Alle Artikel von WilliZ

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Musikalische Vielfalt mit ethnischen Hintergrund

Wie so oft, so bin ich auch diesmal durch Zufall auf zwei junge Sängerinnen aufmerksam geworden, die in diesen Tagen mit ihren ersten Solo-Alben auf den Markt gekommen sind: Ayo mit „Joyful“ und Mayra Andrade mit „Navega“. Bei beiden jungen Damen finden wir etwas, das man heute als ethnischen Hintergrund bezeichnet und das sehr stark in die Musik einfließt. Bei Mayra Andrade kommt noch hinzu, dass sie die Lieder in Kriolu, der kapverdischen Kreol-Sprache, singt. Hier aber im Einzelnen:

Ayo: Joyful

Ayo heißt in Wirklichkeit Joy. Beides bedeutet „Freude“, doch trotz fröhlichen Gemüts muss eine Lebensgeschichte wie ihre erst mal verarbeitet werden: Ayos rumänische Mutter war drogenabhängig, aufgewachsen ist sie bei ihrem Vater in Köln und Nigeria. Seitdem pendelt sie wie eine Nomadin durch die Welt; eine feste Heimat hat die 26-Jährige nur im Land der Musik. Ihr sanfter Soulgesang kommt so direkt daher, dass man einfach innehalten und zuhören muss. In „Life is real“ erzählt sie, wie sie ihr Leben führt – und macht uns ganz nebenbei klar, wie wir alle es tun sollten: nämlich stark und ehrlich zu uns selbst. Die Klänge, die ihre Texte begleiten, sind vielfältig: hier ein Reggae-Offbeat, dort ein Chanson-Akkordeon, sogar dem Motownstil der Jackson Five wird gehuldigt.

aus: kulturnews.de

Ayo: Joyful

Mayra Andrade: Navega

Die 21-jährige Sängerin Mayra Andrade ist neben Lura die Entdeckung der Kapverdischen Inseln. Auf Kuba geboren, kam sie schon in jungen Jahren um die Welt und wuchs u.a. im Senegal, in Angola, auf den Kapverden und in Deutschland auf. Auf ihrem Debüt-Album „Navega“ zeigt sie, dass sie auch musikalisch eine Weltenbummlerin ist. Sie verbindet brasilianische Einflüsse („Tunuka“) mit Flamenco („Lapidu na bo“) in ein harmonisches Miteinander aus Latin und Jazz, bevor sie wieder in Songs wie „Dispidida“ und „Navega“ die Schönheit der kapverdischen Musik und ihre melancholische Stimmung einfängt.

aus: kulturnews.de

Mayra Andrade: Nevega

Colin Hodgkinson: 32 20 Blues

Es war Anfang der 70-er Jahre, da gab es eine Band namens „Back Door“, die spielte ohne Gitarristen. Kann es so etwas geben? Es kann, denn was ein Gitarrist kann, kann ein Bass-Gitarrist wie Colin Hodgkinson allemal. „Bomber“, wie man ihn wohl heute noch nennt, hat eine sehr spezielle Technik, die auf Akkorden gründet – ähnlich wie auf der normalen E-Gitarre. Und diese Akkorde spielt er als Linkshänder auf seinem Fender Precision Bass, die angeblich aus den frühen 60-er Jahren stammt. Heute tritt Hodgkinson oft mit dem Deutschen Frank Diez (Gitarre) als „Electric Blues Duo“ auf. Überhaupt hat er wohl einen guten Draht zu Deutschland, denn u.a. spielte er in Bands mit Konstantin Wecker und auch Peter Maffay.

Colin Hodgkinson - Fender Bass

Ich sah „Back Door“ mit Colin Hodgkinson in Bremen, in der kleinen Halle der Stadthalle (die heute bis morgen Mittag wohl AMD Dome heißt). Es war genau am 14. April 1975 und „Back Door“ traten als Vorgruppe zu Alexis Korner auf (das Eintrittsticket habe ich noch). Als Hodgkinson sein Bass-Solo hinlegte, kochte die Halle. Da ich damals selbst die Bass-Gitarre zu zupfen mich mühte, konnte ich gut nachvollziehen, welche Leistung der „Bomber“ dort vollbrachte.

Eintrittsticket: Alexis Korner & Back Door 1975

Hier ein Blues mit Bass und Gesang von Colin Hodgkinson von der Back Door-Scheibe: 8th Street Nites, die kein anderer als Felix Pappalardi produzierte und die im Juni 1973 in New York City aufgenommen wurde:


Colin Hodgkinson: 32-20 Blues

Bei youtube.com bin ich auch fündig geworden: Bass-Solo – Camden Jazz Festival 1981

Pharoah Sanders: Hum-Allah-Hum-Allah-Hum Allah

In meiner Rubrik mit dem Gedankenaustausch über Ian Anderson von Jethro Tull werden zz. die Folk- bzw. Folkrockalben der Gruppe beleuchtet. Folklore in seinen unterschiedlichsten Varianten hat mich immer schon interessiert. Und so war ich vor vielen Jahren auf den Jazz-Saxophonisten Pharoah Sanders aufmerksam geworden. Sanders gilt als einer der Begründer des Ethno-Jazz, wobei er den Islam und die spirituellen Traditionen Afrikas oft in seine Arbeiten einbezog und sie zum Thema seiner Musik machte.

Ich habe da eine LP (genau die meist schwarzen Dinger aus Venyl) von Sanders aus dem Jahre 1969: Jewels of Thought. Und gleich das erste Stück von 15 Minuten Länge hat es mir angetan. Es ist ein schönes Beispiel für die oben getroffene Aussage: Etho-Jazz mit Bezügen zum Islam und zu afrikanischen Traditionen – Hum-Allah-Hum-Allah-Hum Allah.

Pharoah Sanders: Jewels of Thought (1969)

Keiner jodelt besser als ein Schwarzafrikaner bzw. einer deren Nachkommen. Das Stück ist eine Meditation und die Botschaft eine gänzlich friedliche. Ich habe mir erlaubt, den Beginn des Stückes (etwa 4 Minuten) hier einzustellen. Das Stück wurde übrigens am 20. Oktober 1969 u.a. mit Leon Thomas (Gesang) und Lonnie Liston Smith am Piano in New York City aufgenommen.

Pharoah Sanders

Viel Ruhe und Besinnlichkeit beim Hören:


Pharoah Sanders: Hum-Allah-Hum-Allah-Hum Allah

Wie gesagt, die gute Scheibe habe ich als Venyl-LP vorliegen und sie mir mit dem Nero Wave-Editor 3 auf meinem Rechner geholt. Leider hat die Scheibe schon sehr viele Kratzer, sodass es eigentlich kein großer Hörgenuss mehr ist, sie abzuspielen. Aber auch da hilft der Wave-Editor von Nero, z.B. mit der Klangoptimierung DeClicker kann man störendes Knacksen und Knistern herausfiltern. Und mit dem Werkzeug DeEsser können unangenehme Zischlaute aus Gesangsaufnahmen entfernt werden. Daneben gibt es noch jede Menge anderer Werkzeuge und Effekte. Man muss schon etwas herumexperimentieren (und sollte sich die Ursprungsdatei aufbewahren, um die LP nicht noch einmal aufnehmen zu müssen), denn nicht immer sind die Default-Einstellungen (Voreinstellungen vom Programm her) die besten (es besteht die Gefahr, mehr herauszufiltern, als man eigentlich möchte). Es kann dann auch passieren, dass man am Ende ‚taube‘ Ohren hat und nicht mehr so recht weiß, was besser klingt. Ich finde den Nero Wave-Editor in Version 3 auf jeden Fall sehr brauchbar.

Die neun Pforten – „Der Club Dumas“ von Arturo Pérez-Reverte

Dieser Tage lief im deutschen Fernsehen der Film „Die neun Pforten“ (Frankreich/Spanien 1999 – Originaltitel: The Ninth Gate – Regie: Roman Polanski – Darsteller: Johnny Depp, Frank Langella, Lena Olin, Emmanuelle Seigner) nach dem Roman „Der Club Dumas“ von Arturo Pérez-Reverte. Eigentlich bin ich kein unbedingter Freund von Romanen wie „Der DaVince Code“ und ähnlichem. Mich interessiert ‚handfeste‘ Psychologie. Und da ist mir ein Franz Kafka oder Martin Walser lieber. Das vorliegende Buch habe ich irgendwie, irgendwo in einer Grabbelkiste gefunden – und dann auch tatsächlich gelesen. Da ich mich nebenbei auch für Gott und die Welt interessiere, so schließt das den Teufel nicht aus. Von daher fand ich das Buch durchaus interessant.

Zunächst zum Buch:

Die Hauptfigur Lucas Corso ist ein sogenannter Bücherjäger, der im Auftrag reicher Büchersammler seltene und kostbare Exemplare aufspürt und dabei so manches Mal die Grenzen der Legalität überschreitet. Corso bezeichnet sich selbst als Söldner, der seine Dienste dem Meistzahlenden anbietet. Ein Freund von ihm bittet ihn die Echtheit eines handgeschriebenen Kapitels aus dem Roman „Die drei Musketiere“ von Alexandre Dumas zu überprüfen. Zur gleichen Zeit erhält er von einem zwielichtigen Antiquar den Auftrag, ein kostbares okkultes Buch mit den übrigen Exemplaren zu vergleichen. Auf der Reise zu Fachleuten und Privatbibliotheken wird er mit seltsamen Ereignissen konfrontiert und fühlt sich immer mehr in die Rolle einer hilflosen Romanfigur gedrängt. Bösewichte aus den Dumas-Romanen verfolgen ihn, Menschen werden umgebracht und ständig taucht ein mysteriöses grünäugiges Mädchen auf. Corso erkennt, dass er sich in einem Rätselspiel befindet und versucht es mit Hilfe seiner Kombinationsgabe zu lösen. Er erfährt, dass Boris Balkan, ein Spezialist für Dumas, der Drahtzieher dieses Spiel ist und Schauspieler auf Corso ansetzte, um an das Kapitel zu kommen. Die vielen Zusammenhänge, die Corso zwischen dem Dumas-Kapitel und dem Buch „Die neun Pforten“ zu entdecken glaubte, stellen sich als Hirngespinste heraus. In Wirklichkeit hat der Antiquar Varo Borja Corso dazu benützt, an eine Formel zur Teufelsbeschwörung zu kommen. Obwohl Corso Realität und Fiktion nicht mehr voneinander unterscheiden kann, siegt seine Vernunft und er löst das Rätsel um das teuflische Buch: Zwei leidenschaftliche Fälscher haben sich den Scherz erlaubt, das Buch zu verändern und so den Teufelsanhänger auf die falsche Fährte zu schicken.

Kurz zum Film:

In dem Film „Die neun Pforten“ geht es nur noch um das okkulte Buch. Aus Lucas wird Dean Corso und auch sonst ändert sich einiges. Hier eine ausführliche Filmbeschreibung zu „Die neun Pforten“.

Komme ich zum Buch zurück: Der Titel verrät es bereits („Der Club Dumas“ – Dumas ist der Verfasser der „Drei Musketiere“). Im ganzen Roman werden Parallelen zu den „Drei Musketieren“ gezogen und es werden ganze Szenen in der Jetztzeit dargestellt. Interessant ist auch der Name des mysteriöses grünäugiges Mädchen, das Lucas Corso immer wieder über den Weg läuft. Irene Adler ist eigentlich die Frau, die Sherlock Holmes besiegte. Überhaupt gibt es allerorts Verweise zur leichten Literatur des 19. Jahrhunderts, zu Dumas, zu Arthur Conan Doyle u.a.

Zum Buch „De Umbrarum regni novem Portis“, den neun Pforten ins Reich der Schatten: Es wurde von einem gewissen Aristide Torchia 1666 geschrieben und verlegt. Dieser wurde ein Jahr darauf von der Inquisition mit seinen Büchern verbrannt. Lediglich ein Buch blieb erhalten. Das Buch beschreibt einen Weg, den Teufel aufzurufen und in sein Reich einzuziehen, vorausgesetzt man ist in der Lage, die versteckte Botschaft des Buches richtig zu deuten. Es enthält neun Holzschnitte, welche als eine Art Bilderrätsel die Lösung beinhalten sollen. Die Inspiration zu diesem Buch holte sich der Autor aus dem Delomelanicon („Beschwörung der Dunkelheit“), einer Schrift, die von Luzifer persönlich verfasst sein soll.

De Umbrarum regni novem Portis

Zum Schluss – der Schluss des Filmes bzw. des Buches:

Die Teufelsbeschwörung musste misslingen, weil das Buch von den beiden Buchfälschern manipuliert war. Der neunte Holzschnitt war eine Fälschung. Damit endet das Buch. Corso zieht mit dem Mädchen weiter. Open End!

Auch der Film scheint ein offenes Ende zu haben, geht aber weiter: Corso reist nach Toledo und wie durch Zufall flattert ihm eine Doppelseite, die wohl jemand aus „Die neun Pforten ins Reich der Schatten“ herausgerissen hat, vor die Füße. Auf dem Holzschnitt ist eine nackte Frau abgebildet, die vor einer lichtüberfluteten Burg auf einem Fabelwesen sitzt. Zuletzt schreitet Corso auf eine Burg zu und wandert selbst ins Reich der Schatten. Wo Licht ist, da beginnt der Schatten.

Das mysteriöse Mädchen stellt sich als die Hure Babylons heraus, die auf dem letzten der neun Holzschnitte, den neun Pforten, abgebildet ist.

Porta nona: Die Hure Babylons

Steamhammer: Junior ’s Wailing

Kürzlich erhielt ich eine Mail von einem alten Kumpel aus früheren Ausbildungszeiten. Er war über meine Jethro Tull-Seiten gestolpert und wollte wissen, ob ich jener Wilfried bin, der ich ehemals einmal war. Ganz der Gleiche bin ich mit Sicherheit nicht, immerhin sind seitdem über 30 Jahre ins Land gestrichen. Der alte Kumpel selbst hat sich fernab in Marburg niedergelassen.

Da ich jetzt dabei bin, alte Vinyl-Schallplatten zu digitalisieren, so stieß ich auch auf eine LP der Gruppe Steamhammer. Die Gruppe war Anfang der 70-er Jahre eine der großen Open-Air-Attraktionen, da sie eine starke Live-Performance hinlegten. Leider verkauften sich ihre Platten weniger gut, sodass sich die Gruppe frühzeitig auflöste und heute nur noch alten Rockhasen bekannt sein dürfte.

Steamhammer: Junior's Wailing

Ich weiß nicht mehr genau, wann es war, ich denke im Herbst 1971, da sah ich die Gruppe live in einem kleinen Club (es war wohl irgendeine Festhalle, die zu einer Dorfkneipe gehörte) in Brake, gegenüber von Bremerhaven. Und ich war dort mit eben dem alten Kumpel, der mir jetzt gemailt hat. Ich erinnere mich daran, dass ich vor dem Bass-Lautsprecher stand, dessen tiefe Töne mir ziemlich auf dem Darm ginnen. Da der Laden gerammelt voll war, gab es auch kein Entweichen.

Vom Steamhammer gibt es immerhin ein Lied, das es wohl auch bis in die Charts geschafft hatte: Junior’s Wailing, eine gekonnte Mischung aus Blues und Rock. Als ich das Plattencover in Händen hielt, hatte ich die Hauptmelodie gleich wieder im Kopf. Es gibt so manche Gitarrenriffs, die wird man nie wieder los. Und dieser ist hammerhart, dampfhammerhart:


Steamhammer: Junior’s Wailing

Sony pennt

Neulich las ich in einem Zeitschriftenartikel, dass die Krise in der Musikbranche eigentlich nur eine Krise der Plattenindustrie wäre. Die Bands u.a. Musiker verdienen ihr Geld durch Live-Auftritte, die trotz der manchmal sehr hohen Preise gut besucht sind.

Keine Frage: Der Verkauf an Tonträgern ist eindeutig zurückgegangen. Verantwortlich machen hierfür die Bosse der großen Plattenfirmen hauptsächlich die Raubkopierer und deren Abnehmer, gegen die man verstärkt gerichtlich vorgehen will. Experten dagegen meinen, dass dieser juristische Kampf gegen die Musiktauschbörsen der falsche Weg sei.

Das eigentliche Problem ist, dass die Plattenbranche die neuesten Trends einfach verschlafen hat. So ist z.B. der kommerzielle Vertrieb vom Musik über das Internet durch die Computerbranche ins Rollen gekommen. Erst spät ist man auf diesen Zug aufgesprungen. Aber auch sonst fehlt jede Art von Kreativität in den Chefetagen.

Zudem taugen die üblichen Verdächtigen, Tauschbörsennutzer und Privatkopierer, längst nicht mehr, um die andauernde Umsatz-Talfahrt stichhaltig zu begründen. Der Markt, auf dem die Musikindustrie ihre Umsätze früher nahezu konkurrenzlos erzielte, hat sich nun einmal in den letzten Jahren entscheidend gewandelt. So geben Jugendliche und junge Erwachsene ihr Geld verstärkt für Videospiele, Hardware und fürs Telefonieren aus.

siehe auch zdf.de: Auf der Suche nach dem verlorenen Geschäft

Zug entgleist in Rotenburg

Güterwaggons springen Nahe des Bahnhofs von den Schienen – Ursache unklar

Rotenburg (oer). Ineinander verkeilte Waggons, umgeknickte Masten, wild herumliegende Eisenteile, herabhängende Oberleitungen: Der Unglücksort in der Nähe des Rotenburger Bahnhofs glich gestern einem Trümmerfeld. Ein Güterzug ist dort gegen 12.15 Uhr aus noch unbekannten Gründen entgleist.

Ein lauter Knall war über dem Stadtgebiet zu hören, als im hinteren Bereich des in Richtung Hamburg fahrenden Güterzugs Waggons von den Schienen sprangen und sich teilweise in- und übereinander schoben. Laut einem Bahnsprecher sind fast die Hälfte der 42 Waggons entgleist. Darunter drei Kesselwagen für Mineralöl – die aber seien zum Glück leer gewesen. Eine Gefahr für die Umgebung bestand somit nicht.

Während der 46-jährige Zugführer bei dem Unglück unverletzt blieb, erlitt ein Passant im Bereich des etwa 300 Meter entfernten Bahnhofs leichte Verletzungen, die im Krankenhaus behandelt wurden. Die Polizei geht davon aus, dass der Mann von einem herumfliegenden Zugteil getroffen wurde, was darauf hindeuten könnte, dass die Ursachen für das Unglück bereits vor der eigentlichen Unfallstelle lagen.

Woran es genau gelegen hat, stand gestern noch nicht fest. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, erklärte Lutz Gaebel, Sprecher der Staatsanwaltschaft Verden, die wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr ermittelt. Menschliches Versagen kommt somit ebenso infrage wie ein technischer Defekt oder eine mutwillige Manipulation an den Gleisen. Geprüft wird zum Beispiel auch, ob der Zug zu schnell unterwegs war. Gewöhnlich rollen Güterzüge in dem Bereich etwa mit Tempo 100 über die Gleise.

Aufgrund des Unfalls wurde der Gleisabschnitt Rotenburg-Scheeßel komplett gesperrt. Züge zwischen Bremen und Hamburg wurden über Hannover umgeleitet, bis Lauenbrück wurden Busse eingesetzt. Die Bahn hofft, bis heute Morgen wenigstens eins der drei Gleise wieder freigeben zu können. Ob die Personenzüge dann schon wieder nach Fahrplan verkehren, ist jedoch fraglich. Die Bergung des Zugs hat bereits in der Nacht begonnen.

aus: Zevener Zeitung

Verkeilte Güterwaggons beim Bahnhof Rotenburg/Wümme

Anmerkung: Heute Morgen noch gab es im Nahverkehr zwischen Hamburg und Bremen erhebliche Verspätungen. Ganz toll fand ich es, dass keine Ansage auf dem Bahnhof durchgegeben wurde. So steht man 20 Minuten herum und weiß nicht, was Sache ist. Ich hoffe, dass bis Freitagabend die Bergung des Zuges beendet ist – ich möchte am Samstag nach Bremen.

Anmerkung vom 02.03.2007: Heute Morgen das gleiche Spiel: Nach 10 Minuten kam dann wenigstens die Durchsage, dass sich der Zug aus Bremen verspätet. Am Ende hatte ich dann 30 Minuten Verspätung am Hamburger Hbf. Da zeigt sich, was ein ‚gutes‘ Krisenmanagement bei der Deutschen Bahn wert ist: Selbst nach über 2 1/2 Tagen schafft man es nicht, wenigstens ein Gleis in Rotenburg/Wümme so frei zu räumen, damit der Nahverkehr ohne größere Verspätung durchkommt. Und wenn das nicht möglich ist, wäre es doch ganz nett, zwischen Deutscher Bahn und Metronom Eisenbahngesellschaft mbH einen entsprechenden Ersatzverkehr zu vereinbaren, damit die Fahrgäste nicht 30 Minuten im Regen und Sturm stehen müssen. Als besonderst tauglich erweisen sich da nämlich die im Zuge der Bahnhofsanierung in Tostedt aufgestellten ‚Wartehäuschen‘, durch die der Wind pfeift und die nur wenig Schutz gegen Regen bieten.

Martin Walser: Angstblüte

Irgendwie komme ich in den letzten Monaten kaum noch zum Lesen. Endlich habe ich es geschafft und Martin Walsers letzten Roman „Angstblüte“ (erschienen Mitte des letzten Jahres) zu Ende gelesen. Zunächst zum Inhalt:

Das Telefon klingelt. Karl von Kahn, Münchner Anlageberater, gut 70 Jahre alt, erfährt von Gundi, der Frau seines besten Freundes, dass der gelähmt im Krankenhaus liegt. Als er kurz darauf an dessen Bett steht, ist er erschüttert, ihn derart sterbensmatt zu sehen. Gundi lädt Karl zu sich nach Hause ein. Lange schon war er nicht mehr in diesem Schönheitsimperium zu Gast; Kunst und Künstlichkeit berauschen ihn. Als sie ihn bittet, einen Vertrag zu unterschreiben und so den letzten Wunsch des Freundes zu erfüllen, zögert er nicht, und eine Firma ist verkauft. Doch noch am Abend desselben Tages geht es dem Freund viel besser. Ist Karl von Kahn betrogen worden? Da klingelt sein Telefon schon wieder: Er soll helfen, eine Verfilmung des „Othello“ zu finanzieren. Den Verführungskünsten der jungen Hauptdarstellerin Joni kann er sich nicht entziehen, und ein zweiter Betrugsverdacht keimt auf.

Martin Walser: Angstblüte

Martin Walsers neuer Roman handelt von Täuschungen, vom Aufhören müssen und vom Geld – von Wahn, Scheinheiligkeit, Freundschaft, Liebe und von einem Leben, das sich von keiner Moral hemmen lassen will, nur von sich selbst.

Wie immer, wenn ein neuer Roman von Martin Walser erscheint, sorgt dieser für Aufregung in den Rezensentenbüros und damit für eine kontroverse Debatte in Deutschlands Literaturblättern. Allein das ist immer schon einen neuen Walser wert.

Mir hat Walser immer schon gefallen und mir gefällt auch „Angstblüte“, wenn ich diesen Roman auch nicht für seinen besten halte. Allein wie er die ‚hohe Gesellschaft‘ wieder aufs Korn nimmt, diese anhand des Protagonisten Karl von Kahn seziert, lohnt das Lesen. Walser zeigt uns auf, wie hier mancherlei dem Ende entgegen geht: der Held Karl von Kahn, ein Finanzjongleur ersten Ranges, der sich unsinnig in eine viel zu junge Schauspielerin verliebt, aber auch die Gesellschaft überhaupt, in der es wie erwähnt in erster Linie um Täuschen und Getäuschtwerden geht.

Durchaus mutig finde ich auch, wie Martin Walser davon schreibt, was einige für eine „schwitzige, sabbernde Altmännerfantasie“ halten, andere für „wunderbar schamlose Altherrenerotik“. Wenn man wie ich selbst in die Jahre kommt, hat man das Thema Sexualität längst noch nicht zu den Akten gelegt.

Hier eine eher unaufgeregte und daher für mich zutreffende Rezension aus Spiegel online

Zuletzt ein kurzer Ausschnitt, in dem sich der Bruder von Karl von Kahn zu Diego, Karls Freund, äußert:

.. als er dann reich geworden war, erstarrte seine Mundpartie zusehends, sie gefror. Das war, bitte, mein Eindruck. Der Mund war jetzt eine Wucht, eine pathetische Wucht. Immer begleitet und verstärkt von einem ebenso massiven Pathosblick. Insgesamt eine Dauerdrohgrimasse. Vorher war er doch öfter lustig, manchmal sogar herzlich gewesen. Sogar zu mir. Daraus schließe ich: Reich sein macht häßlich. Das ist keine moralische, sondern eine ästhetische Erfahrung. Und daß Reichsein unanständig ist, ist auch eine ästhetische Erfahrung. Unanständiges kann vielleicht schön sein. Reichsein gehört nicht zum schönen Unanständigen, sondern zum häßlichen. Reichsein platzt andauernd aus allen Nähten. Sein Zuvielhaben dringt dem Reichen andauernd aus allen Poren. Und aus jedem Wort. Als Diego reich geworden war, kam aus seinem erfrorenen Mund kein Wort so häufig wie das Wort Brüderlichkeit. Der ehedem sportlich Freche und manchmal herzlich Kühne hatte nichts dagegen, finster pastoral zu werden. Er drohte denen, die sich weigerten, in der Brüderlichkeit das globale Heil zu erkennen. Es war, es mußte sein, das ungeheuer angeschwollene Selbstgefühl, das ihn jetzt bedrängte. Er erlebte andauernd nur noch, daß er im Recht war. Mehr im Recht als jeder andere, den er kannte. Das war die Wirkung seines Reichseins. Sein Reichsein erlebte er dann nicht mehr als Reichsein, sondern als Erfolg. Und sein Erfolg kam nicht von seinem Reichsein, sondern von ihm selbst. Das heißt, sein Rechthaben war nicht mehr zurückzuführen auf seinen Erfolg oder auf sein Reichsein, sondern ganz allein auf ihn selbst. Er, er, er selbst war im Recht. Er war das ungeheure Selbst. Das Selbst aller Selbste. Er war das Selbst selbst. Und daß ihr alle um ihn herumsitzt und ihn feiert, gibt ihm recht. Das ist der Feudalismus von heute.
Seit mindestens zweitausend Jahren wird die Geisteskraft der Besten verbraucht zur Propagierung dessen, was wir nicht sind, aber sein sollen, dieses Lügengewebe soll uns uns selbst bis zur Unfühlbarkeit entfremden. Beispiel Calvin: … reich sind wir, sofern wir dienen können und andere uns brauchen … Das ist Dein Diego, der Propagandist der Brüderlichkeit.

Das älteste Lied der Welt

Es war wohl im Jahre 1972, dass Frau Anne D. Kilmer, ihres Zeichen Professorin für Assyriologie an der Uni von Kalifornien, es nach rund 15 Jahre Forschungsarbeit zu Wege brachte, eine in Keilschrift verfasste Notation in heutige Notenschrift zu übersetzen. Der hurritische Text wurde ebenso übersetzt.

Es dürfte sich dabei um das älteste uns bekannte Lied der Welt handeln und stammt etwa aus dem Jahr 1400 v. Chr.; komponiert wurde es in Ugarit im heutigen Syrien als Hymne an die Frau des Mondgottes, Nikkal, und wurde wahrscheinlich mit der Lyra begleitet. Allgemein bekannt ist das Lied als „Hurrian Hymn“ (hurritische Hymne).

Hurritische Hymne - das älteste Lied der Welt

Von dem Lied gibt es verschiedene Arrangements als MIDI-Dateien:

MIDI-Arrangement von der Transkription von Prof. Kilmer

Marcelle Duchesne-Guillemins Transkription als MIDI – hierzu: die Publikation von Marcelle Duchesne-Guillemin als PDF-Datei

M. L. West’s Transkription als MIDI-Datei

siehe hierzu: The Oldest Song In The World

Außerdem liegt mir von blog.wfmu.org ein MIDI-Arrangement vor

weitere Infos auf Englisch

Inzwischen haben wohl tschechische Archäologen in einer 4300 Jahre alten Grabkammer in Ägypten (5. Dynastie von 2504-2347 v. Chr. – dem ‚Alten Reich‘ zugehörig) auf einer Wand ein Lied entdeckt, das somit noch einmal 900 Jahre älter wäre. Das Grab liegt in der Nekropole Abu Sir in der Nähe von Kairo. Die noch nicht vollständig entzifferten Hieroglyphen sind von Sängern und Harfespielern umrahmt und preisen die Schönheit einer Frau, die wahrscheinlich die Ehegattin des Adligen war. In wieweit es sich hier auch um eine Art Notenschrift handelt, konnte ich nicht ausfindig machen.

Oscarverleihung 2007

Gestern am 25.02.2007 fand im Kodak Theatre in Los Angeles die Verleihung der 79th Annual Academy Awards, also die Oscarverleihung 2007 statt. Ausgezeichnet werden dabei Filme, die im vergangenen Jahr, also 2006, angelaufen waren.

Vier Oscars ginnen dabei an den Gangsterfilm „The Departed – Unter Feinden“ (bester FIlm, Regie, adaptiertes Drehbuch und Schnitt) von Martin Scorsese. Ich habe bisher nur Ausschnitte des Filmes gesehen, der mir durch seinen aufgesetzten Realismus ziemlich brutal erscheint.

'The Departed - Unter Feinden' von Martin Scorsese

Bemerkenswert die jeweils zwei Oscars für die Independent-Komödie „Little Miss Sunshine“ (für Alan Arkin als besten Nebendarsteller und für das beste Originaldrehbuch) und den Dokumentarfilm „Eine unbequeme Wahrheit“ über den Klimawandel mit Al Gore. Als bester ausländischer Film konnte sich der deutsche Beitrag „Das Leben der Anderen“ von Florian Henckel von Donnersmarck durchsetzen. Glückwunsch!

Leer ging dagegen wieder einmal Leonardo DiCaprio (nominiert für die Rolle in „Blood Diamond“) aus. Bis auf den Preis für die beste Filmmusik blieb auch der mitfavorisierte Film „Babel“ von Alejandro González Iñárritu hinter den Erwartungen zurück.

Live-Konzerte auf Abruf

Nichts gegen youtube.com, aber die Begrenzung auf 100 MB Dateigröße bzw. maximal 10 Minuten Länge eines Videos sorgen dafür, dass z.B. ein Live-Auftritt von Jethro Tull mit dem Stück „Budapest“ gestückelt oder gar in gekürzter Form wiederzugeben ist. Das Stück ist live gespielt nun einmal (fast) immer über 10 Minuten lang. Und ganze Konzerte geht nun gar nicht bei youtube.com …

Ab und wann kaufe ich mir doch noch eine Zeitschrift (das sind diese in der Hand wabbelnden Dinger, in denen man Bildchen und Texte findet, ähnlich den Dingern, die man Bücher nennt, nur nicht so dick), nur so zum Zeitvertreib und zum Lesen, wenn einmal kein Rechner verfügbar ist. Aber auch dort stehen z.B. Links, die man dann mit Mühe und von Hand im Browser eingeben muss und die, wenn man sich nicht vertippt hat, dann auch die richtigen Web-Seiten öffnen. Nun in einer solchen Zeitschrift, Musikexpress genannt und bereits für den März 2007 gedacht, fand ich einen Artikel, der sich mit einer Website beschäftigt, die online, also im Internet, jede Menge (um die 700) Konzerte live als Video zeigt. Alle auf Abruf (on demand) und – kostenlos!

www.fabchannel.com

Also Rechner an und den Link eingehackt: www.fabchannel.com. Okay, viele der Band- und Künstlernamen sagen mir nicht viel. Aber nach und nach findet man auch den einen oder anderen bekannten: John Cale – Simple Minds – Runnin Riot – Nightwish, um nur einige zu nennen. Alles Konzerte in meist ungewohnt guter Bild- und Klangqualität – und in wohl voller Länge (keine 10-Minuten-Schnipsel). Und woher kommt das alles? Da gibt es ein musikbegeistertes Team, das diese Konzerte in den Clubs namens Paradiso und Melkweg, beide in Amsterdam gelegen, aufzeichnet und nach Rücksprache und Genehmigung mit den Musikern und deren Label ins Netz stellt.

Auch wenn man wie ich nicht alle Musikernamen kennt (oder gerade deshalb), so ist es doch eine Fundgrube für jeden, der sich für zeitgenössische Musik interessiert.

P.S. Das soll nichts gegen youtube.com gesagt haben – eher etwas für fabchannel.com!