel Zündhölzchen in der Zündhölzchenschachtel waren.“ (S. 15) – „Der Aufseher schlug die Zündhölzchenschachtel auf den Tisch nieder.“ (S. 15)

Das ließe sich fortsetzen und zeigt das Bildhafte, ja geradezu Filmhafte des Romans auf. Und noch etwas habe ich gefunden, das die Nähe zum Film verdeutlicht. Gerade in diesen wenigen ersten Seiten gibt es so etwas wie einen Running Gag. Franz Kafka mag mir diese Bezeichnung verzeihen, aber Kafka benutzte hier ein Stilmittel, das dem ‚Dauerwitz’ sehr nahe kommt. Die Verhaftung von Josef K. wird nämlich während der gesamten Dauer aus dem Nachbarhaus beobachtet. Und in insgesamt acht Textpassagen (oder sind es vielleicht noch mehr) flocht Kafka diese Beobachtung in das Verhaftungsszenario mit ein:

(1) „… sah von seinem Kopfkissen aus die alte Frau, die ihm gegenüber wohnte und die ihn mit einer an ihr ganz ungewöhnlichen Neugierde beobachtete, …“ (S. 7)

(2) „Durch das offene Fenster erblickte man wieder die alte Frau, die mit wahrhaft greisenhafter Neugierde zu dem jetzt gegenüberliegendem Fenster getreten war, um auch weiterhin alles zu sehen.“ (S. 8 )

(3) „… drüben sah er die alte Frau, die einen noch viel älteren Greis zum Fenster gezerrt hatte, den sie umschlungen hielt.“ (S. 12)

(4) „… die beiden Alten von drüben, die wohl jetzt auf dem Marsch zum gegenüberliegendem Fenster waren.“ (S. 12 f.)

(5) „Im gegenüberliegendem Fenster lagen wieder die zwei Alten, doch hatte sich ihre Gesellschaft vergrößert, denn hinter ihnen, so weit überragend, stand ein Mann mit einem auf der Brust offenen Hemd, der seinen rötlichen Spitzbart mit den Fingern drückte und drehte.“ (S. 14)

(6) „Drüben war noch die Gesellschaft beim Fenster und schien nur jetzt dadurch, daß K. ans Fenster herangetreten war, in der Ruhe des Zuschauens ein wenig gestört. Die Alten wollten sich erheben, aber der Mann hinter ihnen beruhigte sie.“ (S. 16 f.)

(7) „‚Weg von dort’, rief er [K.] dann hinüber. Die drei wichen auch sofort ein paar Schritte zurück, die beiden Alten sogar noch hinter den Mann, der sie mit seinem breiten Körper deckte und, nach seinen Mundbewegungen zu schließen, irgend etwas auf die Entfernung hin Unverständliches sagte. Ganz aber verschwanden sie nicht, sondern schienen auf den Augenblick zu warten, in dem sie sich unbemerkt wieder dem Fenster nähern könnten.“ (S. 17)

Dann zuletzt als K. das Haus verlässt: (8) „…als plötzlich Kullich auf das gegenüberliegende Haustor zeigte, in dem eben der große Mann mit dem blonden Spitzbart erschien und im ersten Augenblick, ein wenig verlegen darüber, daß er sich jetzt in seiner ganzen Größe zeigte, zur Wand zurücktrat und sich anlehnte. Die Alten waren wohl noch auf der Treppe.“ (S. 19)

Max Brod, Freund und Herausgeber der Werke Kafkas schrieb in Franz Kafka. Eine Biographie (Neuausgabe 1974 mit dem Titel: Über Franz Kafka), dass Kafka beim Vorlesen aus diesem Werk vielfach laut lachen musste. Wenn man allein diese Passagen mit den Alten am Fenster liest, kann man das sehr gut nachvollziehen. So ernst und düster der Kern dieses Romans ist, so ist er doch nicht ohne Humor. Reiner Stach, Kafka-Biograf, bringt es in seinem Buch Kafka – Die Jahre der Entscheidungen auf den Punkt: „Denn furchtbar ist das Ganze, aber komisch sind die Details“. Und die Details sind wirklich aberwitzig. So studieren die Richter „Pornohefte statt Gesetzesbücher, sie lassen sich Frauen herbeitragen wie eine prächtige Speise auf einem Tablett. Die Henker sehen aus wie alternde Tenöre. Ein Gerichtsraum hat ein Loch im Boden, so dass ab und zu das Bein eines Verteidigers in den darunter liegenden Raum ragt.“ Besonders die sexuellen Aspekte weisen groteske Züge auf: „Die Frauen sind sirenenhaft, die Vertreter des Gerichts voller lüsterner Gier. Aber genauso ist auch K. voller unbeherrschter Gier Fräulein Bürstner gegenüber („… faßte sie, küßte sie auf den Mund und dann über das ganze Gesicht, wie ein durstiges Tier mit der Zunge über das endlich gefundene Quellwasser hinjagt. Schließlich küßte er sie auf den Hals, wo die Gurgel ist, und dort ließ er die Lippen lange liegen.“ – S. 30 f.) und erliegt ohne Gegenwehr den angebotenen Verlockungen.“ (Quelle: de.wikipedia.org) – Wenn das nicht filmreif ist?!

Ich kann mir nicht helfen: Würde Kafka heute leben, so könnte ich ihn mir sehr gut als Drehbuch-Autor für einen Film der Coen-Brüder vorstellen. Besonders ein Film wie A Serious Man könnte das Resultat einer Zusammenarbeit der drei sein. Oder vielleicht so: Die Coen-Brüder verfilmen in naher Zukunft Kafkas „Der Prozess“. Denkbar wäre das, ja, geradezu wünschenswert. Warum gerade die Gebrüder Ethan und Joel Coen? Beide sind Juden wie Kafka einer war. Und wellenlängenmäßig, so glaube ich schon, würden sie gut zueinander passen!

Bond und die Verblendung

Es hat drei Jahre gedauert, bis ich Daniel Craigs zweiten Bondauftritt in Ein Quantum Trost aus dem Jahre 2008 kurz nach Weihnachten gesehen habe. Meine Söhne und auch ich hatten nach Casino Royale kein Interesse an dem neuen Bond, der nicht mehr der James Bond alter Tage ist.

James Bond ist eine Kunstfigur besonderer Art. Mit seiner Lizenz zum Töten ist er nicht gerade ein Idol für eine friedvolle Auseinandersetzung der Völker und Kulturen. Oder wie ich hier einmal schrieb: Jede Ähnlichkeit mit der Wirklichkeit wäre mehr als zufällig. Aber genau das ist es, was sie zu zeitlosen Helden macht. Sie sind zwar keine Superhelden wie Batman, Superman, Spiderman und wie sie alle heißen, aber im Grunde sind sie unschlagbar, auch wenn sie oft genug in brenzlige Situationen geraten. Durch ihre Intelligenz und ihren Spürsinn, durch ihren Charme und ihre ‚Schlagfertigkeit’ wissen sie sich immer zu helfen. Und alle drei [gemeint sind Emma Peel und John Steel aus der Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“ – sowie James Bond] sind very british.

Allein dieses „very british“ vermissen meine Söhne und ich an dem neuen Bond. Ihm fehlt jegliche Selbstironie, die Briten auszeichnet. Sein Charme ist der eine Hyäne. Das Wenige an Witz, das er hervorbringt, ist lahm. Und seine Sprüche reißen keinem vom Hocker. Ausgeglichen wird das durch eine Orgie an Action und Gewalt. Aber was zu viel ist, das ist einfach zu viel. Selten habe ich mich vor dem Bildschirm so sehr danach gesehnt, dass diese endlosen Verfolgungsjagden und Schießereien endlich ein Ende finden. Das ist einfach mit der Zeit ermüdend.


Verblendung – ein Film von David Fincher (2011)

Und jetzt die Neuverfilmung von Stieg Larssons Roman „Verblendung“, dem ersten Teil der Millennium Trilogie (Verblendung – Verdammnis – Vergebung) – mit Daniel Craig. Als ich erfuhr, das die Amerikaner diesen außergewöhnlichen Kriminalroman erneut verfilmen wollten, sträubte sich einiges in mir.

Hollywood hat sich in den letzten Jahren immer wieder an Filmstoffen aus Europa bedient. Eine Zeitlang waren Neuverfilmungen französischer Filme angesagt. Jetzt sind es Plots aus Skandinavien. Soweit ich einen Vergleich hatte, haben mir die europäischen Filme immer wesentlich besser gefallen. Die Erstverfilmung von Verblendung, eine Gemeinschaftsproduktion auch mit dem ZDF, ragte besonders durch die Darstellung von Noomi Rapace der Lisbeth Salander hervor. In der amerikanischen Neuverfilmung (Regie: David Fincher) übernahm Rooney Mara diesen Part, die noch zerbrechlicher als Noomi Rapace wirkt, deren äußere Wandlung mich entgegen meinen Erwartungen doch stark überraschte.

Und Daniel Craig als kritischer Journalist Mikael Blomkvist? Ich weiß nicht, ich habe eine nicht so ganz erklärbare Antipathie gegen Daniel Craig. Vielleicht liegt es an dem Bond, den er verkörpert und den ich nicht mag. Allein sein Äußeres sagt mir nicht zu, den gedrungenen Körper und dieses dazu unpassende Gesicht … Dabei erscheint er mir ein durchaus sympathischer Typ zu sein. Immerhin hat er einige sehr gute Filme gemacht. Und in seinen Interviews redet er keinen allzu großen Käse (wie es sonst viele Schauspieler tun). Nun Daniel Craig ist ‚erträglich’ in Verblendung. Auch wenn ich mich nicht endgültig mit ihm anfreunden kann, so interpretiert er die Rolle doch auf eine neue Weise und nimmt sich sogar zurück, um „seiner jungen Kollegin eine perfekte Bühne für ihre großen Auftritte zu bereiten“.

Nun zum Inhalt des Films brauche ich nichts Neues zu sagen. Ich habe es ausführlich in meinen Beitrag zur schwedischen Erstverfilmung getan.

Entgegen meinen Erwartungen ist David Finchers Neuinterpretation des weltweit erfolgreichen Stieg-Larsson-Thrillers „Verblendung“ gelungen. Hollywood hat zwar wieder in Europas Kinolandschaft gewildert und dabei sicherlich nicht den schlechtesten Film herausgesucht. Statt einer Verwässerung des Filmstoffs nach amerikanischem Muster ist ein Film entstanden, der manchen Akzent anders setzt. Besonders Rooney Mara „verkörpert Lisbeth Salander kongenial als introvertiertes Mädchen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, das in den Ermittlungen eine Chance sieht, endlich seinen Platz in der Gesellschaft zu finden – nur um dann wieder und wieder enttäuscht zu werden. Diese verletzlichere Ausdeutung ist ganz sicher nicht so cool/kultig wie die von Noomi Rapace, erzählerisch gibt sie aber viel mehr her. Außerdem leuchtet Fincher die Beziehung zwischen Blomkvist und Salander (für ihn eine kuriose Faszination, für sie die erste große Liebe) bewusst stärker aus, was ihrer Figur noch einmal zusätzlich Tiefe verleiht.“ (aus: filmstarts.de)

Die Erstverfilmung war schon sehr krass. Wer nun glaubte, Fincher würde mit Rücksicht auf amerikanische Gemüter mit angezogener Handbremse agieren, muss sich getäuscht sehen. Seine Version der Rache von Salander an ihrem Peiniger fällt noch heftiger aus. Bei der expliziten Darstellung von Gewalt habe ich oft meine Probleme. Sie darf auf keinem Fall Selbstzweck sein, sondern sollte nur verdeutlichen, welche Bestie in manchen Menschen steckt. Denn allein dieses Wissen ist Schrecken genug. Fincher kratzt für mich leider sehr stark an dieser Grenze zum Zumutbaren.

Noch eines: Von Noomi Rapace, die die Rolle der Lisbeth Salander immerhin in drei Filmen gespielt hat, wissen wir, dass über diese Rolle ihre Beziehung zu ihrem Mann zerbrochen ist. Es ist eine Filmrolle, die eine junge Schauspielerin ganz und gar vereinnahmt und die man dann nicht zum Feierabend hin an der Garderobe abgeben kann. Wenn ich die Bilder der jungen Rooney Mara von früher mit denen von heute vergleiche, so stelle ich eine deutliche Veränderung des Gesichts und damit besonders der Mimik fest.

Man, man, oh man …

Lernwillig und lernfähig sei man, meint Herr Wulff; man wird auch ein wenig demütiger, man wird lebensklüger und man muss aus eigenen Fehler lernen. Man, oh man: Herr Wulff meint sich selbst mit diesem unzählig wiederholten „MAN“. Wie wäre es mit einem aufrichtigen „ICH“?

Inzwischen nimmt selbst in der Koalition die Kritik an dem Bundespräsidenten zu. Nicht nur das Krisenmanagement sei unprofessionell, auch die Kommunikation sei nicht so, wie sie sein sollte.

Nein, an Rücktritt denkt dieser Bundespräsident nicht. Er zeigt sich zuversichtlich und glaubt, die Krise bald überstanden zu haben. „In einem Jahr ist das alles vergessen“, soll er laut „Bild am Sonntag“ am Freitag bei einem Neujahrsempfang für seine Mitarbeiter gesagt haben.

Schuh-Demo gegen Christian Wulff - © zdf.de

Die Kunst des richtigen Rücktritts, davon versteht Herr Wulff nichts. Und längst hat er auch den Zeitpunkt verpasst, in Würde zurückzutreten. Alles wird ausgesessen. Aber das Fußvolk lässt ihn nicht so ohne Weiteres entkommen und protestiert nach arabischem Vorbild: Hunderte Menschen haben mit erhobenen Schuhen vor Schloss Bellevue demonstriert. „Wulff in die Produktion“ hieß es da auf Plakaten, oder „Bundespräsidenten haben kurze Beine“.

Herr Wulff versichert inzwischen, er wolle bis 2015 einen guten Job machen. ‚Endlich’ hätte er hinzufügen müssen. Denn sein Hauptproblem ist das ewige Schweigen. Ein Bundespräsident erzielt politische Wirkung hauptsächlich durch Reden, die gesellschaftliche Debatten aufgreifen oder anstoßen. Als Beispiele hierfür gilt u.a. die Weizsäcker-Rede anlässlich des 40. Jahrestages der Beendigung des Zweiten Weltkrieges 1985. Aber Herr Wulff ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Ihm fehlt jegliches Feingefühl, jegliche Integrität für das Amt, das er ausfüllen soll. Es ist zu befürchten, das uns dieser Präsident noch drei ein halb Jahre weiter ‚erhalten’ bleibt.

Und noch eines: Es ist schon erschreckend, feststellen zu müssen, dass man in die Verlegenheit gerät, dem Schmierenblatt „Bild“ mehr zu glauben als einem Bundespräsidenten. Inzwischen kennen wir nähere Fakten zu der Mailbox-Nachricht, die Wulff beim Chefredakteur der „Bild“-Zeitung hinterlassen hat. Die Verweigerung zur Veröffentlichung hätte sich Wulff ersparen können. Tatsächlich hat Christian Wulff um einen Aufschub der Berichterstattung gebeten. Zugleich sei sein Anruf aber auch ein „Flehen und Drohen“ gewesen, bei dem die Worte „Krieg führen“ und „Strafantrag“ gefallen seien. Wulff hat also nicht gelogen, aber die Wahrheit hat er auch nicht ausgesprochen. Oder wie gesagt wurde: Herr Wulff hat ein taktisches Verhältnis zur Wahrheit; für einen Bundespräsidenten ist das mehr als unangemessen.

E. L. Doctorow: Ragtime

Heute feiert der US-amerikanischer Schriftsteller und Publizist Edgar Lawrence Doctorow (* 6. Januar 1931 in New York City), der zu den wichtigsten zeitgenössischen Autoren der USA zählt, seinen 81. Geburtstag. In Deutschland wurde Doctorow bisher vor allem durch seine Romane Ragtime und „Billy Bathgate“ bekannt. Beide Romane wurden auch verfilmt, Ragtime 1981 von Miloš Forman (u.a. mit James Cagney in seiner letzten Rolle), zwischen der Formans Musicalverfilmung Hair (1979) und der Mozart-Biografie Amadeus (1984).

Leider ist der Film zz. nicht (oder überteuert) in deutscher Sprache erhältlich, hier ein kurzer Trailer bzw. weitere Ausschnitte:


Ragtime – Trailer

Auf den Roman Ragtime bin ich durch meine Recherche zu der Erzählung Michael Kohlhaas von Heinrich von Kleist gestoßen. Von der Verfilmung hatte ich zwar gehört, dachte aber wohl, es sei ein Musik- bzw. Musikerfilm.

Ragtime ist ein historischer Roman, der fiktive Charaktere mit historischen Persönlichkeiten verbindet, und 1975 veröffentlicht wurde. Er spielt im New York des anbrechenden 20. Jahrhunderts und verwebt drei Handlungsebenen. Der erste Erzählstrang konzentriert sich auf Figuren wie „Mutter“, „Vater“ oder „Mutters jüngerer Bruder“, die eine wohlhabende US-amerikanische Familie der damaligen Zeit darstellen sollen. Der Roman wird (wenigstens teilweise) aus der Sicht „des kleinen Jungen“ dieser „Familie“ geschrieben, allerdings in 3. Person Einzahl. Der zweite Erzählstrang handelt von jüdischen Einwanderern „Tate“ (Tateh) und Mamme (Mameh) in der Lower East Side. Im Mittelpunkt des dritten Erzählstrangs steht das Leben des Afro-Amerikaners Coalhouse Walker Jr., der ähnlich wie in der Erzählung Michael Kohlhaas von Heinrich von Kleist im Streben um soziale Gerechtigkeit scheitert: Als sein Auto, das legendäre Ford-Modell T, von weißen Rassisten demoliert wird, versucht er auf juristischem Weg Schadenersatz zu erlangen. Doch die Gesellschaft verweigert ihm seine verfassungsmäßigen Rechte. Seine Verlobte, die beim Vizepräsidenten der USA um Hilfe bittet, wird von Leibwächtern schwer verletzt und stirbt. Walker sammelt eine Gruppe desillusionierter schwarzer Jugendlicher um sich und startet als bewaffneter Revolutionär einen Rachefeldzug. Er gipfelt in der Besetzung der mit Kunstschätzen angefüllten Bibliothek des Großbankiers John P. Morgan. Der Vorname Coulhouse ist als literarische Referenz an die Erzählung von Kleist zu sehen. Doctorow hält sich in vielen Handlungsmomenten sehr dicht an der Vorlage, sodass sogar von einem Plagiat die Rede war. Nur das Ende von Coalhouse Walker ist anders. Die Polizei macht kurzen Prozess mit ihm, wie es die Amerikaner meist mit vermeidlichen Terroristen zu machen belieben.


New Rochelle/NY, Broadview Avenue – Wohnort der ‘Familie’

Im ganzen Buch treten historische Persönlichkeiten auf, unter anderem der Financier John Pierpont Morgan, der Automobilhersteller Henry Ford, die Schauspielerin Evelyn Nesbit, die Anarchistin Emma Goldman oder der Entfesselungskünstler Harry Houdini. Die Psychoanalytiker Sigmund Freud, Carl Gustav Jung und Sándor Ferenczi befinden sich 1909 auf einer Dienstreise in die Vereinigten Staaten.

Die Handlungsstränge sind immer wieder miteinander verwoben. Im Mittelpunkt steht dabei die Familie (mit Vater, Mutter und Mutters jüngerem Bruder), deren Wege sich sowohl mit Coalhouse Walker, am Ende auch mit dem jüdischen Einwanderer Tate kreuzen (nach dem Tod von Vater heiratet Mutter sogar Tate).

Nicht umsonst zählt das Time Magazine „Ragtime“ zu den 100 besten englischsprachigen Romanen des 20. Jahrhunderts. Das in sich komplexe Werk führt uns in das Amerika der Zeit vor dem ersten Weltkrieg und lässt dabei reale wie erfundene Episoden gekonnt miteinander verschmelzen. Doctorow schreibt mit viel Witz und Ironie und bedient sich geschickt verschiedener Metaphern. Der Roman ist eine gelungenen Mischung aus Nostalgie, Unterhaltung und Sozialkritik: Einfach lesenswert und daher wärmstens zu empfehlen.

„Warum kommen einem Doctorows Bilder wahrer vor als die Wirklichkeit? Weil sich alles in ihnen widerspiegelt, was sich in den rund hundert letzten Jahren an wahrhaft Bedeutendem und Dramatischem in Amerika abgespielt hat. Diese Bilder sind herrlich in ihrer konkreten, unmittelbaren Art.“
The New York Times Book Review