Sind Schaaf und Allofs noch die Richtigen?

Der Fall HSV mit Thomas Doll zeigt es auf: Da hat ein Trainer Erfolg mit seiner Mannschaft. Aber plötzlich läuft nichts mehr, woran es auch immer liegen mag (Ist die Mannschaft zu ’satt‘?). Der Trainer spricht noch beschwichtigende Worte. Mit der Zeit glaubt ihm bloß keiner mehr. Und kaum ist ein neuer Trainer da: Schon läuft es wieder …

Der Fußball-Bundesligist Werder Bremen war lange auf der Erfolgsspur. Aber kaum in die Rückrunde der aktuellen Saison gestartet, kommt Sand ins Getriebe. Der Ursachen gibt es bestimmt viele und der Fragen, z.B.: ist Thomas Schaaf noch der richtige Trainer?! Aber auch: Führt Klaus Allofs seine Geschäfte weiterhin richtig?!

Zu Thomas Schaaf: Warum hält er weiterhin unbeirrt an Miroslav Klose fest, obwohl dieser seit vielen Wochen nur noch ein Schatten seiner selbst ist? Eine Auszeit für etwa zwei Wochen täte Klose gut.

Klasnic - die 17 Klasnic - die 17
Demonstration für Ivan Klasnic

Zu Klaus Allofs: Warum diese Querelen um Ivan Klasnic? Sicherlich ist dieser nicht ganz unschuldig (Anekdote am Rande: Früher kam Klasnic ohne Berater, dafür mit Taschenrechner zu Vertragsverhandlung). Aber muss Allofs den entnervten Managertyp spielen?! Einer schnellen vertraglichen Einigung sollte doch nichts im Wege stehen. Klasnic mit seiner schweren Erkrankung hätte Ruhe und könnte sich ganz seiner Genesung widmen. Und so lange Klasnic krank ist, bezahlt die Berufsgenossenschaft und nicht der Verein.

Und zu Schaaf und Allofs gemeinsam: Warum konnte der jetzt bei Mainz 05 wieder so erfolgreiche Mohamed Zidan nicht besser in die Mannschaft integriert werden?

Das 1:1 in München am Sonntag war mehr als schmeichelhaft. Wer Meisterschaftsambitionen hat, der muss mehr in die Waagschale legen. Ein Weg aus der Krise sieht anders aus.

Lyambiko: Inner Sense – Look into the Sun

Im Internet bin ich der Sängerin Lyambiko und ihrer Band schon öfter begegnet. Ende Februar veröffentlichte sie nun ein neues Album: Inner Sense und geht damit auf Deutschland-Tour. Lyambikos musikalische Heimat ist der Jazz – und anzusiedeln ist sie irgendwo zwischen Norah Jones und Diana Krall. Ihre Stimme hat viel Power und gefällt mir als solches schon sehr gut. Allerdings stehe ich insgesamt nicht so sehr auf die Musik. Warum ich Lyambiko & Band hier trotzdem erwähne? Nun es geht um mindestens eines der Lieder, die die Sängerin auf der neuen CD interpretiert: „Look into the Sun“ von Jethro Tulls „Stand Up“-Album (und für alle Queens-Fans interessant: „Somebody To Love“). Man mag von der Musik halten, was man will, die Interpretation von „Look into the Sun“, ein Lied, das mir in der Originalfassung schon sehr gut gefällt, finde ich in dieser Interpretation (im Stile des Modern Jazz) wirklich hörenswert.

Lyambiko: Inner Sense


Lyambiko: Look into the Sun

Was ist bloß mit Ian los? Teil 53: Federvieh und „Home“ 1979 live

Hallo Wilfried,

erlaube mir zum Ende der ersten Fastenwoche einen abschließenden Gedanken zum Thema Karneval: Während der „Tollen Tage“ sind einige gesellschaftliche Regeln aufgehoben oder gar in ihr Gegenteil verkehrt; das haben wir schon festgestellt. Wirklich überraschend finde ich, dass Menschen, die das ganze Jahr über versuchen, einen kultivierten und intelligenten Eindruck zu hinterlassen, an Karnevalssitzungen ( das sind diese „Wolle mer se rinnlosse“ und Narrhalla-Marsch – Happenings) teilnehmen. Gibt es in diesem Universum jemanden, der mir erklären kann, was ein Mensch, dessen IQ-Wert die Zimmertemperatur übersteigt, an diesen infantilen Veranstaltungen findet ??

Besonderen Zulauf haben Veranstaltungen, die im TV ausgestrahlt werden, wie z.B. die Verleihung des Ordens „Wider den gesunden Menschenverstand“ oder so ähnlich. Vor ungefähr 30 Jahren ist mein Deutschlehrer bei dieser Veranstaltung von der Kamera erwischt worden, als sie gerade ins Publikum schwenkte. So wurde bei der Ausstrahlung der Sendung die Republik Zeuge, wie unser sehr verehrter Grammatikus über einen blöden Witz lachte, über den er nur die Nase gerümpft hätte, wenn einer seiner Schüler ihn gebracht hätte. Aber hier hatte er mehrere hundert DM für die Karten gezahlt und fühlte die Augen der Nation auf sich gerichtet. Da kann man gar nicht anders, als den Erwartungen gerecht zu werden.

Deine Ferndiagnose trifft zu: Meine Söhne schauen zuviel Horror und Gewalt. Zum Glück haben wir aber noch nicht feststellen müssen, dass sie dadurch charakterliche Defizite davon getragen hätten. Sie sind noch jung, meine Fohlen. Ich denke, wenn die Pubertät über sie kommt, finden die blutrünstigen Maskeraden zu Karneval ein jähes Ende.

Zum Flöten-Fake des Mr. Barlow: Mich wundert gar nichts mehr. Mittlerweile traue ich Mr. Anderson alles zu. Ich habe mir die „Songs from the Wood“ noch einige Male angehört. Wenn man weiß, dass die Vokalparts vom Meister stammen, hört man es plötzlich ganz deutlich heraus. Auf einmal ist es eine ganz klare Sache. Ein Unding, dass man es vorher nicht gehört hat. So ist das nun mal mit der selektiven Wahrnehmung…

Zu Helmut Lotti und Co.: Wir haben Mr. Anderson als Geschäftsmann kennen gelernt. Ich glaube, so lange die Zahlungen für die Rechte an den Liedern stimmen, würde es ihm auch nichts ausmachen, wenn sein deutscher Namensvetter G.G. seine Songs interpretiert. Mr. Anderson ist eben ein Profi. Ich habe nichts gegen Herrn Lotti. Er hat eine große Stimme. Aber von manchen Dingen sollte er lieber die Stimmbänder lassen. Auch der begabteste Künstler ist auf ein gewisses Spektrum beschränkt. Kannst Du Dir vorstellen, dass Heinz Rühmann und Curt Jürgens ihre Rollen getauscht hätten ? Oder Dustin Hoffman mit John Wayne ? Marilyn Monroe mit Audrey Hepburn ? Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Den Versuch eines Künstlers, das ganze Spektrum seines Genres abzudecken, muss in meinen Augen zwangsläufig scheitern. Geige und Cello sind beide Streichinstrumente und jedes hat seine Daseinsberechtigung und keines kann ohne Einbußen den Part des anderen übernehmen. Hoffentlich liest Herr Lotti Deinen Blog.

“Stormwatch“ zähle ich persönlich nicht zu den Folk-Alben. Dennoch enthält es einige schöne Stücke: Das wunderbare „Elegy“ und „Home“. Für mich gehört der „Minstrel“ noch auf die Folk-Liste. Je nach Stimmungslage und Tagesform ist es für mich das beste Tull-Album.

“Broadsword“: Na ja, geht so. Außer dem Barett gefällt mir daran nur das letzte Stück: „Cheerio“. Auch ein Lied, bei dessen Klang ich jedes Mal eine englische Küste assoziiere. Wie ich schon einmal geschrieben habe: Wenn ein Lied Bilder im Kopf entstehen lässt, ist es für mich ein gutes Lied. In diesem Moment höre ich „One white Duck“. Welch ein Genius, was für eine Stimme ! Warum hat ein grausames Schicksal uns dessen beraubt ? Allerdings gehört die weiße Ente zu den Liedern, bei denen ich die Übersetzung des Textes besser ganz schnell vergesse. Der passt nämlich überhaupt nicht zu den Visionen, die beim Hören in mir hochsteigen. Mr. Anderson erwähnt auffällig oft Geflügel in seinen Songs: One white Duck, Mother Goose, „…feeling like a dead duck…“ Mir ist keine andere Rockband bekannt, die in ihren Werken so oft auf Wasservögel zu sprechen kommt.

Wenn Dein Großer sich für bass-dominierte Lieder interessiert: Kennt er schon „One of these Days“ von Pink Floyd ? Der Anfang von „Fly, Robin, Fly“ (Silver Convention; Du erinnerst Dich ?) ist auch sehr basslastig, aber nicht unbedingt das, was ein JT – Fan empfehlen würde.

Bis bald
Lockwood

06.03.2007

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Hallo Lockwood,

beim Karneval kommt meist Alkohol ins Spiel. Und im Suff (auch ohne Karneval) hat sich schon mancher zum Affen gemacht. Da kehren einige ihr Inneres nach außen. Die Sau raus lassen, nennt man das wohl auch. Aber wir beide sind nun einmal gesittete Familienväter, die so etwas nicht (mehr) nötig haben. Wir lästern lieber über andere …

Leider geht es mit meinen Söhnen, was Horrorfilme und dergl. betrifft, auch nicht viel anders, zumindest bei dem jüngsten noch. Beim Großen (inzwischen 16 Jahre alt) erkenne ich, dass sich das zum Guten wendet. So lange keine Defizite charakterlicher Art entstehen, Du hast recht, muss man eben durch diese Phase durch.

Zur selektiven Wahrnehmung: Manchmal ist es eben auch das, was wir hören und sehen wollen oder zumindest zu hören und zu sehen erwarten. Da lässt man sich sehr schnell durch ‚Zaubertricks’ blenden. Wenn sich das alles in Grenzen hält, so finde ich solche Tricks durchaus in Ordnung. Herr Anderson wählte seine Musiker nicht danach aus, wie sie singen können, sondern wie sie ihre Instrument beherrschen. Und da braucht ein Schlagzeuger auch nicht unbedingt Flöte spielen können.

Es sind mindestens zwei eigene Beiträge in meinem Weblog wert, soviel in möglichster Kürze: Ich bin da über eine Sängerin und ihre Band gestolpert, Lyambiko mit Namen, die dieser Tage auf Deutschland-Tour geht und dabei ihr neues Album vorstellt: Inner Sense (Hörproben). Deren musikalische Heimat ist der Jazz – und anzusiedeln ist sie irgendwo zwischen Norah Jones (stimmlich) und Diana Krall (stilmäßig), wenn Dir die Namen etwas sagen. Nun es geht um mindestens eines der Lieder, die die Sängerin auf der neuen CD interpretiert: „Look into the Sun“ von Jethro Tulls „Stand Up“-Album (und für Dich interessant: „Somebody To Love“ von Queen). Man mag von der Musik halten, was man will, die Interpretation von „Look into the Sun“, ein Lied, das mir in der Originalfassung schon sehr gut gefällt, finde ich durchaus hörenswert (das Lied im Stile des Modern Jazz). Nun wollte ich mir nicht das ganze Album kaufen, so toll finde ich die anderen Sachen eben nicht, und habe es zum ersten Mal gewagt, online nur das eine Stück käuflich zu erwerben. Selbst für mich taten sich da ungeahnte Schwierigkeiten (und was musicload.de von t-online betrifft: deren Dreistigkeiten) auf. Wie gesagt, allein das wird einen weiteren Beitrag wert sein. Erstaunlich finde ich einfach daran, dass eine Jazz-Sängerin altes Tull-Material für so gut erachtet, um es auf einer CD festzuhalten. Also nicht nur die klassische Liga singt Jethro Tull (im Falle von „Another Christmas Song“ habe ich noch etwas geforscht, bin aber nicht viel weiter gekommen – ich denke aber, das es Placido Domingo persönlich war, der das Lied singt – der Lotti hat aller höchstens ‚mitgesungen’). Im Falle des Spring String Quartetts und deren CD „Train Songs“ habe ich eine kleine Hörprobe zu „Locomotive Breath“ gefunden.

Mit dem Rollentausch hast Du sicherlich nicht unrecht, „Schuster bleibt bei deinen Leisten“. Wenn Lotti „Thick as Brick“ singen würde … Nicht vorstellbar. Aber das wird er sich hüten zu tun. Zum einen wird er kaum einen Tull-Fan damit begeistern, und seine eigene Anhängerschaft wird auch nur mit dem Kopf schütten (und nicht kaufen). Im Falle eines Liedes wie „Another Christmas Song“ oder wie oben bei der jazzigen Interpretation von „Look into the Sun“ würde ich nicht so strenge Maßstäbe anlegen. Obwohl mich, ich muss es gestehen, allein der Text zum anderen Weihnachtslied aus dem Munde eines Opernstars seltsam anmutet („Old man, he’s calling for his supper. Calling for his whisky“). Leider habe ich nicht einmal eine Hörprobe finden können, schade. Vielleicht wäre es der nächste Weihnachtshit (Hit, nicht Shit – oder doch?) bei uns zu Hause.

Zu „Stormwatch“ hatte ich mich schon kurz geäußert. Das lange „Dark Ages“ wirkt auf mich ziemlich unausgegoren. „Home“ dagegen gefällt auch Dir sehr gut. Ich habe da eine Aufnahme von einem Konzert am 11. bzw. 12.10 1979 aus dem Madison Square Garden in New York. Ein Jahr zuvor fast auf dem Tag genau (09.10.1978) wurde von dort in einer simultanen Transatlantik-Schaltung das uns allen bekannte Tull-Konzert gesendet. Das 1979-er Konzert ging in die Tull-Geschichte ein, weil Ian Anderson von einer Rose im Auge getroffen wurde, die aus dem Publikum geworfen wurde.

Ian Anderson 1979


Jethro Tull live Okt. 1979 in NYC: Home

Zu „The Broadsword and the Beast“ später etwas mehr.

Das mit dem Federvieh ist schon ein interessanter Aspekt. Und das bei einem (Wild-)Katzenliebhaber wie Herrn Anderson. Gut, die tote Ente würden wir eher mit toten Hund übersetzen. Aber das weiß Herr Anderson ja nicht. Vögel kommen auch noch in anderer Form vor: Der Kuckuck gleich im ersten Album „This was“ in „Serenade to a Cuckoo“ – oder: als Titel für ein ganzes Album (wenn auch ‚nur’ Soloalbum): „Secret Langauge of Birds – oder: auf „Stand up“ in „We used to know“ die Zeile: „Saving up the birds in hand“. Weiter auf Benefit in „To Cry You a song“: „Well, I’m a glad bird“. In “Aqualung” hast Du bereits das „Feeling like a dead duck“ gefunden und die Mutter Gans (da kommt noch ein Hühnchenzüchter hinzu: chicken-fancier). In „Thick as a Brick“ kocht der Narr mit der Sanduhr seine Gans: “while the fool with the hour-glass is cooking his goose”, wenn es auch etwas anderes bedeuten sollte (vielleicht sagt es Dir deine deutsche Übersetzung). Auch Seemöven kommen hier vor. Auf „Living in the Past“ finden wir in „Teacher“ den Hinweis, dass „the nest is for nothing when the bird has flown“. Und in der Hasengeschichte tauchen ja auch Vögel auf. Aber genug … Es lässt sich sicherlich noch mehr Geflügel finden.

Aber in diesem Zusammenhang: Bei meiner Schottland-Recherche bin ich ja auf viele Orts- und Landschaftsbezeichnungen gestoßen. So werden noch viele andere Orte, Stadtteile, Straßen (Fulham Road, Baker Street) usw. zu finden sein. Ich erinnere mich, dass es auf der offiziellen Tull-Website einmal ein Rätsel gab, das sich solcher geografischer Bezeichnungen bediente.

Was meinen Großen und sein Bassspiel betrifft: Er werkelt gerade mit mehreren Schulfreunden an einem Schulprojekt „Beatles“. Einen Übungsraum haben sie dafür auch bereits gefunden, wenn auch nicht direkt bei uns im Ort, sondern in einem Dörflein in der Nähe. Wie es aussieht (besser: sich anhört), nimmt das bereits konkrete Formen an. Ich finde es auf jeden Fall sehr gut. Besser, als wenn die Jungs irgendwo sinnlos herumhängen. Jetzt muss ich nur noch meinem Jüngsten das Musizieren schmackhaft haben. Vielleicht sollte ich mit gutem Vorbild vorangehen.

Das Wochenende naht schon wieder. Ich werde mich aufs weitere Digitalisieren meiner alten LPs stürzen, wenigstens zeitweise. Da habe ich übrigens noch eine weitere Cover-Version eines Tull-Titels … dazu später mehr.

Bis bald und Cheerio
Wilfried

08.03.2007

English Translation for Ian Anderson

Mit musicload.de – bestens ‚bedient‘

Ich will mich hier nicht über Verschlüsselung, digitalen Wasserzeichen und der analogen Lücke (die Möglichkeit, Analogkopien hochwertig zu redigitalisieren und ungeschützt weiterzuverbreiten) auslassen. Ich wollte eigentlich nur im Internet, also online, ein bestimmtes Musikstück kaufen, weil ich kein Interesse habe, mir die ganze CD für rd. 15 € zuzulegen. So landet man als unbedarfter Musikinteressent fast automatisch bei musicload.de, einer Tochter oder sonstigen Anverwandten von t-online. Ich wurde dort auch gleich fündig, meldete mich ordnungsgemäß an und wollte nun das gute Musikstück kaufen und herunterladen. Noch bevor ich die Musikdatei heruntergeladen geschweige gekauft hatte, wollte mir musicload.de ein so genanntes Add-on für DRM unterjubeln. Nun ist mein Webbrowser so konfiguriert, wie man das wohl nennt, um nicht jeden Scheiß automatisch durchhuschen zu lassen. Natürlich ist mir schon bewußt, dass ich ohne DRM, also dem digitalen Rechtemanagement, nicht viel weiterkomme, wenn ich mir Musikstücke aus dem Netz herunterladen. Aber warum muss mir musicload.de das von hintenherum unterjubeln, ohne dass ich möglichst etwas davon mitbekomme. Noch fühle ich mich als mündigen Bürger, der sich gern aufklären lässt und dann von sich aus entscheidet, ob er etwas will oder nicht. Ich wollte nicht. Und als ich noch zum Überfluss den Musicload Manager herunterladen sollte, der sich mit seinen über 60 MB Größe als Komplettpaket „t-online 6.0“ entpuppte, da trat ich den Rückzug an, sprich: ich meldete mich umgehend ab und werde wohl so schnell kein Kunde von musicload.de respektive t-online, telekom oder wie dieser ganze überteuerte Familienverbund heißt, werden.

musicload.de - ohne mich

Was bei musicload.de als WMA (Windows Media Audio-Datei) bei einer Bitrate von 128 kbit/s 1 € 29 kosten sollte, bekam ich dann anderweitig mit einer Bitrate von 192 kbit/s für 99 Cent. Nun aber zum DRM, einer Art Lizenzmanagement für meine erworbene Musikdatei. Immerhin darf ich das gute Musikstück unbegrenzt hören, was ich in gewisser Hinsicht bezweifle. Denn mit der erworbenen WMA-Datei komme ich nicht viel weiter. Erstens kann ich diese nur mit den Windows Media Player von Microsoft abspielen. Beim ersten Aufruf werden in einem Verzeichnis „Lizenzsicherung“ Dateien gespeichert. Aber dann kann es losgehen. Sollte es zumindest.

Als ich den ersten Aufruf der Musikdatei mit dem Windows Media Player wagte, kam lediglich eine Meldung, dass ich ein Sicherungsupdate herunterladen müsste, was ich dann auch gern hätte machen wollen. Nur es passierte nichts. Hilfreiche Hilfen halfen mir auch nicht weiter. Ich hatte in den Optionen unter Datenschutz die Häkchen an der richtigen Stelle gesetzt. Nun ich konnte mir auf andere Weise (dank eines anderen Rechners) helfen. Was macht aber jener, der mehr oder weniger Laie ist und nicht weiterkommt …. Gute Frage?!

Was das ganze DRM am Ende soll, ist zudem fraglich. Mit dem Windows Media Player kann ich z.B. meine käuflich erworbenen Musikdatei als Audio-CD brennen (ohne Kopierschutz) und diese wieder mit „Von CD kopieren“ in den Ausgangszustand – allerdings ohne DRM – zurückholen.

Musikalische Vielfalt mit ethnischen Hintergrund

Wie so oft, so bin ich auch diesmal durch Zufall auf zwei junge Sängerinnen aufmerksam geworden, die in diesen Tagen mit ihren ersten Solo-Alben auf den Markt gekommen sind: Ayo mit „Joyful“ und Mayra Andrade mit „Navega“. Bei beiden jungen Damen finden wir etwas, das man heute als ethnischen Hintergrund bezeichnet und das sehr stark in die Musik einfließt. Bei Mayra Andrade kommt noch hinzu, dass sie die Lieder in Kriolu, der kapverdischen Kreol-Sprache, singt. Hier aber im Einzelnen:

Ayo: Joyful

Ayo heißt in Wirklichkeit Joy. Beides bedeutet „Freude“, doch trotz fröhlichen Gemüts muss eine Lebensgeschichte wie ihre erst mal verarbeitet werden: Ayos rumänische Mutter war drogenabhängig, aufgewachsen ist sie bei ihrem Vater in Köln und Nigeria. Seitdem pendelt sie wie eine Nomadin durch die Welt; eine feste Heimat hat die 26-Jährige nur im Land der Musik. Ihr sanfter Soulgesang kommt so direkt daher, dass man einfach innehalten und zuhören muss. In „Life is real“ erzählt sie, wie sie ihr Leben führt – und macht uns ganz nebenbei klar, wie wir alle es tun sollten: nämlich stark und ehrlich zu uns selbst. Die Klänge, die ihre Texte begleiten, sind vielfältig: hier ein Reggae-Offbeat, dort ein Chanson-Akkordeon, sogar dem Motownstil der Jackson Five wird gehuldigt.

aus: kulturnews.de

Ayo: Joyful

Mayra Andrade: Navega

Die 21-jährige Sängerin Mayra Andrade ist neben Lura die Entdeckung der Kapverdischen Inseln. Auf Kuba geboren, kam sie schon in jungen Jahren um die Welt und wuchs u.a. im Senegal, in Angola, auf den Kapverden und in Deutschland auf. Auf ihrem Debüt-Album „Navega“ zeigt sie, dass sie auch musikalisch eine Weltenbummlerin ist. Sie verbindet brasilianische Einflüsse („Tunuka“) mit Flamenco („Lapidu na bo“) in ein harmonisches Miteinander aus Latin und Jazz, bevor sie wieder in Songs wie „Dispidida“ und „Navega“ die Schönheit der kapverdischen Musik und ihre melancholische Stimmung einfängt.

aus: kulturnews.de

Mayra Andrade: Nevega

Colin Hodgkinson: 32 20 Blues

Es war Anfang der 70-er Jahre, da gab es eine Band namens „Back Door“, die spielte ohne Gitarristen. Kann es so etwas geben? Es kann, denn was ein Gitarrist kann, kann ein Bass-Gitarrist wie Colin Hodgkinson allemal. „Bomber“, wie man ihn wohl heute noch nennt, hat eine sehr spezielle Technik, die auf Akkorden gründet – ähnlich wie auf der normalen E-Gitarre. Und diese Akkorde spielt er als Linkshänder auf seinem Fender Precision Bass, die angeblich aus den frühen 60-er Jahren stammt. Heute tritt Hodgkinson oft mit dem Deutschen Frank Diez (Gitarre) als „Electric Blues Duo“ auf. Überhaupt hat er wohl einen guten Draht zu Deutschland, denn u.a. spielte er in Bands mit Konstantin Wecker und auch Peter Maffay.

Colin Hodgkinson - Fender Bass

Ich sah „Back Door“ mit Colin Hodgkinson in Bremen, in der kleinen Halle der Stadthalle (die heute bis morgen Mittag wohl AMD Dome heißt). Es war genau am 14. April 1975 und „Back Door“ traten als Vorgruppe zu Alexis Korner auf (das Eintrittsticket habe ich noch). Als Hodgkinson sein Bass-Solo hinlegte, kochte die Halle. Da ich damals selbst die Bass-Gitarre zu zupfen mich mühte, konnte ich gut nachvollziehen, welche Leistung der „Bomber“ dort vollbrachte.

Eintrittsticket: Alexis Korner & Back Door 1975

Hier ein Blues mit Bass und Gesang von Colin Hodgkinson von der Back Door-Scheibe: 8th Street Nites, die kein anderer als Felix Pappalardi produzierte und die im Juni 1973 in New York City aufgenommen wurde:


Colin Hodgkinson: 32-20 Blues

Bei youtube.com bin ich auch fündig geworden: Bass-Solo – Camden Jazz Festival 1981

Pharoah Sanders: Hum-Allah-Hum-Allah-Hum Allah

In meiner Rubrik mit dem Gedankenaustausch über Ian Anderson von Jethro Tull werden zz. die Folk- bzw. Folkrockalben der Gruppe beleuchtet. Folklore in seinen unterschiedlichsten Varianten hat mich immer schon interessiert. Und so war ich vor vielen Jahren auf den Jazz-Saxophonisten Pharoah Sanders aufmerksam geworden. Sanders gilt als einer der Begründer des Ethno-Jazz, wobei er den Islam und die spirituellen Traditionen Afrikas oft in seine Arbeiten einbezog und sie zum Thema seiner Musik machte.

Ich habe da eine LP (genau die meist schwarzen Dinger aus Venyl) von Sanders aus dem Jahre 1969: Jewels of Thought. Und gleich das erste Stück von 15 Minuten Länge hat es mir angetan. Es ist ein schönes Beispiel für die oben getroffene Aussage: Etho-Jazz mit Bezügen zum Islam und zu afrikanischen Traditionen – Hum-Allah-Hum-Allah-Hum Allah.

Pharoah Sanders: Jewels of Thought (1969)

Keiner jodelt besser als ein Schwarzafrikaner bzw. einer deren Nachkommen. Das Stück ist eine Meditation und die Botschaft eine gänzlich friedliche. Ich habe mir erlaubt, den Beginn des Stückes (etwa 4 Minuten) hier einzustellen. Das Stück wurde übrigens am 20. Oktober 1969 u.a. mit Leon Thomas (Gesang) und Lonnie Liston Smith am Piano in New York City aufgenommen.

Pharoah Sanders

Viel Ruhe und Besinnlichkeit beim Hören:


Pharoah Sanders: Hum-Allah-Hum-Allah-Hum Allah

Wie gesagt, die gute Scheibe habe ich als Venyl-LP vorliegen und sie mir mit dem Nero Wave-Editor 3 auf meinem Rechner geholt. Leider hat die Scheibe schon sehr viele Kratzer, sodass es eigentlich kein großer Hörgenuss mehr ist, sie abzuspielen. Aber auch da hilft der Wave-Editor von Nero, z.B. mit der Klangoptimierung DeClicker kann man störendes Knacksen und Knistern herausfiltern. Und mit dem Werkzeug DeEsser können unangenehme Zischlaute aus Gesangsaufnahmen entfernt werden. Daneben gibt es noch jede Menge anderer Werkzeuge und Effekte. Man muss schon etwas herumexperimentieren (und sollte sich die Ursprungsdatei aufbewahren, um die LP nicht noch einmal aufnehmen zu müssen), denn nicht immer sind die Default-Einstellungen (Voreinstellungen vom Programm her) die besten (es besteht die Gefahr, mehr herauszufiltern, als man eigentlich möchte). Es kann dann auch passieren, dass man am Ende ‚taube‘ Ohren hat und nicht mehr so recht weiß, was besser klingt. Ich finde den Nero Wave-Editor in Version 3 auf jeden Fall sehr brauchbar.

Die neun Pforten – „Der Club Dumas“ von Arturo Pérez-Reverte

Dieser Tage lief im deutschen Fernsehen der Film „Die neun Pforten“ (Frankreich/Spanien 1999 – Originaltitel: The Ninth Gate – Regie: Roman Polanski – Darsteller: Johnny Depp, Frank Langella, Lena Olin, Emmanuelle Seigner) nach dem Roman „Der Club Dumas“ von Arturo Pérez-Reverte. Eigentlich bin ich kein unbedingter Freund von Romanen wie „Der DaVince Code“ und ähnlichem. Mich interessiert ‚handfeste‘ Psychologie. Und da ist mir ein Franz Kafka oder Martin Walser lieber. Das vorliegende Buch habe ich irgendwie, irgendwo in einer Grabbelkiste gefunden – und dann auch tatsächlich gelesen. Da ich mich nebenbei auch für Gott und die Welt interessiere, so schließt das den Teufel nicht aus. Von daher fand ich das Buch durchaus interessant.

Zunächst zum Buch:

Die Hauptfigur Lucas Corso ist ein sogenannter Bücherjäger, der im Auftrag reicher Büchersammler seltene und kostbare Exemplare aufspürt und dabei so manches Mal die Grenzen der Legalität überschreitet. Corso bezeichnet sich selbst als Söldner, der seine Dienste dem Meistzahlenden anbietet. Ein Freund von ihm bittet ihn die Echtheit eines handgeschriebenen Kapitels aus dem Roman „Die drei Musketiere“ von Alexandre Dumas zu überprüfen. Zur gleichen Zeit erhält er von einem zwielichtigen Antiquar den Auftrag, ein kostbares okkultes Buch mit den übrigen Exemplaren zu vergleichen. Auf der Reise zu Fachleuten und Privatbibliotheken wird er mit seltsamen Ereignissen konfrontiert und fühlt sich immer mehr in die Rolle einer hilflosen Romanfigur gedrängt. Bösewichte aus den Dumas-Romanen verfolgen ihn, Menschen werden umgebracht und ständig taucht ein mysteriöses grünäugiges Mädchen auf. Corso erkennt, dass er sich in einem Rätselspiel befindet und versucht es mit Hilfe seiner Kombinationsgabe zu lösen. Er erfährt, dass Boris Balkan, ein Spezialist für Dumas, der Drahtzieher dieses Spiel ist und Schauspieler auf Corso ansetzte, um an das Kapitel zu kommen. Die vielen Zusammenhänge, die Corso zwischen dem Dumas-Kapitel und dem Buch „Die neun Pforten“ zu entdecken glaubte, stellen sich als Hirngespinste heraus. In Wirklichkeit hat der Antiquar Varo Borja Corso dazu benützt, an eine Formel zur Teufelsbeschwörung zu kommen. Obwohl Corso Realität und Fiktion nicht mehr voneinander unterscheiden kann, siegt seine Vernunft und er löst das Rätsel um das teuflische Buch: Zwei leidenschaftliche Fälscher haben sich den Scherz erlaubt, das Buch zu verändern und so den Teufelsanhänger auf die falsche Fährte zu schicken.

Kurz zum Film:

In dem Film „Die neun Pforten“ geht es nur noch um das okkulte Buch. Aus Lucas wird Dean Corso und auch sonst ändert sich einiges. Hier eine ausführliche Filmbeschreibung zu „Die neun Pforten“.

Komme ich zum Buch zurück: Der Titel verrät es bereits („Der Club Dumas“ – Dumas ist der Verfasser der „Drei Musketiere“). Im ganzen Roman werden Parallelen zu den „Drei Musketieren“ gezogen und es werden ganze Szenen in der Jetztzeit dargestellt. Interessant ist auch der Name des mysteriöses grünäugiges Mädchen, das Lucas Corso immer wieder über den Weg läuft. Irene Adler ist eigentlich die Frau, die Sherlock Holmes besiegte. Überhaupt gibt es allerorts Verweise zur leichten Literatur des 19. Jahrhunderts, zu Dumas, zu Arthur Conan Doyle u.a.

Zum Buch „De Umbrarum regni novem Portis“, den neun Pforten ins Reich der Schatten: Es wurde von einem gewissen Aristide Torchia 1666 geschrieben und verlegt. Dieser wurde ein Jahr darauf von der Inquisition mit seinen Büchern verbrannt. Lediglich ein Buch blieb erhalten. Das Buch beschreibt einen Weg, den Teufel aufzurufen und in sein Reich einzuziehen, vorausgesetzt man ist in der Lage, die versteckte Botschaft des Buches richtig zu deuten. Es enthält neun Holzschnitte, welche als eine Art Bilderrätsel die Lösung beinhalten sollen. Die Inspiration zu diesem Buch holte sich der Autor aus dem Delomelanicon („Beschwörung der Dunkelheit“), einer Schrift, die von Luzifer persönlich verfasst sein soll.

De Umbrarum regni novem Portis

Zum Schluss – der Schluss des Filmes bzw. des Buches:

Die Teufelsbeschwörung musste misslingen, weil das Buch von den beiden Buchfälschern manipuliert war. Der neunte Holzschnitt war eine Fälschung. Damit endet das Buch. Corso zieht mit dem Mädchen weiter. Open End!

Auch der Film scheint ein offenes Ende zu haben, geht aber weiter: Corso reist nach Toledo und wie durch Zufall flattert ihm eine Doppelseite, die wohl jemand aus „Die neun Pforten ins Reich der Schatten“ herausgerissen hat, vor die Füße. Auf dem Holzschnitt ist eine nackte Frau abgebildet, die vor einer lichtüberfluteten Burg auf einem Fabelwesen sitzt. Zuletzt schreitet Corso auf eine Burg zu und wandert selbst ins Reich der Schatten. Wo Licht ist, da beginnt der Schatten.

Das mysteriöse Mädchen stellt sich als die Hure Babylons heraus, die auf dem letzten der neun Holzschnitte, den neun Pforten, abgebildet ist.

Porta nona: Die Hure Babylons

Steamhammer: Junior ’s Wailing

Kürzlich erhielt ich eine Mail von einem alten Kumpel aus früheren Ausbildungszeiten. Er war über meine Jethro Tull-Seiten gestolpert und wollte wissen, ob ich jener Wilfried bin, der ich ehemals einmal war. Ganz der Gleiche bin ich mit Sicherheit nicht, immerhin sind seitdem über 30 Jahre ins Land gestrichen. Der alte Kumpel selbst hat sich fernab in Marburg niedergelassen.

Da ich jetzt dabei bin, alte Vinyl-Schallplatten zu digitalisieren, so stieß ich auch auf eine LP der Gruppe Steamhammer. Die Gruppe war Anfang der 70-er Jahre eine der großen Open-Air-Attraktionen, da sie eine starke Live-Performance hinlegten. Leider verkauften sich ihre Platten weniger gut, sodass sich die Gruppe frühzeitig auflöste und heute nur noch alten Rockhasen bekannt sein dürfte.

Steamhammer: Junior's Wailing

Ich weiß nicht mehr genau, wann es war, ich denke im Herbst 1971, da sah ich die Gruppe live in einem kleinen Club (es war wohl irgendeine Festhalle, die zu einer Dorfkneipe gehörte) in Brake, gegenüber von Bremerhaven. Und ich war dort mit eben dem alten Kumpel, der mir jetzt gemailt hat. Ich erinnere mich daran, dass ich vor dem Bass-Lautsprecher stand, dessen tiefe Töne mir ziemlich auf dem Darm ginnen. Da der Laden gerammelt voll war, gab es auch kein Entweichen.

Vom Steamhammer gibt es immerhin ein Lied, das es wohl auch bis in die Charts geschafft hatte: Junior’s Wailing, eine gekonnte Mischung aus Blues und Rock. Als ich das Plattencover in Händen hielt, hatte ich die Hauptmelodie gleich wieder im Kopf. Es gibt so manche Gitarrenriffs, die wird man nie wieder los. Und dieser ist hammerhart, dampfhammerhart:


Steamhammer: Junior’s Wailing

Was ist bloß mit Ian los? Teil 52: Karneval und jagende Mädchen

Hallo Wilfried,

Das Abfotografieren der Seiten brachte nicht das gewünscht Ergebnis. Also habe ich meine Fingergelenke geölt und die Übersetzungen zu „Velvet Green“ und „Hunting Girl“ abgetippt. Siehe Anlage.

Gerade läuft bei mir „Wooden Wedding“ aus Deinem Anhang. Wirklich schöne Folkmusik ! Dieses Genre ist doch besser vertreten als man beim ersten Blick glaubt.

Deine mail werde ich später beantworten; mir fallen die Augen zu, die Heia ruft.

Mach’s gut
Lockwood

Samtenes Grün

Wir gehen auf samtenem Grün, Kiefern um uns herum.
Ist es nicht herrlich, die frische Luft zu genießen und zu singen !
Wir gehen auf samtenem Grün.
Wir gehen auf samtenem Grün. Kühe brüllen in der Ferne.
Ganz unbesorgt: deine Beine in der Luft, wir lieben uns.
Wir gehen auf samtenem Grün.

Willst Du meine Gesellschaft nicht ? Komm, nimm es in die Hand.
Leg Dich auf samtenes Grün mit einem Jungen vom Lande,
der dem jungen Mädchen gefällt und der Wunschtraum der alten Jungfer ist.
Sag Deiner Mutter, Du bist die ganze Nacht auf samtenem Grün gegangen.
Ein Halbstundenritt in der Dämmerung Richtung Norden.
Dort liegt Dein guter Ruf und alles, was Du wert bist.
Wo der Duft von wilden Rosen Milch in Sahne verwandelt.
Sag Deiner Mutter, Du bist die ganze Nacht auf samtenem Grün gegangen.
Und das hohe Gras wogt in der kühlen Abendluft.
Und die seltenen Augustfreuden könnten Dich in den April schicken.
Aber denk nicht daran, meine Liebe,
mir wird die Hose zu eng,
und ich wachse weiter, treff Dich unten in samtenen Grün.

Nun, ich könnte Dir erzählen, es sei Liebe und nicht nur Begierde.
Und wenn wir schon mit der Lüge leben, lass uns wenigstens im Vertrauen liegen.
Auf goldenen Narzissen, den silbernen Fluss aufzufangen,
der den Samen des wilden Hafers 1 aus samtenem Grün ausspült.
Wir träumen als Liebende unter den Sternen –
Von Zivilisationen, die in der Ferne toben.
Und die schäbige Morgensonne scheint auf Deine Kampfesnarben,
als Du durchgefroren und allein auf samtenem Grün nach Hause läufst.

Wir gehen auf samtenem Grün, Kiefern um uns herum.
Ist es nicht herrlich, die frische Luft zu genießen und zu singen !
Wir gehen auf samtenem Grün.
Wir gehen auf samtenem Grün. Kühe brüllen in der Ferne.
Ganz unbesorgt: deine Beine in der Luft, wir lieben uns.
Wir gehen auf samtenem Grün.

1 To sow one’s wild oats: sich die Hörner abstoßen

Englisches Original siehe cupofwonder.com: Velvet Green

Jägermädchen

Eines Tages ging ich die Straße entlang und über ein Feld,
dort entlang, wo die Jagdhunde hetzen.
Der Gutsherr galoppierte weiter: die Jäger hinterher,
dorthin, wo der Weg versperrt war.
Das Pferd einer edlen jungen Dame weigerte sich, den Zaun zu überspringen.
Ich öffnete das Tor, aber sie wartete, bis die Meute verschwunden war.

Der Peitschenknauf war aus Knochen geschnitzt;
sie saß hoch auf einem Thron aus feinstem englischen Leder.
Die Königin aller Spiele,
dieser Joker nahm den Hut ab und redete übers Wetter.
Alle seien gewarnt vor diesem vornehmen Jägermädchen.
Sie nahm den Untergang dieses einfachen Mannes in die Hand;
ich hielt die Flagge hoch, die sie ausbreitete.

Stiefelleder blitzte und Sporen groß wie meine Daumen.
Diese vornehme Jägerin hatte die seltsamsten Vorlieben.
Ungezügelte Leidenschaft: Ich nahm den Zaum zwischen die Zähne.
Sie stand über mir, ich auf den Knien unter ihr.

Gnädige Frau, seinen Sie diskret.
Ich muss mich aufrappeln und zurück zur Farm.
Ich möchte zwar nicht behaupten, Sie seien pervers,
aber ich könnte doch zu Schaden kommen.
Ich tendiere nicht zu solch raffinierten Spielchen, wenn das so funktioniert.
Oh, vornehmes Jägermädchen,
ich bin nur ein einfacher, normaler Mensch.

Englisches Original siehe cupofwonder.com: Hunting Girl

21.02.2007

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Hallo Wilfried,

die Idee, dass der kurze Flöteneinsatz von Mr. Barlow nur ein Fake sein könnte, ist mir noch gar nicht gekommen. Aber nachdem der a Capella – Gesang der Gruppe enttarnt worden ist, wundert mich nichts mehr. Vielleicht ist das Flötenspiel von Mr. Barre auch nur Ohrenwischerei. Allerdings halte ich es für aufwendiger, für einige sekundenlange Klangsequenzen eine Konserve bereitzuhalten und an der richtigen Stelle abzuspielen als einem Musiker zwei, drei Griffe auf der Flöte beizubringen. Aber- wer weiß ? Zu Beginn seiner Karriere sagte Mr. Anderson in einem Interview. „Alles, was wir machen, ist Showbusiness.“ Mit diesem Satz würde er Einiges erklären und rechtfertigen.

Der gute alte Francis. Ich weiß nicht, was ihn bewegt, seine Internetauftritte so sprunghaft zu ändern. Aber ich habe in öffentlichen Foren im Netz schon erlebt, dass einige Teilnehmer gesperrt und ihre Accounts gelöscht werden. Vielleicht ist Francis auch einem öffentlichen Regulator zum Opfer gefallen. Vor einiger Zeit hast Du geschrieben, er sei bestimmt ein guter Kerl. Das mag sein, aber ich würde meine Kinder keine Minute mit ihm alleine lassen.

“Walk into Light“ kenne ich tatsächlich nicht. Das wird auch so bleiben. Ich habe mehr als einmal bereut, sauer verdientes Geld für Alben ausgegeben zu haben, die Mr. Anderson nach 1980 produziert hat. Lediglich „The secret Language of Birds“ enthält einige kleine Hoffnungsschimmer. Für einen positiven Gesamteindruck des Albums aber zu wenige.

Helmut Lotti singt Jethro Tull. Was wird man uns noch alles zumuten ? Was kommt als Nächstes ? Die Jakob-Sisters singen Led Zeppelin ? Florian Silbereisen interpretiert Sex Pistols ? Die von mir beschworene Vielfalt hat offenbar auch ihre Schattenseiten.

Zu Karneval im Allgemeinen und Rosenmontag im Besonderen:
Der rheinische Karneval gliedert sich in mehrere Disziplinen:

Da ist zunächst der Sitzungskarneval. Er beginnt in aller Regel am 11.11. eines jeden Jahres. Karnevalisten halten dieses Datum durch die Anhäufung einer einzigen Zahl für lustig und beginnen deshalb ihre Aktivitäten an diesem Tag. Sitzungskarneval musst Du Dir so vorstellen: Ein großer Saal mit Bühne, unten Tischreihen. An den Tischen sitzen kostümierte Narren (das ist die offizielle Selbstbezeichnung der Karnevalisten und keine Schmähung) und beobachten das Treiben auf der Bühne. Hier gibt es Karnevalsgruppen zu bestaunen, die Karnevalslieder- und Tänze vortragen. Zu einer Sitzung gehört auch die sogenannte Büttenrede. Das ist ein Einzelvortrag eines Narren, in dem über aktuelle politische und gesellschaftliche Ereignisse hergezogen wird. Es gibt wirklich gute Büttenreden, aber in den meisten werden uralte Witze aufgewärmt. Den Vorsitz über eine Sitzung führt der Elferrat; das sind 11 (!) Herren, die in einer Reihe nebeneinander im Hintergrund der Bühne sitzen. Der Primus inter Paris des Elferrats ist der Präsident, der das Geschehen moderiert und die nächste Attraktion ankündigt. In aller Regel bedient der Präsident sich während der Sitzung der lokalen Mundart. Das wirkt lustig, familiär und heimatverbunden.

Die zweite Disziplin stellen die Karnevals-Bälle dar. Das sind Tanzveranstaltungen zu karnevalistischer Musik. Hier geht es oft hoch her und diese Events sind unter den Narren sehr beliebt. Es gibt einige berühmte Bälle, wie z.B. den Bäckerball oder den Schreinerball, für die ein Ottonormal-Narr kaum Karten ergattern kann. In jungen Jahren habe ich in meinem Heimatdorf öfter am KJ-Ball teilgenommen. Der Name stammt vom Veranstalter, der Katholischen Jugend in unserem Örtchen. Das hat wirklich Spaß gemacht; hier wurde nicht nur Karnevalsmusik gespielt.

Der dritte Bestandteil ist gleichzeitig der, der in der bundesweiten Öffentlichkeit am stärksten wahrgenommen wird: Der Straßenkarneval. Hierzu gehören die Rosenmontagsumzüge. Am Sonntag davor ziehen die Züge durch die kleineren Gemeinden. Das ist meist sehr überschaubar. Am Rosenmontag aber sammeln sich die Züge aller Gemeinden zum großen Umzug. Ein Umzug besteht aus geschmückten Fest- und Prunkwagen, Fußgruppen und Musikvereinen, meist Trommler und Pfeifergruppen. Der Rosenmontagszug in A. dauert einige Stunden und ist einige Kilometer lang. Bevor der letzte Wagen sich in Bewegung gesetzt hat, ist der erste Wagen schon am Ziel angekommen. Entsprechend länger sind die Züge in den Hochburgen Köln, Düsseldorf und Mainz. Die Rosenmontagszüge locken jedes Jahr zigtausende Zuschauer auf die Straßen. Zu diesen Zuschauern gehört traditionsgemäß die Familie P. aus H. bei A. Für die Kinder hat der Zug seinen Reiz, weil sie hier Kamelle (rheinischer Ausdruck für Bonbons) fangen und sich in ihren Kostümen präsentieren können. Bevor die Besatzung eines Festwagens jedoch die begehrten Kamelle über das Volk ausgießt, wird erwartet, dass der fangfreudige Karnevalist laut „Alaaf“ bzw. „Helau“ ruft. Tut er das nicht, braucht er nicht auf einen süßen Regen zu hoffen.

Du hast schon einen Rosenmontagszug im TV verfolgen können. Bestimmt sind Dir Wagen aufgefallen, die wie verrückt Kamelle ins Volk schmeißen. Das tun sie, weil sie genau wissen, wo die Fernsehkameras stehen. Außerhalb deren Reichweite ist man mit dem Schmeißen weit zurückhaltender. In diesem Jahr habe ich meine Kamera mit zum Zug genommen. Durch meine Knipserei hatte ich eine Aufgabe und kam mir nicht vollkommen deplaziert vor.

Seit Jahren gefällt mir der Schluss des Rosenmontagzuges in A. am Besten: Hinter dem letzten Wagen zieht die Reinigungskolonne her. Das sind etwa 10 Fahrzeuge und mindestens 30 Mitarbeiter der Stadtreinigung, die hinter dem närrischen Lindwurm aufräumen. Diese Aufgabe erledigen sie hervorragend. Spätestens 15 Minuten, nachdem der letzte Wagen des Zuges vorbei ist, erinnert nichts mehr an das tolle Treiben. Lärm und Dreck sind wie weggeblasen und das Ganze kommt mir vor wie ein Spuk. Wäre nicht das Nachdröhnen in den Trommelfellen, könnte man es für einen schlechten Traum halten.

Naja, auch der Rosenmontag geht vorbei.

Das mit der Asche aufs Haupt wird hier übrigens ernst genommen. Am Aschermittwoch finden Messen statt, in denen vom Priester das „Aschenkreuz“ ausgeteilt wird. Hierbei macht er dem Gläubigen mit dem Daumen, den er vorher in Asche gesteckt hat, ein Kreuzzeichen auf die Stirn. Dazu spricht er die Worte: „Mensch, gedenke, dass Du Staub bist und zum Staub wirst Du zurückkehren.“ Es ist also ein mahnendes Symbol für die Vergänglichkeit alles Irdischen. Bevor es zu Missverständnissen kommt: Die verwendete Asche stammt nicht von Zigarettenkippen, sondern von den verbrannten Palmzweigen des Vorjahres.

Ich wollte nicht über Karneval schreiben ohne den Aschermittwoch zu erwähnen. Der gehört zu Karneval wie Weihnachten zum Advent. Jedenfalls aus christlicher Sicht; die ambitionierten Narren haben da sicher eine eigene Perspektive. Aber aus der Historie heraus war der Karneval ein Weg zum Aschermittwoch und der damit beginnenden Fastenzeit. Ein letztes Austoben vor der sechswöchigen Zeit der vorösterlichen Besinnung und Enthaltung.

Jedenfalls sind wir jetzt wieder in ruhigem Fahrwasser und können der Freude des Ostermorgens entgegen sehen.

Bis bald
Lockwood

24.02.2007

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Hallo Lockwood,

vielen Dank für deinen kleinen Abriss zum Thema Karneval. So ganz unbedarft sind wir hier im Norden allerdings nicht. Immerhin läuft im Fernsehen „Mainz bleibt Mainz …“. Und auch die Verleihung des „Ordens wider den tierischen Ernst“ ist uns hier bekannt. Und inzwischen sendet auch unser regionales Fernsehen (N3) jede Menge Karnevalsauftritte. Wir haben nur den Vorteil, karnevalistische Veranstaltungen nicht direkt vor der Haustür zu haben. Außerdem wie gesagt: Meine Mutter stammt aus Köln. Von daher sind mir die Gebräuche des närrischen Treibens nicht ganz unbekannt – bis hin zum Wahalla-Marsch ( „Woll’n mer se rinlosse?“).

Deine Jungs gucken wohl zu viele Horror- und Kriminalfilme? Dank auf jeden Fall für die Bilder. Dank auch für Deine Mühe beim Eintippen der Übersetzungen. Jugendfrei ist das wirklich nicht, was da Herr Anderson verfasst und jahrelang auf die Bühne gebracht hat. Im Wald und auf weiter Flur kommen uns Herren manchmal so Ideen …

Zurück zu Tull & Co.: Von Martin Barre weiß ich nun recht genau, dass auch er das Flötenspiel ziemlich gut beherrscht. Von daher dürfte uns die Bande keine faulen Eier ins Nest gelegt haben. Bei Herrn Barlow, wie geschrieben, bin ich mir nicht so sicher. Andererseits wird Ian Anderson ihm schon gezeigt haben, wie es geht. Wenn ich mir dann wiederum das „Songs from the Wood“-Video aus dem Madison Square Garden, NY, 1978, angucke, meine ich, dass Herr Barlow schon froh ist, die Flöte nicht fallen zu lassen, während er mit den Fingern herumhantiert. Spielt man z.B. die hohen Töne auf der Querflöte (mit der rechten Hand), so bleiben die Finger der linken Hand auf den Klappen. Spielt man die tiefen Töne, so sind die Finger der linken Hand gehoben – und zwar alle. Der Daumen stützt das Instrument. Herr Barlow jongliert förmlich mit den Fingern beider Hände.

Barriemore Barlow auf der Flöte Barriemore Barlow auf der Flöte
Barriemore Barlows kurzer Flöteneinsatz bei „Songs from the Wood“ im Madison Square Garden, NY, 1978

Ian Andersons Solo-Scheiben sind wohl so unterschiedlich wie sie es nur sein können. „Walk into Light“ ist sicherlich nicht der große Licht-Blick, von daher auch nicht mehr im normalen Handel zu beziehen. Die anderen Alben finde ich aber schon wieder ganz okay. „Divinities“ ist für mich eigentlich das, was ich gern weiterhin von Herrn Anderson hätte (Instrumentaltitel). Für Dich vielleicht etwas zu viel ‚Weltmusik’. Mir gefällt das Album sehr gut. Es hat einen geradezu ‚klassischen’ Ansatz. „Secret Language“ hat einige sehr schöne Lieder. Der Rest ist aber nicht zu verachten. Gleiches gilt mit Abstrichen auch für „Rupi’s Dance“. Die letzten drei Anderson-Alben sind insgesamt schon sehr weit von dem entfernt, was eine Rockband sonst produzieren würde.

Helmut Lotti & JT – Was soll ich dazu weiteres sagen. Eigentlich bin ich sprachlos. Du hast recht: Vielfalt (oder was man eben auch als Cross-over bezeichnet) hat seine Schattenseiten. Irgendwo sollte das begrenzt sein. Notfalls gerichtlich!

Ich habe mir in den letzten Tagen einmal wieder die drei Folkrock-Albem von Jethro Tull angehört (Folkrock ist wohl der passendere Begriff statt Folk – und „Stormwatch“ gehört wohl auch dazu). „Heavy Horses“ insgesamt ist doch rockiger als ich es in Erinnerung hatte. Und auf „Stormwatch“ gibt es auch einige schöne Stücke (z.B. Palmers „Elegy“ und „Dun Ringill“). John Glascock war wohl während der Aufnahmen nach einer Herzoperation gestorben, sodass der Meister persönlich bei einigen Stücken in die Bass-Saiten greifen musste. Später kam dann ja Dave Pegg, der für mich ein mindestens gleichwertiger Ersatz war (siehe u.a. das Bass-Solo auf „Fat Man“ bei der Rock Classic Nacht vom 15.11.1983 im Circus Atlas zu München). Selbst mein großer Sohn ist davon begeistert. Was danach kam, wissen wir ja (das Personalkarussell drehte sich gewaltig).

„Stormwatch“ ist für mich zwar von den drei Alben das musikalisch weniger gute, aber durch seine kritischen Bezüge zu Schottland (bzw. der See drum herum und dem „Sturm“, der über Land und See hinwegfegt) doch sehr interessant. Es gibt ja zu der „Stormwatch“-Tour 1979 mindestens zwei Ausschnitte aus dem knapp einstündigen Video (mit ZDF Musikkanal Logo) bei youtube.com. Der Ausschnitt aus dem „Water ’s Edge Ballet“ stammt übrigens auch aus diesem Fernseh-Beitrag. Ist schon nett anzuschauen, die Herren Musiker mit ihren Frauen und Kinder und Herrn Anderson im Tarnanzug mit Barett.

Und dann gibt es ja noch ein 4. Folkrock-Album, dass sich wie ein Fremdkörper in die elektronische Tull-Phase (zwischen „A“ und „Under Wraps“) geschoben hat: „The Broadsword and the Beast“ aus 1982. Es enthält zwei meiner Lieblingsstücke: „Flying Colours“ und „Slow Marching Band“. Das Jahr 1982 veranlasste Dich immerhin, das ‚berühmte’ Barett zu erwerben, das jetzt das Haupt eines Deiner Söhne schmückte.

Lockwoods Barett

Morgen ist meteorologisch Frühlingsbeginn. Hoffen wir, dass sich das Wetter daran hält. Dieses grau-in-graue Wetter habe ich wirklich satt.

Halte Dich weiterhin gerade.

Bis bald
Wilfried

28.02.2007

English Translation for Ian Anderson

Sony pennt

Neulich las ich in einem Zeitschriftenartikel, dass die Krise in der Musikbranche eigentlich nur eine Krise der Plattenindustrie wäre. Die Bands u.a. Musiker verdienen ihr Geld durch Live-Auftritte, die trotz der manchmal sehr hohen Preise gut besucht sind.

Keine Frage: Der Verkauf an Tonträgern ist eindeutig zurückgegangen. Verantwortlich machen hierfür die Bosse der großen Plattenfirmen hauptsächlich die Raubkopierer und deren Abnehmer, gegen die man verstärkt gerichtlich vorgehen will. Experten dagegen meinen, dass dieser juristische Kampf gegen die Musiktauschbörsen der falsche Weg sei.

Das eigentliche Problem ist, dass die Plattenbranche die neuesten Trends einfach verschlafen hat. So ist z.B. der kommerzielle Vertrieb vom Musik über das Internet durch die Computerbranche ins Rollen gekommen. Erst spät ist man auf diesen Zug aufgesprungen. Aber auch sonst fehlt jede Art von Kreativität in den Chefetagen.

Zudem taugen die üblichen Verdächtigen, Tauschbörsennutzer und Privatkopierer, längst nicht mehr, um die andauernde Umsatz-Talfahrt stichhaltig zu begründen. Der Markt, auf dem die Musikindustrie ihre Umsätze früher nahezu konkurrenzlos erzielte, hat sich nun einmal in den letzten Jahren entscheidend gewandelt. So geben Jugendliche und junge Erwachsene ihr Geld verstärkt für Videospiele, Hardware und fürs Telefonieren aus.

siehe auch zdf.de: Auf der Suche nach dem verlorenen Geschäft