Herbst 2022: Kürbiszeit

Es ist wieder Herbst (leider auch vom Wetter her) und damit die Zeit der Kürbisse. Kürbisse lassen sich auf verschiedene Art ‚verarbeiten‘, so kann man diese orange-gelben Früchtchen (Früchtchen ist gut!) für das nächste Halloween präparieren, also aushöhlen und mit Fratzen versehen lassen. Die so ausgeweideten Kürbisse findet man dann in Vorgärten und abends mit Teelichtern versehen leuchten sie dann ‚um die Wette‘.

Am liebsten sind mir Kürbisse aber auf dem Teller. Es geht nichts über eine leckere Kürbissuppe, aber auch süß-sauer eingelegt schmeckt Kürbis sehr lecker. Und natürlich als süßes Kürbisbrot mit Sahnequark bestrichen und Marmeladen aus der eigenen Fertigung. Besonders geeignet sind die jetzt überall erhältlichen Hokkaidokürbis.

Kürbisbrot aus dem eigenen Ofen – mit weiterer Kürbismasse (z.B. für Kürbissuppe)
Kürbisbrot aus dem eigenen Ofen – mit weiterer Kürbismasse (z.B. für Kürbissuppe)

So habe ich gestern für uns ein schon allein der Farbe wegen optisch Appetit anregendes Kürbisbrot (bzw. Kürbisstuten) gebacken. Hier das Rezept:

Zutaten:

500g Mehl (ich habe 2/3 Dinkel- und 1/3 Weizenmehl genommen)
1 Würfel Hefe (1 Tütchen Trockenhefe tut es auch)
50 g Butter, weich (Margarine geht auch)
1 Prise Salz
1 Ei
50 g Zucker (ich nehme braunen Zucker)
300 g Kürbisfleisch (am besten Hokkaido)
50 ml Milch, lauwarm (ich habe Molke verwendet)

Anleitung:

Den Kürbis waschen, entkernen und mit der Schale klein schneiden.
Mit etwas Wasser zum Kochen bringen und ca. 15 min. köcheln lassen, bis der Kürbis schön weich ist. Das Wasser abgießen und das Kürbisfleisch pürieren und abkühlen lassen.

Das Mehl in eine Schüssel sieben und in die Mitte eine Vertiefung drücken. Hefe hineinbröseln und mit dem Zucker, der lauwarmen Milch und etwas Mehl zu einem Vorteig verrühren. An einem warmen Ort (z.B. Backofen bei 50°) ca. 30 min. gehen lassen.

Das pürierte Kürbismus, die weiche Butter, das Ei und das Salz hinzugeben und alles zu einem geschmeidigen Teig verkneten. Evtl. muss hier noch etwas lauwarme Milch zugegeben werden. Den Teig nochmals 30 min. gehen lassen.

Den Teig gut durchkneten und in eine Kastenform geben, in den kalten Ofen geben und bei 200° ca. 45 min. backen.

Dann fröhliches Zubereiten – und vor allem: Guten Appetit!

Abenteuer Ulysses von James Joyce (08): 7. Kapitel – Äolus [Odyssee]

Im 7. Kapitel des Ulysses macht sich James Joyce über den Journalismus lustig. Dieser Teil des Texts ist wie eine Zeitung geschrieben, daher achte auf die Überschriften der jeweiligen Textabschnitte.

Äolus bzw. Aiolos steht für den von Zeus als Herrscher über die verschiedenen Winde eingesetzte Günstling der Götter. Er gilt als Stammvater der Hellenen. Äolus nahm Odysseus und seine Gefährten gastfreundlich auf und bewirtete sie einen Monat. Vor der Heimfahrt gab er Odysseus einen Schlauch aus Rindsleder mit Winden, der verschlossen bleiben sollte. Gleichzeitig ließ er für Odysseus’ Heimfahrt günstige Westwinde wehen. Der Schlauch wurde jedoch von den Gefährten des Odysseus kurz vor Erreichen Ithakas geöffnet. Infolgedessen entwichen alle Winde, und die Schiffe wurden zu der Insel des Äolus zurückgetrieben. Als Odysseus Äolus erneut um günstige Winde bat, wurde er als ein den Göttern Verhasster abgewiesen.

Äolus ist im Roman die Presse, der Ansturm der Informationen stellt die Winde dar, die in wirbelnden Schlagzeilen zusammengeflickt werden müssen.

Seite 1 des  Evening Telegraph vom 16. Juni 1904
Seite 1 des Evening Telegraph vom 16. Juni 1904, dem Tag, an dem der Roman spielt – rekonstruiert und digitalisiert von Ian Gunn und Mitarbeitern der Split Pea Press in Edinburgh. Source: www.splitpea.co.uk.

Inhalt des 7. Kapitels: Äolus (Zeitungsredaktion)

Stilistisch ist das Kapitel also wie eine Zeitung gegliedert mit Überschrift und den eigentlichen Beitragen, dem Zeitungstext.

In der Setzerei der Tageszeitung versucht Bloom eine Annonce in der Nachmittagsausgabe zu platzieren. Nachdem er das Büro seines Vorgesetzten verlassen hat, kommt Stephen herein, um den Leserbrief für Mr. Deasy abzugeben. Er erzählt den Zeitungsleuten eine Dubliner-Geschichte von zwei alten Jungfern.

Das Kapitel ist eigentlich als Fließtext verfasst, wird jedoch optisch gegliedert, indem es abschnittweise mit den Inhalt zusammenfassenden Überschriften versehen wird. So entsteht der Eindruck von Zeitungsartikeln. Ein Absatz, in dem der Postwagen beschrieben wird, trägt dabei zum Beispiel den Titel „THE WEARER OF THE CROWN“ („Der Träger der Krone“), oder wenn Bloom sich mit der Zitronenseife in seiner Tasche beschäftigt, heißt es: „ONLY ONCE MORE THAT SOAP“ („Nur einmal noch die bewusste Seife“).

Die Titel sind so gewählt, dass sie tatsächlich journalistische und feuilletonistische Themen aufgreifen könnten, der Inhalt des Kapitels wird somit ironisch gebrochen. Gegen Ende werden die Überschriften dann ins Absurde gedreht, verdoppelt und verdreifacht: „DIMINISHED DIGITS PROVE TOO TITILLATING FOR FRISKY FRUMPS. ANNE WIMBLES, FLO WANGLES – YET CAN YOU BLAME THEM?“ („Verringerte Finger erweisen sich als zu prickelnd für fröhliche alte Frauenzimmer. Anne popelt, Flo pupt – doch kann man’s verübeln?“) (Quelle: de.wikipedia.org)

Personen des 7. Kapitels

Während seines Besuchs der Zeitungsredaktion begegnet unser ‚Held‘ Leopold Bloom gleich mehreren Personen, Angestellte der Setzerei, der Redaktion und andere. Zunächst Red Murray, ein Angestellter, der Anzeigen in der Setzerei ausschneidet und archiviert, dann Davy Stephens, dem Boten des Evening Telegraph – und den livrierten Portier, William Brayden.

Weiter geht es zu „Nannettis Korrekturkabinett“. Joseph Patrick Nannetti ist der Herausgeber des Freeman, nebenbei Stadtrat und will OB von Dublin werden.

Auch Stephen Dedalus, der andere der Hauptakteure des Romans, tritt auf. Des weiteren J.J. O’Molley, ein junger Anwalt, dessen Praxis allerdings schlecht läuft. Bloom schätzt ihn.

Der Chefredakteur des Freeman’s Journal, Myles Crawford, Alkoholiker, hängt an der Vergangenheit des Sensationsjournalismus, bittet Stephen Dedalus etwas zu schreiben. Crawford stellt den Windgott Äolus dar.

Weiter begegnen wir einem Mr. O’Madden Burke, der über die Geschichte Dublins schreibt. Es gibt da noch weitere Personen, die aber keine große Rollen spielen.

Anmerkungen zu diesem 7. Kapitel

Nichts Neues: Auch in diesem Kapitel gibt es einige Redewendungen usw., die vielleicht der Erklärung bzw. Übersetzung bedürfen: Ich hoffe auch hier bei den Übersetzungen (z.B. Italienisch, Lateinisch) die ‚richtigen Worte‘ gefunden zu haben (der Google-Übersetzer ist nicht immer eine Hilfe bei diesen Sprachen):

S. 164: hibernisch [irisch]
S. 165: Esquire [Herr, Anrede als Höflichkeitebezeugung]
S. 170: spationiert [Test, gesperrt mit Zwischenräumen]
S. 172: mangiD, kcirtaP [rücwärts: Patrick Dignam]
Haggadah-Buch [Erzählungen/Handlungsanweisungen im religiösen Leben der Juden]
S. 173: Schema Jisrael Adonai Elohenu [Höre Israel, der Ewige, unser Gott, der Ewige ist eins]
S. 174: Erin [latiniserter Name Irlands]
Gemme [geschnittener Schmuckstein]
Zephir [Südwestwind]
Xenophon [Schüler des Sokrates]
S. 175: Chatterton, der Vize-Kanzler … Hedges Eyre Chatterton [Großonkel von Ned Lambert, einer der im Roman auftretenen Personen]
S. 177: transzendent, transluzent [übersinnlich, durchscheinend]
dorisch [altgriechischer Kunststil der Dorer]
S. 179 Creticus [Versfuß]
Äolsharfe [Harfe, die durch Wind in Schwingungen gerät]
S. 182: Cortège [Prozession]
S. 183: Kalumet [indianische Friedenspfeife]
S. 184: imperatorisch, imperativ [gebieterisch, befehlend]
S. 187: Kyrie eleison [Herr, erbarme dich]
Kyrios [Herr -> Gott oder Jesus Christus]
S. 188: Sallust [römischer Statthalter von Afica Nova]
Rows of cast steel [Reihen aus Gussstahl]
Generalgouverneur von Finnland erschossen [geschah am 17.06.1904, also eigentlich einen Tag später]
S. 189: De omnibus zusammis [Küchenlatein: Alles ‚zusammen‘]
S. 192: And Able was I ere I saw Elba [Und Abel war ich, bevor ich Elba sah]
S. 193: … la tua pace [dein Frieden]
che parlar ti piace [dass du gerne redest]
mentreche il vento, come fa, si tace [während der Wind, wie er es tut, schweigt]
per l’aer perso [für den verlorenen Bereich]
quella pacifica oriafiamma [dieses friedliche Oriafiamma = Kriegsfahne frz. Könige [12. – 15. Jh]
di rimirar fè più ardenti [leidenschaftlicher zu erinnern]
S. 194: Demosthenes [altgriechischer Redner]
Occurrences [Vorkommnisse]
S. 195: lex talionis [gesetzlich zulässige Vergeltung -> Auge um Auge]
S. 196: Afflatus [Inspration]
A.E. [A.E. Russell, Rauschebart, Prophet, Dichter, Philosoph, Wirtschaftstheoretiker, Esoteriker,
Theosoph – siehe S. 260 ff. Des Romans]
S. 197: Impromptu [Improvisation in der Musik]
S. 199: Triremen, Quadriremen [Schiffstypen]
S. 200: unexpektorisch [(nicht) Schleim auswerfend]
Akascha-Chronik [Esoterik: übersinnliches ‚Buch des Lebens‘; Himmel, Äther -> sankrit]
S. 201: Fuit Ilium! [für Troja = Illium]
S. 202: Vestalin [jungfräuliche Pristerin im alten Rom]
S. 204 L.m.i.A. [im Original: KMA = Kiss my arse]
S. 205: L.m.i.m.k.i.A. [im Original KMRIA = Kiss my royal irish arse]
Nulla bona [Nichts gut]
S. 207: Sophist [Wortverdreher]
Antisthenes [altgriechischer Philosoph -> Kynismus/Zynismus [Bedürfnislosigkeit]]
S. 208: Studiker [Student]
deus nobis haec otia fecit [Gott schenke uns diese Muße [Vergil]]
Horatio [Horaz, römischer Dichter zur Zeit Augustus‘]

In deutscher Sprache gibt es zwei Übersetzungen, zunächst die vom Verfasser, also James Joyce, autorisierte Übersetzung von Georg Goyert (1927) – dann die 1975 erschienene Neuübersetzung von Hans Wollschläger, auf die ich mich hier beziehe (ich habe die einmalige Sonderausgabe aus dem Jahr 1979 – 1. Auflage – Suhrkamp Verlag)

siehe auch: Abenteuer Ulysses von James Joyce (01): Vorgeplänkel
Abenteuer Ulysses von James Joyce (02): 1. Kapitel – Telemachos [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (03): 2. Kapitel – Nestor [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (04): 3. Kapitel – Proteus [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (05): 4. Kapitel – Kalypso [Odyssee]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (06): 5. Kapitel – Lotophagen [Odyssee]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (07): 6. Kapitel – Hades [Odyssee]

Abenteuer Ulysses von James Joyce (07): 6. Kapitel – Hades [Odyssee]

Zwischenbericht: In diesen Tagen lese ich das 14. Kapitel (Die Rinder des Sonnegottes) des Romans Ulysses, mit dem ich mich aus ersichtlichen Gründen etwas schwer tue: Eine Übersetzung ist fast nicht möglich, da das Original von James Joyce von Alliterationen und alten germanischen Wörtern geprägt ist und in dem die Entwicklung des Sprachstils und der Sprache vom Altenglischen bis zum zeitgenössischen Dubliner Slang das Wachstum des Embryos im Mutterleib widerspiegelt. Der Übersetzer Hans Wollschläger beginnt die Übersetzung dieses Kapitels in althochdeutscher Sprache (oder was man dafür halten könnte). So habe ich mich daran gemacht, wiederum diesen Text in ein heute lesbares Deutsch zu übertragen.

Aber heute geht es ja vorerst um das 6. Kapitel, dessen Titel auf den Hades, den Ort der Toten in der griechischen Mythologie, verweist. Leopold Bloom fährt mit anderen Personen zum Glasnevin Friedhof zur Beerdigung von Patrick „Paddy“ Dignam, der am Montag gestorben war (sich zu Tode gesoffen hat, als Parallele zum Gefährten Elpenor von Odysseus, der betrunken vom Dach von Kirkes Haus stürzte).

Oh, oh, die Jungs von Kilkenny ... (Kapitel 3 – S. 63)
Oh, oh, die Jungs von Kilkenny … (Kapitel 3 – S. 63)
James Joyce: Ulysses (in dt. Übersetzung von Hans Wollschläger) / Penelope (The Last Chapter of ) / Flasche Kilkenny – Irish Red Ale / Fritz Janschka: Ulysses-Alphabet mit signierter Originalgraphik: Harenbergs Joyce

Inhalt des 6. Kapitels: Hades (Friedhof)

Stilistisch dreht es sich in diesem Kapitel um die Darstellung von Inkubismus, was die Psychoanalyse als Inkubation bezeichnet. Dabei wird davon ausgegangen, dass sich die Verarbeitung von Traumata (bei Leopold Bloom der Tod von Vater und Sohn) bewusst oder unbewusst in verschiedenen Phasen vollziehen, wobei sich unbewusste Prozesse erst nach und nach organisieren (systematisieren), um mit einer bestimmten Stärke auftreten lassen.

Nachdem Bloom sich für die Beerdigung frisch gemacht hat, fährt er mit der Kutsche zur Beisetzung. In der Kutsche sitzt auch Stephens Vater, Simon Dedalus. Bloom erblickt Stephen – zum ersten Mal an diesem Tag kreuzen sich ihre Wege – und macht Simon auf ihn aufmerksam: „Da ist grad ein Freund von Ihnen vorbeigegangen, Dedalus, sagte er. – Wer denn? – Ihr Sohn und Erbe.“
Das Gespräch der Passagiere dreht sich – neben Alltäglichem wie der Straßenbahn – um den Tod, um Arten des Sterbens und um Begräbnisse. Entsprechend beherrscht dieses Thema die Gedanken Blooms, für den es unbewusst zum einen mit dem Tod seines Vaters, der sich das Leben genommen hat, zum anderen mit dem Tod seines ersten Kindes – seines Sohnes Rudy, der bereits als Kind starb – verknüpft ist. Immer wieder geht es deshalb bei seinen Reflexionen auf dem Friedhof um Vater-Sohn-Beziehungen, aber auch um die ersten Jahre seiner Ehe, um Schwangerschaft und die Mutter-Kind-Beziehung: „Nur Mutter und totgeborenes Kind werden zusammen in einem Sarg beerdigt. Seh den Sinn schon ein. Ganz klar. Schutz für den Kleinen so lange wie möglich, selbst in der Erde noch.“

Nachdem der Sarg in die Erde gelassen ist, streift Bloom über den Friedhof und denkt noch lange über den Tod nach: „Meins liegt da drüben, nach Finglas zu, die Grabstelle, die ich gekauft hab. Mama, die arme Mama, und der kleine Rudy.“

Der Titel des Kapitels verweist auf den Hades, den Ort der Toten in der griechischen Mythologie. (Quelle: de.wikipedia.org)

Personen des 6. Kapitels

Neben dem Hauptakteur dieses Romans, Leopold Bloom, treffen wir u.a. auf Simon Dedalus, dem Vater von Stephen, der zweiten Hauptperson. Simon war einst erfolgreich, gilt als angesehener, geselliger Lebemann, ist aber inzwischen ein abgestürzter Alkoholiker, der in Selbstmitleid und Trauer um seine gestorbene Frau Mary vergeht und alles Geld vertrinkt. Er lässt seine Töchter Dilly, Maggy und Boody hungern und schimpft über Stephens Lebensstil als Künstler. Weitere Personen sind Martin Cunningham, ein einflussreicher, intelligenter, scharfsinniger und sehr gläubiger Mensch (ein „Gesicht wie Shakespeare“). Er ist der Kopf der Gruppe um Power und M’Coy. Außerdem begegnen wir Tom Kernan, einem Handlungsreisender mit Zylinder und Agent für die Firma Pulbrook Robertson & Co., Ned Lambert, einem Saatguthändler, der im Getreidespeicher in Marys Abbey arbeitet – weiter Hynes, einem Reporter und Antisemit, und Corny Kelleher, Sargbauer und Mitarbeiter im Bestattungsunternehmen. Weitere Personen in diesem Kapitel sind u.a. John Henry Menton, Anwalt und ehemaliger Arbeitgeber des Verstorbenen, Patrick „Paddy“ Dignam, und John O’Connell, dem Friedhofsaufseher – sowie Father Coffery (coffin = „Sarg“), dem Priester auf der Beerdigung, der die Absolution erteilt.

Anmerkungen zu diesem 6. Kapitel

Auch in diesem Kapitel gibt es einige Redewendungen, die vielleicht der Erklärung bzw. Übersetzung bedürfen: Ich hoffe auch hier bei den Übersetzungen (Italienisch, Lateinisch) die ‚richtigen Worte‘ gefunden zu haben (der Google-Übersetzer ist nicht immer eine Hilfe bei diesen Sprachen):

S. 132: Voglio e non vorrei [Ich würde und möchte nicht]
Mi trema un poco il [Es schüttelt mich ein wenig]
Vom Stamme Reuben [1. Sohn Jakobs, Stammvater eines der 12. Stämme Israels]
S. 135 Hans Gerstenkorn [John Barleycorn – ironische Bezeichnung für Alkohol]
S. 137 Mater Misericordiae [Mutter Barmherzigkeit]
S. 140 Bugabu [wie im Original – wohl: Schiffsname]
S. 143 Harpy(i)e [Mischwesen der griech. Mythologie – Vogel mit Frauenkopf, bösartig, lassen die Geister der Toten nicht in Ruhe / Stürme]
S. 144: Artane [Vorort von Dublin]
S. 146 Schmeh [eigentl. Schmäh = Schwindelei]
Non intres in judicium cum servo tuo, Domine. [Geb nicht ins Gericht mit deinem Diener, Herr – Psalm 142]
S. 147: Et ne nos inducas in tentationem. [und führe uns nicht in Versuchung]
S. 148: Ri – ra – rutsch, wie fahren mit der Kutsch [im Original: The ree the ra, the ree the ra the roo]
O’Connell bzw. Dan O‘ [Daniel O’Connell – irischer gewaltloser Kämpfer gegen England]
S. 150: Madame Marion Tweedy [Geburtsname von Marion Bloom]
S. 152: habeat corpus [einen Körper haben]
S. 154 De mortuis nil nisi prius. [Nichts über die Toten bis auf den ersten]
Iden des März [13./15. des Monats – Errmordung von Cäsar]
S. 160: Eulogie [Segensspruch]
S. 161: Plinthe [Steinplatte]
S. 163: Affidavit [eidliche Versicherung]

In deutscher Sprache gibt es zwei Übersetzungen, zunächst die vom Verfasser, also James Joyce, autorisierte Übersetzung von Georg Goyert (1927) – dann die 1975 erschienene Neuübersetzung von Hans Wollschläger, auf die ich mich hier beziehe (ich habe die einmalige Sonderausgabe aus dem Jahr 1979 – 1. Auflage – Suhrkamp Verlag)

siehe auch: Abenteuer Ulysses von James Joyce (01): Vorgeplänkel
Abenteuer Ulysses von James Joyce (02): 1. Kapitel – Telemachos [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (03): 2. Kapitel – Nestor [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (04): 3. Kapitel – Proteus [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (05): 4. Kapitel – Kalypso [Odyssee]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (06): 5. Kapitel – Lotophagen [Odyssee]

Ellie und Willi

Es war Liebe auf dem ersten Blick: Ellie und Willi! Heute wird die junge Dame bereits ein halbes Jahr alt.

Ellies Goldkettchen
Ellies Goldkettchen

Ja, ich bin Großvater, Opa, grandpa, grand-père, Afi – wie Ihr es auch nennen mögt. Stolzer Opa eines süßen kleinen Mädchen, und sehe mit Freude, wie sich die Kleine Woche für Woche weiterentwickelt.

(Fast) jeden Sonntag gehen meine Frau, die ebenso stolze Oma, und ich mit Ellie spazieren. Ich darf den Kinderwagen schieben. Und wir freuen uns schon auf den Tag, wenn wir Klein-Ellie an der Hand nehmen können, um mit ihr die Umgebung zu erkunden.

So viel Freude, so viele schöne Stunden es mit den eigenen Kindern gegeben hat, so schön ist es, das eigene Enkelkind auf dem Arm zu haben und das frohe Gesichtchen zu sehen. Ja, es war Liebe auf dem ersten Blick!

Licht aus | Nacht an – Thema Lichtverschmutzung

    „Mehr Licht?!“
    angeblich letzte Worte von Goethe

Am Montag (12.09.2022 – 19 Uhr) besuchte ich mit meiner Frau eine Infoveranstaltung in der Schützenhalle bei uns in Tostedt mit dem Titel: LICHT AUS – Wie Lichtverschmutzung uns gefährdet und vermieden werden kann, zu der die Samtgemeinde Tostedt eingeladen hatte.

Der Vortragende Manuel Phillip ist Gründer der „Paten der Nacht“, der „Earth Night“ und der Umweltzertifizierung für Firmen „22 Uhr“.

Eine unnötige Beleuchtung in der Nacht bedeutet nicht nur den Verlust des Sternenhimmels, sondern ist auch eine große Gefahr für Insekten, Pflanzen, Zugvögel, Säugetiere und damit auch für den Menschen.

Die Earth Night (dieses Jahr am 23.09.) ist ein Symbol für dunklere Nächte, aber natürlich geht es darum, dauerhaft die Lichtverschmutzung zu reduzieren. Dass dies mit intelligenten Maßnahmen ohne größere Einschränkungen möglich ist und sich hierbei auch erhebliche Kosteneinsparungen ergeben, erklärte Herr Phillip auf eine sehr spannende, eindringliche und unterhaltsame Weise. Für sein Engagement hat er im Jahr 2021 die Bayerische Umweltmedaille erhalten (aus dem Flyer zur Veranstaltung)

Earth Night 2022 – am 23.09.2022
Earth Night 2022 – am 23.09.2022

Menschen werden ab spätestens 22 Uhr (Ortszeit) die ganze Nacht über das Licht reduzieren und so ein Zeichen gegen die zunehmende Lichtverschmutzung zu setzen. Jeder kann dabei mitmachen!

In vielen anschaulichen Beispielen zeigte Herr Phillip auf, wie unsere Umwelt durch Lichtverschmutzung (richtige wäre der Begriff Nachtverschmutzung – durch unnötige, von Menschen in der Nacht verursachte Helligkeit) beeinträchtigt wird. Anhand von zwei Satellitenbildern von Europa aus den Jahren 1992 und 2010 konnten wir die ungeheure Zunahme an Lichtquellen erkennen. Bereits vor über acht Jahren hatte ich an dem Beispiel Nordkorea (Schwarzes Loch: Nordkorea im Dunkeln) aufgezeigt, wie in industriellen Ländern Licht verschwendet wird.

Wie sehr Licht auch unser Leben beeinflusst, zeigen die zunehmenden Schlafstörungen vieler Menschen. Wir leben den ganzen Tag meist in Kunstlicht und setzen uns abends vor dem Schlafengehen oft noch einer massiven Lichtdusche aus (z.B. beim Zähneputzen). Unser Melatonin-Haushalt (ein Hormon, das den Schlaf-Wach-Zyklus reguliert) wird dadurch nachhaltig gestört.

Aber es sind vor allem Gewerbetreibende sowie die Kommunen und Städte gefragt, die Verschwendung von Licht zu vermeiden.

6 Punkte für optimales Außenlicht

Mit einfachen Mitteln kann jeder seinen Beitrag zur Reduzierung der Lichtverschmutzung leisten. Je mehr der nachfolgenden Empfehlungen pro Lichtquelle berücksichtigt werden, desto besser. Die Punkte gelten gleichermaßen für die Beleuchtung an Häusern und Gebäuden, aber auch von Fassaden, Straßen, Parkplätzen und Schaufenstern sowie Leuchtreklame

1. Intensität
Möglichst geringe Lumen-Werte (lm) nutzen. Größere Bodenflächen besser mit mehreren schwachen Lichtquellen ausleuchten, anstatt mit nur einer einzigen sehr, sehr hellen.

2. Richtung
Nur nach unten. Streulicht zur Seite und vor allem nach oben vermeiden. Hier helfen geschirmte Gehäuse oder LED-Reflektorlampen

3. Farbe
Je gelber, desto besser! Farbtemperaturen von 2700 Kelvin möglichst nicht überschreiten

4. Montagehöhe
Je niedriger, desto besser! Dadurch entsteht weniger Blendung und die Streuverluste in die Umgebung werden reduziert

5. Dauer
Beleuchtung nur während und nur so lange man sie benötigt. Hier helfen Bewegungsmelder. Dauerlicht vermeiden und spätestens um 22 Uhr (Sommer wie Winter) abschalten (Zeitschalter)

6. Notwendigkeit
Licht nur zur Wegesicherheit und Orientierung nutzen. Außenlicht zu dekorativen Zwecken sollte generell vermieden werden – speziell in Gärten, auf Pflanzen, Naturflächen und Teiche

Alles das schützt tag- und nachtaktive Lebewesen, hält Insekten vom Haus fern (und bewahrt somit die Bestände),  lässt den Sternenhimmel wieder erstrahlen und spart auch noch jede Menge Energie! (Quelle: paten-der-nacht.de)

In einem Beitrag der Tagesschau (Die Schattenseite des Lichts – Von Axel John, SWR) wurde erst vor einigen Tagen die Lichtverschmutzung, die gerade in diesen Tagen durch die horrend gestiegenen Energiekosten auf die Agenda der Städte und Kommunen gesetzt wurde, thematisiert – hier der Beitrag:

In vielen Städten gingen in den vergangenen Wochen die Lichter aus – Deutschland muss Energie sparen. Umweltschützer erkennen in der Krise auch eine Chance für Nachhaltigkeit und Artenschutz.

Seit dem 9. August gilt für Mainz ein Energieplan, wonach 15 Prozent Gas eingespart werden sollen. Beleuchtung, die der Verkehrssicherheit dient, ist dagegen nicht ausgeschaltet.

„Weniger Helligkeit in der Nacht hat weitreichende Folgen für die Tierwelt. Sehr viele Arten leiden unter einer zunehmenden Lichtverschmutzung. Es ist einfach zu hell“, sagt Rainer Michalski. Er arbeitet für den Naturschutzbund (NABU) Rheinhessen. „Der Energiesparplan ist eine Chance, das ökologische Gleichgewicht in der Nacht wieder etwas besser ins Lot zu bekommen.“

„Eine Hauptursache des Artensterbens“

Tiere hätten sich über viele Millionen Jahre nur an Mond und Sternen orientiert, so Michalski. Seit gut einhundert Jahren werde die Nacht durch die Industrialisierung und die Technik aber immer heller. Das habe weitreichende Folgen für die Tierwelt. „Viele Insekten fliegen Lichtquellen an und kommen aus diesem hellen Kegel nicht mehr heraus. Sie sind regelrecht gefangen und verenden dann dort“, erklärt Michalski.

Dabei seien gerade Insekten regelrechte „Dienstleister für die Natur“ und damit sehr wichtig für die Pflanzen- und Tierwelt – als Nahrung oder beim Bestäuben von Blüten. „Lichtverschmutzung ist wahrscheinlich eine Hauptursache des Artensterbens.“ 

Kann aber das teilweise Abschalten von Licht in der Stadt wirklich einen Effekt auf die Tierwelt im Allgemeinen haben? „Auf jeden Fall“, sagt Michalski. „Insekten werden auch von Lichtquellen aus großer Distanz angezogen. Das gilt etwa für verschiedene Nachtfalter, aber auch Zugvögel sind beispielsweise betroffen. Sie orientieren sich dann an erleuchteten Hochhäusern, fliegen dagegen, stürzen ab und sterben.“

Das Problem immer hellerer Städte habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, so Michalski. Der Grund sei die energiearme LED-Lampe. „Der Verbrauch ist sehr gering. Daher wurden mehr Lampen mit LED verwendet, was die Lichtmenge deutlich gesteigert hat. Immer mehr wird angestrahlt und ausgeleuchtet“, klagt der NABU-Experte.

Studie: Auch Deutschland immer heller

„Europa ist jahrzehntelang immer heller geworden“, bestätigt Christopher Kyba. Er forscht am deutschen Geoforschungszentrum Potsdam und an der Bochumer Ruhr-Universität rund um das Thema Licht. „Seit dem zweiten Weltkrieg hat es bis auf wenige Ausnahmen bis 2017 einen konstanten Zuwachs der Lichtmenge in der Nacht gegeben.“ Das belegt eine internationale Studie unter der Leitung Kybas.

„Europa ist jahrzehntelang immer heller geworden“, bestätigt Christopher Kyba. Er forscht am deutschen Geoforschungszentrum Potsdam und an der Bochumer Ruhr-Universität rund um das Thema Licht. „Seit dem zweiten Weltkrieg hat es bis auf wenige Ausnahmen bis 2017 einen konstanten Zuwachs der Lichtmenge in der Nacht gegeben.“ Das belegt eine internationale Studie unter der Leitung Kybas.

Die Zunahme der nächtlichen Beleuchtung in weiten Teilen Deutschlands erklärt auch Christopher Kyba vor allem mit der LED-Lampe. „Die langfristige Entwicklung ging über die Kerze, dann die Gaslaterne, Glühbirne und jetzt das LED. Licht wurde immer effizienter, immer heller und immer günstiger.“

„Muss dann noch das Werbebanner leuchten?“

Jetzt aber fingen immer mehr Menschen an, immer mehr Licht in der Nacht zu hinterfragen. „In deutschen Städten ist ab 23 Uhr nichts mehr los. Muss dann noch das Werbebanner leuchten?  Zudem sollten Restaurants oder Tankstellen nur noch erleuchtet sein, wenn sie noch geöffnet haben“, so Kyba. Im internationalen Vergleich stehe Deutschland aber relativ gut da. Spanien etwa sei deutlich heller als die Bundesrepublik. Auch in den USA gebe es viel mehr künstliche Helligkeit in der Nacht. Dennoch gebe es auch hierzulande noch viel Einsparpotential.

Deshalb hat der Forscher mit seinem Team eine App namens Nachtlicht-Bühne entwickelt, mit der Freiwillige die Lichtquellen in ihrer Umgebung erfassen. Die Daten wertet Kyba für seine Forschung aus. „Wir wissen zwar mittels Satellitenbilder, wo es besonders hell ist. Aber wir wissen nicht, was das für Lichtquellen sind. Die Informationen aus der App können uns bei der Lichtverschmutzung weiterhelfen.“

Erste Nachtschutzbeauftragte Deutschlands

In Fulda und in der Rhön ist Sabine Frank am frühen Abend unterwegs. Sie ist seit 2014 Nachtschutzbeauftragte des Landkreises und damit die erste und bislang auch einzige bundesweit. Sie trifft sich mit Freiwilligen aus Fulda und will Lichtquellen in Fulda mittels der App des Geoforschungszentrums erfassen. „Alles leuchtet inzwischen. Früher war es nur die Straßenbeleuchtung. Jetzt geht es immer ins Private:  Vom Klingelschild über den Schuh bis zum Garten. Das ist eine Entfremdung von natürlichen Gegebenheiten der Umwelt.“ 

Sabine Frank berät Bürger, Betriebe und Gemeinden, wie Lichtverschmutzung vermieden werden kann. Inzwischen häufen sich auch die bundesweiten Anfragen bei ihr. Demnächst hat sie einen Termin beim Deutschen Fußball-Bund. Es gehe um Flutlicht, erzählt sie. „Als ich vor acht Jahren anfing, dachten viele zunächst, es ginge um Luftverschmutzung. Heute kennen fast alle das Thema.“

Aus ihrer Sicht hat sich inzwischen auch gesetzlich einiges getan.  Das neue Bundesnaturschutzgesetz nennt erstmals den Begriff „Lichtverschmutzung“ und sieht einen Zusammenhang mit dem Rückgang der Artenvielfalt. Auch Landesnaturschutzgesetze wurden entsprechend geändert - in Bayern und Baden-Württemberg.

Einfache Maßnahmen gegen Lichtverschmutzung

In Mainz hat auch Rainer Michalski gemerkt, dass das Thema inzwischen in einer breiten Öffentlichkeit angekommen ist – spätestens mit dem russischen Krieg gegen die Ukraine und der Notwendigkeit, Energie zu sparen.

Der NABU-Experte hat einen einfachen Tipp gegen Lichtverschmutzung und für mehr Tierschutz: „Eine naturfreundliche Beleuchtung ist nötig. Künstliches Licht in der Nacht sollte einen geringen Blauanteil haben. Genau das lockt viele Insekten an. Besser sind warmweiße Lampen. Entscheidend ist aber die Frage, wo brauchen wir Licht wirklich und wo nicht?“

Zum eingangs angeführten Goethe-Zitat:

Goethe rief Friedrich zu: ,Mach doch den Fensterladen im Schlafgemach auf, damit mehr Licht hereinkomme. ‚ Dies waren seine letzten vernehmlichen Worte.

Ganz gewitzte Interpreten – sie waren beim Tod des Dichters nicht dabei – haben gemutmaßt, dass Goethes letzte Worte in seiner Frankfurter Mundart gesprochen wurden. Dann rief er nicht nach mehr Licht sondern formulierte eine Binsenweisheit, etwa: „Mer liecht … hier so unbequem“. Und das wäre für Freunde letzter Worte wahrlich sehr enttäuschend. (Quelle: goethe-live.de)

God save the Queen King

Ja, die Queen ist tot, es lebe der König! Mit nun schon 73 Jahren besteigt Charles Philip Arthur George als Charles III. den Thron des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland und dürfte damit der älteste Thronfolger der britischen Geschichte sein. Ob es sich da lohnt, Münzen und Geldscheine mit seinem Konterfei zu versehen, ist fraglich. Sollte er aber so alt wie seine Mutter werden, dann stehen ihm immerhin noch 23 Jahre als König bevor. 😉

Ein letztes Marmeladen-Sandwich

In Erinnerung an Königin Elizabeth II., die am Donnerstag im Alter von 96 Jahren in Balmoral in Schottland gestorben war, hatten Menschen unter anderem Teddys und Marmeladenbrote abgelegt. Die ungewöhnlichen Mitbringsel sind eine Hommage an eine überraschende schauspielerische Einlage der Queen, die sich für einen Videoclip zu ihrem 70-jährigen Thronjubiläum in diesem Jahr mit dem animierten, aus Kinderbüchern und Filmen bekannten Paddington-Bären zum Tee getroffen hatte. Dazu gab es – ganz nach Paddingtons Geschmack – Marmeladen-Sandwiches. Sie habe immer eins in ihrer Handtasche dabei, verriet die Monarchin dem Bären – und zog prompt ein Sandwich aus ihrer feinen schwarzen Ledertasche hervor. Der Clip wurde erstmals zum Auftakt eines Konzerts mit etlichen britischen Stars gezeigt, das am Jubiläumswochenende Anfang Juni in London stattfand. Die Menschenmassen vor dem Buckingham-Palast zollten der Queen mit großem Jubel und Applaus Anerkennung für ihre schauspielerischen Qualitäten – in den sozialen Medien ging das Video viral:

Durch Weinberge und Wald bei Bad Dürkheim: Vom Flaggenturm zum Zeppelinturm

Beim Besuch unseres Sohnes und seiner Freundin in Mannheim nutzten wir wie schon bei der Anreise das 9-Euro-Ticket und fuhren mit der Linie 9 des RNV, dem Rhein-Neckar-Verkehr, von Mannheim über Ludwigshafen nach Bad Dürkheim, der Kur- und Kreisstadt in der Metropolregion Rhein-Neckar am Rande des Pfälzerwalds in Rheinland-Pfalz. Zuvor hatten wir uns mit einem ausgiebigen Frühstück gestärkt.

Von hier begaben wir uns dann auf einen etwa 14 km langen Rundgang, beginnend beim Flaggenturm, der im Volksmund seiner Form wegen Kaffeemühlchen genannt wird. Der Turm steht südwestlich von Bad Dürkheim auf einer Anhöhe innerhalb der Weinlage Dürkheimer Fuchsmantel.

Auf dem Weg zum Flaggenturm ('Kaffeemühlchen')
Auf dem Weg zum Flaggenturm (‚Kaffeemühlchen‘)

Flaggenturm ('Kaffeemühlchen')
Flaggenturm (‚Kaffeemühlchen‘)

Hier gingen wir an Weinreben vorbei, die voll mit weißen und roten Trauben hingen, von denen wir auch eine Kostprobe nahmen: Wunderbar süß schmeckten diese, aus denen dann bald Wein gewonnen wird:

Weinreben mit weißen Trauben
Weinreben mit weißen Trauben

Weinreben
Weinreben

Weiße Trauben
Weiße Trauben

Blick über den Weinberg
Blick über den Weinberg

Weinreben mit roten Trauben
Weinreben mit roten Trauben

Rote Trauben
Rote Trauben

Vom Flaggenturm gingen wir auch durch Waldstücke des Pfälzerwaldes mit dem Ziel Zeppelinturm, der wegen seiner spiralförmigen Form Schneckennudel genannt wird (Wanderung vom Flaggenturm bis zum Zeppelinturm).

Durch den Wald (Pfälzerwald)
Durch den Wald (Pfälzerwald)

Durch den Wald (Pfälzerwald)
Durch den Wald (Pfälzerwald)

Vom Zeppelinturm hat man eine schöne Aussicht auf die Wälder, Ortschaften und Weinberge der Umgebung:

Hinauf zum Zeppelinturm ('Schneckennudel')
Hinauf zum Zeppelinturm (‚Schneckennudel‘)

Von hier aus machten wir den Rundgang komplett und kamen dann wieder beim Flaggenturm vorbei nach Bad Dürkheim. Nach vier Stunden Wanderung fuhren wir dann nach 18 Uhr zurück nach Mannheim.

Wo sollen wir noch sparen …?!

Putins Krieg gegen die Ukraine ist längst auch zu einem Energiekrieg gegen die westlichen Staaten geworden. Wer mehr zu leiden hat, die Menschen in der Ukraine oder wir, brauche ich wohl nicht zu sagen. Gas aus Russland kommt zurzeit nur tröpfchenweise an. Ausreden gibt es genug. Eigentlich können Lieferverträge auch gekündigt werden.

Wir wissen: zu lange hat die Politik auf Putin vertraut und sich ganz in die Hände des Machthabers im Kreml begeben. Jetzt also die Rechnung: Gas wird für den Verbraucher doppelt so teuer wie bisher und auch der Strompreis steigt und steigt, weil es da das Merit-Order-Prinzip gibt, dass das teuerste Kraftwerk, das noch benötigt wird, um den Bedarf zu decken, den Strompreis bestimmt. Das ist jetzt natürlich die Stromerzeugung mit Gas. Diesen Preis können also auch alle anderen, günstigeren Anbieter vereinnahmen. Das hat vielleicht lange funktionierte, ist jetzt aber zur Kostenfalle geworden. Hinzu kommen Probleme bei französischen Atommeilern und auch das Niedrigwasser der Flüsse durch die Hitzeperiode (Kohle kann nur bedingt durch Binnenschiffe transportiert werden).

Strompreise Juli 2022
Strompreise Juli 2022

Wie gesagt: Die Politik hat lange geschlafen bzw. sich von Herrn Putin einlullen lassen. Gas aus Russland soll durch Flüssiggas z.B. aus den USA, das z.B. durch die umweltunverträgliche Fracking-Methode gewonnen wird, ersetzt werden. Das dauert natürlich, da entsprechende Terminals bei uns noch fehlen.

Immerhin ist eine Trendwende hin zu erneuerbaren Energieträgern ersichtlich.

Stromeinspeisung 1. Quartal 2022
Stromeinspeisung 1. Quartal 2022

Die Politik verspricht Entlastungen für die Bürger. Und so sollen jetzt auch Rentner und Studenten in den Genuss einer Energiepreispauschale kommen. Allerdings gibt da noch die so genannten Gasumlage ( ab Oktober zusätzliche Kosten von 2,419 Cent pro Kilowattstunde  Gas). Angeblich hat die Energieversorger-Lobby mit an dem Gesetz gewerkelt. Wäre ja nicht das erste Mal, das Lobbyverbände den Inhalt von Gesetzen bestimmen. Die Umlage kommt also noch einmal zum Gaspreis hinzu. Wenn schon, denn schon …

Die Erträge aus der Umlage sollen an Gas-Importeure gehen, um deren hohe Beschaffungskosten für Gas auszugleichen. Anderenfalls könnte der Zusammenbruch von Unternehmen, die für das Funktionieren des Gasmarkts und die Versorgungssicherheit wichtig sind, drohen. So will sich auch unser Versorger, die EWE, einen großen Schluck aus der Umlage-Pulle holen, ein Unternehmen, das in den Vorjahren Gewinne im dreistelligen Millionenbereich machte und u.a. auch Partner einer Infrastruktur-Investmentgesellschaft ist, die immerhin 26 % Anteile an der EWE AG übernommen hat. Man ist sich nicht zu schade, letztendlich dem Verbraucher zur Kasse zu bitten. Rede da die Politik (mit Hilfe der Energieversorger-Lobby) nicht etwa eine Krise herbei, die sich dann vielleicht als selbst erfüllende Prophezeiung generiert?!

Wenn ich durch unseren Landkreis Harburg mit dem Rad fahre, so führt mich mein Weg an mehreren Anlagen vorbei, die Biogas produzieren. So z.B. die Anlage in der Nähe von Heidenau, die sich aus der Ferne optisch wie die Pyramiden ausmacht. Der Anteil von Biogas liegt allerdings gerade einmal bei etwas mehr als 2,5 % aller Energieträger.

Die Pyramiden der Bioenergie: Biogasgewinnung bei Heidenau
Die Pyramiden der Bioenergie: Biogasgewinnung bei Heidenau

Um diese Anlage liegt allerdings ein ziemlich anrüchtiger Duft durch die Zersetzung von organischem Material wie Gülle, Bioabfällen oder Energiepflanzen (z.B. Mais). Eine kleinere Biogasanlage ist zwischen Wüstenhöfen und Dohren zu finden.

Biogasgewinnung bei Heidenau
Biogasgewinnung bei Heidenau

Was können wir als Verbraucher gegen diesen Preisschock tun? Sparen, sparen, sparen … Noch mag das halbwegs möglich sein. Aber der nächste Winter kommt bestimmt, und wenn dieser kalt wird, dann gute Nacht, Marie. Meine Frau und ich sind immer schon sehr sparsam mit Gas und Strom umgegangen. Wir müssen z.B. im Winter unser Haus nicht auf 25 ° C erhitzen. 20 ° C als Höchstwert tun es auch. Ansonsten kann man sich Bewegung schaffen oder auch wärmere Klamotten anziehen. Früher hat man uns dafür durchaus für bekloppt gehalten, aber im kommenden Winter werden sich viele ‚umsehen‘ und überlegen, ob sie gewillt sind, die hohen Energiepreise zu zahlen. Für meine Frau und mich ist kaum noch Spielraum zum Einsparen …

Gut, die Waschidee des Herrn Kretschmann, weniger zu duschen und zum Waschlappen zu greifen, hat einen Shitstorm im Netz ausgelöst. Warum eigentlich? Ich dusche mich nun wirklich nicht jeden Tag (2x die Woche reicht oder außer an wirklich heißen Tagen bzw. nach schweißtreibender Arbeit). Meine Haut dankt mir dafür sogar.

Das Problem ist, dass wir immer noch mit einem Bewusstsein leben, das keine Rücksicht auf unsere Umwelt legt. Bequemlichkeit ist immer noch wichtiger, selbst dann, wenn es uns nicht bekommt. Ich denke da nur an den in Deutschland unmäßig großen Fleischverbrauch (von ‚Genuss‘ kann nicht die Rede sein). Auch ich verzichte nicht völlig auf Fleisch. Aber mit meiner Frau haben wir den Verbrauch stark eingeschränkt. Und in kleinen Mengen schmeckt es dann auch viel besser. Was die Fleischproduktion an Wasser und Energie (eben diese!) benötigt, ist unverhältnismäßig.

Was wir brauchen ist ein geändertes Bewusstsein. Vielleicht bringt die Energiekrise den einen oder anderen zum Umdenken. Wenn es ans Portemonnaie geht, machen sich doch einige plötzlich Gedanken.

Wochenmarkt in Mainz (Freitag 26.08.2022)

Auf unserer 9-Euro-Ticket-Tour nach Mannheim machten meine Frau und ich einen Halt in Mainz. Bevor wir von dort nach Mannheim weiterfuhren, ging es noch einmal in die Mainzer Innenstadt. Und neben dem Besuch des Mainzer Doms bummelten wir über dem Wochenmarkt, der in der Altstadt an diesem Freitag stattfand. Wir beide mögen Wochenmärkte und haben auch in unserem Wohnort dienstags wie freitags einen solchen, wenn dieser auch ziemlich klein ausfällt. Der Wochenmarkt in Mainz (bei bestem Sonnenwetter) war dagegen in seinen Farben und natürlich mit seinen regionalen Angeboten beeindruckend.

Wochenmarkt in der Mainzer Altstadt (1)
Wochenmarkt in der Mainzer Altstadt (1)

Was es z.B. bei uns nicht gibt, sind Weintrauben aus dem eigenen (also regionalen) Anbau. Auch sonst war das Angebot riesig und wir bedienten uns gern davon.

Wochenmarkt in der Mainzer Altstadt (2)
Wochenmarkt in der Mainzer Altstadt (2)

Hier noch einige weitere Fotos von den Verkaufsständen …

Wochenmarkt in der Mainzer Altstadt (3)
Wochenmarkt in der Mainzer Altstadt (3)

Wochenmarkt in der Mainzer Altstadt (4)
Wochenmarkt in der Mainzer Altstadt (4)

Wochenmarkt in der Mainzer Altstadt (5)
Wochenmarkt in der Mainzer Altstadt (5)

Wochenmarkt in der Mainzer Altstadt (6)
Wochenmarkt in der Mainzer Altstadt (6)

Wochenmarkt in der Mainzer Altstadt (7)
Wochenmarkt in der Mainzer Altstadt (7)

Wenn es einen vergleichbaren Wochenmarkt bei uns im hohen Norden gibt, dann den in der Isestraße von Hamburg, der zu den größten in Deutschland zählt.

Abenteuer Ulysses von James Joyce (06): 5. Kapitel – Lotophagen [Odyssee]

Komme ich heute zum 5. Kapitel des Ulysses von James Joyce, das sich auf Odysseus‘ Besuch bei den Lotophagen bezieht. Wie die Gefährten des Odysseus im Land der Lotophagen, der Lotosesser, der narkotisierenden Kraft der Lotus-Frucht willenlos erliegen, begleiten hier ‚Drogen‘ Leopold Bloom auf seinem Weg. Sie locken in Gestalt von Werbung, katholischem Ritual, Blumen, Tee oder Körperpflege.

James Joyce (© Suhrkamp Verlag)
James Joyce (© Suhrkamp Verlag)

Inhalt des 5. Kapitels: Lotophagen (Badeanstalt)

Wie schon kurz angesprochen, so versucht dieses Kapitel stilistisch die hypnotische Natur u.a. der Religion darzustellen.

Bloom beginnt seine Wanderung durch Dublin. In diesem Kapitel, das Joyce dem Narzissmus zugeordnet hat, sind Körperpflege und -geruch die vorherrschenden Themen, das Motiv der Blume (Lotos) durchzieht den Text. Auf Umwegen geht Bloom zum Postamt und holt einen Brief ab. Wir erfahren, dass er unter dem Pseudonym „Henry Flower“ mit einer gewissen Martha [Clifford] korrespondiert, wodurch diese Konnotation seines Namens verstärkt wird. Der Brief enthält eine zerdrückte gelbe Blume: „Er riß mit Ernst die Blume aus der Nadelheftung, roch ihren fast gar keinen Ruch und brachte sie an seiner Herztasche an. Blumensprache. Die mögen sie, weil keiner sie hören kann.“ Das Postskriptum des Briefes („PS: Sag mir doch, was für ein Parfum benutzt Deine Frau.“) beschäftigt ihn den ganzen Tag.

In Sweny’s Drogerie kauft Bloom die berühmte Zitronenseife („Süßes zitroniges Wachs“), deren Duft ihn ebenfalls den ganzen Tag – und somit den ganzen Roman – begleiten wird. Sogar der Körpergeruch des Drogisten spielt während des Kaufes in Blooms Gedanken eine Rolle: „Der Drogist blätterte Seite um Seite zurück. Sandgelb verschrumpelt, so riecht er scheints auch.“ Danach trifft Bloom auf einen flüchtigen Bekannten („Bantam Lyons’ schwarznägelige Finger entrollten den Stab. Braucht auch mal ne Waschung. Daß wenigstens der gröbste Dreck runterkommt.“). Durch ein Missverständnis meint dieser, Bloom hätte ihm einen Tipp für das nachmittägliche Pferderennen gegeben.

Das Kapitel endet mit der Vorfreude auf sein Bad in einer öffentlichen Badeanstalt, einer beruhigten narzisstischen Betrachtung seines Körpers im Wasser: „Er sah im Geiste seinen bleichen Leib darin ruhen, lang ausgestreckt und nackt […] und sah die dunklen verstrickten Löckchen seines Büschels fluten […], eine schlaffe flutende Blume.“
(Quelle: de.wikipedia.org)

Personen des 5. Kapitels

In diesem Kapitel steht der Hauptakteur Leopold Bloom fast allein im Mittelpunkt. Erwähnenswert ist höchstens seine Begegnung mit C.P. Charley M’Coy. Dieser ist Teil der Gruppe um Cunningham, dem wir mit Bloom im Wagen zum Friedhof (6. Kapitel: Hades) kennenlernen. M’Coy arbeitet im Leichenschauhaus bei Louis Byrne. Außerdem läuft ihm Bantam Lyons über den Weg. Beides sind aber nur Nebenfiguren.

Anmerkungen zu diesem 5. Kapitel

Ich hoffe besonders bei den Übersetzungen (Französisch, Italienisch, Lateinisch) die ‚richtigen Worte‘ gefunden zu haben (der Google-Übersetzer ist nicht immer eine Hilfe bei diesen Sprachen).

S.100: dolce far niente [süßes Nichtstun]
S. 104: die Peri [gute Fee]
Esprit de corps [Korpsgeist, z.B. beim Militär]
S. 112: S.J. [Jesuit]
Ecce Homo [Sehet, welch ein Mensch – siehe auch Friedrich Nietzsche]
S. 114: I.H.S. [In hoc salus – darin ist das Heil]
Invincibles [Unbesiegbare – Gangsterbande]
S. 115: Stabat Mater [schmerzerfüllte Mutter]
Quis est homo [Wer ist der Mann/Mensch]
S. 119: Luffas [Kürbisgewächs – Schwamm]

In deutscher Sprache gibt es zwei Übersetzungen, zunächst die vom Verfasser, also James Joyce, autorisierte Übersetzung von Georg Goyert (1927) – dann die 1975 erschienene Neuübersetzung von Hans Wollschläger, auf die ich mich hier beziehe (ich habe die einmalige Sonderausgabe aus dem Jahr 1979 – 1. Auflage – Suhrkamp Verlag)

siehe auch: Abenteuer Ulysses von James Joyce (01): Vorgeplänkel
Abenteuer Ulysses von James Joyce (02): 1. Kapitel – Telemachos [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (03): 2. Kapitel – Nestor [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (04): 3. Kapitel – Proteus [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (05): 4. Kapitel – Kalypso [Odyssee]

Abenteuer 9-Euro-Ticket – 600 km von Tostedt nach Mannheim

Ja, auch ich und meine Frau haben während der drei Monate Juni bis August das 9-Euro-Ticket genutzt. Es begann damit, dass wir – leider aus traurigem Anlass – nach Bremen fahren mussten. Damit hatten wir die Kosten für Juni schon wieder hereingeholt. Außerdem musste meine Frau zweimal, ich einmal nach Buchholz zu Arztbesuchen (wir hatten diese Termine bewusst so legen lassen).

Im Juli starteten wir in Sottrum eine Wanderung zu den Sanddünen von Voßberge, die uns einen erneuten Abstecher von Ottersberg nach Bremen bescherte. Ende Juli ging es in das durch die Künstlerkolonie bekannte Worpswede. Anfang August fuhren wir (wieder über Bremen) nach Ottenbüttel, um dort das Sandhausener und das Hamberger Moor zu erkunden.

In soweit war das natürlich vom Bahnfahren her noch kein Abenteuer. Die Züge waren halbwegs pünktlich (okay, in Ottersberg nach Tostedt fiel ein Zug aus, weshalb wir den Abstecher nach Bremen machten) und wir hatten immer Sitzplätze.

Das eigentliche Abenteuer war die Fahrt von uns aus (Tostedt) nach Mannheim im Personennahverkehr, um unseren älteren Sohn und seine Freundin zu besuchen. Schnell stand die Reiseroute fest: Start um 7 Uhr 47 in Tostedt – fünfmal umsteigen (Bremen – Osnabrück – Duisburg – Koblenz und Mainz) – Ankunft in Mannheim um 17 Uhr 15 – wenn alles gut geht. Wie ich den Nahverkehr von uns aus nach Hamburg oder nach Bremen kenne, war die Chance, das alles klappt, nicht sehr groß. Schnell war auch geklärt, dass wir am Donnerstag starten, in Mainz einen Abstecher machen, um am Freitag in Mannheim einzutreffen. Und nur so aus Jux und Laune konsultierte ich die Website vom Flixbus bzw. Flixtrain. Und tatsächlich sollte da genau am Donnerstag, genau unserer Zeitplanung entsprechend, ein Flixtrain von Bremen (bis Bremen mussten wir sowieso einen Nahverkehrszug nehmen) nach Mainz fahren: Fahrtkosten gerade einmal 20 € pro Nase. Und da ich erholt aus Mannheim nach Hause kommen wollte (fünfmal umsteigen an einem Montag würde dem entgegenstehen) buchte ich einen ICE von Mannheim nach Bremen zum Sparpreis von zusammen 100 €.

Aber am Nachmittag vor der Abreise kam verflixt die Nachricht vom Flixtrain, dass der Zug storniert wäre. Ein Grund wurde nicht genannt. Super, also doch im Nahverkehr über Mainz nach Mannheim.

Um 7 Uhr 47 sollte es also mit dem Regionalexpress (RE) des Metronom nach Bremen losgehen. Eigentlich stehen wir immer zwei Stunden vor einer Abfahrt auf, um uns zu duschen, schnell noch etwas zu frühstücken und um den unumgänglichen Gang aufs Töpfchen vorzunehmen. Unser Weg zum Bahnhof ist kurz und zu Fuß zu erledigen. Aber die Erfahrung aus zwei vorhergehenden Monaten mit 9-Euro-Ticket hatte uns gelehrt, dem RE zu misstrauen. Dieser fährt von uns nach Bremen und hält nur noch in Rotenburg/Wümme, um aber besonders am Morgen zugunsten der Regionalbahn (RB), die an allen Unterwegsbahnhöfen hält (und die Pendler auch von dort aufnimmt), auszufallen.

So standen wir also bereits um 5 Uhr auf – und siehe da: Der 7-Uhr-47-Zug fiel aus. Mit der späteren Regionalbahn hätten wir unseren Anschluss in Bremen verpasst, also visierten wir die 7-Uhr-15-RB an. Und da schon alles schneller bei uns ging, erwischten wir auch noch den RE um 6 Uhr 32, der sich allerdings als Bummelzug entpuppte.

Jetzt hatten wir also gewissermaßen eine ganze Stunde Vorsprung. In Bremen kamen wir immerhin pünktlich an (hatte auch gute Sitzplätze und Platz für unser Gepäck) und hatten etwas Zeit, um noch etwas für ein 2. Frühstück einzukaufen. Dann ging es super pünktlich um 8 Uhr 07 weiter nach Osnabrück, dort um 9 Uhr 47 weiter nach Duisburg. Hatten wir zuvor genügend Zeit für das Umsteigen, so sollte es in Duisburg mit nur acht Minuten sehr knapp sein. Und wie es kommen musste: Der Zug hatte sehr bald Verspätung, die nicht mehr einzuholen war. Wir planten schon eine Weiterfahrt bis Düsseldorf, da unser Zug auf Gleis 3 eintreffen, der Zug nach Koblenz aber auf Gleis 2 abfahren sollte. Eben nicht der gleiche Bahnsteig. Aber Glück im Unglück: Wir kamen auf Gleis 4 an – und der RRX (Rhein-Ruhr-Express) von National Express stand verspätet auf dem gleichen Bahnsteig gegenüber. Nichts wie raus aus dem Zug und in den RRX eingestiegen. Dieser war zwar ziemlich voll, aber wir bekamen doch noch Sitzplätze – und die Fahrt erwies sich als das, was wir uns erträumt hatten: Nähe zur ansässigen Bevölkerung! Die zwei Stunden Fahrt (oft am linken Rheinufer entlang) vergingen wie im Fluge.Wir haben uns mit zwei Herren bestens unterhalten und bekamen wertvolle Tipps für die Weiterfahrt von Koblenz nach Mainz („Nehmen Sie nicht den Zug in Richtung Frankfurt, da reisen alle Flugreisende mit!“).

Okay, in Koblenz war unser Zug nach Mainz natürlich längst enteilt. Und der nächste Zug, die RB 28, sollte um 14 Uhr 30 fahren, kam verspätet an (auch hier die dem Durchhalten gewidmeten, sich sukzessiv steigernden Durchsagen – zunächst: „Der Zug hat voraussichtlich 5 Minuten Verspätung!“ – und dann doch: „… 10 Minuten …!“ – um zuletzt 15 Minuten später zu kommen) und war – eigentlich kein Zug Richtung Frankfurt – proppevoll. Die Sicht auf den Rhein interessierte uns zunächst nur nebenbei. Aber nach einer knappen halben Stunde hatten meine Frau und ich dann doch noch Sitzplätze – nebeneinander sogar. Gegen 16 Uhr 15 (laut unserer vorherigen Planung sollten wir um 16 Uhr 08 ankommen) waren wir dann am Mainzer Hauptbahnhof. Die eine Stunde ‚Vorsprung‘ hatte sich also aufgebraucht. So hatten wir die geschätzten 530 km von uns nach Mainz in 9 ¾ Stunden geschafft. Und waren eigentlich noch ganz gut drauf, um uns die Altstadt anzugucken, einen Happen zu essen und auch noch in einem Irish Pub einen Pint of Guinness zu trinken.

Im Hotel durften wir am folgenden Freitag bis um 12 Uhr bleiben, sodass wir nach dem Frühstück noch einmal in die Altstadt (mit dem Bus und dem 9-Euro-Ticket) fuhren, den Dom besichtigten und auf dem Wochenmarkt, der nicht nur schön gelegen, sondern auch eine riesige Auswahl parat hatte, kleine Einkäufe zu erledigen.

26.08.2022 – Abfahrt 11 Uhr 52 ab Mainz – nach MANNHEIM
26.08.2022 – Abfahrt 11 Uhr 52 ab Mainz – nach MANNHEIM

Dann lag nur noch eine geschätzt 70 km lange Strecke vor uns: Von Mainz nach Mannheim! Anstatt mit einem RE zu fahren, nahmen wir die S-Bahn der Linie 6 um 11 Uhr 52 – weiterhin auf der linken Rheinseite fahrend. Die Bahnstrecke hier ist ein rechtes Nadelöhr und wird von jeder Art von Bahn genutzt, eine eigene S-Bahn-Strecke gibt es nicht. So kam es, wie es kommen musste: Wir wurden ständig von anderen Zügen überholt (auch von dem später gestarteten RE, der, anders als unsere Bahn, offensichtlich überfüllt war – klar, an einem Freitag zur Mittagszeit wollen alle schnell nach Hause). So wurde aus der fast doppelten Fahrzeit (gegenüber dem RE) eine annähernd dreifache. Aber das war uns egal. Um 14 Uhr 15 waren wir nach etwa 600 km im Nahverkehr mit dem 9-Euro-Ticket in unserem Hotel in den Quadraten.

Die Rückfahrt mit dem ICE am Montag, den 29.08., um 10 Uhr 39 ab Mannheim nach Bremen (planmäßige Ankunft dort sollte 16 Uhr 15 sein) war viel eher abenteuerlich. Wegen einer Stellwerkstörung und dann noch „Personen im Gleis“ wurden wir bis Koblenz rechtsrheinisch umgeleitet (so hatten wir immerhin auch eine Sicht auf die linke Rheinseite), was uns eine Verspätung von rund 45 Minuten einbrachte. Und am Ende hatte die Deutsche Bahn AG (DB) Glück im Unglück: Da die letztendliche Verspätung bei knapp unter einer Stunde lag, braucht sie uns keine 25 % des Fahrpreises erstatten. Die Stunde wurde dann aber doch noch mehr als voll gemacht – mit dem Metronom, der noch etwa 20 Minuten drauflegte.