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Abenteuer Ulysses von James Joyce (17): 15. Kapitel – Circe [Odyssee]

Auch das 15. Kapitel (von 18) des Ulysses von James Joyce hat es in sich. Es ist das längste Kapitel und in Form eines Dramas verfasst.

Inhalt des 15. Kapitels:

Szene Bordell • Uhrzeit Mitternacht

Es ist Mitternacht. Bloom, selbst im Unklaren über das „Warum?“, folgt Stephen und Lynch in die Mabbot Street, den Rotlichtdistrikt Dublins. Er verliert ihre Spur und findet Stephen endlich im Bordell von Bella Cohen in der Nachtstadt, im Original nighttown. Die meisten Dubliner kannten es 1904 als Monto, weil die Montgomery Street an einem Rand entlang verlief. Es wurde auch stark mit der ehemaligen Mecklenburgh Street (Tyrone Street im Jahr 1904) identifiziert. Der größte Teil der Handlung des Kapitels spielt sich in dem ‚unordentlichen Haus‘ von Frau Bella Cohen, 82 Tyrone Street, Lower, ab.

Das Kapitel gleicht einer einzigen phantastischen Halluzination. In einer Art „Traumspiel“ greift Joyce das Thema der Vaterschaft erneut auf und parodiert es in extremer Weise, indem er Bloom zur Frau und schwanger werden sowie gebären lässt. In einer sado-masochistischen Sequenz wird er von der Domina Bella zur gegenseitigen Lust gequält. Sie vertritt die Zauberin Circe (Kirke), mit der Odysseus über ein Jahr das Bett teilte. Wie Circe die Gefährten des Odysseus in der Odyssee in Schweine verwandelt, werden hier durch die Macht der Puffmutter die untersten, dreckigsten Seelenschichten der beteiligten Personen nach oben gekehrt. Am Ende flieht Stephen, von Bloom begleitet, aus dem Bordell. Nachdem Stephen draußen von einem Soldaten niedergeschlagen wird, kümmert sich Bloom – hier nun wieder in einer fürsorglichen Vaterrolle – um den Bewusstlosen. Der vaterlose Sohn und der sohnlose Vater finden abseits des Trubels zueinander.

Um dieses Kapitel zu interpretieren, wurden häufig psychoanalytische Vergleiche gezogen. Da Circe schon im antiken Mythos als Zauberin dargestellt wird, schien es ebenfalls nahezuliegen, den Themenbereich „Hexe“, „Hölle“ und „Teufel“ hinzuzunehmen: So ist dies Kapitel als „Satansmesse des freigesetzten Unbewussten“ bzw. als „tiefenpsychologische Walpurgisnacht“ beschrieben worden.

Das Kapitel ist ein surreales und schockierendes Traumspiel, in dem nach magischen Gesetzen Bloom und Stephen hineingezogen werden in einen Rausch grotesker und erotischer Halluzinationen: Bloom verliert sich in Bildern sadomasochistischen Praktiken, Stephen wird von Höllenqualen wegen seiner Abkehr vom Katholizismus heimgesucht. Um sie herum findet ein Hexensabbat statt, eine Walpurgisnacht mit sich verwandelnden Personen des zurückliegenden Tages.

(Quellen: swr.de/swr2/hoerspiel & de.wikipedia.org)

In diesem Kapitel 15 gibt es gewissermaßen ‚Unterkapitel‘, die ich wie folgt benannt habe und die sich auf den genannten Seiten befinden:

    Gericht – Seite 629 – 643
    Zoe – Seite 645 – 647
    Alptraum – Seite 647 – 665
    Zoe (2) – 665 – 711
    Zurück zur Realität – 713 – 720
    Zurück zur Realität (2) – 723 – 725
    [im frz. Tonfall] – 724 – 725
    Zurück zur Realität (3) – 734 – 755 (Ende)

Prostituierte im Monto-Viertel von Dublin
Prostituierte im Monto-Viertel von Dublin

Personen des 15. Kapitels

Zu Leopold Bloom und Stephen Dedalus brauche ich wohl nicht mehr viel schreiben. Bloom ist als „moderner Held“ als Kontrast zu dem homerischen Helden Odysseus zu verstehen. Stephen Dedalus verkörpert Odysseus‘ Sohn Telemachos.

Neben diesen beiden treten in diesem ‚Theaterstück‘ jede Menge Personen auf. Gleich am Anfang in der Mabbot St. sind das Cissy Caffrey mit ihren Geschwistern und Edy Boardman (beides ‚Mägde‘ der Nausikaa – siehe 13. Kapitel). Dann kommt auch schon Stephen Dedalus mit Lynch, sein Freund und wie dieser Medizinstudent, die Straße herunter.

Auftritt von Bloom und wie in einem Traum sein Vater Rudolph und Mutter Ellen – samt Ehefrau Marion (Molly). Es humpelt Gerty (Nausikaa) heran. Mrs. Breen aus Kapitel 14 steht in der Einfahrt. Zwei Wachmänner halten Gericht über Bloom und klagen ihn wegen unsittlichen Verhaltens an.

Auftritt von Zoe Higgins, einer jungen Hure in saphirenem Unterkleid kommt die Treppe heruntergetrippelt und spricht Bloom an. Dann wird Bloom gewissermaßen als eine Art ‚Messias‘ gefeiert – und dann in einer weiteren Art Alptraum gerichtet.

Auftritt von Lynch und Stephen Dedalus mit den beiden Huren Kitty Ricketts und Florry Talbot.

Eine Rakete rauscht in den Himmel hinauf und platzt. Ein weißer Stern fällt herunter und verkündet die Wiederkunft des Elias (Auftritt). – Lipoti Virag, Blooms ungarischer Großvater, kommt durch den Kaminrauchfang heruntergeflutscht.

Bella Cohen, die Puffmutter, tritt auf. Sie mutiert zu Bello und Bloom zu Ruby Cohen. – Aus einem Eichenrahmen steigt eine Nymphe nieder.

Dann kehrt sich alles in die Realität zurück: Die drei Huren (Zoe, Kitty und Florry), Bella Cohen, Bloom, Stephen und Lynch …

Mit einer Mietkutsche, Nr. 324, kommen dann noch Matt Lenehan (der unsympathische Witzeklopper) und Blazes Boylan (Sänger, Freier um Molly und ihr Tourneemanager). Marion (Molly) plumpt platschend aus dem Wasser).

Anmerkungen zu diesem 15. Kapitel

Auch zu diesem Kapitel hier einige Anmerkungen und Erklärungen, die vielleicht helfen, mehr Verständnis für den Text zu erlangen. Natürlich bin ich mir auch hier nicht immer sicher, ‚das Richtige‘ gefunden zu haben. Für Korrekturen und weitere Anregungen bin ich dankbar:

S. 604: Nachtstadt [im O. nighttown, die meisten Dubliner kannten es 1904 als Monto, weil die Montgomery Street an einem Rand entlang verlief. Es wurde auch stark mit der ehemaligen Mecklenburgh Street (Tyrone Street im Jahr 1904) identifiziert. Der größte Teil der Handlung des Kapitels spielt sich in dem ‚unordentlichen Haus‘ von Frau Bella Cohen, 82 Tyrone Street, Lower, ab]

S. 606: Introitus [Eingangsgesang einer Messe]
Vidi aquam egredientem de templo a latere dextro. Alleluia. [Ich sah einen Wasserstrahl rechts vom Tempel hervorströmen. Halleluja]
(Altius aliquantulum.) Et omnes ad quos pervenit aqua ista. [(Mit beachtlicher Tiefgründigkeit.) Und alle unter ihnen kamen zu diesem Wasser.]
fallopische Gang [im O. Fallopian tube – Eileiter]
S. 607: (Triumphaliter.) Salvi facti sunt. [(Triumphierend.) Sie sind gerettet.]
Entelechie [das Vermögen eines Organismus zur Selbstentwicklung und -vollendung]
Stagirit [Beiname des Aristoteles nach seinem Geburtsort]
la belle dame sans merci, Georgina Johnson, ad deam qui laetificat iuventutem meam. [die schöne Dame ohne Gnade, Georgina Johnson (Prostituierte), zur Göttin, die meine Jugend glücklich macht.]
S. 609: Aurora borealis [Polarlicht/Nordlicht]
S. 610: paketiert [verpackt, verbunden]
Sandow-Übungen [nach Eugen S., 1867-1925, frühe Formen von Schulterdrücken, Seitheben, Liegestützen etc.]
Buenas noche, … – que calle es esta? [Guten Abend, welche Straße ist das?]
Sraid Mabbot [Strßenname auf irisch: Abbot’s Lane]
Slan leath [irisch: Tschüss, bleib gesund!]
S. 611: Rudolph [Leopold Blooms Vater] – ab hier bis etwa S. 622 eine Art Traum (Koinzidenz – Zusammenfallen zweier Ereignisse)
S. 612: Gojim nachez [nichtjüdisches, unsinniges Vergnügen]
Ellen [Leopold Blooms Mutter]
S. 613: Molly/Marion [Leopold Blooms Ehefrau]
S. 614: Ti trema un poco il cuore? [Zittert dein Herz ein wenig?]
Voglio (e non vorrei) [Ich möchte und ich möchte nicht, siehe S. 132]
S. 618: Là ci darem la mano. [Geben wir uns dort die Hand … Duett aus Mozarts Don Giovanni]
Voglio e non [s. S. 614]
S. 619: Mrs. Bandman Palmer [Millicent Bandmann-Palmer, 1845-1926, engl. Schauspielerin]
S. 622: Koinzidenz [Zusammenfallen zweier Ereignisse]
Glaubersalz [Abführmittel]
S. 624: rencontres [Begegnungen]
Chacun son goût [Über Geschmack lässt sich streiten]
S. 626: Leo ferox [‚erbitterter‘ Löwe]
S. 627: MARTHA [Brieffreundin Blooms]
S. 628: Name ist Peggy Griffin [Verwirrspiel um Blooms Brieffreundin Martha Clifford, wie auch Bloom seine Briefe an ihr mit ‚Henry Flower‘ kennzeichnet]
Shitbroleeth [zu Shit = Scheiße und vom Hebräischen abgeleitet shibboleth = allgemeiner oder langjähriger Glaube, Brauch oder Schlagwort, das mit einer bestimmten Gruppe verbunden ist]
R.D.F. [Royal Dublin Fusiliers]
S. 633: Barrister [Rechtsanwalt]
S. 634: Prima facie [s. S. 578 – Beweis des ersten Anscheins]
Laskarenjacke [Jacke u.a. asiatischer Seemann/Hilfssoldat]
apologetisch [eine Ansicht verteidigend]
S. 635: Moses Dlugacz [Metzger, eigentlich ein jüdischer Intellektueller, Zionist, den Joyce in Triest kennen lernte]
S. 636: John F. Taylor [Anwalt, vergl. Kapitel 7]
Seymour Bushe [Anwalt]
Dolman [Männerjacke der ungarischen Nationaltracht]
S. 637: Ikey Mo [antisemitischer Begriff für Juden]
S. 639 Paroxysmus [Anfall]
S. 643: Ghulen [leichenfressendes Fabelwesen]
Hypertrophie [Vergrößerung, hier der Herzwand]
S. 644: Namine [eigentlich weibl. Vorname – ‚Welle/Klang des Meeres‘]
Vobiscuits [vielleicht Kofferwort zu Latein vobis = euch und Biscuits (Kekse)]
S. 646: Schorach ani wenowach, benoith Hierushaloim. [wahrscheinlich Transkription aus dem Hebräischen – vielleicht: Ich strahle und du bist der Erbauer (der Bedeutung) von Yerushalayim (Jerusalem)]
S. 547: Peppe [im O. bub weibl. Brust]
Alderman [Ratsherr, Stadtrat]
Cui bono? [Wem zum Vorteil? – Frage nach dem Nutznießer …]
Aurora borealis [s. S. 609 Polarlicht/Nordlicht]
S. 648: locum tenens [Stellvertreter]
mutuell [gegen-, wechselseitig]
Cead Mi(l)le Failte [irisch: Hundert tausend Willkommen]
Mah Ttob Melek Israel [hebräisch: Wie schön sind die Zelte des Königs von Israel]
S. 649: Kol Nidre [hebr. ‚alle Schwüre‘ – formelhafte Erklärung, die vor dem Abendgebet des Versöhnungstages (hebr. Jom Kippur) gesprochen wird]
chryselefantin [Gold – Elefant/Elfenbein – Adjektiv zu Kunstwerk aus Gold und Elfenbein]
Athlone-Poursuivant [A. Stadt in Irland – der P. war ein Junior-Offizier des College of Arms, das für Heraldik (in England und Wales) zuständige Amt]
Sirdar [einheimischer Trägerführer beim Bergsteigen]
S. 651: Sunburst [Sonnendurchbruch]
Gaudium magnum annuntio vobis. Habemus carneficem. [Tolle Neuigkeiten für Sie. Wir haben einen Metzger.]
S. 652: Koh-i-Nur [Diamant (rd. 109 Karat), Teil der britischen Kronjuwelen]
Copula Felix [‚glückliche Begattung‘, verballhornt Felix Culpa = Glückliche Schuld -> Sündenfall als positive Folgen verstehen bzw. die Erlösung der Menschheit durch den Tod und die Auferstehung Jesu Christi]
Grüne Minna [im O. Black Mary]
Ladysmith [wohl Schlacht im Burenkrieg in Südafrika]
Bonafide Sabaoth [‚guter‘ Zebaot, Gott als Beschützer des israelischen Heeres]
S. 653: Morituri te salutant. [Die Todgeweihten grüßen dich! Gruß der Gladiatoren im alten Rom]
Higgins [Mann im Macintosh – ähnliches Verwirrspiel wie um Blooms Brieffreundin Martha Clifford alias Peggy Griffin, wie auch Bloom seine Briefe an ihr mit ‚Henry Flower‘ kennzeichnet]
S. 654: billets doux [‚süße Zettel‘ – Liebesbrief]
S. 655: Ri-ra-rutsch, wir fahren mit der Kutsch! [im O. Ticktacktwo wouldyousetashoe?]
Roygbiv [Regenbogenfarben von rot bis violett]
Aleph [1. Buchstabe im hebräischen Alphabet]
Beth [2. Buchstabe]
Ghimel [3. Buchstabe]
Daleth [4. Buchstabe]
Hagadah [Buch über die Befreiung Israels aus der ägyptischen Gefangenschaft]
Tephilim [Gebetsriemen]
Hanukah [Wiedereinweihung des jüdischen Tempels]
Roschaschana [jüdisches Neujahrsfest]
Beni Brith Bar [‚Söhne des Bundes‘, jüdische Organisation]
Mitzvah [‚Sohn der Pflicht‘, jüdische ‚Konfirmation‘]
Mazzoth [Fest des ungesäuerten Brotes]
Askenazim [Juden aus Mittel-, Nord- und Osteuropa]
Talith [Gebetsmantel]
S. 656: Parallaxe [s. S. 582 = scheinbare Änderung der Position eines Objektes, wenn der Beobachter seine eigene Position durch eigene Bewegungen verändert]
Aldebaran [Stern im Sternbild Stier]
S. 659: Akonit [Eisenhut, Pflanze]
Bock von Mendes [griechischer Name einer altägypt. Stadt]
Caliban [Unhold aus Shakespeares Der Sturm]
sgeul inn ban bata coisde gan capall. [im O. sgenl … – es gibt unterschiedliche Lesarten, u.a. Sgeul im barr bota coisde san capall (Die Geschichte vom oberen Ende eines Schuhstiefels beim Pferd), könnte irisch stehen für englisch „Story butter point of a stick“ = Geschichte Butterspitze eines Stocks usw.]
S. 660: Ambidexterität [gleichwertige Benutzung beider Hände]
pervaginal [über die Vagina]
virgo intacta [unberührte Jungfrau]
Hypospadie [urogenitale Fehlbildung bei Jungen]
fetor iudaicus [‚jüdischer Gestank‘]
S. 661: Nasodoro [eigentlich: naso d’oro = Nase von Gold]
Maindorée [Hand von Gold]
Vifargent [frz. Quecksilber]
Panargyros [griech. Allsilber]
S. 662: Leopoldi autem generatio [Leopolds Generation (Stammbaum)]
S. 663: et vocabitur nomen eius Emmanuel. [und sein Name soll E. sein]
Sjambokt [Nilpferdpeitsche]
A cenar teco [Ich werde mit dir essen]
Ephod [priesterl. Gewand, Gewand des israelitischen Hohepristers]
S. 664: Lande Hams [Ham, mittl. Sohn von Noah -> ‚Vater Kanaans‘ der schwarzen Ethnie]
Belial [teuflisches Wesen]
Abulafia [Abraham A., Rabbi, 13. Jh., Kabbala]
Ischariot [Judas I., Verräter Jesu]
I.H.S. [Iesus Hominum Salvator = Jesus, der Retter der Menschen]
S. 665: caubeen [irische ‚Baskenmütze‘]
sugaun [Seil aus gedrehtem Heu/Stroh]
S. 669: Benedetto Marcello [it. Komponist, 17./18. Jh.]
Coela enarrant gloriam Domini [Die Himmel verkünden die Herrlichkeit des Herrn]
Nodi [musikalische Verzierungen]
Hyperphrygisch und Mixolydisch [Kirchentonarten]
Ceres [Göttin der Fruchtbarkeit]
Mais nom de nom, … Jetez la gourme. Faut que jeunesse se passe. [Aber Name des Namens (But, by George = Ausruf des Erstaunens) … sähe den wilden Hafer, die Jugend muss vergehen]
S. 670: Ecco! [Hier ist es!]
S. 671: Ally-Sloper… [Comic-Figur]
Il vient! C’est moi! L’homme qui rit! L’homme primigène! [Er kommt! Da ich bin! Der Mann, der lacht! Ursprünglicher Mann!]
Sieurs et dames, faites vos jeux! [Meine Damen und Herren, platzieren Sie Ihre Einsätze/Wetten!]
Les jeux sont faits! [Die Einsätze/Wetten werden abgeschlossen]
Rien n’va plus! [Nichts geht mehr!]
S. 672: Zenit und Nadir [Z. die nach oben verlängerte Lotrichtung zum Standort – N. Gegenrichtung nach unten]
Kalpak [Lammfellmütze]
S. 673: Ingersoll [gemeint ist wahrscheinlich Rober Green I., 1833-1899, amerik. Freidenker]
sonnophonisch [im O. sunphone – ‚Sonne‘]
Encore! [‚wieder‘ – Zugabe]
Relljohn [im O. religion]
S. 674: Barnum [amerik. Showman]
courantiert [‚fließend‘ – im O. corantos – im Stile eines Tanzes]
S. 675: Tanderagee [kl. Marktstadt im Norden von Dublin]
Ollav [vorchristl. Lehrmeister u.a. für Poesie]
Mananaan MacLir [irischer Gott des Meeres]
Aum! Hek! … Ma! [Sprache Gottes – Aum! = Anfang und Ende usw.]
Pimander [1. Traktat im ‚Corpus Hermeticum‘, P. = eine Art Gott oder Geist]
Panardschanam patsypandschab [p. u.a. eine neue oder 2. Geburt / patsy bezieht sich vermutlich auf einen Iren auf der Bühne ?? – im O. punjaub = höchster Geist des göttlichen Selbst im Menschen]
Schakti [weibliche, die Fortpflanzung betreffende Energie im Universum]
Schiwa [hunduistischer Gott der Zerstörung]
S. 676: Lipoli Virag [Großvater Blooms]
Basilikogrammat [‚des Königs Sekretär‘]
Pschent [Doppelkrone (rote Krone für den Norden, weiße für den Süden)]
S. 677: Gopher… [eigentl. Nagetier]
lingerie [Reizwäsche]
Hippogriff [Hippogreif – Fabelwesen]
Parallaxe [s. S. 582 scheinbare Änderung der Position eines Objektes, wenn der Beobachter seine eigene Position durch eigene Bewegungen verändert]
Pollysyllabaxe [zu Polly, Blooms Ehefrau, und sylla = Silbe]
Rualdus Colombus [Realdo Colombo, 16. Jh., it. Anatom]
S. 678: Lyum [irisches Volkslied: Shule go deen durras agus aylig lyum, (Walk the whole way to the door with me = Geh mit mir den ganzen Weg bis zur Tür) ??]
Palpation [‚Streicheln‘, Berührung]
Lycopodium [Bärlappengewächs]
Argumentum ad feminam [ein Argument für eine Frau]
Diplodocus und Ichthyosaurus [Dinosaurier]
S. 679: Mnemotechnik [Merktechnik]
La causa è santa [Die Sache ist heilig]
Pulsatilla [Kuhschellen, Pflanze]
Priapismus [lange Erektion ohne sexuelle Erregung]
S. 680: extendifiziert [verlängernd]
pudental [die Schamgegend betreffend]
S. 681: Bivalven [Muscheln]
Viragitis [-itis = Entzündung / Viraginität = (krankhaftes) männliches Sexualempfinden der Frau]
Elephantuliasis [zu Elephantiasis = schwerste Form des Lymphödems]
Profund [gründlich, allumfassend]
S. 682: Tafelzerbinette [Z. Figur aus der Oper ‚Ariadne von Naxos‘, Richard Strauss?)]
Henry Flower [Pseudonym vom Bloom]
Prinzen von Candia [Giovanni M. Mario, ital. Tenor]
S. 683: Ci rifletta. Lei rovina tutto. [Denk darüber nach, sie ruiniert alles]
Matthew Arnolds Gesicht [engl. Dichter, 19. Jh., markanter Backenbart]
S. 684: Reduplikation [Verdoppelung (eines Wortes)]
Zoe mou sas agapo [griech.: Mein Leben, ich liebe dich]
Swinburne [engl. Dichter]
Maynooth [Stadt in Irland – Royal College of St. Patrick (Priesterseminar)]
Rigadoon [altfrz. Hoftanz]
Flipperty Jippert [eigentl. Flibbertigibbet = Figur der angelsächsischen Mythologie, z.B. in Shakespeares König Lear]
Yoni [sanskrit: weibliche Genitalien – Muttterschoß]
Lingam [sanskrit: männliche Genitalien – Phallus]
S. 685: Coactus volui [‚obwohl gezwungen, wollte ich dennoch‘ – Auch die unter Zwang vorgenommene Rechtshandlung ist wirksam – römisches Recht]
Yadgana [Rumpf, Hinterteil]
Gojim [Mz. Zu Goi – Nichtjude]
Qui vous a mis dans cette fichue position, Philippe? [Wer hat dich in diese verdammte Lage gebracht, P.]
C’était le sacré pigeon, Philippe. [Es war die heilige Taube]
S. 686: Metschnikoff [russ. Zoologe und Darwinist, 19./20. Jh]
Lokomotorische Ataxie [Störung der Bewegungskoordination]
Ben MacChree [zu: Pogue mahone! Acushla machree! – (anglisiertes Irisch-Gälisch: Po’g mo tho’n. A chuisle mo chroi – Kiss my arse! Oh, Puls meines Herzens = figürlich für Liebling)]
S. 687: Exeunt [Weggehen]
Arius H. [Häretiker, 260-327, starb auf dem Abort]
Monks of the screw [Mönche der Schraube – Gesellschaft irischer Anwälte, 18. Jh., auch Order of Saint Patrick genannt]
Akoluth [‚Begleiter‘, Helfer]
S. 688: Conservio [Naturschutz, ‚Bewahren‘]
Nell Flaherty [Figur aus dem Lied ‚N. F.‘s Drake‘, irische Ballade]
S. 690: Svengali [eigentlich Person im Hintergrund mit gr. Einfluss]
Lupus [Autoimmunerkrankung]
S. 691: Embonpoint [‚in gutem Zustand‘; Bauch]
Glutäus [Muskel im Hintern]
S. 695: speilern [mit dünnen Stäben zum Aufhängen z.B. von Würsten versehen]
S. 697: Barchent [Mischgewebe]
S. 698: Soubrette [weibliches Rollenfach, z.B. in der Oper]
Demimondaine [Halbwelt-…]
S. 699: Vice versa [umgekehrt]
S. 702: blasé [Blasierte, Bornierte]
S. 704: l’art pour l’art [Kunst der Kunst wegen]
S. 705: Fidibusse [Anzündstäbe]
Epitaph [Grabinschrift]
S. 706: Schema Israel Adonai Elohenu Adonai Echad. [hebr. Höre Israel, der Herr, unser Gott, ist einzig …]
Satti-Scheiterhaufen [im O. suttee pyre – Witwenverbrennung im alten Indien]
S. 707: Photo Bits [engl. Wochenzeitung mit Softscore-Porno]
S. 708: Poulaphouca [ „das Loch der Púca “ = Puck – Gestalt der keltischen Folklore, Name eines Wasserfalls und einer Brücke am Fluss Liffey zwischen der Grafschaft Wicklow und der Grafschaft Kildare]
S. 709: Damenretirade [Damen toilette]
Tipsycake [‚beschwipster Kuchen‘ – ein alkoholhaltiger Biskuitkuchen]
Halkyonische Tage [im antiken Griechenland einen Zeitraum von vierzehn Tagen im Dezember um die Wintersonnenwende, benannt nach dem Eisvogel]
Hamadryaden [Baumseelen]
S. 711: Quassie [Bitterstoff aus südamerikanischem Gehölz]
Peccavi [Ich habe gesündigt]
S. 712: Coombe [Straße in Dublin]
S. 713: Nekum! [evtl. arabisch: Niemand?]
Nabrakada! [‚gesegnet‘]
S. 714: Fohracht! [wie im O.]
S. 715: Reff [im O. She hauls up a reef of her slip = Sie zieht ein Riff ihres Slips hoch = vielleicht zu raffen, also Falte]
Dans ce bordel où tenons nostre état. [In diesem Schlamassel, in dem wir unseren Staat halten.]
Brevi manu [kurzerhand]
S. 716: le distrait [die Abgelenkten]
S. 717: Proparoxyton [„auf der drittletzten Silbe betont“]
Lynx-Auge [Luchs…]
S. 718: Dona nobis pacem [Schenke uns Frieden]
Gimlet [wohl ‚Geist‘]
Bakelschlag [im O. pandybat = kräftiger Lederriemen, der dazu dient, Strafen zu verhängen]
S. 722: Jagogo [im O. Iagogo – Jago, Figur aus Shakespeares Othello]
S. 723: Et exaltabuntur cornua iusti. [Und die Hörner der Gerechten werden erhöht werden]
Pasiphae [Tochter des Sonnengottes Helios]
Madame Grissel Steevens [Schwester von Richard St., Arzt – sie war wohl stämmig und ihr wurde das Aussehen eines Schweines zugeschrieben]
S. 724: dessous troublants [‚verstörende Unterwäsche‘/Dessous]
Ce pif qu’il a! [Diese Nase hat er]
Demimondaines [halbweltlich]
S. 725: mon loup [mein Wolf]
double entente cordiale [doppelte herzliche Zustimmung – auch: französisch-britisches Bündnis nach 1904]
O merde alors! [Oh, Scheiße]
S. 726: Ward Union [Gemeindeverband – Hundejagd]
S. 727: Per vias rectas! [Auf dem richtigen Weg!]
S. 728: Auguren [röm. Beamter, Priester bzw. Sachverständiger]
Tripudium [Waffen-, Kriegstanz]
S. 729: Kallisthenie [Form des körperlichen Trainings, das eine Reihe von einfachen, oft rhythmischen Bewegungen beinhaltet für die nur das eigene Körpergewicht genutzt wird.]
terpsichoreisch [zu Terpsichore, eine der neun Musen – ‚die Tanzfreudige‘]
Tout le monde en avant! Reverence! Tout le monde en place! [Alle vorwärts! Achtung! Jeder an seinen Platz!]
Carré! Avant deux! … Balance! [(formt ein) Quadrat! Um zwei vorrücken! … Schwenken!]
S. 730: Cipria [Puder, Farbe-> Henna]
Avant huit! Traversé! Salut! Cours de mains! Croisé! [Vier Paare vorrücken! Gekreuzt! Gruß! Hände tauschen! Seiten tauschen! – Anleitungen zum Tanz]
Les tiroirs! Chaîne de dames! La corbeille! Dos à dos! [Bilden sie einen Mittelrang! Damenkette! Formen sie einen Korb! Rücken an Rücken!]
Boulangère! Les ronds! Les ponts! Chevaux de bois! Escargots! [Brot backen (Die Handballen werden nach unten ausgestreckt)! Die Kreise! Die Brücken (der Hände)! Holzpferde! Korkenzieher!]
Dansez avec vos dames! Changez de dames! Donnez le petit bouquet à votre dame! Remerciez! [Tanzen Sie mit Ihren Damen! Damentausch! Schenken Sie Ihrer Dame den kleinen Blumenstrauß! Danke schön!]
S. 731: Pas seul! [Solotanz!]
Fandango [spanischer Singtanz]
S. 732: Liliata rutilantium te confessorum… Iubilantium te virginum… [Möge die Schar der Beichtväter, leuchtend wie Lilien, dich umgeben. Möge der Chor der jubelnden Jungfrauen dich aufnehmen]
S. 733: Epi oinopa ponton [auf dem weinfarbenen Meer]
S. 734: Non serviam! [Ich werde nicht dienen!]
Nothung! [‚notwenig‘ – magisches Schwert in Wagners Ring der Nibelungen]
S. 736: Roués [s. S. 564: Wüstling]
S. 768: Vocativus femininum [weiblicher Anredefall/-form wie z.B. in slawischen Sprachen – hier als Ungenitiv, also nicht 2. Fall bezeichnet]
S. 739: Synekdoche [Ersetzen eines Begriffs durch e. engeren oder weiteren]
Enfin ce sont vos oignons [‚Schließlich sind es deine Zwiebel‘ – im S. von: Es ist dein Streit, nicht meiner]
S. 740: Philirenisten [die den Frieden lieben]
Jujube [rote/chinesische Dattel]
Défense d’uriner [Urinieren verboten!]
S. 741: Mahak makar a back [evtl. arabisch: ‚Du hast einen Schlauen bei dir, deinen Vater‘]
S. 742: vielle ogresse … dents jaunes [Alter Oger (Menschenfleisch fressender Riese) … gelbe Zähne]
Porcos … todos [Schweinefleisch … alles …]
S. 744: Ça se voit aussi à Paris. [Das findet man auch in Paris]
alanna [irisch: A leanbh = mein Kind, mein Liebling]
Ochone! [irisch = Ach!]
Soggarth Aroon [irisch: mein geliebter Priester (Titel eines Liedes)]
Erin go bragh! [irisch: Éire go brách = Irland bis zum Jüngsten Tag [Tag des Gerichts)! – irischer Kriegsruf]
S. 745: Turko der Schreckliche [Pantominenauftritt 1873]
Rorke’s Drift [Jan. 1879 – Ort in Südafrika: Schlacht zwischen Zulu und Briten]
Mahal shalal hashbaz [hebr.: Eile zur Beute bzw. Falle über die Beute her]
S. 747: Introibo ad altare diaboli [Tretet vor des Teufels Altar, vergl. S. 7]
Corpus Meum [Mein Leib!]
Nemmonegnie Hcier sad tah Ttog … [rückwärts: Halleluja, denn der allmächtige Gott hat das Reich eingenommen!]
S. 748: acushla [[zu: Pogue mahone! Acushla machree! – (anglisiertes Irisch-Gälisch: Po’g mo tho’n. A chuisle mo chroi – Kiss my arse! Oh, Puls meines Herzens = figürlich für Liebling)]
Exit Judas. Et laqueo se suspendit. [Judas ging. Und erhängte sich mit einer Schlinge]

Auf Seite 737 gibt es eine Art Personenverzeichnis

In deutscher Sprache gibt es zwei Übersetzungen, zunächst die vom Verfasser, also James Joyce, autorisierte Übersetzung von Georg Goyert (1927) – dann die 1975 erschienene Neuübersetzung von Hans Wollschläger, auf die ich mich hier beziehe (ich habe die einmalige Sonderausgabe aus dem Jahr 1979 – 1. Auflage – Suhrkamp Verlag)

siehe auch: Abenteuer Ulysses von James Joyce (01): Vorgeplänkel
Abenteuer Ulysses von James Joyce (02): 1. Kapitel – Telemachos [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (03): 2. Kapitel – Nestor [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (04): 3. Kapitel – Proteus [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (05): 4. Kapitel – Kalypso [Odyssee]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (06): 5. Kapitel – Lotophagen [Odyssee]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (07): 6. Kapitel – Hades [Odyssee]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (08): 7. Kapitel – Äolus [Odyssee]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (09): 8. Kapitel – Lästrygonen [Odyssee]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (10): 9. Kapitel – Scylla & Charybdis [Odyssee]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (11): 10. Kapitel – Symplegaden (Irrfelsen) [Odyssee]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (12): 11. Kapitel – Sirenen [Odyssee]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (13): 12. Kapitel – Der Zyklop [Odyssee]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (14): 13. Kapitel – Nausikaa [Odyssee]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (15): 120 Jahre Bloomsday
Abenteuer Ulysses von James Joyce (16): 14. Kapitel – Die Rinder des Sonnengottes Helios [Odyssee]

Kafka 2024: Kafka in Riva am Gardasee (6) – Max Brod und Franz Kafka: Richard und Samuel

4. SEPTEMBER [1909]
-> RIVA
Gemeinsam mit Max Brod, Abfahrt 13 Uhr. Brod überreicht K. auf dem Bahnhof ein Notizbuch mit der Bemerkung: „wir werden parallele Reisetagebücher führen“. Otto Brod folgt mit einem späteren Zug.

aus: Reiner Stach: Kafka von Tag zu Tag – Dokumentation aller Briefe, Tagebücher und Ereignisse – S. Fischer, Frankfurt am Main 2017

Nun in Riva kam es nicht zu diesen ‚parallele[n] Reisetagebücher[n]‘. Erst zwei Jahre später 1911 entstand diese Gemeinschaftsarbeit von Franz Kafka und seinem Freund Max Brod unter dem Titel ‚Richard und Samuel‘ Eine kleine Reise durch mitteleuropäische Gegenden‘ und kam dabei über ein erstes Kapitel mit dem Untertitel „Die erste lange Eisenbahnfahrt (Prag–Zürich)“ nicht hinaus.

Es handelt sich um die Beschreibung einer realen Reise beider Freunde. Sie führten jeder ein Reisetagebuch, beschreiben also aus ihrer jeweiligen Sicht die verschiedensten Abfolgen, Gegebenheiten und Befindlichkeiten auf der Reise. Die Zusammenarbeit wurde allerdings von beiden schnell als unbefriedigend empfunden, da sie dabei immer störender ihre große Verschiedenheit spürten. Sie beendeten daher diese Zusammenarbeit nach dem ersten Kapitel. Auf Betreiben von Brod wurde dieses erste Kapitel im Juni 1912 in den Herder-Blättern (entstanden als eine Art jüdische Studentenzeitung des Herausgebers Willy Haas), in der viele namhafte Prager Schriftsteller, darunter Franz Werfel und Paul Leppin, publizierten, veröffentlicht.
Die Zuordnung der beiden Personen ist nicht eindeutig geklärt, aber mit sehr großer Sicherheit dürfte die Texte von Richard Franz Kafka, die von Samuel Max Brod verfasst haben.

aus Kafkas Werken: Die Aeroplane in Brescia – Erzählungen – Beschreibung eines Kampfes
aus Kafkas Werken: Die Aeroplane in Brescia – Erzählungen – Beschreibung eines Kampfes

Unter dem Titel »Richard und Samuel – Eine kleine Reise durch mitteleuropäische Gegenden«, wird ein Bändchen die parallelen Reisetagebücher zweier Freunde verschiedenartigen Charakters enthalten:

Samuel ist ein weltläufiger junger Mann, der mit vielem Ernst sich Kenntnisse im grossen Stil und ein richtiges Urteil über alle Gegenstände des Lebens und der Kunst zu bilden bestrebt ist, ohne doch jemals nüchtern oder gar pedantisch zu werden. Richard hat keinen bestimmten Interessekreis, lässt sich von rätselhaften Gefühlen, noch mehr von seiner Schwäche treiben, zeigt aber in seinem engen und zufälligen Kreise so viel Intensität und naive Selbstständigkeit, dass er nie zu schrullenhafter Komik ausartet. Dem Berufe nach ist Samuel Sekretär eines Kunstvereines, Richard Bankbeamter. Richard hat Vermögen, arbeitet nur, weil er sich nicht für fähig hält, freie Tage zu ertragen; Samuel muss von seiner (überdies erfolgreichen und sehr geschätzten) Arbeit leben.

Die beiden, obwohl Schulkollegen, sind während dieser beschriebenen Reise zum erstenmal andauernd mit einander allein. Sie schätzen einander, obwohl sie einander unbegreiflich erscheinen. Anziehung und Abstossung wird vielartig gefühlt. Es wird beschrieben, wie sich dieses Verhältnis zunächst zu überhitzter Intimität anstachelt, dann nach manchen Zwischenfällen auf dem gefährlichen Boden von Mailand und Paris in männliches Verständnis gegenseitig beruhigt und ganz befestigt. Die Reise schliesst damit, dass die beiden Freunde ihre Fähigkeiten zu einem neuen eigenartigen Kunstunternehmen vereinigen.

Die vielen Nüancen, deren Freundschaftsbeziehungen zwischen Männern fähig sind, darzustellen und zugleich die bereisten Länder durch eine widerspruchsvolle Doppelbeleuchtung in einer Frische und Bedeutung sehn zu lassen, wie sie oft mit Unrecht nur exotischen Gegenden zugeschrieben werden: ist der Sinn dieses Buches.

Vorbemerkungen zum 1. Kapitel (aus Franz Kafka: Erzählungen – Fischer Taschenbuch Verlag April 1976)

Text der Zusammenarbeit von Franz Kafka und Max Brod

Kafka 2024: Kafka in Riva am Gardasee (5) – Klaus Wagenbach: Dr. von Hartungen, Sanatorium und Wasserheilanstalt – Riva am Gardasee

Ab Mitte 1979 erschien für 20 Jahre im Wagenbach-Verlag Freibeuter, eine Vierteljahreszeitschrift für Kultur und Politik – herausgegeben u.a. von Klaus Wagenbach. Die Nr. 16 aus 1983 hatte als Schwerpunktthema Franz Kafka nachgestellt.

Zeitschrift ‚Freibeuter‘ Nr. 16 aus 1983: Franz Kafka
Zeitschrift ‚Freibeuter‘ Nr. 16 aus 1983: Franz Kafka

Der Verleger und Kafka-Kenner, Klaus Wagenbach, verfasste u.a. auch einen Artikel zu Kafkas Aufenthalt 1913 in dem Sanatorium und der Wasserheilanstalt des Dr. von Hartungen:

In Riva, das damals zu Österreich gehörte, war Kafka zweimal: im September 1909 für zehn Tage, gemeinsam mit Max und Otto Brod, in einer kleinen Pension unterhalb der Ponalestraße, und im September/Oktober 1913 für drei Wochen, allein, im Sanatorium Dr. von Hartungen.

'Sanatorium und Wasserheilanstalt Dr. von Hartungen' in Riva am Gardasee: das Haupthaus
‚Sanatorium und Wasserheilanstalt Dr. von Hartungen‘ in Riva am Gardasee: das Haupthaus

Kafka kam mit dem Schiff (aus Desenzano) in Riva an, wie der „Jäger Gracchus“, und wie er fühlte er sich (nach dem Bruch mit Felice [Verlobte in Berlin]) „leer und sinnlos“. „Mein einziges Glücksgefühl besteht darin, daß niemand weiß, wo ich bin.“ Der Jäger Gracchus sagt: „… niemand weiß von mir, und wüßte er von mir, so wüßte er meinen Aufenthalt nicht, und wüßte er meinen Aufenthalt, so wüßte er mich dort nicht festzuhalten, so wüßte er nicht, wie mir helfen. Der Gedanke, mir helfen zu wollen, ist eine Krankheit und muß im Bett geheilt werden.“

Die Krankheit, die Kafka mit nach Riva brachte und die noch immer „Neurasthenie“ hieß, war auch im Sanatorium Hartungen nicht zu heilen. Und sie überschattete auch das zweite (nach dem in Zuckmantel) große Liebeserlebnis: die Begegnung mit einer achtzehnjährigen Schweizerin, die ebenfalls im Sanatorium wohnte. Auch über diese Liebe hat Kafka fast vollständiges Stillschweigen bewahrt, es gibt kaum mehr als eine kurze Notiz im Tagebuch nach der Rückkehr aus Riva: „Die Süßigkeit der Trauer und der Liebe. Von ihr angelächelt werden im Boot. Das war das Allerschönste. Immer nur das Verlangen zu sterben und das Sich-noch-Halten, das allein ist Liebe.“ Auch dies ist Gracchus: Er lebt nicht, er kann nicht sterben.

In einem Prospekt aus dem Jahr 1910, verfaßt von Dr. Erhard und Dr. Ch. E. von Hartungen, hat sich eine Beschreibung des Sanatoriums und seiner Möglichkeiten erhalten:

Das Anstaltsgebäude liegt inmitten eines grossen Parkes, unmittelbar am Gardasee. 60 Zimmer und eine Lufthütten-Kolonie (20 Lufthütten) mit vornehmen, hygienischen Einrichtungen, mit herrlichem Ausblick auf den Gardasee. Zur Durchführung von Freiluftkuren dient ein grosses, geschlossenes Luftbad im Anstaltsparke, ebenso ein Luft- und Sonnenbad für Herren und Damen am Dach-Plateau der Wasserheilanstalt und die Liegehalle.

… und die Strandliegehalle
… und die Strandliegehalle

Licht-, Luft- und Sonnenbäder, Nacktgymnastik und schwedische Freiluftspiele in gedeckten und freien Luftbädern das ganze Jahr hindurch.

See-, Sonnen- und Sandbäder am Strande unmittelbar vor der Anstalt während der Sommermonate.

Aseptisch ermolkene Kur- und Kindermilch von tuberkelfreien, nur trocken gefütterten Kühen, ebenso auch pasteurisierte Kefir- und Yoghurt (bulgarische Sauermilch).
Auch dieses Sanatorium rühmte sich der Behandlung von „Nervenleiden“ an erster Stelle, erinnerte an die „segensvolle Bedeutung des Lichts, speziell des Sonnenlichts bei Nervenschwäche“ und erinnert die „Bewegungsfreunde“ (zu denen Kafka ohne Zweifel gehörte) daran, daß „die malerische Umgebung Rivas an Abwechslung zu Wasser und zu Lande mehr bietet, als irgend ein anderer Kurort zu bieten vermag“.

Als Kuren – neben den diätetischen – werden angeboten:

Hydriatische Kuren in Form von Teil- und Vollbädern, verschieden temperierten Halbbädern, Abreibungen, Güssen, Teil- oder Ganzpackungen, Dampf- und trockenheissen Luftbädern, des elektrischen Bogenlichtbades. Klinisch erprobte Mineral-, Kräuter- und Schlammbäder, sowie die Behandlung mit Radium in verschiedenster Form wurden schon seit vielen Jahren mit sehr günstigem Erfolge gehandhabt.

Atmosphärische Kuren durch methodischen Gebrauch von Sonnen-, Luft-, Marsch- und Ruderlichtbädern mit und ohne folgende Wasseranwendung.

Heilgymnastik, d.h. leichte Leibesübungen, werden unter Aufsicht den Indikationen entsprechend ausgeführt.

Elektrotherapie wird mittelst Vierzellenbades (nach Dr. Schnee) faradischer und galvanischer Ströme und Bäder, der Influenzmaschine etc. etc. angewendet; die Anwendung derselben findet nur durch die Ärzte statt.

Ein weiteres Therapieangebot zeigt, daß das Sanatorium Hartungen damals zu den modernsten Anstalten gehörte:

Die Psychotherapie spielt im Sanatorium keine untergeordnete Rolle, da die Ärzte täglich mit den Patienten verkehren, sich auf das intimste über deren Befinden informieren, so dass ausser der streng individuell diätetisch-physikalischen Behandlung gleichzeitig eine seelische Einwirkung als Korrektiv möglich wird, welche die Krankheitsfurcht oder andere schädliche Vorstellungen, wie Gemütsbeschwerden, beseitigt, und den Kranken einer gesundheitsfreudigen und daseinsfrohen Stimmung entgegenführt.

Spezialärztlich durchgeführte psychoanalytische Behandlung.

Die meisten Gebäude des Sanatoriums stehen heute noch und dienen, nach einem Besitzerwechsel, ähnlichen Zwecken.

siehe auch: Kafka „kehrt zur Natur zurück!“

Kafka 2024: Kafka in Riva am Gardasee (4) – Der Jäger Gracchus

    „Eine Barke schwebte leise, als werde sie über dem Wasser getragen, in den kleinen Hafen. […] Auf dem Quai kümmerte sich niemand um die Ankömmlinge […]“
    FRANZ KAFKA: Der Jäger Gracchus

aus Kafkas Werken: Die Aeroplane in Brescia – Erzählungen – Beschreibung eines Kampfes
aus Kafkas Werken: Die Aeroplane in Brescia – Erzählungen – Beschreibung eines Kampfes

    „A boat lightly slid into the small harbour, as if it were hovering over water. […] On the pier no one noticed the people who had just arrived“
    lt. Google Translater: A barge floated quietly, as if it were being carried over the water, into the small harbor. […] On the quay, no one paid any attention to the arrivals
    FRANZ KAFKA: The Hunter Gracchus

Zwischen 1916 und 1917 entstanden die Fragmente zum Thema ‚Der Jäger Gracchus‘, zu denen sich Franz Kafka durch seine Aufenthalte in Riva inspirieren ließ.

Diese Erzählung ist einzigartig unter allen Werken Kafkas, denn zum ersten Mal wird eine Stadt mit Namen erwähnt: Riva, das sein Schicksal als Landeplatz in seinem Namen trägt. Die Geschichte spiegelt die Erinnerung an Stätten und Denkmäler der kleinen Stadt wider: den alten Hafen, Piazza Benacense und ihre Arkaden, die „schmalen, stark abfallenden Gäßchen“, den Stadtturm Torre Apponale, Palazzo Pretorio, den Brunnen daneben – und nicht zuletzt das Standbild des Hl. Johannes Nepomuk, Schutzpatron von Prag und zugleich von Riva. Franz hatte das Gefühl, die Luft von zu Hause zu atmen und hier vielleicht ein neues Leben beginnen zu können.

Informationsschild in Riva

Ein Bezug des Namens Gracchus zu den Persönlichkeiten der römischen Geschichte, den Konsuln und Volkstribunen, ist nicht ohne weiteres erkennbar. Die Bedeutung des lateinischen Namens („der Gnadenreiche“) wird hier auf jemanden angewendet, dem ausdrücklich die Gnade des ersehnten Todes versagt ist. Kafka wird eher auf gracchio, das italienische Wort für Dohle (im Tschechischen: Kavka = Dohle), angespielt haben, um so eine Identifizierung seiner eigenen Person mit der Gestalt des Jägers literarisch ins Spiel zu bringen.

Hier der Text der Erzählung ‚Der Jäger Gracchus‘

Kafka 2024: Kafka in Riva am Gardasee (3) – 1913

Franz Kafka (Prag, 1883 – Kierling, 1924) liebte Riva auf den ersten Blick. Er war im September 1909 zum ersten Mal in Urlaub am Gardasee.

Im September 1913 kam er an den Gardasee wieder, getrieben von dem „Wunsch nach besinnungsloser Einsamkeit“. Diesmal wohnte er in dem vom berühmten Wiener Naturarzt Dr. Christoph von Hartungen in Riva gegründeten Reform-Sanatorium, das von einer kulturellen Elite aus ganz Mitteleuropa besucht wurde. Dort lernte Kafka eine junge Schweizerin kennen und verliebte sich in sie. Zwischen 1916 und 1917 entstanden die Fragmente zum Thema ‚Der Jäger Gracchus‘, zu denen er sich durch seine Aufenthalte in Riva inspirieren ließ.

Quelle: u.a. Informationsschild in Riva

Riva am Gardasee (Hafen)
Riva am Gardasee (Hafen)

Riva am Gardasee (Hafen)
Riva am Gardasee (Hafen)

21. SEPTEMBER [1913]

Desenzano am Gardasee ...
Desenzano am Gardasee (Die Mehrheit der Einwohner hat sich am 21. September 1913 zum Empfang des Vicesekretärs der Anstalt, Dr. Kafka, versammelt. Der aber liegt am Seeufer im Gras, „leer und sinnlos, selbst im Gefühl meines Unglücks. Ginge es doch jetzt statt ins Sanatorium auf eine Insel, wo niemand ist“)

-> DESENZANO
Tagebuch_ (2 Notizbuchblätter) „Mein einziges Glücksgefühl besteht darin, dass niemand weiss, wo ich bin.“ „Das Geniessen menschlicher Beziehungen ist mir gegeben, ihr Erleben nicht.“
-> GARDONE

22. SEPTEMBER
-> RIVA
Ankunft im ‚Sanatorium und Wasserheilanstalt Dr. von Hartungen‘. K. bezieht eine Lufthütte.
Ludwig Ullmann, Rezension von ‚Der Heizer‘, in: ‚Wiener Allgemeine Zeitung‘.

'Sanatorium und Wasserheilanstalt Dr. von Hartungen' in Riva am Gardasee: das Haupthaus
‚Sanatorium und Wasserheilanstalt Dr. von Hartungen‘ in Riva am Gardasee: das Haupthaus

… der Speisesaal
… der Speisesaal

… und die Strandliegehalle
… und die Strandliegehalle

nach 22. SEPTEMBER
[an Alfred Löwy]: (Karte) Glaubt, er sei seinem Onkel eine Erklärung schuldig.

24. SEPTEMBER
an Oskar Baum: (Ansichtskarte)
an Ottla Kafka: (2 Ansichtskarten) Bittet sie, den kostenlosen Katalog ‚Das Buch des Jahres 1913‘ zu besorgen.

vor 27. SEPTEMBER
[Max Brod an K.]: (2 Karten)

28. SEPTEMBER
an Max Brod: Bezeichnet die Beziehung zu Felice [Bauer] als „seit 14 Tagen vollständig beendet“. Muss dennoch zwanghaft daran denken. Bedürfnis nach Einsamkeit. „… die Vorstellung einer Hochzeitsreise macht mir Entsetzen“.
an Ottla Kafka: (Ansichtskarte) Über Malcesine.
Schiffsausflug nach Malcesine. K. sucht die Stelle auf, wo Goethe beim Zeichnen einer Schlossruine der Spionage verdächtigt wurde.

ANFANG OKTOBER
an Felix Weltsch: „Manchmal glaube ich, dass ich nicht mehr auf der Welt bi, sondern irgendwo in der Vorhölle herumtreibe.“ Über Schuldbewusstsein und Reue. Hat über Brod einen Brief an Felice Bauer erhalten, den er jedoch nicht beantworten will. Eine junge Russin hat einigen Sanatoriumsgästen die Karten gelegt, wobei K. Einsamkeit prophezeit wurde.
K. übersiedelt ins Hauptgebäude des Sanatoriums. Beginn der Freundschaft mit der jungen Schweizerin „G.W.“.

2. OBTOBER
an Ottla Kafka: (Ansichtskarte) Verspricht für den folgenden Tag einen Brief an die Eltern, die ihm schon mehrfach schrieben.

3. OKTOBER
K.s Tischnachbar, der 66-jährige Generalmajor Ludwig von Koch, begeht in seinem Zimmer im Sanatorium Selbstmord.

VOR 10. OKTOBER
K. trifft den in Nago bei Riva lebenden Carl Dallego.

10. OKTOBER
Carl Dallogo an Ludwig von Ficker: Über K.: „Ein wirklich sehr netter Mensch, der Wertvolles schafft.“

11.-12. OKTOBER
-> MÜNCHEN -> PRAG
K. hält sich einen Tag in München auf.

15. OKTOBER
Tagebuch: Über Riva: „Ich verstand zum ersten Mal ein christliches Mädchen und lebte fast ganz in seinem Wirkungskreis.“ […]

aus: Reiner Stach: Kafka von Tag zu Tag – Dokumentation aller Briefe, Tagebücher und Ereignisse – S. Fischer, Frankfurt am Main 2017

Kafka 2024: Kafka in Riva am Gardasee (2) – Die Aeroplane in Brescia

aus Kafkas Werken: Die Aeroplane in Brescia – Erzählungen – Beschreibung eines Kampfes
aus Kafkas Werken: Die Aeroplane in Brescia – Erzählungen – Beschreibung eines Kampfes

Vom 5. – 13. September 1909 fand bei Brescia ein „Flugmeeting“ statt (das erste internationale in Italien), das Kafka und die beiden Brüder Brod von Riva aus besuchten. Kafkas Bericht „Die Aeroplane in Brescia“, der in der Prager Zeitung „Bohemia“ erschien, ist der erste über diese ‚Apparate‘ in der deutschen Literatur.

Im Oval: Louis Blériot ...
Im Oval: Louis Blériot, der kurz zuvor den Ärmelkanal überquert hatte, fliegt an den Tribünen vorbei. Im unteren Teil vorne rechts ein Curtiss-Flyer, mit dem Curtiss den ‚Großen Preis von Brescia‘ gewann: 50 Kilometer in 49 Minuten und 24 Sekunden.

Rougier bei seinem Höhenweltrekord: 198 m
Rougier bei seinem Höhenweltrekord: 198 m. Im Vordergrund der Signalmast und die Zielrichtertribüne

Rougier mit seinem Flugzeug
Rougier mit seinem Flugzeug

Situationsplan des Flugfeldes
Situationsplan des Flugfeldes

Die ersten Zeilen von Kafkas Artikel ‚Die Aeroplane in Brescia‘ in Prager Zeitung ‚Bohemia‘
Die ersten Zeilen von Kafkas Artikel ‚Die Aeroplane in Brescia‘ in Prager Zeitung ‚Bohemia‘

Quelle der Bilder: Klaus Wagenbach: Franz Kafka – Bilder aus seinem Leben – Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 1983

Hier der Text des Artikels als PDF-Datei

Kafka 2024: Kafka in Riva am Gardasee (1) – 1909

Im Juli d.J. machte ein Sohn von mir mit seiner Freundin Urlaub in dem Örtchen Limone sul Garda am Gardasee (Lago di Garda) in Oberitalien Urlaub. Berühmt ist die Beschreibung der Zitronenhäuser von Limone durch J. Wolfgang Goethe in seiner „Italienischen Reise“ [Amazon], als er mit dem Schiff von Torbole nach Malcesine reiste; das Dorf, seine Gärten und Zitronen gingen plötzlich in die Weltliteratur ein. Natürlich fuhren die beiden auch nach Riva del Garda, das durch Franz Kafka in den Jahren 1909 und 1913 besucht wurde und somit auch ‚Geschichte‘ schrieb. So gibt es dort eine kleine Straße, die in die Nähe des Strandes gelegen ist mit dem Namen: Via Franz Kafka

Via Franz Kafka in der Nähe des Strandes von Riva del Garda (© Jan Albin)
Via Franz Kafka in der Nähe des Strandes von Riva del Garda (© Jan Albin)

Via Franz Kafka in der Nähe des Strandes von Riva del Garda (Quelle: Google Maps)
Via Franz Kafka in der Nähe des Strandes von Riva del Garda (Quelle: Google Maps)

Ich habe inzwischen nachgeforscht und in meinen Kafka-Büchern einiges an Material zu Kafkas zwei Urlaubsreisen nach Riva gefunden. Hier die Quellen:

Josef Čermák: Franz Kafka – Leben und Werk – Band: Dokumente – parthas berlin 2009

Klaus Wagenbach: Franz Kafka – Bilder aus seinem Leben – Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 1983

Reiner Stach: Kafka von Tag zu Tag – Dokumentation aller Briefe, Tagebücher und Ereignisse – S. Fischer, Frankfurt am Main 2017

Zunächst einiges zur 1. Reise Kafkas 1909 mit den Brüdern Max und Otto Brod nach Riva (heute: Riva del Garda). Max Brod war der Freund, dem wir es zu verdanken haben, dass die Manuskripte Kafkas entgegen seinem Wunsch nicht verbrannt, sondern veröffentlicht wurden. Der heutige Artikel ist der Auftakt zu einer sechsteiligen Reihe – zum 100. Todestag von Franz Kafka in diesem Jahr.

aus Kafkas Werken: Die Aeroplane in Brescia – Erzählungen – Beschreibung eines Kampfes
aus Kafkas Werken: Die Aeroplane in Brescia – Erzählungen – Beschreibung eines Kampfes

Franz Kafka (Prag, 1883 – Kierling, 1924) liebte Riva auf den ersten Blick. Er war im September 1909 zum ersten Mal in Urlaub am Gardasee.

Den Urlaub, den der neue Arbeitgeber gewährte, verbrachte Kafka oft mit Freunden. Das erste Mal brach er im September 1909 mit den Brüdern Max und Otto Brod in den Süden auf, ins oberitalienische Riva am Gardasee. Sie verlebten an dessen Ufern und in der Umgebung sorglose Tage. Eine große Sensation war, besonders für Kafka, eine internationale Flugschau auf dem Flughafen Montechiari in der Nähe von Brescia. Erstmals im Leben sahen die Freunde dort vom Nahem die Vorbereitungen der Flieger in den Hangars und tatsächlich auch das Abheben der „Aeroplane“ und die Künste der Piloten in ihren fliegenden Wundermaschinen. Eine exklusive Gesellschaft, darunter der Opernkomponist Giacomo Puccini und der Flugfanatiker und Schriftsteller Gabrielle d’Annunzio, verliehen diesem großartigen Spektakel besonderen Glanz. Kafka schrieb unmittelbar danach unter dem Titel ‚Die Aeroplane in Brescia‘ eine der ersten Reportagen zu diesem Thema in Böhmen und veröffentlichte sie im Feuilleton der Prager ‚Bohemia‘, wo er bereits zuvor und auch später noch kleinere Beiträge publizierte.

aus Josef Čermák: Franz Kafka – Leben und Werk – Band: Dokumente – parthas berlin 2009

4. SEPTEMBER [1909]
-> RIVA
Gemeinsam mit Max Brod, Abfahrt 13 Uhr. Brod überreicht K. auf dem Bahnhof ein Notizbuch mit der Bemerkung: „wir werden parallele Reisetagebücher führen“. Otto Brod folgt mit einem späteren Zug.

Kafka (rechts) mit Otto Brod
Kafka (rechts) mit Otto Brod (nach einem von Max Brod in seiner Biografie veröffentlichten Foto)

5. SEPTEMBER
10 Uhr Ankunft in Riva.

Riva am Gardasee
Riva am Gardasee

Riva am Gardasee
Riva am Gardasee

6. – 9. SEPTEMBER
Vormittägliches Bad in den >Bagni alla Madonnina< unterhalb der Ponalestraße. Kleinere Ausflüge in die Umgebung, u.a. Arco und Torbole. 7. SEPTEMBER an Elli Kafka [Kafkas älteste von drei Schwestern]: (Ansichtskarte) an Ottla Kafka [Kafkas jüngste Schwester/seine Lieblingsschwester]: (Ansichtskarte) Sie arbeitet im elterlichen Geschäft. Ansichtskarte an Ottla von der Reise mit Max Brod aus Riva (07.09.1909) Lago di Garda – Riva vom Hotel Lido aus: Ansichtskarte an Ottla von der Reise mit Max Brod aus Riva (07.09.1909)

Ansichtskarte an Ottla aus Riva … (07.09.1909)

9. SEPTEMBER
Aus der Zeitung ‚La Sentinella Bresciana‘ erfahren die Freunde von dem Flugmeeting im nahe gelegenen Brescia. K. drängt darauf, hinzufahren.

10. SEPTEMBER
-> BRESCIA
Ankunft spätestens 15 Uhr. Fahrt zum Komiteepalast in der Via Umberto I. Sehr schmutziges Hotelzimmer. Am späten Abend Streit mit dem Kutscher.

Uhrturm in Brescia (Stereoskopische Aufnahme)
Uhrturm in Brescia (Stereoskopische Aufnahme)

11. SEPTEMBER
Fahrt zum Flugfeld von Montichiari. Die Freunde beobachten die Piloten, darunter Louis Blériot und Glenn Curtiss, vor ihren Hangars; außerdem prominente Besucher, darunter Gabrielle d’Annunzio. Mahlzeit in einem riesigen Restaurant. Am Nachmittag verfolgen sie, auf Stühlen stehend, einige Flüge. K. und Max Brod vereinbaren, unabhängig voneinander Reportagen über das Flugmeeting zu verfassen.

Fotografie von der Flugschau in Brescia
Fotografie von der Flugschau in Brescia

-> DESENZANO
Übernachtung in einer Herberge am Hafen. Wegen zahlloser Wanzen verbringen die Freunde einen Teil der Nacht auf Bänken am Ufer.
AUVA [Arbeiterunfallversicherungsanstalt] an K.: Mitteilung der Beförderung zum Praktikanten zum 1. Okt. Mit einem jährlichen Gehalt von 1430 K.

12. SEPTEMBER
-> RIVA
Abfahrt mit dem Dampfer um 6 Uhr, Ankunft 11. 25 Uhr.

Dampfer der Linie Desenzano - Riva
Dampfer der Linie Desenzano – Riva

14. SEPTEMBER
-> PRAG
Abfahrt 6.12 Uhr

15. SEPTEMBER
7 Uhr Ankunft in Prag

aus: Reiner Stach: Kafka von Tag zu Tag – Dokumentation aller Briefe, Tagebücher und Ereignisse – S. Fischer, Frankfurt am Main 2017

Abenteuer Ulysses von James Joyce (16): 14. Kapitel – Die Rinder des Sonnengottes Helios [Odyssee]

Das 14. Kapitel (von 18) des Ulysses von James Joyce hat es in sich. Es ist eine Zeitreise durch die Entwicklung der englischen Sprache – vom Altenglischen bis zum zeitgenössischen Dubliner Slang, in der deutschen Übersetzung vom Alt- oder eher Mittelhochdeutschen zum Berliner Dialekt. Hier wieder einige Informationen zur Handlung und zu den auftretenden Personen, vor allem aber mein Versuch, den alt- bzw. mittelhochdeutschen Text in eine für uns heute verständliche Sprache zu übertragen.

Inhalt des 14. Kapitels:

Szene Krankenhaus Entbindungsstation • Uhrzeit 22 Uhr

Leopold Bloom kommt an der Holles Street 29 vorbei, der Frauenklinik von Dr. Andrew J. Horne, wo seine Bekannte Mrs. Purefoy seit drei Tagen in den Wehen liegt und schließlich unter großen Schmerzen einen Sohn zur Welt bringt. Da es jedoch für einen Besuch zu spät ist, wird Bloom nicht zu ihr vorgelassen. So nimmt ihn der Assistenzarzt Dixon mit in den Aufenthaltsraum der Ärzte und trifft dort auf Stephen, der mit Buck Mulligan und anderen Medizinstudenten ein Saufgelage abhält.

National Maternity Hospital in Holles Street, Dublin
National Maternity Hospital in Holles Street, Dublin

Bloom trifft hier erstmalig direkt Stephen. Er verfolgt, seines früh verstorbenen Sohnes gedenkend, die lästerlichen und zotigen Gespräche über unfreiwillige Vaterschaft und Empfängnisverhütung, d.h. den Verstoß gegen das göttliche Gesetz, fruchtbar zu sein und sich zu mehren, und die katholische Doktrin, das Wohl des Kindes über das der Mutter zu stellen.

Wie die Gefährten des Odysseus sich an den Rindern des Sonnengottes Helios vergehen und sie schlachten, vergeht sich die Gruppe am Gebot der Fruchtbarkeit. Als ob Stephen seine Hybris bewusst wird und seine Gewissensbisse ertränken möchte, ruft er plötzlich nach einem Gewitterdonner dazu auf, das Gelage bei „Burke“ fortzusetzen. Dort fliegt die Gruppe zur Sperrstunde raus und will weiterziehen ins Hurenviertel Dublins zum Bordell der Bella Cohen. Bloom, in Sorge um Stephens Wohlergehen, folgt ihnen.

Dieses ist also das berühmte Kapitel, in dem die Entwicklung des Sprachstils und der Sprache selbst vom Altenglischen bis zum zeitgenössischen Dubliner Slang das Wachstum des Embryos im Mutterleib widerspiegelt. Dabei imitiert Joyce den Prosastil verschiedener Epochen und entwirft passende Szenarien. Die Helden unseres Romans agieren abschnittweise wie typische Figuren dieser Texte.

So macht beispielsweise unser Protagonist im Laufe des Kapitels folgende Metamorphose durch (in der Übersetzung von Hans Wollschläger – die ersten vier Textteile habe ich wiederum in heute verständliches Deutsch ‚übersetzt‘):

„Ein man aldo stant der ein farensman waz an des hvs tor da nacht nider nu kam. Von Jisraels volc dise man waz vn haert gewandelet vil vnde gefaren vf erden.“
[Ein Mann [Leopold Bloom], der unterwegs war, stand nachts an der Haustür. Vom Israels Volk war jener Mann, der auf Erden weit gewandert war. Reines Mitgefühl war es allein, das ihn gebracht in dieses Haus]

„Unde Childe Leopold offent sin helmevenster umb daz er ihm gevellic seie und tat er ein lützel zoc under ougen uz vriuntschaft danne er niemer sunsten nit tranc iender ein met“,
[Und Kind Leopold öffnete sein Vesier, auf dass es ihm gefällig sei und tat er einen kleinen Zug unten den Augen aus Freundschaft, denn er trank nie einen Met.]

„Aber Sir Leopold war arg duster nun […] vnd er gedaht an sein gut frauwe Marion die jm ein einzicht menlich kint geboren welchs war am seim eilfften lebens tag gestorben vnt kont nit gerett werden vonne keins menschenkunzt also dunkel ist das schicksal.“
[Aber Sir Leopold war arg duster (…) und er gedachte an seine gute Frau Marion, die ihm ein einziges männliches Kind geboren, welches war an seinem elften Lebenstag gestorben und konnte nicht gerettet werden von keiner Menschenkunst, all so dunkel ist das Schicksal.]

„Leop. Bloom dort wegens einem schwechzufall den er hett, fühlte sich jetzund aber beßer, nemblich hett ein wunderlich gesicht gehabt dießen abend von seiner dame Mrs. Moll mit rothen pantoffelen und türckischen kniehosen welches von kennern wird für ein zeichen deß wechsels gehalten.“
[Leop. Bloom dort wegen einem Schwächeanfall, den er hatte, fühlte sich jetzt aber besser, hatte nämlich ein wunderliches Gesicht [seltsame Fantasie] diesen Abend gehabt von seiner Dame Mrs. Moll mit roten Pantoffeln und türkischen Kniehosen, was von Kennern für ein Zeichen des Wechsels [der Abwechslung] gehalten wird]

„Um nun zu Mr. Bloom zurückzukehren, so hatte dieser gleich bei seinem Eintritt wol so mancherley schamloses Gespötte bemerkt, dasselbe jedoch als die Früchte jenes Alters ertragen, welches gemeinhin dafür gilt, daß es kein Mitleid kennet. Die jungen Spunte steckten, das ist wahr, so voller Streiche als wie große Kinder: die Worte ihrer lärmenden Debatten waren nur schwer zu verstehen und oftmalen nicht eben lieblich.“

„[So] brach bald ein lebhafter Zank der Zungen aus […] und im beiderseitigen Konsens wurde die schwierige Frage dem Herrn Inseratensammler Bloom mit dem Auftrage vorgelegt, sie alsbald dem Herrn Koadjutor Diakon Dedalus zu submittiren. Bisher schweigsam, ob aus dem Grunde, durch übernatürlichen Ernst nur um so besser jene wunderliche Würde des Gehabens zu entfalten, welche ihm eigen war, oder aus Gehorsam gegen eine innere Stimme, zitierte er kurz und, wie einige meinten, recht obenhin die geistliche Regel, welche dem Menschen zu scheiden verbietet, was Gott zusammengefügt.“

„Nicht länger mehr ist Leopold, wie er dort sitzt, sinnierend, das Futter der Erinnerung wiederkäuend, jener nüchterne Werbeagent und Inhaber eines bescheidenen Päckleins Obligationen. Er ist der junge Leopold, wie in retrospektivem Arrangement, ein Spiegel in einem Spiegel (he, presto!), er betrachtet sich selbst.“

„[J]ener wachsame Wanderer […], welch letzterer noch bedeckt war vom Reise- und Kampfesstaub und befleckt vom Kote einer untilgbaren Schändlichkeit, aus dessen standhaftem und beständigem Herzen jedoch nicht Lockung noch Gefahr noch Drohung noch Erniedrigung je konnte das Bild einer wollüstigen Lieblichkeit reißen, welches der begnadete Stift Lafayettes für alle künftigen Zeiten aufgezeichnet hat.“

„Hinaus stürzt unser Herr Stephen mit einem Schrei, und Krethi und Plethi hinter ihm her, der ganze Verein, Draufgänger, Maulaffen, Wettschwindler, Pillendoktor, Bloom der Pünktliche ihnen auf den Fersen, unter allgemeinem Gegrapsche nach Kopfbedeckung, Eschenstöcken, Degen, Panamahüten und Degenscheiden, Zermatt-Alpenstöcken und was nicht sonst noch allem.“

„Bravo, Isaacs, man immer wech mit ihnen aus dem Scheißrampenlicht. Komm’ Se mit, Verehrtester? Aber woher denn aufdringlich, im Leben nich. Bloom is sich serr gute Mann.“

„Wohnt nicht weit vom Mater. geht auch im süßen Joch der Ehe. Kennst seine Holde? Jau, klar doch, det tu ick. Janz flottet Pflänzken. Hab sie mal im Näcklischee jesehn. Also da kommt janz schön wat raus, wenn die Pelle runter jeht.“

„Von wem hast du den Tip gehabt eigentlich, für das Füllen? […] Von Meister Iste, ihrem vertrauten Manne. Kein Schmu, von dem ollen Leo. […] So ein Dreckskerl von einem scheinheiligen Lügner. […] Ja, also, sag ich, wenn das nich die typisch jiddsche mloche is, ja, dann will ich ne missemeschune haben. […] Was? Wein für den Schleimer Bloom. Was hör ich, was redst du da von Zwiebeln? Bloo? Schnorrt sich Anzeigen zusammen? Von der Photographin das Pappilein, schau mal einer an!“

(Quellen: swr.de/swr2/hoerspiel & de.wikipedia.org)

Personen des 14. Kapitels

Dr. Andrew J. Horne, der Leiter bzw. Oberarzt der Entbindungsklinik National Maternity Hospital Dublin, selbst tritt nicht auf. Er steht für den Sonnengott Helios, sein Name Horne („Horn“) ist ein Verweis auf den goldenen Ochsen bei Homer. Von der schwangeren Mina Purefoy, der der Besuch von Leopold Bloom gilt, erfahren wir nur, dass sie endlich einen Sohn gebiert, der Mortimer Edward getauft werden soll. Es ist schon ihr neuntes Kind (ein Sohn war gestorben).

Leopold Bloom ist als „moderner Held“ als Kontrast zu dem homerischen Helden Odysseus zu verstehen. Er hat die Rolle eines Außenseiters, die sich vor allem darin spiegelt, dass er als Jude im katholischen Dublin lebt und dort einem antisemitischen Klima ausgeliefert ist. In dem Roman, der am 16. Juni 1904 spielt, wird die Wanderung des Leopold Bloom durch Dublin geschildert. Er wird dem Leser als Annoncenakquisiteur präsentiert, dabei ist er jedoch wenig erfolgreich. Zudem ist ihm den ganzen Tag bewusst, dass seine Frau Molly eine Affäre mit dem attraktiven Blazes Boylan hat. Auch der Tod seines Sohns Rudy, der vor elf Jahren im Alter von einigen Tagen verstorben ist, bedrückt ihn. Im Laufe des Romans nimmt Bloom eine vaterähnliche Rolle für Stephen Dedalus, der zweiten Hauptperson des Romans, an. Wie erwähnt, begegnen sich beide hier zum ersten Mal.

Weitere Personen sind die Krankenschwester Callan und Dr. Dixon, junger Arzt in der Entbindungsanstalt und verantwortlich für Medizinstudenten. Außerdem begegnen wir Vincent Lynch, Medizinstudent und Freund von Stephen Dedalus – Dr. Madden, ein Arzt – Matt Lenehan, aufdringlicher Witzeklopfer – und Costello, ein weiterer Medizinstudent. Später kommen mit Stephen Dedalus Malachi ‚Buck‘ Mulligan, Medizinstudent und Mitbewohner sowie Antagonist von Stephen – und Alec Bannon, Freund von Mulligan, hinzu.

Anmerkungen zu diesem 14. Kapitel

Auch zu diesem Kapitel hier einige Anmerkungen und Erklärungen, die vielleicht helfen, mehr Verständnis für den Text zu erlangen. Natürlich bin ich mir nicht sicher, immer ‚das Richtige‘ gefunden zu haben. Für Korrekturen und weitere Anregungen bin ich dankbar:

Das 14. Kapitel hat es in sich. Eine Übersetzung ist fast nicht möglich, da das Original von James Joyce von Alliterationen und alten germanischen Wörtern (auch einer weitaus einfacheren Syntax) geprägt ist und in dem die Entwicklung des Sprachstils und der Sprache vom Altenglischen bis zum zeitgenössischen Dubliner Slang das Wachstum des Embryos im Mutterleib widerspiegelt. Der Übersetzer Hans Wollschläger hat es nach meiner Meinung etwas zu gut gemeint, wenn er dieses Kapitel in althochdeutscher Sprache beginnt – ich denke inzwischen, dass es eher noch die mittelhochdeutsche Sprache ist. Ich musste schon einige Phantasie entwickeln, um den ‚deutschen‘ Text halbwegs zu verstehen. Immer wieder griff ich auf das Original zurück und bediente mich des Google Translaters, bei einigen Wörtern half mir das Dictionary von Wiktionary, das auch altenglische Begriffe enthält. Ich habe nicht den ganzen Text ‚übersetzt‘ (nur die Seiten 539 bis 558), denn ab dort sollten es die meisten Leser selbst ‚verstehen‘. Ab dieser Seite 558 habe ich dann nur noch die Begriffe und Sentenzen ins Deutsche übertragen, wenn diese vielleicht nicht ohne weiteres verstanden werden können. Ich hoffe, dass mir die Übersetzung (also vom Alt- bzw. Mittelhochdeutschen in ein uns heute verständliches Hochdeutsch) wirklich bis ins Detail halbwegs geglückt ist. Dabei habe ich mich eines meist nahezu gleichen Duktus bedient. Für Korrekturen wäre ich sehr dankbar …

Hier zunächst die angesprochenen ersten rund 20 Seiten des Kapitels (S. 537 bzw. 539 bis 558 ausgehend von der Wollschläger-Übersetzung) mit dem 1. Originaltext aus der Webversion (mit diversen Links) – 2. Übersetzung von Hans Wollschläger – 3. meine ‚Übersetzung‘ des Wollschläger-Textes (mit diversen Links). Alles habe ich in einer PDF-Datei gespeichert (musste mich dabei des Formats DIN A 3 bedienen): Ulysses – 14. Kapitel S. 537 bzw. 539 bis 558

PDF-Datei Beginn des 14. Kapitels: Oxen oft he Sun (Die Rinder des Sonnengottes Helios)
PDF-Datei Beginn des 14. Kapitels: Oxen oft he Sun (Die Rinder des Sonnengottes Helios)

Hier nun die weiteren Erläuterungen (nach Seite 558) des 14. Kapitels:

S. 558: Secktmolken [im O. sackpossets = Sackmolke, hier wohl als Schimpfwort gemeint]
S. 559: Kerry-Kühe … Seuch [gemeint ist die Maul- und Klauenseuche]
Weckfleisch [eingemachtes Fleisch -> ‚einwecken‘]
Mort aux vaches [Tod den Kühen!]
S. 561: Remedium [Gegenmittel]
S. 564: inhibitorisch [hemmend]
prohibitorisch [verhindernd, vorbeugend]
aimable [liebenswert]
Roués [Wüstling]
caressiren [schmeicheln, liebkosen]
S. 565: Allodium [Art Lehnsgut, ‚Ganzbesitz‘]
Omphalos [‚Nabel, Mittelpunkt‘, Kultstein in Delphi]
S. 566: Talis ac tanta depravatio hujus seculi, O quirites, ut matresfamiliarum nostrae lascivas cujuslibet semiviri libici titillationes testibus ponderosis atque excelsis erectionibus centurionum Romanorum magnopere anteponunt, [So und so ist die Verderbtheit dieses Zeitalters, oh ihr Chiriten (Bürger des antiken Roms), dass die lasziven Kitzelungen jeder selbstsüchtigen Libidin (Wollüstige), der Mütter unserer Familien, den gewichtigen Zeugen und erhabenen Erektionen der römischen Zenturionen (Hundertschaftsführer, Offizier der römischen Legion) weit vorgezogen werden.]
Enkomien [‚festlicher Umzug‘, Lobgedicht auf die Tugenden einer Person]
S. 567: Ventripotenz [Dickbäuchigkeit, Gefräßigkeit]
ovoblastisch [ovo- = Eier- / Blasten = Vorläuferzellen der weißen Blutkörperchen, die normalerweise nur im Knochenmark zu finden sind]
Utrikel [‚Schlauch‘]
Antichambre [Vorzimmer]
Werg [niedere Faserqualität z.B. von Leinen oder Hanf, Faserabfall]
Mais bien sûr, … et mille compliments. [Aber natürlich … und tausend Komplimente]
S. 569: marchand de capotes [Kondomverkäufer]
livre [frz. Münze]
Fécondateur [Befruchter]
avec lui [mit ihm]
ventre biche [Rehbauch ?]
sans blague [im Ernst]
il y a deux choses [es gibt zwei Dinge]
S. 570: Tilbury [Kutsche]
S. 571: enceinte [schwanger]
Entreprise [Unternehmung]
S. 573: Antidotum [Gegengift]
Insolenz [Unverschämtheit]
Auspicien [Vorbedeutung, Aussichten, ‚Vogelschau‘]
zweite Matrone von Ephesus [bezieht sich wohl auf die Göttin Artemis, Tempel in E. in Kleinasien -> 7 Weltwunder]
S. 574: Metempsychose [Seelenwanderung]
Dormitorium [Schlafraum, eigentl. Im Kloster]
S. 575: Hagar [im Alten Testament die Magd von Sara, Nebenfrau von Abraham – Sohn Ismael -> Stammvater der Araber]
bukolisch [ländlich einfach, das Hirtenleben betreffend]
Gilead [biblisches Land]
S. 576: Adjunkt [Gehilfe]
Posthumität [‚nach dem (menschlichen) Leben‘, ‚die letzten der menschlichen Gattung‘]
S. 577: foetus in foetu [Phänomen, das bei einer von 500.000 Lebendgeburten vorkommt, wird im Körper eines Zwillings ein deformierter Fötus gefunden]
Aprosopie [Mißbildung, wobei das Gesicht fehlt]
Kongestion [lokaler Blutandrang bei Entzündungen]
Agnatie [angeborenes Fehlen des [Ober- oder] Unterkiefers]
Kinese [‚Bewegung‘]
Gravidität [Schwangerschaft]
Matrix [Gebärmutter]
Insemination [Samenübertragung]
Syringe [Spritze]
Multigeminalität [mehrfache Merkmalsgleichheit]
Katamenien [Menstruationsblut]
Gravita [Schwangere]
S. 578: primafacie [Beweis des ersten Anscheins]
plasmisch [im Zusammenhang mit Plasma – Materie mit hohem, instabilem Energieniveau]
Kohabitation [Geschlechtsverkehr]
Allocutio [Ansprache]
S. 579: ersische Sprache [schottisch-gälische Sprache]
Vendetta Mananaans [Blutrache M., Sagengestalt der keltischen Mythologie Irlands]
Lex talionis [Vergeltungsgesetzt -> ‚Auge um Auge …‘]
S. 581: fiat! [Lass es geschehen!]
S. 582: Upupa [Vogel Wiedehopf]
Netaim [biblischer Ort]
Parallax [scheinbare Änderung der Position eines Objektes, wenn der Beobachter seine eigene Position durch eigene Bewegungen verändert]
Lacus Mortis [Totes Meer]
Zodiakal [‚Tierkreis-‘]
S. 585: mesmerisiert [hypnotisiert, animalischer Magnetismus nach Franz Anton Mesmer, 1834-1815]
S. 586: Bass-Flaschen [englische Biermarke]
S. 588: Nemaspermen [Spermatozoon, bestehend aus Filament, aus langen Molekülketten bestehend]
nisus formativus [‚Bildungstrieb‘, die Vorgänge von „Generation, Nutrition und Reproduktion“ regelnde Lebenskraft]
succubitus felix [‚glücklicher‘, weiblicher, lüsternder Dämon – von succumbere ‚unten liegen‘]
Inquirent [Untersuchungsführer]
adenoidal [Vergrößerung der Rachenmandeln betreffend]
pulmonal [Erkrankung der Lungengefäße betreffend]
Duennas [ältere Frau, die als Gouvernante und Begleiterin für Mädchen fungiert, insbesondere in einer spanischen Familie; eine Begleitperson]
Kalipädie [Kallipädie – bezeichnet die besonders im 18. Jahrhundert populären Lehren von der Zeugung schöner Kinder durch bewussten Einsatz der Einbildungskraft]
S. 590: Kollation [Vergleich einer Abschrift mit der Urschrift zur Prüfung der Richtigkeit]
Staggering bob [‚umwerfender Bob‘ – Fleisch von einem jungen Kalb]
Minuzien [Kleinigkeiten]
S. 591: accouchement [Entbindung, Niederkunft]
S. 594: piazzetta [kleiner Marktplatz]
S 595: celest [himmlisch]
coelum [Himmel]
Progenitor [Vorfahr]
Malthusiast [Anhänger von Malthus, 1766-1834 – Theorie Bevölkerungswachstum und Nahrungsmittelangebot betreffend]
Vegetabilien [Produkte/Lebensmittel pflanzlicher Herkunft]
S. 596: Per deam Partulam et Pertundam nunc est bibendum! [Bei der Göttin Partula (eine der drei Parzen = Schicksalsgöttinnen in der römischen Mythologie, ursprünglich waren diese Geburts- und Geburtshilfegöttinnen) und Pertunda (römische Göttin der sexuellen Penetration) müssen wir jetzt trinken!]
Benedicat vos omnipotens Deus, Pater et Filius. [Allmächtiger Gott, Vater und Sohn, segne dich.]
S. 597: En avant, mes enfants! [Vorwärts, meine Kinder!]
Ma mère m’a mariée [Meine Mutter hat (mich) geheiratet]
Ratamplan Digidi Bum Bum [im O. Retamplan Digidi Boum Boum]
Bäderastie [im O. buggery = Sodomie, also Päderastie]
Pektoraltauma [pektoral – die Brust betreffend]
S. 598: Ardilaun [Lord Ardilaun, u.a. Teilhaber einer großen Brauerei in Dublin – hier wohl als Trinkspruch gemeint]
Hoi polloi [die Masse – Volk, Pöbel]
S. 599: Machree, macruiskeen [Gra machree ma cruiskeen, slainte geal mavourneen…. – irisches Trinklied = Oh! Die Liebe meines Herzens ist mein kleiner Krug, Strahlende Gesundheit für meinen Schatz)
Rows of cast [‚Besetzungsreihen‘]
S. 600: misse-me-schune [im O. misha mishinnah – ein böser, gewalttätiger Mensch, der weder auf den Tod noch auf das Ende vorbereitet ist]
Libation [[altrömische] Trankspende für die Götter und die Verstorbenen]
Nos omnes biberimus viridum toxicum diabolus capiat posterioria nostria. [Wir alle trinken das grüne Gift, der Teufel nimmt das Hinterste … ‚the devil take the hindmost‘: der Spruch beschreibt eine Situation, die missbilligt wird, weil Menschen nur das tun, was für sie selbst am besten ist, ohne an andere Menschen zu denken]
Bonsoir la compagnie. [Guten Abend, Gesellschaft]
S. 601: A la vôtre! [Prost!]
Geerdibung [Beerdigung – trunkend]
Tiens [halten]
S. 602: Laetabuntur in cubilibus suis. [Lasst sie auf ihren Betten laut singen]
Ut implerentur scripturae. [Damit die heiligen Schriften erfüllt würden.]

In deutscher Sprache gibt es zwei Übersetzungen, zunächst die vom Verfasser, also James Joyce, autorisierte Übersetzung von Georg Goyert (1927) – dann die 1975 erschienene Neuübersetzung von Hans Wollschläger, auf die ich mich hier beziehe (ich habe die einmalige Sonderausgabe aus dem Jahr 1979 – 1. Auflage – Suhrkamp Verlag)

siehe auch: Abenteuer Ulysses von James Joyce (01): Vorgeplänkel
Abenteuer Ulysses von James Joyce (02): 1. Kapitel – Telemachos [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (03): 2. Kapitel – Nestor [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (04): 3. Kapitel – Proteus [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (05): 4. Kapitel – Kalypso [Odyssee]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (06): 5. Kapitel – Lotophagen [Odyssee]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (07): 6. Kapitel – Hades [Odyssee]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (08): 7. Kapitel – Äolus [Odyssee]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (09): 8. Kapitel – Lästrygonen [Odyssee]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (10): 9. Kapitel – Scylla & Charybdis [Odyssee]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (11): 10. Kapitel – Symplegaden (Irrfelsen) [Odyssee]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (12): 11. Kapitel – Sirenen [Odyssee]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (13): 12. Kapitel – Der Zyklop [Odyssee]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (14): 13. Kapitel – Nausikaa [Odyssee]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (15): 120 Jahre Bloomsday

Abenteuer Ulysses von James Joyce (15): 120 Jahre Bloomsday

Heute vor nun 120 Jahren, am 16. Juni 1904, geschahen ‚Ereignisse‘ die in Dublin spielten und einen gewissen Leopold Bloom als Hauptakteur hatten. Die Geschehnisse waren natürlich fiktiv und finden sich in dem Roman Ulysses von James Joyce beschrieben. Und es spielte sich alles an einem Tag, eben jenem 16. Juni 1904, ab. Seit 1954 wird der 16. Juni als Bloomsday gefeiert und seitdem werden in Dublin jährlich Veranstaltungen zu Ehren von Joyce sowie seines Romans und dessen Figuren organisiert. Nicht selten arten diese in eine Sauftour aus

Bloomsday in Dublin – jeweils am 16. Juni
Bloomsday in Dublin – jeweils am 16. Juni

Wenngleich der Bloomsday kein gesetzlicher Feiertag in Irland ist, ist er doch in englischsprachigen Kalendern inzwischen gleichwertig neben dem Saint Patrick’s Day verzeichnet. Er ist weltweit der einzige Feiertag, der einem Roman gewidmet ist.

Der Bloomsday erhöht die Anziehungskraft der Stadt Dublin erheblich: Er gehört zu den größten Touristenattraktionen der Stadt. Im Jahr 2004 fanden in Dublin aus Anlass des hundertsten Jahrestages unter dem Motto „ReJoyce Dublin 2004“ vom 1. April bis 31. August fünf Monate währende Festlichkeiten statt.

Und eine gute Nachricht zu ‚meinem‘ Abenteuer Ulysses: Ich bin beim letzten Kapitel, dem 18. (Penelope), angelangt, habe mich sicherlich etwas zu ausführlich mit dem Roman beschäftigt (und am Ende dann doch eher nicht). Dank dem Internet habe ich jede Menge Material gesammelt, verarbeitet und dieses (bisher bis zum 13. Kapitel auch in diesem Blog nachlesbar) zu Papier gebracht (bzw. werde es noch zu Papier bringen).

… demnächst in diesem Theater
… demnächst in diesem Theater

In den nächsten Tagen (oder eher Wochen) werde ich auch den Rest des Romans hier mit einer Menge Bemerkungen vorstellen. Also Geduld, liebe Joyce-Freunde. Der Beitrag zum 14. Kapitel (Die Rinder des Sonnengottes – es spielt in einer Entbindungsanstalt) ist schon geschrieben, muss aber noch überarbeitet werden. Diese Kapitel ist eine Zeitreise durch die Entwicklung der englischen Sprache – vom Altenglischen bis zum zeitgenössischen Dubliner Slang, in der deutschen Übersetzung vom Althochdeutschen bzw. Mittelhochdeutschen zum Berliner Dialekt. Und da die meisten von uns des Alt- bzw. Mittelhochdeutschen nicht mächtig sind, so habe ich die anfänglichen Seiten 539 bis 558 des Kapitels in der Übersetzung von Hans Wollschläger [amazon] aus dem Jahr 1975 in eine heute verständliche Sprache übersetzt, mich dabei aber vom sprachlichen Duktus her an dem alt- resp. mittelhochdeutschen Text gehalten. Viel Arbeit für einen Laien in deutscher Philologie.

Alles bis bald (und Franz Kafkas 100. Todestag ist auch noch gebührend zu würdigen).

Kafka 2024: ‚Der Prozess‘ im Thalia-Theater, Hamburg – Verfilmung von Orson Welles 1962

Zum Geburtstag habe ich von meinen Söhnen ein Abo für das Thalia-Theater in Hamburg geschenkt bekommen, vielen Dank an meine Jungs. Und zum Kafka-Jahr 2024 (100. Todestag) gab und gibt es noch ein Stück von Kafka nach dessen Roman ‚Der Prozess‘:

Obwohl im Leben Josef K.s alles in einigermaßen geregelten Bahnen läuft, wird er an seinem 30. Geburtstag von einer mysteriösen Behörde verhaftet. Eine konkrete Anklage gibt es nie –nur die Konfrontation mit einem System, das K. nicht versteht: eine Albtraum-Logik, die sich seinen Erwartungen immer wieder entgegensetzt. Sein Alltag überreizt sich mit Gesetzesstrukturen. Verstörende Figuren reden auf ihn ein. Der Mensch K. wartet also auf einen Gerichtsprozess. Aber welchen Prozess durchläuft er wirklich? Macht sich K. – ganz naiv und nervös – schuldig, ohne es zu wissen?

Franz Kafka: Der Prozess (24.03.2024 – Thalia- Theater Großes Haus)
Franz Kafka: Der Prozess (24.03.2024 – Thalia- Theater Großes Haus)

Die Aufführung war typisches Regie-Theater, d.h. die Regie, die Art der Aufführung, ging deutlich vor dem Stück selbst. Nichts in meinem Sinne. Und Christa, die mit mir die Aufführung sah, erboste sich über einen nackten Josef K., der sicherlich unsere Nacktheit vor dem Gesetz symbolisierte, aber ganz dem eher prüden Autoren (Franz Kafka) widersprach.

Ganz anders die Verfilmung des Romans von Orson Welles aus dem Jahr aus dem Jahr 1962 mit Anthony Perkins (bekannt aus Hitchcocks ‚Psycho‘), Jeanne Moreau, Romy Schneider und natürlich Orson Welles selbst. In einer Kritik zum Film heißt es: Von Beginn an war klar, dass die Verfilmung von Kafkas Buch ein gewagtes, wenn nicht sogar unmögliches Unterfangen war. […] In der Zeitschrift cinema 63 stand: ‚Kafka hat durch diese Umwandlung nichts gewonnen, und seine Leser sind zu Recht enttäuscht. Das Kino ist jedoch um einen großen Film reicher geworden. Wer will sich also beklagen?‘

Kafka 2024: Denkmäler in Prag

Als ich 1982 mit einem Kumpel in der Zeit vor Ostern (und zu Zeiten des noch real existierenden Sozialismus) Prag besuchte, waren wir nicht nur des Bieres wegen dort, sondern auch um ein wenig auf Franz Kafkas Spuren zu wandeln. Viel gab es damals noch nicht von dem jüdischen Schriftsteller deutscher Sprache im Prag der k. u. k.-Monarchie Österreich-Ungarn, seiner Geburts- und fast lebenslanger Wohnstadt. Es gab lediglich eine Gedenktafel mit Kafkas Bildnis an seinem Geburtshaus (Námestí Franze Kafky, also Franz-Kafka-Platz). Immerhin. Heute scheint die tschechische Hauptstadt Prag geradezu durchtränkt von Kafka zu sein.

Kafkas Geburtshaus
Kafkas Geburtshaus

Hier einige weitere Beispiele, die mein Sohn samt Freunden bei einem Besuch in Prag im Dezember 2019 festgehalten hat.

Beispiel 1: Kafka-Denkmal (Kafka auf den Schultern seines körperlosen Vaters) in Prag
Beispiel 1: Kafka-Denkmal (Kafka auf den Schultern seines körperlosen Vaters) in Prag

Beispiel 2: Ein weiteres Kafka-Denkmal in Prag
Beispiel 2: Ein weiteres Kafka-Denkmal in Prag