Wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen

Ideenlos, motivationslos und damit chancenlos: auf die Bundesliga-Elf des SV Werder Bremen wird eingeschlagen wie noch nie. Es war allerdings auch eine Katastrophe, die die Werderaner nach der Pleite in der Hauptrunde des DFB-Pokals beim Bundesligaauftakt bei den Bayern boten. In München zu verlieren, ist keine Schande. Es kommt nur auf das Wie an. Und bis auf Torwart Felix Wiedwald, der bei den Toren der 6:0-Niederlage machtlos war, mit seiner Leistung aber ein noch größeres Debakel (zweistellig) verhinderte, spielten alle anderen höchstens auf Kreisliganiveau.

Bundesliga 2016/17 – 1. Spieltag: Bayern München – SV Werder Bremen 6:0

Erst die Klatsche auf dem Platz, dann auch noch verbale Backpfeifen von Liga-Boss Dr. Reinhard Rauball, der dem WDR sagte: „Ich war aber erschrocken, über die Art und Weise wie Werder Bremen ohne Gegenwehr dort gespielt hat.“ Deshalb müsse man über eine andere Besetzung des Saisoneröffnungsspiels, das in 210 Länder übertragen wird, nachdenken. Das klare 6:0 der Bayern sei jedenfalls keine Werbung für die Bundesliga gewesen.

Und was gibt es Schlimmeres, als von allen Seiten bemitleidet zu werden.

Ob die zweiwöchige Länderspielpause jetzt zur rechten Zeit kommt, wird man erst am 11. September beurteilen können, wenn es zu Hause gegen den FC Augsburg geht. Bis dahin wartet viel Arbeit auf Viktor Skripnik, dem Trainer, und Frank Baumann, dem Sportchef. Beide sind aneinander gekettet wie siamesische Zwillinge. Ohne Baumann wäre Skripnik gar nicht mehr im Amt. Dessen Vorgänger Thomas Eichin hätte den Ukrainer am Ende der Vorsaison gefeuert und musste deshalb selbst gehen. Für ihn wurde Baumann Sportchef und verlängerte nach einigen Wochen sogar Skripniks Vertrag um ein Jahr bis 2018. Und jetzt steht erneut Skripnik im Mittelpunkt der Kritik, der nichts Besseres weiß, als einen verbalen Rundumschlag auszuteilen: Der Coach knöpfte sich in München erstmals öffentlich seine Mannschaft vor, rückte von ihr ab. „Ich habe kein Verständnis dafür, was passiert ist“, schimpfte Skripnik und kündigte an: „Meine Entscheidungen werden brutaler sein.“ Und er spricht beim nächsten Spiel gegen Augsburg schon von einem „Finale“.

Wenn eben dieses Spiel wieder dermaßen in die Hose geht, dann darf allerdings zu Recht um den Trainer gebangt werden. Dann wird das letzte Quäntchen Geduld bei den Fans aufgebraucht sein. Und dann ist Baumann im Zugzwang. Die Ruhe ist vorbei bei Werder.

Aber Werder kann auch gewinnen, zumindest die zweite Garnitur in der 3. Liga. Nach drei Auftaktniederlagen gab es nun mit dem 4:2 gegen den VfL Osnabrück den 2. Sieg in Folge.

Worte zum Wochenende (34. KW 2016): Erdbeben in Italien

Der August verabschiedet sich mit hochsommerlichen Temperaturen. Gestern erreichten die Quecksilbersäulen bei uns knapp 34 ° C. Und heute soll es vielleicht noch einen Tick wärmer werden. Da ist das nächste Gewitter nicht fern. Unterdessen bebt in Mittelitalien die Erde. Die italienische Halbinsel, wenn man das so sagen darf, liegt auf einer tektonischen Bruchstelle. Dort stoßen Afrikanische und Eurasische Platte aufeinander. An der Afrikanischen Platte hängt ein Fortsatz, Adriatischer oder auch Apulischer Sporn genannt, der sich in die eurasische Platte schiebt. Die westliche Grenzfläche zwischen Sporn und eurasischer Platte liegt genau unter Italien.

Worte zum Wochenende (34. KW 2016 – WilliZBlog)

Der Mensch ist kein Tier, er ist eine Bestie. Während Retter unermüdlich versuchen, in den Trümmern noch Überlebende zu finden, versuchen einige zu plündern. In Amatrice wurde ein Mann festgenommen, der in ein Haus eindringen wollte.


Amatrice (Corso Umberto I) vor dem Beben

Anfang vom Ende von Werders Bundesligaträumen?

Auf die Frage, wen sie als potentiellen Absteiger aus der Fußball-Bundesliga sehen, haben in diesen Tagen viele Experten immer wieder auch den SVW, den SV Werder Bremen, genannt. Und das war noch vor der großen Blamage im ersten Pflichtspiel der Saison, in der 1. Runde des DFB-Pokals bei den Sportfreunden Lotte, das letzten Sonntag 1:2 verloren ging. Dort erwies man sich am Ende auch noch als schlechte Verlierer: Fin Bartels stieß seinen Gegenspieler um und kassierte damit auch gleich die erste rote Karte der Saison.

DFB-Pokal 2016/17 - 1. Runde – SF Lotte – Werder Bremen 2:1 – Fin Bartels schubst

Dem nicht genug: Der als Hoffnungsträger für 7,5 Millionen € Ablösesumme an die Weser transferierte Max Kruse verletzte sich in diesem Spiel am Knie so schwer, sodass er für Wochen, vielleicht für mehrere Monate ausfallen wird. Nationalspieler Kruse wurde geholt, um im Bremer Spiel die Fäden zu ziehen. Extra für ihn wurde in der Vorbereitung das System geändert. Weg vom 4-1-4-1 und hin zum 4-2-3-1 mit dem Ex-Wolfsburger als zentralem Mittelfeldmann, „um seine Stärken zum Tragen zu bringen“, so Trainer Skripnik. Weil der „starke Zehner“ nun ausfällt, ist die Rolle rückwärts möglich. „Wir können auch mit Junuzovic oder Grillitsch auf der Zehn spielen. Aber es kann auch sein, dass wir wieder zum 4-1-4-1 wechseln. Wir überlegen noch“, sagte Skripnik. Außerdem schließt Werders Sportchef Frank Baumann eine Nachverpflichtung nicht aus. Das Transferfenster schließt am 31.8. (Quelle: u.a. kreiszeitung.de)

Zudem gibt Claudio Pizarro Rätsel auf: Seit Wochen laboriert er an einer Muskelverletzung und dürfte ebenfalls so schnell nicht wieder auf dem Platz auflaufen.

Gegenüber der Vorsaison gab es bei den Bremern einen größeren Umbruch. Besonders die Innenverteidigung musste neu besetzt werden: Im Spiel gegen Lotte liefen der Finne Niklas Moisander und der Senegalese Lamine Sané auf. Auf der Bank sitzen noch der Darmstadt-Rückkehrer Luca Caldirola und Fallou Diagne, ebenfalls aus dem Senegal. Besonders Moisander wirkte äußerst unsicher. Im Angriff (in Lotte spielte Lennart Thy) kam wenig zu Stande. Eigentlich war es der reine Horror.

Natürlich taten sich auch andere Mannschaften in dieser ersten Pokalhauptrunde schwer: der HSV siegte mühevoll 1:0 in Zwickau – der FC Ingolstadt, Hertha BSC, Eintracht Frankfurt und der FSV Mainz 05 kamen erst im Elfmeterschießen weiter. Und der Aufsteiger RB Leipzig verlor dieses bei Dynamo Dresden. Pokalspiele haben bekanntlich ihre eigenen Gesetze.

Wenn ich ehrlich bin, dann wird mir angst und bange. In Freundeskreisen wir schon gemunkelt, dass Werder in seinem ersten Bundesligaspiel am Freitagabend (live ab 20 Uhr 15 in der ARD) in München bei den Bayern froh sein darf, wenn sie nicht zweistellig verlieren. Nun Experten, besonders Fußball-Experten, müssen nicht immer Recht haben. Ob Werder nun absteigt oder nicht. Jetzt schon wissen alle, dass es eine ganz schwere Saison für die Bremer wird. Da bringt es bestimmt nichts, wenn die Fans jetzt schon ausrasten und wie in Lotte mit Gegenständen werfen und lautstark den Rücktritt von Trainer Skripnik fordern.

Skripnik stand und steht in der Kritik. Sportchef Eichin wurde ihm geopfert und sein Nachfolger, der Alt-Werderaner Frank Baumann, hat bisher sein Bestes gegeben, eine schlagkräftige Mannschaft auf die Beine zu stellen. Dreh- und Angelpunkt bleibt aber die Trainerfrage. Schafft es Skripnik, die in aller Schnelle zusammengewürfelte Truppe zu einer homogenen Mannschaft zu formen?

Überhaupt stellt sich die Frage, wohin es mit dem Profifußballsport geht? Mit dem RB Leipzig hat es innerhalb weniger Jahre wieder eine Mannschaft bis in die Bundesliga geschafft, hinter der wenig Tradition, dafür jede Menge Geld steckt. Haben Traditionsvereine überhaupt noch eine Überlebenschance? Bei der augenblicklichen Situation sicherlich nicht. Ohne Sponsoren und besonders ohne Investoren wird es auch für Vereine wie den SV Werder Bremen keine Zukunft in der Erstklassigkeit geben. Das macht vielen Fans Angst. Und viele wenden sich bereits heute vom Profifußball ab, um im regionalen Amateurfußball ein Zuhause zu finden.

Geld regiert die Welt, auch die Fußballwelt. Hier nur ein Beispiel: Die Europameisterschaft 2016 erzielte Einnahmen von 1,93 Milliarden Euro, zusammengesetzt aus 1,05 Milliarde Euro für die TV Rechte, 480 Millionen Euro aus Sponsoring und Lizenzen sowie 400 Millionen Euro aus dem Eintrittskartenverkauf. Im Grunde könnten die Spiele auch vor leeren Rängen stattfinden. Knackpunkt sind die Gelder aus TV-Rechten. Diese bescheren bekanntlich besonders der englischen Premier League fette Beute, was wiederum zu exorbitanten Transfersummen führt. Jetzt will auch die deutsche Fußballbundesliga einen noch größeren Anteil an diesen Geldern. Noch mag der TV-Markt in Richtung Asien expandieren. Aber irgendwann ist auch damit Schluss. Und dann kommt, was fast immer dann kommt: der Crash!

Von Rio nach Tokio

Die Olympischen Sommerspiele in Rio sind gestern zu Ende gegangen. Sie waren alles andere als perfekt, aber trotz mancher Last-Minute-Improvisation dann doch gelungen. In vier Jahren geht es nach Tokio – und einen ersten Vorgeschmack haben wir bereits erhalten: in Japans Hauptstadt wird es futuristisch zugehen. Mehr Transparenz, mehr Nachhaltigkeit ist eingefordert. Mit mehr Bescheidenheit ist es bereits heute schon nichts mehr. Die Kosten explodieren.

Olympische Sommerspiele 2016 in Rio: Abschlussfeier

Natürlich ist Olympia eine große Idee. Gerade auch dort, wo es nicht ums große Geld geht: Der Zauber des Völkerwettbewerbs, höchste Aufmerksamkeit auch für sogenannte Randsportarten. Da fesselt die Bogenschützin Lisa Unruh plötzlich mehr als die Superstars der internationalen Sportszene. Es sind diese besonderen Momente, die Olympia ausmachen.

Dem gegenüber stehen der halbherzige Anti-Doping-Kampf und die Korruption bis in den innersten Machtzirkel des IOC. Und ein Gastgeber wie Brasilien wird finanziell überfordert. Der Steuerzahler trägt die Last. Dieser Betrug an Sportkollegen und an den Fans und Zuschauern – das macht die Idee kaputt.

Bauplanung ‚Am Bahnhof 9/9a‘ in Tostedt (3)

Nächste Woche am Dienstag, den 23.08., findet um 18 Uhr im Rathaus Tostedt die Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses der Gemeinde Tostedt statt. Bisher war vorgesehen, dass der Investor, die Planungsgemeinschaft Nord GmbH aus Rotenburg (PGN), seine Pläne für das Bauvorhaben ‚Am Bahnhof 9/9a‘ in Tostedt während dieser Sitzung vorstellt. Damit verbunden wäre auch ein Antrag auf Änderung des bisher bestehenden Bebauungsplans Tostedt Nr. 22 „Karlstraße“ (als PDF herunterladbar), zudem das Grundstück mit dem Bauvorhaben gehört.

Bauvorhaben ‚Am Bahnhof 9/9a‘ in Tostedt durch PGN Rotenburg: Stadthäuser
© Foto: PGN/Hamburger Abendblatt

Auf der jetzigen Tagesordnung ist zu dem Bauvorhaben nichts zu finden. Nach Auskunft des Rathauses Tostedt liegen noch nicht alle benötigten Gutachten (z.B. zur Lärmbelästigung durch die Bahn, Bodenbelastung usw.), die u.a. eine Unbedenklichkeit gewährleisten, vor.

Die nächste Sitzung des Gemeinderates soll am 27.09. sein, die nächste Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses dann am 24.11.2016. Bei dieser letzten Sitzung sollte dann das Bauvorhaben zur Tagesordnung gehören.

Übrigens: Eigentümerin des Grundstücks ‚Am Bahnhof 9/9a‘ und auch Bauherrin soll tatsächlich die „Bauherrengemeinschaft Tostedt GbR“, eine wohl eigens für dieses Bauvorhaben gegründete Gesellschaft bürgerlichen Rechts, sein. Einer der Gesellschafter ist Herr Norbert Behrens, wiederum einer der Geschäftsführer der Planungsgemeinschaft Nord GmbH aus Rotenburg (PGN). Diese GbR ist nicht zu verwechseln mit der „Bauherrengemeinschaft Töste“ (GbR Kressin-Immobilien – WHW-Bau Heidbrook GmbH)

P.S. Um auf dem Laufenden zu bleiben, empfehle ich den Newsletter der Samtgemeinde und Gemeinde Tostedt zu abonnieren.

siehe auch: Bauplanung ‚Am Bahnhof 9/9a‘ in Tostedt (2): Schreiben an den Gemeinderat Tostedt

Bauplanung ‚Am Bahnhof 9/9a‘ in Tostedt (2): Schreiben an den Gemeinderat Tostedt

Als Reaktion auf die Informationsveranstaltung der Planungsgemeinschaft Nord GmbH aus Rotenburg (PGN) zur Bauplanung ‚Am Bahnhof 9/9a‘ in Tostedt haben sich die betroffenen Anwohner der Morlaasstraße Ost und Poststraße in einem Schreiben vom 17.07.2016 an den Vorsitzenden und die Mitglieder des Planungs- und Umweltausschusses der Gemeinde Tostedt bzw. an die Mitglieder des Gemeinderates Tostedt gewandt. Der Vollständigkeit halber hier der Wortlaut:

Wie es aussieht, so ist die Mehrzahl der Ratsmitglieder der Gemeinde Tostedt begeistert von dem Bauvorhaben ‚Am Bahnhof 9/9a‘ durch die Firma Planungsgemeinschaft Nord GmbH aus Rotenburg (PGN). Da plant der Kreis Harburg eine eigene Wohnungsbaugesellschaft, um in nächster Zukunft 1000 Wohnungen zu bauen. Und jetzt sollen in Tostedt gleich mit einem Schlag 100 neue Wohneinheiten errichtet werden. Das auf einem Grundstück zentral beim Bahnhof gelegen, das über 20 Jahre brach lag. Somit müssen keine neuen Grünflächen am Ortsrand herhalten. Wie ideal.

Bauvorhaben ‚Am Bahnhof 9/9a‘ in Tostedt durch PGN Rotenburg
Quelle: http://navigator.landkreis-harburg.de (mit eigenen Ergänzungen in rot)

Ob es wirklich so ideal ist, wird sich zeigen. Am grünen Tisch sieht das sicherlich ganz toll aus, aber wie so oft, so hat auch diese Planung ihre Tücken. Im Folgenden wollen wir unsere Eindrücke, die wir bei der Informationsveranstaltung durch die Firma PGN am 09.06. d.J. gewonnen haben und unsere Gedanken dazu kurz skizzieren.

So stellt sich zunächst allein die Frage, warum das Grundstück über 20 Jahre brach lag, warum Frau Dörnbrak, die bisherige Eigentümerin des Grundstücks, keinen Investor fand …

Bauvorhaben ‚Am Bahnhof 9/9a‘ in Tostedt durch PGN Rotenburg
Quelle: PGN (Präsentation) mit eigenen Ergänzungen (in rot)

Es dürfte an der Nähe der Bahngleise liegen. Jetzt nach dem Abriss der alten Gebäude haben wir als Anwohner in der Morlaasstraße Ost einen deutlich erhöhten Geräuschpegel vom Zugverkehr her als zuvor. So plant die Fa. PGN einen Block von vier Häusern zur Straße ‚Am Bahnhof‘ hin, der gewissermaßen als Schallschutz für die weiteren vier Häuser, die versetzt auf dem restlichen Grundstück errichtet werden, dienen soll. Nach vorn zur Bahn hin sind in den Wohnungen Bad, Küche u.ä. geplant. Der eigentlich Wohn- und Schlafbereich mit Balkonen geht nach hinten hinaus – in nordwestliche Richtung. Fenster zur Bahn hin sollten möglichst geschlossen bleiben. Und die Y-Trasse, die einen Zuwachs an Bahnverkehr vorsieht, ist längst nicht vom Tisch.

Damit im inneren Bereich die Lärmbelästigung gering gehalten wird, sollen die Zuwegungen zu den Stellplätzen an die Ränder des Grundstücks verlegt werden. Hier kommen wir als Anwohner in der Morlaasstraße Ost/Poststraße nach jetziger Planung ins Spiel, denn an unsere Grundstücke unmittelbar angrenzend ist eine Zuwegung zur Poststraße vorgesehen. Die Lärmbelästigung wird also an uns ‚weitergegeben‘. Da keine Bürgersteige (auch unsere Straße hat bekanntlich keine) wegen der Enge möglich sind – es ist eine etwa 5,50 m breite, zweispurige Straße geplant -, so wird die vorgesehene Zuwegung ganz dicht an den angrenzenden Grundstücke mit den Häusern in der Poststraße und den ersten fünf Häusern in der Morlaasstraße Ost entlang geführt werden, sodass die Anwohner dort dann vorn wie hinten eine Straße hätten – und das bei diesen kleinen Grundstücken: nicht gerade ideal!

Eine frühere Planung (durch den alten Eigentümer) hatte diese Zuwegung nicht vorgesehen. Zudem stellt sich die Frage, ob diese Straße nicht auch Teil einer etwa 9 m breiten Grünzone (Fläche mit Bindung für Bepflanzung und für den Erhalt von Bäumen und Sträuchern – § 9 Abs. 1 Nr. 25b BauGB) ist, die zwar zum größten Teil auf den Grundstücken in der Morlaasstraße liegen, aber mit etwa anderthalb Meter Breite ein Teil der geplanten ‚Straße‘ wären (siehe den Ausschnitt aus dem Bebauungsplan rot begrenzt in der folgenden Grafik). Lt. Mitteilung des Landkreises Harburg schließt die Bindung für Bepflanzungen [usw.] „die Anlage einer Erschließungsstraße erstmal aus.“ – Die Zuwegung wäre also nur möglich, wenn die Grünschutzzone („Bindung für Bepflanzungen …“) aufgehoben wird. Sie werden verstehen, wenn wir Anwohner nicht begeistert davon wären. Jahrelang mussten wir uns an diese Festsetzung halten, durften keinen Baum entfernen und mussten Neupflanzungen selbst dann vornehmen, wenn ein Baum durch Sturm schwer beschädigt wurde. Auch größere Investoren haben sich an solche Festsetzungen zu halten. – Eine Nutzung als schmaler Gehweg wäre sicherlich am sinnvollsten, zumal es solche Gehwege viele in Tostedt gibt (Birkenweg, Gerbersteg usw.).

    Ausschnitt aus dem Bebauungsplan Tostedt Nr. 22 – Karlstraße: Grünzone - 1:1000
    Ausschnitt Bebauungsplan Tostedt Nr 22 Karlstraße (mit eigenen Ergänzungen in rot) – Maßstab 1:1000

Die geplanten Häuser sollen voraussichtlich wie auf der nachfolgenden Grafik aussehen. Dabei handelt es sich um sogenannte Stadthäuser. Sicherlich kann man sich über die Frage, ob solche Häuser in den ländlichen Bereich gehören, streiten. Eine ähnliche ‚Bausünde‘ findet sich ja bereits in der Poststraße (müsste Hausnummer 30 sein). Und eine weitere wird zz. an der Ecke Poststraße/Baumschulenweg errichtet.

Bauvorhaben ‚Am Bahnhof 9/9a‘ in Tostedt durch PGN Rotenburg: Stadthäuser
© Foto: PGN/Hamburger Abendblatt

Wenn wir das richtig sehen, so will die Fa. PGN mit den acht Wohnhäusern das baurechtlich zulässige Maximum errichten. Vielleicht wäre weniger mehr. Das Grundstück dürfte wie auch die Grundstücke in der Morlaasstraße sehr sumpfig sein, da in geringer Tiefe eine wasserundurchlässige Lehmschicht liegt. Nur wenige Häuser hier haben einen Keller, der auch nur mit Hilfe einer Drainage trocken gehalten werden kann. Durch die geplante, sehr dichte Bebauung, besonders auch durch die vorgesehene, unmittelbar an unseren Grundstücken gelegene Straße erfolgt eine Bodenverdichtung, die sich z.B. bei Starkregen auch auf unsere Grundstücke negativ auswirken wird. Übrigens: Bei der Verlegung der Kanalisation in der Morlaasstraße musste extra eine Firma aus den Niederlanden herbeigeholt werden, da die hiesige Firma Vorwerk wegen der Bodenverhältnisse nicht weiterkam.

Noch eine kleine Nachbetrachtung: Bei Abriss des alten Gebäudebestandes wurden auch mit Asbest kontaminierte Gebäudeteile entsorgt. Das geschah ohne Benachrichtigung der unmittelbar benachbarten Anrainer des Grundstücks. ‚Unglücklich‘ erscheint uns auch, wie ein über 20 Jahre bestehendes Biotop mit mindestens drei Fledermausarten, Grün- und Buntspecht, Haselmäusen und weiteren Tierarten zerstört wurde. So ist zu befürchten, dass durch den Aushub beim Häuserbau und bei der Anlage der geplanten Zuwegung zur Poststraße nicht allein die geschützten Bäume, sondern eher noch die Wurzeln dieser Bäume beschädigt werden. Das betrifft zusätzlich die Wurzeln der geschützten Bäume auf den Grundstücken der Anwohner der Morlaasstraße, die sehr nah an der vorgesehenen Straße stehen.

Soviel dazu! Wie wir gehört haben, so hat die Firma PGN diverse Gutachten in Auftrag gegeben (z.B. zur Lärmbelästigung durch die Bahn, Bodenbelastung usw.). Auch wenn das sicherlich nichts Außergewöhnliches ist, so zeigt es doch auf, dass selbst die Firma PGN mit einem gewissen Bauchgrummeln an die Sache geht.

Grundsätzlich haben wir nichts gegen das Bauvorhaben, wenn es uns nicht in irgendeiner Weise beeinträchtigt. Die geplante Häuserfront zur Bahn hin würde auch uns als Schallschutz dienen. Gegen die geplante Zuwegung über die Poststraße werden wir allerdings aus dem genannten Grund unsere Bedenken äußern und notfalls mit allen zur Verfügung stehenden Mittel vorgehen. Allerdings hat Herr Behrens von der Firma PGN bereits signalisiert, sich mit den verschiedenen Anregungen, die bei der genannten Informationsveranstaltung vorgetragen wurden, auseinanderzusetzen.

Warum schreiben wir das hier so ausführlich? Um das Bauvorhaben realisieren zu können, bedarf es der Änderung des Bebauungsplans Karlstraße, der durch Sie als Mitglieder des Gemeinderates Tostedt vorzunehmen wäre. Daher ist es sicherlich sinnvoll für Sie, schon frühzeitig von den Bedenken der unmittelbar betroffenen Bürger zu erfahren.

Ohne Entgegenkommen aller Seiten wird es mit Sicherheit nicht gehen. Und wie bereits angesprochen, so wird bei der Firma PGN überlegt, wie eine akzeptable Lösung aussehen könnte. Auf das Ergebnis sind wir alle sehr gespannt.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Wir hoffen auf Ihre Unterstützung bei der Umsetzung einer vernünftigen, alle zufriedenstellenden Lösung bei der geplanten Bebauung.

Mit freundlichen Grüßen
Anwohner der Morlaasstraße Ost und Poststraße

Viel Lärm um nichts

Für mich ist die Leichtathletik die Krönung der olympischen Spiele, so natürlich auch in Rio. Und mit Gold durch Christoph Harting (68,37 m) und Bronze durch Daniel Jasinski (67,05 m) begann es für die deutschen Athleten auch überraschend gut. Dabei war der Bruder von Christoph Harting, Robert, immerhin mehrfacher Europa- und Weltmeister und Olympiasieger von London 2012, bereits in der Qualifikation durch die Folgen eines Hexenschuss‘ gescheitert. Robert Harting hat sich bisher neben seiner sportlichen Leistung dadurch ausgezeichnet, dass er kein Blatt vor dem Mund nimmt. So kritisierte er besonders den IOC-Präsidenten, Thomas Bach, und bezichtigte diesen, Teil des Doping-Systems zu sein. Ganz anders sein Bruder Christoph, der in Rio gewissermaßen in die Fußstapfen von Robert getreten ist. Christoph ist der introvertierte Typ. Dieser nun allerdings, wir wissen es alle, machte durch ungebührliches Verhalten besonders während der Siegerehrung auf sich aufmerksam. Oje, wie konnte er nur. Später entschuldigte er sich dafür.

Christoph Harting (Gold im Diskuswerfen) pfeift sich einen

Natürlich erntete Christoph Harting viel Kritik für dieses Verhalten. Entrüstung bis zum Shitstorm allerorten. Ich finde das lächerlich. Viel Lärm um nichts. Anstatt sich über die sportliche Meisterleistung zu freuen, wird kritisiert, dass ein 25-jähriger deutscher Olympiasieger bei der Nationalhymne nicht stramm steht mit den Händen an der Hosennaht. Kleinkarierter geht es nicht. Für mich hatte das eher etwas von Monty Python: Nach einigen Faxen verschränkte er die Arme, schunkelte und pfiff zur Nationalhymne. Später meinte er: „Es ist schwer, zur Nationalhymne zu tanzen, habe ich festgestellt.“ Wo er recht hat, da hat er recht. Diesen ganzen Krampf um Nationalhymnen und Flaggenhissen sollte man sich schenken. Und speziell der Medaillenspiegel ist etwas Vorgestriges. Als wenn Nationen Medaillen gewinnen würden. Darum ging es Christoph Harting natürlich nicht. Er war nur noch im ‚Wettkampfmodus‘ und ‚hormon-technisch völlig übersteuert‘. Sei es drum …

Anders als Christoph Harting und den Diskus-Dritten Daniel Jasinski zeigten die weiteren deutschen Leichtathleten bisher mäßige bis schwache Leistungen. Da besonders der frühere Weitsprung-Europameister Sebastian Bayer meinte, auf Harting auf seiner Facebook-Seite einschlagen zu müssen, so möchte ich auf die enttäuschenden Ergebnisse der deutschen Weitspringer hinweisen. So schied Alyn Camara (Leverkusen) mit blamablen 5,16 m sowie zwei ungültigen Versuchen sang- und klanglos aus. Gut fünf Meter bin selbst ich mit 14 Jahren gesprungen. Der Sprung muss also wirklich total in die Hose gegangen sein. Fabian Heinle (Stuttgart) fehlten mit seinen 7,79 m sechs Zentimeter zum Erreichen des Finales.

Bei vielen Sportarten spielt der Kopf eine große Rolle. Ist der nicht frei, dann kann es zu ungewollten Fehlleistungen kommen. Dann bricht man seinen Sprung auch schon einmal bei 5,16 m plötzlich ab. Aber die Häufung von solchen Fehlleistungen in einer Sportart wie der Leichtathletik macht einen dann doch nachdenklich. Da scheint etwas generell schief zu laufen. Und dann bringt einer seine volle Leistung und wird kritisiert, weil er Grimassen zieht und Faxen macht. Vielleicht sollten alle etwas herumkaspern. Wenn’s hilft?

Frank Zappa & Ensemble Modern: The Yellow Shark

Wenn es stimmt, dann hat Frank Zappa bereits seit seinem 15. Lebensjahr Partituren für Kammermusik verfasst; erst mit 20 Jahren schrieb er den ersten Rock-Song. Bekannt wurde er dann mit seiner Gruppe The Mothers of Invention, die von 1964 bis 1976 bestand und 1966 mit Freak out! das erste Album veröffentlichte.


Zappa – Freak out!

Aus dieser Anfangszeit gibt es ein schönes Video von der US-amerikanischen Fernsehshow, der Steve Allen Show vom 4. März 1963, da war Frank Zappa junge 22 Jahre alt und präsentierte ein Konzert für Luftpumpe und gefiddeltem Fahrrad. Schon da kamen seine außerordentlich musikalische Begabung und der spöttische Witz zusammen:


Frank Zappa on The Steve Allen Show March 4, 1963 (Konzert für Luftpumpe und Fahrrad)

Bereits in jungen Jahren interessierte ich mich neben der populären Musik, die allerdings nicht so ganz dem Massengeschmack entsprach, auch für Neue Ernste Musik. Karlheinz Stockhausen war mir ein Begriff wie auch Igor Strawinsky oder Edgard Varèse und György Ligeti. Maurice Ravels Boléro fand ich faszinierend. Und irgendwie dort in der Mitte zwischen Pop- und Rockmusik und Neuer Musik fand ich dann Frank Zappa. Wie und wo genau weiß ich nicht mehr. Aber es muss Ende der 1960-er, Anfang der 1970-er Jahre gewesen sein, also als Zappa in Deutschland noch als Geheimtyp gehandelt wurde. Davon später etwas mehr, wenn ich auf Zappas letzte Aufnahmen aus dem Jahre 1993 zurückkomme, die kurz vor seinem Tod in der Adventszeit 1993 entstanden.

Im besagten Jahr 1993 erschien von Zappa das Album The Yellow Shark und es sollte Zappas letztes Album zu Lebzeiten sein. Diese Orchesterkomposition Zappas wurde von dem renommierten Ensemble Modern eingespielt und gilt bis heute als die beste Interpretation von Zappas Orchesterwerken. „The Yellow Shark“ wurde 1992 in der Alten Oper in Frankfurt am Main aufgenommen. Das Konzert war der letzte öffentliche Auftritt Zappas: Er dirigierte dabei – schon von seiner Krankheit gezeichnet – Teile des Werkes. An der Show waren auch der kanadische Choreograf Édouard Lock und seine Truppe La La La Human Steps beteiligt, deren hervorragende Performance hoch gelobt wurde.

Frank Zappa & Ensemble Modern: The Yellow Shark

Tom Waits bezeichnet das Opus als eines seiner Lieblingsalben und sagt darüber: „Das Werk ist beeindruckend, ein Bühnenfestival der Strukturen und Klangfarben. Es zeugt von seiner völligen Verrücktheit und Virtuosität. Frank lässt sich von Elmore James genauso inspirieren wie von Strawinski. Er ist durch und durch unkonventionell.“ (… genauer: „The ensemble is awe-inspiring. It is a rich pageant of texture in colour. It’s the clarity of his perfect madness, and mastery. Frank governs with Elmore James on his left and Stravinsky on his right. Frank reigns and rules with the strangest tools.“)


Frank Zappa & Ensemble Modern: The Yellow Shark

Ironie und kritische Hiebe bestimmen diese vorletzte größere Sound-Collage Zappas. Eine Nummer namens „Times Beach“ erinnert an einen amerikanischen Dioxin-Skandal aus dem Jahre 1983; der „G-Spot Tornado“ bringt den vaginalen Orgasmus auf den Punkt. Der Titel „Yellow Shark“ geht auf einen anonymen Fan zurück, der eine aus einem gelben Surfbrett geschnitzte Fischskulptur vor Zappas Haustür als Geschenk ablud.

Zappa komponierte in seinen letzten Jahren auf einem Synclavier, das Töne harmonisieren und verfärben, Glissandi türken und polyrhythmische Metren unterlegen kann. Bei Bedarf druckt ein Hilfscomputer die fertige Partitur aus. Die Noten zu „Yellow Shark“ hatte Zappa seit dem Sommer 1991 aus seiner Eremitage im Laurel Canyon bei Hollywood nach Frankfurt hinübergefaxt. (Quelle: spiegel.de)

Die Welturaufführung von Zappas „The Yellow Skark“ wurde auch erst kürzlich auf arte gesendet und ist noch in der Mediathek von arte aufrufbar: Yellow Shark von Frank Zappa

Gold und Silber lieb ich sehr …

…, kann’s auch gut gebrauchen. Nachdem die deutschen Sportler die ersten drei Tage bei den Olympischen Spielen in Rio darben mussten, gab es gestern dann doch endlich die ersten Medaillen. Natürlich in so martialischen Sportarten wie Schießen und Military-Reiten, heute entschärft Vielseitigkeitsreiten genannt.

Michael Jung ohne Sam, aber mit Gold und Silber

Ansonsten gab es für die Deutschen viel Schatten und nur einige Sonne. Während gerade die Mannschaftssportarten wie Handball und Hockey noch in der Spur liegen (beim Fußball ist es bisher eher durchwachsen), musste man bei Sportarten wie Judo und Boxen, teilweise auch beim Rudern, einige herbe Enttäuschungen einstecken. Bemerkenswert, dass auch prominente Sportler bereits ihre Segel streichen mussten: Im Tennis sind die Weltrandlistenersten Novak Djokovic und Serena Williams bereits sowohl im Einzel als auch Doppel ausgeschieden. Und Neymar tut sich mit der brasilianischen Fußballmannschaft auch äußerst schwer. Kein Wunder, wenn die gesamte Golf- und Boxprominenz (allen voran Wladimir Klitschko, ja, auch der hätte antreten können) nicht an den Start gegangen ist. Man kann sich mehr blamieren als Ehre kassieren.

Alle gegen eine, so hieß es im Endlauf über 100 m Brustschwimmen. Dass die russische Dopingsünderin Julija Jefimowa ‚nur‘ Silber gewann, war für viele Sportler und Zuschauer eigentlich schon fast zu viel des Guten. Immerhin kein Gold! Ansonsten nichts wirklich Neues von der Dopingfront.

Statt sich in miefigen Stadien und Sporthallen herumzutreiben, empfehle ich einen Abstecher an den Strand von Copacabana – und wenn nicht in natura, so doch wenigstens virtuell:


Praia de Copacabana

Es ist sicherlich nicht nur die Zeitverschiebung von immerhin fünf Stunden, die mich abhält, einen ausführlicheren Blick auf die sportlichen Geschehnisse von Rio zu werfen. Der ganze Rummel ist mir einfach zu viel geworden. Vom Doping und dem ganzen Gemauschel ganz zu schweigen. Da lacht dann aber doch mein Herz, wenn es zu kleinen oder gar größeren Pannen kommt, wie z.B. beim Hockeyspiel der deutschen Herrenmannschaft gegen Irland, als durch einen Stromausfall die deutsche Nationalhymne nicht vom Band abgespielt werden konnte. So sangen die Spieler a cappella, wenn nicht schön, dann wenigstens laut. Und auf geradezu mysteriöse Art und Weise verfärbte sich das Wasser des Wasserbeckens der Turmspringer über Nacht ins Grüne. Die Organisatoren standen zunächst vor einem Rätsel, schlossen aber eine gesundheitliche Gefährdung aus. „Die Wasserqualität ist getestet worden. Es gibt keine Risiken“, teilte das Organisations-Komitee mit. Laut Angaben des Weltverbandes FINA könnte ein defekter Wasserfilter Ursache sein. Die Britin Tonia Couch sagte nach dem Einspringen, das Wasser sei so grün, sie habe nach dem Eintauchen ihre Sprungpartnerin Lois Toulson nicht mehr sehen können. Die Wasseroberfläche hat sie dann aber wohl doch gefunden.

Synchroner Turmsprung ins Grüne

Worte zum Wochenende (31. KW 2016)

Ey, wie die Zeit vergeht. Nicht ist schon mein Sommerurlaub hinter mich gebracht, nein auch der Juli hat sich verabschiedet. Wenigstens ist wieder Wochenende. Und heute Nacht starten in Rio die Spiele der XXXI. Olympiade, wie es so schön offiziell heißt. Und diese kündigten sich schon längere Zeit mit großen Paukenschlägen an.

Worte zum Wochenende (31. KW 2016 – WilliZBlog)

Da geht in Brasilien das Zika-Virus um, das durch Stechmücken übertragen wird, und dient manchem Golfsportler als Ausrede, nicht an den Spielen teilzunehmen, weil das olympische Turnier sportlich wie finanziell nicht reizvoll genug ist. Dabei sein ist eben nicht jedem alles!

Und mit einer suspendierten Präsidentin macht Brasilien nur wenig Staat, wobei die Frage erlaubt sei, wer denn nun Schirmherr resp. Schirmherrin (Schirmfrau?) der olympischen Veranstaltung wird: Der Übergangspräsident oder dann vielleicht doch Frau Dilma Rousseff? Uns kann es ziemlich egal sein.

Dass der brasilianische Steuerzahler bereits mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 gehörig über den Tisch gezogen wurde, weiß inzwischen jeder. Und dass mit der Olympiade weitere Kosten entstanden sind, die allein Brasilien zu begleichen hat, den Reibach dagegen andere machen, lässt sich daraus schließen. So gibt es Proteste auf den Straßen. Dabei hatte die Polizei Menschen festgenommen, die Wasserkübel in Richtung olympische Fackel geworfen hatten.

Olympia 2016 in Rio … fällt aus wg. Doping

An erster Stell der Tagesordnung steht allerdings vorerst das Thema Doping, wenn’s auch einige gibt, die es gern unter den Tisch kehren möchten. Natürlich wird gesagt: Kein Problem, es gibt Dopingkontrollen genug und dabei wird darauf geachtet werden, dass kein Schmu geschieht. Und die Sünder, die werden schon ihre gerechte Strafe bekommen. Was ist aber mit den Dopingsündern, die bereits auffällig geworden sind, die Z.B. von Staats wegen gedopt wurden? Was ist mit dem McLaren-Report, demnach das russische Sportministerium, der russische Geheimdienst und Moskauer Laboratorien vertuscht haben, was nur zu vertuschen ging.

Statt ein Exempel zu statuieren und die gesamte russische Mannschaft auszuschließen, eiert der IOC samt ihrem Präsidenten, den Putin-Freund Thomas Bach, nur herum und entscheidet sich letztendlich gegen Russlands Olympia-Aus. Den schwarzen Putin Peter schiebt man kurzerhand den einzelnen Sportverbänden zu. Die sollen entscheiden, wer teilnehmen darf und wer nicht. So hatte der Welt-Leichtathletik-Verband IAAF den russischen Leichtathletik-Verband RUSAF bereits am 13. November 2015 wegen flächendeckenden Dopings gesperrt, was dann durch den internationalen Sportgerichtshof CAS am 21.07.2016 in Lausanne bestätigt wurde. In diesen Tagen nachgezogen sind dann die Weltverbände der Gewichtheber, Schwimmer und Ruderer, die zumindest die meisten der russischen Athleten sperrten. Inzwischen dürfte knapp jeder dritte der russischen Mannschaft gesperrt sein.

Das IOC wäre besser beraten gewesen, vergleichbar zu Kuwait (auch wenn es dort nicht um Staatsdoping ging) zu agieren: Ausschluss Russlands mit Begründung der politischen Einflussnahme, Start russischer Athleten unter olympischer Flagge auf Einzelantrag und Einzelprüfverfahren. Das wäre ein klares Signal kontra Doping gewesen. Aber so?

Fragt sich grundsätzlich: Ist dem Doping im Sport noch beizukommen? Ich fürchte: Nein! Alle großen Sportveranstaltungen von Fußball-Welt- und Europameisterschaften bis hin zu Olympischen Spielen sind kommerziell ausgelegt. Da geht es um viel Geld für Sportler, Funktionäre, Verbände und global operierende Firmen. Jeder will sein Stück vom Kuchen. Und da der verehrte Kunde, der Zuschauer, möglichst tolle Leistungen sehen will (Schneller, höher, weiter …), so tut man alles, um ihn zufrieden zu stellen. Geld stinkt bekanntlich nicht und kennt keine Moral. Da ist jedes Mittel recht. Also auch Doping!

siehe auch:
Worte zum Wochenende (20. KW 2016)
Worte zum Wochenende (23. KW 2016)
Worte zum Wochenende (25. KW 2016)
Worte zum Wochenende (26. KW 2016)