Willi, der Berliner, und die ‚Mauer‘

Wenn wir jetzt in Coronazeiten etwas mehr Zeit haben (als Rentner habe ich bekanntlich eigentlich keine Zeit!), dann ist eine sinnvolle Nutzung dieser Zeit zweckmäßig. Könnte ich so sagen … Mehr oder wenige alte Fotos zu sichten, ist eine dieser Tätigkeiten. Und bei (fast) allen dieser Fotos gibt es im Hintergrund eine kleine ‚Geschichte‘.

Am 26. Juni 1963 hielt der damalige US-Präsident John F. Kennedy seine berühmte Rede „Ich bin ein Berliner!“ vor dem Rathaus Schöneberg in Berlin. Natürlich war er kein gebürtiger Berliner und meinte das im übertragenen Sinne: “Two thousand years ago the proudest boast was ‘Civis romanus sum’. Today, in the world of freedom, the proudest boast is ‘Ich bin ein Berliner’.” – „Vor zweitausend Jahren war der stolzeste Satz ‚Ich bin ein Bürger Roms‘. Heute, in der Welt der Freiheit, ist der stolzeste Satz ‚Ich bin ein Berliner‘.“

    John F. Kennedy: 'Ich bin ein Berliner'
    John F. Kennedy: „Ich bin ein Berliner“

Natürlich konnte Kennedy kein Deutsch. So wurde das bekannte Zitat in eine englische Aussprache übertragen, die er sich handschriftlich festhielt: „Ish bin ein Bearleener“ (siehe auch meinen Beitrag Kennedy-Mord: eine Verschwörung Teil 2).


John F. Kennedys Rede vor dem Rathaus Schöneberg/Berlin: „Ich bin ein Berliner“

Nun ist nicht nur Kennedy ein ‚Berliner‘, sondern auch ich. Im wahrsten Sinne! Ich bin in Berlin im schönen Schöneberg geboren. Wenn es das auch schon fast war, was mich und Berlin betrifft. Denn noch als Kleinkind zog ich mit meiner Familie aus Berlin an den Nordrand des Schwarzwaldes.

Von dem Bau der Berliner Mauer habe ich vor Ort also nichts mitbekommen. Und von Kennedys Rede dann wie vom Mauerbau erst als Schüler der Grundschule in Bremen. So bekam ich auch erst spät die Mauer auf Klassenfahrten zu Gesicht. Zuletzt war ich im Juli 2001 in Berlin. Da war die Mauer längst gefallen und nur noch Reste zu besichtigen.

Reste der Berliner Mauer
Rest der Berliner Mauer

Inzwischen ist die Berliner Mauer in viele Brocken zerschlagen und weltweit als zu Anschauungszwecken zu besichtigen. Ein Teilstück ist z.B. in Hamburg zu sehen. In der neuen Hafencity findet man dieses auf dem Platz der Deutschen Einheit unweit der Elbphilharmonie. Als ‚alter Berliner‘ durfte ich mich vor diesem unrühmlichen Teil der deutschen Geschichte abbilden lassen.

Teil der 'Berliner Mauer': Platz der Deutschen Einheit, Hamburg - Oktober 2018
Teil der ‚Berliner Mauer‘: Platz der Deutschen Einheit, Hamburg – Oktober 2018

Und ein Miniteilchen der Mauer liegt bei uns im Wohnzimmer im Bücherregal. Irgendwann müssen wir das Stück käuflich erworben haben. Es ist gewissermaßen auch ein Teil von mir ….:

    ... die mauer - the wall - le mur ... 13.08.1961 - 09.11.1989
    … die mauer – the wall – le mur … 13.08.1961 – 09.11.1989

Fotos haben ihre eigenen Geschichten!

Bauplanung ‚Am Bahnhof 9/9a‘ in Tostedt (11): „Der Betonklotz von Tostedt“

Der Ausdruck ‚Betonklotz von Tostedt‘, der sich auf den aus vier Häusern bestehenen Wohnblock ‚Am Bahnhof 9/9a‘ in Tostedt bezieht, stammt nicht von mir. Öfter bin ich oder ist meine Frau auf den Neubau angesprochen worden und immer stand dabei die Voluminösität (um es einmal so auszudrücken) des Baues im Mittelpunkt. „Da haben die sich aber was Tolles ausgedacht! Und das mitten in Tostedt!“ – „Eine Nummer kleiner ging es wohl nicht!“ Selbst unser Gemeindebürgermeister, Gerhard Netzel, zeigte sich anhand der Größe etwas irritiert, wie er es in seiner Ansprache anläßlich des weihnachtlichen Richtfestes äußerte.

Neubau ‚Am Bahnhof 9/9a‘ in Tostedt - 'Der Betonklotz von Tostedt'
Neubau ‚Am Bahnhof 9/9a‘ in Tostedt – ‚Der Betonklotz von Tostedt‘

Ich will mich hier nicht hinter den Aussagen anderer verstecken. Vom Tenor her könnten die Sprüche nämlich auch von mir sein. So frage ich mich, was solche als Stadthäuser deklarierten Bauten in einem kleinen Ort wie Tostedt zu suchen haben. Klar, mir ist bewusst, dass das ‚der neue Baustil‘ ist, der inzwischen überall zu finden ist, so auch in Tostedt (und eines Tages vielleicht als die Bausünde der 2020-er Jahre abgetan wird). Und es ist ein Baustil, der schwammige Bauvorschriften ‚hintergeht‘, indem eine nach dem Bebauungsplan zulässige Bebauung mit maximal 2 bzw. 3 Vollgeschossen um ein Stapelstockwerk erweitert wird. Wenn dann darüber noch Aufbauten für die Fahrstuhlschächte und die ‚raumlufttechnischen Anlagen‘ errichtet werden, so kommen wir bei drei Vollstockwerken optisch schon auf fünf Stockwerke. Übrigens: Die Umgebung wird überwiegend durch ein- bis zweigeschossige Wohn- und Mischnutzungen geprägt, wie es auch die Bauherren ‚anerkennen‘.

Apropos Stadthäuser: Ich finde es schon ziemlich interessant, wenn in der Begründung zur Bebauungsplanänderung, die am Ende vom Gemeindedirektor unterzeichnet wurde, von innenstadtnahen Flächen („… [um] die innenstadtnahen Flächen möglichst vielen Menschen für Wohnzwecke zur Verfügung stellen zu können“) und „Wohnquartieren mit hohen Grünanteilen“ die Rede ist. Hier wird vieles schöngeredet (die Innenstadtnähe würde ich gelinde gesagt als relativ ansehen, wobei statt Innenstadt der Begriff Ortsmitte für Tostedt eher zutrifft – und zum angeblich hohen Grünanteil haben die Anrainer einiges betragen können, indem sie Politik und Verwaltung schon früh auf die anfangs noch größeren Ausmaße des Bauvorhabens hinwiesen).

Im November 2018 gab es Baggerarbeiten und seit April 2019 ist das Grundstück mit den vier entstehenden Neubauten eine andauernde Baustelle. Morgens von Montag bis Freitag geht kurz nach 6 Uhr 30 (im Winter ab 7 Uhr) der Baulärm in unmittelbarer Nähe zu uns los und dauert mit kurzen Pausen bis gegen 16 Uhr. Gerade jetzt in Coronazeiten, wenn wir zu Hause verbleiben sollen, das Wetter sich von der freundlichen Seite zeigt und wir gern draußen auf unserer Terrasse sitzen möchten, kann das natürlich ganz schön ‚auf den Geist‘ gehen. Hoffen wir auf ein baldiges Ende (das für uns aber noch nicht absehbar ist).

Was einst als Schandfleck Tostedts bezeichnet wurde, mausert sich zu einem ‚Wohnquartier‘, das sicherlich neuen Wohnraum schafft (der allerdings nicht der billigste sein wird, denn Spekulanten wollen hohe Renditen), dafür aber das Ortsbild einer immer noch kleinen Gemeinde nachhaltig verändert.

Maske in Schwarz

Frei nach der Operette Maske in Blau kommen wir in diesen Tagen der Maskenpflicht im Nahverkehr und besonders in den Geschäften (gilt auch für Wochenmärkte) nach. Ohne Gesichtsmaske kein Einlass.

Einkauf nur mit Gesichtsmaske: Maske in Schwarz
Einkauf nur mit Gesichtsmaske: Maske in Schwarz

Besonders glücklich bin ich noch nicht mit meiner Maske, denn als Brillenträger habe ich so meine Probleme: die Brille beschlägt durch meinen Atem, auch reine Nasenatmung nützt nicht viel. Andere bekommen sogar Atemnot. Meine Frau und ich haben Gesichtsmasken von meinem Sohn, der in Mannheim studiert, bekommen, die wohl um einiges besser sind (… und meinen anderen Sohn traf ich beim Einkaufen – mit einer Maske in Schwarz). Und da auch Tücher als Masken gelten, werde ich beim nächsten Einkauf vielleicht ein solches benutzen.

Bleibt gesund, wir bleiben am Ball!

Reibende Ellenbogen

Distanz ist die neue Nähe. ‚Physical distancing‘, also den körperlichen und nicht emotionalen Abstand wahren ist das Gebot in Zeiten des Coronavirus. Und statt mit Handschlag kommen wir uns maximal mit den Ellenbogen nahe – kurz reibend. Die Gesichter abgewandt, um nur nicht den Gegrüßten direkt anzuhauchen. Es entwickelt sich also eine neuartige Ellenbogengesellschaft. Und ab dieser Woche mit Gesichtsschutz, wenn die Begrüßung im Nahverkehr oder in einem Geschäft vollzogen wird.

    Ian Anderson: Zeigt her Eure Ellies ...
    Ian Anderson: Zeigt her Eure Ellies …

Es ist schon viele Jahre her, da ging ein gewisser Herr Ian Anderson von der Rockgruppe Jethro Tull auf Solotournee, die den Titel „Rubbing Elbows“ trug. Das war mehr eine Talkshowtour (Andersons O-Ton :“… a talk show with too much music, or a music concert with a tendency to wander off into obscure spoken topics„). Herr Anderson neigt zur Eloquenz. Und da Herr Anderson nicht gern jedem die Hand gibt (machen bekanntlich alle Briten ungern) – angeblich hatte er zuvor eine Handverletzung und sein Arzt riet ihm vom Händeschütteln ab -, so begrüßte er seine Gäste per reibende Ellenbogen, daher der Titel der Show.

    Ian Anderson grüßt per 'Rubbing Elbows'
    Ian Anderson grüßt per ‚Rubbing Elbows‘

Und noch etwas: Der Begriff „to rub elbows with somebody“ steht für den gesellschaftlichen Umgang mit jemandem: „mit jemandem verkehren“.

Ich habe noch einmal nachgeschaut und ein kleines Video gefunden, das vor vielen Jahren im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Die Qualität ist ziemlich mau. Aber es zeigt Ian Anderson, wie er eine andere Person mit „Rubbing elbows“ begrüßt. Die Erläuterung dazu gibt ein gewisser Leslie Mandoki, der in diesen Coronazeiten gemeinsam mit Ian Anderson ein Dankeschön an alle unermüdlichen Hilfskräfte ausgesprochen hat (#WeSayThankYoudas Video).

Ich kann euch nur alles Gute wünschen. Haltet euch gerade und vor allem: Bleibt gesund! Hier nun das besagte Video:

Welttag des Buches – Willi liest

Es ist eine schöne Sitte (oder fast schon Unsitte), Tagen eine gewisse Bedeutung zu geben. Heute ist also der Welttag des Buches. So wird dem Buch als solches gehuldigt. Ich wäre der Letzte, der etwas dagegen hätte.

23. April: Welttag des Buches
23. April: Welttag des Buches

Wenn man wie ich von der schnöden Arbeit entbunden ist, also über freie Zeit en masse verfügt (es sei denn, andere meinen, meine kostbare Zeit unnötig in Anspruch zu nehmen), der schlägt gern ein Buch auf oder zwei oder drei …

Noch in etwas sichtbar weiter (wohl auch geistiger) Ferne liegt der Ulysses von James Joyce (übersetzt von Hans Wollschläger) auf einem Stapel anderer Bücher, den ich vor vielen Jahren einmal bis zur Seite 400 geschafft hatte. Dann gab ich es mit dem Hinweis auf, es einmal z.B. im Rentenalter erneut aufzuschlagen:

Stately, plump Buck Mulligan came from the stairhead, bearing a bowl of
lather on which a mirror and a razor lay crossed. A yellow dressinggown,
ungirdled, was sustained gently behind him on the mild morning air. He held
the bowl aloft and intoned:
—Introibo ad altare Dei.
Halted, he peered down the dark winding stairs and called out coarsely:
—Come up, Kinch! Come up, you fearful jesuit!

… zu Deutsch nach Hans Wollschläger (1975):

STATTLICH UND FEIST erschien Buck Mulligan am Treppenaustritt, ein Seifenbecken in
Händen, auf dem gekreuzt ein Spiegel und ein Rasiermesser lagen. Ein gelber Schlafrock mit
offenem Gürtel bauschte sich leicht hinter ihm in der milden Morgenluft. Er hielt das Becken in die
Höhe und intonierte:
– Introibo ad altare Dei. [Zum Altar Gottes will ich treten, …]
Innehaltend spähte er die dunkle Wendeltreppe hinunter und kommandierte grob:
– Komm rauf, Kinch! Komm rauf, du feiger Jesuit!

… und in der Übersetzung von Georg Goyert (1927):

Gravitätisch kam der dicke Buck Mulligan vom Austritt am obern Ende der Treppe: er trug ein Rasierbecken, auf dem kreuzweise ein Spiegel und ein Rasiermesser lagen. Im milden Morgenwind bauschte sich leicht hinter ihm ein gelber, ungegürtelter Schlafrock. Er hob das Becken in die Höhe und stimmte an:
>Introibo ad altare Dei.< Dann machte er halt, sah die dunkle Wendeltreppe hinab und rief rauh: >Kinch, komm rauf! Komm rauf, du gräßlicher Jesuit!<

In zwei Jahren jährt sich zum hundertsten Mal der Jahrestag des Erscheinens (1922) dieses Romans. Also wäre das DANN doch der richtige Zeitpunkt, oder?

Was lese ich im Augenblick? Es ist zum zweiten Male Juli Zehs Spieltrieb aus 2004 (Anlass zum erneuten Lesen war für mich die Verfilmung ihres Romans Unterleuten). Zum ‚Spieltrieb‘ in den nächsten Tagen etwas mehr …

Was lest Ihr eigentlich so … in Zeiten des Coronavirus? Sich mit einem guten Buch in den nächsten Park zu setzen, ist durchaus erlaubt (und wer einen Garten oder Balkon hat, kann es dort sogar völlig ungestört tun). Bleibt gesund und geruhsames Lesen! Es braucht dazu nicht eines Welttages des Buches, oder?!

Tag der Erde – Heinrich Heine: Ganz entsetzlich ungesund

Heute ist der Tag der Erde und ich lasse Heinrich Heine zu Wort kommen, wenn auch das, was er uns in lyrischer Form zu sagen hat, eher unangenehm ist. Ist zu hoffen, dass wir Erdenmenschen aus der Coronakrise lernen und etwas mehr auf uns und unseren Planeten achtgeben.

Heinrich Heine (Gemälde von Moritz Daniel Oppenheim, 1831)
Heinrich Heine (Gemälde von Moritz Daniel Oppenheim, 1831)

Ganz entsetzlich ungesund
Ist die Erde, und zugrund‘,
Ja, zugrund‘ muß alles gehn,
Was hienieden groß und schön.

Sind es alten Wahns Phantasmen,
Die dem Boden als Miasmen
Stumm entsteigen und die Lüfte
Schwängern mit dem argen Gifte?

Holde Frauenblumen, welche
Kaum erschlossen ihre Kelche
Den geliebten Sonnenküssen,
Hat der Tod schon fortgerissen.

Helden, trabend hoch zu Roß,
Trifft unsichtbar das Geschoß;
Und die Kröten sich beeifern,
Ihren Lorbeer zu begeifern.

Was noch gestern stolz gelodert,
Das ist heute schon vermodert;
Seine Leier mit Verdruß
Bricht entzwei der Genius.

O wie klug sind doch die Sterne!
Halten sich in sichrer Ferne
Von dem bösen Erdenrund,
Das so tödlich ungesund.

Kluge Sterne wollen nicht
Leben, Ruhe, Himmelslicht
Hier einbüßen, hier auf Erden,
Und mit uns elendig werden –

Wollen nicht mit uns versinken
In den Twieten, welche stinken,
In dem Mist, wo Würmer kriechen,
Welche auch nicht lieblich riechen –

Wollen immer ferne bleiben
Vom fatalen Erdentreiben,
Von dem Klüngel und Geruddel,
Von dem Erdenkuddelmuddel.

Mitleidsvoll aus ihrer Höhe
Schaun sie oft auf unser Wehe;
Eine goldne Träne fällt
Dann herab auf diese Welt.

Heinrich Heine: Ganz entsetzlich ungesund…

Entschleunigen

Das Coronavirus hat uns weiterhin ‚fest im Griff‘. Wie gut, dass sich das Wetter von seiner schönen Seite zeigt. Wer kann, der wird den Weg ins Freie suchen. Auch um einem möglichen Lagerkoller zuvorzukommen.

Coronavirus
Coronavirus

Ich weiß, dass es einfach klingt, aber wir sollten die Zeit nutzen, um einmal ‚herunterzukommen‘, einmal die Dinge tun, für die uns sonst keine Zeit bleibt. Leichter gesagt, als getan …

Sicherlich gibt es da das Buch, das ich noch nicht gelesen habe, Handwerkliches in der Wohnung, das ich längst getan haben wollte. Aber es gibt auch andere kreative Ideen, mit denen ich mich befassen kann: vielleicht eine Art Corona-Tagebuch führen, sich sportlich betätigen (drinnen wie draußen), gemeinsam kochen (und essen), im Garten buddeln (es tut auch ein Balkon oder die Fensterbank). Oder: Einfach einmal nichts tun, entschleunigen („Einen vollkommen nutzlosen Tag vollkommen nutzlos verbringen!“)

Überall ist zu hören, dass sich mit der Coronakrise vieles verändert und dass die Zeit danach eine andere sein wird. Das ist sicherlich zu begrüßen, nur glaube ich nicht daran.

Vor Ostern war ich im Nachbarort Buchholz/Nordheide und ging durch eine (fast) leere Einkaufpassage, weil die Geschäfte geschlossen hatten. Das soll sich ab kommenden Montag ändern: Kleine Geschäfte dürfen öffnen. Ein wenig Normalität soll wieder einkehren.

leere Einkaufspassage in Buchholz/Nordheide
leere Einkaufspassage in Buchholz/Nordheide

Bis wir aber wieder zu unserem üblichen Alltag zurückkommen, wird noch einige Zeit vergehen. Mein Sohn wollte mit seiner Freundin Mitte Juni zum Hurricane-Festival bei uns in der Nähe. Daraus wird nichts werden, da ja alle Großveranstaltungen bis Ende August ausgesetzt wurden. Und es werden auch viele andere Festivals dem Coronavirus zum Opfer fallen.

Wir sind gewissermaßen auf uns selbst gestellt. Und damit tun sich viele schwer. Warum eigentlich? War unser bisheriger Alltag so stark reglementiert, terminlich bis ins Kleinste festgeschrieben? Dadurch, dass wir vieles zz. nicht tun können, haben wir viel freie Zeit ‚gewonnen‘, etwas, was wir uns doch eigentlich immer gewünscht haben. Und jetzt …?

Allein dadurch, dass ich seit fast einem halben Jahr Rentner bin, habe ich viel mehr zeitliche Freiräume als früher. Bekanntlich haben Rentner keine Zeit. Das kann ich nur bestätigen. Eigentlich habe ich noch zu wenig Zeit. Ich lese viel, gucke abends Filme, die ich immer schon sehen wollte, gehe mit meiner Frau spazieren (und einkaufen), fahre mit dem Rad ins Umfeld meines Wohnortes, schreiben diesen Blog. Und da warten noch Videoaufnahmen (aus dem Urlaub usw.), die ich noch schneiden und überarbeiten möchte. Da ist ‚meine Yahama‘, auf der ich endlich einmal richtig klampfen will.

Sorry, Jungs und Mädels: Aber ich kann wirklich nicht nachvollziehen, wie es Euch langweilig sein kann, wie ihr aus reiner Frustration eure Lieben drangsaliert. Locker bleiben und die Zeit genießen!

Wie schon geschrieben: Ich glaube nicht, dass die Nachcoronazeit eine andere sein wird. Wir werden alle wieder in den gleichen Trott verfallen. Die Luft, die durch das jetzige eingeschränkte Verkehrsaufkommen so rein wie schon lange nicht mehr ist, werden wir wieder verpesten. Wir werden wieder ‚die Alten‘ sein! Oder doch nicht?

Ich hoffe, dass uns einiges klarer wird in dieser Zeit. Dass wir uns unserer Umwelt und der Verantwortung für sie bewusst werden. Das wäre dann schon ein kleiner Schritt auf dem richtigen Weg. Aber wenn wir die großen Firmen heute heulen hören, wie es ihnen nicht schnell genug in die ‚alte‘ Richtung gehen kann, dann werden auch die Letzten auf diesen Zug aufspringen – und alle Erkenntnis ist für die Katz.

Nachösterliches Corona-Care-Paket

Gestern, einen Tag nach Ostern, kam etwas verspätet das Geschenkpaket meines Sohnes und seiner Freundin, einer Belarussin, bei uns an: ein österliches ‚Care-Paket‘ in Zeiten des Coronavirus mit allerhand feinen Gaben. Als Füllmaterial, damit der Inhalt des Paketes nicht durcheinanderpurzelt, benutzen die beiden – nun was? – Toilettenpapier!

Corona-Care-Paket mit Klopapier als Füllmaterial
Corona-Care-Paket mit Klopapier als Füllmaterial

Und auch der Inhalt hatte es in sich: Zunächst eine dekorative Osterhasenkette – aus Klopapier geschnitten. Für jeden von uns eine Gesichtsmaske. Und natürlich auch einiges aus der belarussischen Osterküche: zwei leckere Hefeküchlein und selbstgefertigte Ostereier!

Corona-Care-Paket: dekorative Osternhasenkette aus Klopapier

Corona-Care-Paket: Gesichtsschutz

Corona-Care-Paket: dekorative Osternhasenkette aus Klopapier Corona-Care-Paket: Gesichtsschutz

Corona-Care-Paket: österliche belarussische Küchlein

Corona-Care-Paket: belarussische Ostereier

Corona-Care-Paket: österliche belarussische Küchlein Corona-Care-Paket: belarussische Ostereier

Klopapier ist nun wirklich vielseitig zu benutzen (siehe auch: Ostergeschenk zu Corona-Zeiten). So langsam verstehe ich, warum es sich bei Klopapier um einen solch begehrten Artikel handelt. 😉

Zugfahrt in den Zeiten des Coronavirus

Vor einigen Tagen musste ich nach Buchholz und benutzte den Zug. Mein Wohnort Tostedt liegt zwischen Bremen und Hamburg und wird vom Metronom bedient.

Bahnhof Tostedt: Einfahrt der Metronom-Züge (Bremen-Hamburg)
Bahnhof Tostedt: Einfahrt der Metronom-Züge (Bremen-Hamburg)

Während in früheren Zeiten, als ich noch in Brot und Arbeit stand, die Züge oft überfüllt waren, so fuhr ich in jetzigen Coronazeiten fast allein mit der Bahn. Auf dem Rückweg war die untere Hälfte meines Waggons (bis auf mich) sogar gänzlich leer.

Zugfahrt in Zeiten des Coronavirus: leerer Zugwaggon
Zugfahrt in Zeiten des Coronavirus: leerer Zugwaggon

Selbst zu ‚Stoßzeiten‘, wenn die Pendler Richtung Hamburg unterwegs sind, soll sich in den Zügen des Metronoms nur wenig ‚abspielen‘. Anders als bei anderen Eisenbahngesellschaften im Nahverkehr fahren beim Metronom noch alle Züge (bis auf die, die durch Störungen ausfallen): Das volle Programm! Früher hätte ich mir das gewünscht. Heute bin ich froh, ins Rentenalter versetzt zu sein.

Bleibt gesund!

Osterbrunch 2020 per Skype

Ja, in diesem Jahr war Ostern in Zeiten des Coronavirus ein völlig anderes. Während wir uns vor einem Jahr noch alle zum Brunch bei uns trafen, so musste es diesmal getrennt, aber immerhin durch Videokonferenz dann doch gemeinsam, vonstattengehen.

Gemeinsamer Osterbrunch per Videokonferenz
Gemeinsamer Osterbrunch per Videokonferenz

Frohe Ostern! Und bleibt alle gesund!

Frohe Ostern 2020

Das Osterfest in diesem Jahr dürfte uns noch lange in Erinnerung bleiben – dank des Coronavirus. Ein festliches Brunchen wie im letzten Jahr entfällt wegen des weiterhin bestehenden Kontaktverbotes. So mussten mein Sohn und seine Freundin ihre Anreise mit der Bahn stornieren und feiern bei sich in Mannheim. Es gibt ja Skype – da werden wir uns virtuell aus der Ferne zuprosten und uns ‚dicke Eier‘ wünschen.

    Wenn der Osterhase zu Hause bleibt ...
    Wenn der Osterhase zu Hause bleibt …

Auch Euch wünsche ich allen trotz alledem ein schönes Osterfest. Lasst Euch nicht aus der Ruhe bringen. Und bleibt gesund!