Kategorie-Archiv: Zukunft Deutschland

Wohin steuert Deutschland?

Hoffnungsvolle Jugend

Zu jeder Zeit hatte die ältere Generation vieles an der jungen auszusetzen. Das ist heute nicht anders als früher. Und ich als Angehöriger der älteren Generation finde vieles, was mich an den jungen Leuten von heute stört, was mich geradezu entsetzt. Da ist nicht nur der extreme Alkoholkonsum (den gab es auch schon zu Zeiten, da ich jung war, wenn auch nicht so extrem), Stichwort: Komasaufen; es ist vorallem die Gewalt unter Jugendlichen auf dem Schulhof (und nicht nur dort), die ich aus meiner Schulzeit her nicht kenne.

Aber es geht auch anders. Nicht alles ist schlecht an der ‚Jugend von heute‘. Im Gegenteil! Es gibt sie noch, die engagierten Jugendlichen, die ihre Freizeit opfern, um anderen Menschen zu helfen, die dafür sorgen, das sich noch etwas bewegt in unserer Zeit.

Gestern nahm ich mit meiner Familie an einem Gottesdienst teil, bei dem rund 50 junge Menschen als ehrenamtliche Jugendleiter und Jugendleiterinnen eingeführt wurden. Um dieses Ehrenamt zu bekleiden (wie man sagt), haben sie u.a. eine Woche Ferien geopfert, um sich in einer Schulung auf die bevorstehenden Aufgaben vorzubereiten. Übrigens war es einmal ein Gottesdienst, in dem die Post abging mit flotten Rhythmen (okay, mehr poppig als rockig) und wenig starrem Getue. Es durfte gelacht und geklatscht werden, wie es dem einzelnen gefiel.

Nun auch der Bandabend 2007 in Tostedt wurde durch freiwillige jugendliche Helfer organisiert. Und von der Unterstützung von Senioren durch Jugendliche beim Zugang zum Internet habe ich auch schon einmal berichtet. Ich schreibe das hier natürlich auch schon deshalb, weil einer der Jugendliche mein Sohn Jan ist, der mich mit seinem Engagement immer mehr überrascht.

Die Abzocke geht weiter

Im „Immobilienmarkt aktuell“ für Hamburg steht geschrieben, dass die US-Hypothekenkrise keine Auswirkungen für Deutsche hat. Eine solche Krise ist in Deutschland ausgeschlossen. Nur einen Satz weiter steht dann aber bereits, dass mittel- bis langfristig die Möglichkeit besteht, dass die Zinsen für Darlehn weiter ansteigen werden; so Herr Schick vom IVD Bundesverband.

Herr Schick weiter: „Institute, die beispielsweise Vollfinanzierungen von Hauskäufen anbieten, finanzieren sie über Anleihen am Kapitalmarkt. Diese Refinanzierung ist durch die Krise in den USA teurer geworden. … Die Banken verlangen für Vollfinanzierungen deutliche Zinsaufschläge, sie sind für den Kreditnehmer sehr riskant.“

Eine solche Hypothekenkrise wie in den USA mag vielleicht in Deutschland ‚ausgeschlossen’ sein; die Auswirkungen wird der Häuslebauer oder –käufer aber zu spüren bekommen.

Und die Abzocke der deutschen Verbraucher geht weiter. Nach drastischen Preissteigerung für Milchprodukte soll jetzt Fleisch (noch drastischer) teurer werden. Und ab 9. Dezember kommt die Deutsche Bahn mit der nächsten Erhöhung der Preise, die zweite in diesem Jahr.

Die Energiepreise sind auf Rekordhoch. Und dem nicht genug: Die nächste Preissteigerung steht spätestens zum Januar 2008 an. Da ist es der reinste Hohn, wenn eine e.on-Tochter („e wie einfach“) Werbung für sich macht, indem sie die hohen Preise anderer Anbieter anprangert (ist damit e.on selbst gemeint?).

Bei alledem darf man sich nicht wundern, wenn das Konsumklima abkühlt.

In diesem Zusammenhang ein Gedanke, der mich schon sehr lange beschäftigt: Wie kann ich (oder wer auch immer) etwas verkaufen bzw. mit etwas Handel treiben, das ich eigentlich gar nicht besitze?

Wenn ich z.B. im Infobrief meines Energie-Anbieters lese, „EWE produziert den Strom, den Sie beziehen, nicht selbst, sondern kauft ihn ein“, oder (wie oben bereits erwähnt): Institute finanzieren Kredite über Anleihen am Kapitalmarkt (Refinanzierung), dann wundert mich das schon. Mein Energie-Anbieter produziert also nicht eine Kilowatt/Stunde selbst.

Vielleicht sollte ich auch eine Bank eröffnen oder ein Energie-Unternehmen gründen. Im Ernst: Nichts gegen freie Marktwirtschaft; aber hier (besonderst im Energiebereich) ist etwas gehörig schief gegangen. Und angesichts zunehmender Globalisierung (selbst Joghurt wird jetzt weltweit vertrieben – ob er den Chinesen auch wirklich schmeckt?) wird am Ende der Verbraucher die Zeche für Fehlentwicklungen dieser Art zahlen müssen.

Eine betriebswirtschaftliche Weisheit sollte jedem geläufig sein: Je mehr Zwischenhändler es gibt, desto teurer wird die Ware! Und mein Energie-Anbieter ist nichts anderes als ein Zwischenhändler. Natürlich wird es mir nicht möglich sein, direkt beim Produzenten zu kaufen (z.B. beim Windkraftwerksbetreiber den regenerativ erzeugten Strom). Aber es muss andere Regulierungen als die jetzigen geben, die den Markt bestimmen. Statt eines freien Energiemarktes haben wir es zunehmend mit immer größeren Konzernen zu tun, die den Markt unter sich aufteilen. Von Preisabsprachen will ich hier erst gar nicht sprechen.

erneuerbare Energie - grüner Strom

Zudem kommt eine immer unübersichtlichere Preistarifpolitik der Unternehmen, die direkte Preisvergleiche kaum noch zulässt. Und der neueste Trend ist, Tochterfirmen zu gründen, die noch nicht mit dem angekratzten Image der Mutterfirma belastet sind und so tun, als wären sie innovativ, modern und preiswert (siehe e.on und „e wie einfach“ sowie Deutsche Telekom und „congstar“).

Tanz ums goldene Kalb

Wir werden immer wie Außerirdische angesehen, wenn wir (meine Frau und ich) sagen, wir haben kein Auto. Meist werden wir dann gleich gefragt (geradezu rhetorisch): Aber ihr habt doch einen Führerschein?! Ja, den haben wir – beide. Meiner ist allerdings schon seit vielen Jahren verschollen. Dafür habe ich eine Abo-Karte für den HVV (Hamburger Verkehrsverbund). Und wir haben Fahrräder. Und zu Fuß geht es ja auch …

Dabei gibt es mindestens 101 Gründe, kein Auto zu fahren bzw. zu haben (siehe unten den Literaturtipp). Angesichts des Klimawandels wäre es schon vorteilhaft, den eigenen CO2-Ausstoß zu reduzieren. Wenn ich so am Samstagmorgen (zu Fuß, meist mit dem Rad) die Brötchen hole, wundert es mich schon, die meisten Mitbürger mit dem Auto beim Bäcker vorfahren zu sehen. Am Ende hat der eine oder andere mehr Kohlendioxid produziert als er Brötchen im Warenkorb hat.

Autounfall

Wenn ich bedenke, dass meine beide Söhne bereits jemals einmal von einem Auto auf die Kühlerhaube genommen wurden (es ging immer glimpflich aus), und in Anbetracht der vielen Unfalltoten und -verletzten, komme ich schon ins Grübeln, ob man den Führerschein nicht eher Waffenschein nennen sollte. Für mich gibt es eigentlich keinen Grund, mich mit einer Blechbüchse zu umgeben. Zumindest muss es nicht ein Auto sein, das wer weiß wie viele Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit fahren kann, die es aber bisher noch nie gefahren ist. Warum auch?

Wenn sich unsere ganze Individualität auf den Individualverkehr reduziert, dann Mahlzeit! Freie Fahrt für freie Bürger – freie Bürger?

Und überhaupt: Ohne Autos (speziell der Produktion von PKWs) wären wir keine Wirtschaftsmacht. Aber sobald es in der Autobranche kriselt (z.B. wenn der Benzinhahn zugedreht wird), zeigt es sich, wie sehr wir wirtschaftlich von diesen Blechkisten abhängig sind. Der Tanz ums goldene Kalb hat eben auch seine Schattenseiten. Ein bisschen mehr Autarkie (statt Automobilismus) wäre wünschenswert.

Literaturtipp: 101 Gründe kein Auto zu fahren (Taschenbuch) von Matthias Sommer und Björn Pfeffermann:

Weit über 100 Prozent der Deutschen sind passionierte Autofahrer, und jeder ist der beste Autofahrer der Welt. Doch in Wahrheit sitzt hinter jedem Steuer ein Wesen, das gefährlicher ist als alle Giftschlangen, Tiger, Kampfhunde, Skorpione und Kannibalen zusammen. Denn Menschen hinter dem Steuer vereinsamen und werden aufgrund der angestauten Aggressionen lebensgefährlich: Wer hält es schon lange unter Dränglern, Pöblern und Hupern aus? Eine freche und witzige Liebeserklärung für alle, die dem Auto in aufrichtiger Haßliebe verbunden sind.

siehe auch: Website von Björn Pfeffermann (Coautor des Buchs u.a. mit Leseproben)

Wer trotzdem nicht vom Auto lassen kann: zdf.de – Panorama-Blick auf die IAA

Eva Herman bekommt das Mutterkreuz

Nach Eva Hermans Buch „Das Eva-Prinzip“ sollten Frauen „öfters mal den Mund halten“ und sich mehr um die häuslichen Angelegenheiten kümmern. Wenn fürsorgliche Mütter sich liebevoller um ihre Kinder kümmerten, würde Deutschland nicht aussterben.

Eva Herman plädiert für eine neue „alte“ Weiblichkeit. Jetzt hat Frau Herman mit Ihrer Aussage, im Dritten Reich sei „vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler“; einiges sei aber auch gut gewesen, „zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter“, über die Strenge geschlagen. Der NDR, bei dem Frau Herman als Moderatorin arbeitete, hat sie hinausgeworfen.

Ich kann hier nichts zu dem angesprochenen Buch von Frau Herman sagen, da ich es nicht kenne. Soviel kann ich aber von mir aus sagen: Ich halte die Familie für eine wichtige Institution, für die es keinen gleichwertigen Ersatz gibt. Und sicherlich halte ich die Rolle der Frau als Mutter für wichtig für die Entwicklung der Kinder. Und ebenso sicher ist es, dass Frauen, wenn sie als Mütter berufstätig sind, ‚ihre Probleme‘ haben, um es einmal wage auszudrücken.

Aber genau hier setzt für mich die Rolle des Mannes als Vater und Ehepartner ein. In meinen Augen gehört zu einer gesunden Entwicklung der Kinder auch das Vorhandensein eines liebevollen Vaters (was nicht ausschließt, dass Kinder, die ohne Vater bzw. ohne Mutter aufwachsen, sich nicht genauso gesund entwickelt können). Und dass der Mann als Ehepartner auch seine Aufgaben im Haushalt wahrzunehmen hat, sollte heute selbstverständlich sein.

Leider erleben wir heute vermehrt Fälle von Kinderverwahrlosung und Gewalt in der Familie. Hier mögen die Behauptungen von Frau Herman durchaus Denkanstößen liefern. Viel mehr leider nicht.

Aber das nur so nebenbei. Der NS-Vergleich der Frau Herman ist dumm und unverantwortlich. Selbst bis zu Frau Herman sollte es durchgedrungen sein, dass die ‚Wertschätzung‘ der Mutter durch die Nationalsozialisten lediglich Berechnung war. Für die Nazis war die Mutter u.a. Garant für „stählerne, kampfbereite” Nachkommen und Bewahrerin von hochwertigem Erbmaterial, um hier einmal den NS-Jargon zu benutzen. Ich denke, Eva Herman ist nicht dumm genug, um die Frau zu einer Zuchtstute degradiert zu sehen; ihr „Mutterkreuzzug“ hat ihr zwar den Job gekostet, ist aber bestimmt werbewirksam für weitere Buchprojekte … (vielleicht zum Thema Lebensborn)?!

Mutterkreuz in Gold

siehe mehr bei zdf.de: Tietjen enttäuscht von Talk-Kollegin Herman

Frauen unterm Hakenkreuz

Nachtrag: In meiner Hausbibliothek bin ich, wie der Zufall es so will, auf das Buch „Frauen unterm Hakenkreuz“, herausgegeben von Maruta Schmidt und Gabi Dietz, gestoßen. Es enthält ein umfassendes Bild von der Nazi-Realität, wie sie die Frauen zu spüren bekamen – neben ‚Mutterkreuz‘ und ‚Reichsbraut‘ brachte der Alltag harte Arbeit, Entbehrung und Bevormundung durch die rüde Männerherrschaft. Von Frauen als Opfer und Täter im Konzentrationslager wie über Frauen im Widerstand wird berichtet. Vielleicht die richtige Bettlektüre für Frau Herman.

Wertschätzung der Mutter?

Evangelischer Kirchentag in Köln

Heute endete in Köln der 31. Deutsche Evangelische Kirchentag. Mein Sohn Jan war seit dem Mittwochabend unter den rund 110000 Dauerteilnehmern und besuchte verschiedene Podiumsdiskussionen, Konzerte und Gottesdienste. Ein Schwerpunkt für ihn war dabei der christlich-jüdische Dialog.

Angesichts des G8-Treffens der Mächtigen in Heiligendamm so stand natürlich auch auf diesem Kirchentag die Frage, wie die Welt nach menschlichem Maß gestaltet werden kann, im Mittelpunkt vieler Veranstaltungen. Höhepunkte daher die Auftritte der Friedensnobelpreisträger Mohammed Yunus und Desmond Tutu.

Bischoff Desmond Tutu

Den Stolz und die Würde der Betroffenen hat denn auch – am Rhein und nicht an der Ostsee – niemand besser und klarer formuliert als der südafrikanische Bischof Desmond Tutu: „Ich bin ein Afrikaner. Ich bin ein Mann. Ich bin ein Mensch. Ich bin kein Objekt, das Almosen braucht. Ich bin stolz. Ich bin kein Objekt, das Mitleid braucht. Ich bin nach dem Ebenbild Gottes geschaffen. Wir sind geschaffen worden, um zusammenzuleben. Wir können nur zusammen überleben. Wir können nur zusammen menschlich sein. Ihr Führer mögt fragen, was ich brauche, was ich will. Nun, ich frage euch: Was braucht ihr denn?“

siehe auch zdf.de: Lieber aufsässig als innerlich

Feindliche Übernahme

Die Hüter des freien Geldverkehrs in Brüssel wollen das VW-Gesetz kippen, das dazu geschaffen wurde, feindlichen Übernahmen des Volkswagen-Konzerns zu verhindern. Nach diesem Gesetz darf keiner mehr als 20 % der Stimmrechte haben, auch wenn er mehr Aktien besitzt. Ansonsten könnte die Kontrolle über ein Unternehmen wie VW erreicht werden, wenn man im Besitz der absoluten Mehrheit der Aktien ist. Zz. hält die Porsche AG 27,4 % und das Land Niedersachsen 20,4 % der Aktien. Der Rest verteilt sich auf Kleinaktionäre.

Christian Wulff, Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, sieht keine Gefahr für VW, selbst wenn das VW-Gesetz kippen sollte, und begründet das mit dem Engagement von Porsche bei VW. Und schon ist man auch gleich bereit, Porsche gegenüber Entgegenkommen zu zeigen: Der Widerstand gegen den Porsche-Großaktionär Piëch als Aufsichtsratschef wurde aufgegeben und Porsche selbst ein 3. Posten im Aufsichtsrat zugesichert.

Damit ist die Volkswagen AG mit ihren Mitarbeitern aber auch auf Gedeih und Verderb von Porsche abhängig, was einer feindlichen Übernahme in meinen Augen schon sehr nahe kommt.

Wulff & Piech --- Krawalle in Sizilien

Daneben ist es für mich äußerst erstaunlich, wie sehr man in der Europäischen Union auf den freien Kapitalmarkt setzt, um nur keinen potenziellen Investor zu verschrecken (Investor im Sinne von Anleger von Kapital in Aktien, nicht in Anlageinvestitionen wie Maschinen usw.). Vielleicht wären Investitionsanreize für benachteiligte Regionen wie Sachsen und Sizilien etwas wichtiger. Wenn man dort den Menschen, insbesondere den Jugendlichen, berufliche Perspektiven böte, dann erübrigten sich vielleicht auch solche Fußball-Krawalle wie jetzt in Catania/Sizilien oder zuletzt in Leipzig. Ansonsten droht dem Fußball auch so etwas ähnliches wie eine „feindliche Übernahme“.

siehe zdf.de: EU-Generalanwalt: VW-Gesetz verstößt gegen Europarecht
und: VW: Niedersachsen überlässt Porsche das Lenkrad

Was auf uns zukommt

Mit dem 1. Januar 2007 steigt nicht nur die Mehrwertsteuer um drei Punkte auf 19 %. Durch den Wegfall der Pendlerpauschale für die ersten 20 Kilometer erhöht sich für viele die Einkommensteuer. Beim Kindergeld wird gekürzt. Der Beitrag zur Rentenversicherung steigt von 19,5 auf 19,9 %. Die Krankenkassen haben Beitragerhöhungen auf breiter Front angekündigt. Immerhin fällt der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung von zz. 6,5 auf 4,2 %. Was alles auf uns zukommt – siehe zdf.de

Und ab 1. Januar 2007 werden Rumänien und Bulgarien neue Mitglieder der EU. Leider glänzten beide Länder bisher lediglich bei Korruption und Kriminalität. Aber sie haben in den letzten Jahren durchaus erkennbar Fortschritte gemacht – also: Willkommen Rumänien und Bulgarien!

Spurensuche

Wieder ein Amoklauf an eine deutschen Schule, diesmal ist es eine Realschule in Emsdetten. Vieles deutet darauf hin, dass der 18-jähriger Täter psychisch gestört war. Und mit dieser Tat wird wieder der Ruf laut, der nach einem Verbot von Videospielen verlangt, die Gewalt verherrlichen. Denn alles, was mit Gewalt zu tun hat, faszinierte offensichtlich den Amokläufer – auch brutale Filme und Videospiele.

Da ich selbst zwei Söhne habe, die auf ihren Rechner Spiele haben, die nicht meine ungeteilte Zustimmung haben – was kann ich aber dagegen tun, außer ihnen die Rechner wegnehmen -, da kann ich mich dieser Debatte nicht verschließen.

Um es gleich zu sagen: Ich finde es fürchterlich, dass es solche Spiele und Videos gibt. Ich kann es nicht nachvollziehen, wenn solche Filme und Spiele öffentlicht angepriesen werden und es dafür einen Markt gibt, der Milliarden umsetzt. Aber es gibt sie nun einmal und ich kann nicht verhindern, dass auch das eine oder andere davon in meinen Haushalt gelangt.

Was kann ich also tun? Ich kann mit meinen Söhnen sprechen, ihnen klar machen, was ich davon halte. Ich erwarte nicht, dass sie all den Müll löschen und nie wieder solchen Mist angucken oder spielen. Ich erwarte aber, dass sie sich dieser Problematik stellen.

Wichtig dabei ist, dass sie nicht wie der Täter in Emsdetten den Bezug zur Wirklichkeit verlieren. Solange sie mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen stehen, solange sie erkennen, wohin es führt, wenn man Spiele dieser Art mit der Realität vermischt, solange brauche ich mir keine Sorgen zu machen.

Gefährlich halte ich dabei die Verallgemeinerungen, die alles in einen Sack stecken und mit dem Knüppel darauf schlagen. Solange es auch reale Gewalt wie Kriege und Massenverbrechen gibt, solange Industrie und Staat ihre Kassen mit dem Handel von Waffen füllen, solange sich die menschliche Seele immer wieder als tiefer, dunkler Abgrund auftut – solange werden wir auch mit der alltäglichen Gewalt leben müssen und können nur versuchen, zu verhindern, was zu verhindern ist.

spiegel.de: Video-Vermächtnis mit Waffe, Mantel, Kampfstiefeln

Resistantx: Columbine

Der Amokläufer hat vor seiner Tat einige Videos ins Internet gestellt. Ich bin dabei auf eines gestoßen, das bereits ein halbes Jahr alt ist. Es zeigt u.a. die zwei Täter des Columbine-Massakers aus dem Jahre 1999 beim Hantieren mit Schußwaffen. Hier äußert sich der Emsdettener Amokläufer noch kritisch zu solchen Mordanschlägen und fordert die Unterstützung der ‚Anarchie‘. Interessanter als dieses Video sind die Favoriten, die sich der Typ hier zusätzlich abgespeichert hat, Videos über Ängste, Hass, Gewalt und Tod (u.a. Selbstmord). Es ist wie eine Spurensuche im Internet … Nicht ein halbes Jahr später wurde er selbst zum Täter. Eigentlich bin ich nicht der Typ, der solchen Leuten noch so etwas wie eine Plattform bietet. Sei das kurze Video hier trotzdem – als abschreckendes Beispiel für einen verwirrten Geist – gezeigt (aufrufbar nur für solche, die sich bei youtube.com angemeldet haben):

Der Amokläufer im Internet (ResistantX: Columbine)

Die Deutschen werden immer träger

Schaut man sich das Statistische Jahrbuch 2006 an, dann stellt man fest, dass der durchschnittliche Deutsche immer dicker und träger wird. Immer mehr Deutsche haben Übergewicht, immer mehr Zeit wird vor dem Fernseher oder Computer verbracht und immer später wird geheiratet. Es bleibt keine Zeit für ein gutes Buch. Herz-Kreislaufkrankungen sind die meisten Ursachen für Krankenhausaufenthalte. Und immer mehr Deutsche kehren dem Land den Rücken, um im Ausland ihr Glück zu finden. Der Abwärtstrend hält unvermindert an.

Siehe zdf.de: Durchschnittsdeutscher ist zu dick und heiratet spät

… wie ich kotzen möchte!

Der Ausspruch stammt nicht von mir, sondern von dem Maler Max Liebermann und wurde anlässlich einer nationalen Katastrophe geäußert, der Machtergreifung durch Hitler. Die Katastrophe, von der ich hier berichte, ist weitaus kleiner und auf beruflicher Ebene angesiedelt, wenn auch für die Betreffende gleichfalls schwerwiegend. Der Spruch: „Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.“

Um was geht es? Ich arbeite in der IT-Abteilung eines karitativen Verbandes, die recht altmodisch noch die Kürzel „Org/DV“ trägt. Org für Organisation, DV für Datenverarbeitung. Nach einer kaufmännischen Ausbildung kam Frau K. zu uns in die Abteilung und fand im Systemverwalter ihren Mentor, der ihre Fähigkeiten schnell erkannte und förderte. Ob er in Frau K. seine Nachfolgerin sah, mag dahin gestellt sein.

Nach dem Ausscheidung des Systemverwalters durch Altersteilzeit blieb sie bei uns, wenn auch ein Außenstehender die genannte Stelle bekam. Ihr wurden dabei aber zunehmend neue Aufgaben zugeordnet, … die sie zur vollsten Zufriedenheit der Beteiligten erfüllte. So ergab sich auch für mich eine fruchtbare Zusammenarbeit mit ihr im Bereich Datenbanken. Im Abendstudium erweiterte Frau K. ihre Kenntnisse speziell im Bereich IT und bekam für ihre Diplomarbeit ein „sehr gut“. Das war in diesen Wochen.

Während der über vier Jahre bei uns konnte sich unsere Geschäftstellenleitung leider nicht hinreißen lassen, ihr eine Festanstellung zu beschaffen. So bekam sie immer wieder einen neuen befristeten Arbeitsvertrag, zuletzt für vier Monate, damit sie immerhin ihre Diplomarbeit ohne äußere Zwänge fertig stellen konnte. Immerhin!

Aus meiner Sicht hätte dieser letzte Vertrag arbeitsrechtlich schon eine Festanstellung sein müssen. Egal! Denn Leitung, Personalabteilung und unsere Abteilung einigten sich auf die Ausschreibung einer entsprechenden Stelle, die dann auch sehr bald, spät, aber nicht zu spät, ans Schwarze Brett kam.

Nur gibt es in unserer genannten Abteilung eine Madame, die in Frau K. etwas wie eine Konkurrentin sieht. Die Abteilungsleitung hatte in mehreren Gesprächen versucht, die Bedenken der Madame auszuräumen. Leider ohne Erfolg. So wendete sie sich an den Betriebsrat.

Man muss dabei wissen, dass bereits vor geraumer Zeit zwischen dieser Madame und einer weiteren Mitarbeiterin unsere Abteilung Zwistigkeiten bestanden, die dazu führten, dass das Betriebsklima regelrecht vergiftet wurde. …

Hier nun der Knackpunkt: Mir wurden im dienstliche Gespräch mitgeteilt (und diese Aussage wurde mir am gleichen Tag in einem weiteren informellen Gespräch bestätigt): Der Betriebsrat, der zuvor sein Einverständnis für die Ausschreibung der neuen Stelle gegeben hatte, machte aufgrund der Einwendung der Madame eine 180-Grad-Wendung und zog dieses Einverständnis zurück. Da es ohne dieses Zustimmung aber wohl nicht geht, zog die Betriebsleitung die Stellenausschreibung zurück. Damit alles seine scheinbare Richtigkeit hat, wurde das u.a. mit personalpolitischen Gesichtspunkten begründet.

Wie auch immer: ab 1. November steht nun Frau K. auf der Straße.

Das ist alles nur ganz kurz skizziert …

Leidtragende sind neben Frau K. auch der Systemverwalter und ich, denn uns fehlt von heute auf morgen eine kompetente Kollegin. Und damit fehlt überhaupt dem ganzen Haus eine engagierte Mitarbeiterin, die mit viel Eigeninitiative ans Werk ging. Ich habe den Eindruck: mit zu viel Eigeninitiative!

Was kann ich dazu sagen: Auch ohne mir den Magen voll schlagen zu müssen, kommt mir das Essen hoch. Es ist wirklich zum Kotzen!

Nachtrag und Ende: Inzwischen hatte ich ein persönliches Gespräch mit Geschäftsleitung und Personalchef. Wenn einer ein Psychopath ist, dann natürlich ich. Wie konnte ich nämlich so naiv sein zu glauben, mit einer Intervention meinerseits eine Kehrwendung zum Guten zu erreichen? Meine gute Absicht wurde als bösartig interpretiert (Mobbing, Verleumdung und üble Nachrede). Ich habe mich dafür entschuldigt.

Was bleibt ist ein übler Nachgeschmack, denn in den Informationen, die mir angetragen wurden, gibt es einen Widerspruch, der nur eines bedeutet: Die eine oder andere Person hat mich wohlwissendlich belogen. Zumindest weiß ich jetzt nicht, was und wem ich glauben kann. Aber da ich nun einmal der Depp bin: Ich habe sicherlich alles falsch verstanden …

Genug, so hoffe ich. Ich habe mir die Finger verbrannt und werde in Zukunft meine Nase nicht mehr in die Angelegenheiten anderer stecken. Selbst in meinem Alter lernt man nicht aus.

Du bist (in) Deutschland

In Deutschland ist mit der Fußball-WM der kollektive Patriotismus ausgebrochen. Experten (Psychologen, Politologen) sehen darin nur ein zeitweise auftretendes Phänomen. Wenn die Weltmeisterschaft erst einmal vorüber ist und der graue Alltag eingekehrt, dann wird sich diese Art von Fußball-Chauvinismus wieder legen.

Trotzdem schmeckt mir diese ganze nationale Begeisterung wenig, weil sie einfach übertrieben wird. Man kann sich für Fußball interessieren. Und wenn die deutsche Mannschaft ordentliche Spiele bietet, so ist das sicherlich Grund zur Freude. Aber muss dafür jeder öffentliche Raum eingenommen werden? Muss jede Gelegenheit genutzt werden, um eine Feier zu starten? Überall Alkoholleichen eingehüllt in schwarz-rot-gold?

Schwarz-Rot-Gold

In unserer Nachbarschaft haben wir auch einige Spezies, die an meterhohen Masten die Deutschland-Flagge gehisst haben. Eine Bekannte meiner Frau, die dort in der Nähe wohnt, sagte: „Morgens, wenn ich aufstehe und aus dem Fenster gucke, da weiß ich: Ich bin in Deutschland!“