Film der Woche: Harter Brocken (2): Die Kronzeugin (2017)

Der Harz ist eigentlich eine beschauliche Gegend, ein Mittelgebirge mit Schnee im Winter. An der Bauweise der Häuser ist nicht nur für Kenner zu ersehen, dass es sich um den Harz handelt. Der Harz hat einen ganz eigenen Charakter. Vor nun bereits sieben Jahren (2010) war ich mit meiner Familie in der Vorweihnachtszeit für ein langes Wochenende in Clausthal-Zellerfeld und Goslar. Und vor 20 Jahren (1997), als unsere Söhne noch klein waren, verbrachten wir sogar die Weihnachtstage im Harz – in Wernigerode.

Hier nun, genauer in Sankt Andreasberg und Umgebung, soll es Mord und Totschlag ohne Ende geben? Der Brocken ist mit über 1141 m Höhe nicht nur der höchste Berg des Harzes, sondern von ganz Norddeutschland. Und der Brocken, den viele auch als Blocksberg kennen, ist der Namensgeber einer kleinen Krimireihe, deren 2. Folge Ende November lief (die 3. Folge wird am 25.12. ausgestrahlt). Gleichzeitig ist der Serienname natürlich auch eine Anspielung auf die harten Dinge, die uns oft im Leben den Weg versperren.

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Frank Koops hat im zweiten Harz-Krimi ordentlich zu tun. Schlau nutzt der tiefgründige, aber wenig treffsichere Dorfsheriff den Vorteil, dass ihn die Bösen zunächst unterschätzen und für einen Trottel halten.

Ein Blutbad im Harz. Fünf Tote, zwei Killer, drei LKA-Beamte. Und Frank Koops (Aljoscha Stadelmann), der Dorfpolizist, der es lieber beschaulich mag, mittendrin. Jetzt hat der auch noch eine Kronzeugin an der Backe, die er am nächsten Tag zur Verhandlung bringen soll. Das hat ihr seine Jugendliebe „Kuschel“ alias Christiane Kuschnereit (Anja Kling) vom LKA aufgetragen, bevor sie ihren Verletzungen erlag. Aus Sicherheitsgründen hat sie die Frau, die gegen den mafiosen Mörder ihrer Schwester aussagen soll, von einer Polizistin doubeln lassen. So hat nun ausgerechnet jene Matilda Schönemann (Alwara Höfels) den Anschlag auf sich als einzige überlebt. Und damit hat sich Kuschnereits Vermutung bestätigt, dass es einen Maulwurf im LKA geben muss. Dass es mit Benedikt (Johannes Krisch), Gottschalk (Stephan Grossmann), Monzen (Michael Klammer) und Hofmann (Matthias Bundschuh) gleich vier korrupte LKA-Beamte sind, die auf der Gehaltsliste des Mafia-Bosses stehen, macht die Sache für „Frankie“ nicht leichter. Allerdings könnte dieser notfalls tatkräftige Unterstützung erwarten von Mette (Anna Fischer), der neuen Kollegin aus dem Nachbarrevier, die gerade erst am Schießstand ihre außerordentliche Treffsicherheit unter Beweis stellen konnte, und von seinem Freund Heiner (Moritz Führmann): der ist zwar Briefträger, aber auch Schützenkönig, Waffennarr und absoluter Wyatt-Earp-Experte. 23 Schüsse in weniger als einer Minute. Das gab es nicht einmal im Wilden Westen. Aber in St. Andreasberg! (Quelle: tittelbach.tv)

Harter Brocken (2): Die Kronzeugin (2017) – Link auf Webseite – direkter Link auf das Video (Download) – Verfügbar bis 25.02.2018

Ich liebe Krimis mit viel Lokalkolorit. Dass gerade der Harz Mittelpunkt einer Mördergeschichte ist, überrascht dann sicherlich doch. Aber genau das macht diesen Krimi (und die ganze Serie) aus: Landschaft und Leute (ähnlich wortkarg wie die Menschen an der Küste) geben dem Ganzen den nötigen Rahmen. Aljoscha Stadelmann als Polizist Frank Koops ist dabei der Dreh- und Angelpunkt. ‚Beschaulich und übersichtlich – so liebt es Frank Koops (Aljoscha Stadelmann), der ebenso herzensgute wie beherzte Polizist. Aber unterschätzen sollte man ihn nicht.‘

Der Film besticht durch eine Reihe wirklich bemerkenswerter Szenen. Da ist das Blutbad mit insgesamt fünf Toten. Wie dies umgesetzt wurde, ist filmische Kunst. Und dann die ‚gleichermaßen spannende und lakonisch ironische Szene im Hotelzimmer‘, als einer der korrupten LKA-Beamten sein Leben aushaucht. Zum Ende hin gibt es dann noch einen Showdown auf der Brücke einer Talsperre – ganz in Westernmanier.

Holger Karsten Schmidt (Drehbuch) und Florian Baxmeyer (Regie) haben wir schon so manches Highlight im deutschen Fernsehen zu verdanken.

Und der Schnee im Film ist echt … 😉

Ich freue mich schon auf die dritte Folge der Serie: Der Bankraub (am 25.12.2017 in der ARD).

(Wiederholter) technischer Hinweis: Ich getraue und bediene mich der Mediatheken Öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten (zusammen mit dem direkten Link auf den Film zum Herunterladen). Zudem bediene ich mich eines Videoplayers, der das Plugin Adobe Flash benötigt. Solltet Ihr damit Probleme haben, so findet Ihr hier auch immer den direkten Link auf die Webseite mit dem Video der entsprechenden Sendeanstalt.

50 Jahre Jethro Tull

Eigentlich sollte es noch bis zum 2. Februar 1968 dauern (meinem 14. Geburtstag), dass eine Gruppe namens Jethro Tull zum ersten Mal unter diesem Namen im wohlbekannten Marquee Club in der Wardour Street 90 zu London auftrat. Aber bereits heute vor 50 Jahren, am 14. Dezember 1967, war es eine Gruppe von vier Musikern, die unter dem Namen ‚Bag O’Blues‘ als Vorgruppe der Beatband The Remo Four, die zu Beginn der 1960er Jahre zu den wichtigsten Gruppen der englischen Beatszene zählte und u.a. regelmäßig in der TV-Musikshow Beat-Club auftrat, im Marquee Club ihr Debut gab. Es waren Ian Anderson, Mick Abrahams, Clive Bunker und Glenn Cornick – die line-up, die dann auch unter dem Namen Jethro Tull bekannt wurde.

Ian Anderson und Glenn Cornick hatte bereits am 19. Juni 1967 mit der Gruppe ‚John Evan Smash‘ (zuvor John Evan Band) ihr Debut im Marquee Club gegeben. Am 21. Oktober 1967 trafen die beiden dann Mick Abrahams von der Gruppe McGregor’s Engine in Luton, die als Vorgruppe von John Evan Smash auftrat, zum wahrscheinlich ersten Mal. Eine Einladung, bei John Evan Smash mitzuspielen, lehnte Abrahams damals noch ab. Wenig später war es dann aber soweit. Ian Anderson, Glenn Cornick, Mick Abrahams und als vierter Clive Bunker gründeten – in London angekommen – eine Band, die unter einer Vielzahl von Namen, u.a. ‚Ian Henderson’s Bag O’Blues‘, ‚Candy-Coloured Rain‘ (ging wohl über einen Namensvorschlag nicht hinaus), ‚Navy Blue‘ oder ‚The Four Fingers‘ ihr Publikum suchte. Und auch der Name ‚Jethro Tull‘ wurde bereits zeitweise benutzt.

Als die Gruppe dann am 2. Februar 1968 unter dem Namen Jethro Tull im Marquee Club auftrat, was es ihr Durchbruch. Von diesem Tag an blieb es bei diesem Namen.

Die Auftritte von Jethro Tull sind ziemlich genau bei ministry-of-information.co.uk dokumentiert (und auch die Ära davor). Die ersten Plattenaufnahmen stammen eigentlich aus der Zeit zwischen ‚John Evan Smash‘ und der späteren Gruppe Jethro Tull (siehe hierzu meinen Beitrag Jethro Tull: Blues For The 18th) und wurden Ende Oktober 1967 in den EMI Studios, Abbey Road aufgenommen, am 22.10.1967 das Lied ‚Aeroplane‘, wahrscheinlich auch ‚Blues For The 18th‘ (siehe auch meinen Beitrag: Abbey Road, London, City of Westminster NW8, UK).


(Prä-)Jethro Tull: Blues For The 18th (1967)

Jethro Tull live im Hyde Park, London am 29.06.1968
Jethro Tull live im Hyde Park, London am 29.06.1968

Am 6. Juli 1968 berichtete der Melody Maker von einem ‚free pop concert‘ aus dem Hyde Park, das am Samstag, dem 29. Juni 1968 stattfand und bei dem vor rund 7000 Zuschauern die Gruppen Pink Floyd, Tyrannosaurus Rex (später T. Rex), Roy Harper und Jethro Tull auftraten: ‚Peace, music and sunshine were the only results …‘. ‚It was a beautiful experience. There was no trouble at all and I only saw two policemen – at a distance, looking baffled and wondering what it was all about!‘, wie ein Zuschauer meinte. Es war das erste Open Air-Konzert dieser Art in Großbritannien. Jethro Tull spielte Stücken von der ersten LP: Cat’s Squirrel, Serenade To A Cuckoo, Stormy Monday, Dharma For One. Vor und nach diesem Konzert ergaben sich viele Auftriite – u.a. erneut im Marquee Club. Jethro Tull war beim Zuhörer angekommen.

Türchen für Türchen

Türchen für Türchen ‚hangeln‘ wir uns in diesen Tagen durch den Adventskalender um das Ziel, Weihnachten, zu erreichen. Dieses Jahr bin ich für mich kalenderlos. Dafür hat meine Frau einen Adventskalender des Lions Club erworben, dessen Erlös Kindern und Jugendlichen in unserer Region zu Gute kommt. Von diesen Kalendern gab es 6000 Exemplare, die alle einen Abnehmer fanden. Statt etwas Süßem gibt es 550 Preise im Wert von ca. 20.000 Euro zu gewinnen. Schauen wir mal …

Nun die halbe Strecke (adventskalendermäßig) haben wir bereits bewältigt (und noch nichts gewonnen – aber die fetten Gewinne kommen ja erst noch), da wird es Zeit, die letzten Geschenke zu besorgen. Viel wird es in diesem Jahr nicht sein. Wir schenken uns Stunden des Beisammenseins (auch mit den Söhnen), nämlich eine Urlaubsreise. Und was schenkt Ihr Euch so (neben Aufmerksamkeit und all dem Vielen, das kein Geld kostet, aber umso lieber entgegengenommen wird)?

Wenn’s denn doch etwas käuflich zu Erwerbendes sein muss, dann sollte es vielleicht etwas Sinnvolles sein. Aus diesem Blog heraus kann ich da nur etwas empfehlen, das gewissermaßen zu dem einen oder anderen Thema passt. Da wäre zunächst etwas Musikalisches und vornweg Jethro Tull. Die Gruppe gibt es eigentlich nicht mehr, wenn ihr Mastermind Ian Anderson natürlich auch das 50-jährige Bestehen entsprechend zu feiern gedenkt. Unter dem Namen der Gruppe hat Herr Anderson vor geraumer Zeit auch das Album Jethro Tull: The String Quartets veröffentlicht. Zusammen mit dem Carducci Quartet hat Ian Anderson einige der bekanntesten Jethro Tull-Lieder in der Krypta der Kathedrale von Worcester und in der St Kenelm’s Kirche zu Sapperton, Gloucestershire, aufgenommen. Arrangiert wurde die Musik vom derzeitigen Keyboarder der Gruppe, John O’Hara. Ian spielt seine Flöte auf vielen der Stücke und wagt sich auch gesanglich an einigen Liedzeilen. Hätte er letzteres unterlassen, das Album wäre um einiges besser geworden.

Ian Anderson mit John O’Hara und dem Carducci Quartet © James Anderson
Ian Anderson mit John O’Hara und dem Carducci Quartet © James Anderson

Nach Aussage von Ian Anderson ist dieses Album “perfect for lazy, long sunny afternoons, crisp winter nights, weddings and funerals.” He forgot to add, perfect also after a night of wild, abandoned sex or to celebrate the win of your favourite football team. Also auch etwas für knackig (kalte) Winterabende! (Und Werder hat ja auch wieder gewonnen!).

Auch wenn sich die Geister an Martin Walser scheiden, so ist und bleibt er doch einer meiner Lieblingsautoren. Das kleine Büchlein Nirgends wäre ich lieber als hier: Mit Martin Walser unterwegs am Bodensee ist so etwas wie eine Einstiegslektüre in das Werk Walsers. Wie der Titel fast schon verrät, steht im Mittelpunkt der Bodensee, die Heimat des Autoren. Es enthält kurze Auszüge aus seinem Werk und macht reichlich Appetit auf diese Landschaft rund um den See.

Als Videofilmer und Sammler von Filmen komme ich nicht herum, die entsprechenden Speichermedien zu besitzen. Neben der internen Festplatte meines Rechners ist inzwischen auch eine drei Terabyte große externe Festplatte fast vollständig belegt. So wird es also Zeit, mir eine weitere Festplatte zuzulegen:

Zuletzt noch ein kulinarischer Hinweis (durchaus auch in eigener Sache). Meine beiden Söhne sind Veganer. Und so verzichten auch meine Frau und ich zunehmend auf den Konsum von Fleisch. Natürlich sind wir nicht ganz so streng, trinken aber statt tierischer Milch gern solche auf pflanzlicher Basis (weniger Sojamilch, eher Hafer-, Mandel- oder Hirsemilch; auch Cashewmilch ist lecker). Aufs Frühstückei am Wochenende verzichten wir eher ungern. Statt Honig gibt es jede Menge Alternativen – von Agavendicksaft (Sirup) bis hin zu Ahornsirup. Wer Lust verspürt, den ersten Schritt zu wagen, dem stehen viele Kochbücher zum Thema bereit.

Und wem das alles nicht ‚schmeckt‘, wird sich vielleicht mit einem Gutschein behelfen:

Film der Woche: Ein Lächeln nachts um vier (2017)

O je, du Fröhliche – da komme ich nun doch tatsächlich mit einem Film aus dem ZDF-Herzkino, also einem Liebesfilm mit viel Herz und Schmerz. Ich bin auf diesen Film gestoßen, weil er einige schöne Bilder von Hamburger Weihnachtsmärkten bietet. Und warum sollte ich in der Vorweihnachtszeit zusammen mit meiner Frau an einem draußen kalten und leicht verschneiten, in der guten Stube aber warmen Samstagabend nicht auch einmal einen solchen Film gucken, zumal auch der Grimme-Preis-Juror Tittelbach viereinhalb von sechs möglichen Punkten vergab, was für einen Film dieser Gattung außergewöhnlich viel ist.

Dezember in Hamburg: Die Stadt erstrahlt im Lichterglanz. Jule hat ihr Jura-Examen endlich in der Tasche und einen genauen Plan für ihr Leben. Die charmante Zufallsbegegnung mit Max passt da so gar nicht rein.

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Okay, mein Bedarf an Liebesfilmen ist damit erst einmal für längere Zeit gedeckt. Und doch hat er mir ganz gut gefallen – trotz des vielen Kunstschnees, der immer wieder, wenn es die Dramaturgie zu erfordern schien (Blick aus dem Fenster), vom Himmel fiel. Wahrscheinlich lag es an den Schauspielern, die nicht so gekünstelt daher kamen, sondern in ihrer sympathischen Art durchaus natürlich agierten. Also Lust auf Herz und Schmerz?

Ein Lächeln nachts um vier (2017) – Link auf Webseite – direkter Link auf das Video (Download) – Verfügbar bis 09.03.2018

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Film der Woche: Der Gott des Gemetzels (2011)

Der Film dieser Woche ist eine Schwarze Komödie von Roman Polański aus dem Jahr 2011. Der Film basiert auf dem preisgekrönten Theaterstück Der Gott des Gemetzels der französischen Dramatikerin Yasmina Reza. In einer der Rollen brilliert Christoph Waltz.

Zwei Elfjährige prügeln sich auf einem Spielplatz, einem der beiden Jungen werden dabei Zähne ausgeschlagen. Die Eltern des „Opfers“, Penelope und Michael haben die Eltern des „Übeltäters“, Nancy und Alan, eingeladen, um den Vorfall wie vernünftige Menschen zu klären.

Was als friedlicher Austausch über Zivilisation, Gewalt und die Grenzen der Verantwortlichkeit beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem Streit voller Widersprüche und grotesker Vorurteile. Und schließlich platzt die dünne Haut der bürgerlichen Kultiviertheit auf: Vier Erwachsene geraten aus der Fassung.

Brutal und rücksichtslos werden Grenzen überschritten, provoziert und schließlich deutlich, dass sie alle hinter ihrer zivilisierten Maske einen „Gott des Gemetzels“ anbeten. Auf dem Schlachtfeld dieser Tragikomödie versinkt am Ende nicht nur ein Handy in der Tulpenvase …

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Der Gott des Gemetzels (2011)– Link auf Webseite – direkter Link auf das Video (Download) – Verfügbar bis 28.02.2018

Meine Arbeitsstätte als Filmkulisse (Die Kanzlei – Folge 24)

Leider kann ich nicht behaupten, dass Rechtsanwälte zu meinen besten Freunden gehören. Irgendwie habe ich zu denen ein ähnlich ambivalentes Verhältnis wie zu Versicherungsvertretern und Zahnärzten. Da sollte es überraschen, wenn ich gestehe, dass mir seit einigen Jahren eine TV-Serie, in der Rechtsanwälte die Hauptrollen spielen, ganz gut gefällt. Allerdings verhalten sich diese Anwälte nicht so, wie wir es meist von ihnen erwarten, also als solche, denen das Rechtbekommen weit vor Gerechtigkeit geht. Begonnen hat die Serie unter dem Namen „Der Dicke“ im Jahr 2005, als Gregor Ehrenberg (Dieter Pfaff) lange Jahre nur ein Ziel hatte – ein möglichst erfolgreicher Anwalt zu sein. Mit Mitte 50 besinnt er sich aber darauf, was ihn ursprünglich dazu veranlasst hatte, Anwalt zu werden: Er wollte den Menschen helfen. Und so steigt er aus seiner ursprünglichen Kanzlei aus, lässt mehrere finanzielle Schwergewichte sausen und zieht nach Hamburg-Altona, um sich für die Sorgen und Nöte vor Ort einzusetzen.

Die Serie dauerte vier Staffeln zu je 13 Folgen und ging bis 2012. Während der Dreharbeiten zur 5. Staffel der Serie Der Dicke verstarb der Hauptdarsteller Dieter Pfaff am 5. März 2013 an Lungenkrebs. Nach dem Tod des Protagonisten wurde bekannt, dass Herbert Knaup neben Sabine Postel neuer Hauptdarsteller wird. Die Serie wurde unter dem Titel Die Kanzlei fortgesetzt.

Eingang zum DRK Suchdienst Standort Hamburg

Seit 2015 gibt es jetzt also diese Nachfolgeserie und läuft zz. in der dritten Staffel (insgesamt 28 Folgen). Für eine der neuen Folgen wurde nun meine Arbeitsstätte zur Filmkulisse. Am Mittwoch, den 29.03.2017, wurden von ca. 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr die entsprechenden Szenen gedreht. Für den o.g. Zeitraum wurde das Schild “Jugendamt” (genauer: Bezirksamt Hamburg – Fachamt Jugend- und Familienhilfe) an der Fassade befestigt (mit Klebeband). So wurde also aus dem Suchdienst für kurze Zeit eine Behörde.

Eingang zum DRK Suchdienst Standort Hamburg

Eingang zum Bezirksamt (Suchdienst)

In Folge 24 „Nacht und Nebel“, die am 7. November d.J. (in der ARD-Mediathek leider nicht mehr verfügbar) ausgestrahlt wurde, ist für gut sechzig Sekunden die Fassade meiner Arbeitsstätte zur Filmkulisse geworden. Eine Szene spielt dabei unmittelbar vor den Fenstern meines Büros.

Gespräch direkt vor den Fenstern meines Büros

Es ist nicht das erste Mal, dass in der Amandastraße bzw. in deren Nähe Filmausnahmen gemacht wurden. Überhaupt stolpert man in einer Großstadt wie Hamburg öfter über Filmteams. Und vor einigen Jahren wurde ich auch schon einmal selbst für wenige Sekunden für einen Filmbericht interviewt. Und noch viel früher kann man mich die Mensa der Universität Hamburg (Mensa Campus Von-Melle-Park) in einer Reportage betreten sehen. Zum Filmstar reicht so etwas natürlich nicht.

Hamburg – Amandastraße

Bayerische Querschläger

Es grenzt an Irrsinn, was die CSU in diesen Tagen treibt. Nach den ungaren Attacken von Herrn Dobrindt gegen die Grünen bei den dann gescheiterten Jamaika-Sondierungen, ist es nun der geschäftsführende Agrarminister Christian Schmidt (CSU), der mit JA für eine weitere Zulassung des umstrittenen Unkrautgifts Glyphosat in der EU stimmt. Schmidts Votum sei ein „glatter Vertrauensbruch“ und widerspreche auch der Geschäftsordnung der Bundesregierung, sagte SPD-Vize-Chef Ralf Stegner in der ARD. Er sprach von einem „ordentlichen Schlag ins Kontor“. Da die SPD vorher klar Nein zu einer weiteren Zulassung gesagt habe, hätte Schmidt sich in dem EU-Gremium enthalten müssen.

Aus Regierungskreisen hieß es, Schmidt habe aus eigener Initiative heraus entschieden. Ob Merkel informiert war, blieb zunächst offen. Wo Glyphosat ausgebracht wird, wächst kein Gras mehr – auch kein Kraut, Strauch oder Moos.

Die bisherige Zulassung für Glyphosat läuft am 15. Dezember aus. Bei einer ersten Abstimmung am 9. November hatte sich die Bundesregierung enthalten, weil das Umweltministerium als eines der beiden federführenden Ressorts gegen die Verlängerung war. Weil damals die nötige qualifizierte Mehrheit für die Glyphosat-Verlängerung nicht erreicht wurde, musste am Montag erneut im sogenannten Berufungsausschuss abgestimmt werden. Hendricks ging davon aus, dass sich die Bundesregierung auch dort enthalten würde.

Präsident Emmanuel Macron erklärte am gestrigen Abend, er wolle Glyphosat in Frankreich „spätestens in drei Jahren“ verbieten.

Kaum sind Gespräche zwischen der Union und der SPD über eine nun vielleicht doch mögliche große Koalition in Gang gekommen, da torpediert wieder ein CSU-Oberster die Verhandlungen. Die CSU ist offensichtlich zu Koalitionen nicht fähig. Frau Merkel muss sich fragen, ob es noch Sinn macht, mit der Schwesterpartei zusammenzuarbeiten.

Ich will nicht spekulieren, aber so langsam läuft alles auf Neuwahlen hin. Eine Koalition CDU (ohne CSU), SPD und Grünen wird an Frau Merkel scheitern, wenn diese auch die zz. sinnvollste wäre.

Film der Woche: Tatort (1037): Böser Boden (2017)

Es ist, als wolle man aus einer Zitrone noch den allerletzten Tropfen Saft pressen. Der neueste Tatort hatte Fracking (genauer: Hydraulic Fracturing) als Thema gewählt, eine Methode, mit der gewissermaßen auch der letzte Tropfen Erdöl oder der letzte Hauch Erdgas dem Erdboden entrissen werden soll.

Leider ist dieser Tatort, ich gebe es zu, wenig zufriedenstellend. Der bzw. die Täter des Mordes wurden zwar ermittelt, aber wer eigentlich Schuld an den offensichtlichen Vergiftungen der Landbevölkerung hat, blieb im Dunkeln. Die Behörden werden sich schon darum kümmern. Zwar sind die Anleihen beim Fantasyhorror ganz witzig, wirken aber im typischen Krimi-TV-Realismus eher wie Fremdkörper.

Im ländlichen Niedersachsen wird ein Mann brutal ermordet aufgefunden: Arash Naderi ist erst vor einigen Monaten aus dem Iran nach Deutschland migriert. Für die Ermittler Julia Grosz und Torsten Falke deutet einiges darauf hin, dass es sich um einen politisch motivierten Mord handeln könnte; möglicherweise ist der Tote einer rechten Gewalttat zum Opfer gefallen.

Wie Falke und Grosz schnell herausfinden, wurde Arash Naderi in der Zeit vor seinem Tod tatsächlich bedrängt. Und zwar von Bauern und Öko-Aktivisten aus der Gegend, deren Rädelsführer auch schon öfter in Konflikt mit dem Verfassungsschutz geraten ist. Er veranstaltet regelmäßig Treffen in seiner Scheune und ist bekannt dafür, Leute aufzuhetzen. Falke und Grosz finden bald heraus, worum es bei diesen konspirativen Treffen geht. Die Bauern entpuppen sich als militante Umweltschützer und planen Kampagnen gegen Fracking und Erdgasförderung.

Immer stärker kristallisiert sich heraus, dass nicht seine Herkunft das Opfer zur Zielscheibe gemacht hat, sondern sein Job. Arash Naderi war als Fahrer für ein Erdgasunternehmen tätig und einem handfesten Umweltskandal auf der Spur.

Das Ganze geschieht in der Nähe von Rotenburg/Wümme beim Bullensse (wovon es eigentlich zwei gibt, den großen und den kleinen). Bis zu meinem Wohnort ist es nicht mehr allzu weit. Ich muss gestehen, dass mir beim Sehen des Tatortes ziemlich mulmig wurde. In den Landkreisen Rotenburg und Heidekreis hat ExxonMobil inzwischen 56 Bohrungen zur Förderung von Erdgas und 99 Fracs vorgenommen. ExxonMobil steht nicht nur bei mir für Umweltverseuchungen der schlimmsten Art. Im Tatort ist es wohl eine lecke Leitung, durch die der sogenannte Flowback (der Rückfluss des oft durch Ausspülungen verseuchte Produktionswasser) fließt, der die Menschen vergiftet hat.

Fracking ist äußerst umstritten, da u.a. eine Verunreinigung des Grundwassers zu befürchten ist. Von all den anderen Umweltschäden ganz zu schweigen. Im Landkreis Harburg, in dem mein Wohnort liegt, soll es (zumindest vorerst) kein Fracking und keine weitere Suche nach Erdöl geben.

(Wiederholter) technischer Hinweis: Ich getraue und bediene mich der Mediatheken Öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten (zusammen mit dem direkten Link auf den Film zum Herunterladen). Zudem bediene ich mich eines Videoplayers, der das Plugin Adobe Flash benötigt. Solltet Ihr damit Probleme haben, so findet Ihr hier auch immer den direkten Link auf die Webseite mit dem Video der entsprechenden Sendeanstalt.

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Tatort (1037): Böser Boden (2017) – Link auf Webseite – direkter Link auf das Video (Download)
Verfügbar bis 26.12.2017

Endlich!

Neuer Trainer, neues Glück? Am 12. Spieltag der laufenden Saison hat es endlich geklappt: Der SV Werder Bremen gewinnt sein erste Spiel – und wie … – gleich mit 4:0 gegen den gut gestarteten Wiederaussteiger Hannover 96. Und so, als wäre nichts gewesen, sind es Max Kruse und Fin Bartels, die fast im Alleingang die Niedersachsen niederringen. Erst ist es Fin Bartels, der ein Zuspiel von Max Kruse verwertet. Dann flankt Bartels zweimal auf Kruse, der die Treffer drei und vier markiert. Und da Max Kruse in Halbzeit zwei auch schon vorher ein Tor geschossen hat, so wird daraus ein lupenreiner Hattrick.

Fußball-Bundesliga 2017/2018: SV Werder Bremen – Hannover 96 4:0 – Max Kruse mit Hattrick

Natürlich sind die Bremer noch weit davon entfernt, die untersten Ränge in der Bundesliga zu verlassen. Aber so ein Spiel macht Hoffnung. Und es sollte das Selbstvertrauen, das in den letzten Wochen und Monaten ziemlich gelitten hatte, stärken. Auch wenn es jetzt am kommenden Samstag gegen RB Leipzig, dem Tabellendritten, geht. Spätestens eine Woche darauf kommt der zweite Aufsteiger, der VfB Stuttgart, an die Weser.


Fußball-Bundesliga 2017/2018: SV Werder Bremen – Hannover 96 4:0

Also: Endlich! Vier Tore in einem Spiel. Dafür brauchten die Bremer zuletzt 11 Spiele.

FDP bricht ab

Warum wundert es mich nicht? Die FDP bricht die Sondierungsgespräche zu einer so genannten Jamaika-Koalition ab. Schon während der Verhandlungen brachte der FDP-Bundesvorsitzende und Vorsitzende der FDP-Fraktion immer wieder Neuwahlen ins Gespräch. Und zuletzt, als immer noch keine Einigung erzielt war, sollte laut Christian Lindner am Sonntag um 18 Uhr Schluss sein. Aber erst nach dem Treffen der Partei-Chefs sei klar gewesen, dass die FDP „diesen Weg nicht mitgehen“ kann. Dies sei gestern gegen 23 Uhr passiert.

    Jamaika – nichts ist mit der Schwampel-Koalition

Lindner begründete den Abbruch der Sondierungen nach gut vier Wochen mit fehlendem Vertrauen. Es sei den vier Gesprächspartnern nicht gelungen, eine Vertrauensbasis oder eine gemeinsame Idee für die Modernisierung des Landes zu finden, sagte Lindner.

Wenn Modernisierung neoliberale Wirtschaftspolitik bedeutet, dann ist es auch besser so. Wer nicht verstehen will, dass es notwendig ist, auf Kohleverstromung zu verzichten. Wer weiterhin auf Kraftfahrzeuge mit Verbrennungsmotoren setzt, gefährdet am Ende den Industriestandort Deutschland. Wer heute Arbeitsplätze zu sichern glaubt, wird in der Zukunft Arbeitsplätze einbüßen. So ist Deutschland z.B. nicht dabei, wenn Staaten wie Großbritannien und Kanada eine Allianz der Länder mit beschlossenem Kohleausstieg planen.

Wie geht es nun weiter? Möglich sind Neuwahlen, eine Minderheitsregierung oder ein nochmaliger Anlauf der Union, die SPD von Gesprächen über eine Neuauflage der Großen Koalition zu überzeugen. Die hat allerdings erneut abgelehnt.

Voraussetzung für vorgezogene Neuwahlen ist die Auflösung des Bundestags. Von den beiden Möglichkeiten, die das Grundgesetz dafür vorsieht, kommt in der aktuellen Situation nur eine in Frage: die mehrmals gescheiterte Kanzlerwahl. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier muss dem Bundestag nach einer Bundestagswahl einen Kandidaten für die Kanzlerwahl vorschlagen, zum Beispiel Angela Merkel. Würde sie die absolute Mehrheit im Parlament verfehlen, was sehr wahrscheinlich passieren würde, hätte der Bundestag 14 Tage Zeit, um auf Grundlage eigener Vorschläge einen Kanzler zu wählen.

Auch dabei wäre die absolute Mehrheit erforderlich. Gelingt dies nicht, muss nach Ablauf der Frist ein neuer Wahlgang angesetzt werden. Sollte Merkel dabei erneut zur Wahl stehen und nur eine einfache Mehrheit der Stimmen erreichen, muss der Bundespräsident eine Entscheidung treffen: Er könnte Merkel dann zur Kanzlerin ernennen – faktisch als Chefin einer Minderheitsregierung. Er hat aber in diesem Fall laut Grundgesetz genauso die Möglichkeit, den Bundestag aufzulösen. Dann gäbe es innerhalb von 60 Tagen Neuwahlen (Quelle: tagesschau.de).

Eine Minderheitsregierung gilt als vergleichsweise instabil, weil sich die Regierung für jedes einzelne Vorhaben durch Verhandlungen eine neue Mehrheit organisieren müsste – in Form der Zustimmung durch einzelne Oppositionsparteien. Die notwendige Mehrheit zu erreichen, gilt insbesondere bei der Verabschiedung des Bundeshaushalts als schwieriges Unterfangen für eine Minderheitsregierung.

Ob Neuwahlen wirklich der richtige Weg sind, ist fraglich, da sich nach heutigem Stand kaum Veränderungen in Parteiengefüge ergeben sollten, d.h. rein rechnerisch würde es wieder nur für ein Jamaika-Bündnis oder die Große Koalition reichen.

Frau Merkel will eine stabile Regierung, würde danach für eine Minderheitsregierung nicht in Frage kommen. Vielleicht ist es das Beste, wenn Frau Merkel zurücktritt. Aber wer sollte ihr folgen? Ich kenne keinen in der Union, der auch nur halbwegs eine Vision hat, die Deutschland für die Zukunft rüstet.

Rein theoretisch könnte auch Herr Schulz (SPD) zur Wahl des Bundeskanzlers antreten und bei einer einfachen Mehrheit für ihn sogar sein eingeschworenes Ziel, Bundeskanzler zu werden, erreichen. Alles ist möglich.

So oder so wird es spannend. Die FDP hat keine Angst vor Neuwahlen. Aber es ist zu befürchten (eigentlich ja nicht), dass Herr Lindner und Co. sich verzockt haben. Auch die Linke und sicherlich die AfD sind für Neuwahlen, weil sie sich Zugewinne erhoffen. Für die Grünen sehe ich eher schwarz, denn in ihrer zu großen Kompromissbereitschaft während der Sondierungsgespräche dürften sie viele Wähler verprellt haben.

Heute trifft sich Frau Merkel mit Herrn Steinmeier. Vielleicht wissen wir heute Abend schon etwas mehr.

Italian Apocalypse Now

Nein, ich will und kann mich nicht darüber lustig machen, dass Italien die Fußball-WM-Endrunde in Russland im nächsten Jahr verpasst hat. Natürlich konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen, als im Vorfeld des Playoff-Rückspiels gegen Schweden der italienische Team-Manager Gabriele Oriali sagte, dass eine Weltmeisterschaft ohne den viermaligen Titelträger Italien unvorstellbar wäre. Verbandschef Carlo Tavecchio legte da verbal noch einen drauf: „Die Aussicht, dass wir uns nicht qualifizieren, würde einer Apokalypse ähneln.“

Apocalypse Now: Italien verpasst die WM 2018 in Russland

Nun die Fußball-Großmacht Italien hat erstmals seit 1958 eine WM-Endrunde verpasst und damit die von Verbandschef Carlo Tavecchio befürchtete Apokalypse im Land der viermaligen Weltmeisters perfekt gemacht. Nach der 0:1-Niederlage in Schweden spielten die Italiener nur 0:0 vor Mailänder Publikum und müssen nun den Schweden den Vorrang lassen. Carlo Tavecchio wandte sich schon mal vorsorglich an den Weltverband FIFA. Der Präsident sprach sich für einen „Traditions-Bonus“ für Top-Nationen aus: „Ich habe mit FIFA-Chef Gianni Infantino über das Qualifikationssystem geredet. Man kann nicht die vier WM-Titel Italiens unberücksichtigt lassen. Man kann nicht die Geschichte ignorieren“, sagte er.

Was ist dazu zu sagen? Es ist schon etwas lächerlich.

Zum Rückspiel vorgestern: Bereits in der neunten Minute forderten die Hausherren einen Elfmeter, als der Bremer Profi Ludwig Augustinsson im Strafraum Marco Parolo einen Schubser verpasste. Der spanische Schiedsrichter Antonio Mateu Lahoz ließ aber weiterspielen. Auf der anderen Seite verwehrte der Referee Schweden einen Strafstoß, nachdem Matteo Darmian den Ball mit der Hand touchiert hatte. Nach einer knappen halben Stunde lag der Referee falsch, als er ein Handspiel von Andrea Barzagli im italienischen Strafraum übersah. Obwohl die „Squadra Azzurra“ deutlich mehr vom Spiel hatte, so wirkte sie überhastet und oft ideenlos.

Für Italiens 39 Jahre alte Torwart-Legende Buffon, der seine sechste WM-Teilnahme verpasste, war das 175. Länderspiel auch sein letztes. Mit ihm beendeten einige weitere Weltmeister von 2006 ihre internationale Karriere sofort nach der Partie: Die Verteidiger Andrea Barzagli (36) und Giorgio Chiellini (33) sowie Mittelfeldspieler Daniele De Rossi (34) werden nicht mehr für Italien auflaufen.

Neben dem letztmaligen WM-Dritten Niederlande werden nun also auch die Italiener die WM im nächsten Jahr von den heimischen Stuben aus betrachten dürfen. Niederlande und Italien also nicht, dafür haben sich Panama und vor allem Island (Achtung Russland: Die Wikinger kommen), die bereits bei der Europameisterschaft im letzten Jahr für Furore gesorgt haben, für die WM 2018 qualifiziert. Für gute Stimmung auf den Rängen ist also gesorgt, da leider weder Wales, Nord-Irland noch Irland die Qualifikation schafften. Irland verlor nach dem 0:0 in Dänemark, was noch für Hoffnung sorgte, gestern zu Hause trotz einer frühen 1:0-Führung am Ende mit 1:5 gegen die Dänen. Wenn sein Stern bisher nur in der englischen Premier League zu glänzen verstand, so dürfte er vielleicht einer der neuen WM-Stars werden: Christian Eriksen, der allein drei der fünf Tore für Dänemark schoss und spätestens seit gestern Abend der neue Nationalheld Dänemarks ist.

Bis jetzt stehen 30 der insgesamt 32 Teilnehmer (von 210 Bewerbern) an der WM in Russland, die vom 14. Juni bis 15. Juli 2018 mit insgesamt 64 Spielen stattfindet, fest. Heute Morgen ab 10 Uhr MEZ wird der 31. Qualifikant im Spiel Australien – Honduras (Hinspiel in Honduras 0:0) und in der Nacht zu Donnerstag (ab 3 Uhr 15 MEZ) der 32. Teilnehmer zwischen Peru und Neuseeland (Hinspiel ebenfalls 0:0) ermittelt.

Ergänzung: Australien gewinnt 3:1 gegen Honduras und ist der 31. Teilnehmer an der WM. Und im letzten Qualifikationsspiel gewinnt Peru 2:0 gegen Neuseeland.

Somit haben sich folgende Mannschaften für das WM-Turnier qualifiziert:

aus Europa:

Russland als Gastgeber
Frankreich
Portugal
Deutschland
Serbien
Polen
England
Spanien
Belgien
Island
Kroatien
Schweiz
Schweden
Dänemark

aus Nord- und Mittelamerika:

Mexiko
Costa Rica
Panama

aus Südamerika:

Brasilien
Uruguay
Argentinien
Kolumbien
Peru

aus Asien:

Iran
Südkorea
Japan
Saudi-Arabien
Australien

aus Afrika:

Nigeria
Ägypten
Tunesien
Marokko
Senegal

Die Ozeanische Zone stellt leider keine Ländermannschaft. Neuseeland ist als letzter Kandidat in den Interkontinentalen Play-offs an dem Fünftplatzierten aus Südamerika Peru gescheitert.

WM-Auslosung am 1. Dezember in Moskau

Nachdem alle 32 Qualifikanten feststehen, ist auch bekannt, welche Mannschaften sich in welche der vier Lostöpfe befinden. Die WM beginnt mit einer Gruppenphase. Dabei gibt es acht Gruppen mit jeweils vier Mannschaften, die gegeneinander spielen. Die deutsche Auswahl wird bei der Zeremonie am 1. Dezember im Moskauer Kreml im ersten Topf sein und somit in der Gruppenphase nicht auf andere Favoriten wie Brasilien, Argentinien oder Frankreich treffen können. Ein Vorrunden-Duell mit Spanien oder England, die in Topf zwei sind, ist hingegen möglich.

Die 32 Teams werden gemäß ihren Weltranglistenplatzierungen vom Oktober den vier Töpfen zugeteilt. In der WM-Vorrunde können nur maximal zwei Teams aus Europa in einer Gruppe aufeinandertreffen. Aus den anderen Konföderationen können die jeweiligen Teams nicht in eine Gruppe gelost werden. Eine mögliche Gruppenkonstellation wäre für Deutschland beispielsweise Spanien, Senegal und Japan. Eine leichtere Konstellation mit Peru, Iran und Panama ist auch möglich.

Die vier Töpfe

Topf 1
Russland (Gastgeber)
Deutschland
Brasilien
Portugal
Argentinien
Belgien
Polen
Frankreich

Topf 2
Spanien
Peru
Schweiz
England
Kolumbien
Mexiko
Uruguay
Kroatien

Topf 3
Dänemark
Island
Costa Rica
Schweden
Tunesien
Ägypten
Senegal
Iran

Topf 4
Serbien
Nigeria
Australien
Japan
Marokko
Panama
Südkorea
Saudi-Arabien