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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Simon Dupree and The Big Sound featuring Reg Dwight

Geschichten gibt’s, die glaubt man fast nicht. Oder hat jemand gewusst, dass Elton John einmal mit den Brüdern Shulman zusammengespielt hat, die 1970 die Artrock-Gruppe „Gentle Giant“ gegründet hatten?

Auf der Heimfahrt von der Arbeit höre ich in diesen Tagen die alten Aufnahmen der Gruppe Gentle Giant, die von 1970 bis 1980 existierte. Neben Jethro Tull zählt für mich die Gruppe Gentle Giant zu den interessantesten Vertreter des Artrocks (obwohl ich diese Schublädchen wie Artrock oder Progessive Rock nicht so mag). Besonders die ersten Alben der Band haben es mir angetan. Leider wurde der Stil zunehmend geändert, um kommerzielle Erfolge zu erzielen, was dann aber nicht eintraf. So löste sich die Gruppe leider viel zu früh auf.

Gentle Giant sah ich als Vorgruppe von Jethro Tull Anfang 1972 zum ersten, leider auch zum letzten Mal live auf der Bühne. Die Gruppe zählt man zum britischen Artrock mit unverwechselbarem Klangbild. Einflüsse von Klassik, Blues, Jazz und Avantgarde prägten dabei den komplexen Sound. Viele Titel haben ihren Ursprung in europäischer Musiktradition und speziell in keltischer Musik. Ausgefallene Arrangements mit einem breiten Spektrum an Instrumenten und fantastische, mehrstimmige Gesangspassagen waren das Markenzeichen von Gentle Giant. Noch faszinierender als das Arsenal der Instrumente und Stilmittel war die strukturelle Dichte des Geschehens: Diese fünf Rocker hatten offenbar größten Spaß an Kontrapunkt und Polyphonie, gegenläufigen und mehrschichtigen Partituren, ungeraden Metren und ständigen Taktwechseln. „Es ist unser Ziel, die Grenzen der zeitgenössischen Popmusik zu erweitern – auch auf die Gefahr hin, damit sehr unpopulär zu sein.“

Inzwischen wurden die alten Alben der Gruppe als CDs neu aufgelegt, teilweise auch digital remastered, und sind wieder im Handel erhältlich: Gentle Giant

Wie viele andere Gruppen, die um die Jahre 1968-70 entstanden, so hat auch die Gruppe „Gentle Giant“ eine etwas anders geartete Vorgeschichte. In den 60er-Jahren spielten die Brüder Derek (*11.2.1947), Ray (* 3.12.1949) und der Saxofonist Phil Shulman (* 27.8.1937) in Gruppen, die sie „The Howling Wolves“ und dann „The Road Runners“ nannten. Daraus wurde dann Anfang 1966 die Gruppe Simon Dupree and the Big Sound, wobei sich Derek Shulman, der Sänger der Gruppe, Simon Dupree nannte. Die Gruppe spielte Rock and Roll und Motown und die Bandmitglieder wurden so auch die „blue-eyed soul brothers“ genannt. Für unsere Ohren war das typische 60er-Jahre-Musik. Interessantes Detail am Rande: Neben den Beatles und den Moody Blues war die Gruppe eine der ersten, die sowohl bei den Aufnahmen im Abbey Road Studios als auch auf der Bühne das Mellotron benutzten. Auch wenn der große Erfolg für Simon Dupree and the Big Sound ausblieb, so hatten sie zumindest 1967 einen Top Ten Hit in England, das Stück „Kites“


Simon Dupree and the Big Sound: Kites

Wenn der große Erfolg von Simon Dupree and the Big Sound auch ausblieb, so traten sie doch bei verschiedenen Veranstaltungen mit Größen wie Jimi Hendrix, The Beach Boys, den Walker Brothers und Cat Stevens auf. Und als man 1967 auf Tour durch Schottland ging, fiel wegen Krankheit der Keyboarder Eric Hine aus und musste ersetzt werden. Als Ersatz sprang so Reg Dwight – mit vollständigen Namen Reginald Kenneth Dwight – ein. Dieser Reg Dwight ist heute besser bekannt als Elton John. Elton John kam damals als Ersatz über eine Agentur zur Gruppe und bekam für die Auftritte 25 £ die Woche. Immerhin ist doch noch etwas für die Nachwelt hängen geblieben. Elton John aka Reg Dwight schrieb für die Band ein Lied und spielte auch das Klavier (Text übrigens von Bernie Taupin): ‚I’m Going Home‘, das allerdings damals nicht veröffentlicht wurde und erst im März 2004 auf den Markt kam (Part of My Past (1966-1969)). Außerdem spielte Elton John auf den Liedern ‚Laughing Boy From Nowhere‘ und ‚Give It All Back‘.

Wie ging es dann weiter? Frustriert von ihrer Popband “Simon Dupree And The Big Sound”, die 1967 mit „Kites“ in England wie bereits erwähnt einen Top Ten Hit hatte, gründeten 1968 die Brüder Shulman mit dem Drummer Martin Smith in Glasgow „Dynamics Of Gentle“. Die Shulman-Brüder haben diesen Hit übrigens gehasst. Bald darauf kamen Kerry Minnear (* 2.1.1948) und Gary Green (* 20.11.1950) hinzu. Als Gentle Giant strebten sie dann ab 1970 einen progressiven Art-Rock an.

Diverse Videos zu Simon Dupree and the Big Sound gibt es bei YouTube.

zu Gentle Giant siehe auch meine Beiträge:
Gentle Giant: The Advent of PanurgeGentle Giant live im Golders Green Hippodrome 1978Gentle Giant – An Inmate’s LullabyThree Friends – die (halbe) Gentle Giant Reunion

Alice im Wunderland

Alice im Wunderland ist ein erstmals 1865 erschienenes Kinderbuch des britischen Schriftstellers Lewis Carroll, das sich vorwiegend im englischen Sprachraum bis heute großer Beliebtheit erfreut, aber natürlich auch bei uns bekannt ist. Von diesem Buch (und der Fortsetzung Alice hinter den Spiegeln) gibt es inzwischen eine Vielzahl an Filmadaptionen – die neueste erschien Anfang des Jahres in der Regie von Tim Burton mit Johnny Depp und Helena Bonham Carter, die beide gewissermaßen zum Stammpersonal von Burtons Filmen gehören (u.a. 2005 in Charlie und die Schokoladenfabrik und 2007 Sweeney Todd) und verarbeitet beide Bücher: Alice im Wunderland. Seit Ende August kann man den Film auch als DVD Alice im Wunderland in den eigenen vier Wänden betrachten.


Alice im Wunderland – Offizieller Trailer

Mit der Kindheit scheint es für Alice Kingsley (Mia Wasikowska) vorbei zu sein: Familie und aristokratische Bekanntschaft erwarten eine euphorische Vermählung mit dem steif-versnobbten Geschäftsmann Hamish (Leo Bill). Wenn da nicht dieses wild mit einer Taschenuhr wedelnde Kaninchen (Stimme im Original: Michael Sheen) wäre! Kurzerhand setzt Alice Prioritäten, folgt dem sonderlichen Wesen durch den Schlossgarten – und purzelt durch den Kaninchenbau. Endlos fällt sie – und dann wird der Traum wahr. Mit großen Augen stapft Alice durch die bunt schimmernde Anderswelt. Doch etwas stimmt nicht: Die despotische Königin in Rot (Helena Bonham Carter) hat ihrer weißen Schwester (Anne Hathaway) die Krone gemopst und das Reich unterjocht. Die Prophezeiung der blauen Raupe Absolom (Stimme: Alan Rickman) ist unmissverständlich: Nur Alice kann ihr die Stirn bieten, den grausamen Drachen Jabberwocky (Stimme: Christopher Lee) bezwingen und Wunderland befreien. Gemeinsam mit einem verrückten Hutmacher (Johnny Depp) und einer mysteriösen Grinsekatze (Stimme: Stephen Fry) begibt sie sich auf eine abenteuerliche Reise…

aus: filmstarts.de

Alice im Wunderland ist wie „Charlie und die Schokoladenfabrik“ ein in manchmal quietschebunten Farben aufgenommener Film und besticht insgesamt durch eine eigene Ästhetik – man könnte sagen: Burton-like mit Gothic-Einschlag. Und ob Johnny Depp nun als verrückter Hutmacher überzeugt oder als Willy Wonka, den Schokoladenfabrikanten, bzw. als Sweeney Todd, den teuflischen Barbier aus der Fleet Street – ohne Depp scheint nichts bei Burton zu gehen. Besonders überzeugt hat mich aber Mia Wasikowska als Alice, die sich auf charmante Art sehr emanzipiert zeigt. Es gelingt ihr auf der Schwelle vom abenteuerlustigen Kind zur frühreifen Frau, eine Identifikationsfigur zu schaffen.

Natürlich ist es ein Märchenfilm, wenn auch nicht unbedingt für die Kleinen, dem sich auch jung gebliebene Erwachsene nicht entziehen können. Im Film werden Sprache und Identität zu Spielbällen zwischen Kinderphantasie und LSD-Trip (daher die vielen seltsamen Getränke und auch die Pilze auf den Wiesen?). Es sind aber besonders die kleinen Augenblicke geistreicher und mit Verve gespielter Carroll-Interpretation, die „Alice im Wunderland“ über weite Passagen äußerst unterhaltsam halten. Geistreicher Nonsens vielleicht, bunte Ästhetik mit Sicherheit – wer das mag, dem kann ich den Film nur empfehlen.

Es stellt sich besonders hier die Frage (wie aber bei jeder Literaturverfilmung), ob die bunten Bilder der Leinwand oder des Bildschirms die Bilder, die im Kopf des Lesers entstehen, nicht übertünchen. Man sollte beides sicherlich separat sehen: das Lesen eines Buchs als sehr persönliches Erlebnis und die Filmadaption als Interpretation eines anderen. Allein der Vergleich ist Diskussionsstoff genug.

Daher der Name Bratkartoffel (2)

Neulich bekam ich folgende Mail:

Zum Thema Worterfindungen (Neologismen) hätte ich einen Vorschlag, worüber sich bloggen ließe:

Schauen Sie einmal auf www.ideesamkeit.de – dort gibt es ein ganzes Mitmachwörterbuch der Worterfindungen. Einige Wortbeispiele und Beschreibungen finden Sie unter hier.

Einfach mal reinkucken. Daran, dass die Neuwörter keine Eintagsfliegen bleiben, wird noch gearbeitet ;-).

Auf den ersten Blick finden sich hier Wortschöpfungen, die Begriffe, die sich bei uns aus anderen Sprachen ((z.B. aus dem Englischen) ‚festgesetzt’ haben, verdeutschlichen (um auch einmal eine Worterfindung zu kreieren, ’tschuldigung, zu erschaffen). Vieles ist dabei äußerst gewöhnungsbedürftig und wird kaum Chancen haben, sich in die deutsche Sprache ‚hineinzuschleichen’ (Ideesamkeit steht übrigens für Kreativität).

Was hat das mit meinem Thema zu tun, in dem es um Redensarten resp. Redewendungen geht? Es geht mir um den Volksmund, um den „volkstümlichen Sprachgebrauch“, wie man es heute eher nennt. Dabei stammt der Begriff ‚Volksmund’ … aus Volkes Mund.

Viele Redensarten stammen aus dem Volksmund und werden von Generation zu Generation weitergegeben – meist natürlich auf mündlichem Wege. So gibt es ‚Sprüche’, die ich von meinem Vater kenne – und die teilweise auch schon meine Söhne verwenden. Heute, im Zeitalter der schriftlichen Fixierung (sollte ich es ‚Festhaltung’ nennen?) wie z.B. auch in einem Blog wie diesem, fließen Redensarten und Redewendungen natürlich auch in Texte u.ä. ein. Die Literatur bedient sich ihrer (z.B. Martin Walser), es werden Nachschlagewerke mit ihnen geschaffen oder sie bedecken als Kritzeleien Mauern und Wände.

Viele dieser Redensarten sind nicht jedermanns Sache. Mein Vater prägte hierfür den Begriff „Scheißhausspruch“, was auf die Herkunft solcher Sprüche hindeuten sollte. Wer kennt sie nicht diese oftmals auch obszönen Sudeleien in öffentlichen Bedürfnisanstalten. So weit ging mein Vater zwar nicht, meinte aber einen vermeintlich dummen Spruch mit solchen in Beziehung zu setzen.

Aber zurück zum Thema – und gleich eine weitere Exkursion: Natürlich gibt es auch in anderen Sprachen Redewendungen, die sehr plastisch wirken. Eine Sammlung solcher Sprüche und deren Übersetzung ins Deutsche wäre äußerst interessant, weil sie aufzeigen würde, wie unterschiedlich bestimmte Situationen, Eigenschaften und dergl. betrachtet werden. Ich habe einige solche bereits im ersten Teil meiner Betrachtungen erwähnt. Nun gibt es von der Rockgruppe Jethro Tull ein gut 40-minütiges Stück in Form einer Suite mit dem Titel „Thick as a Brick“ (Teil 1 bzw. Teil 2 der Konzertfassung im Video). Wörtlich übersetzt bedeutet Thick as a Brick „Dick wie ein Ziegelstein“. Die korrekte Bedeutung dieses umgangssprachlichen Ausdrucks ist jedoch „Dumm wie Bohnenstroh“ oder schlicht „saublöd“. Der Begriff stammt wohl aus dem Norden Englands (der Komponist und Texter des Stücks, Ian Anderson, verbrachte seine jungen Jahre in Blackpool) und ist selbst im Englischen nicht überall geläufig, da eben regional gebraucht.

Um den Kreis zu schließen: Redensarten entstehen (und vergehen sicherlich auch). Wird ein besonders prägnantes ‚Bild’ erdacht, so breitet es ich schnell „wie ein Lauffeuer“ aus – erst räumlich, dann über Generationen auch zeitlich. Natürlich werden auch heute Redensarten „erfunden“ und finden sich z.B. als Szenesprache wieder. Und vielleicht bürgert sich eines Tages auch die Ideesamkeit als Synonym für Kreativität in unserem Sprachgebrauch ein.

siehe auch: Daher der Name Bratkartoffel (1)

Jethro Tull – „Roadies on the Road“ 1992

Bei YouTube bin ich über eine interessante TV-Dokumentation gestolpert, die ich hier gern vorstellen möchte. Auf dem Account von steamrollerblues3000 findet sich (in drei Teile aufgeteilt) eine Produktion des Hessischen Rundfunks (HR) aus dem Jahre 1992 mit dem Titel „Roadies on the Road“. Ha, die Anspielung auf den Tull-Titel „Rocks on the Road“ habt auch Ihr verstanden, sehr gut.

Ja, es geht um die Arbeit von Roadies anlässlich einer Tournee von Jethro Tull durch Deutschland aus dem Jahre 1992. Und einige längere Konzertmitschnitte werden in der gut 25-minütigen Dokumentation gleich mitgeliefert. Es ist ein hartes Brot: der Job als Roadie. Ein echtes Privatleben gibt nicht, wenn die Jungs auf Tour sind. Während Herr Anderson seinen Feierabend bereits genießen darf, müssen die Jungs noch einmal kräftig ranklotzen, um Anlage und Instrumente abzubauen und in die LKWs zu verfrachten. Und beim Aufbau der Anlage gibt es immer wieder das eine oder andere technische Problem, das zu lösen ist. Am Abend muss alles funktionieren, sonst gibt es Ärger mit Herrn Anderson.


Jethro Tull – „Roadies on the Road“ 1992 in 3 Teilen

Google Street View (3): Kyleakin

Fährt man vom schottischen Festland von Kyle of Lochalsh über die Skye Bridge auf die Isle of Skye, so stößt man auf einen Kreisel, den Kyleakin Roundabout. Auf der linken Seite liegt Kyleakin, ein kleiner Ort – rechts geht es weiter auf die Insel. Fährt man dagegen geradeaus, so kommt man auf die Old Kyle Farm Road. Dort auf der linken Seite hatte ich mit meiner Familie im August 2005 für acht Nächte im Gästehaus „Mo Dhachaidh“ (zu deutsch: „Mein Heim“) bei Greta Macleod Sheedy eine Ferienwohnung (Blick auf Kyleakin) gemietet (siehe auch den Beitrag: Rückblick auf unsere Schottland-Reise 2005 (Unterkünfte))

Dank Google Street View, einem Zusatzdienst zu Googles Kartendienst Google Maps und dem Geoprogramm Google Earth (Google Street View zeigt Ansichten in 360°-Panoramabildern aus der Straßenperspektive) bin ich nun noch einmal nach Kyleakin zurückgekehrt. Meine kleine virtuelle Wanderung beginne ich dort, wo u.a. der Linienbus zum Festland nach Kyle of Lochalsh hält. Hier befindet sich ein Restaurant samt Bar und Café.


Kyleakin (Castle Moil Restaurant mit King Kaakon Bar & Cafè Moil) – mit Blick auf die Skye Bridge

siehe auch Google Street View (1): Torre des MarGoogle Street View (2): Prag

weitere Beiträge zur Isle of Skye:
Jethro Tull in Schottland 2005: Broadford Bazaar
Jethro Tull in Schottland 2005: Dun Ringill
Schottisches Picknick
Schottland 2005: Isle of Skye – Teil 1: Kyleakin und Broadford
Burgen in Schottland 2005: Moil Castle – Kyleakin/Isle of Skye

Zweiohrküken

Keinohrhasen (2007) hatte ich ausfallen lassen, nachdem ich Til Schweigers 1 ½ Ritter sah, ein Film, der sich als (bl)öde herausstellte. Vielleicht hätte ich mir doch eher „Keinohrhasen“ ansehen sollen, immerhin einer der erfolgsreichsten deutschen Kinofilme, denn die Zweiohrküken (jetzt auf DVD Zweiohrküken erhältlich), die ich mir am Wochenende anschaute, enttäuschten mich sehr.

Während „Keinohrhasen“ wohl „eine entwaffnende Balance zwischen ernsthaften Gefühlen und inszenatorischer Schamlosigkeit“ darstellte, entpuppte sich „Zweiohrküken“ für mich als eine Machoklamotte mit gestrigem Geschlechterbild.

Aber zuerst zum Inhalt: Ludo Decker und Anna Gotzlowski leben bereits zwei Jahre zusammen in einer gemeinsamen Wohnung. Der Alltag ist eingezogen, Ludo vernachlässigt seine häuslichen Pflichten, Anna ist genervt. Als auf einer Party Ludos Ex-Freundin Marie wieder auftaucht und Annas ehemaliger Freund Ralf, ein Frauenversteher und Entwicklungshelfer ein paar Tage bei Anna und Ludo einzieht, geraten beide in eine Spirale von Selbstzweifeln und Eifersucht. Anna liest Ludos SMS, Ludo findet Die Liste, Annas geheime Liste früherer Bettgeschichten, in der Ralf weit besser weg kommt als er selbst.

Ludo hält die ständigen Provokationen Ralfs nicht mehr aus und schlägt ihn in einem Restaurant vor Annas Augen nieder. Anna und er trennen sich im Streit. In dieser Phase landen beide mit ihren früheren Partnern im Bett.

Ein Nebenstrang erzählt von den verzweifelten Versuchen Ludos Freund Moritz, bei den Frauen zu landen. In seiner Not besucht er eine Flirtschule und versucht, die Tipps von Flirtlehrer Dr. Eisenberger in die Tat umzusetzen. Dessen Wissen erschöpft sich in vorsintflutlichem Machogehabe, so dass sich peinliche Situationen für Moritz häufen.

Am Ende versöhnen sich Ludo und Anna und kommen wieder zusammen.

Aus: de.wikipedia.org


ZWEIOHRKÜKEN Trailer HD

Schon wie der Film beginnt: Die Filmheldin Anna entsteigt schmachtend einem Düsenjet, um sogleich ihre silikonverstärkten Brüste dem werten Publikum zu entblößen. Klar, Ludo (warum lässt mich sein Name immer an die umgangssprachliche Bezeichnung für Zuhälter, an Lude denken) träumt das alles nur. Und so geht das weiter. Unser Macho vom Dienst entpuppt sich als fauler Knochen, was die täglichen Belange einer Zweierbeziehung betrifft. Eine gewisse Sensibilität erweist er Kindern gegenüber (so dürfen auch in diesem Film wieder Schweigers eigene Kinder mitspielen), wenn Anna am Ende des Films auch feststellt, dass eigene Kinder den guten Ludo doch wohl überfordern dürften.

Til Schweiger, der auch wiederum Regie führte und am Drehbuch maßgeblich beteiligt war, hat sichtliches Vergnügen an seiner Rolle – ich denke, in Vielem spielt er sich selbst. Und er greift wie in früheren Filmen wieder auf Sympathieträger zurück (in „1 ½ Ritter“ war es Thomas Gottschalk, dem es nur gelang, sich selbst zu spielen, wetten dass …?), hier wie im ersten Teil spielt u.a. Wladimir Klitschko sich selbst. Es muss sich wohl um einen gewissen Klüngel handeln (Gottschalk, Schweiger, Klitschko usw.).

Und so gelingt es Schweiger mit vereinten Kräften, wieder einmal ein Massenpublikum in die Kinos zu locken (oder zum Kauf der DVD). Zweiohrküken“ ist deutsches Mainstream-Kino mit Erfolgsgarantie (Betonung auf deutsch), aber eben auch ohne Überraschungen, das vor Klischees nur so strotzt und auch vor Klamauk nicht zurückscheut.

Während man dem ersten Teil (Keinohrhasen) noch eine erzählerische Leichtigkeit, einen gewissen Charme nachsagte, so rutscht das Niveau, auf dem im 2. Teil gelacht wird, deutlich ab.

Ist nun Schweiger selbst so ein Macho oder ist er ein gewiefter Geschäftsmann, dem es wieder einmal gelungen ist, den Geschmack eines breiten Publikums zu finden? Es ist auf jeden Fall bedenklich, wie ein Film mit einer so reaktionär-infantilen Grundhaltung Erfolg beim Publikum haben kann.

Google Street View (2): Prag

In der Vorosterzeit des Jahres 1982 machte ich mich auf, um nach einem Abstecher von Nürnberg über Pilsen in Prag auf den Spuren von Frank Kafka zu wandeln (siehe meinen Beitrag 125 Jahre Franz Kafka).

Prag ist eine einzigartige Stadt. Besonders die Innenstadt zeigt heute ein geschlossenes, von Gotik und Barock geprägtes Stadtbild. Prag ist die „Goldene Stadt“ (Zlatá Praha = Goldenes Prag) und war besonders in der Zeit Kafkas (zur Jahrhundertwende um 1900) eine nach außen weltoffene Stadt und ein Treibhaus für Künstler und nachwachsende Literaten. Und Prag ist ein Eldorado für Bierfreunde.

siehe hierzu auch eine kleine Fotogalerie der Stadt

Dank Street View, einem Zusatzdienst zu Googles Kartendienst Google Maps und dem Geoprogramm Google Earth (Google Street View zeigt Ansichten in 360°-Panoramabildern aus der Straßenperspektive) konnte ich nun noch einmal an meinem Rechner durch die Straßen von Prag wandern. Beginnen möchte ich vor dem Geburtshaus von Franz Kafka:


Geburtshaus von Franz Kafka in Prag mit Gedenktafel (heute: Námestí Franze Kafky)

siehe auch Google Street View (1): Torre des Mar

White Bouncy Castle

Eine Hüpfburg als Kunst? In den Deichtorhallen in Hamburg gibt es noch bis zum 12. September anlässlich des Sommerfestivals 2010 eine Installation von William Forsythe, Dana Caspersen und Joel Ryan zu bewundern – mehr noch, es ist ein wahr gewordener Kindheitstraum, in der die Bühne gleich Zuschauerraum gleich Hüpfburg ist: White Bouncy Castle

Völlige körperliche Destabilisierung, absurde soziale Situationen und die unvermeidliche Einbeziehung der Teilnehmer in das Geschehen bestimmen die charakteristische Kinetik des Schlosses. Unvorhersehend entwickelt sich bei den hüpfenden eine Euphorie, die ansteckend ist und in einigen Fällen sogar süchtig macht.

Täglich außer montags / 10.00– 20.00 Uhr, letzte „Hüpfphase“ beginnt um 19:30 Uhr (Mittagspause 13.30 – 14.30 Uhr)

40 Jahre Festival Isle of Wight (26.- 30. August 1970)

1969 fand das bisher wohl bekannteste Festival der Rockmusik in Woodstock statt, an dem auch die Gruppe Jethro Tull teilnehmen sollte; der Auftritt der Gruppe war für den Sonntag vorgesehen. Allerdings entschied sich der Manager der Gruppe, Terry Ellis (u.a. auch Mitbegründer des Plattenlabels Chrysalis) für einen finanziell lukrativeren Konzerttermin genau für die drei Tage vom 15. – 17. August im „Revolution“ in Monticello, NY. USA, also gar nicht soweit von Woodstock entfernt. Immerhin traten dann Jethro Tull 1970 beim Festival auf der Isle of Wight auf (das mit geschätzten 600.000 Besuchern wahrscheinlich bestbesuchte und auch chaotischste Festival in der bisherigen Geschichte der Rock-Musik); siehe hierzu auch mein Beitrag Jethro Tull – Their Fully Authorized Story

Bilder vom Soundcheck: Jethro Tull

Festival Isle of Wight 1970

Bilder vom Soundcheck: Jethro Tull

Bilder vom Soundcheck: Jethro Tull

Bilder vom Soundcheck: Jethro Tull

Der Begriff Isle of Wight Festival steht für drei Rock-Festivals in den Jahren 1968, 1969 und 1970 – aber auch für eine Reihe neuerer Musik-Festivals, die erst seit 2002 veranstaltet werden. Sie alle fanden auf der gleichnamigen, dem britischen Festland südlich vorgelagerten Kanalinsel Isle of Wight statt. Das Festival des Jahres 1970 ist zweifellos das bekannteste und bei weitem größte der drei Klassiker, sodass seine beiden Vorgänger darüber weitgehend in Vergessenheit gerieten. Es wurde früher auch vielfach als das „europäische Woodstock“ bezeichnet.


Isle of Wight Festival 1970 Intro zur DVD: Message to love

Von den Konzerten des Festivals 1970 gibt es zahlreiche DVDs auf dem Markt (u.a. von den Who), zunächst die ‚offizielle’ DVD Message to Love – Isle of Wight Festival 1970, aber natürlich auch eine DVD mit der Gruppe Jethro Tull – Nothing is Easy: Live at the Isle of Wight 1970.

Dieses Festival auf der Isle of Wight von 1970 jährt sich in diesen Tagen zum 40. Mal. Am letzten Tag, den 30. August 1970, also genau heute vor 40 Jahren, trat u.a. die Gruppe Jethro Tull auf. An jenem 30. August spielte tagsüber u.a. die Gruppe Free, deren „All Right Now“ vielen von Euch auch heute noch bekannt sein dürfte:


Free – All Right Now – Isle of Wight Festival 1970

Bevor Ian Anderson und seine Jungs die Bühne am Abend betraten, spielte die Gruppe Moody Blues (u.a. mit ihren Hit „Nights in White Satin“)


Moody Blues – Nights in White Satin: Isle Of Wight Festival 1970

Danach folgten dann Jethro Tull – und als Höhepunkt dieses letzten Abends stand Jimi Hendrix mit seinen Leuten auf der Bühne:


The Isle of Wight Festival 1970 Jimi Hendrix

Auf der DVD Jethro Tull live at the Isle of Wight 1970 finden wir ein Interview mit Ian Anderson, der den Auftritt der Gruppe, überhaupt das sehr chaotisch ablaufende Festival aus heutiger Sicht kommentiert:


My Sunday Feeling – Jethro Tull – Live at the Isle of Wight 1970


My God – Jethro Tull – Live at the Isle of Wight 1970


Nothing is Easy – Jethro Tull – Live at the Isle of Wight 1970

weiteres Material siehe auch in einem besonderen Forum zum Festival 1970

Google Street View (1): Torre des Mar

Google Street View, ein Zusatzdienst zu Googles Kartendienst Google Maps und dem Geoprogramm Google Earth, steht zz. in der Debatte, da dieser Dienst demnächst auch für 20 größere deutsche Städte (Berlin – Bielefeld – Bochum – Bonn – Bremen – Dortmund – Dresden – Duisburg – Düsseldorf – Essen – Frankfurt am Main – Hamburg – Hannover – Köln – Leipzig – Mannheim – München – Nürnberg – Stuttgart – Wuppertal) im Internet bereitgestellt wird. Es geht dabei um die Frage des Daten- und Persönlichkeitsschutzes. Google Street View zeigt Ansichten in 360°-Panoramabildern aus der Straßenperspektive. Wer möchte, kann sein Haus unkenntlich machen lassen.

Okay, das Haus meiner Familie wird so schnell nicht als Street View verfügbar sein, da ich in einem kleinen Ort in Norddeutschland lebe. Im Augenblick kann man das Haus nur aus der Vogelperspektive betrachten. Immerhin. Sicherlich kann man einige Gründe gegen diesen Internetdienst nennen. So wird u.a. befürchtet, das Angebot könnte für kriminelle Zwecke wie den Einbruch in Häusern missbraucht werden. Und sicherlich ist es für viele nicht witzig, sich selbst auf den Aufnahmen von Street View abgebildet zu finden. Für mich überwiegt der Nutzen. Ich findet es einfach toll, Straßenlinien noch einmal zu verfolgen, wo ich vor längerer Zeit einmal selbst entlang gefahren oder gegangen bin. Und ich nutze diesen Netz auch hier im Blog.

Bis zum Jahr 1999 hatten meine Eltern eine kleine Ferienwohnung in dem ehemaligen Fischerdörfchen Torre del Mar an der Costa del Sol, in der ich – zuletzt auch mit meiner eigenen Familie – öfter preiswert Urlaub machte. Genau dieser eigentlich kleine Ort ist auch bei Street View verfügbar. Und es ist schon sehr interessant, z.B. den Weg bis zum Strand, aber auch die vielen kleinen und größeren Straßen des Ortes noch einmal virtuell zu gehen. Und was für Torre des Mar gilt, gilt natürlich auch für all die anderen Orte, die ich im Laufe mehrerer Urlaube in Südspanien kennengelernt habe. Beginne ich direkt vor dem Haus, in dem die kleine Wohnung meiner Eltern gelegen war: