Kategorie-Archiv: Zukunft Deutschland

Wohin steuert Deutschland?

Eine Katastrophe?!

Wer in diesen Tagen wissen wollte, ob im Landkreis Harburg die Schule wegen der Witterungsbedingungen ausfällt, wurde, was das Angebot im Internet betrifft, auf eine harte Probe gestellt. Immerhin hatte man es geschafft, auf den Websites des Landkreises und der Kommunen eine vorgeschaltete Seite einzurichten, aber wer z.B. am Dienstagabend wissen wollte, ob der Mittwoch weiterhin schulfrei sein wird, konnte lange Zeit die entsprechenden Websites nicht erreichen.

Hatte man das Glück, die Info-Seite aufzurufen, so wurde man vertröstet. Eine Entscheidung der Schulabteilung des Landkreises Harburg werde nicht vor 20 Uhr 30 gefällt. Noch um 21 Uhr 30 kam die gleiche Meldung (wenn man die Seite überhaupt erreichte). Dann vermeldete die Website der Samtgemeinde Tostedt es zuerst: Eine Entscheidung werde erst am nächsten Tag gegen 5 Uhr 45 verkündet, da an diesem Dienstagabend eine genaue Prognose der Wetterlage für den kommenden Tag nicht möglich sei.

Als ich dann am Mittwochmorgen gegen 5 Uhr 40 die Website des Landkreises aufrief, bekam ich die benötige Information: Die Schulbeförderung entfällt, damit fällt auch der Unterricht an allen allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen des Landkreises aus.

Warum tat man sich mit der Entscheidung so schwer? Und vor allem: Warum war keine der Websites in angemessener Zeit erreichbar?

Zum ersten: Die prognostizierte Wetterlage war meines Erachtens eindeutig: Frost, aber kein Niederschlag. Dass eine 100-%ige Prognose nicht möglich ist, wissen wir alle. Aber mit einem schnellen Wetterumschwung war nicht zu rechnen. Wichtig konnte so nur der Zustand der Straßen sein (z.B. für die Beförderung der Schüler mit den Schulbussen). An dem hatte sich in den letzten 24 Stunden wohl kaum etwas verändert (es besteht wg. Streusalzmangel schon seit Tagen nur ein stark eingeschränkter Winterdienst). Eine Entscheidung hätte also durchaus rechtzeitig gefällt werden können. Spätestens nach 20 Uhr am Dienstag hätte man sich für „schulfrei“ entscheiden sollen, wenn man eine Gefährdung der Schüler nicht eingehen wollte.

Vorsicht, Glatteis

Zum zweiten: Viel schlimmer finde ich, dass die Websites von Landkreis und Gemeinden lange Zeit nicht erreichbar waren. Nach der ersten Pleite am Sonntag hatte man inzwischen eine vorgeschaltete Seite eingerichtet – aber noch mit vielen hübschen bunten Bildchen, was natürlich zusätzliche Zeit beim Laden der Seite benötigt. Erst bei der nächsten Meldung (die ich Mittwoch morgens aufrief) verzichtete man endlich auch auf diese unnötigen Bilder. Die zuletzt aufgerufenen Websites des Landkreises und der Gemeinden Winsen/Luhe, Buchholz in der Nordheide und Tostedt verrieten zumindest, dass hier eine konzertierte Aktion ablief (alle ließen den gleichen Infotext verlauten, auch strukturell waren die Seiten in gleicher Weise angelegt, endend auf /internet/page.php bzw. /internet/).

Was mich eigentlich nachdenklich stimmt: Wie werden sich die genannten Websites verhalten, wenn es nicht mehr um schulfreie Tage, sondern um einen Katastrophenfall geht. Man stelle sich einmal vor, am Wochenende stürzt ein Flugzeug über dem Landkreis ab. Werden dann die Webserver von Landkreis und Gemeinden auch nicht mehr Herr der Anfragenflut? Welche Alternativen bieten dann die öffentlichen Verwaltungen noch (z.B. neben Telefon). Und eine ganz wichtige Frage. Gibt es so etwas wie einen Notfallplan für Landkreis und Gemeinden im Katastrophenfall?

Die Technik möchte ich hier erst gar nicht ansprechen. Leistungsfähige Server, evtl. eine Verteilung der Anfragelasten – all das ist mit Kosten verbunden, die in der augenblicklichen Lage wohl kaum zu tragen sein werden. Es muss auch andere Wege geben.

Immerhin hat man aus der jetzigen Lage schon etwas gelernt: Vorgeschaltete Seiten wurden eingerichtet, auf unnötige Grafiken wurde verzichtet. Aber es gibt bestimmt noch weitere Möglichkeiten, das Internet sinnvoll zu nutzen. Ich denke dabei z.B. an Twitter, den Mikroblog-Dienst. Die Hansestadt und der Landkreis Lüneburg nutzen z.B. diesen Dienst (Dank an herdavon für diese Info). Hier wurden z.B. Zahlen im Zusammenhang mit der Schulfrei-Anfrage genannt: Fünf mal so viele Zugriffe, wie sonst. Derzeit über 13.000 pro Tag. Den Newsletter haben übrigens fast 3.000 Leute abonniert.

Apropos Newsletter: Auch das wäre ein Instrument, um Informationen weiterzugeben. Natürlich muss man hierzu beim Newsletterdienst angemeldet sein. Eben nur zwei Möglichkeiten, den Informationsfluss in Bewegung zu bringen. Vielleicht sollte man sich auf Landkreisebene mit den Gemeinden einmal zusammensetzen, um aus der jetzigen Panne für die Zukunft erfolgreich Konsequenzen zu ziehen.

Herbert arbeitet

Es sind viele, die behaupten, die einzigsten zu sein, die wirklich arbeiten. Und wer es dann in die höheren Etagen geschafft hat, der delegiert, ist klar. Mit dem neuen Jahr beginnt auch ein neues Arbeitsjahr, rund 200 Tage, an denen der Schreibtisch jeden Tag aufs Neue überquillt. Sisyphos lässt grüßen!

Herbert arbeitet
Quelle: @Die_Bloggerette@twitpic.com

Jedem Unternehmen sein Wasserkopf: Ein Unternehmen ohne Management ist wie eine Krake ohne Fangarme (oder war es auch hier der Kopf?)! Wie gut, dass es Herberte gibt, die nicht nur in die Hände spucken, sondern sich auch unverhohlen ans Werk machen. Bei so viel Beistand können solche Herberte ja nichts mehr falsch machen.

Was will ich damit sagen? Wer auch ein Herbert ist, der sollte sich nicht unterkriegen lassen. Noch wirst du gebraucht (einer muss ja die Arbeit machen). Und wer es zum Manager geschafft hat: bleib ganz cool – solange es genügend Herberte gibt, wird auch deine Existenzberechtigung unumstritten bleiben. In diesem Sinne wünsche ich nicht nur allein ein gutes neues Jahr, sondern vor allem ein erfolgreiches Arbeitsjahr (der nächste Urlaub kommt bestimmt)!

Erich Fromm: Haben oder Sein

Im Gemeindeblatt unserer Evangelisch-lutherischen Johannesgemeinde in Tostedt schrieb Pastor Gerald Meier zum Thema: „Geld und Glaube“ einen Beitrag: Haben oder Sein – Der Mensch zwischen zwei Existenzweisen. Grundlage seiner literarische Erkundung war das Buch Haben oder Sein: Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft – Stuttgart – Deutsche Verlags-Anstalt 1979 (1976) von Erich Fromm.

Gerald Meier schreibt: Zunächst war ich überrascht, wie aktuell dieses Buch auch nach über 30 Jahren noch ist, denn schon damals waren die globalen Probleme erkannt, die sich nunmehr dramatisch zugespitzt haben: die zunehmende Aufspaltung der Völker in arm und Reich, der Klimawandel und der drohende Kampf um sich verringernde Rohstoffe. All diese Probleme sieht Erich Fromm letztlich begründet in der Ausrichtung des modernen Menschen auf die Existenzweise des Habens. Dieser gegenüber stellt er die Existenzweise des Seins, die er weitestgehend auch in der christlichen Tradition verkündet sieht.

Die Existenzweise des Habens ist nach Fromm die vorherrschende Form menschlichen Erlebens geworden. Sie beruht auf der Unsicherheit und Unverfügbarkeit allen Lebens und strebt durch die Aneignung materieller Dinge Sicherheit, Überlegenheit und Macht an, um der Unsicherheit zu entgehen. …

Ein Leben nach den Prinzipien des Seins verspricht eine ganz andere innere Ausrichtung. Sich richtet sich nicht lebenszerstörend am Status des Habens und Besitzens aus, sondern vorrangig an lebendigen Beziehungen. „Sein bezieht sich auf Erlebnisse“ und will die „Schranken des Getrenntseins“ überwinden. … Der Mensch … kann zum Wohl anderer handeln, wenn er erkannt hat, dass auch sein individuelles Wohlergehen vom Ergehen der Gemeinschaft abhängt.

Erich Fromm

Mit Erich Fromm habe ich mich selbst ausführlicher beschäftigt. Sein Buch „Haben oder Sein“ las ich vor dreißig Jahren zum ersten Mal. Erich Fromm bekanntestes Buch ist ohne Zweifel Die Kunst des Liebens. Allein die Veröffentlichung dieses kleinen Büchleins 1956 sorgte nicht nur in der Fachwelt für Aufsehen, sondern erreichte bis heute weltweit eine Auflage von über 25 Mio. und war z.B. in Deutschland (in den 80-er Jahren) Monate lang auf der Bestsellerliste.

Sehr aufschlussreich ist auch seine Anatomie der menschlichen Destruktivität. In den 70-er Jahren hatte sich Fromm aus psychoanalytische Sicht mit den Managern des Todes (Hitler und Heinrich Himmler) eingehend beschäftigt (siehe meinen Beitrag: Bestie Mensch).

Haben und Sein ist eine empirische psychologische und soziologische Analyse der Existenzweisen (sowohl individuell als auch gesellschaftlich) des Habens und des Seins und führt Ansätze von Fromms früheren Arbeiten fort. Es ist im humanistischen Geist geschrieben und stellenweise – verfasst ein Jahrzehnt vor Glasnost und Perestroika – vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und insbesondere der Gefahr eines Atomkrieges (Kubakrise etc.) zu verstehen. Ersetzt man die von Fromm verwendeten und für die damalige Zeit aktuellen maschinenfixierten Beispiele durch computerfixierte, so ist das Werk zum größten Teil noch immer hochaktuell.

Die These dieses wichtigen Buches ist, dass zwei Arten der Existenz um die Seele des Menschen streiten: Der Modus des Habens, der sich auf materiellen Besitz konzentriert, auf Gewinnsucht, Macht, Aggression und der Gier, Neid und Gewalt verursacht; und der Modus des Seins, der sich auf Liebe gründet, auf die Lust zu teilen und sich in wesentlicher, nicht verschwenderischer, sondern schöpferischer Tätigkeit ausdrückt. Fromm stellt fest, dass der Habenmodus mit seiner aggressiven, espansionistischen Wachstumsmoral seit dem Mittelalter das Übergewicht hat und jetzt die Welt an den Abgrund des psychologischen und ökonomischen Ruins bringt. In diesem Buch entwirft er das Programm eines gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels, den Gegenkurs zu der Fahrt in die Katastrophe. Seine Hoffnung setzt er darauf, dass viele Züge des Seinsmodus fortleben und die Menschen zunehmend der Leere ihres aufs Haben gerichteten Lebens gewahr werden und eine Welt ersehnen, die sie für kaum erreichbar halten, eine Welt der Liebe und Teilnahme.

Eigentlich sollte man dieses Buch jedem angehenden Banker und Industriemanager zur Pflichtlektüre machen. Auch wenn die meisten von diesen nur ein müdes Lächeln zeigen werden, so wäre es schon als Erfolg zu werten, wenn wenigstens der eine oder andere von ihnen etwas nachdenklicher würde.

Fiktive Stromtarife?!

Jetzt haben wir es ‚amtlich’ – der Strompreis bei uns steigt ab 1. Januar 2010. Ich habe es nicht nachgerechnet – aber es sollen rd. 14 % Preissteigerung sein. Damit liegt unser Anbieter EWE ganz vorn … was den Anstieg betrifft. Irgendwo müssen ja die gefallenen Gaspreise ausgeglichen werden (die Aktionäre erwarten satte Renditen). Immerhin soll der Strompreis bis Ende 2010 konstant bleiben – garantiert (auch bei fallenden Preisen?).

EWE & Tochterunternehmen EWETEL

Die eigentliche Verarschung kommt aber erst mit der Änderung der Tarife. Der bisherige EWE Strom classic, der der gesetzlichen Grundversorgung entspricht, heißt künftig EWE Strom comfort. Dafür bietet man jetzt den Kunden (also auch uns) einen Sondervertrag an, der EWE Strom classic heißt. Bei einem Verbrauch von 3500 KWh/Jahr spart man so rund 21 Euro. Dass man spart, ist in fetten Buchstaben gesetzt. Dass es eine satte Preiserhöhung gibt (von den 14 % kein Wort), folgt erst nach diesem so wahnsinnig attraktiven Sparangebot.

Noch einmal:
EWE Strom classic -> EWE Strom comfort
Neuer Tarif -> EWE Strom classic (irgendwo schon einmal gehört, oder?)

Da alle natürlich den neuen, alten EWE Strom classic-Tarif nehmen werden (wer zahlt schon mehr als es nötig ist), ist der alte, neue EWE Strom comfort für mich nichts anderes als ein fiktiver Stromtarif. Der Witz daran: Man erhöht diesen Tarif um rd. 14 % und vergleicht ihn dann mit dem neuen Tarif, der natürlich ‚so viel günstiger’ ist. Das ist wirklich eine äußerst witzige Verarscherei.

Entsteht eine neue APO?

Aus der spontanen Aktion einiger Wiener Kunststudenten entwickelte sich binnen Tagen eine landesweite Protestwelle und überrollte die Politiker, die weiterhin ratlos den Problemen gegenüberstehen: In Österreich ‚brennen’ die Unis!

Die Uni brennt!

Und ähnlich wie 1968, als die Studentenbewegung von den USA ausging und sich in Deutschland eine Außerparlamentarische Opposition (APO) formierte, so breitet sich der Uni-Streik inzwischen auch bis zu uns aus.

Der Frust der Studenten ist groß. Die Studenten haben die Nase voll von überfüllten Seminaren und Hörsälen, von zu wenig Professoren, von chronisch unterfinanzierten Unis, Frontalunterricht und Leistungsdruck. Und dafür zahlen sie mancherorts auch noch Studiengebühren.

Und noch ein wesentliches Problem besteht: Es geht um die Umsetzung der so genannten Bologna-Reform – also die Umstellung auf Bachelor- und Masterabschlüsse. „Die Anzahl der Prüfungen ist hoch, sämtliche Noten gehen in den Abschluss rein. Erst einmal ins Studium reinschnuppern, das Studieren lernen – das geht nicht mehr.“ Der Studienplan sei hochgradig verschult. Nebenbei noch Geld fürs Studium zu verdienen, das sei schwer, wird beklagt.

Selbst der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Strohschneider, kritisiert „handwerkliche Fehler“ bei der Einführung der Bachelor-Studiengänge. Die Studienreform sei zu einseitig auf die Verkürzung von Studienzeiten ausgerichtet.

Der Widerstand der Studenten gegen Missstände im Bildungswesen soll nach dem Willen der Organisatoren heute einen Höhepunkt erreichen. Allein in Berlin und Köln erwarten sie jeweils 5000 Demonstranten. In Freiburg, Stuttgart und Tübingen besetzten Studenten in der Nacht Hörsäle. Nicht nur Deutschland steht heute im Zeichen des Bildungsstreiks – in Österreich und Frankreich sind ebenfalls Proteste geplant.

Entsteht jetzt eine neue APO? Ich glaube das nicht. Die Bedingungen sind heute andere als vor über 40 Jahren. Damals kamen viele weitere Gründe hinzu (Vietnamkrieg, Aufarbeitung des Konfliktes zwischen Kriegs- und Nachkriegsgeneration), die vor allem zur Politisierung der Studenten führte. Heute geht es im Wesentlichen um die Verbesserung der Studienbedingungen. Jetzt ist die Politik gefragt. Sollte diese versagen, dann könnte der heutige Protest der Hochschüler allerdings sehr schnell militante Ausmaße annehmen, die der Studentenbewegung von 1968 ähnlich kommt. Dann könnte es mehr als ein Slogan sein: Die Uni brennt!

Virtueller Copyshop für Fachbücher

Mein älterer Sohn macht im nächsten Jahr sein Abitur und will anschließend Physik studieren; sein Interesse gilt der Teilchenphysik. Fürs Studium benötigt er dann Fachliteratur, die er sich in der Universitätsbibliothek ausleihen oder im Fachhandel kaufen kann. Fachliteratur ist teuer. Ich kenne das selbst aus meiner Studienzeit. Aber mit der Ausleihe ist das so eine Sache: Die Bücher, die man dringend benötigt, sind allzu oft anderweitig ausgeliehen oder nicht im Bestand. Heute ist es immerhin schon dank elektronischer Medien (z.B. eBooks) und Internet etwas anders als zu meiner Zeit.

Hier nun setzt eine neue Geschäftsidee an: PaperC ist ein neues Webportal mit Stammsitz in Berlin. Wer sich bei PaperC anmeldet, kann aktuelle Fachbücher von der ersten bis zur letzten Seite online lesen – völlig kostenlos und ganz legal. Im erweitertem Modus kann man dann Seiten herunterladen und ausdrucken. Hierfür zahlt man dann fünf bis zehn Cent pro Kopie. So viel zahlt man auch, wenn man ein Buch in einem regulären Copyshop kopiert. PaperC ist also ein virtueller Copyshop. Außerdem kann man Textstellen auch einfach kopieren und zitieren bzw. eigene Notizen anfügen und online verwalten.

Die Frage bleibt natürlich: Finde ich hier auch die Fachbücher, die ich für mein Studium benötige?

Siehe zdf.de: Auf dem Weg zum virtuellen Copyshop

Zur Musterung

Mein großer Sohn ist volljährig und damit gemäß § 1 WPflG (Wehrpflichtgesetz) wehrpflichtig. Heute muss er sich zur Musterung beim Kreiswehrersatzamt in Lüneburg einfinden. Die Musterung ist eine Untersuchung der körperlichen und geistigen Eignung eines Menschen für den Wehrdienst (siehe wikipedia: Ablauf einer Musterung in Deutschland).

Zur Musterung

Ist man wehrpflichtfähig, also tauglich, dann wartet auf den Wehrpflichtigen der Grundwehrdienst. Dieser dauert aktuell neun Monate (§ 1 WPflG), soll aber schon bald auf sechs Monate verkürzt werden. Es besteht zz.die Möglichkeit, den Wehrdienst auch in Abschnitten von einmal sechs und zweimal anderthalb oder einmal drei Monaten abzuleisten.

Der erste Teil des Grundwehrdienstes ist die Allgemeine Grundausbildung (AGA), die drei Monate dauert. Sie beinhaltet u. a. Themen wie Allgemeine Truppenkunde, Formalausbildung, Schießausbildung, Gefechtsdienst aller Truppen, Selbst- und Kameradenhilfe, Sport usw. Je nach Verwendung schließt sich eine Spezialgrundausbildung z. B. zum Panzergrenadier, Fallschirmjäger, Stabsdienstsoldat usw. an das Ende der AGA an. In den verbleibenden Monaten folgt in der Regel die sogenannte „Vollausbildung“. Hier nehmen die Wehrpflichtigen verschiedenste Aufgaben wahr, beispielsweise Posten im Stabsdienst, als Kraftfahrer o. ä.

Wichtig: Während des Grundwehrdienstes oder einer Wehrübung ruht das Arbeitsverhältnis. Das Arbeitsplatzschutzgesetz enthält weitere Schutzbestimmungen. Auch ein Studienplatz ist gesichert. Jeder Schüler kann sich für einen Studienplatz bewerben, obwohl er vorher seinen Dienst ableisten muss. Wird er dann an einer Universität angenommen, so ist ein Studienplatz für ihn bevorzugt frei zu halten. Es ist dann jedoch nicht der Ort des Studierens für ihn zwangsläufig derselbe.

Siehe auch meine Beiträge:
Thomas Mann: Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull
Herr Lehmann und die Bundeswehr

Nachtrag: Juhu, mein Sohn ist wehrpflichtunfähig, untauglich. Seine Sammlung an ärztlichen Attesten hat gefruchtet. Damit erübrigt sich ein Antrag auf Kriegsdienstverweigerung.

Im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland erhielt die Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen 1949 erstmals den Rang eines Grundrechts, das sich aus der Glaubens- und Gewissensfreiheit ergibt. Siehe hierzu bei wikipedia: Kriegsdienstverweigerung in Deutschland mit weiteren Informationen.

Freiwillige vor: autofreier Sonntag in Hamburg

Am morgigen Sonntag zelebriert Hamburg in diesem Jahr zum 2. Mal seinen autofreien Sonntag nach dem Motto: „Freie Fahrt fürs Klima“. Am Dammtor auf der Edmund-Siemers-Allee präsentieren sich der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) und die Verkehrsunternehmen mit vielen unterhaltsamen Mitmachaktionen und Informationen über ihr Leistungsangebot und umweltfreundliche Techniken.

Das Gute daran: Alle Verkehrsmittel des HVV können von 4 bis 4 Uhr montags kostenlos genutzt werden. Dies gilt fürs gesamte HVV-Gebiet – von Lüneburg bis Bad Segeberg, von Stade bis Ratzeburg, von Elmshorn bis Tostedt oder zum zentralen Veranstaltungsort am Bahnhof Dammtor in Hamburg.

Hamburg: autofreier Sonntag

Beim insgesamt sechsten freiwilligen autofreien Sonntag in Hamburg werden an diesem Wochenende dafür viele Straßen rund um den Dammtorbahnhof gesperrt.

Resolution gegen Extremismus und Gewalt in Tostedt

Die Initiative Jugendlicher, die sich in einem Offenen Brief an die Jugendausschuss-Vorsitzende des Samtgemeinderates Tostedt gewandt hatte, trägt Früchte. In diesem Schreiben werden die Politiker aufgefordert, „öffentlich Stellung gegen einen Naziladen (im Ortsteil Todtglüsingen) und die verstärkten rechtsextremen Strukturen in Tostedt“ zu beziehen.

Zunächst war der Bürgermeister bemüht, das Problem herunterzuspielen und lediglich um das Ansehen des Ortes in der öffentlichen Meinung besorgt. Nachdem sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche Flagge gegen rechtsextremistische Umtriebe zeigten und die Jugend-Initiative in Tostedt ausdrücklich unterstützten, kommt jetzt endlich auch vom Samtgemeinderat ein positives Signal.

Der Rat der Samtgemeinde Tostedt hat in seiner Sitzung am 09. Juni 2009, im vollbesetzten Saal des Gasthauses Wiechern einstimmig die Tostedter Resolution gegen Extremismus und Gewalt verabschiedet. Die Ratsmitglieder stimmten namentlich über die Resolution ab und bekannten sich damit gegen Extremismus und Gewalt einzustehen.

„Wir wehren uns gegen alle Versuche rechts- und linksextremer, rassistischer und fremdenfeindlicher Gruppen, das Bewusstsein insbesondere unserer jugendlichen Bürgerinnen und Bürger in ihrem Sinne zu beeinflussen“, heißt es in der Resolution. Aggressive Aktivitäten gegen Andersdenkende und Minderheiten, unverblümte und ausgrenzende Meinungsmache sei immer häufiger in Tostedt festzustellen.

Um dem entgegenzutreten, seien langfristige und übergreifende Präventionsstrategien erforderlich, heißt es weiter in dem Papier. Es gelte weitere Aktivitäten zu entwickeln, die eine vielfältige, demokratische Zivilgesellschaft stärken.

Als beispielhaft nannten die Kommunalpolitiker „Faustlos-Programme“ für Kindergärten und Grundschulen, Anti-Gewalt-, Streitschlichter und Integrationsprojekte, sowie Argumentationstraining gegen Stammtischparolen und extremistische Sprüche.

In diesem Sinne würden das Forum für Zivilcourage und der Todtglüsinger Sportverein mit seinem Integrationsprojekt bereits eine hervorragende Arbeit leisten. Dieses ehrenamtliche Engagement werde vom Samtgemeinderat weiterhin ebenso unterstützt wie neue Projekte gegen Gewalt und Extremismus.

Forum für Zivilcourage, Tostedt

Ausdrücklich werden in der Resolution Bürger gelobt, die gegen extremistisches Gedankengut eintreten und sich dadurch nicht einschüchtern lassen. Das Parlament ruft daher alle Einwohner, öffentliche Einrichtungen, Vereine und Verbände auf, sich aktiv für eine soziale, friedliche und tolerante Samtgemeinde einzusetzen. Die Verwaltung wurde außerdem gebeten, dem Rat einmal im Jahr einen Bericht zum Stand der Maßnahmen gegen extremistische Aktivitäten vor Ort zu präsentieren.

„Mit dieser Resolution allein ist es nicht getan“, sagte SPD-Fraktionschef Reinhard Riepshoff. Er betonte: „wir zeigen den Einwohnern damit aber, dass sie mit ihren Ängsten nicht alleine sind!“

siehe auch www.han-online.de

Per Fahrrad zum Evangelischer Kirchentag in Bremen

Heute beginnt in Bremen der 32. Deutsche Evangelische Kirchentag und endet am Sonntag, den 24. Mai. Die Kirchentagslosung lautet nach 1. Moses 3,9: Mensch, wo bist Du?

Der erste Kirchentag an der Weser wird bunt und maritim. Zu den rund 2500 Veranstaltungen werden 100.000 Menschen erwartet; Veranstaltungen mit Abendgebeten und Diskussionen. Mit Musik und Vorträgen. Mit liturgischen Abenden, packenden Open Airs, einem Zentrum für Jugend und einem für Kinder (Programmheft als PDF – Stand: 01.03.2009 zum Download: 2,8 MB groß– aktuelle Datenbank online).

Mit dem Rad zum Kirchentag in Bremen

Mein Sohn Jan hat sich bereits gestern Abend mit der Evangelischen Jugend aus Tostedt per Fahrrad mit Zwischenhalt in Lauenbrück auf den Weg nach Bremen gemacht. In Achim, Syke, Delmenhorst und Lilienthal sammelten sich die Teilnehmer, um am heute Morgen in einer Sternfahrt nach Bremen aufzubrechen. Dort werden die Radreisegruppen von Bremens Umweltsenator Dr. Reinhard Loske, dem Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, Jan Janssen sowie dem Komponisten, Sänger und Musiker Fritz Baltruweit begrüßt. Bremen ist nämlich eine fahrradfreundliche Stadt mit vielen Radwegen.

Mensch wo bist du? – Auf dem Rad gewesen!
Rund 50 Jugendliche aus dem Kirchenkreis Hittfeld fuhren vom 19. – 24. Mai 2009 auf dem Rad zum Kirchentag nach Bremen

Mensch, wo bist Du? – Auf dem Rad, Herr!

siehe auch: Kirchentag bei Radio Bremen (Bremen vier)

siehe auch: Evangelischer Kirchentag in Köln 2007

Die Kirche zeigt Flagge gegen Rechts

Sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche zeigen Flagge gegen rechtsextremistische Umtriebe und unterstützen die Jugend-Initiative in Tostedt, die sich in einem Offenen Brief an die Politik gewandt hatte.

„Die Samtgemeinde Tostedt muss jetzt hart durchgreifen“, fordert der stellvertretende Pastoralrats-Vorsitzende der katholischen Herz-Jesu-Gemeinde, Matthias Kurrig, auf Anfrage. Alle gesetzlichen Möglichkeiten müssten ausgeschöpft werden (siehe: Gemeinsam gegen braunen Sumpf).

Und auch der Kirchenkreis Hittfeld der evangelischen Kirche bezieht eine eindeutige Position angesichts der jüngsten Eskalation in Tostedt. Die Pastorenschaft, die Diakone, der Kreisjugenddienst wie alle Mitarbeitenden des Diakonischen Werkes stellen sich einmütig hinter die Forderung der Tostedter Jugendlichen, die ein entschlossenes gesellschaftliches Handeln gegen rechte Umtriebe einfordern (siehe: Kirchenkreis Hittfeld zeigt Flagge gegen Rechts); u.a. heißt es dort:

Der Kirchenkreis warnt vor jeder Form der Verharmlosung und Verdrängung. So sei es bei aller demokratischen Freiheit auch nicht hinzunehmen, dass der Eindruck entstehen könnte, die rechte Szene sei ein zu akzeptierender Teil der Gesellschaft, betonte Jäger. Von den öffentlich Verantwortlichen müssten unmissverständliche Signale ausgehen, um deutlich zu machen, dass die Zivilgesellschaft in großer Breite dem rechten Angriff auf die Demokratie widersteht.

Die neue Rechte sei gezielt auf der Suche nach Kontakten hinein in die bürgerliche Gesellschaft, so Jäger. Diese Taktik gelte es zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Vom oft noch vorherrschenden Bild des Neonazis in Springerstiefeln mit kahlgeschorenem Kopf müsse man sich verabschieden. Es sei eine zweite Generation von Neonazis unterwegs, die oft nicht leicht zu identifizieren sei.

„Den netten, weichgespülten Nazi von nebenan aber gibt es nicht“, betonte der Superintendent. Die Erscheinungsform habe sich verändert, die menschenverachtenden Inhalte seien jedoch die gleichen geblieben.

Der Kirchenkreis mahnt, den Blick in dieser Hinsicht zu schärfen und Zivilcourage zu zeigen. So sei es andernorts durch Aufklärung und breite Bündnisse von Kirchen, Politik, Gewerkschaften und Verbänden bereits gelungen, die schleichende Integration rechter Gedanken in die Schranken zu weisen. Insbesondere durch intensive Jugendarbeit in Vereinen und Organisationen könne erreicht werden, dass die Anfälligkeit für stumpfe, simple und ewiggestrige Parolen abnehme.