Kategorie-Archiv: Musik und mehr

Von Musik und allem Drumherum

Joan Armatrading: What’s Inside (1995)

Mit ihrem Album Square the Circle (1992) endete für Joan Armatrading der Plattenvertrag bei A&M Records nach achtzehn Jahren der Zusammenarbeit. Es dauerte über drei Jahre, bis Joan Armatrading ihr nächstes, das 14., eingespielt hatte und diesmal bei RCA Records im Oktober 1995 veröffentlichte: What’s Inside.

What’s Inside wurde wieder mit vielen namhaften Studiomusikern, diesmal in den A&M Recording Studios in Hollywood aufgenommen. Die Plattenfirma scheute keine Kosten und so kam gleich für mehrere Stücke ein Streichorchester, das London Metropolitan Orchestra, zum Einsatz. Die Aufnahmen dazu erfolgten in den altehrwürdigen Abbey Road Studios, London. Auf einem Stück ist das bekannte Kronos Quartet zu hören (aufgenommen in The Plant Recording Studios, Sausalito, California) und bei zwei Liedern erklingen die Bläser der The Memphis Horns (Aufnahme erfolgte im Kiva Recording Studio, Memphis, Tennessee). Beim Background-Gesang wirkt u.a. Terry Evans mit, dessen Gesangspartner auf vielen Alben Bobby King war, den wir wiederum von vielen Alben von Ry Cooder kennen (Terry Evans hat natürlich auch schon mit Ry Cooder zusammengearbeitet).

    Joan Armatrading: What’s Inside (1995)

Das Album wurde von der Kritik durchaus positiv aufgenommen, erreichte allerdings nur Platz 48 in den UK Album Charts (in den US Charts konnte sich die Scheibe nicht platzieren). Es ist ein besonders tief empfundenes und daher sehr persönliches Album und handelt von Gefühlen und Erinnerungen. Laut eines Interviews von Joan Armatrading offenbaren die Lieder Dinge, die sie berührt haben („things that have touched me“). Auf dem Album ist ein Auge zu sehen, das die innerliche, nachdenkliche Natur der Liedertexte symbolisieren soll.

Hier zunächst die Trackliste des Albums:
(alle Lieder wurden von Joan Armatrading komponiert, überwiegend arrangiert und produziert)

1. „In Your Eyes“ – 2:43
2. „Everyday Boy“ – 4:37
3. „Merchant Of Love“ – 4:49
4. „Shapes And Sizes“ – 3:15
5. „Back On The Road“ – 2:43
6. „Lost The Love“ – 3:43
7. „Songs“ – 3:49
8. „Would You Like To Dance“ – 4:01
9. „Recommend My Love“ – 4:30
10. „Beyond The Blue“ – 3:52
11. „Can’t Stop Loving You“ – 3:26
12. „Shape Of A Pony“ – 4:43
13. „Trouble“ – 4:06

Das Album beginnt verhalten mit dem langsamen Lied „In Your Eye“. Der Bass brummt mit wenigen Tönen, dann singt Joan die erste Textzeile. Keyboards setzen ein und dazu ein Schlagzeug, nur mit Besen gespielt. Es ist eines von mehreren Lieder mit Jazz-Einflüssen:


Joan Armatrading: In Your Eyes

Dafür geht es in „Everyday Boy“ ganz flott ab. Zu dem Lied wurde Joan durch einen Bekannten inspiriert, der an AIDS erkrankt war. Es ist ein rhythmus-betontes Stück, das im Hauptteil eigentlich nur aus zwei Akkorden besteht und sehr afrikanisch klingt. Zunächst wird es durch ein Instrument bestimmt, das mir sehr nach Kalimba, einem Lamellophon (Daumenklavier), klingt (wird aber wohl am Keyboard erzeugt), das dann später durch kraftvolle Streicher ersetzt wird:


Joan Armatrading: Everyday Boy

Das dritte Lied ist wieder eher langsam und verfügt über einen sehr schönen Melodiebogen mit einem Wechsel zwischen akustischer Gitarre (gespielt von Joan) und Klavier. Das die Töne, die die Griffwechsel auf der Gitarre erzeugen, manchmal lauter klingen als die gespielten Akkorde, stört mich wenig. Joan hat eine sehr dynamisch ausgerichtete Spielweise, da gehören solche ‚Rutscher’ einfach mit dazu. Auch der wieder etwas sehr brummige Bass passt diesmal gut dazu:


Joan Armatrading: Merchant Of Love

Auch auf dem nächsten Lied spielt Joan Armatrading akustische Gitarre. Es ist ein sehr interessantes und sehr schönes Stück und wird besonders von den Streichern des Kronos Quartets bestimmt. Inspiriert wurde dieses Lied durch den Tod des britischen Journalisten und Rundfunksprechers Brian Redhead: Immer wieder heißt es in dem Lied „Obituary columns are filled with love“, etwa: Todesanzeigen/Nachrufe sind mit Liebe erfüllt. Da beginnen selbst die Geigen zu heulen:


Joan Armatrading: All Shapes And Sizes (Live 1995 – Australien)

Die beiden nächsten Lieder sind vom Blues angeregt. „Back On The Road“ fetzt dabei ordentlich mit einer akustischen Gitarre, von Joan gespielt. Die kurzen, eigenwilligen Solos auf der elektrischen Gitarre stammen natürlich auch von ihr:


Joan Armatrading: Back On The Road

„Lost The Love“ ist ein eher langsames blues-orientiertes Stück. Hier fetzt allerdings die von Joan gespielte elektrische Gitarre:


Joan Armatrading: Lost The Love

„Songs“ klingt eher etwas konventionell, ist aber in den Zwischenpassagen sehr schön und trotz der melodisch eher unterschiedlichen ‚Abschnitte’ sehr homogen. Hier zupfen die Streicher ihre Instrumente:


Joan Armatrading: Songs

Das nächste Stück ist für mich ein kleiner ‚Ausreißer’, weil das Lied mir nicht so ganz zu den anderen Lieder passen will. Es ist wieder rhythmus-betont und glänzt vor allem durch die Bläsersätze, allem voran das Saxofon:


Joan Armatrading: Would You Like To Dance

Das nächste Lied ist wieder eher langsamer und wird vor allem vom Keyboard getragen. Bemerkenswert ist natürlich hier der ‚Männergesangsverein’ , allen voran der bereits erwähnte Terry Evans. Ja, das klingt dann auch schon ziemlich nach Ry Cooder. Joan greift in diesem Lied zu einem Effektgerät namens E-Bow (Elektrobogen), weil die Saiten dadurch ähnlich wie mit einem Bogen gespielt ins Schwingen geraten:


Joan Armatrading: Recommend My Love

Neben der akustischen Gitarre von Joan erklingt hier die Slide-Gitarre von B. J. Cole und das Lied „Beyond The Blue“ klingt für mich nach einem von Country gefärbten Blues:


Joan Armatrading: Beyond The Blue

Weiter geht’s mit einem ‘Reißer’, der durch Bass, Schlagzeug und die Bläser bestimmt wird. Am Schluss wirkt das für mich dann leider doch etwas zu monoton. Die Abwechslung fehlt:


Joan Armatrading: Can’t Stop Loving You

So langsam kommen wir zum Schluss der Scheibe: „Shape Of A Pony“ klingt ‚luftig’ mit kurzen Bass- und Gesangszeilen am Anfang. Erwähnenswert ist hier der Einsatz einer Tin Whistle, der kleinen ‚Blechflöte’, die ansonsten in der traditionellen irischen Folkmusik zum Einsatz kommt:


Joan Armatrading: Shape Of A Pony

„Trouble“ ist eine herzerwärmende Ehrerweisung an die Mutter von Joan, die sie immer schon für eine starke Frau gehalten hat und der sie nachzueifern wünschte:

Stopped yourself from crying
Kept your head above the sand
When trouble seemed your only friend
Somehow you kept your spirits high
You told him straight
Don’t call again

Wieder ein langsames Stück am Ende des Albums. Bestimmt wird dies schöne und voll klingende Lied vom Keyboard und findet Unterstützung in einer Orchesteruntermalung:


Joan Armatrading: Trouble

Die neue Plattenfirma investierte einiges an Geld für diese Produktion. So fehlt eigentlich nichts zu einem auch aufnahmetechnisch gelungenen Hörerlebnis. Arrangements und Instrumentierung sind (einschließlich der häufiger zu hörenden Streicher) abwechslungsreich und gelungen. Bass und Schlagzeug sind, anders als bei den Scheiben zuvor, für mich voll und ganz okay. Vielleicht wäre manchmal weniger mehr, aber insgesamt gefällt mir dieses Album um einiges besser als all die Vorgänger aus den 80-er und 90-er Jahren.

Ich denke, dass die Plattenfirma Joan Armatrading viel Freiheiten eingeräumt hat, die diese im positiven Sinne genutzt hat. Ihre Stimme kommt mit viel Power und in all den Nuancen ihrer Alt-Stimme herüber. Und immer wieder lässt sie ihr sicherlich eigenwilliges, aber gekonnt vorgetragenes Gitarrenspiel aufblitzen. Da RCA Records aber in erster Linie den Mainstream bediente, der Erfolg dieses Albums aber ausblieb, verabschiedeten sich Joan und ihr Plattenlabel bereits nach dieser einen Produktion und es sollte einige Jahre mehr dauern, bis ihr nächstes Album erschien.

Joan Armatrading: Square the Circle (1992)

Zwei Jahre nach ihrem Album Hearts and Flowers (1990) veröffentlichte Joan Armatrading ihr 13. Studioalbum Square the Circle (1992). Wieder kamen die verschiedensten Musiker in ihr hauseigenes Musikstudio, den Bumpkin Studios. Und wieder wurde es bei A&M Records veröffentlicht. Allerdings sollte es Armatradings letztes Album bei dieser Plattenfirma werden. In Großbritannien erreichte das Album Platz 34, in den USA konnte es sich dann aber nicht mehr platzieren.

Die Lieder auf Square the Circle wurden wieder von Joan Armatrading geschrieben, arrangiert und produziert. Lediglich das Stück „Wrapped Around Her“ zeichnet auch Graham Lyle als Mitautoren und Produzenten.

    Joan Armatrading: Square the Circle (1992)

Bemerkenswert ist, dass Joan Armatrading alle Gitarrenparts selbst übernommen hat. So sind auch alle Gitarrensolos von ihr eingespielt worden. Dafür hat sie diesmal die Finger von den Tasteninstrumenten genommen und diese von Richard Cottle bzw. Simon Clark spielen lassen. Für mich hat es den Eindruck, dass Joan im Vorfeld sehr viel auf der elektrischen Gitarre geübt hat, denn die Gitarrensolos zeigen sich ausgereift, wenn auch nicht überlastet, sondern eher zurückhaltend. Ich finde das auf jeden Fall große Klasse, was sie auf der elektrischen Gitarre ‚zaubert’. Gesanglich wird Joan Armatrading hin und wieder durch die drei Damen Linda Lewis, Shirley Lewis und Sylvia Mason-James unterstützt. Nicht immer zum Vorteil dieser Lieder, wie ich finde. Aber das mag Geschmackssache sein. Das Foto für das Cover ist von Andrew Catlin aufgenommen worden.

Hier zunächst die Trackliste des Albums:
(alle Lieder wurden von Joan Armatrading komponiert, arrangiert und produziert)

1. „True Love“ – 3:57
2. „Crazy“ – 3:48
3. „Wrapped Around Her“ – 3:48
4. „Sometimes I Don’t Wanna Go Home“ – 4:59
5. „Square The Circle“ – 4:10
6. „Weak Woman“ – 3:56
7. „Can I Get Next To You“ – 4:16
8. „Can’t Get Over (How I Broke Your Heart)“ – 3:56
9. „If Women Ruled The World“ – 4:32
10. „Cradled In Your Love“ – 5:16

Das Album beginnt mit einem schönen langsamen und melodiösen Lied, in dem Joan in der Mitte auch schon einmal kurz einige gekonnte Riffs auf der Gitarre erklingen lässt:


Joan Armatrading: True Love

Auf dem 2. Lied verzichtet Joan auf die Gitarre und konzentriert sich auf ihren Gesang. Dafür lassen es die Keyboards in einem Solo in der Mitte und in einem am Schluss des Liedes ordentlich krachen. Die treibende Kraft ist ein fetzender Bass in diesem flotten Lied:


Joan Armatrading: Crazy

Neben der Gitarre spielt Joan in diesem Stück auch Mandoline. Am Anfang und in den Zwischenpassagen wirkt das Lied auf mich etwas hektisch und abgehackt (kommt wieder einmal vom Bass und Schlagzeug):


Joan Armatrading: Wrapped Around Her

Im vierten Stück ist Joans elektrische Gitarre ganz ansprechend und die Solos in der Mitte und am Ende des Liedes kommen auch sehr fetzend daher. Wie schon bei früheren Alben von ihr, so stört mich auch hier der pochende Bass doch ziemlich. Und das ‚gespenstisch’ klingende Keyboard zwischendrin ist auch nicht so ganz mein Fall. Einem Mantra gleich klingt dann die so oft wiederholte Textzeile „Sometimes I don’t wanna go home, Cos I know it’s gonna start again“. Nun, denn …


Joan Armatrading: Sometimes I Don’t Wanna Go Home

Zum Titelsong „Square The Circle“ gibt es leider kein im Netz verfügbares Video. Es ist ein langsames, selbst für Joan Armatrading eher konventionelles Stück, in dem das Gitarrenspiel aber wieder sehr ansprechend, wenn auch zurückhaltend herüberkommt.

Die nächsten beide Stücke finden weniger meine Begeisterung. Beide sind zwar rockig, aber „Weak Woman“ kommt für mich nicht so richtig in die Gänge, nervt eher durch ein fast durchgängig monotones Spiel auf dem Schlagzeug und wieder einmal durch den pulsierende Bass. Die Gitarrenparts finde ich auch eher so-la-la. Und den Chorgesang der drei Damen im Hintergrund … nun ja. Mit „Can I Get Next To You“ geht’s fast im gleichen Stile weiter. Der Chor mit gelegentlichen „Doodeewapp“ reißt es auch nicht heraus. Und manchmal klingt das Keyboard für mich zu synthetisch …

Zum Schluss hin wird’s dann aber besser. Es folgt ein langsames Stück, in dem die Streicherpassagen (Strings) aber künstlich, also auf dem Keyboard erzeugt wurden:


Joan Armatrading: Can’t Get Over (How I Broke Your Heart)

Das vorletzte Stück „If women ruled the world … It would be a good thing“ dürfte Joan besonders am Herzen gelegen haben. Natürlich kann man darüber diskutieren, ob wirklich alles besser wäre, wenn Frauen die Welt regierten (Margaret Thatcher oder auch unsere alles bestimmen wollende Bundeskanzlerin sind nicht gerade die besten Beispiele). Das Stück selbst kommt rhythmisch betont ganz flott daher – mit einer führende Gitarre, die sich auch immer einige kleine Solos erlaubt. Hier passt dann auch durchaus der Damenchorgesang. Nur das Gepfeife des synthetischen Keyboards (wenn auch nur gegen dem Ende zu und dort auch nur hin und wieder) finde ich fehl am Platze.


Joan Armatrading: If Women Ruled The World

Mit „Cradled In Your Love“ endet das Album bereits nach zehn Liedern. Es ist ein langsames Stück, das allerdings in den Zwischenpassagen etwas aus dem Rahmen fällt, weil’s dort schräg-jazzig herkommt. Bemerkenswert auf jeden Fall Joans Spiel auf der elektrischen Gitarre und ein besonders schönes Solo am Ende des Liedes.

Joan Armatrading: Hearts and Flowers (1990)

Nach dem Album The Shouting Stage (1988) dauerte es wieder zwei Jahre, bis das nächste Album von Joan Armatrading Hearts and Flowers 1990 veröffentlicht wurde. Aufgenommen wurde das Album wieder in den Bumpkin Studios, Joan Armatradings eigenem Studio, diesmal in ‚The Grey Room’ in Los Angeles abgemischt und erschien im Juni 1990 wiederum bei A&M Records.

Auch für Hearts and Flowers holte sich Joan wieder eine Reihe namhafter Studiomusiker, die bekanntesten dürften Pino Palladino (Bass) und Manu Katché (Schlagzeug) sein. Das Album erreichte Platz 29 in den UK-Albumcharts bzw. Platz 161 in den US-Albumcharts, war also aus Sicht ihrer Plattenfirma aus kommerzieller Sicht nicht allzu erfolgreich. Jeremy Pearce zeichnete für das Plattencover verantwortlich.

    Joan Armatrading: Hearts and Flowers (1990)

Ich gestehe, dass ich bei diesem Album hin- und herschwanke. Einige Stücke finde ich sehr schön oder sie sind das, was man gern ‚interessant’ zu nennen pflegt. Mit anderen Liedern habe ich aber meine Probleme. Das betrifft besonders die ‚rhythmisch’ ausgelegten Lieder, die – es liegt in der Natur dieser Lieder – ohne großen Melodiebogen auskommen.

Hier zunächst die Trackliste des Albums:
(alle Lieder wurden von Joan Armatrading komponiert, arrangiert und produziert)

Seite 1:
1. „More Than One Kind Of Love“ – 5:32
2. „Hearts And Flowers“ – 3:40
3. „Promise Land“ – 4:00
4. „Someone’s In The Background“ – 3:55
5. „Can’t Let Go“ – 4:36

Seite 2:
1. „Free“ – 3:20
2. „Something In The Air Tonight“ – 4:32
3. „Always“ – 1:56
4. „Good Times“ – 4:23
5. „The Power Of Dreams“ – 3:08

Zu den einzelnen Stücken: Das Album beginnt in „More Than One Kind Of Love“ verhalten mit einigen Akkorden auf dem Keyboard (gespielt von Don Freeman), dann setzt Joans Stimme ein, unterstützt von wenigen einzelnen Bass-Tönen. Das Lied nimmt mit einem nun pulsierenden Bass (Mick Karn) und zusätzlichem Schlagzeug (Jamie Lane mit programmierten Drums) etwas mehr Fahrt auf, wobei mich der Bass doch etwas stört. Ich würde ihn mir etwas dezenter wünschen. Das Lied erschien auch als Single und erreichte in den UK Single-Charts Platz 75.


Joan Armatrading: More Than One Kind Of Love

Als nächstes Lied folgt bereits der Titelsong: Hier spielt Joan Armatrading nach langer Zeit alle Instrumente (Gitarre und hauptsächlich Keyboards) wieder einmal selbst (später sollte das die ‚Regel’ werden). Es ist betont rhythmisch mit sehr verschachtelten Rhythmuspassagen, die einen ganz besonderen Reiz auf den Zuhörer ausüben.


Joan Armatrading: Hearts And Flowers

„Promise Land“ beginnt mit einer sirrenden akustischen Gitarre – gespielt von Joan herself, die übrigens alle Gitarrenparts dieses Albums übernommen hat. Die Gitarre klingt wie eine 12-saitige, der Klang dürfte aber durch den Effekt eines Phaser beeinflusst sein. Wieder steigert sich das Stück durch den Einsatz von Bass und Schlagzeug (zunehmend ‚krachend’) – und hat ein ziemlich langes Ende (durch Wiederholung: Follow you into the promise land).

„Someone’s In The Background“ ist so ein Stück, das mir nicht so ganz gefallen mag. Es enthält ein rhythmisches Gerüst, um das sich u.a. ein Saxophon-Solo und einige Keyboardpassagen (die teilweise wie Vibraphon klingen) schlängeln.

Es folgt wieder ein langsames Lied, bei dem Joan erneut alle Instrumente (Gitarre und Keyboards) selbst spielt. Am Anfang steht ein Wechsel zwischen akustischer Gitarre und Keyboard, das zunehmend durchdringender wird, dann auch einige schräge Akkorde setzt:


Joan Armatrading: Can’t Let Go

Seite zwei beginnt mit einem schnellen, sehr flotten Stück: „Free“ klingt nach einem Gospel. Es enthält ein Saxophon-Solo, gespielt von Dave Koz (eigentlich David Kozlowski). Bass und Schlagzeug bilden einen Klangteppich, auf dem sich die Mitspieler musikalisch auslassen können.

„Something In The Air Tonight“ klingt südamerikanisch. Wieder legen Bass und Schlagzeug einen Klangteppich, der durch die akustische Gitarre von Joan und zum Ende hin durch Perkussion verstärkt wird. Bläsersätze (allerdings aus der Retorte, also auf dem Keyboard erzeugt) ergänzen das Stück und geben ihm eine besondere Dynamik.

„Always“ ist ein schönes, langsames Stück mit Joans Gesang und der Begleitung auf dem Keyboard (wieder von Don Freeman gespielt):


Joan Armatrading: Always

Im vom Blues beeinflussten Stück „Good Times“ spielt Joan eine fetzende akustische Gitarre. Das Stück ist wieder sehr rhythmus-betont, für mich etwas monoton und vom Schlagzeug her (unterstützt durch Manu Katché am Hi-Hat) etwas zu schrill. Das Solo auf der elektrischen Gitarre (wieder von Joan Armatrading gespielt) klingt teilweise recht schräg.

Das Album endet mit einem schon obligatorisch langsamen Lied: „The Power Of Dreams“, in dem das Keyboard lediglich durch halbwegs dezentes Bass- und Schlagzeugspiel unterstützt wird.

Wie schon geschrieben: Joan spielt alle Parts der Gitarre selbst und zeigt sich dabei vielseitig und als Meisterin des Instruments. Ihre Stimme wirkt für mich um einige Nuancen reifer als auf den Vorgängeralben. Nach Ansicht einiger Kritiker (u.a. ihr Biograf Sean Mayes in Joan Armatrading – A Biography) ist dieses Album eine Rückkehr zu den Themen und musikalischen Einflüssen der ersten beiden Alben von Joan, besonders Back to the Night. Dem kann ich nur bedingt zustimmen. Gerade die ersten Alben hatten ein musikalische Potenzial, das die späteren nur noch teilweise erreichten. Das gilt auch für dieses Album. Gerade die frühen Scheiben weisen vom Kompositorischen her, im Mix aus Melodie und Rhythmik, eine Komplexität auf, die einzigartig ist. Kompensiert wird das auf „Hearts and Flowers“ sicherlich durch die Reife von Joans Stimme und ihrem exzellenten Gitarrenspiel.

Joan Armatrading: The Shouting Stage (1988)

Ich habe mir etwas Zeit gelassen, um das nächste Album von Joan Armatrading in diesem Blog vorzustellen. Zuletzt war ich bei Sleight of Hand (1986) stehen geblieben. Es dauerte dann zwei Jahre, bis 1988 The Shouting Stage erschien.

The Shouting Stage markiert für mich einen Wendepunkt nicht ganz ‚zum Guten’, aber doch ‚zum Besseren’ hin für mich. Das Album wurde wie sein Vorgänger im Bumpkin Studio, dem eigenen Studio von Joan, aufgenommen und in den Olympic Studios, London, abgemischt. Dieses 11. Studioalbum erschien am 29. Juni 1988 wiederum bei A&M Records und erreichte Platz 28 in den UK-Albumcharts bzw. Platz 100 in den US-Albumcharts

    Joan Armatrading: The Shouting Stage (1988)

Wie schon bei den Alben zuvor so hatte Joan Armatrading auch zu diesem Album einige namhafte Gastmusiker in ihr Studio geholt. Allen voran Mark Knopfler (bekannt von der Gruppe Dire Straits), der auf zwei Stücken (u.a. dem Titelstück) sein unverkennbares Gitarrenspiel beitrug, daneben auch den Bassisten Pino Palladino, dessen bundloser Bass das Album maßgeblich mitbestimmt, und den Schlagzeuger, Dave Mattacks – bekannt aus der Fairport ConventionJethro Tull-Ecke.

Hier zunächst die Trackliste des Albums:
(alle Lieder wurden von Joan Armatrading komponiert, arrangiert und produziert)

Seite 1:
1. „The Devil I Know“ – 4:13
2. „Living For You“ – 4:14
3. „Did I Make You Up“ – 3:45
4. „Stronger Love“ – 5:07
5. „The Shouting Stage“ – 5:27

Seite 2:
1. „Words“ – 3:46
2. „Innocent Request“ – 3:08
3. „Straight Talk“ – 4:02
4. „Watch Your Step“ – 3:58
5. „All A Woman Needs“ – 5:01
6. „Dark Truths“ – 2:09

Das erste Stück fängt jazzig-flott an und enthält ein kurzes Solo von Joan auf der elektrischen Gitarre. Wie die beiden folgenden und auch bei späteren Stücken, so ist dieses Lied besonders geprägt vom Spiel des fretless, also bundlosen Basses von Pino Palladino. Es ist ein Lied über die Doppelmoral einiger Männer die Treue betreffend. Ungewöhnlich ist, dass Joan in dem Lied ihren Namen verwendet (Don’t worry Joanie I’ll be a little bit late tonight):


Joan Armatrading: The Devil I Know

Trompeten hört man bei Joan eher selten (Saxophon schon eher – wie im dann folgenden Lied): Guy Barker bläst entspannt und locker und gibt dem Lied die nötige Würze, die mit Klängen von Steeldrums (allerdings aus der Retorte) abgerundet wird.


Joan Armatrading: Living For You

Auf „Did I Make You Up“ erklingt zum ersten Mal das perlende Gitarrenspiel von Mark Knopfler. Joan Armatrading hatte das Lied bereits fertiggeschrieben, aber Knopfler meinte, es könnte noch einige UptempoRiffs, also schnellere, wiederholt kurze Motive, gebrauchen, die dann auch Joans Einverständnis fanden.


Joan Armatrading featuring Mark Knopfler: Did I Make You Up

„Stronger Love“ ist ein langsames Stück, das vom Wechselspiel zwischen Klavier und Saophon lebt. Der Bass klingt hier wieder sehr ‚raumfüllend’.


Joan Armatrading: Stronger Love (hier mit Elton John)

Damals hatte Scheiben noch zwei bespielte Seiten. So endet die erste Seite mit dem Titelstück, ebenfalls einem eher langsamen, sehr schönen Lied – und mit einem verhaltenen Gitarrensolo vom Mark Knopfler. Das Lied wurde ‚inspiriert’ durch einen heftigen Streit zwischen einem Paar, dessen Zeuge Joan Armatrading in einem australischen Restaurant wurde. Außerdem hatte Joan den Artikel in einem Londoner Magazin gelesen, der besagte, dass früher oder später jedes Paar einen Punkt erreicht, den man „the shouting stage“ nennen könnte: es wird gestritten und kann sogar zu Handgreiflichkeiten kommen. Den Titel des Album könnte man also mit „Bühne des Streitens“ übersetzen.


Joan Armatrading featuring Mark Knopfler: The Shouting Stage

Seite zwei beginnt mit „Word“, einem Lied mit Dave Mattacks an der Schießbude. Musikalisch bringt das Lied nicht ganz so viel; ich würde es als einen leichten Rückfall in alte ‚New Wave’-Manier sehen.


Joan Armatrading: Words

„Innocent Request“ (Schlagzeug: Dave Mattacks) ist eher eine Art ‚Lückenfüller’. Die akustische Gitarre ist aber ganz nett. ‚Straight Talk’ lässt es swingen und ist im Stile eines Reggae. Hörenswert auch hier wieder das Saxophon. Es folgt „Watch your Step“, das wieder eine Joan in Höchstform präsentiert, wenn das Lied auch nach meinem Geschmack etwas überarrangiert ist. Pino Palladino darf seinen Bass wieder fretless röhren lassen:


Tribute to Pino Palladino – Joan Armatrading: Watch Your Step – Bassline

Auch auf den beiden letzten Stücken ist Pino Palladino nicht zu überhören. Auf „All A Woman Needs” hören wir zudem noch einmal Dave Mattacks am Schlagzeug. Dieses Lied ist ruhig und melodiös. „Alles, was eine Frau braucht“ entstand nach einem Gespräch mit Freunden beim Abendessen. Einer der Freunde erzählte die Geschichte von einem Mann, der einer Frau, die er besonders mochte, alle Dinge gab, die sie sich wünschte: „Die Liebe kommt später!“.


Joan Armatrading: All A Woman Needs

Es hat Tradition, dass das letzte Stück auf den Scheiben von Joan Armatrading ein langsames ist. So auch hier: „Dark Truths“. Neben Bass und Streichern aus der Retorte bestimmt ein „wohltemperiertes“ Keyboard das kurze Lied:


Joan Armatrading: Dark Truths

Fazit: Joan Armatrading hat mit diesem Album musikalisch wieder etwas mehr zu sich selbst gefunden und dem Zeitgeist abgeschworen. Das mag ihrer Plattenfirma gepasst haben oder nicht (eher: nicht!). Allerdings fehlt mir etwas, was ich die melodiöse Vielfalt nennen möchte, was ihre ersten Alben ausgemacht hat. Stilistisch ist sie weiterhin vielseitig geblieben (vom Pop über Rock, Jazz, Blues und Reggae bis hin zur musikalischen Ballade ist alles vorhanden). Was mich besonders beeindruckt hat, ist die große Palette ihrer Stimme, sowohl im Tonumfang, ganz besonders aber im Ausdruck. Joan Armatradings Lieder sind von Emotionen bestimmt, die sie durch ihre Stimme auf unnachahmliche Weise wiederzugeben versteht. Mit diesem Album hat für mich die dritte Phase ihres Schaffens begonnen (siehe hierzu meinen Beitrag: Joan Armatrading: If Women Ruled The World).

Hurricane-Wetter

Ich guck’ gerade aus dem Fenster: Die Sonne scheint … Das kann nicht sein! Ab heute läuft doch wieder das Hurricane Festival unmittelbar vor unserer Haustür am Eichenring in Scheeßel zwischen Bremen und Hamburg. Hurricane sagt doch alles: Sturm und Regen: ein Matschbad gehört mit zur Tradition. Aber was nicht ist, soll ja noch werden 😉

Vielleicht sollten die Veranstalter das Festival einfach mal umbenennen: Fair Weather Festival oder so.

    Hurricane Festival 2014

Wer unbedingt nach Scheeßel will und keine Karten hat, dem sei gesagt: Das Festival ist ausverkauft: Sold Out! {Vielleicht aber mal ins Netz gucken – da werden immer wieder Karten angeboten)

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Wehe, wenn sie losgelassen …

Bereits gestern ging es ja los. Die ersten Fans reisten an. Und das heißt: Wohnwagenkolonnen auf der B75, voll besetzte Metronom-Züge zwischen Hamburg und Bremen.

Tanz in den Mai: Annnngieeeeeeee …

Kaum hatte der hiesige Bürgermeister das Fest für eröffnet erklärt und seine Rede mit „Nun tanzt mal schön?“ beendet, übernahmen wir das Zepter: Tanz in den Mai! Und wir sorgten für die Schweinemucke.

Es dauerte zwei, drei Stücke, bis sich das erste Pärchen auf das Parkett wagte. Und bis zum sechsten Lied waren es bereits fünf Paare, die mehr oder weniger tanzten. Unser Sänger versuchte mit lockeren Sprüchen, etwas Stimmung in die Bude zu bringen. Aber noch waren die meisten damit beschäftigt, ihren Alkoholpegel steigen zu lassen und nur die wirklich Wagemutigen tanzten.

Nach acht Liedern gab es die erste Pause. Das war natürlich Grund für Unmutsbekundungen. Das kannten wir und hauten nach nur fünf Minuten wiederum in die Saiten, Tasten und Trommelfelle. So ging das die ganzen nächsten Runden weiter.

Nach fast drei Stunden kam mit wachsendem Alkoholkonsum auch die Stimmung. Schon schwankte der erste Geselle auf unseren Sänger zu und fragte: „Könnt ihr auch Angie spielen?“. Natürlich konnten wir auch „Angie“ von den Stones spielen. Man kennt ja seine Pappenheimer. „Auf Wunsch eines einsamen Herren spielen wir jetzt Angie!“, verkündete unser Sänger.

Beim Refrain (eigentlich nur beim Wort „Angie“) stimmte der hiesige Männergesangsverein mit ein: „Annnngieeeeeeee …!“. „Na, der Text liegt wohl an der Kasse, was Jungs?!“, wagte unser Sänger und Ansager die Sangeslust der Dörfler zu karikieren.

Endlich schlug es vom Kirchturm zwölf, also Zeit, „Der Mai ist gekommen!“ anzustimmen. Schon kam ein weiterer Geselle und forderte vehement nach der Herausgabe eines Mikrofons. Das ließ uns Böses ahnen: Jetzt wollte der Saal das Kommando übernehmen und wir sollten lediglich die Begleitmusik dazu liefern. Da muss man hart bleiben. Man muss alle Hexen und Teufel beschwören, damit man das Ruder fest in der Hand behält: „Nö, Jungs, vielleicht später …!“.

Ein Später gibt es bei solchen Veranstaltungen meist nicht, ist auch gut so. Gegen vier Uhr morgens bauten wir unsere Anlage zusammen, und der Wirt war damit beschäftigt, die letzten Schnapsleichen von der Tanzfläche zu räumen.

Als wir in unserem VW-Bus saßen, kam die Sonne bereits am Horizont hervor …

siehe auch: Jethro Tull: Beltane

Meine Yamaha

Nein, kein Motorrad, eine Klampfe …! Aber der Reihe nach …

Wie manchem bekannt ist, feierte ich Anfang Februar meinen Geburtstag, einen runden mit ’ner Sechs vorneweg (Oh, Schock, ein Schock …?!). Und anlässlich dieses Ehrentages bekam ich von meinen Lieben (Frau und zwei Söhnen) einen Gutschein „über einen Tag in Hamburg – inklusive einer ‚kleinen’ musikalischen Überraschung 😉 “.

Gutschein von meinen Lieben zum 60. über einen Tag in Hamburg – inklusive einer ‚kleinen’ musikalischen Überraschung

Während meiner österlichen Auszeit war es dann soweit. Heute vor einer Woche, am Gründonnerstag, machte ich mich mit meiner Familie nach Hamburg auf. Am Vorabend grübelte ich noch über diesen Zusatz der „‚kleinen’ musikalischen Überraschung“ und war dann doch mehr überrascht, was da auf mich zukam.


Vorabend zu einem Ausflug (16.04.2014)

Die Anreise endete erst einmal mit der U-Bahn an der Station Feldstraße. Von dort ging es zu Fuß weiter, eigentlich nur um die Ecke, denn beim Luftschutzbunker auf dem Heiligengeistfeld waren wir am Ziel.

Jetzt konnte ich langsam erahnen, was auf mich zukommen sollte. Okay, so ganz sicher war ich mir noch nicht, immerhin findet sich in diesem Bunker (auch Medienbunker genannt) die Hamburg School of Music und der Musikschuppen Uebel und Gefährlich. Rein theoretisch hätte ja die „musikalische Überraschung“ doch ein Konzert sein können. Aber wohl doch nicht zur frühen Nachmittagszeit, oder? Vor über sieben Jahren war ich zuletzt hier mit meinen Söhnen. Damals besuchten wir mehrere Musikgeschäfte, am Schluss dann auch noch die Reeperbahn. In diesem Bunker „findet man auf über 4500 qm einen der spektakulärsten Musikläden Europas. Auf zwei Stockwerken und durch zahlreiche Galerien aufgelockert, ist ein Besuch des Bunkers wie eine Abenteuerreise durch das Land des Musizierens“: JustMusic Hamburg.

Angeblich hatte ich damals gesagt (ich erinnerte mich plötzlich, wenn auch noch ziemlich dunkel), wenn ich sechzig werde (oder in Rente gehe?!), dann kaufe ich mir eine Ovation. Die Ovation ist eine elektrisch verstärkte Akustikgitarre und gut am „runden Rücken“ (Roundback) zu erkennen; u.a. hat Joan Armatrading in früheren Jahren eine Ovation gespielt.

Also, um es kurz zu sagen, die „musikalische Überraschung“ war die ‚Nötigung’, mir eine Gitarre kaufen zu ‚müssen’. Meine Lieben hatten gesammelt und zusammengelegt – und jetzt durfte ich mich ins Gitarrengetümmel stürzen, um mir eine passende Klampfe herauszusuchen. Nicht, dass es nicht zu einer Ovation gereicht hätte. Aber nach einigem Hin und Her entschied ich mich bei aller Qual der Wahl für eine (rein) akustische Gitarre von Yahama. Also kein Motorrad, sondern eine Klampfe …

Qual der Wahl ...

Willi testet ...

Qual der Wahl …

Willi testet …

Willi (scharf) mit Yamaha und Söhnen (unscharf)

Willi (scharf) mit Yamaha und Söhnen (unscharf)

Vom Bunker an der Feldstraße gingen wir anschließen über Pferdemarkt noch ins Schanzenviertel. Die Schanze, wie man auch sagt, ist ein Szeneviertel mit vielen kleinen Läden, Cafes und Restaurants – und viel Jungvolk. Hier aßen wir (verspätet) zu Mittag (Sushi bei mikawa) und gönnten uns auch noch ein dickes (auch veganes) Eis bei Eisbande in der Bartelsstraße. Am frühen Abend ging es dann wieder nach Hause: Ich mit einer Gitarre auf dem Rücken …

Wer sehen und hören will, wie meine gekaufte Gitarre aussieht und sich anhört, übrigens eine Yahama LS6 (Decke aus Engelmann-Fichte, Boden und Zargen aus Palisander, Hals aus Mahagoni und Griffbrett aus Ebenholz), der lausche und gucke hier:


Yamaha LS6 Review from ‘Acoustic Guitar’

Like an Old Fashioned Waltz: Sandy Denny

Immer wieder werden uns Sängerinnen präsentiert, von deren Gesangskünsten über Gebühr geschwärmt wird. Sicherlich gibt es da einige, die, ohne Namen zu nennen, mit einer außergewöhnlichen sängerischen Begabung gesegnet sind. Oft sind dann aber die Lieder selbst nur Mittelmaß. Wirklich außerordentliche Talente, die außerdem die begnadete Gabe der Komposition und Textdichtung besitzen, gibt es nun einmal nicht so oft, wenigstens nicht so oft, wie es sich die Musikindustrie wünscht und uns glauben machen will.

In diesen Tagen habe ich nun eine dieser wenigen ungewöhnlichen Musikerinnen ‚wiederentdeckt’: Sandy Denny. Es ist inzwischen vierzig Jahre her, dass ich mir zwei ihre wenigen Solo-Alben gekauft habe: Sandy (1972) und Like an Old Fashioned Waltz (1974). Völlig vernachlässigt habe ich Sandy Denny an dieser Stelle zwar nicht, aber eine angemessene Würdigung (nach dieser ‚Wiederentdeckung’) ist endlich fällig.

    Sandy Denny. Photograph: Keith Morris/Redferns

Sandy Dennys Musik reicht von britisch-keltischer Volksmusik über den britischen Folk Rock der 1960er und 1970er Jahre, den sie entscheidend prägte, bis hin zu Eigenkompositionen mit klassischem oder jazzigem Einfluss. Ihre Wurzeln liegen in den Melodien und Texten der britischen Folk-Musik, die sie bereits in der Kindheit begleiteten und die sie selbst auf unvergleichliche Weise interpretierte und zusammen mit ihren Bands in eine zeitgemäße Form brachte. Beeinflusst war Sandy Denny auch durch die amerikanische Folk- und Friedensbewegung.

Nun Sandy Denny wurde leider nicht sehr alt. 1978 starb sie mit gerade einmal 31 Jahren. Im März 1978 war sie während eines Urlaubs in Cornwall von einer Treppe gestürzt. Eine aus dem Unfall resultierende Gehirnblutung führte dann einen Monat später zu ihrem Tod.

Sandy Denny hatte 1973 den früheren Gitarristen ihrer Band ‚Fotheringay’, ihren Freund Trevor Lucas, geheiratet. Im Juli 1977 gebar sie ihre Tochter Georgia. Man kann nur spekulieren, denn laut ihren Mitmusiker und damaligen Freunden galt Sandy Denny als hilfsbereiter und lebensfroher, allerdings trotz ihres Talents doch auch unsicherer Mensch. Ich vermute, dass sie aus welchem Grund auch immer nicht wirklich mit ihrem Leben klar gekommen ist. Dafür spricht u.a., dass sie während der Schwangerschaft weiter getrunken und auch Kokain zu sich genommen hat. Sie galt als ruhelose Seele, die ohne die Anerkennung der Leute um sie herum nicht leben konnte (siehe u.a. theguardian.com).

Vielleicht liegt hier aber auch eine „Ursache“ für ihr außergewöhnliches Talent. Denn es ist nicht nur die Klarheit ihrer Stimme, sondern die bewegende Interpretation ihrer Lieder, die berührt, und in der gesamten britischen Pop- und Folkmusik bis heute als unerreicht gilt. Es sind vielleicht die ungestillten Sehnsüchte, aber auch der Schmerz, der aus ihrer Stimme klingt. Als ich einige ihrer Lieder jetzt nach langer Zeit wiedergehört habe, war ich hingerissen von dieser Stimme, die geradezu „zum Heulen schön“ ist.

Allzu großer Erfolg war Sandy Denny nicht beschieden. Eines ihrer Lieder „Who Knows Where the Time Goes?” wurde durch die Interpretation anderer Sängerinnen wie Judy Collins, Nina Simone und Cat Power erst richtig bekannt. Viele kennen Sandy Denny wahrscheinlich aus ihrer Zeit bei Fairport Convention. Vieler Musiker dieser Band haben sie dann auch beim Einspielen ihrer Soloalben unterstützt. Namen wie Dave Pegg (Bass), Gerry Conway (Schlagzeug), Dave Mattacks (ebenfalls Schlagzeug) und Maartin Allcock (u.a. Gitarre, Keyboards) kennen wir ja auch von meiner ‚Lieblingsgruppe’ her (Jerry Donahue, Gitarre, und nochmals Dave Mattacks, Schlagzeug, haben bekanntlich Joan Armatrading bei einigen Studioaufnahmen geholfen). Wir sehr Sandy Denny bis in heutige Tage verehrt wird, beweist u.a. die schön gemachte Hommage an sie im Internet: sandydenny.org.uk. Hier finden sich auch alle Liedertexte (siehe auch „The Official Sandy Denny Site“).

Natürlich ist die Musik von Sandy Denny immer noch erhältlich. Und bei Youtube gibt es unzählige Videos mit Aufnahmen von ihr. Hier z.B. eine Playlist mit vielen ihrer schönsten Lieder:


Sandy Denny Mix: Like An Old Fashioned Waltz (Playlist)

Querbeet (3): Die 500 besten Songs aller Zeiten

Die Ergebnisse von repräsentativen Umfragen, der Begriff ist eigentlich ein Witz (wer oder was wird stellvertretend repräsentiert), wecken trotz ihrer ‚Fehlerhaftigkeit’ immer wieder großes Interesse. Nein, eigentlich hält man nicht viel davon (ich selbstverständlich auch nicht), aber „sag schon, wie lautet das Ergebnis?“

Nach den 100 größten Gitarrensolos der Rockmusik gibt es natürlich auch die 500 besten Songs aller Zeiten, eine 2004 von der US-amerikanischen Pop-Zeitschrift Rolling Stone veröffentlichte Liste mit den aus ihrer Sicht bis dahin 500 besten Lieder aller Zeiten.

Die gesamte Liste wurde von Musikern, Produzenten und Kritikern, die eine Jury von insgesamt 172 Personen bildeten, gewählt. Jeder konnte 50 Stimmen abgeben, welche Lieder (nach dessen Meinung) die wichtigsten der gesamten Musikgeschichte sind/waren. Die Liste beginnt mit Lieder aus dem Jahre 1950 und endet 2003 (die Umfrage war ja 2004) – und sie ist natürlich extrem englisch-lastig (499 zu 1). Außerdem könnte man denken, die Musikgeschichte fing erst 1950 an …

    Fender & Gibson

Mit Sicherheit wird man seinen Lieblingsinterpreten auf dieser Liste vergeblich suchen (ich z.B. Jethro Tull). Aber selbst weil diese Liste so völlig unrepräsentativ, subjektiv und am Ende der vorletzte Dreck ist, so möchte man doch gern wissen, wer denn den Reigen dieser 500 Lieder anführt (und welche Lieder sonst noch genannt werden): Platz 1 „Like a Rolling Stone“ von Bob Dylan, Platz 2 „Satisfaction“ von den Rolling Stones (Schande über den, der Arges denkt was den direkten Bezug von Liedtitel bzw. Gruppenname zum Titel der Zeitschrift betrifft).

Ja, Umfragen sind schon eine Besonderheit unserer heutigen Gesellschaft. Deren Ergebnisse, dessen sollte man sich erst einmal bewusst werden, können durchaus Teile unseres Lebens bestimmen (siehe z.B. den Quatsch mit dem „Zug der Ideen“, deren geplante Umsetzung angeblich auch auf Umfragen beruht und mir zukünftig morgens wie abends bengalische Beleuchtung auf dem Weg zur Arbeit und zurück bescheren wird – okay, es gibt Schlimmeres). Teilnehmern an solchen Umfragen wird zunächst ihre Wichtigkeit bescheinigt, um ihnen dann die benötigten Antworten unterzuschieben – wenn’s denn sein muss. Umfragen und Statistiken dienen in erster Linie dem Zweck, etwas Gefordertes mit Zahlen zu untermauern. Werden die bewünschten Zahlen nicht erreicht, dann sind Umfragen etwas für den Papierkorb …

Und dann gibt’s auch noch die Liste der 500 besten Alben aller Zeit (2003 ebenfalls von der Zeitschrift Rolling Stone veröffentlicht. Diese beruht auf einer Abstimmung von 273 Musikern, Kritikern und Plattenfirmen).

Suzanne Vega: Tales From the Realm of the Queen of Pentacles (2014)

Suzanne Vegas letztes reguläres Studioalbum war Beauty & Crime aus dem Jahr 2007. Zum Erscheinen dieser CD schrieb ich damals vor fast sieben Jahren: … ihr neuestes Werk Beauty & Crime …, das sich im Wesentlichen um NYC dreht – mit anspruchsvollen, feministisch ausgerichteten Texten zu schönen Melodien, meist mit Begleitung durch eine aktustische Gitarre und sparsamen Arrangements, also im Stile einer Singer-Songwriterin.

Die New Yorker Singer-Songwriterin hat mit ihren beiden 80er-Jahre-Hits „Luka“ und „Tom’s Diner“ (siehe am Ende dieses Beitrags) Popgeschichte geschrieben. Nach siebenjähriger Pause veröffentlichte sie nun auf ihrem eigenen Plattenlabel ein neues Studioalbum: Tales from the Realm of the Queen of Pentacles. Okay, es waren keine sieben Jahre ohne Produktion. Zwischen 2010 und 2012 spielte Suzanne Vega viele ihrer alten Stücke neu ein und gliederte sie thematisch auf insgesamt vier Scheiben, die unter dem Titel Close-Up erschienen.

CD-Cover 'Tales From the Realm of the Queen of Pentacles' von Suzanne Vega | Bild: Cooking Vinyl, colourbox.com, Montage: BR

Auch dieses neue Album ist im Wesentlichen geprägt von Gitarre und Suzanne Vegas Stimme, die sich im Laufe ihrer nun fast schon 30jährigen Karriere kaum verändert hat. Weil diese Stimme, die sie selbst in einem Interview kürzlich als einfach und anspruchslos bezeichnete, immer im Mittelpunkt steht und der sich alle musikalischen Ideen unterordnen müssen, wirkt ihr Werk vielleicht so homogen. Zudem wird an dieser Stimme nicht groß technisch gewerkelt, wie Live-Aufnahmen bestätigen. Liest man die Kritiken auch über diese neue CD, dann erstaunt man schon: so viel Positives habe ich sonst kaum über einen anderen Musiker bzw. über eine andere Musikerin vernommen.

Das neue Album enthält wieder viel amerikanischen Folk-Pop, mit mehr rockigeren Anklängen als sonst und hier und da sogar orchestraler Verstärkung, darüber hinaus ist hier ein Banjo, da eine Flöte und dort eine Trompete hingetupft. Das wirkt alles ausgewogen, vielseitig, aber nicht nach zu viel, wenn die Arrangements auch etwas üppiger ausfallen als sonst.

Sie könne gut Geschichten erzählen, weshalb ihr besonderes Augenmerk auf den Texten ihrer Lieder liege, sagte sie unlängst. Und auch hier findet man wieder diese Suzanne Vega-Geschichten, etwa gleich im ersten Song, CRACK IN THE WALL, dessen Anfangszeilen auch gut beschreiben, wie man sich beim Hören dieses Albums fühlt: „A crack appeared inside a wall / A door sprang up around it.“ Oder SONG OF THE STOIC, ein berührendes Lied über das entbehrungsreiche Leben eines nunmehr alten Mannes.


Suzanne Vega – Crack in the Wall (live City Winery, Chicago, 29.09.2013)

Suzanne Vega mag das Geheimnisvolle, sympathisiert mit den Außenseitern der Gesellschaft – aus diesem und anderen Gründen erklärt sie in der Singleauskopplung I NEVER WEAR WHITE Schwarz zu ihrer Farbe: „All other colours lie.“ Trotzdem ist ihr ein buntes, ein vielseitiges, ein tiefsinniges Album gelungen. Das Comeback des Jahres, keine Frage (Quelle u.a. Kundenrezensionen bei amazon.de).


Suzanne Vega — I Never Wear White

Die Songtexte sind im Internet nachzuschlagen; außerdem hat Suzanne Vega natürlich auch einen Channel bei Youtube.

In FOOL’S COMPLAINT bedient sie sich kurzerhand einiger musikalischer Ideen aus ihrem Song WHEN HEROES GO DOWN. Aber der erschien ja schon 1992, und da geht es dann auch in Ordnung:


Suzanne Vega — Fool’s Complaint

Ein anderes Sample hätte man ihr vermutlich kaum zugetraut: in DON’T UNCORK WHAT YOU CAN’T CONTAIN tauchen Motive von 50 Cents CANDY SHOP auf, klingen hier allerdings, passend zum Text, orientalischer. In dem Lied geht es darum, dass nicht alles geöffnet werden sollte, was sich öffnen lässt; Aladins Wunderlampe mag noch angehen, aber wie steht es mit Pandoras Büchse? DON’T UNCORK, wie auch die folgenden Lieder, wurden zusammen mit dem Smichov Chamber Orchestra aus Prag aufgenommen (zu Prag am Ende mehr):


Suzanne Vega — Don’t Uncork What You Can’t Contain

Spanisch mutet es in dem Lied JACOB AND THE ANGEL an (Händeklatschen wie bei einem Flamenco), in dem es vordergründig um den biblischen Kampf Jakobs mit dem Engel Gottes am Ufer des Jabbok-Flusses geht.


Suzanne Vega – Jacob and the Angel

HORIZON schließlich, das das Album beschließt, ist Václav Havel gewidmet. Mit ihm verbindet Suzanne Vega eine Brieffreundschaft; sie bewundert seine Art, einen steinigen Weg zu gehen und seinen einstigen Gegnern ohne Groll zu begegnen. Es könnte also ebenso eine Hommage an Nelson Mandela sein. 2006, anlässlich des 70. Geburtstages von Václav Havel, dem Schriftsteller und ehemaligen Staatspräsident der Tschechoslowakei und von 1993 bis 2003 der erste der Tschechischen Republik, sang Suzanne Vega ihr Lied Tom’s Diner als Ständchen (‚im Stile’ von Marilyn Monroe bei Kennedys Geburtstagsgala 1962):


Suzanne Vega – Horizon (There Is A Road)


Suzanne Vega sings for Václav Havel

Das Album mit dem sperrigen Titel ist sicherlich keine musikalische Offenbarung und daher frei von gewagten Innovationen. Aber es ist ein Album, das in Ruhe gehört gleichzeitig Spaß macht und auch zum Nachdenken anregt, wie eigentliche alles von Suzanne Vega. Ich bin, wie so oft, rein zufällig auf diese Neuerscheinung aufmerksam geworden, denn in diesen Tagen fiel mir ihr Name wieder ein und ich fragte mich, was es wohl Neues von ihr geben könnte. Und es gab ja nun wirklich nach langer Zeit wieder Neues von ihr …

Suzanne Vega 2014 live online & im Radio

Bevor ich auf die neue CD Tales from the Realm of the Queen of Pentacles von Suzanne Vega etwas ausführlicher zu sprechen komme, hier ein Hinweis auf zwei Live-Mitschnitte von Konzerten, die die New Yorker Singer-Songwriterin im Januar 2014 in Deutschland anlässlich einer Studio-Tour bei öffentlich-rechtlichen Sendern wie MDR Figaro und Bayern 2 gab. Bei MDR Figaro besteht seit dem 27. Januar 2014 befristet die Gelegenheit, das 80-minütige Konzert via Internet nachzuhören, Bayern 2 sendet die Höhepunkte des Studio-Konzerts am Ostersonntag, 20. April 2014, ab 15:05 Uhr.

Bayern 2-StudioClub Suzanne Vega  | Bild: BR/Markus Konvalin

Das Konzert z.B. von MDR Figaro lässt sich leider nicht ohne weiteres herunterladen (ich habe auf die Schnelle kein entsprechendes Tool gefunden), so kann man es höchstens in Echtzeit über die Soundkarte ‚aufnehmen’.