Weihnachtsmarkt in Hameln 2016

Eigentlich bin ich kein großer Weihnachtsmarktgänger. Aber hin und wieder verbinde ich gern eine Tagesreise in eine der Städte in Niedersachsen mit einem Besuch eines solchen Weihnachtsmarktes. Auf Einladung meiner Frau waren wir beide letztes Wochenende in Hameln. Allein die Altstadt ist sehenswert. Und in der Vorweihnachtszeit kommt ein besonderes Flair hinzu. Wenn dann die Sonne scheint, ist es trotz der Kälte noch ein wenig schöner. So besuchten wir also den Weihnachtmarkt von Hameln.

Im Mittelpunkt stehen bekanntlich immer die Fress- und Saufbuden. Da ich diesen süß-klebrigen Glühwein nicht mag, da hilft kein Schuss, hätte ich mir fast ein Glühbier angetan. Aber als ich von den Zutaten erfuhr, verzichtete ich auch darauf – und gönnte mir am Abend ein kühles Winterbier (ohne Zutaten). Dafür aßen meine Frau und ich Hamelner Handbrot: warm mit Käse und Schinken. Später gab es in einem Cafe in einer Seitenstraße noch Kaffee und Kuchen.

Der Weihnachtsmarkt gruppiert sich in Hameln im Wesentlichen um das Hochzeitshaus und die Marktkirche St. Nicolai. Außerdem sind Buden in der Osterstraße aufgebaut. Da es zwar sonnig, aber doch ziemlich kalt war, wärmten sich meine Frau und ich in der Marktkirche auf. Hier wagten wir dann auch den Aufstieg in den Kirchturm, fast bis zur Kirchturmspitze und wurden nach rd. 207 Stufen (meine Frau zählte) mit einen schönen Blick über Hameln belohnt.

Marktkirche St. Nicolai in Hameln

Von der Altstadt ist es nur einen Hasensprung entfernt zur Weser, die hier durch eine doppelte Insel geteilt wird. Hier befindet sich die einzige Staustufe der Oberweser. Sie ist gleichzeitig die älteste Staustufe des gesamten Flusses, hervorgegangen aus einem mittelalterlichen Mühlenstau.

Bierkalender (Advent) 2016 – Türchen 1 bis 6

Jedem sein Adventskalender, unabhängig von Alter und Geschlecht! Auch in diesem Jahr wurde ich von meiner Frau mit einem Adventskalender beglückt – wieder einem Bierkalender, der bisher eine größere Anzahl Biere enthielt, die ich nicht kannte. Anfangs etwas skeptisch, da dieser Bierkalender vom Hol ab-Getränkemarkt stammt, wurde ich bisher eines Besseren belehrt. Es begann mit einem hellen Bier aus Unterfranken:

1. Weiss Rössl – Urhell 4,9 % Vol. Weiss Rössl Bräu GmbH – Eltmann

Wie viele andere helle Bier aus Bayern so ist auch dieses Bier süffig, hat aber eine ganz eigene feine Hopfennote. Die Schaumkrone ist ziemlich stabil. Für eine ‚Brotzeit‘, also zum Abendbrot ist es bestens geeignet. Der Bierkalender hatte also schon einmal einen durchaus gelungenen Anfang.

Die Brauerei Weiss Rössl Bräu wurde 1744 gegründet und hat ihren Sitz in Roßdorf, einem Stadtteil von Eltmann in Unterfranken. Angeblich wurde die Brauerei 1989 von der Kaiser Bräu GmbH & Co. KG, Neuhaus/Pegnitz (Mfr) übernommen. Die Roßstadter Braustätte wurde dann 2001 geschlossen. Aber wie schon bei einigen Biermarken in Norddeutschland (Union in Bremen und Ratsherrn in Hamburg) muss die Brauerei ‚wiederbelegt‘ worden sein.

2. Weltenburger Kloster Winter-Traum – 5,4 % Vol.

Just an dem Tag, als ich mir einen Kasten Weltenburger Kloster Winter-Traum beim Händler meines Vertrauens kaufte, hatte ich in meinem Bierkalender eine Flasche dieses Gebräus, das ich bereits hier schon ausführlicher beschrieben habe. Ich wiederhole mich gern: Das ist ein Bier besonderer Note, wunderschön bernsteinfarben und mit 5,4 % Vol. etwas stärker als normale Biere, aber doch deutlich unter Bockbierniveau. Der Geschmack ist angenehm vollmündig, also süffig, mit ausgesprochen karamelliger Note dank erlesener Spezialmalze. Ich mag es leicht fein-herb und doch malzig. Der Winter-Traum deckt sich da ganz mit meinen Geschmacksvorstellungen.

3. Hemelinger dunkel – 5 % Vol.

Ich habe lange genug in Bremen gelebt (25 Jahre), um das Hemelinger Bier zu kennen und das ich meist als Hemelinger Spezial getrunken habe. Hemelingen ist ein Stadtteil von Bremen. Im Adventskalender fand ich am 3. Tag ein Hemelinger dunkel vor: Mild und malzig und wirklich „nicht gerade das Hellsten“. Sicherlich haut ein solches Bier keinen vom Hocker, aber als Liebhaber dunkler Biere, also solcher mit malziger Note, lässt es sich durchaus trinken.

Nun die Hemelinger Biere wurden schon früher außerhalb des Stadtteils Hemelingen in Bremen von der zu Beck & Co gehörenden Haake-Beck Brauerei gebraut, die 1921 sämtliche Aktien der Hemelinger Actien Brauerei übernahm. Beck & Co gehört mittlerweile selbst zur belgischen Anheuser-Busch InBev. Im Dezember 2008 wurden die Markenrechte an das Achimer Unternehmen Getränke Ahlers verkauft, produziert wurde aber zunächst weiterhin bei Beck & Co. Seit Februar 2012 wird das Hemelinger Bier im Hofbrauhaus Wolters in Braunschweig gebraut. So geht das …

Bierkalender 2016: 1. Bis 6. Türchen

4. Maria Ehrenberger Pilgerstoff – 5,2 % Vol. – Will Bräu – Hochstiftliches Brauhaus in Bayern GmbH & Co. KG , Motten

Auch der werte Pilger will verpflegt sein und schaut (nicht nur) gelegentlich ins Glas. Nun die Brauerei liegt direkt am Fuße der berühmten Pilgerstätte „Maria Ehrenberg“ in der Rhön, daher der Name Pilgerstoff. Dieser „präsentiert sich in einer klaren Optik von dunklem Bernstein, kräftigen Röstmalzaromen und einer samtig weichen Schaumkrone.“ Auch dieses Bier zeigt sich vollmundig, also süffig und ist untergärig gebraut.

Unwillkürlich musste ich gleich an das Kreuzberger Klosterbier denken, dass ich vor vielen Jahren auf dem Kreuzberg, ebenfalls in der Rhön gelegen, im dortigen Kloster genossen habe.

„Den Ehrenberg hinauf pilgert ein langer Zug,
erst zur Kirche dann zum Krug.“

Und das erinnert mich an die Erkenntnis, die ich auf frühen Radtouren durch Norddeutschland gewonnen hatte: Dort, wo die Kirche ist, da ist auch ein Gasthof. Als durstiger Radfahrer, der sein Ziel erreicht hat, braucht man nur Ausschau nach der Kirchturmspitze halten.

5. Ayinger Kirtabier naturtrüb 5,8 % Vol.

Beim Kirtabier handelt es sich um eine untergärige, naturtrübe Saisonspezialität, die nach alter Tradition eingebraut und zu Kirchweih, einem der wichtigsten bayerischen Feiertage, ausgeschenkt wird. Die warme, kupferbraune Farbe und der malzaromatische Geschmack des Ayinger Kirtabiers werden durch das Zweimaischverfahren mit Schüttung aus dreierlei Malzen hervorgebracht. Besonders ist das leichte Aroma nach Orangen, reifen Äpfeln und Nüssen – das richtige Bier für den goldenen Oktober.

Mich erinnert es an Craftbiere, die oft als naturtrübe, also mit Hefe versetzte Biere daherkommen und meist einen fruchtigen Geschmack offerieren. Das Dorf Aying liegt südlich von München.

6. Winterhopfen – Festbier 5,3 % Vol. – Landskron Brau-Manufaktur Görlitz

Das erste Viertel meines Adventskalenders endet mit diesem Bier, das uns nach Görlitz, der östlichsten Stadt Deutschlands in der Oberlausitz führt.

Das elegante, untergärige Festbier ist für den besonderen Genuss in der Winterzeit. Ein Bier mit ausgewogenem Aroma, in dem die Malznoten harmonisch mit floralen Hopfendüften gepaart sind. Es verspricht einen Genuss mit vollem runden Körper, in dem eine feine Hopfenbittere perfekt eingebunden ist, und das mit einem vollen Malzkörper ausklingt.

Es ist „edel-süffig“ und im Stile eines klassischen Exportbieres gebraut. Schaut man auf die Website der Brauerei, dann verspricht diese einige interessante Biere der Gourmet-Klasse. Craftbiere lassen grüßen.

Natürlich bin ich jetzt gespannt, was da noch an wundersamen ‚Hopfenkaltschalen‘ auf mich zukommen wird. Bisher gab es zwar keine riesigen Überraschungen, aber auch keine geschmacklichen Pleiten. Lasse ich mich weiterhin überraschen – und sage Prost!

Bauplanung ‚Am Bahnhof 9/9a‘ in Tostedt (5): Beschluss des Ausschusses

An manchen Tagen sagt man sich am Abend, dass es besser gewesen wäre, im Bett zu bleiben. Aber dann gibt es auch Tage, da läuft alles wie geschmiert – so wie am letzten Donnerstag. Mein Zug zur Arbeit nach Hamburg war pünktlich. Auf der Arbeit gab es keine größeren Probleme, der Zug nach Hause war auch gut in der Zeit. Zudem stellte das Schweizer Fernsehen SRF endlich die 10. und letzte Folge der 1. Staffel der Serie Fargo ins Netz (dazu in den nächsten Tagen mehr …). So sollte auch der Abend eigentlich positiv verlaufen …

Lange Vorrede … Am Donnerstag fand die Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses der Gemeinde Tostedt statt. Und ziemlich am Anfang ging es im Tagesordnungspunkt 8 um den Antrag der Bauherrengemeinschaft Tostedt GbR, vertreten durch Herrn Behrens, Herrn Ehlers und Herrn Neumann aus Rotenburg (Wümme), auf Änderung des Bebauungsplans Nr. 22 „Karlstraße“ – also um das Bauvorhaben ‚Am Bahnhof 9/9a‘ in Tostedt.

Nach der Vorstellung durch die Herren Behrens (Bauplanung) und Dierks (stadtplanerische Aspekte) kam Herr Gerhard Netzel, Bürgermeister der Gemeinde Tostedt, gleich auf den kritischen Punkt zu sprechen. Wie bereits berichtet wurde auf eine Zuwegung von der Poststraße her verzichtet. Diese Anbindung soll nun lediglich als Fuß- und Radweg genutzt werden. Damit entfallen auch die PKW-Stellplätze im hinteren, an die Grundstücke in der Morlaasstraße angrenzenden Bereich. Allerdings ist das hintere Haus mit 10 Wohneinheiten näher an eben diese Grundstücke in der Morlaasstraße gerückt, was von den Betroffenen dort mit wenig Begeisterung aufgenommen wurde. Herr Netzel ‚empfahl‘, dieses Haus an das davorstehende ‚anzubinden‘ – „… oder ganz weg!“. Entsprechende Unterstützung bekam er von Frau Nadja Weippert von Büdnis 90/Die Grünen. Auch Herr Wolfgang Zahn von der CDU deutete Entsprechendes an.

Abb. 1: Konzept K – Am Bahnhof 9 – Tostedt © PGN
Abb. 1: Konzept K – Am Bahnhof 9 – Tostedt © PGN

Herrn Behrens, PGN bzw. Bauherrengemeinschaft Tostedt GbR, modifizierte daraufhin den Antrag: Das Haus soll nur halb so groß werden und eben wie angesprochen an das andere Haus angebunden werden. Damit würde sich dann auch die Anzahl der bisher geplanten 147 PKW-Stellplätze reduzieren. Im Nachgespräch gab es zwischen Anwohnern der Morlaasstraße und den Herren Neumann und Ehlern von der PGN hierum noch eine Diskussion. Herr Behrens bestätigte dann aber ausdrücklich die oben ausgeführte Änderung und zeichnete eigenhändig in eine Grafik diese Änderung ein (Abb. 3)

Frau Weippert stellte fest, dass dadurch u.a. die Bäume 14 und 15, die sonst gefällt werden sollten, erhalten bleiben könnten. Entsprechendes wurde dann auch protokolliert. Die Baumfällaktion soll übrigens – von Herrn Behrens später in einem informellen Gespräch geäußert – nicht mehr in diesem Jahr, sondern voraussichtlich im Januar oder Februar 2017 erfolgen. Herrn Neumann von der PGN versprach, die Anwohner in der Morlaasstraße zuvor entsprechen zu informieren.

Abb. 2: Planausschnitt mit Darstellung der begutachteten Bäume © PGN/Grewe Baumpflege - in rot von mir modifizierte Planung (halbes Haus 5 rückt an Haus 4)
Abb. 2: Planausschnitt mit Darstellung der begutachteten Bäume © PGN/Grewe Baumpflege – in rot von mir modifizierte Planung (halbes Haus 5 rückt an Haus 4)

Der geplante Spielplatz (in Abb. 3 aufgeführt) soll auf Vorschlag der Verwaltung entfallen. Dafür soll der Spielplatz in der Morlaasstraße ‚aufgehübscht‘ werden. Die Kontaktaufnahme der neu zugezogenen zu den ‚einheimischen‘ Kindern soll so erleichtert werden.

Abb. 3: Von Herrn Behrens eigenhängig eingezeichnete Änderung der bisherigen Planvorstellung © PGN
Abb. 3: Von Herrn Behrens eigenhängig eingezeichnete Änderung der bisherigen Planvorstellung © PGN

In der anfänglichen Vorstellung des Bauvorhabens durch Herrn Behrens wurde erklärt, dass die Häuser im Innenbereich barrierefrei sein werden, um besonders auch älteren Menschen Wohnraum zu bieten. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann werden im Hauptgebäude (die Häuserfront zur Straße ‚Am Bahnhof‘) Sozialwohnungen zum Preis von zz. 5,60 €/qm angeboten werden. Die anderen Häuser werden frei finanziert sein (Herr Behrens erwähnte bei der Informationsveranstaltung vom 09.06.2016 einen Preis von zz. 8 €/qm – jetzt wurden allerdings bereits 14 €/qm angesprochen).

Unter Berücksichtigung dieser Anpassungen wurde die Änderung des Bebauungsplanes Nr. 22 ‚Karlstraße‘ beschlossen. Ich denke, dass alle Seiten zufrieden sein können. Wie es am Ende aussieht, wird sich natürlich erst zeigen, wenn die Häuser stehen und die Mieter eingezogen sind.

Worte zum Wochenende (47. KW 2016): Advent, Advent

Nun ist es wieder soweit. Am Sonntag ist bereits der erste Advent und damit beginnt die Vorweihnachtszeit. Hektik kommt auf, weil bis zum Jahresende noch die zur Verfügung stehenden Gelder verbraten werden müssen (auf der Arbeit) und weil noch nicht alle Geschenke für die Lieben unter Dach und Fach gebracht worden sind (zu Hause). Da bleibt einem der Spekulatius im Hals stecken. Oder man verbrüht sich die Schnauze am viel zu heißen Glühwein. Ne, Leute, so nicht.

Worte zum Wochenende (47. KW 2016 – WilliZBlog)

Heute trifft sich meine Frau mit ‚ihren Damen‘, um Adventskränze zu flechten. Damit dies etwas leichter von der Hand geht, darf Glögg nicht fehlen. Immerhin ist eine ‚der Damen‘ aus Finnland stammend. Da trinkt man das Zeug traditionell in der Adventszeit (daher auch finnischer Glühwein genannt).

Ich werde mich emotionell auf das Nordderby HSV gegen SV Werder vorbereiten, das am Samstag stattfindet. Man spricht aus gegebenem Anlass bei diesem Klassiker des Nordens inzwischen auch gern vom Kellerduell. Auch Krisengipfel ist schön. Ich sehe mich schon am Samstagabend frustriert an den Griffelfortsätzen (Processus styloideus ulnae) knabbernd am Boden liegen (an den Fingern zu knabbern wage ich nicht, die sind schon wund). Und sollten die Bremer vielleicht doch tatsächlich Punkte aus Hamburg entführen, dann droht der Derby-Effekt. Ich mag gar nicht daran denken.

Werder Bremen: Alles für den Derbysieg!

Nun denn, ich wünsche ein schönes erstadventliches Wochenende!

Bauplanung ‚Am Bahnhof 9/9a‘ in Tostedt (4): Die Ausschusssitzung

Morgen Abend ist es soweit: Das Bauvorhaben „Am Bahnhof 9/9a“ in Tostedt steht als Tagesordnungspunkt 8 auf der Tagesordnung des Planungs- und Umweltausschusses der Gemeinde Tostedt. Die Sitzung findet um 18 Uhr in der Grundschule Tostedt, Poststraße 16 b, statt:

Bebauungsplan Nr. 22 „Karlstraße“, 2. Änderung
a.) Beschluss zur Einleitung einer 2. Änderung gemäß § 2 Abs. 1 BauGB in Verbindung mit § 13 a BauGB
b.) Beschluss zur Durchführung der öffentlichen Auslegung gemäß § 3 Abs. 2 BauGB
c.) Beschluss zur Durchführung der Behördenbeteiligung gem. § 4 Abs.2 BauGB

Am Ende dieser Ausschusssitzung soll die Änderung des genannten Bebauungsplanes stehen. Die Unterlagen mit der Schilderung des Sachverhaltes sind online abrufbar (alles in einer PDF-Datei).

Die Bauherrengemeinschaft Tostedt GbR, vertreten durch Herrn Behrens, Herrn Ehlers und Herrn Neumann aus Rotenburg (Wümme), hat mit Schreiben vom 28. Juli 2016 einen Antrag auf Änderung des Bebauungsplans Nr. 22 „Karlstraße“ eingereicht. Seit ca. Ende 2015 ist die Bauherrengemeinschaft Tostedt GbR Eigentümerin des Dörnbrack-Geländes. Die Stadtplanung und auch die Hochbauplanung werden vom Planungsbüro PGN aus Rotenburg (Wümme) erstellt, da u.a. Herr Behrens und Herr Neumann Geschäftsführer der PGN sind.

Konzept K – Am Bahnhof 9 – Tostedt © PGN
Konzept K – Am Bahnhof 9 – Tostedt © PGN

Die jetzige Planung sieht schon etwas anders aus als damals bei der Informationsveranstaltung der PGN vorgestellt. Auf eine Zuwegung von der Poststraße her wurde verzichtet. Diese Anbindung soll nun lediglich als Fuß- und Radweg genutzt werden. Damit entfallen auch die PKW-Stellplätze im hinteren, an die Grundstücke in der Morlaasstraße angrenzenden Bereich. Allerdings ist das hintere Haus mit 10 Wohneinheiten näher an eben diese Grundstücke in der Morlaasstraße gerückt, was von den Betroffenen dort mit wenig Begeisterung aufgenommen wurde.

Ich will hier nicht ins Detail gehen. Ein Punkt scheint mir aber doch sehr interessant zu sein. Es geht um die Möglichkeit des sozialen Wohnungsbaues. Im dem vorgefassten Sachverhalt zu diesem Bauvorhaben steht:

Im Zusammenhang mit der Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft im Landkreis Harburg hat die Verwaltung die Bauherrengemeinschaft auf die Möglichkeit des sozialen Wohnungsbaus hingewiesen. Die Schaffung von Mietwohnungen ist auch mit der vorliegenden B-Planänderung vorrangiges Ziel.

Der § 9 Absatz 1 Nr. 8 BauGB ermöglicht hierzu die Festsetzung von Flächen, auf denen nur Wohngebäude errichtet werden dürfen, die für Personengruppen mit besonderem Wohnbedarf bestimmt sind. In den B-Plänen können somit Flächen und Prozentanteile für den sozialen Wohnungsbau vorgesehen werden.

Bei der erwähnten Informationsveranstaltung der PGN verkündete Herr Behrens, einer der Geschäftsführer der PGN, dass Sozialwohnungen NICHT vorgesehen sind. Im Gegenteil: Aus den Gesprächen war abzulesen, dass die Wohnhäuser aller Voraussicht nach verkauft werden sollen, also als Spekulationsobjekte dienen könnten (siehe hierzu meine Beitrag Betongold). Ich bin gespannt, was hierzu bei der Ausschusssitzung herauskommt.

Willi will i

Ich erinnere mich noch an die Bundestagswahl Ende 1972, als Willy Brandt in seinem Amt als Bundeskanzler bestätigt wurde und die SPD mit 45,8 % der abgegebenen Wählerstimmen erstmals stärkste Bundestagsfraktion. Ein Ergebnis, wovon Sigmar Gabriel und Co. heute nur träumen können. An der Wand eines Hauses in der Bremer Innenstadt hatte ein Unbekannter ein Graffito hinterlassen mit der Inschrift: Willy will i – auf Hochdeutsch: Ich will Willy! Und es waren eben nicht wenige, die Willy (Brandt) wollten.

Willi unterm Volk

Nein, ich will das gar nicht auf mich beziehen. Eher hätte die Überschrift „Willi ist wieder da“ lauten sollen, denn ich habe mich fast fünf Wochen rar gemacht. Nicht, dass es mir an Themen gefehlt hätte. Da war ja die Wahl in den USA – dessen Ergebnis nicht nur mich sprachlos gemacht hatte. Und als Fan des SV Werder Bremen gab es in diesen letzten Wochen auch nichts zu lachen. Aber nein, das war es nicht.

Eigentlich weiß ich gar nicht, warum ich so sprachlos diese fünf Wochen blieb. Es war eher Faulheit, ein Maß von Gleichgültigkeit. Noch eher waren es die Sachen, die auf dem Zettel standen und endlich erledigt werden mussten, sodass keine Zeit für weitere Späße blieb.

Jetzt also dieses Lebenszeichen, damit keiner denkt, der Willi liegt in den letzten Zügen, macht schlapp, will nichts mehr von mir und dir wissen.

Obwohl … ein Quäntchen Trägheit kann nie schaden. Und ich muss ja auch nicht gleich übertreiben: Also ich lebe noch … und wünsch‘ Euch ‘was!

Anfang vom Ende des Metronom?!

Was ist los beim Metronom? Kaum aus dem Urlaub zurück muss ich erfahren, dass es z.B. auf der Bahnstrecke Bremen-Hamburg seit Montag, den 17.10., vorerst für zwei Wochen ein eingeschränkter Fahrplan gibt: „Um für alle Fahrgäste zuverlässig fahren zu können und überraschende Zugausfälle zu vermeiden, hat sich metronom dazu entschieden, in den nächsten 2 Wochen einzelne Zugfahrten zu streichen.“

Dem Verkehrsunternehmen fehlen qualifizierte Lokführer. Und bei der dünnen Personaldecke kommt es dann bei zusätzlichen Ausfällen wie Krankheit schnell zudem, was jetzt auf längere Dauer ‚planmäßig‘ ist: Zugausfälle! Und auch um den Fuhrpark ist es nicht dicke bestellt: Durch einen Rangierunfall fehlen dem metronom aktuell 2 Zugverbände. Dadurch sind nun auch die Fahrzeugreserven erschöpft, um alle geplanten Zugfahrten leisten zu können.

    der metronom – Verkehrsunternehmen in Niedersachsen

Es scheint, als schlüge die Privatisierung des Bahnverkehrs fehl. Um Personalkosten zu sparen, hätten nach Ansicht des Hamburger Bezirksvorsitzende der GDL (Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer) Hartmut Petersen die Unternehmen Ausbildung und Einstellung seit Jahren vernachlässigt. Not-Bereitschaftsdienst wie früher seien abgebaut worden, um Personalkosten zu sparen. Stattdessen seien Mitarbeiter immer kurzfristiger eingesetzt worden. Oder sie seien wie beim Metronom mit Prämien dazu gelockt worden, auf Ruhetage zu verzichten, um Lücken schnell noch zu füllen. – „Geld ist aber nicht alles, wenn es um die Gesundheit geht“, sagt Petersen. Bei Krankmeldungen finde man deshalb häufiger keinen Ersatz mehr. (Quelle: abendblatt.de)

Nach Einschätzung des Fahrgastverbandes „Pro Bahn“ verschärft sich die Situation beim Metronom zusätzlich durch eine „gewisse Unruhe“ im Unternehmen, wie der Pro-Bahn-Vorsitzende in Hamburg, Birger Wolter, vermutet. Es habe da sehr viele Wechsel im Management gegeben, zudem müsse die Metronom Eisenbahngesellschaft sich gerade heftiger Konkurrenz stellen, was ebenfalls Unsicherheiten schaffe.

So verlor das Unternehmen erst kürzlich die Strecke Cuxhaven-Hamburg an die DB Regio, die den Betrieb im Dezember 2018 übernehmen wird. Und im November werden die Strecken zwischen Göttingen, Hannover, Uelzen, Lüneburg und Hamburg sowie zwischen Hamburg, Buchholz, Rotenburg und Bremen neu ausgeschrieben. Eine Entscheidung über die Neuvergabe soll laut Rainer Peters, Sprecher der federführenden Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG). im Sommer 2017 fallen. Der Gewinner werde den Betrieb zum Fahrplanwechsel 2018 für voraussichtlich 15 Jahre übernehmen.

Auch anderen privaten Bahnunternehmen geht so langsam die Luft aus – wie z.B. der Nord-Ostsee-Bahn, die die Regionalverkehrsstrecke zwischen Hamburg und Sylt (ebenfalls) an die DB Regio verlor, die diese Strecke wieder ab Dezember 2016 bedienen wird.

Werder Bremen – die Nummer eins im Norden

Natürlich kann es in einer Woche schon wieder anders aussehen: Aber für mindestens diese eine Woche ist in Deutschlands Norden der SV Werder Bremen einmal wieder die No. 1 im Fußball – einen Punkt vor dem VfL Wolfsburg und sogar fünf Punkte vor dem HSV.

Nach der Startpleite in dieser Saison (vier Niederlagen am Stück) ist es den Bremern unter dem neuen Cheftrainer Alexander Nouri gelungen, sieben von neun Punkte einzuheimsen und sich von den Abstiegsplätzen zu lösen. Glück gehört den Tüchtigen. Und so war natürlich auch ein wenig Glück dabei, das Werder zz. auf den 13. Tabellenplatz brachte.

SV Werder Bremen – Leverkusen 2:1: Ousman Manneh nach dem Siegtreffer

Und ein wenig Märchen bezaubert außerdem die Fans: Der vor zwei Jahren aus Gambia nach Bremen geflüchtete Ousman Manneh, jetzt gerade 19 Jahre alt, war durch sein erstes Bundesligator zum 2:1 wesentlich am Sieg der Bremer gegen Leverkusen beteiligt.

Es heißt jetzt erst einmal wieder Durchatmen an der Weser. Aber die nächsten schweren Aufgaben warten auf die Spieler – bereits am Sonntag (15 Uhr 30) warten die Rasenballisten in Leipzig auf das Bremer Team. Und da geht’s nicht nur um angeblich beflügelndes Zuckerwasser.

44. Flohmarkt in Tostedt 2016 – Töster Markt

Und schon wieder ist es am Samstag (01.10.2016) soweit: Im kleinen Tostedt – halbwegs zwischen Bremen und Hamburg – findet seit 1973 immer am ersten Oktoberwochenende der größte Flohmarkt Norddeutschlands statt, kurz Töster Markt genannt. Töst heißt Tostedt auf Plattdeutsch.

Dieser Flohmarkt zieht nicht nur Besucher aus dem Umland an. Aussteller und Gäste kommen sogar aus dem benachbarten Ausland. Dänen, Holländer und Polen gehören seit vielen Jahren zum festen Bestandteil des Töster Marktes dazu. Rund 700 Aussteller bieten auf dem Flohmarkt auf ca. 6.580 Metern Standfrontfläche ihre Waren an.

Flohmarktplan als PDF zum Herunterladen

Und obwohl Regen eigentlich schon fast mit zum Töster Markt gehört, so dürfte Petrus in diesem Jahr vielleicht ein Einsehen haben: Es soll zwar bewölkt, aber überwiegend trocken bleiben. Hoffen wir das Beste …

Meine Frau ist mit ihrem Stand eigentlich schon seit Anfang an dabei. Zwischendurch gab es nur einige Jahre Babypause. Und auf der Suche nach Schnäppchen findet man auch fast immer unsere Söhne auf dem Markt. Da darf ich nicht fehlen. Meist mit Film- oder Fotokamera ausgerüstet habe ich immer wieder einige filmische Impressionen „aus dem Handgelenk“ unter dem Motto: Ründ üm de Kark vom Flohmarkt in Tostedt gesammelt – zuletzt 2015 auch endlich in Full HD:


Flohmarkt Tostedt 2015

Flohmarkt in Tostedt - Töster Markt 2011/ Luftbild von Markus Lohmann www.gyrocopter-fly.de

Flohmarkt in Tostedt – Töster Markt
Bilder aus den Jahren 2001, 2004, 2006, 2007, 2009 und 2010

siehe u.a. auch: Flohmarktfieber: Töster Markt 2009
Filmische Impressionen vom Flohmarkt in Tostedt 2011
Erste filmische Impressionen vom Flohmarkt in Tostedt 2001

Betongold

Die Kommunalwahlen in Niedersachsen liegen hinter uns. Viele der angetretenen Parteien versprachen, mehr Wohnraum zu schaffen und stellten dabei die Forderung nach ‚bezahlbarem Wohnen‘. Allerdings muss ein Mehr an Wohnraum nicht unbedingt mit dessen Bezahlbarkeit korrespondieren – wie wir es auf dem Immobilienmarkt beobachten können:

Mehrere Hunderttausend Deutsche sind in den vergangenen Jahren in die Großstädte und Uni-Städte gezogen, dort wurden aber bisher nicht genügend neue Wohnungen hochgezogen. Zugleich stecken viele Sparer und Investoren Geld in Wohnungen, 2015 war ein Rekordjahr auf dem Immobilienmarkt. Die Folge: In Hamburg stiegen die Mieten seit 2010 um 12 Prozent, in München um 14 Prozent, in Berlin um 26 Prozent. Diese Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft bilden nur den Durchschnitt – in den Innenstädten steigen die Mieten noch schneller. Dort verzeichnen die Gutachten für den Mieterbund auch die deutlichsten Verstöße gegen die Mietpreisbremse. (Quelle: NWZ online)

Hypothekenkredite sind wegen der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) historisch günstig. Für langfristige Darlehen lag der Zins Ende des zweiten Quartals nach Angaben der Deutschen Bundesbank im Schnitt bei gerade einmal 1,8 Prozent. Zugleich herrscht bei Investoren Anlagenotstand, weil viele Finanzprodukte wegen der Niedrigzinsen kaum noch etwas abwerfen. (Quelle: ÄrzteZeitung)

Auf der einen Seite wird Wohnraum dringend gesucht. Die Zuwanderung Hunderttausender Flüchtlinge nach Deutschland sorgt zudem dafür, dass mehr Unterkünfte gebraucht werden. Auf der anderen Seite wirft der Finanzmarkt kaum Erträge ab, sodass Anleger in so genanntes Betongold flüchten und auf steigende Immobilienpreise resp. Mieten setzen.

    Betongold

Daneben gehen die Aktien von Immobilienkonzernen wie ‚Deutsche Wohnen‘ oder ‚Vonovia‘ geradezu durch die Decke. Verantwortlich dafür sind die Minuszinsen bei Staatsanleihen, die etwa Versicherungen in die Immobilienaktien treibt. Zugleich profitieren die Immobilienkonzerne von den extrem niedrigen Zinsen und kaufen kräftig zu. Der Wohnungsmarkt wird zunehmend ‚industrialisiert‘ und gerät mehr und mehr in die Hände von Konzernen. Verlierer sind dabei Menschen, die in Ballungsräumen auf der Suche nach günstigem Wohnraum sind. Und trotz niedriger Zinsen wird es auch für den Häuslebauer immer schwerer, für sich erschwingbare Immobilien zu erwerben.

Was ist aber mit der Mietpreisbremse?

Seit Juni 2015 gibt es das Gesetz zur Mietpreisbremse, inzwischen gilt sie in Hunderten von Städten in 11 der 16 Bundesländer. Vermieter dürfen dort bei der Wiedervermietung nur noch zehn Prozent mehr als die ortsübliche Vergleichsmiete des Mietspiegels verlangen. Ausnahmen gibt es bei Neubauten, nach umfassender Modernisierung und wenn die Miete schon vorher höher war. Doch wer sich als Vermieter nicht an die Bremse hält, muss keine Nachteile fürchten. Fliegt er auf, muss er von dem Zeitpunkt an niedrige Einnahmen fürchten – Rückzahlungen oder Bußgelder nicht. (Quelle: NWZ online)

Dank Herrn Draghi, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank, und seiner Null-Prozent-Politik wird nicht nur die private Altersvorsorge vieler Bürger, wer die sich leisten kann, zum Fiasko, auch der Immobilienmarkt erfährt einen dramatischen Wandel, der durch die angesprochene ‚Industrialisierung‘ die Schere zwischen arm und reich weiter auseinanderklaffen lässt.

Unter diesen Aspekten sollten unsere Kommunalpolitiker ihr Versprechen, mehr und dabei bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, sehen. Ein möglicher und nach meiner Meinung durchaus guter Weg ist die Gründung einer Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft, an der u.a. die dem Landkreis Harburg angehörigen Kommunen und die Sparkasse Harburg-Buxtehude beteiligt sein sollen. „Mit einem Stammkapital von 45 Millionen Euro soll dieses Vorhaben umgesetzt werden, wovon der Landkreis 17 Millionen Euro, die Sparkasse Harburg-Buxtehude 4,5 Millionen Euro und die zwölf Kommunen gemeinsam 23,5 Millionen Euro beitragen. Mindestens 70 Prozent des Stammkapitals sind für die Gründung der Gesellschaft erforderlich. Davon will diese in einem Zeitraum von fünf Jahren im Landkreis 1.000 Wohnungen bauen. 30 Prozent sozialer Wohnungsbau sind darin vorgesehen.“ (Quelle: kreiszeitung-wochenblatt.de).

Ein anderer Weg wäre der, private Investoren ‚die Sache‘ machen zu lassen. Davon gibt es zz. in meiner Heimatgemeinde Tostedt scheinbar einige. Zum einen möchte das Ingenieurbüro Gottschalk in der Triftstraße 14 zwei Häuser mit je acht Wohneinheiten errichten, dafür allerdings den Ententeich im Herzen Tostedts dazu von 1.800 auf 800 Quadratmeter verkleinern. Die Mehrheit des Planungsausschusses teilte aber die Meinung der Bürger, die sich als „Teich-Verteidiger“ formiert haben: Der ortsbildprägende historische Teich dürfe auf keinen Fall verkleinert werden. (Quelle: kreiszeitung-wochenblatt.de).

Der Teich soll erhalten bleiben und dafür das Bauvorhaben etwas kleiner ausfallen: Es sollen acht allerdings luxuriös ausgestattete Wohnungen geplant sein, die dann für Otto Normalverbraucher wohl kaum bezahlbar sein dürften.

Inzwischen gibt es auch einen Bauantrag für das Grundstück Bahnhofstraße 25 in der Ortsmitte: Geplant war zunächst ein viergeschossiges, rund elf Meter hohes Wohn- und Geschäftshaus mit einer 30 Meter breiten Gebäudefront. Zu wenige Parkplätze, ein zu massives und zu hohes Gebäude und nicht berücksichtigte, geschützte Bäume – der Planungsausschuss fordert Nachbesserung. Nun soll statt der 30-Meter-Straßenfront nur noch eine Gebäudebreite von 18 Metern verbaut und ein größerer Abstand zur Straße eingehalten werden. Der geänderte Plan sieht auch den Erhalt der großen Kastanie vor. Das oberste Geschoss soll versetzt, in der Fachsprache „abgetreppt“ werden. Entstehen könnten in der Bahnhofstraße 25 ca. 20 Zwei- bis Vierzimmer-Wohnungen mit Balkons bzw. Terrassen und fünf Gewerbe-Einheiten. Bei der nächsten Sitzung des Planungsausschusses am 24.11. kommt dieses Bauprojekt erneut auf die Tagesordnung. Ob diese Wohnungen bezahlbar sein werden, danach scheint niemand zu fragen.

Vom Bauvorhaben Am Bahnhof 9/9a in Tostedt habe ich hier an derer Stelle schon öfter geschrieben. Wie es aussieht, so ist die Mehrzahl der Ratsmitglieder der Gemeinde Tostedt begeistert von dem Bauvorhaben, denn gleich 100 Wohneinheiten in der unmittelbaren Nähe des Bahnhofs, was will man mehr. Die kleinen Tücken übersieht man dabei ganz schnell. Eine der Tücken ist, dass dieses Bauvorhaben von acht Wohnhäusern ganz offensichtlich als Anlageobjekt für Investoren vorgesehen ist. Zwar wurde vom jetzigen Bauherrn eine Miete von 8 € pro qm versprochen. Aber wird es dabei auch am Ende wirklich bleiben? Für Investoren gilt der Grundsatz der Gewinnmaximierung. Und wenn der Markt es hergibt, dann dürften die Mieten auch hier schnell in die Höhe schießen. Davon, einen Teil als Sozialwohnungen auszuweisen, wollte der Bauherr nichts wissen.

Letztlich sei es Sache der Politik, zu entscheiden, wie Tostedt sich entwickeln soll, so Samtgemeinde-Bürgermeister Dr. Peter Dörsam. Es gab schon einmal politische Entscheidungen in Tostedt, die leider in die falsche Richtung gingen (Stichwort Krech-Siedlung). Tostedt ist keine Stadt, wenn wohl auch einige Politiker vieles dafür tun, den Stadtstatus für den Ort zu bekommen. Der ländliche Charakter überwiegt nun einmal. Und daran sollten sich geplante Bauvorhaben halten. Das gilt für Haushöhe, für die Gesamtgröße des Objektes wie auch für den Baustil.

Ja, die Politik hat es in der Hand, wohin sich ein Ort wie Tostedt entwickelt. Wünschen wir ihr ein hoffentlich glückliches Händchen bei ihren Entscheidungen. Immerhin ist an den letzten Entscheidungen z.B. des Planungsausschusses der Gemeinde Tostedt zu erkennen, dass dieser nicht jeden planerischen Größenwahn mitmacht.

In diesem Zusammenhang sei auf die undurchsichtigen Machenschaften beim Verkauf der bayerischen GBW-Gruppe, einer der mit rund 30.000 Wohnungen größten Wohnungsgesellschaft in Süddeutschland, hingewiesen. Lt. Markus Söder, dem bayerischen Finanzminister, sollte die GBW bayerisch bleiben. Eine Recherche des Bayerischen Rundfunks (BR) ergab aber, dass die Suche nach den Investoren ins europäische Steuerparadies Luxemburg und in die Niederlande führe. Im Zentrum steht ein geschlossener Immobilienfonds. Das Ganze diene einer „aggressiven Steueroptimierung“. Und die Mieter? „In München-Moosach leben Menschen, die sich andere Viertel der Stadt schon lange nicht mehr leisten können. Jetzt werden die Wohnblöcke von der GBW modernisiert. Die Mieten steigen.“ – „Beim GBW-Deal bewahrheiten sich die schlimmsten Befürchtungen: Sozial schwache Mieter fühlen sich durch Mieterhöhungen und Schikanen zum Ausziehen gedrängt.“ (siehe und höre hierzu den Podcast auf Bayern2: Die Akte GBW bzw. siehe: Die GBW-Affäre).

In letzter Sekunde

Es war schon kaum mitanzusehen, wie der SV Werder Bremen sein Spiel zu Hause mit 1:2 gegen den FSV Mainz 05 verlor. Lange führte man mit 1:0, die ersten Punkte winkten. Dann die 87. Minute: Ausgleich für Mainz und zuletzt die 2. Nachspielminute: der Siegtreffer für die Mainzer. Bitter, bitter …

Aber warum sollte es nicht auch andersherum gehen: Gegen den VfL Wolfsburg führten die Gäste durch ein unglückliches Eigentor der Bremer. Dann aber fast die Parallele: In der 86. Minuten schafft Werder durch den eingewechselten Lennart Thy den Ausgleich und dank eines Kopfballtores durch Theodor Gebre Selassie nach Eckball des ebenfalls eingewechselten Niklas Schmidt, dem U23-Spieler, in der ersten Nachspielminute sogar den Treffer zum ersten, wohlverdienten Sieg. Ein Sieg quasi in letzter Sekunde.

Interimstrainer Alexander Nouri umarmt den Schützen zum Siegtreffer, Theodor Gebre Selassie, beim 2:1 gegen Wolfsburg

Ich habe noch nie einen Trainer dermaßen jubeln gesehen. Wie ein wildgewordenes Rumpelstilzchen sprang Alexander Nouri, zunächst als Interimstrainer berufen, über den Platz und umarmte seine Spieler. Man konnte förmlich mitansehen, wie der Frust der letzten Wochen wie eine schwere Last von den Spielern abfiel.

Manchem Werder-Fan mag es gewundert haben, mit welchen Spieler Nouri sein Team auflaufen ließ. Neben Niklas Schmidt, der wohl noch nicht einmal einen Profivertrag hat, waren da Milos Veljkovic und Ousman Manneh, dem Flüchtling aus Gambia, die Nouri aus seiner Arbeit mit der U23-Mannschaft kennt. Und die machten einen durchaus guten Job. Warum also nicht?!

Nach der Entlassung von Viktor Skripnik als Cheftrainer hat es Alexander Nouri tatsächlich geschafft, der Mannschaft wieder Selbstvertrauen einzuflößen. Die Spieler sind von ihm begeistert, wie es scheint. Ob er nun bleibt, so wie vor knapp zwei Jahren Skripnik, der zuvor ebenfalls die U23-Mannschaft trainierte, ist noch lange nicht sicher. Es wird sicherlich auf die nächsten Spiele ankommen, so wie am Samstag in Darmstadt. Ähnlich wie bei Skripnik, so fehlt Nouri die Erfahrung. Aber bisher hat er alles richtig gemacht. Und da der Markt bisher keinen Trainer hergibt, der zu Werder passen könnte, so sollte man Nouri die Chance geben, sich und seine Begeisterungsfähigkeit weiterhin einzubringen. Ich gönne es ihm.

Ach ja: Bruno Labbadia hat es jetzt doch beim HSV erwischt. Und dabei hätten seine Mannen gegen die Bayern fast einen Punkt geholt. Pech gehabt. Ist ja eben der HSV …