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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Metronom-Züge enden in Harburg

Metronom-Fahrgäste auf dem Weg nach Hamburg müssen sich auf Behinderungen einstellen: Ab dem 6. November werden südlich des Hauptbahnhofs insgesamt 22 Weichen erneuert. Schwerpunkt der Bauarbeiten ist der Zeitraum zwischen Freitag, 15. November, und Sonntag, 24. November. Dann beginnen bzw. enden viele Metronom-Züge bereits in Harburg. Die Fahrgäste können ohne Zuschlag in die Fernverkehrszüge (IC/ICE) der Deutschen Bahn umsteigen. Zudem wird das S-Bahn-Angebot ab Harburg in die Hamburger Innenstadt verstärkt. (Quelle: Nordheide Kreiszeitung Wochenblatt vom 06.11.2013)

    Baustellenreport Metronom

Pendler müssen sich auf verlängerte Fahrzeiten einstellen. Die ganze Aktion begann übrigens schon am 6.11.2013 und geht dann bis einschl. Sonntag, den 1.12. Genauere Informationen stellt der Metronom-Baustellenreport bereit. Da gibt es die Einzelfahrpläne sowie einen Infoflyer aller ausfallenden Teilstrecken zwischen Hamburg Hbf. und Hamburg-Harburg.

Außerdem kann es auch bei den Zügen, die Hamburg Hbf. ansteuern, zu Verspätungen kommen: „Alle anderen Züge laut Fahrplan fahren je nach BAUSTELLENSITUATION. Bitte achten Sie auf die Ansagen.“ Hierzu sollte man im Vorfeld die aktuellen Meldungen bzw. die Meldungen über den Metronom-Twitter-Account bzw. Facebook-Account anschauen. Leider werden auch hier nicht immer oder nicht immer rechtzeitig Zug(teil)ausfälle gemeldet. Hoffen wir, dass es in diesen Tagen besser funktioniert.

Das Tote Meer trocknet weiter aus

Der tiefste Landpunkt der Erde liegt jetzt noch tiefer: Das Niveau des Toten Meeres liegt inzwischen 427,71 Meter unter Meereshöhe, meldet der Hydrologische Dienst in Jerusalem. Der Wasserspiegel des Salzmeeres sei in den vergangenen zwölf Monaten um 1,04 Meter gesunken, allein im November um 14 Zentimeter. Zuletzt sank der Meeresspiegel durchschnittlich einen Meter pro Jahr. 1970 befand er sich noch 395 Meter unter Normalnull, also rund 33 Meter höher als heute.

    Das Tote Meer

Grund für das Absinken ist die Wasserentnahme aus dem Jordan, dem Hauptzufluss, und weiterer Zuflüsse für die landwirtschaftliche Bewässerung und industrielle und zum Teil auch für die private Wasserversorgung. Folglich gelangt immer weniger Frischwasser in den Salzsee. Zudem lähmt auch der israelisch-palästinensische Konflikt und das ohnehin politisch angespannte Verhältnis zwischen Israel und Jordanien die Bereitschaft zu einer Lösung des Problems (siehe hierzu auch den Beitrag auf hagalil.com mit abweichenden Zahlen).


Größere Kartenansicht

Bereits vor einigen Jahren berichtete ich hier vom Schrumpfen des Aralsees und schrieb:

Der Aralsee ist kaum wieder zu erkennen, wenn man aktuelle Luftbilder mit vierzig Jahre alten Karten vergleicht. Heute hat der Aralsee nicht einmal mehr die Hälfte der ursprünglichen Ausdehnung (früher war er einer der größten Seen unsere Erde mit über 65.000 qkm). Eine Fläche so groß wie die Schweiz ist trocken gefallen. Das Wasservolumen ist sogar auf einen Fünftel von früher geschrumpft. Und der Grund: Bewässerung der Felder zur Produktion von Baumwolle für unsere Kleider. Dabei werden besonders die Zuflüsse zur Bewässerung umgeleitet. Mittlerweile ist der abflusslose Aralsee in mehrere Teile zerfallen.

Aber es soll Hoffnung geben: Seit einigen Jahren versucht man den kleineren (nördlichen) Teil des Aralsees wieder zum Leben zu erwecken. Deshalb wurde ein Damm gebaut. Dieses Projekt brachte bereits erste Erfolge: Die Fischbestände haben wieder ein wirtschaftlich relevantes Maß erreicht, so dass nun wieder Fisch exportiert werden kann. Weitere Resultate sind vermehrte Regenwolken und Veränderungen am Mikroklima, die eine Verbesserung im landwirtschaftlichen Sektor erwarten lassen.

siehe auch: Schmelzende Gletscher

Die taktischen Feinheiten des Robin Dutt

Man kann ihm einiges vorwerfen, nur nicht, dass er nicht alles Taktische versucht, um den Fußball-Bundesligisten SV Werder Bremen in die Erfolgsspur zu bringen. Nach drei Remis (gegen Nürnberg, Stuttgart und Freiburg) gab es dann aber die 0:3-Schlappe in Wolfsburg. Da ging das Konzept, mit drei wechselnden Spitzen zu spielen, doch gehörig in die Hose. Am Sonntag daheim gegen Hannover 96 klappte es dann schon wesentlich besser. Werder siegte mit 3:2:

Cedrick Makiadi kam auf der Halbposition zum Einsatz. Ganz vorn hatte Robin Dutt mit Eljero Elia und Zlatko Junuzovic zwei sehr laufstarke Spieler eingesetzt, die von den Pässen und der Übersicht von Aaron Hunt profitierten.

11. Spieltag 2013/2014: Werder – Hannover 96 3:2

Der Cheftrainer erklärte seine Umstellungen auf der Pressekonferenz nach dem Schlusspfiff so: „Ja, wir haben uns diesmal für eine andere Grundausrichtung entschieden. Wir mussten kompensieren, dass uns die Stürmer fehlen und uns entschieden, zwei Pressing-Stürmer zu bringen. So haben wir das mal genannt. Dann hatten wir einen Theo Gebre Selassie, der schon länger gut drauf ist und in dieser Woche wieder eine Trainingsleistung ablieferte, die mir das Gefühl gab, dass ich ihn unbedingt auf dem Platz haben wollte.“ Auch Gebre Selassie kam im Mittelfeld zum Einsatz. So kam dann auch zeitweise die von früher her bekannte Raute zustande. (weitere Quelle u.a. werder.de)

Von taktischen Feinheiten kann man halten, was man will. Robin Dutt überrascht vor allem auch durch den Einsatz neuer – und ich muss gestehen: bisher unbekannter Leute. Özkan Yildirim kennt man natürlich schon. Aber an Namen wie Martin Kobylanski oder jetzt Davie Selke als Auswechselspieler gegen Hannover muss man sich noch gewöhnen. Und Davie Selke hätte sich fast als Torschütze hervorgetan.

Das Entscheidende ist, wie die Mannschaft taktische Konzepte des Trainers umsetzt. Sicherlich hat Robin Dutt da einiges in petto. Aber wenn die Spieler sich nicht an die Vorgaben halten, dann nützten selbst die besten Vorgaben des Trainers nichts. Notfalls muss dann Einsatz und Kampfeswille das ‚verloren gegangene Konzept’ ersetzen. Am Sonntag, so denke ich, stimmte Taktik und Kampf.

Nach elf Spieltagen wieder in der ersten Tabellenhälfte zu stehen (Platz 8 ) deutet vielleicht dahin, Werder könne doch noch einen Europa League-Platz erhaschen. Aber es geht jetzt weiterhin erst einmal darum, den Abstand zu den Abstiegsrängen zu vergrößern. Das Mittelfeld ist auf jeden Fall eng gedrängt. Werder hat in der Hinrunde noch einige sehr schwere Spiele zu bestreiten, da ist jeder Punkt wichtig.

Die Kultfilme der Brüder Coen auf Arte

Zu den Brüdern Coen brauche ich eigentlich nicht mehr viel zu schreiben. Die Filme der beiden sind bei uns (bei meinen beiden Söhnen und mir) ganz oben in der Rangliste gern gesehener Filme. Heute nun bringt der TV-Sender arte gleich zwei Filme am Stück (unter dem Titel „Filmreihe Cohen“ – leider ein h zuviel des Guten, also Cohen mit Glatze 😉 ). Und es folgen dann am Mittwoch und in der nächsten Woche weitere vier Filme.

Hier im Einzelnen:

heute, den 4.11., um 20 Uhr 15: The Big Lebowski (1998)
anschl. um 22 Uhr 05: A Serious Man (2009)

Mittwoch, den 6.11., um 20 Uhr 15: O Brother, where art thou (2000)

Montag, den 11.11., um 21 Uhr: Fargo (1996)
Montag, den 11.11., um 22 Uhr 35: Blood Simple – Eine mörderische Nacht (1984)

Mittwoch, den 13.11., um 20 Uhr 15: Hudsucker – Der große Sprung (1994)

Die Filmreihe beginnt also heute mit der Komödie „The Big Lebowski“. Jeff Bridges gerät dabei als Althippie in eine absurde Entführungsgeschichte – Lakonischer Witz und coole Charaktere:

    Jeff Bridges als ‚Dude’ in The Big Lebowski von den Coen-Brüdern

Wollten Sie schon immer wissen, wie eine Bowlingkugel die Welt sieht? Dann sollten Sie die Story des Althippies „Dude“ (Jeff Bridges), der seinen angepinkelten Teppich rächen will, unbedingt einschalten! Am besten genießt man dazu einen „White Russian“, das Hauptnahrungsmittel „Seiner Dudeheit“: 2-4 cl Wodka, 2-3 cl Kaluha (Kaffee-Likör), Schlagsahne oder Milch und Eis.

– Los Angeles, 1991: Jeff Lebowski, von allen nur der Dude genannt, verbringt seine Tage, indem er White Russians trinkt, Marihuana raucht, in der Wanne liegt oder mit seinen Freunden Donny und Walter Bowling spielt. Seine Hippie-Idylle wird getrübt, als zuhause zwei Schläger auf ihn warten. Sie haben ihn mit einem reichen Namensvetter verwechselt. Der Dude sucht den Millionär auf, um Schadensersatz zu fordern. Zwar kann er nur einen Teppich abstauben, aber er macht die Bekanntschaft mit Jeff Lebowskis reizender junger Frau Bunny. Als diese entführt wird, vermutet ihr Ehemann die beiden Schläger hinter der Tat, die den Dude überfallen haben. Er soll nun die Lösegeldübergabe organisieren. Dass der Dude seinen vom Vietnamkrieg traumatisierten, in Waffen vernarrten Freund Walter in die Sache einweiht, stellt sich bald als großer Fehler heraus. Denn als Walter die Geldübergabe verpatzt, steht dem Dude bei seiner Suche nach den verschwundenen Millionen ein skurriler Trip durch Los Angeles bevor …

Am 5. Dezember kommt der nächste Genie-Streich der Coen-Brüder in die Kinos: Inside Llewyn Davis

Llewyn Davis, der „Folksänger mit der Katze“, ist auf den ersten Blick eine fiktionale Figur, die in der Folkmusikszene von Greenwich Village zu Beginn der 60er Jahre versucht, ihren Weg zu finden. Die Figur soll eine Kopie von Dave Van Ronk sein. Der Film der Coen-Brüder stützt sich auf dessen 2005 veröffentlichte Memoiren „The Mayor of McDougal Street“. Dave Van Ronk war ein einflussreicher Musiker der damaligen New Yorker Szene und brachte Bob Dylan das Gitarre-Spielen bei (um im familiären zu bleiben: Dylan wurde 1961 kurzzeitig von Terri Thal, Van Ronks Frau, gemanagt). (Quelle: arte.tv)

Siehe auch meine Beiträge zu folgenden Filmen der Coen-Brüder:

The Big Lebowski — No Country for Old Men (No movies for an old man) — Burn After ReadingA Serious ManTrue Grit

Die Filme der Coen-Brüder sollten in keiner guten DVD-Sammlung fehlen: Joel & Ethan Coen

Martin Barre: Away with Words

    “Arranging and representing the Tull songs featured on the album became a very peasant and rewarding task. These lesser known songs have always been amongst my favourite pieces of music and reworking them brought back many good memories. My own compositions have been written to compliment and enhance these pieces.
    Composing and arranging is my passion, and bringing together the many acoustic instruments was a delight for me, but of course, the electric guitar, couldn’t be totally left out of the picture!
    I hope you enjoy the results of this project as much as I have.
    Martin Barre”

So steht es in bescheidenen Worten im Inlay-Text zu Martin Barres neuester CD: Away With Words, die in diesen Tagen erschienen ist (bzw. am 8. November auch direkt auf den deutschen Markt kommt).

Martin Barre hat sich also einige weniger bekannte, dafür aber von ihm favorisierte Lieder von Jethro Tull vorgenommen und diese um eigene Kompositionen erweitert. Komponieren und Arrangieren ist seine Leidenschaft. Auf dieser Scheibe nun versammelt Barre viele akustische Instrumente, konnte aber die elektrische Gitarre nicht ganz verleugnen. Und obwohl die CD „Away with Words“ heißt (Hinweg/Fort mit Wörtern), so konnte er selbst auf Gesang (der Titel deutet eigentlich daran hin, keine Wörter zu benutzen) in „Hymn 43“ nicht ganz verzichten.

    Martin Barre: Away with Words (2013)

Nun das neue Album von Martin Barre habe ich mir während seines Konzertes mit seiner neu formierten Band in Buchholz/Nordheide gekauft und noch am gleichen Tag, sozusagen zum Ausklang eines gelungenen Abends, mit meiner Frau und meinen Söhnen angehört. Meine Frau dazu: Und dass habt Ihr heute im Konzert gehört? Nein, haben wir nicht oder nur zum Teil, denn im Konzert fetzte es gewaltig. Gehört haben wir Paparazzi (instrumental), Hymn 43 und Home (beide mit Gesang) in ähnlicher Form.

Das neue Album ist also eher das Gegenteil vom Konzert. Martin Barre nimmt sich dort wie bereits erwähnt einiger alter, meist dem Folkrock verpflichteter Tull-Stücke an, arrangiert sie zum großen Teil neu und verbindet diese mit eigenen Kompositionen zu geradezu neuen Stücken. Das Ganze klingt in vielen Teilen wie klassische Gitarrenmusik (Julian Bream & Co. lassen grüßen).

Barre sprach dann leider von „Desaster“ und meinte vor allem wohl die Verkaufszahlen und die ersten Kritiken, wenn’s denn welche gibt (und die Verzögerung bei der Veröffentlichung – immerhin gab es das Album bei den Konzerten zu kaufen).. So wie Konzertankündigungen für die Martin Barre Band fast ungehört in der Weite des Raums verhallen, so ignorant ist die Musikwelt auch gegenüber Veröffentlichungen eines der besten Rockgitarristen der Welt. Schade, denn dieses Album, gerade weil es in wunderschönen akustischen Arrangements daher kommt, gefällt mir ausgesprochen gut. Natürlich ist es das Ergebnis eines eher intimen Projektes.


Martin Barre live 2013 Bamberg – Martin’s Jig/Hymn 43
(leider mit wilden Schwenks und etwas viel Geklatsche)

siehe auch: Martin Barre live beim Cropredy-Festival: Air: Lament Of The Spalpeen/Martin’s Jig/Hymn 43

Was Martin Barre hier bietet, ist Gitarrenmusik vom feinsten. Manchmal streift er vielleicht die Grenze zur Süßlichkeit. Dabei lässt er immer einen klaren Ton erklingen, spielt manchmal in Stakkato, dann wieder perlen die Töne förmlich über das Griffbrett. Aber nie ist es Selbstzweck, kein Jagen nach Geschwindigkeitsrekorden. Barre spielt eher dezent und offenbart doch eine ungewöhnliche Technik dabei. Es ist die reinste Freude. Für Spieler wie Zuhörer.

Bass und Schlagzeug kommen nur sporadisch zum Einsatz, nämlich dann wenn sie einem Stück zusätzliche Fülle verleihen sollen. Dass Barre zudem ein guter Flötist ist, wissen wir von Konzerten mit Jethro Tull, denn wer sonst außer Ian Anderson durfte dieses Instrument spielen.

Ähnlich wie Ian Andersons Divinities – Twelve Dances With God hat diese Musik nur noch wenig mit Rockmusik zu tun. Und doch ist gerade diese Mischung aus Folk und Klassik ein nicht unerheblicher Bestandteil der Musik von Jethro Tull. Ja, wer dieses Album hört, erkennt schnell, welch großen Anteil Martin Barres Gitarrenspiel bei Jethro Tull gehabt haben muss.

Fürs Anhören, dass sei gesagt, braucht es Ruhe. Nur wer ganz aufmerksam den Stücken lauscht, bekommt die vielen Feinheiten des Barre’schen Gitarrenspiels mit. Es muss nicht immer rocken und fetzen. Wer Jethro Tull mag (besonders die eher leisen Stücke), der wird auch an dieser Scheibe Gefallen finden. Aber auch wer klassische Gitarrenmusik liebt, wird vielleicht seinen musikalischen Horizont um diese aus der Populärmusik gereichte Klangwelt erweitern wollen.

Personnel:

Martin Barre: Acoustic/Classical/Electric Guitars, Bouzouki, Mandolin, Bass, Flute & Bass Clarinet
Dan Crisp: Vocals
Frank Mead: Blackwood Flute, Whistles, Bodhran, Blues Harp
Jonathan Noyce: Bass
George Lindsay: Drums & Percussion
James Bragg: Engineer

Recorded at The Garage Studio, Devon
Excerpt drums at Middle Farm Studio, Devon

Setlist:

1. At First Light (Barre)/Moths (Anderson) 3:10
2. Its My Round (Barre)/Requiem (Anderson) 6:04
3. One Brown Mouse (Anderson)/Fatcat (Barre) 3:15
4. Air: Lament Of The Spalpeen (Traditional)/Martin’s Jig (Barre)/Hymn 43 (Anderson) 6:11
5. All Bars Hold (Barre) 1:12
6. Pussy Willow (Anderson) 3:43
7. Snapshot (Barre)/Paparazzi (Barre/VetteseAnderson) 4:14
8. Long Ago (Barre)/Home (Anderson) 4:54
9. Fire At Midnight (Anderson)/From The Ashes (Barre) 4:05
10. Protect And Survive (Anderson) 3:05
11. Spare A Thought (Barre)/From A Dead Beat To An Old Greaser (Anderson) 4:03
12. Sundown (Barre) 4:03

Schon wieder November …

„Alte deutsche Namen für den November sind Windmond (eingeführt von Karl dem Großen im 8. Jahrhundert), Wintermonat und Nebelung. In den Niederlanden wurde der Monat auch Schlachtmond oder Schlachtemonat genannt, da zu dieser Zeit das Einschlachten der Schweine üblich war. Aufgrund der zahlreichen Anlässe des Totengedenkens trägt der November auch die Bezeichnung Trauermonat.

Im römischen Kalender war der November ursprünglich der neunte Monat (lat. novem = neun). Im Jahr 153 v. Chr. wurde der Jahresbeginn allerdings um zwei Monate vorverlegt …“ (Quelle: de.wikipedia.de)

Ja es ist schon wieder November. Ein Monat, der zwar noch dem Herbst angehört (daher auch früher Dritter Herbstmond genannt), der aber meist den trüben Übergang zum Winter bildet, da er oft genug geprägt ist von Nebel und einem dunkel verhangenen Himmel (daher früher neben Nebelung auch Nebelmond genannt). Wer nun denkt, gerade im November würden sich mehr Menschen selbst umbringen als in den helleren Monaten, der irrt. Vielleicht sind dann viele schlauer und bringen den um, für den sie ihr Elend verantwortlich machen.

Nein, ich will hier keine Trübsal blasen. Noch hat der November seine guten, herbstfarblichen Seite. Und mancher Herbst hat sich auch als sonnig, als eine Art verspäteter goldener Oktober (also goldener November) erwiesen. Ich blicke gern zurück (nein, nicht im Zorn) und habe geschaut wie z.B. der November vor einem Jahr war. Im Großen und Ganzen entsprach er dem Obengenannten. Er begann verregnet und stürmisch (daher früher ja auch Windmond genannt). Es gab dann einige Tage, an denen sich auch schon ’mal die Sonne blicken ließ. Zur Mitte hin kam Frost auf – und Nebel. Weiterhin Regen, dann am letzten Tag den ersten Schnee. Die Quecksilbersäule kam übrigens im November 2012 bei uns in Tostedt/Niedersachsen nicht über 12,0 ° C hinaus. Dafür hatten wir eine Tiefsttemperatur von -1,9 ° C.

Lufttemperatur Tostedt/Niedersachsen im November 2012

Wie bereits an anderer Stelle erwähnt: Unser Wetterfrosch Hubert (der Einsiedler aus dem Wald) hatte zwar einen goldenen Oktober versprochen, der sich dann nur an wenigen Tagen zeigte (immerhin!), sagte dann einen frühen und lange anhaltenden Winter voraus. Das würde bedeuten, dass bereits zum Ende des diesjährigen Novembers Schnee fallen sollte. Ich habe nichts gegen Schnee. Und Frost in Maßen verhindert eine Mückenplage im nächsten Jahr. Aber wenn man z.B. mit dem Auto oder wie ich viel mit der Bahn unterwegs ist, dann hätte man es schon lieber trocken. Zu Weihnachten, lieber Hubert, da darf es endlich wieder einmal schneien. Ein Heiligabend mit frühlingshaften Temperaturen will eigentlich keiner von uns.

Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

„Eigentlich hat Allan Karlsson allen Grund zum Feiern: Er wird 100 Jahre alt. Das Problem ist nur, dass er im Altersheim festsitzt, noch alle Fünf beisammen hat und sein Körper sich weigert, das Zeitlich zu segnen – und zu allem Überfluss hat sich auch noch der Bürgermeister samt Presse angekündigt. Allan hat auf all das überhaupt keine Lust. Er steigt kurzerhand aus dem Fenster und verschwindet – zum Busbahnhof. Dort soll er nur kurz auf den Koffer eines jungen Mannes aufpassen, doch als sein Bus einfährt, beschließt Allan, den Koffer (der zum Glück Räder hat) mitzunehmen – nicht ahnend, dass sich darin keineswegs die erhoffte Wechselwäsche, sondern 50 Millionen Kronen aus Drogengeschäften befinden. Und mit einem Mal sind nicht nur Polizei und Presse hinter dem Hundertjährigen her, sondern auch die schwedische Mafia. Allan denkt jedoch gar nicht daran, die Millionen zurückzugeben und reumütig ins Altenwohnheim zurückzukehren. Niemals!

Das ist der Auftakt zu einer abenteuerlichen Reise: Allan gewinnt durchaus gleichgesinnte Freunde – mit dem 70-jährigen Gelegenheitsdieb Julius lässt er die Leiche des Kofferbesitzers verschwinden, der reiche Imbissbudenbetreiber Benny wird ihr Chauffeur, und auch die Besitzerin eines entlaufenen Elefanten schließt sich ihnen an, will ihre Sonja auf der Flucht aber nicht zurücklassen.“
(aus dem Klappentext)

Nach jeder Menge Martin Walser wollte ich in meinem herbstlichen Urlaub wieder einmal etwas ‚Leichtes’ lesen. Da meine Frau gerade das Buch zu Ende gelesen hatte, so nahm ich es mir vor – von Jonas Jonasson den Roman Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand, eines der erfolgreichsten Bücher der letzten Jahre. Der Roman findet sich seit über 100 Wochen auf den Bestsellerlisten und wurde allein in Deutschland bereits über zwei Millionen Mal verkauft.

    Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Noch einmal ausführlicher zum Inhalt: An seinem einhundertsten Geburtstag, dem 2. Mai 2005, klettert Allan Karlsson aus dem Fenster seines Zimmers im Altenheim und drückt sich so vor der eigenen Geburtstagsfeier. Sein erstes Ziel ist der Busbahnhof, von dem er mit dem erstbesten Bus fährt, soweit ihn seine 50 Kronen bringen – und da der ungepflegte junge Mann, dessen Koffer Allan in der Zwischenzeit beaufsichtigt, nicht rechtzeitig von der Toilette zurückkehrt, nimmt Allan das Gepäckstück gleich mit. Unglücklicherweise ist „Bolzen“, der junge Mann, Mitglied einer kleinen Gangstergruppe und der Koffer prall gefüllt mit Geld. Die Verfolgung beginnt und da leider auch nicht jeder Kleinkriminelle, der sich auf die Suche nach Allan und seiner wachsenden Reisegemeinschaft (inklusive Elefant Sonja) macht, das Zusammentreffen überlebt, ist bald auch die Polizei an Allan interessiert.

Neben der Flucht quer durch Schweden springt der Roman immer wieder in die Vergangenheit und schildert chronologisch Allans bisheriges Leben. Schon in jungen Jahren begeistert von Sprengstoff (und dadurch verantwortlich für die ein oder andere Kuhfehlgeburt), bereist der politisch eigentlich uninteressierte und überaus gutmütige Allan die ganze Welt, ist „zufällig“ beteiligt an diversen historischen Ereignissen und trinkt Schnäpse mit (unter anderem) General Franco, Präsident Truman und Stalin.

… und wem das noch nicht genügt, der findet auf dieterwunderlich.de eine noch ausführlichere Inhaltsangabe und kurze Kritik.

„Ein Schelmenroman erster Güte!“ (Der Spiegel)

„Ein amüsanter Crashkurs über Sinn und Irrsinn von Geschichte und Gegenwart. Ein Gute-Laune-Schmöker!“ (Denis Scheck, ARD druckfrisch)

„Ganz große Unterhaltung und einfach ein Riesenspaß!“ (Hessischer Rundfunk, hr 1)

„Ein herrliches Buch, das nur so strotzt vor Einfällen und Erzählfreude.“ (Stern)

Der Roman beginnt am Montag, den 2. Mai 2005 in einem Altersheim in der schwedischen Stadt Malmköping. Es ist der 100. Geburtstag eines Mannes, der eine ungewöhnliche Geschichte hinter sich hat und, man glaubt es kaum, eine ebenso unglaubliche Geschichte vor sich. In zwei Strängen erzählt der Roman von einer urkomischen Flucht und zugleich die irrwitzige Lebensgeschichte eines eigensinnigen Mannes, der sich zwar nicht für Politik interessiert, aber trotzdem irgendwie immer in die großen historischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts verwickelt war.

Der Roman von Jonas Jonasson ist wirklich amüsant. Sein deutscher Verleger Johannes Jacob (Carl’s-Books) dazu: „Diese Mischung aus Roadmovie und ‚Forrest Gump’, Krimikomödie und Zeitreise ins 20. Jahrhundert ist einzigartig und von Jonasson perfekt inszeniert.“ Und mir fiel im Zusammenhang mit diesem Buch auch noch der Simplicius Simplicissimus ein.

Natürlich ist fast alles im Roman einfach abwegig und die absolut unpolitische Haltung des dann 100-jährigen Helden äußerst naiv. Aber Jonasson muss ja von Tatsachen ausgehen (die Entwicklung der Atombombe in West wie Ost), um seinen Helden ins Weltgeschehen eines ganzen Jahrhundert einflechten zu können, was ihm auf aberwitzige Art auch gelingt.

Das Buch ist Mainstream im durchaus guten Sinne. Hohe literarische Ansprüche wird es zwar nicht befriedigen, aber für Zwischendurch ist es wirklich genau richtig. Es ist beste Unterhaltung, bei der man aus dem Schmunzeln nicht herauskommt.

Ortschaften in Schweden (am Anfang) des Geschehens:


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Flen (A) – Malmköping (B) – Byringe (Bahnhof) (C) – Åkers Styckebruk (D)

Hier eine Übersicht der wichtigsten Personen des Romans:

Allan Emmanuel Karlsson, 100 Jahre alt – aus dem Altersheim von Malmköping, früher wohnhaft in Flen
Julius Jonsson, der Gelegenheitsdieb (Byringe Bahnhof)
Benny Ljungberg, der ewige Student, ehemaliger Imbissbudenbetreiber von Åkers Styckebruk
Bosse Ljungberg, sein religiös gewordener Bruder und Lebensmittelgroßhändler
Gunilla Björklund aus Sjötorp, die „schöne Frau“, Bennys Verlobte
deren Haustiere Sonja, der Elefant, und der Schäferhund Buster

Per-Gunnar „Chef“ bzw. „Piranha“ Gerdin, ehemaliger Gangsterboss, Präsident von „Never Again“
Bengt „Bolzen“ Bylund, sein Komplize
Henrik „Humpen“ Hultén, sein Komplize
Caracas

Kriminalkommissar Göran Aronsberg aus Eskilstuna
Staatsanwalt Conny Ranelid

Julij Borissowitsch Popow
Larissa Popowa, seine Frau
Der geheime Herr Ryan Hutton, Geheimdienstmitarbeiter (CIA)

Herbert Einstein, Halbbruder von Albert Einstein
Amanda Einstein, seine Frau, eigentlich Ni Wayan Laksmi
Allan, der älteste Sohn der beiden
Mao, der jüngere Sohn

Daneben treten auf u.a. General Franco, Harry Truman, Winston Churchill, Stalin, Kim Il-sung und sein Sohn Kim Jong-il, Mao Zedong, Charles de Gaulle und Lyndon B. Johnson

Jonas Jonassons neues Buch Die Analphabetin, die rechnen konnte erscheint am 15. November im Buchhandel.

Die Quälgeister kommen … Halloween 2013

Was die Walpurgisnacht im Frühjahr, das ist genau ein halbes Jahr später Halloween für den Herbst: ein Abend, eigentlich schon die Nacht, in der Volksbräuche gepflegt werden, die sich von heidnischen, keltischen, meist vorchristlichen Traditionen ableiten und bei denen versucht wird, sie in das christliche Brauchtum (zu Halloween das Hochfest Allerheiligen) zu integrieren. Das Wort Halloween leitet sich von „All Hallows’ Eve“ ab, also „Vorabend zu Allerheiligen“. „Dieses Brauchtum war ursprünglich vor allem im katholischen Irland verbreitet. Die irischen Einwanderer in den USA pflegten ihre Bräuche in Erinnerung an die Heimat und bauten sie aus.“

„Seit den 1990er Jahren verbreiten sich Bräuche des Halloween in seiner US-amerikanischen Ausprägung von Frankreich und dem süddeutschen Sprachraum aus auch im kontinentalen Europa. Dabei gibt es deutliche regionale Unterschiede. So wurden insbesondere im deutschsprachigen Raum heimatliche Bräuche wie das Rübengeistern in das kommerziell erfolgreiche Umfeld Halloween adaptiert, genauso nahmen traditionelle Kürbisanbaugebiete wie der Spreewald Halloween schnell auf.“

Nun seit etwa 20 Jahren, kaum ist es draußen dunkel geworden, kommen am Abend des 31. Oktober kleine Quälgeister an die Wohnungs- oder Haustüre und fordern „Süßes oder Saures“ – auch bei uns im kleinen Heideort Tostedt. Daran bin ich mit meiner Familie, zumindest in Tostedt, nicht ganz unschuldig.

1995 zog ich nämlich mit meiner Familie von Hamburg nach Tostedt in eine neu angelegte Straße, in der hauptsächlich Familien mit kleinen Kindern lebten (inzwischen sind die meisten groß geworden und haben teilweise schon eigene Kinder). Es war ein Jahr später, da kamen wir hier auf die Idee, einen Halloween-Umzug zu veranstalten.

„Am Donnerstag war ja der 31. Oktober, Halloween (Vortag zu Allerheiligen), das in den angelsächsischen Ländern durch Umzüge (Kinder als Gespenster – mit Kürbismonstren) gefeiert wird. Auch bei uns wird Halloween immer beliebter. Und da wir ja einen Kürbis im Herbst immer parat haben, so machten wir mit den größeren Kindern [unserer] ….straße auch einen Umzug, wenn auch um einen Tag verspätet. Am Freitag kurz nach 18 Uhr trafen wir uns also und zogen durch …straße, kurz durch die …straße und durch die …straße. Mit dem Wetter hatten wir Glück – es blieb trocken. Und so wurde es ein ganz großer Erfolg. Fast zwei Stunden waren wir unterwegs. Am Ende waren unsere Rabauken erschöpft und müde. L. [damals gerade drei Jahre alt] verließen förmlich die Kräfte – er sackte in den Knien ein.“

Wenn auch um einen Tag verspätet (damals sah das noch keiner so genau), so zogen wir Eltern mit den lieben Kleinen los. Unsere Kinder bedingten sich dabei alter Bettlaken, in die sie zwei Löcher für die Augen schnitten und als Gespensterkostüm benutzten. In den folgenden Jahren reichte das natürlich nicht mehr aus. Da wurde gebastelt und genäht – und die Gesichter bemalt.

    Unsere Kinder zu Halloween 2001

Natürlich standen in der Herbstzeit auch immer Kürbisse bei uns im Vorgarten, die Halloween gemäß gestaltet wurden.

    AlbinZ Kürbisse zu Halloween 2006

Viele Kürbisse [1] [2] im Garten – und auch auf dem Teller. Und Kinder, die an der Türe „Süßes (haben) oder Saures (verteilen)“ wollen.

Und auch in die herbstliche Dekoration in Haus und Garten flossen zwangsläufig Halloween-Motive mit ein:

    Willkommen bei den AlbinZ zu Halloween

In seinem Kalender für das Jahr 2006 zeichnete dann der ältere unserer beiden Söhne ein schaurig-schönes Kalenderblatt für den Monat Oktober. Hier noch einmal zur Ansicht:

    Jans Kalenderblatt Oktober 2006

Mit Schirm, Charme und Melone – die ersten drei Staffeln

Ein großer Freund von Fernsehserie bin ich heute nicht mehr. Okay, da gibt es die Sendereihe Tatort, die ich mir immer wieder gern anschaue. Aber das sind ja auch (fast) immer abgeschlossene Folgen. Ausnahmen gab es im letzten Jahr mit der Doppelfolge aus Hannover: Wegwerfmädchen und Das goldene Band und in diesem Jahr mit zwei Folgen, die zwar von den Fällen her abgeschlossen waren, aber dann doch inhaltlich irgendwie zusammengehörten: Puppenspieler und Er wird töten. Eine große Ausnahme war jetzt die erste Staffel der US-amerikanischen Serie Bates Motel, die Vorgeschichte zu Hitchcocks Psycho. Da sie ‚nur‘ aus 10 Folgen bestand, habe ich mir Folge für Folge angeschaut. Aber typisch für solche Serien gab es nie abgeschlossene Folgen und Folge 10 schloss dann auch mit einem Open End ab. Staffel 2 ist wohl schon in den Startlöchern.

In jungen Jahren war es schon etwas anderes. Da gab es Serien, immer mit abgeschlossenen Folgen, die mich schon interessierten und bei denen ich möglichst keine Folge auslassen wollte. Diese Serien gab es aber auch höchstens nur einmal die Woche. Ich erinnere mich an Solo für O.N.C.E.L. oder Rauchende Colts. Und natürlich an Mit Schirm, Charme & Melone, eine Serie, die ich noch heute als meine Lieblingsserie bezeichnen kann. Nicht umsonst habe ich in diesem Blog öfter schon über die Helden, die Geheimagenten John Steed und Emma Peel, berichtet.

Nun im deutschen Fernsehen wurde die Serie zunächst erst ab der Staffel 4 gesendet. Die Staffel 4 (noch in schwarz/weiß) und dann die Staffel 5 (in Farbe) sind die Folgen, in denen neben John Steed (Patrick Macnee) jene unverwechselbare Emma Peel (Diana Rigg) auftrat. Wie ich an anderer Stelle erwähnt habe, so haben diese beiden (Steed und Peel) meine Vorliebe für (fast) alles Britische maßgeblich beeinflusst.

Aber es gab ja zuvor bereits drei erste Staffeln mit insgesamt 78 Folgen, die man uns deutschen Zuschauern jahrelang vorenthielt. Arte sei dank wurden dann vor nun fast wieder drei Jahren ab dem 6. Dezember 2010 immerhin 54 Folgen dieser ersten drei Staffeln erstmals im deutschen Fernsehen gezeigt, von der zweiten und dritten Staffel alle jeweils 26 Folgen. Nur von der ersten Staffel gab es lediglich zwei Folgen, die anderen der 1961 live im britischen Fernsehen übertragenen Serie sind verloren gegangen. 48 dieser 54 auf Arte gesendeten Folge habe ich mir damals aufgezeichnet. Und endlich in diesen Tagen bin ich fertig geworden, diese so nach und nach anzuschauen.

Es war interessant zu sehen, wie sich so eine Reihe mit der Zeit entwickelt, wie die Charaktere sich gewissermaßen dem Zeitgeist anpassen, wie aber auch die Technik eine große Rolle spielt. Wie gesagt, zunächst wurde nach wenigen Proben eine Folge live aus dem Studio übertragen. Das spart Kosten, hat aber auch zur Folge, dass zumindest kleinere Pannen nicht zu vermeiden sind: ein Mikro kommt ins Bild oder der Schatten eines Kameramannes. Leider gibt es nur noch diese zwei Folgen der ersten Staffel.

Was lange die deutschen Zuschauer irritiert hat, das war der englische Name der Serie: The Avengers – die Rächer. Als die Serie 1966 mit der 4. Staffel nach Deutschland kam, kannte ja niemand die Vorgeschichte. Dabei fing alles im Januar 1961 mit der Folge 1 Hot Snow an: Durch ein irrtümlich in seiner Praxis abgegebenes Päckchen Heroin kommt Dr. David Keels Verlobte, seine Sekretärin Peggy, ums Leben. Dr. Keel beschließt, ihren Tod zu rächen. Bei seinen Recherchen lernt er den mysteriösen Geheimagenten John Steed kennen und tut sich mit ihm zusammen.

Seit dem sehen wir Patrick Mcnee in 187 Folgen, aufgeteilt in acht Staffeln, bis 1977 als Geheimagenten John Steed über den Bildschirm huschen. Richtig ist, dass er eigentlich in 186 Folgen auftritt, denn die Folge 6 der ersten Staffel (einer der beiden erhaltenen Folgen) ist die einzigste, in der John Steed nicht zu sehen ist. Auch später gab es immer wieder Folgen, in denen er nur anfangs oder am Ende auftaucht, ansonsten die Folge lang seine Partnerin (z.B. Emma Peel oder Tara King) die Kämpfe auszutragen hat. Mit den einzelnen Staffeln wechselten aber seine Partner. In Staffel eins ist es der bereits genannte Dr. David Keel, der auch zunächst die eigentliche Hauptrolle spielte. Aber zunehmend verlagerten sich die Sympathien des Publikums auf die Figur des geheimnisvollen Agenten, auf John Steed. In der zweiten Staffel finden wie neben Steed statt Dr. Keel Dr. Martin King abwechselnd mit der Sängerin Venus Smith und die Anthropologin Dr. Catherine Gale, gespielt von Honor Blackman, deren bekannteste Rolle die der „Pussy Galore“ im James-Bond-Film „Goldfinger“ war. Cathy Gale spielte dann auch in der 3. Staffel neben John Steed die Hauptrolle und ist die direkte Vorgängerin von Emma Peel. Wie Emma Peel so beeindruckt diese Cathy Gale durch Charme, Wissen, Schlagkraft und Selbstbewusstsein. Ähnlich wie Emma Peel kann man sie als emanzipierte Frau ansehen. Ganz gleichrangig (wie Emma Peel) ist sie John Steed gegenüber vielleicht noch nicht. Steed ist der Tonangebende, der die Rollen vergibt, die ihre nimmt Mrs. Gale oft nur unwillig entgegen. Steed jubelt ihr die Aufträge gern mit gewissen Tricks unten. Dann kann sie aber nicht nein sagen. Nur am Ende der 78. Folge (und damit dem Ende der 3. Staffel) lehnt sie so einen ‚Auftrag’ ab und fährt in Urlaub. Damit endet dann auch der Auftritt der Catherine Gale. Ab Folge 79 übernimmt Emma Peel die Rolle des weiblichen Partners.

    The Avengers 1961-1964 – 1. bis 3. Staffel

Aber ich greife vor. So möchte ich am Rande dem Interessierten ein Buch von Franziska Fischer vorstellen: „Mrs. Peel, wir werden gebraucht!“ Mit Schirm, Charme und Melone. Das Buch zur Serie. Hier findet der Serien-Fan viel Material zu John Steed und Co. Ein Episodenführer beschreibt Inhalt, Darsteller usw. aller Folgen. Und so nebenbei sei auf ein kleines Problem hingewiesen: Es gibt nämlich eine unterschiedliche Nummerierung der Folgen (die bei de.wikipedia.org oder www.fernsehserien.de weicht von der des Buches ab. Die Reihenfolge im Buch entspricht z.B. der Reihenfolge der TV-Ausstrahlung bei Arte).

    Franziska Fischer: Mrs. Peel, wir werden gebraucht!

Wer John Steed als Gentleman mit Melone und Schirm und natürlich seinem unverkennbaren Charme an der Seite von Emma Peel kennt, wird sich wundern, welches Raubein Steed z.B. noch in der ersten Staffel war. Statt Melone trägt er höchstens Hut, statt Schirm eine Pistole und statt maßgeschneiderte Anzüge einen eher zerknitterten Trenchcoach, „die unverzichtbare Zigarette im Mundwinkel. Bis zur Emma-Peel-Ära entwickelte er sich dann zu einem ultra-britischen, kultivierten und edel gewandeten Gentleman, der pure Gewalt verabscheut und dessen wichtigste Waffen Scharfsinn und Ironie sind.“ Keiner wäre auf die Idee gekommen, der Serie den heute geläufigen deutschen Titel „Mit Schirm, Charme und Melone“ zu geben. Aber schon damals floss „der Alkohol in Strömen und es sind immer Frauen zugegen – zwei Laster, denen sowohl Hendry [als Dr. David Keel] als auch Macnee [John Steed] frönen. Die beiden treiben ihre Drehbuchautoren an den Rand des Wahnsinns, da sie Abgedroschenes zugunsten von Bizarrem und Ungewöhnlichem ablehnen. Und so entsteht die Welt der Avengers, irgendwo zwischen einem Spionagethriller à la Ian Fleming (James Bond wurde zu dieser Zeit noch nicht verfilmt) und einer surrealistischen und gestörten Vision von England.“

Sind die ersten Folgen trotzdem noch eher konventionell, so entwickelt sich die Serie spätestens mit der dritten Staffel zu dem, was wir dann mit den Auftritten von John Steed mit Emma Peel (4. und 5. Staffel) und den noch folgenden drei Staffeln kennen gelernt haben. Alles wird noch surrealistischer, noch bizarrer, aber auch witzig mit einem oft ironischen Unterton: einfach ungewöhnlich.

Es hat lange gedauert, bis sich endlich zum 50. Jahrestag des Serienbeginns der TV-Sender Arte der ersten drei Staffeln angenommen hat. Die deutsche Fassung ist sicherlich moderner im Tonfall, aber immer geistreich und zutreffend. Für rund 110 € gibt es jetzt eine Sammlung von 53 DVDs (eine DVD kostet also nur etwas mehr als 2 €) der gesamten (noch vorhandenen) Serie. Diese lässt sich aber auch in Einzelpaketen ordern: Mit Schirm, Charme und Melone.

Für Patrick Macnee war die Rolle des John Steed sicherlich die Rolle seines Lebens. Aber auch Diana Rigg ist uns in erster Linie durch ihre Rolle als Emma Peel bekannt geworden. Die vorhandenen Parallelen zu James Bond habe ich bereits angesprochen. So ist es fast schon nicht mehr verwunderlich, dass sowohl Patrick Macnee als auch Diana Rigg in jeweils einem James Bond-Film mitgewirkt haben – natürlich immer auf der Seite des Guten.

Die 4. und 5. Staffel (eben die mit Diana Rigg als Emma Peel) habe ich ja bereits vor längerer Zeit nach langen Jahren erneut gesehen. Als nächstes folgt für mich zu Hause in meinem stillen Kämmerlein die 6. Staffel, in der Tara King 1968 mit der Folge „Auf Wiedersehen, Emma“ die Nachfolge von Emma Peel antritt. In dieser Folge wird Tara King als in Ausbildung befindliche junge „Agentin 69“ eingeführt. Gespielt wurde Tara King durch die kanadische Schauspielerin Linda Thorson. Aber dazu später mehr.

Stillstand durch Orkantief ‚Christian’

Seit über 18 Jahre fahre ich als Pendler werktags von Tostedt nach Hamburg und zurück. Aber so etwas wie gestern habe ich eigentlich noch nie erlebt: ein Orkan, der fast den ganzen öffentlichen Personennahverkehr in Norddeutschland lahmlegt. Eigentlich, denn ich habe nachgeschaut: Am 1. Weihnachtstag 2002 hatte ich mich mit Familie aufgemacht, um meine Eltern in Bremen zu besuchen. Damals behinderte Eisregen massiv den Zugverkehr. Der Zug aus Hamburg hatte zwar ‚nur’ 10 Minuten Verspätung, aber in Sagehorn war dann erst einmal Schluss. Durch den Eisregen hingen die Bäume in der Nähe der Gleise durch und streiften bei der Fahrt das obere Deck des Doppeldeckerzuges. Den Schaffner, der angeblich eine entsprechende Durchsage gemacht haben wollte, konnte ich beim Lokführer ausmachen, wohin er sich verdrückt hatte. Nach einer Wartezeit von rund 45 Minuten ging es dann im Schritttempo weiter. In Bremen hatten wir dann eine Verspätung von 80 Minuten. Abends bei der Heimreise war es nicht viel anders. Mit Maximaltempo 30 km/h ging es Richtung Heimat, die wir mit über einer Stunde Verspätung erreichten.

Durch den Orkan „Christian“, der teilweise mit über 190 Stundenkilometer über Norddeutschland fegte, fuhren für Stunden keine Züge des S-Bahn- und des Nah-, wie Fernverkehr in Hamburg. Bereits am Sonntag kündigten sich allem Anschein nach die Verkehrskatastrophe an, denn viele Züge hatten bereits Verspätungen. Gestern Morgen war nicht nur mein Nahverkehrszug vom Metronom verspätet, sondern auch die S-Bahn ab Hamburg Hauptbahnhof verkehrte unregelmäßig.

Gegen Mittag wagte ich gestern einen ersten Blick, um die Verkehrssituation zu sondieren. Da gibt es den Twitter-Account vom Metronom, über den meist (leider nicht immer) Verspätungen usw. gemeldet werden. Aktuelle Meldungen findet man natürlich auch über die Metronom-Website selbst. Ansonsten gibt es die Online-Reiseauskunft der Deutschen Bahn.

In den frühen Nachmittagsstunden gab es dann erste Streckensperrungen wegen ins Gleisbett gestürzter Bäume. Schon bald lief dann um Hamburg herum nichts mehr. Da mein Zug, mit dem ich von Hamburg Hbf. in Richtung Bremen fahre, aus Uelzen kommt, schaute ich nach, ob der unterwegs ist. Und nach Auskunft der Reiseauskunft der DB war er das. So wagte ich es, machte um 15 Uhr 45 Feierabend und ging zur S-Bahn-Station Sternschanze. Dort standen zwar Bahnen, aber der Verkehr war eingestellt. Also schnell zur U-Bahn Schlump und von dort zum Hbf. Aber den Zug aus Uelzen musste wohl der Abgrund geschluckt haben. Hier ging auch nach 16 Uhr nichts. Ich gönnte mir ein Fischbrötchen und fuhr zurück zur Arbeit. Was sollte ich sonst am Hauptbahnhof tun? Dort gönnte ich mir einen Tee, um gegen 17 Uhr 45 wieder loszudüsen und zwar gleich mit der U-Bahn. Die bereits genannten DB-Reiseauskunft verkündigte nämlich einen Zug um 18 Uhr 15 Richtung Bremen. Natürlich fuhr dieser Zug nicht. Dafür aber ein verspäteter Regionalzug (hält an jeder Milchkanne) nach Rotenburg (‚plan’-mäßige Abfahrtszeit war 17 Uhr 17). Und fuhr aus Sicherheitsgründen in ‚Langsamfahrt’ – wie es im Bahnjargon heißt. Als gewiefter Bahnfahrer konnte ich mir immerhin noch einen Sitzplatz erobern. Endlich mit 2 ½ Stunden Verspätung kam ich gegen 19 Uhr 15 zu Hause an. Das übertrifft dann doch deutlich den oben genannten weihnachtlichen Bremen-Ausflug von 2002.

    Orkantief ‚Christian’ legt Bahnverkehr im Norden lahm

In Hamburg bekam ich nicht viel vom Orkan mit. Selbst auf freier Kreuzung wehte es zwar kräftig, aber auch das ließ kaum vermuten, welche Schäden der Orkan anderweitig anrichtete. Daher war es sicherlich richtig, dass der Bahnverkehr eingestellt wurde. Was mich aber störte, war, dass trotz Internet keine klaren Auskünfte ausgegeben werden konnten. Wieder hatten Deutschen Bahn und die anderen Eisenbahngesellschaften keinen Plan, wie in einem solchen Notfall zu verfahren ist. Okay, der einzigste Plan hieß: Verkehr einstellen! Aber was dann kommt, wurde im Grunde dem werten Reisegast überlassen.

Die Bäume knickten gestern geradezu der Reihe nach wie Dominosteine um. Ich frage mich da, was Bäume in unmittelbarer Nähe von Gleisen zu suchen haben. Vielleicht sollten sich da die Planer und Erbauer von Bahngleisen (wenigstens zukünftig) an Deichbauern ein Vorbild nehmen. Ich habe nämlich noch nie Bäume in der Nähe von Deichen gesehen. Manchmal würde auch die Pflege allen Grünzeugs in der Nähe von Bahnanlagen sehr hilfreich sein (siehe Böschungsbrände in der Sommerzeit).

Nun, ein Orkan wie gestern weht nicht alle Tage über die Norddeutsche Tiefebene. In Tostedt wurde gegen 13 Uhr 30 ein Luftdruck von 981 hPa (Hektopascal) gemessen. Im August 2009 zog über Tostedt eine Gewitterfront, die uns den mir bisher tiefsten Luftdruck der letzten Jahre von 978 hPa in diesem beschaulichen Heideort bescherte.

Ich glaube es zwar nicht, aber vielleicht raffen sich DB und andere Bahngesellschaften endlich auf, um auch eine solche Ausnahmesituation in Zukunft halbwegs in den Griff zu bekommen. Der Hamburger Hauptbahnhof war überlaufen. Als ich zu meinem Zug wollte, musste ich mich an einer Traube Menschen vor dem Informationsstand der DB vorbeikämpfen. Inzwischen habe ich gehört, dass andere (z.B. nach Kiel) erst heute Morgen gegen 2 Uhr angekommen sind und für heute Urlaub eingereicht haben. Auf der Strecke Hamburg bzw. Stade – Cuxhaven geht noch immer nichts (Korrektur: ab 12 Uhr fahren wieder Züge zwischen Stade und Cuxhaven / Strecke Stade – Buxtehude ist aber weiterhin gesperrt). Und auch sonst ist immer noch mit Verspätungen zu rechnen. Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass sich Katastrophen vorankündigen (siehe Bahnverkehr vom Sonntag) und dann noch lange nachhallen.

Gitarrenzauber mit Martin Barre

Wow, was für ein Konzert. Am Freitag (25.10.2013) gastierte Martin Barre, von Ende 1968 bis Mitte 2011 Gitarrist der Gruppe Jethro Tull, mit seiner Band in der Empore zu Buchholz i.d. Nordheide. Und ich habe es nicht bereut, das Konzert zu besuchen. Es war ganz einfach phantastisch, was Martin und seine Mannen da boten. Auch meine beiden Söhne, die eigentlich keine Tull-Fans sind, waren begeistert.

Zuvor gab es aber noch einen gehörigen Schrecken in der Abendstunde: Mit meinem jüngeren Sohn fuhr ich mit dem Auto von Tostedt nach Buchholz und parkte dort am Bahnhof, um meinen älteren Sohn, der mit dem Zug aus Göttingen anreiste, abzuholen. Die Eintrittskarten hatte ich in die Innentasche meiner Jacke verstaut, da war ich mir zu 100 Prozent sicher. In Buchholz hatten wir noch reichlich Zeit bis zur Ankunft des Zuges. So gingen wir beide schon mal die Strecke zum Veranstaltungsort ab. Beim Aussteigen aus dem Auto müssen wohl die Eintrittskarten aus der Jackentasche geflutscht sein – und unterwegs entglitten sie mir dann wohl ganz. Als wir meinen älteren Sohn endlich abgeholt hatten (die Zug war fast pünktlich), stellte ich dann zu meinem Schrecken fest, dass die Karten futsch waren. Im Auto lagen sie nicht. Aber dann fanden wir sie doch noch auf dem Weg zur Empore. Erleichterung pur! (Scheiße, ich werde alt …!).

Dann aber das Konzert! Einzigster Wermutstropfen: die wenigen Zuschauer. Aus dem Kulturetat der Stadt Buchholz wird wohl einiges draufgelegt werden müssen, um die Gage für Martin Barre und Band begleichen zu können. Das hatte allerdings auch einen Vorteil: So ergab sich von Anfang an eine geradezu familiäre Atmosphäre. Die Bestuhlung der schon so eher kleinen Halle war entfernt worden. Dafür hatte man runde Tische aufgestellt, auf denen man seine Getränke abstellen konnte. So verteilte sich das Publikum gleichmäßig im Saale (Die bestuhlten Plätze auf dem Rangbalkon waren aber wohl fast alle belegt – ich pflanzte mich mit meinen Söhnen auf noch freie Plätze auf dem Seitenbalkon). Nach kurzer Einleitung legte dann Martin mit einem eigenen Stück los. Gut, ich habe (fast) alle Scheiben von ihm, aber manches instrumentale Stück kommt doch recht kraus daher. Mein ältester Sohn fand das aber ganz okay und nannte es „Spielwiese“ eines typischen Gitarristen. Stimmt wohl. Dann kam auch schon das erste Stück von Jethro Tull: „Minstrel in the Gallery“ (ohne Intro), denn der Abend stand ja unter dem Motto: Martin Barre & Band playing the classic music of Jethro Tull.

Erst einmal aber zum Line Up: Statt des ebenfalls ehemaligen Jethro-Tull Mitglieds Jonathan Noyce spielte Greg Harewood den Bass. Der klang ziemlich dezent, füllte aber ausreichend den Raum. Bei manchen Stücken linste er durch seine Brille schon mal aufs Notenblatt. Im zweiten Teil des Konzertes kam er dann aber doch ganz gut in die Puschen. An der Schießbude saß George Lindsay, dessen Spiel ich als solide bezeichnen möchte. Neben Martin Barre war es der Franzose Pat O’May, der sicherlich keinen Schönheitspreis gewinnen dürfte, der aber gekonnt die Klampfe krachen ließ. Sicherlich fehlt ihm der letzte Schliff, der das Gitarrenspiel von Martin ausmacht, aber oberaffengeil fand ich schon die Gitarrenduette, die Martin und Pat zweistimmig hinlegte (z.B. in „Fat Man“ und „Song for Jeffrey“). Und „To Cry You a Song“ mit Soli beider Gitarristen war der Hammer.

Martin Barre Band - Backstage

Dan Crisp mit akustischer Gitarre der Sänger der Gruppe (manchmal unterstützt von Pat O’May) hat zwar nicht die frühere Stimme Ian Andersons. Aber seine Stimme, etwas kratzig schon, meisterte die Höhen und Tiefen der Lieder in voller Bravour (kein Anderson’sches Gequäle). Besonders schön die beiden langsamen Stücke „Wond’ring Aloud“ und „Still Loving You Tonight“, bei denen Dan Crisp auf der akustischen Gitarre lediglich von Martin Barre mit E-Gitarre überstützt wurde. Auch hier gab es ein verdoppeltes Sologitarrenspiel. Klasse! Und was ist mit Flöte? Nichts ist damit. Ganz ehrlich: Ich habe es nicht vermisst. Frank Mead, der angekündigt und wohl anderweitig unterwegs war, hat mich nicht mit seinem Saxophon- und Flötenspiel überzeugen können (siehe Youtube-Videos). Stücke von Jethro Tull mit Flöte, die nicht von Ian Anderson gespielt wird, das geht irgendwie nicht. Und dank der Präsenz der Gitarrenpower hat wohl keiner wirklich die Flöte an diesem Abend vermisst.

Was gab es noch so Schönes? TAAB in Ausschnitten als „Thin as a Brick“ vorgestellt zeigte Martin Barres Anteil an diesem sonst nur Ian Anderson zugeschriebenen Machwerk auf: eine Instrumentalpassage, die ebenfalls im Zusammenspiel mit Pat O’May den Zuhörern einiges auf die Ohren gab. Von Jethro Tull gab es dann noch „Home“ und „Hymn 43“, beides durch Martin umarrangiert und mit neuer Frische belegt. Ach ja, dann noch bei der Zugabe „Locomotive Breath“. Musste wohl sein. Neben weiteren Instrumentalstücken aus Martin Barres Feder gab es auch ein Stück von Pat O’May – sowie einige Bluesstandards (u.a. „Crossroad“). Hier kam dann auch der farbige Bassist Greg Harewood ins Rollen.

Alles in allem ein gelungenes Konzert (wie gut, dass ich die verloren geglaubten Karten wiedergefunden habe, aber ich hätte mir dann doch noch einen Kartensatz an der Abendkasse geordert). Nein, mehr noch: ein absolut geiles Konzert! Das lag natürlich auch an der guten Akustik der Halle. Der zweite Teil (nach einer Stunde Konzert gab es eine Pinkelpause von 20 Minuten, die wohl auch dem Alter der meisten Besucher geschuldet war, selbst meine beiden Söhne dürften das Durchschnittsalter kaum unter 60 Jahre gedrückt haben 😉 ) war dann sogar noch etwas besser vom Klang her, da am Mischpult erfolgreich nachjustiert wurde. – Früher habe ich Konzerte in großen Mehrzweckhallen besucht, die eigentlich klanglich völlig ungeeignet für Konzerte sind.

Natürlich könnte man sich fragen, warum Martin Barre immer noch in erster Linie Stücke von Jethro Tull spielt? Immerhin hat er über 40 Jahre „Stage left“ von Ian Anderson gestanden und maßgeblich den Stil der Gruppe mitgeprägt (Jethro Tull ist bzw. war eben nicht Ian Anderson allein). Und der leider einzigste Grammy-Gewinn der Band (für das Album Crest of a Knave) geht im hohen Maße auf die Kappe von Martin Barre.

Noch ein Wort zu der geringen Besucherzahl. Jethro Tull, soweit sie einer kennt, verbinden auch heute noch viele in erster Linie mit Ian Anderson. Martin Barre war immer ein ergebener Vasall des Flötenmeisters. So kennen zwar viele Ian Anderson, kaum einer (außer echte Jethro Tull-Fans) kennt Martin Barre. Dabei zählt er zu den größten Rockgitarristen und sein Gitarrensolo auf dem Stück „Aqualung“ (das übrigens beim Konzert in Buchholz nicht gespielt wurde) zählt auf Platz 25 (in anderen Umfragen auf Platz 20) zu den besten und größten der Rockmusik. Schade, dass nicht mehr Rock-Fans den Weg in die Empore nach Buchholz gefunden haben. Jungs und Mädels: Ihr habt wirklich etwas verpasst!

Und noch eines: Es tat Martin Barre sichtlich gut, nicht im Schatten von Ian Anderson stehen zu müssen. Er präsentierte sich in Buchholz zwar bescheiden, wie er nun einmal ist, aber auch sehr locker und entspannt. Und was er auf der Gitarre zauberte, war schon aller erste Sahne!

Lesenswert finde ich übrigens den Bericht von King Heath im Jethro Tull Board @ www.laufi.de (also ich habe nur 2 € 50 fürs Bier bezahlt) und das sich (fast) ganz mit meinen Eindrücken vom Konzert deckt.

Martin Barre hat im Laufe der Jahre neben den Alben von Jethro Tull auch eigene Scheiben veröffentlicht: Martin Barre. Die neueste Away With Words habe ich mir beim Konzert gekauft. Zu dieser später etwas mehr. Es ist ein – soviel kann ich verraten – ganz eigenartiges Album, dass nur wenige Bezüge zum Konzert hat. Im überwiegendem Teil ist es akustisch und ohne Gesang („weg mit Wörtern“) und verknüpft in fast jedem Stück ein Lied aus der Feder von Ian Anderson mit Kompositionen von Martin Barre (z.B. Jethro Tulls „One Brown Mouse“ mit Barres „Fatcat“).

Nachtrag: Inzwischen gibt es auch Videos von Martin Barres Konzert in Buchholz (und drei Tage zuvor aus Bamberg). Dank an die Jungs (und/oder Mädels), die das bei Youtube eingestellt haben.