Kategorie-Archiv: Literatur

WilliZ Welt der Literatur

Das Lachen kehrt (bald) zurück: Noch 23 Tage bis Buffalo

Die Tage vergehen. Schon wieder sind zwei Arbeitstage vorbei. Das Wochenende liegt vor uns. Dann noch eine ganze Arbeitswoche. Mein Herbsturlaub naht.

Willi – noch 23 Tage bis zur Rente
Willi – noch 23 Tage bis zur Rente

Noch gelingt mir nicht das Lachen. Noch bleibt es im Halse stecken. Aber die Augen bekommen langsam einen Glanz, der ahnen lässt, was auf mich da zukommt: FREIHEIT!

Ja, nur noch 23 Tage bis zu meinem Rentenbeginn!

Willis Plaudereien (6): An den Pranger gestellt

Wer wie in Sachsen und Brandenburg die AfD wählt, ist ein Nazi. Punktum! Denn so langsam sollten diese Wähler wissen, womit sie es zu tun haben. Protest war gestern. Heute wird das AfD-Programm gewählt.

Boris Johnson verliert seine Mehrheit im Unterhaus. Der konservative Abgeordnete Phillip Lee verließ am Dienstag aus Protest gegen Johnsons Brexit-Politik demonstrativ die Regierungsfraktion und nahm zwischen den Oppositionsabgeordneten Platz. Jetzt ‚droht‘ Johnson mit Neuwahlen für den 15. Oktober.

CSU geht Youtube: CSYOU – und erntet neben viel Spott vor allem harsche Kritik: „Genau da hätte man punkten können bei der Zielgruppe, die man erreichen will: Indem man sagt, das sind die Dinge, die uns wichtig sind. Stattdessen ist das Video 90 Prozent Bashing von politischen Gegnern oder Andersdenkenden.“ (Robin Blase, YouTuber)

Donald Trump wollte Grönland kaufen. Jetzt bekommt Trump Milliarden für Grenzmauer nach Mexiko. Trump will Regenwald in Alaska abholzen lassen. Trump … Trump … Trump …

Der Pranger, Schandpfahl oder Kaak war ein Strafwerkzeug in Form einer Säule, eines Holzpfostens oder einer Plattform, an denen ein Verurteilter gefesselt und öffentlich vorgeführt wurde. Zunächst Folter-Werkzeug und Stätte der Prügelstrafe (Stäupen), erlangten Pranger ab dem 13. Jahrhundert weite Verbreitung zur Vollstreckung von Ehrenstrafen, also Strafen, die den Verurteilten demütigen und bloßstellen.

Willi stellt sich selbst demonstrativ an den Pranger (in Herrstein 2019)
Willi stellt sich selbst demonstrativ an den Pranger (in Herrstein 2019)

Ich bin dafür, dass der Pranger wieder eingeführt wird. Die Trumps, Johnsons, Bolsonaros und wie sie alle heißen, gehören nicht an die Spitze ihrer Regierungen, sondern an den Pranger. Natürlich wird deren Tun öffentlich gerügt, ‚angeprangert‘. Aber ein echter, mittelalterlicher Pranger, mitten in Washington, London, Dresden, Potsdam, München oder Brasilia aufgestellt, sollte dazu dienen, diese Herrschaften ‚aufzunehmen‘. Hin und wieder einige Schläge aufs Hinterteil würden den jeweiligen Blutkreislauf beleben. Faule Tomaten und Eier stellte ich dann gern zur Verfügung.

Zunehmend heiter: Noch 25 Tage bis Buffalo

Nein, das ist kein Wetterbericht. Die zunehmende Heiterkeit bezieht sich auf meinen Gemütszustand. Denn es sind ja jetzt nur noch 25 Tage bis Buffalo (wir erinnern uns an die Ballade von Theodor Fontane: John Maynard aus dem Jahre 1885), d.h. noch 25 Arbeitstage bis zu meinem Rentenbeginn.

Willi – noch 25 Tage bis zur Rente
Willi – noch 25 Tage bis zur Rente

Ein leichtes Lächeln zeigt sich in meinem Gesicht. Dabei habe ich noch jede Menge Mist auf der Arbeit zu tun. Ich bin nämlich der Trottel, der früh morgens zu arbeiten beginnt, während meine ‚lieben‘ Kollegen erst gegen Mittag auf der Arbeit eintreffen (und dann auch bald zur Mittagspause entschwinden). Wenn es aber irgendwo ‚im Gebälk knirscht‘, dann am frühen Morgen. Und ich darf mich dann oft mit Dingen beschäftigen, die eigentlich nicht in meinen Aufgabenbereich fallen.

Ich weiß nicht, wie sie (meine Arbeitskollegen) es nach meinem Ausscheiden regeln werden. Aber das interessiert mich auch nicht die Bohne. Meine Stelle wird nicht neu besetzt, sondern von einem Kollegen in München mit übernommen (der Ärmste war schon bei uns im Hamburg und ich durfte ihn so gut es ging in meine Arbeit einweisen).

Ich wurde schon gefragt (vor allem von Kollegen aus den Fachabteilungen), ob ich eventuell verfügbar sein werde, wenn es ungelöste Probleme geben sollte. Mir wurde bereits angeboten, auf 450-€-Basis zu arbeiten. Soviel weiß ich allerdings: Ich werde eine ‚Auszeit‘ von mindestens einem Viertel Jahr nehmen, um mich zu entspannen. Zuerst komme dann ich (und natürlich meine Familie). Und dann kommt erst einmal lange gar nichts.

Und überhaupt: Nach mir die Sintflut!

Willis Plaudereien (5): Warum Plaudereien?

Zum bald beginnenden Wochenende noch einmal eine Plauderei, eine Plauderei über … meine Plaudereien. Ich suche hier einen lockeren Ton, versuche zwanglos das niederzuschreiben, was mir gerade durch den Kopf geht. Dabei kann es vorkommen, dass ich vom Hundertsten ins Tausendste oder im Gegenteil ganz plötzlich abschweife, also vom Kuchenbacken auf Arschbacken komme (oder von Plundertasche auf Plaudertasche!).

Willi mit Helm in grün (Edelsteinminen Idar-Oberstein Juli 2019)
Willi mit Helm in grün (Edelsteinminen Idar-Oberstein Juli 2019)

Eigentlich bin ich alles andere als ein Plauderer oder zumindest keine Labertasche. Wenn ich mich äußere, dann sollte es schon etwas Handfestes sein. Schwadronieren, gar faseln und schwafeln liegt mir nicht. Das überlasse ich anderen. Was ich hiermit tue …. 😉

Willis Plaudereien (4): Alt und blöd

Fortsetzung von: Willis Plaudereien (2): Altwerden ist nichts für Feiglinge

Namen konnte ich mir schon immer nicht merken. Kreuzen sich meine Wege mit Menschen, die ich eigentlich kenne, wenigstens dem Aussehen nach, dann beginnt mein Gehirn zu arbeiten. Wie war doch gleich der Name? Werde ich namentlich gegrüßt, dann murmele ich ein „Guten Tag, Herr (oder: Frau) #grummelgrummel#!“ Am besten ist es, den Namen wegzulassen. Inzwischen habe ich es mir abgewöhnt, eingedenk dieser Gedächtnisschwäche peinlich berührt zu sein.

Ich glaube, dass es sogar keine Schwäche ist. Goethe vermerkte schon in seinem Faust Teil 1, dass Namen Schall und Rauch sind. Ich merke mir Gesichter, was eigentlich eine viel komplexere Gedächtnisleistung verlangt. Überhaupt bin ich eher der visuelle Typ und sitze manchmal auf meinen Ohren. Und so kommt es, dass mich Namen nicht ‚berühren‘.

Eine erste Folge des Älterwerdens ist, die Feststellung, ein Gesicht zwar schon einmal gesehen zu haben, aber nicht mehr zu wissen, woher … Da ist der Kampf intensiver als bei der ‚Namenssuche‘ Vor Schreck fällt mit dann vielleicht sogar der Name der Person, die mir gegenübersteht, ein. Aber eine Zuordnung zu einem Ereignis in meinem Leben lässt sich nicht abrufen.

Es gibt Schlimmeres. Schlimmer ist es dann, wenn mir bestimmte Wörter partout nicht einfallen wollen. Die liegen mir zwar auf der Zunge, wollen aber nicht heraus. Ich werde nicht nur alt, ich werde blöd!

Willi mit Helm in blau (Edelsteinminen Idar-Oberstein Juli 2019)
Willi mit Helm in blau (Edelsteinminen Idar-Oberstein Juli 2019)

Nicht nur die Knochen werden morsch, auch das Gehirn wird löchrig. Alzheimer lässt grüßen! So realisiere ich bei mir einen zunehmenden, wenn auch noch schleichenden Verlust meiner kognitiven Fähigkeiten (solange ich das merke, ist wohl alles noch okay!). Das geht mit einer gewissen Lustlosigkeit einher, die mich besonders jetzt auf der Zielgeraden (das Ziel heißt Rente) überkommt.

Nein, keine Angst. Ich bin noch klar im Kopf. Aber das Alter, das merke ich eben doch, fordert seinen Tribut. Noch vor wenigen Jahren hätte ich nicht gedacht, dass es mit zunehmendem Alter ‚Probleme‘ dieser Art geben könnte. Ich versuche vorzubeugen und meinen Geist zu trainieren (nein, Namen werde ich mir auch weiterhin nicht merken wollen). Neben körperlicher Ertüchtigung gehört die des Geistes zum Alter (eigentlich zum ganzen Leben). Und so (ihr werdet es vielleicht gemerkt haben) bin ich auch hier in meinen Blog in den letzten Tagen wieder vermehrt unterwegs (dem Urlaub sei Dank, denn den aufzuarbeiten bringt ja viel Spaß). Und von meinen Plaudereien hier werdet Ihr in Zukunft kaum verschont bleiben. Nicht, das die ‚großen Themen‘ ungeachtet an mir vorbeihuschen, Aber (und auch das ist die Folge des Älterwerdens) vieles interessiert mich kaum noch, wird zwar wahrgenommen, aber schnell ad acta gelegt.

Willis Plaudereien (3): Die Welt ist voller Keime

Ich weiß: Das gehört nicht hierher! Aber ich kann nicht anders: Es muss ‘raus! Es sind nur noch wenige Arbeitstage bis zu meiner Rente. Dass ich keinen Bock mehr auf die Arbeit habe, ist von mir schon an anderer Stelle hier (… wie 70 Einheiten Strafarbeit) geäußert worden.

Neben der Arbeit selbst sind es die deutlich länger gewordenen Fahrzeiten von zu Hause zur Arbeit und zurück, die ich wenigstens sinnvoll zu nutzen weiß. Es ist die Arbeitsstelle, die eine dauernde Baustelle ist. Und es ist das Scheißhaus!

Ich habe in einem Haus in der Nähe des Schanzenviertels gearbeitet. Vor einem Jahr sind wir dann an den Stadtrand kurz vor der Grenze zu Schleswig-Holstein umgezogen. Im alten Haus war meine Dienststelle (so nennt es sich) über viele Stockwerke verteilt. Im neuen Haus arbeite ich mit meinen Kolleg*innen nur noch auf einem Stockwerk. Das zeigt sich nun auch an der geringeren Anzahl der Toiletten. So teile ich mir mit allen männlichen Kollegen die wenigen, ‚übriggebliebenen‘ Scheißhäuser.

Willi mit Helm - unscharf (Edelsteinminen Idar-Oberstein Juli 2019)
Willi mit Helm – unscharf (Edelsteinminen Idar-Oberstein Juli 2019)

Wir haben hier einige Spezies, die anscheinend einen großen Horror vor Krankheitskeimen aller Art haben. Das äußert sich z.B. darin, dass sie keine Türklinken anfassen, sondern die Türen mit dem Ellenbogen öffnen. Es äußert sich aber auch in der Benutzung der WCs.

Ich mag es nicht beschreiben, aber es ist widerlich. Es sieht so aus, als würden sie, wenn sie einer großen Notdurft nachkommen, das ‚freihändig‘ erledigen. Mich wundert es nur, dass sie sich dabei nicht ihre eigenen Hosen bescheißen. Das führte u.a. dazu, dass eine intensive Bodenreinigung der Toilettenräume angeordnet werden musste.

Wie kann so etwas möglich sein. Bekackte, nur notdürftig (sic!) gereinigte Kloschüsseln (wenigstens blieben die Klobrillen bisher verschont) tragen sicherlich nicht dazu bei, Krankheitskeime zu bekämpfen. ‚Sauberkeitsfanatiker‘, die dem Hygienewahn erliegen, waren mir schon immer suspekt.

Willis Plaudereien (2): Altwerden ist nichts für Feiglinge

Irgendwo habe ich den Spruch gelesen oder gehört. Er stammt vom Schauspieler und Moderator Joachim ‚Blacky‘ Fuchsberger und ist wohl der Titel eines Buchs von ihm. Zum Altwerden und zum Alter selbst gibt es viele ‚schlaue‘ Sprüche. Schon Jonathan Swift meinte: „Jeder möchte lange leben, aber keiner will alt werden.“ Und der Philosoph Arthur Schopenhauer sagte oder schrieb etwas weit ausholend: „Nur wer alt wird, erhält eine vollständige und angemessene Vorstellung vom Leben, indem er es in seiner Ganzheit und seinem natürlichen Verlauf, besonders aber nicht bloß wie die übrigen von der Eingangs- sondern auch von der Ausgangsseite übersieht.“ Nun, denn …

Die Schauspielerin Christine Kaufmann hingehen behauptete: „Ich interessiere mich für ein gutes Leben, nicht für ein langes.“ – Wie wäre es mit einem guten UND langen Leben?

Bemerkenswert, dass sich gerade Schauspieler zum Alter bekennen können, obwohl sie sich doch gern als Immerjunge zu präsentieren hoffen. So meinte Jack Nicholson: „Älter werden heißt auch besser werden.“ Und Walter Matthau: „Der zweite Frühling kommt mit den dritten Zähnen.“ Mühevoll werden hier die guten Seiten des Altwerdens hervorgekramt. Das klingt dann auch eher nach Beschönigung als nach Bestätigung durch eigene Erfahrung.

Robert Mitchum brachte es auf den Punkt: „Nichts macht so alt wie der ständige Versuch, jung zu bleiben.“ Oder gewissermaßen im Umkehrschluss: „Man wird alt, wenn die Leute anfangen zu sagen, daß man jung aussieht.“ (Karl Dall)

Aber genug der Sprüche!

Willi mit Helm in lila (Edelsteinminen Idar-Oberstein Juli 2019)
Willi mit Helm in lila (Edelsteinminen Idar-Oberstein Juli 2019)

Wann genau beginnt eigentlich der Prozess des Altwerdens? Okay, man könnte sagen: Mit der Geburt! Jeden Tag wird der Mensch dann älter. Ich meine natürlich etwas anderes: Wie eine Blume so wächst der Mensch zunächst. Und ab einem bestimmten Zeitpunkt fängt die Blume an zu blühen. Die Knospe springt auf, die Blütenblätter entfalten sich, bis … ja, bis der Augenblick kommt, in der die Blume zu verblühen beginnt. Diesen Wendepunkt im Leben meine ich.

Gehen wir von einem durchschnittlichen Alter von etwa 80 Jahren aus, dann wäre dieser Umschwung vom Jungsein ins Altwerden vielleicht in der Mitte, also im Alter von 40 Jahren auszumachen. Ich habe viele Frauen kennengelernt, als sie 40 Jahre alt waren: Sie standen ‚in voller Blüte‘, wie man (sic!) so schön sagt. Es ist also schon etwas dran mit der Altersmitte als Wendepunkt.

Ich erinnere mich allerdings daran, irgendwann und irgendwo (mit dem Alter ist das so etwas mit dem Erinnern) gehört oder gelesen zu haben, dass der Alterungsprozess bereits Anfang der Zwanziger-Jahre beginnt. Ab da geht es bereits ‚bergab‘!

Es ließe sich viel über das Altern sagen, kluge Köpfe haben sich darüber Gedanken gemacht. Und so gibt es Wissenschaften, die sich mit dem Alter beschäftigen wie die Gerontologie, die Alters- und Alternswissenschaft, oder die Geriatrie, die Alters- oder Altenmedizin.

Das Altern ist ein fortschreitender, bisher nicht umkehrbarer biologischer Prozess der meisten mehrzelligen Organismen, der graduell zum Verlust der gesunden Körper- und Organfunktionen, schließlich zum biologischen Tod führt.

Dabei ist Altern ein physiologischer Vorgang und keine Krankheit. Das British Medical Journal veröffentlichte 2002 eine ‚Liste der Nicht-Krankheiten‘ (dat dat dat gifft, wie der Bremer sagt: Was es nicht alles gibt – wortwörtlich etwa: Das es das gibt …). Die Leser wählten dabei ‚Altern‘ (ageing) an die erste Stelle der Nicht-Krankheiten. Aus dem Bereich der Anti-Aging-Bewegung vertreten einige die Meinung, dass Altern sehr wohl eine Krankheit ist, die zu bekämpfen sei.

Ob nun Krankheit oder nicht: Das Altern hat oft mit Krankheiten zu tun. Kaum einer (ich behaupte: keiner!), der nicht völlig gesund 100 Jahre alt wird. Das Altwerden erkennen wir meist daran, dass uns nach und nach Zipperlein, das eine oder andere Wehwehchen heimsucht. Natürlich lässt sich das meist hinauszögern (Sport treiben, gesund essen, kein Alkohol und kein Tabak), aber am Ende erwischt es trotzdem alle.

Am Schluss meiner Plaudereien möchte ich noch etwas politisch werden. Willy Brandt sagte einmal: „Eine Gesellschaft … die das Alter nicht erträgt … wird an ihrem Egoismus zugrunde gehen.“ – Ich kann junge Menschen sehr wohl verstehen, die sagen, dass sie die Renten der Alten finanzieren, die Alten aber über die Zukunft der Jungen entscheiden. Ich will mich hier nicht über das Rentensystem auslassen, nur darauf hinweisen, dass die Rentner ihren Rentenanspruch dadurch erworben haben, indem sie von ihrem Einkommen ebenfalls viel Geld in die Rentenkassen haben einzahlen müssen. Hinzu kommt, dass das sich sammelnde Kapital bei den Rententrägern dann für andere Zwecke (Renten für Ostbürger, Mütterrenten usw.) aufgebraucht wurde und die heutigen Renten im Grunde nur noch durch die aktuellen Beitragszahlungen (und Steuergelder) gedeckt werden. Es soll zudem alte Menschen geben, die durchaus auch an die Zukunft der jungen Menschen denken und sich z.B. für Umwelt- und Klimaschutz einsetzen. Es könnte doch sein, dass diese alten Leute Kinder haben, denen sie eine lebenswerte Zukunft wünschen. Und: Auch junge Menschen werden einmal alt (außer: Wer nicht alt werden will, muss vorher sterben!)

Altwerden ist nichts für Feiglinge! Da ist leider etwas dran: Mag es schon mit Anfang zwanzig oder erst mit vierzig Jahren langsam bergab gehen. Spätestens mit 60 geht es dann rapide den Berg hinunter. Ich habe manchmal das Gefühl, dass jeden Tag ein neues den sich schon reichlich angesammelten Leiden hinzukommt. Die Zähne und Knochen werden morsch, Rücken und Gelenke schmerzen, die Muskeln schwinden. Die Augen und Ohren werden schwächer. Das Gedächtnis lässt nach.

Bleibt uns im Alter nur noch die Weisheit der Alten. Damit ist es leider auch meist nicht weit her. Lasse ich dazu abschließend Leonardo da Vinci zu Wort kommen: „Was man in seiner Jugend erwirbt, dient im Kampf gegen das Elend des hohen Alters. Und wenn du willst, daß dein Alter sich aus Weisheit nähre, so sorge dafür, solange du jung bist, daß es in deinem Alter nicht an Nahrung mangelt.“

Fortsetzung siehe: Willis Plaudereien (4): Alt und blöd

Willis Plaudereien (1): Willi trägt Helm

Ich, Willi, trage Helm. Ähnlich wie Majestix, dem Ober-Gallier, trage ich die Sorge, der Himmel könne mir auf dem Kopf fallen. Eigentlich nicht, es könne mir ‚von oben‘ etwas auf das kluge Köpflein fallen, nein, eher dient der Helm zum Schutz gegen die ‚Gefahren‘ von den Seiten. Und es sind ja nicht die unmittelbaren Gefahren wie herumfliegende Gegenstände, sondern eher die, die mich indirekt bedrohen. Es ist all das, was uns alle gefährdet, wie der ‚Wandel‘, der auf leisen Tretern daherkommt.

Willi mit Helm (Edelsteinminen Idar-Oberstein Juli 2019)
Willi mit Helm (Edelsteinminen Idar-Oberstein Juli 2019)

Ojemine, der gute Willi dreht durch, denken jetzt viele von Euch. Nein, ich bin nicht zur Aluhut-Fraktion gewechselt, halte Verschwörungstheorien rund um Chemtrails für Unfug (aber man weiß ja nie?! 😉 ) und halte Impfungen für sinnvoll (leider gibt es bisher keinen Impfstoff gegen Dummheit).

Der Wandel, den ich meine, ist der, dem wir immer vermehrt begegnen. Der Wandel des Klimas (das Thema dieser Tage) und den Wandel unserer friedlichen in eine hasserfüllte Gesellschaft. Saßen all die Dumpfbacken früher an ihren Stammtischen, so bevölkern sie heute die sozialen Medien. ‚Nieder mit Facebook & Co.!‘ könnte man da rufen!

Mein Helm ist also nur ein Symbol für mein etwas anders geartetes Sicherheitsbedürfnis. Bleibt mir also vom Leib mit Euren hirnverbrannten Verschwörungstheorien, Hoaxes (davon berichtete ich in diesem Blog bereits Mitte 2005) und Fake News.

Und den Helm trage ich nicht täglich. Eigentlich trug ich ihn nur einmal, zuletzt während eines Besuchs der Edelsteinminen in Idar-Oberstein. Nicht, dass ich mich nun auf die Suche nach Wertvollem gemacht hatte, materiell Wertvollem. Edelsteine haben sicherlich etwas Anziehendes. Aber statt nach Achaten, glitzernden Bergkristallen, Amethysten, Rauchquarzen usw. (oder gar Diamanten) suche ich lieber nach geistigen Schätzen. Für die Fahndung nach ideellen Kostbarkeiten benötige ich dann auch keinen realen Helm. Und eine Spitzhacke ist dann auch nur im Sinnbildhaften notwendig.

Aber ich schweife ab. Wie so oft bei Plaudereien, wenn wir vom eigentlichen ‚Weg‘ abkommen und vom berühmten Hundertsten ins Tausendste kommen. Solange wir Ariadnes Faden nicht verlieren. Oder den roten Faden (hier: der Helm!)!

Aber für heute genug geplaudert. Das Wochenende naht. Schnell noch die Bleistifte gespitzt, damit ich mich in der neuen Woche am Montag gleich ohne Verzögerung auf die Arbeit stürzen kann (Wer lacht da?). Noch einmal die Däumchen 24 Mal um sich selbst gedreht! Und ab geht die Post: Euch schon mal ein schönes Wochenende (soll ja etwas stürmisch bei sommerlichen Temperaturen werden)!

Dit un dat im Internet (9)

Trump – Klappe, die erste: Und jetzt … NICHT ins fu**in‘ Weiße Haus

Auf die Frage in einem Interview hin, ob sie bei einem Sieg der US-amerikanischen Mannschaft bei der Fußball-WM der Frauen einer Einladung des Präsidenten ihres Landes in dessen Amtssitz Folge leisten würde, antwortete Megan Rapinoe: „Ich gehe nicht ins fu**ing Weiße Haus!“

Auf einer Pressekonferenz bei der Weltmeisterschaft in Frankreich nahm Rapinoe das Schimpfwort zurück, stand aber weiterhin klar zu ihrer Aussage, nicht ins Weiße Haus gehen zu wollen. Sie ermutigte auch ihre Teammitglieder, die Einladung nicht anzunehmen, um Trump keine Bühne zu bieten.

Donald Trumps Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Sie solle erstmal GEWINNEN bevor sie REDET! Beende den Job!

Nun sind die US-Amerikanerinnen Weltmeister geworden und Megan Rapinoe zudem beste Spielerin und beste Torschützin des Turniers. Sie hat also ihren Job getan! Da wurde selbst Trump kleinlaut …

Übrigens: Neben Rapinoe hatten unter anderem Alex Morgan, Ali Krieger und Becky Sauerbrunn angekündigt, sich den Ausflug nach Washington zu schenken.

Trump – Klappe, die zweite: Ehrliche Einschätzung eines Botschafters

Die britische Zeitung „Mail on Sunday“ hatte am letzten Sonntag die eigentlich für das Außenministerium in London bestimmten Berichte des britischen Botschafters in den USA, Kim Darroch, publik gemacht. Der schrieb u.a., dass er Zweifel hege, ob das Weiße Haus „jemals kompetent wirken“ werde. Mit Trump könne man sich nur verständigen, indem man sich mit einfachen Worten und unverblümt ausdrücke. Er hält die Regierung Trump für dysfunktional, unberechenbar; gespalten, diplomatisch ungeschickt und unfähig.

Wem erzählt er das?

Horde oder Individuum

Für mich zählt er zu den bedeutendsten Schriftstellern unserer Zeit: Mario Varga Llosa. Jetzt hat er mit Der Ruf der Horde eine intellektuelle Autobiografie verfasst:

Er begann als Kommunist und entwickelte sich zu einem glühenden Verfechter des Liberalismus. Das Leben des Schriftstellers Mario Vargas Llosa hat selbst das Zeug zum Gesellschaftsroman. Nächtelang stritt er mit Fidel Castro, speiste mit Margaret Thatcher und eroberte mit seinem Freund Gabriel García Márquez die literarische Welt. Nun hat der peruanisch-spanische Nobelpreisträger unter dem Titel «Der Ruf der Horde» seine intellektuelle Autobiographie vorgelegt. Darin lässt er unter anderen Adam Smith oder Karl Popper aufleben: Philosophen, die sein liberales Denken geprägt haben.

Mario Marqués de Vargas Llosa
Foto: Daniele Devoti – Padova, Italien (13. Juni 2010)

Gegen den „Ruf der Horde“ (Karl Popper), gegen den weltweit grassierenden, primitiven Populismus vergegenwärtigt Mario Vargas Llosa die Traditionen des Liberalismus, die ihn geprägt, bereichert und ein ganzes Leben lang geleitet haben – als politischen Schriftsteller wie als schreibenden Politiker.

Für seine politischen Überzeugungen ist der peruanische Nobelpreisträger jahrzehntelang kritisiert, beschimpft und angefeindet worden – aber was, wenn er recht hatte? Und welche Denker, welche Bücher haben ihm zu diesen Überzeugungen verholfen?

Mit essayistischer Verve und analytischem Scharfsinn schreibt Mario Vargas Llosa über seine Heroen des historischen Liberalismus, über Adam Smith, José Ortega y Gasset, Friedrich Hayek, Karl Popper, Raymond Aron, Isaiah Berlin und Jean-François Revel. Denn sie haben ihn mit einer ganz anderen Denkungsart vertraut gemacht, mit einer Denkungsart, die das Individuum stets höher stellte als die „Horde“, die Nation, die Klasse oder die Partei und die die freie Meinungsäußerung immer schon als fundamentalen Wert für das Gedeihen von Demokratie zu verteidigen wusste.

„Perfektes Gegenmittel gegen einen derzeitigen Trend, der so viele Menschen in die Arme von Scharlatanen, ruchlosen Mächtigen, charismatischen Demagogen zu treiben droht.“ (El Imparcial)

Zu Hause in Madrid erklärt Vargas Llosa, was ein wahrhaft freies Leben ausmacht – und welche politischen Strömungen dieses derzeit besonders bedrohen.

Er ist einer der großen Schriftsteller unserer Zeit, und einer der wichtigsten politischen Denker. Im Gespräch mit Wolfram Eilenberger spricht der Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa über die Kraft der Fiktion, dem Sieg der Bilder über die Ideen, die Bedrohung durch den Populismus und die philosophischen Quellen seines Schaffens.


Mario Vargas Llosa: Freiheit, die ich meine (Sternstunde Philosophie) – SRF 2019

Zuletzt:

Für die, die es nicht schlimm finden, wenn sie aller Orten (im Internet, per Videokamera usw.) überwacht werden:

„Zu sagen, das Recht auf Privatsphäre sei egal, weil man nichts zu verbergen hat, ist nicht anders als zu sagen, Meinungsfreiheit sei egal, weil man keine Meinung hat.“ Edward Snowden

… wie 70 Einheiten Strafarbeit

Lange ist es ja nicht mehr hin. Aber je näher das Ziel kommt, umso anstrengender wird es. Marathonläufer kennen das bestimmt: Zehn Kilometer sind hinter sich gebracht worden, dann zwanzig, gar dreißig. Aber längst schmerzen die Muskeln, und statt sich mit jedem Meter dem Ziel zu nähern, scheint es sich von einem zu entfernen.

Ich sehe mich schon torkelnd und taumelnd der Ziellinie nähern. Noch einmal tief Luft holen. Vielleicht auch noch ein kräftiger Schluck aus der Buddel! Das Ziel heißt: Rente!

Es sind gerade noch 70 Tage, die ich – ziehe ich Urlaub, Wochenend- und Feiertage ab – noch zu arbeiten habe. Wäre im März 2007 von einer schwarz-roten Bundesregierung nicht die Rente mit 67 Jahren beschlossen worden, dann wäre ich längst im Ziel. So aber darf ich dank einer Übergangslösung zu meinen 65 Lenzen noch acht weitere Monate den Bleistift schwingen resp. die Computermaus schütteln.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Das Rotlicht(-Milieu) bekommt mir nicht

Ein Beitrag geteilt von Willi Albin (@willialbin) am

Natürlich gibt es viele Faktoren, die mir diese letzten Tage wie eine nicht enden wollende Durststrecke vorkommen lassen, z.B. schönstes Sonnenwetter, das mich lieber im Garten verweilen sähe als in einem muffigen Büroraum. Die vertane Zeit für Fahrten zwischen Heim und Arbeit. Vom Generve auf der Arbeit ganz zu schweigen (genug ist genug!).

Ich sehe mich wie der Wanderer in der Wüste, der nahe der Quelle in der rettenden Oase doch noch zusammenbricht, um zu verdursten. Wie der angeschlagene Boxer, den nur der nächste Gongschlag vor dem K.O. retten kann, für den aber jede Sekunde wie eine Unendlichkeit vorkommt. Es ist Strafarbeit wie Steineklopfen, die längst nicht mehr freiwillig getan wird. Selbst Jesus flehte am Ende seiner Qualen darum, den Kelch an sich vorbeiziehen zu lassen.

Ich übertreibe? Erst wenn ich im Ziel bin, werde ich von meinem Leiden erlöst sein. Hier ist der Weg längst nicht mehr das Ziel. Das Ziel ist der Weg, der dann erst kommt! Der Weg fern vom alltäglichen Trott, weg von Problemen, die nicht die meinen sind. Sich nicht mehr mit Dingen beschäftigen müssen, die mich eigentlich nicht betreffen.

Aber bis dahin sind es noch 70 lange Tage (eher weniger!), 70 viel zu lange Tage …

Empfehlung – Zum Welttag des Buches 2019

Du bist nervös. Drum lies doch mal
Das Buch, das man dir anempfahl.
Es ist beinah wie eine Reise
Im alten wohlbekannten Gleise.
Der Weg ist grad und flach das Land,
Rechts, links und unten nichts wie Sand.
Kein Räderlärm verbittert dich,
Kein harter Stoß erschüttert dich,
Und bald umfängt dich sanft und kühl
Ein Kaumvorhandenseinsgefühl.
Du bist behaglich eingenickt.
Dann, wenn du angenehm erquickt,
Kehrst du beim »stillen Wirte« ein.
Da gibt es weder Bier noch Wein.
Du schlürfst ein wenig Apfelmost,
Ißt eine leichte Löffelkost
Mit wenig Fett und vieler Grütze,
Gehst früh zu Bett in spitzer Mütze
Und trinkst zuletzt ein Gläschen Wasser.
Schlaf wohl und segne den Verfasser!

    Wilhelm Busch

Wilhelm Busch (hierzu meine Buchempfehlung: Das große farbige Wilhelm Busch Album)