Kategorie-Archiv: Zukunft Deutschland

Wohin steuert Deutschland?

Absurdität des Alltags

Wirtschaft und Politik bescheren uns täglich Absurditäten, die uns schwer auf den Magen schlagen und ans Portemonnaie geben. Aber auch im Alltag, mit dem wir konfrontiert werden, nehmen wir immer öfter Sinnlosigkeiten wahr, die uns zu überrollen scheinen. Ich will nicht den Teufel an die Wand malen, keine Angst; es sind aber Symptome, die aufzeigen, wie sehr unsere Gesellschaft krankt.

Zerstörte Hitler-Figur soll wieder ausgestellt werden

Beginne ich mit dem Harmlosesten. Da eröffnete Madame Tussaud’s Wachsfigurenkabinett dieser Tage eine Zweigstelle in Berlin und präsentierte einen Hitler mit finsterem Blick in einem grauen Kriegsbunker hinter einem Schreibtisch. Schon im Vorfeld gab es hitzige Diskussion ob dieses Stücks „Unterhaltungskultur“, das viele einfach nur geschmacklos finden. Und schon Besucher Numero zwei attackiert die Wachsfigur und köpft sie. Jetzt hat sich der 41-jährige Täter wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung (bei einem Handgemenge mit Museumsmitarbeitern verletzte er zwei von ihnen leicht) zu verantworten. Das kann ein teurer Spaß für eine dumme Wette mit Freunden werden. Wie sinnlos die Tat war, wird der Übeltäter sehen, wenn ihm die Rechnung dafür ins Haus flattert.

Ob die Präsentation eines gebrochenen Hitlers besonders geschmackvoll ist, möchte auch ich bestreiten. Aber solange es keine entsprechenden Verbote gegen solche Darstellungen gibt, ist und bleibt die Diskussion darum lediglich ein absurdes Sommerlochtheater. Als ich den in London bei Madame Tussauds ausgestellten Hitler vor vielen Jahren sah, wunderte ich mich nur über dessen geringe Körpergröße (Körpergröße und Größenwahn – ein anderes Thema). Damals stand er dort hinter Glas vor dem Eingang zu der Chamber of Horrors.

Münchener U-Bahn-Schläger vor Gericht

Die zwei U-Bahn-Schläger aus München stehen zz. vor dem Richter. Deren brutaler Übergriff gegen einen 76-jährigen Pensionär in der Münchener U-Bahn sorgte für reichlich Diskussionsstoff im Land. Beide Täter müssen nun mit langjährigen Haftstrafen wegen versuchten Mordes, Körperverletzung und Diebstahl rechnen. Wie sinnlos die Tat war, hat inzwischen auch einer der Schläger begriffen. Gegenüber seiner Schwester äußerte er: „Nur wegen zwei Schläge(n) 12 Jahre …?!“.

So ganz begriffen hat er die Sache dann allerdings doch wieder nicht: Zwei Schläge = 12 Jahre bedeutet nicht, jeweils sechs Jahre Haft für einen Schlag zu bekommen …

Zunehmend ist zu beobachten, wie sich in bestimmten Stadtvierteln rechtsfreie Räume auftun. Kaum ein normaler Bürger beschweige Polizist wagt sich mehr in solche Stadtteile, die von jugendlichen Banden kontrolliert werden. Hier herrscht die Gewalt der Straße. Auch in Deutschland. Aus solchen rechtsfreien Nischen dürften auch unsere zwei Schlägertypen stammen. Und mit einem sonderbar eigenem Machtgefühl nehmen sie sich das Recht, in aller Öffentlichkeit über Leben oder Tod bestimmen zu dürfen. Wird ihnen dann die Quittung vorgelegt, beginnen sie zu heulen.

Tod im Wartezimmer

Es ist ein Einzelfall und sollte in Deutschland nicht vorkommen. Da stirbt eine Frau im Wartezimmer eines New Yorker Krankenhauses, weil sich niemand um sie kümmert. Das vor laufender Videokamera. Als Konsequenz werden 6 Mitarbeiter des Krankenhauses entlassen. Sicherlich auch, um den ‚guten Ruf’ des Krankenhauses wieder herzustellen. Wie absurd.

Wie oft wird aber auch in Deutschland weggeschaut, nicht wahrgenommen, wenn andere Menschen in Not geraten. Jegliche Zivilcourage ist vor die Hunde gegangen. Und sollte doch einmal einer helfend zur Seite stehen, dann wird dieser mit Preisen und Bundesverdienstkreuzen überschüttet – und alles klatscht Beifall (auch diejenigen, die zuvor die Augen abgewandt hatten).

Generationen im Geschichtsverlauf

Schon Aristoteles lehrte uns, in Schublädchen zu denken. Und so gibt es solch schiebbare Kästchen, die zu einem Schrank mit Namen „Generation“ gehören, um den Begriff Generation dem Verlauf der Geschichte gemäß zu klassifizieren. Auf gut Deutsch gesagt: Jeder gehört einer bestimmten Generation an.

Gehen wir von der (noch) lebenden Bevölkerung aus, so beginnt es mit der „Verlorenen Generation“ Ende des 19. Jahrhundert (Lost Generation). Das Ganze endet mit der ‚aktuellen’ Generation, die den hübschen Namen „iGeneration“ trägt. Dazu werden alle die ab ca. 1993 Geborenen gezählt.

iGeneration

Hier eine kurze Übersicht, die allerdings dicht am Verlauf der amerikanischen Geschichte ausgerichtet ist. Wir hier in Deutschland haben teilweise andere Begriffe oder benutzen für einen bestimmten Generationenbegriff etwas abweichende Zeiträume (z.B. zählt man teilweise auch die in den 50er Jahren Geborenen der „Generation X“ zu):

1. Die „Verlorene Generation“ Ende des 19. Jahrhundert (Lost Generation)
2. Die „Größte Generation“ 1900 – 1924 (Greatest Generation)
3. Die „Stille Generation“ 1925 – 1945 (Silent Generation)
4. Die „Baby Boomer“ 1945 – 1965 – in Deutschland gleichzusetzen mit den rebellischen ’68ern
5. Die„Generation X“ 1960-1975 (60er und 70er Jahre) – in Dt.: Generation Golf
6. Die „MTV Generation“ zw. 1975 und 1986
7. Die „Millennial-Generation“ ca. 1983-1998 – auch „Generation Y“ genannt
8. Die „iGeneration“ nach 1993

Eine Art Zwischengeneration ist die „Beat Generation“, die allerdings im Wesentlichen eine Richtung der amerikanischen Literatur der 50er Jahre bezeichnet .

Die „Lost Generation“ war zynisch, die „Baby Boomer“ individuell, die „iGeneration“ lebt fast nur im Internet. Und im US-Wahlkampf treten jetzt die „Millennials“ in den Fokus. Jeder Generation werden also bestimmte „Eigenschaften“ zugerechnet.

Generationen im Geschichtsverlauf: Von der „Verlorenen Generation“ zur „iGeneration“

Siehe auch meine Beiträge: Georg Heinzen – Uwe Koch: Von der Nutzlosigkeit, erwachsen zu werdenJack Kerouac: Unterwegs – On the Roadtechnosexual lifestyle

(Fast) unterschlagene Beiträge – Teil 4

Lehmann: „Bin sehr wütend“

Jens Lehmann ist also wütend. Immer wieder drückt er die Ersatzbank (die arme Ersatzbank). Und so schließt er nun einen Wechsel zu einem anderen großen europäischen Club nicht mehr aus. Hat er da die Rechnung ohne den Wirt gemacht? Welcher große Club sollte Interesse an dem Torwartopa haben?

Rüffel für Rogge

Da mahnt der IOC-Chef in Peking die Einhaltung ihrer „moralischen Verpflichtungen“ in der Menschenrechtsfrage und Pressefreiheit an und kassiert dafür einen Rüffel: „Wir hoffen, die IOC-Funktionäre halten sich an die Olympische Charta“, rügte eine Sprecherin des Außenministeriums.

Und UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon kommt offenbar auch nicht zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking. Ausrede: „terminliche Probleme“!

Bisher war ich gegen einen Boykott der Spiele. Ich beginne aber so langsam, diese Meinung zu revidieren. Und: Produkte „Made in China“ werde ich nicht mehr kaufen.

Älteren droht Rente auf Hartz-IV-Niveau

Der Deutsche Gewerkschaftsbund befürchtet eine dramatisch zunehmende Altersarmut in Deutschland. Spätestens in 15 Jahren werden Millionen Rentner von Sozialhilfe leben müssen, denn viele waren lange arbeitslos (für ein Jahr Hartz IV bekommt man später gerade einmal 2,19 Euro monatliche Rente) oder hatten Jobs mit Niedriglohn.

Dann rächt sich die verfehlte Arbeitsmarktpolitik ein 2. Mal.

Tagesmütter: Steuer erst 2009?

Ab 1. Januar 2008 sollten die rund 30 000 staatlich geförderten Tagesmütter ihre Einkünfte versteuert. Bisher waren diese einkommensteuerfrei. Der Termin soll nun um ein Jahr verschoben werden.

Irgendwie kneift es da im Kragen von Herrn Steinbrück: Es kann nicht sein, dass auf der einen Seite mehr Kinderbetreuungsplätze gefordert werden und auf der anderen Seite das Pflegegeld der vom Jugendamt vermittelten Tagesmütter besteuert werden soll. Die volle Steuerpflicht steht im Gegensatz zum gesamtgesellschaftlichen Interesse an einem massiven Ausbau der Kinderbetreuung.

Berlusconi gewinnt Italien zurück

Silvio Berlusconi hat es ein drittes Mal geschafft, Ministerpräsident von Italien zu werden. Meineid, Richterbestechung, Schmiergeldzahlungen, Bilanzfälschungen und Steuerbetrag – wie kein anderer „eignet“ sich dieser Mann für dies hohe politische Amt. Glückwunsch!

Globales Räderwerk

Nicht genug, dass das Bankenwesen mit obskuren Derivaten (US-Immobilienanleihen) Milliarden Euro in den Sand setzte; das Geld wird keiner wiedersehen und kann nur noch als Verlust abgeschrieben werden – die nächste viel größere Krise schleicht sich durch die Hintertür bis in unsere Wohnzimmer: eine weltweite Hungerkrise durch besonders in der letzten Zeit enorm gestiegene Lebensmittelpreise.

Allein der Preis für Weizen ist seit dem Jahr 2000 um über 200 % gestiegen (allein von 2007 an um rund 100 %). Verantwortlich für diese Preissteigerung wird besonders der Anbau von Pflanzen für Biosprit und damit verbunden die Biosprit-Strategie in den Industrieländern gemacht. Statt Weizen werden Raps und andere Ölsaaten angepflanzt.

Es wird Zeit, dass vor allem die deutsche Autoindustrie begreift, dass Kraftfahrzeuge produziert werden müssen, die mit anderen Techniken ausgerüstet und somit mit anderen Treibstoffen betrieben werden können.

Ansonsten muss über kurz oder lang darüber gesprochen werden, ob der motorisierte Individualverkehr in der heutigen Form überhaupt noch tragbar ist. Fossile Energie (Erdöl und Erdgas) ist nicht unerschöpflich, sodass erneuerbare Energien her müssen. Der Anbau von Pflanzen für Brennstoffe aus Biomasse ist der am wenigsten geeignete Weg (mit dem Anbau von Raps auf der gesamten derzeitigen deutschen Anbaufläche könnten maximal 10 Prozent des im Verkehrssektor benötigten Diesels ersetzt werden).

Ich fürchte aber auch, dass Spekulationen am Finanzmarkt preistreibend wirken, z.B. bei Geschäften, deren Preisbildung auf der marktabhängigen Bezugsgröße des Weizenpreises beruht. Bestimmte Händler haben ein großes Interesse daran, dass der Preis hoch ist. Es wird daher endlich Zeit, dass derart fiktive Finanzgeschäfte eingeschränkt werden. Leider ist das aus heutiger Sicht illusorisch.

Darüber hinaus geht es bei der neuen Krise nicht nur um finanzpolitische und wirtschaftliche Fragen, die Krise könnte vor allem zu einem Demokratie-Problem werden.

Globales Räderwerk

Es ist wie ein globales Räderwerk. Wenn ein Rädchen klemmt, dann werden andere Räder betroffen – bis zum Stillstand des Räderwerks. Am Ende ist jeder von uns betroffen. Nur schnelles Handeln kann das Räderwerk am Laufen halten.

Was kann jeder von uns tun? Sicherlich können wir dafür sorgen, unseren eigenen Energieverbrauch zu reduzieren (z.B. am Wochenende die Brötchen nicht mit dem Auto, sondern zu Fuß oder mit dem Rad einkaufen). Dann kann man sich ganz einfach übers Internet an Aktionen und Kampagnen für mehr Gerechtigkeit beteiligen, z.B. avaaz.org. Die Globalisierung ist nicht zu stoppen. Nutzen wir daher die Instrumente, um selbst global mitzusprechen.

siehe auch zdf.de: „Hunderttausende werden an Hunger sterben“

Mobbing und Wortbruch – Wege zur Macht

Nach langer schwerer Krankheit, nein, ist er nicht verschieden, er ist zurück an der Front oder wie wortspielerisch einige meinten: Beck is back! Wurde auch Zeit, denn bei der SPD schien doch einiges aus dem Ruder zu laufen. Da hatte der gute Kurt zuvor verkündet, man könne auch mit der Linken. Und brachte Frau Y. aus Hessen in Erklärungsnot, die das vor der dortigen Wahl ausdrücklich ausschloss, dann doch den Linksschwenk einleitete, ihn nur nicht vollenden konnte, da eine andere Dame, Frau M., ihr Veto erhob. Von Wortbruch ist da die Rede und von Mobbing der eigenen Parteigenossen gegen Frau M.

Nun, Beck ist wieder da und verkündet: Sein Kursschwenk in Sachen Linkspartei sei kein Wortbruch, sondern Neuorientierung (wie? was? wo?). Und: Auf Bundesebene gäbe es keine Zusammenarbeit. Ha, sagt da der Herr Pofalla, Generalsekretär der CDU: Wer das glaubt, wird selig – oder auch nicht.

Die Hessenwahl hat eine Situation heraufbeschworen, die unsere Politiker in eine heikle Lage versetzt hat. Roland Koch, Noch-Ministerpräsident, hat eine Klatsche bekommen, wie noch nie ein Politiker vor ihm. Trotzdem erhebt er weiterhin den Anspruch, Regierungschef zu bleiben, da seine CDU nun einmal trotz deftiger Verluste die stärkste Fraktion stellt. Nur woher Mehrheiten nehmen und nicht stehlen, wenn sich keine Mehrheiten wie von allein auftun (ist eben nichts mit Schwarz-Gelb).

Roland

Da läutet der Hamburger Ole plötzlich das schwarz-grüne Zeitalter ein und auch dem gelb-blaue Guido können die Grünen plötzlich grün werden. Aber eigentlich nur in Jamaikas Farben, denn für Ampel-Rot-Gelb-Grün sieht er nach Becks Äußerung keine Basis mehr, wenn die SPD weiter nach links rückt.

Und die Grünen? Schwarz-Grün in Hamburg: okay. Schwarz-Grün-Gelb in Hessen: Ne, undenkbar – auch ohne Koch nicht, denn die Hessen-CDU wäre eine rechts-reaktionäre Partei, die gegen Ausländer und Minderheiten hetze.

Was zunächst nach einem wahllosen Griff in den Farbtopf aussieht, rückt sich nach und nach zurecht. Nicht alles ist möglich (wäre ja auch zu bunt). Aber der „Wille zur Macht“ steht meist vorne an: Für die SPD notfalls mit den Linken, für die CDU und auch für Westerwelles One-man-FDP notfalls mit den Grünen. Hauptsache man kommt an die Macht. Notfalls sogar mit Mobbing und Wortbruch. Und auch die Grünen sind bereit in des Teufels Großmutter Bett zu kriechen, nur um einige Pöstchen mehr zu ergattern.

Siehe auch zdf.de: Mobbing gegen Metzger?

Amerikanische Verhältnisse

In einem Bericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung heißt es gleich in der Einleitung:

Die Schicht der Bezieher mittlerer Einkommen ist in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich geschrumpft. Ihr Anteil an der gesamten Bevölkerung ging von 62 Prozent im Jahr 2000 auf 54 Prozent 2006 zurück. Entsprechend gestiegen ist der Bevölkerungsanteil an den Rändern der Einkommensverteilung, wobei in der Mittelschicht die Abwärtsmobilität stärker ausgeprägt war als der Aufstieg in höhere Einkommensklassen. Auch wenn sich der konjunkturelle Aufschwung im Jahr 2007 fortgesetzt hat, dürfte sich an der relativen Einkommenssituation in der Mitte der Gesellschaft nur wenig verändert haben. Parallel zur Entwicklung der objektiven Einkommenslage zeigt sich eine deutliche Veränderung der subjektiven Wahrnehmung der Bevölkerung: Über alle Einkommensschichten hinweg ist festzustellen, dass die „Sorgen um die eigene wirtschaftliche Entwicklung“ zugenommen haben.

Was heißt das konkret? In den vergangenen Jahren sind rund 5 Millionen Menschen in Deutschland aus der Mittelschicht in die Randzonen der Gesellschaft abgerutscht. Zur Mittelschicht wird gezählt, wessen Einkommen von 70 bis max. 150 % des Durchschnitteinkommens beträgt. Die Kluft zwischen reich und arm wird immer größer: Die Gruppe der obersten 2,5 Prozent der Haushalte, die am meisten verdienen, hätten ihren Anteil am Gesamteinkommen demnach von 7,5 (2000) auf 9,8 Prozent (2006) gesteigert. Dagegen seien die zehn Prozent der Bundesbürger, die das geringste Einkommen bezogen, weiter abgerutscht: Hätten sie sich 2000 noch 3,6 Prozent des Gesamteinkommens gesichert, seien es 2006 nur noch 2,9 Prozent gewesen.

Diese Entwicklung ist an sich nicht neu, nur beschleunigt sich der Prozess anscheinend immer mehr. Man muss nicht unbedingt Volkswirt sein, um zu begreifen, dass ein schrumpfender Mittelstand schädlich für die gesamte Wirtschaft ist, da bei sinkendem Einkommen eines Großteils der Bevölkerung auch die Nachfrage sinkt. Mit dem Wegbrechen des Mittelstandes nähernd wir uns zunehmend „amerikanischen Verhältnissen“. Das ist z.B. am Gesundheitswesen auszumachen, dass sich so langsam dem amerikanischen „Standard“ nähert; anders ausgedrückt: Wer Geld hat, kann sich eine umfassende medizinische Versorgung leisten, wer auf Leistungen der Krankenkassen angewiesen ist, muss sich in immer mehr Fällen überlegen, ob er eine Behandlung in Anspruch nimmt: die Zuzahlungen sind aus dem normalen Geldbeutel vielleicht nicht mehr bezahlbar.

Fast genauso schlimm: Der noch existente Mittelstand ist genötigt, immer öfter den einen oder anderen Euro „umzudrehen“, bevor er diesen ausgibt. Vieles ist auch für Mittelständler nicht mehr bezahlbar, will er sich nicht über Gebühr mit Schulden belasten.

Siehe zdf.de: Mittelschicht schrumpft drastisch

Ja, das liebe Geld – Teil 2

Seit nun fast 38 Jahren bin ich Kunde der Postbank. Damals hieß es noch Postscheckamt und wurde später in Postgiroamt „umgetauft“. Wie beide Namen („Amt“) verraten, war es mehr Behörde als Bank. Und so nannte man das, was heute Postfiliale heißt, noch Postamt. Einen Nachteil hatte es damals, dort Kunde zu sein: Es kam einem Verbrechen gleich, wenn man sein Konto überzog.

Kontobelege des Postscheckamtes 1970/76
Kontobelege des Postscheckamtes 1970 bzw. 1976

Nun berichten die Medien, dass der Post-Chef Zumwinkel im Zuge der Liberalisierung des Briefmarktes auch über die Zukunft der Postbank, die nach ihrem Börsengang im Jahr 2004 mit 50 Prozent und einer Aktie der Deutschen Post AG gehört, „nachdenkt“: Geplant ist eine Superbank für Deutschland, also die Fusion der Postbank mit einem anderen großen Geldinstitut, z.B. der Deutschen Dank.

Und schon meldet sich Josef Ackermann, der Deutsche-Bank-Chef (Jahresvergütung 2005 insgesamt 11,9 Millionen Euro), und bekundet sein Interesse. Zwar erzielte die Deutsche Bank trotz der schweren Kapitalmarktkrise einen Rekordgewinn von 6,5 Milliarden Euro. Im traditionell stärksten Bereich, dem Investmentbanking, musste das Institut wegen der Krise allerdings deutliche Einbußen hinnehmen. Der Überschuss wurde dank eines anziehenden Privatkundengeschäfts erzielt. Die Postbank ist auf Privatkunden spezialisiert und hat etwa 15 Millionen Kunden.

Nachtigall ick hör dir trapsen, wie der Berliner sagt. Sicherlich ist es richtig, wenn bei der Postbank Schwächen im Bereich der Geldanlage festzustellen sind. Entsprechend ist man bemüht, durch attraktive Zinssätze Privatkunden zur Geldanlage einerseits und Kreditaufnahme andererseits zu bewegen. Wenn nun die Deutsche Bank ihre Finger nach der Postbank ausstreckt, kann man erahnen, was z.B. auch auf mich als Privatkunden zukommen wird. Ich werde zum Zitrönchen, das Herr Ackermann bis zum letzten Tröpfchen auszupressen bemüht sein wird.

Ein weiterer Blick zurück. Die Differenz zwischen Darlehenszinsen und Zinsen auf private Geldguthaben war früher sehr gering. Nahm man Geld auf, so zahlte man kurzfristig kaum mehr als 10 % Zinsen. Bei längerfristigen Geldanlagen kassierte man dagegen oft bis zu 9 %, manchmal mehr. Heute bekommt man, wenn es hochkommt, vielleicht 4 % an Zinsen, während man bis zu 20 % Zinsen z.B. für Dispo-Kredite zahlt.

Privatkunden lohnen also. Und wenn eine Bank über hohe Geldvolumen verfügt, so wird sie diese möglichst gewinnbringend am Kapitalmarkt (zugunsten ihrer Aktionäre, nicht ihrer Kunden) einsetzen. Wohin solche Finanzspekulationen führen, haben wir dieser Tage am Beispiel der französischen Großbank Société Générale gesehen (zuungunsten der Kunden, nicht der Aktionäre).

Nein, Herr Ackermann. Beim Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf. Bei uns wird sie erst gar nicht beginnen. Da ich nicht gewillt bin, meinen Beitrag zu Ihrer Gehaltsvergütung als Vorstandschef einer möglichen Superbank zu leisten, so werde ich, wenn es denn zu einer Fusion Deutsche Bank/Postbank kommen sollte, mit Sicherheit meine wenigen Bankgeschäfte einem anderen Geldinstitut anvertrauen müssen.

Siehe auch zdf.de: Ackermann zeigt Interesse an Postbank

… bis ich platze!

Ich hatte es mir gemütlich gemacht mit meinem jüngsten Sohn, noch einige Tortillachips mit Salsasoße (von Heinz – bei den Zutaten an zweiter Stelle: Zucker) bereitgestellt, immerhin Mineralwasser zum Trinken. Wir beide guckten uns „Super Size Me“ an, einen Dokumentarfilm von Morgan Spurlock, der sich in einem Selbstversuch 30 Tage allein von Produkten der Fastfood-Kette McDonald ernährte. Nicht nur, dass er dabei 25 Pfund zunahm, die Leberwerte waren zum Erschrecken und die Blutwerte versetzten seine Ärzte in höchste Alarmbereitschaft.

McDonald

Meinem Jüngsten muss wohl der Appetit vergangen sein, denn mehr als eine kleine Portion Chips bekam er nicht hinunter.

„Super Size Me“ ist in der Manier von Michael Moore gedreht, also unterhaltsam, kurzweilig und doch informativ. Unser Bedarf an Fastfood ist für die nächsten Wochen voll und ganz gedeckt.

Was ist ein Jackpot?

Nicht erst durch die Globalisierung ‚verwässern’ sich einzelne Sprachen durch die Übernahme von Begriffen aus anderen Sprachen. Da besonders Englisch die von den meisten Menschen gesprochene Sprache ist (wenn eigentlich auch nur als Zweitsprache), so sind es vor allem Anglizismen die in den Sprachgebrauch übernommen werden. Das gilt natürlich auch für die Deutsche Sprache.

Ich weiß von Ísland, ein Land von gerade einmal 312.000 Einwohnern, dass man dort bei Neologismen (also bei sprachlichen Neubildungen, die sich oft aus dem Englischen entwickelten) versucht, Begriffe aus der eigenen Sprache zu benutzen. Da Ísland auf eine lange literarische Tradition zurückblickt, immerhin sind dort die Sagas (allen voran die Edda) entstanden, versucht man moderne Wortbegriffe durch alte zu ersetzen. Nur ein Beispiel: Telefon heißt auf Isländisch Semi, was wortwörtlich eigentlich Draht bedeutet.

In Deutschland gibt es die „Aktion Lebendiges Deutsch“, ein Verein, der für das „unbefangene Vertrauen in die eigene Muttersprache“ wirbt, wie es in vielen Ländern selbstverständlich sei. Gegen den Vorwurf, Deutschtümelei zu betreiben, verwahrt sich die Organisation – treffende und allgemein verständliche Wort-Importe wie beispielsweise „Flop“, „Job“, „Keks“ (von den englischen „cakes“), „Partner“, „Sex“ oder „Tipp“ begrüße man schließlich.

Die „Aktion Lebendiges Deutsch“ macht sich für Alternativen zu denglischen Ausdrücken in der Alltagssprache stark, z.B. „netzplaudern“ statt „chatten“, „Prallsack“ statt „Airbag“. Nun wird ein treffendes deutsches Wort für den Begriff „Jackpot“ gesucht. Im Dezember hatte die Initiative nach einer Übersetzung für „Highlight“ gesucht. Aus 288 Einsendungen wählte die Aktion das Wort „Glanzlicht“ aus.

Hier weitere Vorschläge für deutsche Begriffe – nun ja, nicht alle sind glücklich gewählt oder geben nicht zureichend das wieder, was sie aussagen sollen (das ist eben der Vorteil der Begriffe, die aus dem Englischen importiert wurden):

• „Aktionärsnutzen“ statt „Shareholder Value“
• „Denkrunde“ statt „Brainstorming“
• „E-Müll“ statt „Spam“
• „einweisen“ statt „briefen“
• „Hingeher“ statt „Event“
• „Klapprechner“ statt „Laptop“
• „Straßenfeger“ statt „Blockbuster“
• „Weltkonzern“ statt „Global Player“
• “Pauschale“ statt “Flatrate“

Jackpot im Lotto gewünscht

Nun was ist ein Jackpot? Sicherlich lässt sich auch dieser Begriff nicht ohne weiteres in einem Wort wiedergeben: Eigentlich ist es eine besonders hohe Gewinnquote, die dadurch entsteht, dass es in dem vorausgegangenen Spiel oder den vorausgegangenen Spielen keinen Gewinner gegeben hat, oder (etwas) kürzer: eine nicht ausgeschüttete Gewinnansammlung bzw. „das große Los“ (für den, der den Jackpot bekommt).

Weltwärts gerichtet

Mein Sohn Jan beabsichtigt nach bestandenem Abitur seinen Ersatzdienst in Form eines Freiwilligendienstes in Peru zu leisten. Ein früher in Tostedt tätiger Pastor arbeitet in einer Gemeinde in Peru und wäre erfreut, wenn ein jugendliches Mitglied seiner alten Gemeinde aus Deutschland seine Tätigkeit in Südamerika für ein Jahr unterstützen würde.

Immer mehr junge Menschen in Deutschland wollen nach Schule oder Ausbildung einen Freiwilligendienst in Afrika, Lateinamerika, Osteuropa oder Asien absolvieren. In einer Welt, in der globale Verantwortung und interkulturelle Zusammenarbeit immer wichtiger werden, hat der Dienst in einem Entwicklungsland unschätzbaren Wert: Von und mit anderen zu lernen, benachteiligten Menschen zu helfen und Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung zu übernehmen.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vermittelt einen neuen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst, genannt Weltwärts.

Die Nachfrage übersteigt derzeit die Zahl der Einsatzplätze bei weitem. Und für viele junge Menschen ist die notwendige Kostenbeteiligung eine hohe Hürde. Daher hat das genannte Ministerium jetzt das Förderprogramm weltwärts ins Leben gerufen. Mit einem jährlichen Finanzvolumen von 70 Millionen Euro werden ab 2008 bis zu 10.000 Einsatzplätze pro Jahr ermöglicht. Für die Umsetzung greift man auf die bewährten Strukturen in Deutschland zurück. Bereits über 200 erfahrene Organisationen und Kommunen wollen sich an dem Förderprogramm beteiligen. Wenn noch weitere neue und kleinere Organisationen hinzukämen, wäre das eine gute Sache.

Jungen Menschen: Weltwärts gerichtet

Wichtig ist dabei die Anerkennung des Freiwilligendienstes als Zivildienst:
Anerkannte Kriegsdienstverweigerer können nach § 14 b Zivildienstgesetz über „weltwärts“ einen Freiwilligendienst leisten, der unter drei Voraussetzungen als Ersatz für den Zivildienst anerkannt wird.
1. Der Freiwilligendienst über „weltwärts“ dauert mindestens zwei Monate länger als der übliche Zivildienst von derzeit neun Monaten. (Die meisten Stellen bei „weltwärts“ werden über zwölf oder mehr Monate angeboten.)
2. Der Freiwilligendienst über „weltwärts“ muss vor Vollendung des 23. Lebensjahres angetreten und vor Vollendung des 24. Lebensjahres beendet sein.
3. Der Freiwilligendienst über „weltwärts“ erfolgt bei einer Entsendeorganisation, deren Einsatzplatz vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) als Träger bzw. Projektstelle des „Anderen Dienstes im Ausland“ anerkannt ist. Diese Organisationen sind in der Stellenbörse entsprechend gekennzeichnet.

Ich denke, dass der Freiwilligendienst eine gute Sache ist. Die Unterstützung mit Fördermittel ist noch zögerlich, eine baldige Aufstockung der Gelder daher nötig. Der globalen Vermarktung ist eine globale Verantwortungsbereitschaft durch junge Menschen entgegenzustellen.

Mindestlohn und Minijobs

Es ist geradezu moralisch verwerflich, wenn für vollzeitig geleistete Arbeit kein zum Auskommen angemessener Lohn gezahlt wird. Wer also in Vollzeit (rund 40 Stunden die Woche) einen Job ausübt, sollte mit dem Lohn dafür auch sein Leben bestreiten können. Ist der Lohn zu niedrig hierfür, dann stimmt hier etwas nicht. Das gilt sowohl für die Mindestlohndebatte wie auch für die Erkenntnis, dass immer mehr Deutsche neben ihren 40-Stunden-Fulltime-Job auch noch einen Zweitjob brauchen, um überhaupt halbwegs über die Runden zu kommen, wie die Zunahme an Minijobs im laufenden Jahr zeigt.

In welch erbärmlichem Gesellschafts- und Wirtschaftssystem leben wir eigentlich heute? Vielleicht ist es wirklich an der Zeit, dass hohe Funktionäre und das Firmenmanagement ihre Einkommen offenlegen: Damit jeder sehen kann, was heute unter Angemessenheit des Einkommens zu verstehen ist.

siehe u.a. zdf.de: Offenbar brauchen immer mehr Deutsche einen Zweitjob