Vergessene Stücke (16): Peter Weiss: Der neue Prozeß

    Leni: Die Firma brauchte jemanden in der Leitung, den kein Argwohn treffen konnte, auf dessen Redlichkeit man sich bei allen Vorstößen, allen Abschlüssen berufen konnte. Sie brauchen nur genannt zu werden, und das ganze Unternehmen ist die Wahrheit selbst.
    K: Auch wenn ich nicht mehr daran glaube, noch etwas tun zu können –
    Leni: Ihre Unschuld paßt auf alles, was – ohne Ihr Wissen – vorgenommen wurde.
    K: So ein Geringer wie ich –
    Leni: So ein Geringer kann der Macht ihr Gesicht geben.
    K: Ohne auf sie einzuwirken?
    Leni: Ohne auf sie einzuwirken.

Gestern hatte ich mich mit Peter Weiss‘ Roman Die Ästhetik des Widerstands, in dem er sich auch mit Kafkas fragmentarischen Roman Das Schloss (dazu später etwas mehr), beschäftigt. Heute nun noch einmal Peter Weiss – und Franz Kafka: Der Prozess

Josef K. wird befördert. In rasantem Tempo steigt er auf. Eben noch hatte er sich in seine Position als Prokurist in der Versicherungsabteilung eingewöhnt und sich in seinem Büro eingerichtet, da befördert man ihn in die Hauptverwaltung des Konzerns. Von dort geht es blitzschnell weiter in die Direktion. Herr K. weiß bald nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Vor allem aber weiß er nicht, warum man ihn in das so verantwortungsvolle Amt des Direktors eingesetzt hat. Die einzige Konstante in seinem Leben bildet bald nur noch sein Zimmer in der alten Pension, und seine heimliche Liebe zu Frau Bürstner. Auch die hat einen steilen Aufstieg hinter sich und ist ebenfalls zur Direktorin berufen worden. Aber anders als K. ist sie sich ihrer Aufgabe bewußt. Die Machtansprüche des riesigen Konzerns weiten sich immer weiter aus, bis er sogar auf der Regierungsebene alle Fäden in der Hand hält und über Krieg und Frieden entscheiden kann. Das Personal des Konzerns scheint dabei beliebig ausgetauscht zu werden, ganz nach den Fähigkeiten und der Kompromißlosigkeit des Ange­stellten. Einzig und allein Herr K. scheint unverzichtbar. Und bevor selbst er unter die Räder des Kapitalismus kommt, erfährt er auch den Grund: Er gibt der Firma sein Gesicht, das nach jahrelangem geflissentlichen Arbeiten zu einem Aushängeschild der Moral geworden ist. (Quelle: suhrkamptheater.de)

Das Stück Der neue Prozeß – Stück in drei Akten – Franz Kafka gewidmet – habe ich als Taschenbuch (1. Auflage 1984 – edition suhrkamp 1215 – Neue Folge Band 215) vorliegen.

Peter Weiss 1982
Peter Weiss 1982

Während der Arbeit am ersten Band der Ästhetik des Widerstands dramatisierte Peter Weiss Kafkas Prozeß. Unmittelbar nach dem Abschluß der Roman-Trilogie, im Jahr 1981, begann er ein Stück zu schreiben, Der neue Prozeß, sein letztes Werk. Er inszenierte es zusammen mit Gunilla Palmstierna-Weiss am 12. März 1982 in Stockholm [Rolle des Josef K.: Stellan Skarsgård – genau der! – deutschsprachige Erstaufführung: Freie Volksbühne, Berlin, 25. März 1983 (Regie: Roberto Ciulli)]. Josef K. ist der „Held“ auch dieses Stückes – aber die Welt des Neuen Prozesses ist nicht mehr diejenige Kafkas, sondern die Gegenwart. Josef K. wird nicht eines Morgens verhaftet, „ohne daß er etwas Böses getan“ hätte, Josef K. ist Prokurist in einem großen Konzern. Wegen seiner Kenntnis der jeweils aktuellen politischen und ideologischen Strömungen, seiner Verantwortungsbereitschaft, seinem Eingehen auf die Nöte der Menschen ist sein Aufstieg, der Aufstieg des Intellektuellen zum Direktor des Konzerns, unumgänglich. Und auch dort, wo der multinationale Konzern die Konkurrenz auf dem Weltmarkt ausschaltet, verfügt K. über die große Menschheitspersepektive: „Wenn es keine Konkurrenz mehr gibt, ist auch der Eigennutz behoben. Dann dienen wir nur noch dem Allgemeinwohl.“ Für die Militärs und Minister ist er unersetzlich. Der neue Prozeß, den die Mächtigen dem Direktor K. machen, besteht gerade darin, daß er „ohne etwas Böses getan zu haben“, der Macht ihr Gesicht gegeben hat. (aus dem Klppentext)

siehe auch: Vergessene Stücke (13): Peter Weiss: Marat/Sade

Peter Weiss: Die Ästhetik des Widerstands

Die dreibändige Ausgabe des Romans Die Ästhetik des Widerstands von Peter Weiss habe ich in einem Band (1. Auflage 1988 – edition suhrkamp 1501) als Taschenbuch vorliegen und es in diesem Sommer zum 2. Mal gelesen. Die drei Bände umfassen über 940 Seiten und sind in zehnjähriger Arbeit zwischen 1971 und 1981 entstand. Das Werk stellt den Versuch dar, die historischen und gesellschaftlichen Erfahrungen und die ästhetischen und politischen Erkenntnisse der Arbeiterbewegung in den Jahren des Widerstands gegen den Faschismus zum Leben zu erwecken und weiterzugeben. Zentral ist der Gedanke der zu erreichenden Einheit: zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten wie zwischen der künstlerischen Moderne und der Arbeiterbewegung. Aufgrund seines besonderen formalen Aufbaus ist Die Ästhetik des Widerstands auch als Roman-Essay bezeichnet worden. (Quelle u.a. Wikipedia.org)

Peter Weiss 1982
Peter Weiss 1982

Das erst kurz vor dem Tod des Autors abgeschlossene Werk zeichnet ein umfassendes Bild der faschistischen Epoche in Europa aus der Sicht des antifaschistischen Widerstands und könnte als eine eigenständige Geschichtsinterpretation gedeutet werden, die eine Sicht aufzeigt, die die allgemeine Geschichtsschreibung zu gern unterdrückt sähe. Von daher kam auch die Kritik, die dem Roman eine gewisse Einseitigkeit vorwarf.

Ich will hier nicht in die Tiefe gehen, aber anhand von Stichworten einen Einblick in dieses Werk vornehmen:

Erster Band
Bergamon-Fries (erste Sicht einer Ästhetik des Widerstands aus der Antike – der Aufstand der Niederen gegen die gottgleichen Herrschenden – siehe Kunstwerke in der „Ästhetik des Widerstands“)
– Nazi-Herrschaft
Spanischer Bürgerkrieg
Sagrada Familia (Gaudí)
Guernica (Picasso)
Kafkas Das Schloss (S. 171 ff).

Zweiter Band
– Paris
GéricautsMedusa
– Montmartre
Spiegelgasse, Zürich (Lenin & Co.)
-Stockholm
– u.a. Ossietzkys Tod
Bert Brecht
Margareta, u.a. Königin von Schweden, 14. Jh.
Engelbrekt, Freiheitskämpfer, 15. Jh.

Dritter Band
– Stockholm
Karin Boye: Kallocain
BayonAngkor Wat, Kambodscha
Angkor Thom
Dürers Melencolia (S. 132)
– Hinrichtungen Plötzensee (S. 210)

… denn die Offenheit, die uns zu eigen war und die unsre Selbstandigkeit begründete, sollte aufgerieben werden, und wie viele schon auf der Strecke geblieben waren, so zerstört, daß sie die Verunstaltungen, denen sie anheimfielen, nicht einmal mehr erkannten, das hatte mit großer Detailschärfe einer geschrieben, dessen Werk, Das Schloß, ich in der Buchhandlung am Marktplatz fand. (S. 171)

Peter Weiss setzt sich mit Kafkas ‚Erzählung vom Landvermesser‘ (S. 175) detailiert auseinander und kommt zu dem Ergebnis: ‚Was Kafka geschrieben hatte, war ein Proletarierroman.‘ (S. 179)

Der Roman Die Ästhetik des Widerstands ist, seit dem Erscheinen des dritten Bandes im Jahre 1981, zu einem Kultbuch geworden. Peter Weiss gelingt nämich eine erzählerische Synthese der politischen und ästhetischen Strömungen des 20. Jahrhunderts: er entfaltet eine Ästhetik, die Widerstand gegen jede Art der Unterdrückung ist, und zugleich dem Widerstand eine Ästhetik einschreibt, die ihn vor jeder Dogmatik bewahrt. Was erzählt dieser Roman? Sein erstes Buch berichtet von einigen Freunden, jungen Arbeitern, die im September 1937 in Berlin ihren Standort umreißen. Unter ihnen befindet sich der Erzähler. Über die Tschechoslowakei, wo seine Eltern ansässig sind, gelangt er nach Spanien und nimmt teil am bewaffneten Widerstand, bis zum September 1938, dem Zusammenbruch der Republik. Er geht nach Paris. Die letzten Bemühungen um die Bildung einer Volksfront, einer Einheitsfront der beiden zerschlagenen deutschen Arbeiterparteien, verfolgt er hier. Es ergibt sich die Gelegenheit, nach Stockholm zu reisen. Geschildert wird im zweiten Buch die Vielschichtigkeit der Erlebnisse dort, bei den Gängen durch die Stadt, in der Zerzinnungsabteilung der Fabrik, bei der Anstrengung, Zugang zu künstlerischen Ausdrucksmitteln zu finden. In den ersten beiden Bänden der Ästhetik des Widerstands wurde die Auseinandersetzung mit Werken der Kunst geführt; im abschließenden Teil der Trilogie stehen die Schicksale der Menschen im Vordergrund. Der Autor verfolgt ihre Wege: Endstation für viele von ihnen sind die Hinrichtungsstätten des „Dritten Reichs“. Dennoch bleibt der Widerstand ihr Vermächtnis. (aus dem Klappentext).

„Wir sagten: Ulysses – und das nicht allein, um den Rang der Weiss’schen Epopöe zu bezeichnen, sondern weil wir glauben, daß es sich bei der Ästhetik des Widerstands um einen ebenso listigen wie gelungenen Gegen-Entwurf zum Joyceschen Kompendium handelt – Herakles tritt auf den Plan und fordert Odysseus in die Schranken der Poesie!“ Walter Jens

Wilseder Berg (Lüneburger Heide)

Wenn man wie wir am Rande der Lüneburger Heide wohnt, dann sollte auch die höchste Ergebung der Heide, der Wilseder Berg (169,2 m), einmal besucht werden. Am Samstag haben wir es mit Bekannten und deren Kinder endlich geschafft. Mit dem Auto sind wir ‚angereist‘ und haben dieses auf dem Parkplatz in Niederhaverbeck (direkt an der L121, Niederhaverbeck 14, 29646 Niederhaverbeck. Koordinaten: N53.150891  E9.908516 ) abgestellt. Von dort aus ist der Wilseder Berg überall ausgeschildert (direkter Weg ca. 4,5 km, 60 min).

Wilseder Berg (Lüneburger Heide) Willi guckt in die Heide
Lüneburger Heide vom Wilseder Berg

Es war ein trockener und angenehm frischer Tag. Also genau richtig, um sich auf den Weg zu machen. Auf dem Rückweg tranken wir Kaffee in der Wiesenwirtschaft Heidekönig oberhalb des Parkplatzes in Niederhaverbek: Empfehlenswert ist der Buchweizenkuchen mit Füllung, aber auch die Wildbeerentorte oder die Heidelbeer-Buttermilchtorte. Absolut lecker und wirklich preiswert.

Stanisław Lem: Die vollkommene Leere

Mitte September vor 100 Jahren, genauer am 12. September 1921, wurde der polnische Philosoph, Essayist und Science-Fiction-Autor Stanisław Lem geboren. Besonders durch seine ‚Zukunfts‘-Romane (z.B. Solaris und Golem XIV) ist er auch bei uns bekannt geworden. Lem gilt als brillanter Visionär und Utopist, der zahlreiche komplexe Technologien Jahrzehnte vor ihrer tatsächlichen Entwicklung erdachte.

Stanisław Lem 1966
Stanisław Lem 1966 (Quelle: wikipedia.org)

Ich selbst bin kein so großer Fan von Science Fiction. Viele Romane und Filme (ich denke da z.B. an Star Wars, Star Trek, alle die Superman und Superwoman-Filme) sind mehr oder weniger Märchen für Jugendliche und Erwachsene. Und so habe ich von Lem auch nur ein Buch in meiner Bibliothek, das keine Science-Fiction im herkömmlichen Sinne enthält: Die vollkommene Leere (suhrkamp taschenbuch st 707 – 1. Auflage 1981)

Das Buch enthält Rezensionen über nicht existierende Bücher. Als Erklärung schreibt Lem, dass der Autor Einfälle hatte, die er nicht in vollem Umfang zu realisieren vermochte; er konnte sie nicht niederschreiben … Es sind also Rezensionen über Bücher, die er selbst gern geschrieben hätte. Das ist übrigens nicht allein Lems Erfindung; nicht nur bei einem neuzeitlichen Schriftsteller – J.L. Borges – findet man derartige Versuche (z.B. Als „Besprechung des Werks von Herbert Quaine“ in dem Band „Labyrinthe“) […] auch Rabelais (Gargantua und Pantagruel) war nicht der erste … (S. 7)

Nun in der ersten Rezension schreibt Lem über ein Buch, dass diesem Buch den Namen gab: Stanisław Lem: Die vollkommene Leere – und schreibt am Ende: … Behauptung, nicht ich, der Kritiker, sondern er selbst, der Autor, hätte die vorliegende Rezension geschrieben … (S. 12) – und schafft so eine Art gedankliches Perpetuum mobile

Lem schafft Gedankenspiele der außerngewöhnlichen Art. In Les Robinsonades per Marcel Coscat schreibt er über Robinson Crusoes gesellschaftliches Leben, das es bekanntlich auf der einsamen Insel nicht gab. Er nennt es u.a. Soziologie der Einsamkeit oder eine Massenkultur einer menschenleere Insel. Höchst amüsant, wie ich finde.

In Patrick Hannahan – Gigamesh steht das Gilgamesch-Epos Pate (nur ohne den Buchstaben L) und wird in die Neuzeit ‚übersetzt‘. Hier wird „Gilgamesh“ zu einem G.I. J. Maesch mit einer „Vielfalt der Bezüge, die aus einem einzigen Wort entspringen, aus dem Titel nämlich.“ (S. 36)

Zu Simon Merril – Sexplosion nur ein Zitat: „… die […] Industrie der USA hatte die Stellungskünste des Ostens und des Westens verschlungen, aus den Fesseln des Mittelalters Gürtel der Untugend gemacht, die Kunst für die Projektierung von Beischlafstellungen, Seyarien, Magnopenissen, Megaklitoriden, Vaginetten und Pornotheken eingespannt, hatte sterilisierte Förderbänder in Betrieb genommen, von den Sadomobile, Kohabitatoren, Heimsodamäler und öffentlcihe Gomorkaden rollten, […] um den Kampf für die Befreiung des Geschlechts vom Dienst der Arterhaltung aufzunehmen.“ (S. 49) – Allerdings wird am Ende die Stellung, die der Sex eingenommen hatte, nun durch das Essen ersetzt.

In Alfred Zellermann – Gruppenführer Louis XVI. (Suhrkampf Verlag) versucht ein ehemaliger Gruppenführer der SS zusammen mit seinen ehemaligen Kameraden einen unabhängigen Staat zu bilden. Schauplatz der Handlung ist Argentinien im ersten Jahrzehnt nach dem Ende des Weltkrieges. Die Hauptstadt heißt „Parisia“ und befindet sich in einer Gegend, die mehrere hundert Meilen von den letzten Vorposten der Zivilisation entfernt liegt. Der SS-Gruppenführer Siegfried Taudlitz sieht sich als Reinkarnation Ludwigs XVI.

In diesem Stile geht es weiter (siehe Die vollkommene Leere bei wikipedia.org). In Arthur Dobb: Non serviam erzeugen Wissenschaftler im Computer Welten aus mathematischen Axiomen, in denen sich dann Personoiden entwickeln. Der Programmierer spielt Gott.

Zuletzt in Alfred Testa: Die neue Kosmogonie wird die Rede eines Professors anlässlich der Verleihung des Nobelpreises widergegeben. U.a.spekuliert der Redner, dass die Naturgesetze nicht unveränderlich sind, sondern durch uns überlegene Intelligenzen in einer Art Spiel umgeformt werden und darüber, was die Gründe für bestimmte momentane Naturgesetze sein könnten und ob sich mit den Naturgesetzen auch die Mathematik verändern könnte.

Aus dem Klappentext: In dem Maße, in dem Lem seine spiegelfechtenden Rezensionen und ausgedachten Autoren den Wirklichkeitsverlust von Denken und Sprache feststellen läßt, verdichten sich brillante literarische Parodie und ironische Berechnung wissenschaftlicher Aussagen zu einem rein literarischen hermetischen Gebilde – letztmögliche, hochartifizielle Reaktion eines utopischen Genres auf die fragwürdige Authentizität technologisch inspirierter Zukunftsvisionen. (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Wer sich auf das Buch einlässt, dass ohne Zweifel einen hohen Anspruch an den Leser stellt, wird sich eines außergewöhnlichen Lesegenusses erfreuen. Den Namen J.L. Borges habe ich oben erwähnt. Beide spielen mit ihren phantastischen Gedankenspielen in einer Liga.

Bundestagswahl 2021 und Stichwahl in Tostedt

Dr. Peter Dörsam weiterhin Bürgermeister der Samtgemeinde Tostedt

Die Arithmetik von Rolf Aldag (CDU) ist nicht aufgegangen. Bei der Erstwahl zum Bürgermeister der Samtgemeinde Tostedt erhielt er rund 25 %, addiert mit den 22 % von Herrn Zirkel (Zusammen für Tostedt) und Frau Michel (FDP), die sich beide zur Stichwahl für Herrn Aldag ausgesprochen hatten, wären das 55 %. Der Amtsinhaber und unabhängige Kandidat, Dr. Peter Dörsam, erreichte bei der Stichwahl 57,2 % und ließ dank gleichzeitiger Bundestagswahl bei einer Wahlbeteiligung von 67,8 % Herrn Aldag mit 42,8 % dann doch deutlich hinter sich. Den Witz mit dem ‚Zirkel‘-Schluss erspare ich mir.

Dr. Peter Dörsam – Bürgermeister der Samtgemeinde Tostedt
Dr. Peter Dörsam – Bürgermeister der Samtgemeinde Tostedt

Gratulation an Dr. Peter Dörsam, dem die zuvor verbreiteten Fake News nicht schaden konnten, im Gegenteil. Warum erinnert mich das an die Bürgermeisterwahl von 2014? Ich erwarte eine Entschuldigung von Herr Aldag in dieser Sache!

Frauenpower im Wahlkreis 36 Harburg

Nachdem er bei den Bundestagswahlen 2009, 2013 und 2017 das Direktmandat für den Wahlkreis 36 Harburg gewann, musste sich Michael Grosse-Brömer (CDU) diesmal Svenja Stadler (SPD) geschlagen geben. Sie zieht mit 31,0 % gegen 29,1 % der Erststimmen von Herrn Grosse Brömer bei dieser Wahl direkt in den Bundestag ein. Dieser bleibt allerdings über die Landesliste seiner Partei (Platz 2) dem Bundestag erhalten. Eine Schlappe für die CDU im Kreis. Den Erfolg macht Nadja Weippert von den Grünen komplett. Gratulation an Frau Stadler.

Planlos, schusselig und weltfremd

Die Union verliert die Bundestagswahl (24,1 %), aber Armin Laschet, der sich diese Niederlage ankreiden muss, will Bundeskanzler werden. Zuvor planlos im Wahlkampf hatte er mit unglücklichen Bildern zu kämpfen. So war es gestern symptomatisch, wie er seinen falsch gefalteter Stimmzettel für die vielen Fotografen und Kameramänner noch einen Moment festhält, bevor er ihn in die Wahlurne steckt. Auf den Fotos sind seine beiden Kreuze deutlich erkennbar.

Laschet verspricht eine „Zukunftsregierung“ mit Grünen und FDP (‚Jamaika‘-Koalition), aber viel Zukunft mit ihm und z.B. einem Friedrich Merz wird die Union nicht bieten können. Weltfremd nenne ich das.

Die SPD erringt dank Olaf Scholz 25,7 % und ist jetzt eigentlich am Zug, die Regierung zu bilden. Mit Scholz als Bundeskanzler käme neben einer ‚Ampel‘-Koalition (gleichfalls mit Grünen und FDP) als insgesamt dritte Möglichkeit wieder eine GroKo (große Koalition zwischen SPD und Union) in Frage, was aber keiner wirklich will.

Wir dürfen gespannt sein, zu welcher Koalition es kommen wird. Die Grünen, mit 14,8 % wieder drittstärkste Partei im Land, tendieren zur SPD, die FDP (11,5 %) zu CDU/CSU. Der One-Man-Showman Lindner (FDP) hat aber Gemeinsamkeiten mit den Grünen entdeckt. Es sieht also vieles nach einer ‚Ampel‘-Koalition aus, es sei denn, Lindner & Co. ziehen wieder den Schwanz ein wir vor vier Jahren.

Die Linke bleibt zwar unter 5 %, ist aber dank dreier Direktmandate ebenfalls wieder im Bundestag vertreten. Zum ersten Mal seit 60 Jahren hat der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) wieder an einer Bundestagswahl teilgenommen. Dieser vertritt die dänische Minderheit und die nationalen Friesen. Da die 5-%-Klausel für diese Partei nicht gilt, reichte die Anzahl ihrer Wähler, um einen Sitz im Bundestag zu bekommen.

Mit 10,3 % und vielen Direktmandaten in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt ist auch die rechtsextreme AfD wieder im Bundestag vertreten. Immerhin ist es ein Lichtblick, dass sie in Corona-Zeiten nicht weiter zulegen konnte, im Gegenteil real 200.000 Wähler verlor – trotz höherer Wahlbeteiligung (76,6 % 2021 zu 76,2 % 2017). Okay, über 700.000 (1,6 %) sind an die „Querdenker“-Partei (dieBasis) gegangen.

Bundestagswahl 2021

Am Sonntag ist es also soweit: ein neuer Bundestag wird gewählt. Und alles ist wieder einmal anders als vor vier Jahren (ein Blick zurück ‚im Zorn‘), als die SPD zunächst einen Rückzieher machte, um dann doch mit der Union erneut zusammenzukommen, weil Herr Lindner (FDP) plötzlich doch den Schwanz einzog.

Dank Herrn Olaf Scholz (eigentlich undank Armin Laschet) ist die SPD plötzlich die stärkste Partei im Lande und damit wie Phönix aus der Asche entstiegen. Wenn man den Umfragen Glauben schenken darf (immerhin gelten noch 40 % der Wähler als unentschlossen). Und die SPD dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach den nächsten Bundeskanzler stellen. Aber mit wem? Mit den Grünen und Linken (dürfte nicht reichen)? Oder doch eher mit den Grünen und der FDP? Vielleicht wieder eine große Koalition (die längst keine große mehr ist)? Dazu bräuchte man aber die Grünen oder die FDP als dritten Partner. Aber alles, nur nicht mit der FDP. Dazu unten etwas mehr.

16 Jahre regierte Angela Merkel und tritt nun ab. In diesen Jahren hat sie mit CDU/CSU viel ‚erreicht‘:

Korruption und dubiose Lobbykontakte, gefährliche Flirts mit der AfD, eine desaströse Klimapolitik: 16 Jahre Union haben unser Land in eine schwere Krise geführt. Am 26. September könnte sich das endlich ändern – wenn die Wähler*innen sich für eine Regierung entscheiden, die für alle Menschen Politik macht.

Viel zu viel ist liegengeblieben. Es gibt Kinderarmut, eine Bildungskrise, Digitalisierungsstau. Die Pflege ist über dem Anschlag, die Verkehrswende findet nicht statt, die industrielle Landwirtschaft quält Tiere und tötet unsere lebenswichtigen Bienen.

So schreibt Dr. Felix Kolb, Vorstand von Campact, dem ich mich nur anschließen kann. Aber wie sieht es mit Olaf Scholz aus, dem potentiellen Bundeskanzler. Cum-Ex-Skandal, Wirecard-Pleite, G20-Gipfel in Hamburg und seine Folgen: Herr Scholz weiß von nichts, kennt keine Verantwortung. Und ist auf der Beliebtheitsskala doch vorne weg. Und als hätte er und die SPD die genannten Versäumnisse nicht mitverantwortet.

Armin Laschet (CDU) – Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) – Olaf Scholz (SPD)
Armin Laschet (CDU) – Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) – Olaf Scholz (SPD)

Annalena Baerbock hat mit den Grünen den lange Zeit bestehenden Vorsprung durch einen unprofessionellen Wahlkampf verspielt. Wie man Wahlkampf macht zeigt die FDP: Nicht Inhalte sind gefragt, sondern Bilder: Herr Lindners One-Man-Show in schwarz-weißen Bildern, wie er so des Abends am Schreibtisch hockt und sich angeblich Gedanken über die Zukunft des Landes macht, kommen besonders bei jungen Wählern an. Dabei sind gerade sie es, die durch die neoliberale Wirtschaftspolitik der FDP auf längere Sicht die Leidtragenden sein werden: Der Markt regelt alles! So seine Devise. Wie wir es zur Ungenüge z.B. auf dem Energie-, dem Wohnungs-, Bildungs- und Arbeitsmarkt sehen. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird größer. Bisher hat Herr Lindner nur gut reden. Verantwortung hat er bis heute abgelehnt.

Wie also am Sonntag wählen? An der Wahl nehmen von den 54 zugelassenen Parteien letztendlich 47 Parteien teil. Dabei beteiligen sich 40 Parteien mit Landeslisten. Da es die 5-%-Klausel gibt, dürfte wohl kaum eine der kleinen Parteien eine Chance haben, in den Bundestag einzuziehen. Trotzdem werden diese eine gewisse Rolle bei der Wahl spielen, da diese in der Summe wohl an die 10 % der Wählerstimmen bekommen werden und somit indirekten Einfluss auf die Sitzvergabe nehmen.

Es ist wie immer die Wahl zwischen Cholera und Pest. Nur dass jetzt auch noch Mumps, Masern und Maul-und-Klauenseuche (Hand-Fuß-Mund-Krankheit) hinzukommen. Trotz der vielen Fehler, die die Grünen im Wahlkampf verzapft haben, werde ich diese Partei wählen, allein schon, um Union und SPD nicht zu stark werden zu lassen. Und weil grüne Politik immer noch die mit den besseren Zukunftsaussichten ist. Nicht mehr unbedingt für mich, aber für meine Kinder!

Dörsam vs. Aldag – Stichwahl um das Bürgermeisteramt in der Samtgemeinde Tostedt

Neben der Bundestagswahl entscheidet sich am Sonntag (26.09.2021) in einer Stichwahl zwischen Dr. Peter Dörsam als unabhängiger Kandidat und Amtsinhaber sowie Rolf Aldag (CDU), wer in der Samtgemeinde Tostedt für die kommenden Jahre Bürgermeister sein wird. Wer seine auch für die Stichwahl gültige Wahlbenachrichtigung bereits entsorgt hat, kann sich auch mit dem Personalausweis verifizieren.

Rolf Aldag wirbt mit dem Slogan: Neue Energie! Und begründet das wie folgt: „Neue Energie bedeutet auch, dass wir die Klimakrise und Co2-Reduzierung durch neue Formen der Energiegewinnung und Mobilität lösen.“ Weiter: „Mit Klimakrise, Energiewandel und Digitalisierung beschäftige ich mich als Mitglied in der EWE Verbandsversammlung und als Sprecher des EWE-Netzbeirates.“

Der Slogan klingt für mich wie ein Werbespruch für ein Energieunternehmen. Ich finde ihn irritierend und daher eher unpassend für einen Kandidaten. Aber jedem das Seine. Dass ein Bürgermeister wenig direkten Einfluss auf die Klimakrise, damit auf den Energiewandel und die Digitalisierung hat, sollte Herrn Aldag bekannt sein. Da mag er innerhalb des Energieunternehmens EWE sicher mehr erreichen. Von daher findet ich es irreführend, diesen sicherlich im Wahlkampf um den Bundestag angebrachteren Themenkreis auf kommunale Politik anzuwenden. Aber es klingt nun einmal so schön, wenn sich ein Politiker die aktuellen Fragen auf die Fahne schreibt. Als CDU-Politiker weiß er, das seine Partei in Umweltfragen weit hinter einer grüner Politik hinterherhinkt, auch wenn der CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet sich diesen Themen – zumindest verbal im Wahlkampf – anzunehmen scheint. Dass Herr Aldag Finanzierungsberater ist, lasse ich lieber unkommentiert.

Seit dem 1. November 2014 ist Herr Dr. Peter Dörsam im Amt und hat nicht nur nach meiner Meinung einen guten Job gemacht. Wie bei der Wahl vor sieben Jahren so werde ich auch diesmal Herrn Dörsam wählen. In vielen Fragen und bei Problemen konnten sich Bürger direkt an ihn wenden und wurden nicht mit Phrasen, sondern mit konkreter Hilfe bedient. Vielen Dank dafür!

    Dr. Peter Dörsam – Bürgermeister der Samtgemeinde Tostedt
    Dr. Peter Dörsam – Bürgermeister der Samtgemeinde Tostedt

Entgegen seinem Vorgänger von der CDU hat er es geschafft, dass das Freibad endlich erneuert wurde. Auch in vielen anderen Dingen hat Herr Dörsam in seiner bisherigen Amtszeit vieles erreicht bzw. angestoßen. Lesen wir die Programme der beiden Herren, dann decken sich diese in vielen Punkten. Warum also das Wagnis riskieren, einen Politiker wie Herrn Aldag zum Bürgermeister zu machen, wenn wir mit dem alten, Herrn Dörsam, zufrieden sein können.

Ich empfehle bei der Wahl des Bürgermeisters der Samtgemeinde Tostedt am Sonntag: Dr. Peter Dörsam

Erziehung zum Arschloch

    Unser Junge soll mal ein richtiges Arschloch werden, damit er es im Leben zu etwas bringt.
    Til Mette

Früh übt sich, was ein großes Arschloch werden will. Die richtige Erziehung zur rechten Zeit – und schon lässt das Kind den großen Macker heraushängen. Allem Anschein nach nimmt die Anzahl der Aftertypen stetig zu. Ich fürchte nur, dass es viele Anusitäre nicht immer zu besonders viel bringen. Til Mette hat seinen Spruch ja auch ironisch gemeint.

Gut, einige Arschlöcher haben es zu etwas gebracht. Bei denen hat die Erziehung zum Arschloch gefruchtet. Da gibt es diesen veganen Verschwörungsprediger, der, wie sollte es anders sein, zuallererst an sein Portemonnaie denkt und viel Geld schaufeln konnte. Allerdings ist sein Energydrink inzwischen vor die Hunde gegangen.

Am Rande: Warum ist Attila, der Hunnensohn, eigentlich vegan? Ein Schwein hat sein Gehirn gefressen. Scherz beiseite: Durch eine Anonymous-Gruppe wurden mehrere Kanäle und Websites von diesem hirnrissigen Proktos gekapert (Quelle: berliner-zeitung.de). Aber ein Arschloch kann nicht die Schnauze halten.

Fallbeispiel 2: Der Markt regelt alles. Das ist die zentrale Aussage eines weiteren Arschlochs. Immerhin leugnet dieser nicht den fortschreitenden Klimawandel, meint aber, dass auch hier der Markt durch Technologien Abhilfe schaffen könnte. Allerdings Technologien, die es noch gar nicht gibt. Auch der Wohnungsmarkt reguliert sich selbst: Wohnungen werden zwar geschaffen, aber die Mieten steigen unaufhaltsam und werden für viele bald unbezahlbar. Bis die Immobilienblase platzt.

Mich graut es schon davor, seine Partei (die FDP) und damit ihn mit in der Regierungsverantwortung zu sehen. Aber bisher hat er sich davor gedrückt. Überhaupt: Wie kann ein normaler Arbeitnehmer ein Wähler dieser Partei sein, denn er entspricht nicht gerade dem Idealbild dieser Partei mit ihrer neoliberalen Wirtschaftspolitik.

Aber es kommt in diesen Zeiten des Coronavirus noch viel schlimmer: Fanatische Impfgegner und Corona-Leugner radikalisieren sich offenkundig weiter und setzen zunehmend auf militante Rhetorik. Ein suspendierter Bundespolizist sprach im „Corona-Ausschuss“ bei den Corona-Maßnahmen von einem „Staatsstreich“. Es liege ein gewalttätiger Umsturz durch die Regierung vor. Die Polizei werde für diesen Staatsstreich missbraucht.

Der sogenannte Ausschuss ist ein selbst ernanntes Gremium, das in mehrstündigen Sitzungen teilweise krude Thesen über die Pandemie verbreitet. Die Videos der „Sitzungen“ werden im Netz verbreitet. Der „Ausschuss“ bewirbt unter anderem Videos des Verschwörungsideologen Rainer Fuellmich, der im Frühjahr beispielsweise behauptete, 25 Prozent der Geimpften würden umgehend sterben. Weitere 36 Prozent hätten wohl so schwere Nebenwirkungen, dass man nicht wisse, ob sie es schaffen würden. Von einer „organisierten Massentötung“ war die Rede. Demnach müsste es bei einer Impfquote von mehr als 60 Prozent bereits Millionen Impftote in Deutschland geben. Hier handelt es sich schon nicht mehr um Arschlöcher, sondern um hirnverbrannte Idioten (Quelle: tagesschau.de)

In Idar-Oberstein, wo ich mit meiner Frau vor zwei Jahren Urlaub machte, wurde nun ein 20-jähriger Tankstellen-Kassierer nach einem Streit über die Maskenpflicht erschossen. Der Kassierer hatte den Mann auf die Einhaltung der Maskenpflicht hingewiesen. Als Motiv gab der deutsche Täter an, dass ihn die Situation der Corona-Pandemie stark belaste. Er habe sich in die Ecke gedrängt gefühlt und „keinen anderen Ausweg gesehen“ als ein Zeichen zu setzen. Das Opfer schien ihm dabei „verantwortlich für die Gesamtsituation, da es die Regeln durchgesetzt habe“. Wie vernagelt muss ein solcher Typ sein.

Idar-Oberstein 2021: Tatort des Mordes an einem Tankstellenkassierer
Idar-Oberstein 2021: Tatort des Mordes an einem Tankstellenkassierer

Während unseres Urlaubs in Idar-Oberstein haben meine Frau und ich an der Tankstelle öfter eingekauft, kennen also den Tatort. Kein Wunder also, wenn da in mir jetzt ein mulmiges Gefühl aufsteigt.

Weltkindertag 2021

Heute ist Weltkindertag und Grund genug, uns einmal Gedanken zu machen, wie es gerade den Kindern (natürlich auch den Jugendlichen und Studenten) in Coronazeiten geht. Aus Rücksicht besonders auf die älteren Menschen (zu denen ich zähle) haben Kinder besonders zu leiden. Unterrichtsausfälle, geschlossene Kindertagesstätten, untersagte soziale Kontakte. Und marode Schulen, die einen Schulunterricht in solchen Zeiten nicht zulassen. Was soll aus dieser Generation werden, wenn die primären Bedürfnisse der Kinder nicht befriedigt werden. Kinder sind unsere Zukunft, heißt es: Nein, sie sind unsere Gegenwart! Die Politik versagt einmal mehr auf ganzer Linie!

Weltkindertag 2021
Weltkindertag 2021

Erst letzte Woche wurden mehrere Schulklassen bei uns in Tostedt für zwei Wochen in Quarantäne geschickt, weil Erwachsene sich nicht an Corona-Regeln halten und ungeimpft meinen, große Hochzeitsfeiern abhalten zu müssen. Danke, liebe Erwachsene! Ihr könnt richtige Arschlöcher sein!

Ein bunter Haufen in den Tostedter Räten

Wer gestern in meinem Wohnort wählen durfte, hat hoffentlich seine Benachrichtigung zur Kommunalwahl noch nicht weggeworfen: Mit der Bundestagswahl am 26. September gibt es eine Stichwahl bei der Wahl des Samtgemeindebürgermeisters in Tostedt. Der Amtsinhaber, Dr. Peter Dörsam, kam zwar auf 44,6 % der abgegebenen Stimmen, muss sich aber Rolf Aldag von der CDU (25,0 %) erneut stellen. Jan Hinnerk Zirkel (Wählergruppe Zusammen) ist mit 22,4 % ausgeschieden und darf nun im Samtgemeinderat zeigen, wie „Projekte vernünftig zu planen und zeitnah umzusetzen“ sind.

Der Samtgemeinderat mit 34 Sitzen präsentiert sich mit seinen 10 Parteien bzw. Wählergruppen als ziemlich „bunter Haufen“, was sicherlich auch an dem ‚massiven‘ Auftreten der neuen Wählergruppen lag. Überhaupt: Ich habe den Eindruck, dass die Parteien/Wählergruppen am besten abgeschnitten haben, die besonders durch Wahlplakate präsent in der Öffentlichkeit waren. Die SPD hatte nur für die noch kommende Bundestagswahl plakatiert und musste so entgegen dem Bundestrend (Scholz-Effekt) sogar empfindliche Verluste hinnehmen. Oft zählen nicht Programme, sondern Visagen.

Kommunalwahl 2021 in Niedersachsen
Kommunalwahl 2021 in Niedersachsen

Insgesamt bleibt die CDU bei der Kommunalwahl in Niedersachsen stärkste Partei in Niedersachsen. Die Grünen konnten dafür deutlich dazugewinnen. Als halbwegs erfreulich dürfte das Abschneiden der AfD zu bewerten sein, die bei unter 5 % landete.

Kommunalwahlen in Tostedt 2021

Wie bereits geschrieben: Am Sonntag, den 12.09., finden in Niedersachsen Kommunalwahlen statt, somit auch in meinem Wohnort Tostedt. Gleich viermal dürfen wir, die Wahlberechtigten, ihre Kreuzlein machen: Zum einen wird der neuen Kreistag gewählt (bei uns für den Kreis Harburg), zum anderen werden die Mitglieder des Gesamtgemeinderates und die jeweiligen Mitglieder der Gemeinderäte der insgesamt neun Gemeinden innerhalb der Samtgemeinde Tostedt gewählt. Das I-Tüpfelchen ist dann die Wahl des Samtgemeindebürgermeisters für Tostedt.

Bürgermeister der Samtgemeinde Tostedt ist seit sieben Jahren Dr. Peter Dörsam, der sich wieder als unabhängiger Kandidat zur Wahl stellt. Sein Vorgänger, Dirk Bostelmann, hat es bis heute nicht überwunden, 2014 abgewählt worden zu sein. So schickt dieser jetzt seinen Ziehsohn, Herrn Zirkel, ins Rennen. Mit diesem u.a. auch seine Tochter für die Wahl des Samtgemeinde- und Gemeinderates.

Ich habe etwas herum gehorcht und erfahren, dass viele Bürgerinnen und Bürger mit der Arbeit von Herrn Dörsam zufrieden sind. Er ist für Fragen und Anregungen zu sprechen und hat in vielen Fällen bei Problemen für Abhilfe gesorgt.

Einer seiner Herausforderer, Herr Zirkel von der Wählergruppe „Zusammen für Tostedt“, fordert, weniger zu reden und zu debattieren, es dafür mehr und schneller zu machen. Sehr konkret klingt das nicht. Wenn er dann in einem Flyer u.a. das Thema Digitalisierung hervorhebt, dann sollte er wissen, dass die notwendige Digitalisierung der Schulen Aufgabe des Landes ist. Und ihm muss es bekannt sein, dass in Tostedt gerade im großen Rahmen Glasfaser für ein schnelles Internet verlegt wird. Auch der Ausbau der Radwege ist längst eingeleitet.

Wenn Herr Zirkel alles schneller machen möchte, dann sollte er wissen, dass nicht allein die Politik die Geschwindigkeit vorgibt, sondern dass es Vorschriften für die Verwaltung gibt, die unbedingt einzuhalten sind und ihre Zeit brauchen, um nicht durch Verfahrensfehler am Ende ein Projekt vollständig zum Scheitern zu bringen. „Weniger reden und debattieren?“ Möchte Herr Zirkel wie vor Jahren Herr Bostelmann von oben herab bestimmen, was zu tun und zu lassen ist?

Ich bin gespannt – vor allem auch in Hinsicht auf die zwei Wochen später stattfindende Bundestagswahl – wie die Wahlen am Sonntag ausgeben werden. Sollte einer der Kandidaten zur Samtgemeindebürgermeisterwahl nicht die absolute Mehrheit erhalten, dann findet die Stichwahl zwei Wahlen später, also mit der Wahl zum deutschen Bundestag statt.