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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Captain Beefheart – Trout Mask Replica (1969)

„Listen, be quiet and pay attention to this man’s music, because if you don’t, you might miss something important and we wouldn’t want that to happen to you. You need all the friends you can get.“
Frank Zappa

Mit ‘diesem Mann’ meinte Zappa keinen anderen als Don Van Vliet, in der Musikszene besser bekannt als Captain Beefheart. Van Vliet zog mit seiner Familie 1954 nach Lancaster, Kalifornien in die Mojave-Wüste, wo er an der High School den jungen Frank Zappa kennen lernte. Im Winter 1958/59 nahm er mit diesem erste Stücke auf, 1964 gründete er die Magic Band.

Zappa war es dann auch, der im Jahr 1969 das Album Trout Mask Replica (deutsch: „Forellenmasken-Nachbildung“) als eine der ersten Veröffentlichungen des Labels Straight Records produzierte. Captain Beefheart traf später wieder auf seinen alten Freund Frank Zappa, und auf der Tournee 1975 entstand das gemeinsame Live-Album „Bongo Fury“. Sein Auftritt hier passt zum ironisch-zynischen Stil und zur expressiven Spielfreude Zappas.

Captain Beefheart & his Magic Band: Trout Mask Replica (1969)

Das Doppelalbum „Trout Mask Replica“ enthält achtundzwanzig Musikstücke, die über die Dauer eines Jahres eingespielt wurden und gilt vielen Kritikern als ein Meilenstein der Rockgeschichte und als das beste Album von „Captain Beefheart & his Magic Band“. Auf diesen musikalisch radikalen Alben ist der Einfluss von Free Jazz und moderner Klassik stärker als auf den Vorgängern. Beefheart selbst erklärte immer, überhaupt keine Einflüsse zu haben.

Die meisten Kompositionen auf dem Album sind von Polyrhythmen und atonaler Harmonik gekennzeichnet und verschmelzen Einflüsse aus Free Jazz und Delta Blues. Der charakteristische, roh wirkende Klang entstand durch die Besetzung aus zwei Leadgitarren, Bassklarinette, mehreren Saxophonen sowie Beefhearts rauhem Gesang, der sich nur vage am Takt der Musik orientiert. Die Aufnahmen zum Album entstanden in langen Sessions, während derer die Magic Band im selben Haus zusammenlebte, in dem das Album auch aufgenommen wurde. Beefheart bestand darauf, seine Gesangsparts ohne Monitor-Kopfhörer aufzunehmen, hörte also die Musik nicht, und sang im Takt zum Widerhall im Studio, was die schwere Mixtur des Albums noch komplexer gestaltete.

Normalerweise gilt das Doppelalbum als erheblich zu anspruchsvoll, denn der freie Umgang mit Komposition und Texten verwirrt den „normalen“ Zuhörer. Doch Zappas außerordentlich exakte Kontrolle am Mischpult schafft den abstrakten Hintergrund für die poetisch-phantastischen Höhenflüge des Captains. Beeindruckend sind vor allem „Moonlight In Vermont“, „Neon Meate Dream Of A Octafish“ und „Old Fart At Play“.

„Trout Mask Replica“ zeigte sich weit einflussreicher, als der Erfolg der Magic Band zum damaligen Zeitpunkt erahnen ließ. Progressive Rock, Punk und New Wave gewannen Anregungen von diesem Meisterwerk der späten Sechziger. Unter den Musikern, die sich explizit auf Beefheart als Inspirationsquelle beziehen, ist auch Tom Waits zu nennen. The White Stripes haben drei Songs von ihm gecovert, Party of Special Things to Do, China Pig sowie Ashtray Heart.

Bekannt wurde auch die von Grafiker Cal Schenkel gestaltete Albumhülle von „Trout Mask Replica“: Das Foto auf der Vorderseite zeigt eine Person vor leuchtend rotem Hintergrund, die sich den präparierten Kopf eines Karpfens als Maske vor das Gesicht hält, wie zum Gruß die rechte Hand erhebt und auf dem Kopf einen kegelförmigen Hut mit einem Federball obenauf trägt. Da es sich nur um die Nachbildung (Replica) einer Forellenmaske (Trout Mask) handelt, erscheint die Verwendung eines Karpfen-Kopfes logisch.

Auf der 2003 erstmals veröffentlichten Liste des US-Musikmagazins „Rolling Stone“ “The 500 Greatest Albums of All Time” steht das Album „Trout Mask Replica“ auf Platz 58.

Hörproben: Trout Mask Replica 1969

Don Van Vliet beendete 1985 enttäuscht seine Karriere als Musiker. Er zog sich gemeinsam mit seiner Frau in die Mojave-Wüste zurück und machte die Malerei zu seinem Beruf. Für Van Vliet hat sich diese Entscheidung bewährt. Einzelne seiner Bilder erzielten bereits Preise von über 100.000 US-Dollar.

Ich kann gut verstehen, wenn sich Hörer mit der Musik dieses Albums schwer tun. Sie lässt sich vielleicht am besten mit der abstrakten Malerei vergleichen. Wie hier die visuelle Wahrnehmung auf eine ‚andere’ Ebene gestellt wird, so wird dort Musik aus seiner bisher beschriebenen ‚Gesetzmäßigkeit’ gebrochen und neu definiert. Die Frage, ob sich solche Musikstücke repetieren lassen, also in ‚gleicher’ Weise z.B. im Konzert wiederholen lassen, beantwortet vielleicht das erste Video am besten, eine Live-Aufnahme aus Belgien von 1969, das die beiden Stücke „She’s Too Much For My Mirror“ und „My Human Gets Me Blues“ beinhaltet:


Captain Beefheart – Live In Belgium 1969

Und hier noch ein Stück von dem Doppelalbum selbst:


Captain Beefheart And His Magic Band – Trout Mask Replica – China Pig

Zuletzt noch zwei Videos; zunächst ein Stück, das 1974 beim Old Grey Whistle Test live eingespielt wurde:


Captain Beefheart – Upon the my oh my

1982 erschien mit “Ice Cream For Crow” das letzte Album von Captain Beefheart and the Magic Band. Das Video wurde vom Kameramann Daniel Pearl in der Regie von Don Van Fliet in der Mojave-Wüste in der Nähe von Lancaster, Kalifornien, aufgenommen und gehört heute zur „Permanent Film and Video Collection“ des Museums of Modern Art in New York City:


Captain Beefheart – Ice Cream for Crow

Hanseatische Rivalität

Im Dauerduell HSV – Werder Bremen, das die norddeutsche Fußballwelt in diesem Tagen in Atem hält, ging Werder in Hamburg mit 1:0 in Führung. Im DFB-Halbfinale siegten die Bremer am Mittwoch nach Elfmeterschießen mit 4:2 (3:1), wobei Tim Wiese mit drei gehaltenen Elfmetern zum ‚Held des Abends’ avancierte. An den beiden kommenden Donnerstagen geht es in UEFA-Cup-Halbfinale zwischen den beiden hanseatischen Mannschaften (erst in Bremen, dann im Rückspiel wieder in Hamburg) in die nächsten Runden.

Bremen wie Hamburg sind zwei alte Hansestädte, zwischen denen eine ebenso alte Rivalität besteht. Bis heute gemeinsam ist beiden Städten, dass sie Hafenstädte sind, über die ein Großteil der Im- und Exporte im Seeverkehr abgewickelt wird. Betrachten wir einmal die Wappen beider Städte (Hamburg. weiße Burg, u.a. mit einem Tor – Bremen: Schlüssel). Hamburg bezeichnet sich gern in diesem Zusammenhang als „Tor zur Welt“. Die Bremer nun (mit dem Schlüssel im Wappen) antworten darauf gern: „Und Bremen hat den Schlüssel zu diesem Tor!“.

Freie Hansestadt Bremen

Freie und Hansestadt Hamburg

Freie Hansestadt Bremen

Freie und Hansestadt Hamburg

Bremen stand natürlich aufgrund seiner Größe immer im Schatten von Hamburg, nach Berlin die zweitgrößte Stadt Deutschlands (Einwohnerzahlen: Hamburg rd. 1.773.000 – Bremen rd. 548.000, mit Bremerhaven rd. 662.000). Und wo Handel blüht, wie in Hafenstädten, es also um Geld geht, entsteht geradezu von sich aus Konkurrenz. Ein Pfeffersack gönnt meist den anderen nichts.

Im Fußball zu alten Oberliga-Nord-Zeiten war es dann auch nicht viel anders. Der Hamburger SV dominierte. Werder hatte das Nachsehen. Das sollte sich spätestens mit Einführung der Bundesliga zur Saison 1963/1964 ändern. Bereits im zweiten Bundesliga-Jahr konnte Werder Bremen Deutscher Meister werden. Die folgende Jahre ging es dann hin und her. Mal waren die Hamburger das beste norddeutsche Team, dann wieder die Bremer. In den letzten Jahren aber war eindeutig die Mannschaft aus Bremen die bessere von beiden. So sitzt der Stachel tief im Fleisch eines HSV-Fans. Während Werder Bremen die letzten Jahre immer wieder auch auf europäischen Spielfeldern auflief, konnte sich der HSV dort nur wenige Lorbeeren verdienen.

In dieser Saison nun sah es so aus, also könnte der HSV endlich einmal wieder aus dem Schatten der Bremer hervortreten. Werder spielt zz. wohl die schlechteste Bundesliga-Saison seit 10 Jahren (immerhin gewann man 1999 den DFB-Pokal), während der HSV sich weiterhin Chancen auf die Meisterschaft ausrechnen darf. Im DFB- und UEFA-Pokal kreuzen sich nun sogar beider Wege.

Allerdings zog der HSV im DFB-Pokal jetzt den Kürzeren. Die Brisanz, die aus der Rivalität beider Vereine erwachsen ist, bleibt bestehen: Wer von beiden erreicht das Endspiel im UEFA-Cup? Sollte Werder Bremen am Ende doch noch eine erfolgreiche Saison spielen (es winken ja immerhin noch zwei Pokale)? Sollte der HSV, der sich noch vor wenigen Tagen auf drei Hochzeiten erfolgreich bewegte, am Ende leer ausgehen (okay, wenigstens die Teilnahme am UEFA-Pokal in der nächsten Saison sollte sicher sein)? Wir werden sehen.

Übrigens: Es gibt nicht nur diese Rivalitäten zwischen Bremen und Hamburg. Auch innerhalb Hamburgs (ähnlich wie in München zwischen den Bayern und 1860 München) gibt es eine innige Feindschaft zwischen dem HSV und dem FC St. Pauli. In den letzten Jahren gingen sich beide Teams beflissentlich aus dem Weg (St. Pauli, der einstige Weltpokalsiegerbesieger, krebst zz. in der 2. Bundesliga herum). Es kann dann aber schon einmal sein, dass man angesichts der öfteren Namensänderungen des früheren Volksparkstadions (bis Mitte 2007 hieß es AOL Arena, ab dann HSH Nordbank Arena), in dem der HSV seine Heimspiele austrägt, in St. Pauli-Kreisen vom Station an der MVA (Müllverbrennungsanlage) spricht. Und der bis heute beliebte und bekannte frühere HSV-Spieler Uwe Seeler, den man in der für ihn in Hamburg verbreiteten Bezeichnung „Uns Uwe“ („unser Uwe“) kennt, ironisierend „Euch Uwe“ nennt. Ansonsten erspart man sich Kommentare über die jeweils andere Mannschaft und geht sich möglichst aus dem Weg.

Weltbibliothek digital

Bibliotheken haben auf mich schon früh einen großen Reiz ausgeübt. Dabei entschwindet man schnell aus Raum und Zeit und taucht ein in eine andere Epoche. Bemerkenswert sind dabei natürlich auch alte und rare Manuskripte, die man aber nicht in die Hand bekommt, weil sie hinter Panzerglas verborgen oder über die Welt verstreut in anderen Bibliotheken liegen.

Die UNESCO will Abhilfe schaffen – und startete in dieser Woche die digitale Weltbibliothek: „World Digital Library“. Dabei handelt es sich um ein gemeinsames Projekt der UNESCO und der amerikanischen „Library of Congress“. Sie stellt kulturell herausragende Dokumente kostenfrei und in mehrsprachigem Format im Internet bereit. Wichtige Manuskripte, Karten, seltene Bücher, Drucke, Fotografien, Musikstücke sowie Aufnahmen und Filme sollen damit weltweit zugänglich gemacht werden.

World Digital Library

Bücher, Bilder und Karten liegen in Form von zoombaren PDFs vor, die auch kleinste Details präzise enthüllen. 1170 Objekte sind zum Start in der „World Digital Library“ aufbereitet. Das sind in sieben Sprachen (nicht auf Deutsch) 8190 Webseiten. Das ist noch nicht viel, aber bereits unter diesen Dokumenten habe ich einige Perlen entdeckt, die sich dann auch herunterladen lassen (z.B. ein Buch aus dem Jahre 1746 von Johann Anderson, weiland erster Bürgermeister von Hamburg, mit dem Titel „Nachrichten von Island, Grönland und der Strasse Davis zum wahren Nutzen der Wissenschaften und der Handlung“ – als PDF allerdings satte 301 MB groß – das Buch gibt es übrigens auch bei books.google.de – auch in einer Auflage aus dem Jahr 1747 mit einem „Dictionariolum Danish-German-Eskimo“)

Siehe zdf.de: Rare Kulturschätze in digitaler Weltbibliothek

siehe auch meinen Beitrag: Europas digitale Bibliothek

David Lindley and Ry Cooder – Sídh Beag agus Sídh Mór

Turlough O’Carolan oder Toirdhealbhach Ó Cearbhalláin, (* 1670 im County Meath; † 25. März 1738), war ein irischer Komponist und Harfenspieler. Seine Werke waren sowohl von der traditionellen irischen Musik als auch von der höfischen europäischen Barockmusik beeinflusst. Noch heute gilt er mit über 200 überlieferten Kompositionen als Irlands größter Nationalkomponist. Eines dieser Stücke ist „Sídh Beag agus Sídh Mór“.

Das gälische Wort ‚Sídh’ ist von dem Wort ‚Sí’ abgeleitet, welches in etwa Feenhügel bedeutet, also einen Erdhügel in der Landschaft meint, in dem Fabelwesen wie Feen leben. ‚Beag‘ bedeutet ‘klein’, ‚agus‘ heißt ‚und’ – und ‚mór‘ bedeutet ‚groß’. Der Titel heißt also in etwa: ‚Kleiner Feenhügel und großer Feenhügel’.

Dieses Stück nun gibt es in einer sehr schönen Interpretation von David Lindley and Ry Cooder. Ry Cooder kennen wir ja bereits als sehr ‚umtriebigen’ Musiker, der in der Welt der Musik und in der Musik der Welt zu Hause ist. Beide sind vor allem hervorragende Slide-Gitarristen.


David Lindley and Ry Cooder – Sídh Beag agus Sídh Mór

20 Jahre WWW

Vor 20 Jahren wurde das World Wide Web in der Schweiz von einem Briten namens Tim Berners-Lee erfunden. Mitte März 1989 schrieb dieser seine Ideen zu einem Netzwerk auf, in dem Informationen miteinander verknüpft und jederzeit aufrufbar sein sollten. Er ist der Erfinder der HTML (Hypertext Markup Language). Allerdings dauerte es bis zum Dezember 1990, bis die erste Webseite online ging.

Berners-Lee erstellte die erste Webpräsenz, http://info.cern.ch. Die Seite existiert nicht mehr, es gibt aber eine Kopie aus dem Jahr 1992:

Erste Webpräsenz (Kopie aus 1992)

WWW 2009–Konferenz in Madrid

Jethro Tull – Their Fully Authorized Story

Lange habe ich mir überlegt, ob ich mir die Doppel-DVD kaufen soll. Im Jethro Tull Board @ www.laufi.de wurden die Scheiben kontrovers diskutiert. Und stundenlange Interviews, die ich mit meinem Schulenglisch vielleicht nur zum Teil verstehe (vor allem, wenn die Interviewten alle nur erdenklichen Idiome von Cockney bis Schottisch sprechen), wollte ich mir nicht unbedingt antun. Es geht um die Doppel-DVD Jethro Tull – Their Fully Authorized Story, die jetzt (zum 6. März 2009) auch in einer deutschen Edition, d.h. mit deutschen Untertiteln erschienen ist. Da fiel mir die Entscheidung doch um einiges leichter.

Jethro Tull: Their fully authorized Story

Ich habe mir die Scheiben zu Ostern schenken lassen und habe es nicht bereut. Neben einem 20-seitiges Booklet enthalten die DVDs mit 110 bzw. 90 Minuten Laufzeit vor allem neue Interviews mit vorwiegend früheren Akteuren der Band Jethro Tull. Natürlich kommen verstärkt auch Ian Anderson und Martin Barre zu Wort. Themenschwerpunkte bilden die Jahre bis ca. 1987, bis hin zur Verleihung des Grammys 1988.

Während Ian Anderson sich überwiegend zur Musik der Gruppe äußert, erfährt man von den anderen auch sehr viel Persönliches. Wenn wir es nicht längst schon wüssten, dass Ian Anderson ein Stinkstiefel ist, jetzt erfahren wir es in ziemlicher Ausführlichkeit. So entließ Ian Anderson einige seiner Musiker, ohne mit ihnen ein Wort gesprochen zu haben. Manche erfuhren es sogar erst aus der Presse.

Interessant ist ohne Zweifel auch das, was wir von Terry Ellis erfahren, dem Mitbegründer des Plattenlabels Chrysalis und jahrelangen Managers der Gruppe. Auch mit ihm überwarf sich Ian Anderson am Ende (oder besser: Ellis mit Anderson). So hätte Jethro Tull auch auf dem legendären Festival 1969 in Woodstock auftreten sollen, nahm aber einen finanziell lukrativeren Konzerttermin wahr (Ellis sei Dank). Immerhin traten dann Jethro Tull 1970 beim Festival auf der Isle of Wight auf (das mit geschätzten 600.000 Besuchern wahrscheinlich bestbesuchte Festival in der bisherigen Geschichte der Rock-Musik).

Ein Höhepunkt ist ohne Frage die Dokumentation „Swing In“ aus dem Jahre 1969 mit seltenem Bildmaterial von Wim van der Linden. In Ausschnitten kenne ich diese Aufnahmen schon, aber eben noch nicht als Ganzes.

Die gezeigten Konzertausschnitte zwischen den Interviews sind leider nicht immer bester Qualität (manche in Bootleg-Qualität, vielleicht weil es Bootlegs sind). Auch sind die Untertitel manchmal sehr schlampig verfasst. Das tut aber dem Ganzen keinen wirklichen Abbruch. Für Hardcore-Fans von Jethro Tull ist diese Doppel-DVD wirklich sehr empfehlenswert.

Zuletzt ein kleiner Ausschnitt von der ersten DVD. Es geht um die Zeit Mitte der 70er Jahre, als der Punk-Rock aufkam:


Jethro Tull über Punk-Rock

Dauerduell HSV – Werder Bremen – und mehr

Wohin steuert der deutsche Fußball? In der FIFA-Weltrangliste konnte das deutsche Nationalteam auch im April die zweite Position behaupten. Nur die Spanier liegen Lichtjahre entfernt an der Spitze. Aber so toll ist es nicht, was die deutsche Mannschaft zuletzt in den Qualifikationsspielen zur WM geleistet hat (von den Niederlagen in den Testspielen zuvor ganz zu schweigen). Bundestrainer Löw weiß natürlich genau, woran das liegt: Die Jungs sind einfach zu langsam. In der Bundesliga wird einfach nicht schnell genug gespielt. Dem kann natürlich Bayern-Boss Uli Hoeneß nur Kontra geben: „In England wurde früher auch schneller gespielt als in Deutschland – und trotzdem haben wir gegen die öfter mal gewonnen.“ Uli muss es wissen – aus seiner Zeit als Aktiver.

Auch sonst gibt es unter Löws Regentschaft immer wieder verbale und dann auch körperliche Auseinandersetzungen bis hin zu der Watsch’n von Polli „da haut der Lukas“ Podolski gegen seinen Mannschaftskapitän, Balle Ballack. Löw ist daraufhin natürlich in Rage: „Podolskis Kredit ist aufgebracht“. Muss wenig Kredit gewesen sein, wenn Podolski „sich bisher bei uns immer tadellos verhalten hat“.

Also die Bundesliga ist schuld. Und wie sieht es dort aus? Von Werders Aufenthalt im Liga-Mittelfeld will ich lieber schweigen (die heutige Niederlage – bei Hertha BSC Berlin – war wieder nicht nötig). Da gibt es ein munteres Ringelreihen an der Tabellenspitze. Und wie der Aufsteiger 1899 Hoffenheim, der Herbstmeister wurde, wird nun auch die Hertha aus Berlin nach Wochen der Tabellenführung wieder ‚nach unten durchgereicht’. Bleiben jetzt der VFL Wolfsburg, die Bayern und der HSV als potentielle Titelanwärter übrig. Der HSV spielt dabei am „effektivsten“. Tabellendritter mir einem Torverhältnis von zz. 42:38 zu sein (also plus 4 – Werder als Tabellenzehnter kommt mit 52:39 immerhin auf plus 13), kommt nicht alle Jahre vor. Die Bayern sind zwar noch im Spiel, aber unter Klinsmann läuft es nicht so wie gewünscht. Lange wird er sich wohl nicht mehr als Trainer halten. Sein Konzept (wenn es denn eines war) ist in München gescheitert. „Mögliche Nachfolger“ werden schon gehandelt. Eine Mannschaft, die öfter solche „Klatschen“ bekommt wie die Bayern (u.a. zu Hause 2:5 gegen Werder, dann vor kurzem das demütigende 1:5 in Wolfsburg), hat es nicht verdient, Meister zu werden. Bleibt also der VFL aus Wolfsburg. Die geben sich weiterhin bescheiden – und haben zudem auch das nötige Glück, das man zum Meisterwerden braucht. Meine Meinung: die Wölfe packen es.

International sieht es gar nicht so schlecht aus. Okay, die Bayern haben in Barcelona eine „dicke Packung“ bekommen („die Schande vom Nou Camp“), aber immerhin hatten sie es unter die besten acht Mannschaften in Europa gebracht. Und im UEFA-Pokal gibt es mit Werder und dem HSV gleich zwei deutsche Vertreter im Halbfinale – und da beide gegeneinander antreten müssen, so ist eine deutsche Mannschaft auch im Finale.

Werders Spieler nach dem Spiel in Udine - 3:3

Überhaupt Werder gegen den HSV. Das wird ab Mittwoch für 19 Tage zum Dauerbrenner. Denn beide Mannschaften treffen sich nicht nur im UEFA-Cup-Halbfinale sondern eben am Mittwoch bereits im Halbfinale des DFB-Pokals. Den Abschluss macht dann das Spiel der beiden am 10. Mai in der Bundesliga. Vier Mal gegeneinander in 19 Tagen; wer das als „toll“ oder „glücklich“ empfindet, hat eine Macke. Werder muss sich ‚dranhalten’, wenn die Mannschaft auch in der nächsten Saison international vertreten sein will. Einer der beiden Cups muss so in die Vitrine im Vereinslokal wandern.

(Erste) Karstadt-Filiale in Hamburg-Eimsbüttel: Mein Arbeitsplatz

Auf meinem Weg zur Arbeit fahre ich zunächst auf der so genannten Rollbahn vom Bahnhof in Tostedt zum Hauptbahnhof in Hamburg. Dort steige ich in die S-Bahn in Richtung Altona. An der Station Sternschanze steige ich dann aus und muss den restlichen Weg bis in die Amandastraße zu Fuß gehen.

Das eher unansehnlichen Bürohaus im Stadtteil Eimsbüttel (an der Grenze zu Altona), in dem ich arbeite, lässt kaum ahnen, was früher einmal an gleicher Stelle die Gemüter der Hamburger erhitzt hat. Im Oktober 1903 wurde in der Eimsbütteler Chaussee die erste Hamburger Karstadt-Filiale eröffnet.

Bürohaus Hamburg - Amandastraße

1935 zog Karstadt von dem Gebäude an der Eimsbütteler Chaussee in das Eckhaus am Schulterblatt (dort wo jetzt das Bürohaus mit meinem Arbeitsplatz steht). Kurze Zeit später wurde das Haus ausgebombt. Doch Rudolph Karstadt (1856-1944), der nach eigener Aussage mit „1000 Talern und dem Segen meines Vaters“ gestartet war, gab nicht auf. Am Heußweg eröffnete er übergangsweise eine kleine Filiale. 1951 wurde am heutigen Standort an der Osterstraße ein Neubau fertiggestellt. Mit 13 Schaufenstern, einer Rolltreppe und zwei Opel Blitz-Firmenwagen galt die Filiale damals als Luxus-Center. Ständig wurden Fernseher und Kühltruhen verkauft. Mit der Zeit reichte der Platz nicht mehr aus. 1975 wurde das alte Gebäude abgerissen und die heutige Filiale für 17,5 Millionen Euro gebaut. Riesige Parkdecks, eine U-Bahn-Haltestelle direkt vor der Tür und 8500 Quadratmetern Verkaufsfläche wurden den Kunden geboten.

Aus: ARCHIV: EIMSBÜTTEL – mopo.de/hamburg/panorama

Hamburg historisch (um 1900): Eimsbütteler Chaussee

Auf dem Fundament der ehemaligen Karstadt-Filiale Schulterblatt/Ecke Amandastraße wurde dann nach dem 2. Weltkrieg das Haus errichtet, das heute als Bürohaus dient und wo ich seit 1989, also seit fast 20 Jahre lang, arbeite.

Zuletzt noch etwas zum Hamburger Stadtteil Eimsbüttel, in dem ich mit meiner heutigen Frau von 1983 bis 1988 wohnte:

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts zählte Eimsbüttel wenig über 300 Einwohner. Während die Einwohnerzahl bis 1850 nur allmählich stieg, wohnten hier 1871 bereits 4.000 Menschen. Durch eine Verwaltungsreform im selben Jahre wurde Eimsbüttel zum Vorort Hamburgs. Grund der Reform war das schnelle Wachsen der Ortschaft. 1890 war die Einwohnerzahl bereits auf 46.000 gestiegen.

In den vorangegangenen drei Jahrzehnten sind die ersten großen Wohnstraßenzüge entstanden. Es wurden technische Einrichtungen wie Wasserleitungen, Gasbeleuchtung und Sielsysteme angelegt, sowie Verkehrsverbindungen zur Stadt geschaffen.
Ende des 19. Jahrhunderts begann Eimsbüttel mit den Nachbarn zusammen zu wachsen, der Weg vom Vorort zum Stadtteil begann.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges zählte Eimsbüttel 130.000 Menschen, soviel wie ein Jahrhundert davor ganz Hamburg.

Als Eimsbüttel 1929 den Einwohnerverlust des Ersten Weltkrieges und den kriegsbedingten wirtschaftlichen Rückschlag wieder wettgemacht hatte, war es zu einem der am dichtesten besiedelten Gebiete Hamburgs geworden.

1937 wurden Nachbargebiete in das Hamburger Gebiet einbezogen. Die Stadtteile Lokstedt, Niendorf, Schnelsen, Stellingen und Eidelstedt legten sich zwischen Eimsbüttel und die hamburgische Grenze und rückten es in einen inneren Wohnkreis. Eimsbüttel war endgültig vom Vorort zum Stadtteil geworden.

Der Zweite Weltkrieg richtete gerade in Eimsbüttel furchtbare Zerstörungen an, deren Beseitigungen lange andauerten und teilweise noch bis in die Zukunft andauern werden.

aus: hamburg.de/eimsbuettel/geschichte

Ry Cooder & Manuel Galban: Drume Nigrita (2003)

Mit dem 1997er Album Buena Vista Social Club gelang es Ry Cooder das Ohr der Musikwelt auf eine kleine Karibikinsel zu lenken, das einen ungeheueren Reichtum an Rhythmus und Musik in sich birgt: Kuba. Viele der alten Recken, die Cooder damals auf die Weltbühne stellte, sind inzwischen verstorben. Sechs Jahre später im Jahr 2003 begab sich Cooder noch einmal nach Kuba, um mit Manuel Galban, dem Telecasterfan und Orgelspieler, die Scheibe Mambo Sinuendo aufzunehmen. Das Ergebnis ist zwar weniger sensationell und publikumsträchtig ausgefallen, dafür aber noch einen Tick authentischer.

Stilistisch ist „Mambo Sinuendo“ ein Combo-Sound, so wie er in der Vor-Castro-Ära der 50er Jahre populär war. Im Gegensatz zum „Buena Vista Social Club“ hat sich Cooder diesmal für eine betont kleine Besetzung entschieden, ohne Bläser und ohne Gesang. Der instrumentelle Schwerpunkt des Albums liegt auf der Gitarre und dem Schlagzeug (eigentlich zwei Schlagzeugen). Die Lead-Gitarre, wenn man das überhaupt so bezeichnen kann, spielt Manuel Galbán, Mitglied der vermutlich populärsten Gruppe des Landes, den Los Zafiros, die eher harmonischeren Teile übernimmt Ry Cooder.

Das Ergebnis ist eine nicht mehr so glatt gebügelte und daher von vielen konsumierbare Kuba-Folklore wie Buena Vista (so sehr mir diese Musik auch gefällt). Mit „Mambo Sinuendo“ hat Ry Cooder für uns neues, altes Terrain aufgetan, den Mambo der Fifties. Weg vom trägen Charme der Karibikfolklore führt der Weg zurück, als in den 50ern auch in Kuba die ersten Stromgitarren eingestöpselt wurden.

Und das ist das Schöne an dem Album. Ungeschliffen, spontan und verdorben kommen die Stücke daher. Entspannt, ohne Blick auf die Charts, voll aufeinander eingespielt agieren die Musiker, zu denen auch Jim Keltner, Joachim Cooder und Angá Diaz zählen. Fast verwunderlich erscheint es mir, dass dieses Album 2003 mit dem Grammy als Bestes Pop Instrumental Album ausgezeichnet wurde. Vielleicht ein Tribut an die wachsende Anzahl lateinamerikanischer Mitbürger in den USA.

Hörbeispiele: Ry Cooder, Manuel Galban – Mambo Sinuendo [2003]


Ry Cooder & Manuel Galban: Drume Nigrita (2003)

Ethan & Joel Coen: Burn after Reading

Es gibt ja nicht allzu viel zum Lachen. Da kommt der letzte Film der Coen-Brüder gerade richtig: Burn After Reading. Okay, der Film beginnt etwas schleppend. Die vielen losen Handlungsfäden verwirren anfangs und es dauert ein wenig, bis sich der Zuschauer an die Eigenheiten der Figuren und deren charakteristischen Äußerungen gewöhnt hat. Doch ehe man sich versieht, wird man in einem Wahnsinnstempo in die absurd-abenteuerliche Geschichte hineingezogen. Die für die Coens typischen skurrilen Charaktere sind diesmal besonders schön überzeichnet und durch eine Garde großer Schauspieler hervorragend dargestellt.

In ihrer rabenschwarzen Screwball-Comedy „Burn After Reading“ nehmen Joel und Ethan Coen zwei dusselige Erpresser auf die Schippe. Und den ganzen CIA-Apparat in Washington D.C. gleich mit dazu. Es geht um eine in einem Fitnessstudio gefundene CD mit geheimen CIA-Daten, die zu allerlei Verwicklungen führt. Und dann gibt es da Harry, ein Ex-Personenschützer, der sich nun als Beamter im Finanzministerium behaglich eingerichtet hat. Er führt nur auf den ersten Blick eine normale Ehe mit einer Kinderbuchautorin. Der zutiefst paranoide Schürzenjäger und Erfinder kann einfach nicht ohne andere Frauen… Clooney geht seine Rolle mit viel Augenwinkern an und überzeugt auf der ganzen Linie. Übertroffen wird er in Sachen Selbstironie nur von Brad Pitt. Er spielt den Fitnesstrainer und grenzdebilen Amateurerpresser Chad Feldheimer.

Ein Film mit Witz und Hirn. Selten habe ich mich so köstlich amüsiert. Wirklich empfehlenswert.