Hein Sager sagt (1): Also Hein Sager sagt …

    … wie kann ein Mensch trotz seiner Gedanken mit anderen Menschen zusammenleben, wie wird er mit dem Wildwuchs seiner Gedanken, die doch den Konventionen der Gesellschaft widersprechen, fertig …

    Martin Walser: Dichten und Trachten (Jahresschau des Suhrkamp Verlags), 1958, Folge 11, S. 91

Mein Name ist Sager. Der Vorname tut eigentlich nichts zur Sache, aber wer’s wissen will, er ist Hein. Jetzt aber keine blöden Witze von wegen ‚Hein vonne Werft‘, ihr wisst, ‚das nervt‘! Also Hein Sager heiß ich. Bitte, auch keine Scherze mit Nein-Sager. Ich bin kein Nein-Sager, obwohl ich schon manchmal sage: Schluss jetzt, es reicht!

    Hein Sager sagt …

Ich will hier nicht groß philosophieren. Ich bin kein Nietzsche oder ein Descartes, der dachte, wenn er denkt, dass er ist. Dass mit dem Sein verstehe ich schon: Man ist, man existiert also, wenn man denkt. Ein schöner Gedanke …

Ich will hier auch nicht auf die Kacke hauen – wie man so sagt. Ich will sagen, was mich stört, was ich einfach nicht gut finde. Dann kann ich sagen, was okay ist in der Welt, wenn das auch nicht viel ist.

So oder so ähnlich könnte Hein Sager beginnen, zu uns zu sprechen. Hein Sager: Wer ist das? Es könnte fast jede(r) sein. Okay, mit grauem Bart und Brille komme ich sicherlich in Frage. Und vielleicht zu 80 % (mal mehr, mal weniger) bin ich das dann wohl auch. Im Hintergrund (siehe unten) sieht man Franz Kafka, der hier nur stellvertretend sein Konterfei herhalten musste (zudem als Comic-Zeichnung), dem ich ein Bild von mir ‚über(ge)legt‘ habe. Ich fand die Kafka-Zeichnung interessant und fand zudem ein Bildchen von mir, das annähernd deckungsgleich ist.

Hein Sager sagt -  Von Kafka zu Willi …

    Er muß seine Launen mir gegenüber weniger beherrschen als ich meine Launen ihm gegenüber. Ich muß mich ununterbrochen zusammennehmen. Zum Beispiel politisch. Man möchte doch öfter einmal irgendwelchen politischen Quatsch daherreden dürfen. Der Chef tut das ungeniert und frei heraus.

    Martin Walser zur Abhängigkeit vom Chef: Wer oder was leistet Seelenarbeit? unveröffentlichtes Typoskript, o.D., Archivmaterial Martin Walser

Was will Hein Sager (oder ich mit ihm) sagen? Wer kennt nicht die Abhängigkeit von seinem Chef, wie Martin Walser es beschreibt. Und auch sonst wagt es kaum einer, dem ‚Wildwuchs seiner Gedanken‘ freien Lauf zu lassen. Die Konventionen halten diese in Schacht. Und selbst wenn man er wagt, sich einmal ‚so richtig auszukotzen‘ und dazu (wie hier) versucht, es einer Kunstfigur in den Mund zu schieben, gelingt das nur ungenügend. So glaube ich, es sei denn, man beginnt damit, darauf hinzuweisen, dass man sich ‚von dem Folgenden‘ (der Folgen wegen) von vornherein distanziert. Das wäre dann unaufrichtig.

Aber soweit will ich mit Hein Sager gar nicht gehen. Er ist eine Kunstfigur, die sagt, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Das könnte mein Schnabel sein – es ist aber eher der Schnabel vieler. Eben derer, die sonst ihren Schnabel halten.

Noch eins: Hein Sager benutzt (wie ich) oft Anführungszeichen, auch ‚Gänsefüßchen‘ (sic!) genannt. Wir kennen das Zeichen: Zeige- und Mittelfinger beider Hände ausgestreckt und gegeneinander leicht versetzt in der Luft winkend. Es heißt, so meine ich es nicht wirklich, so meinen es andere. Wenn man schreibt, ist das klar. Da stehen die Häkchen unten und oben. Beim Sprechen hilft nur die genannte Geste. Das Gesagte oder Geschriebene ist ohne Anführungszeichen eine These, die dann durch die Anführungszeichen gewissermaßen zur Antithese wird. Was darauf folgt, sollte dann die Synthese sein. Man nennt das Dialektik.

Jethro Tull: Minstrel in the Gallery – 40th Anniversary La Grande Édition

Nachdem Benefit, dann Thick as a Brick, A Passion Play und zuletzt War Child neu aufgelegt wurden, d.h. Steven Wilson diese Scheiben von Jethro Tull stereo neu abgemischt und auch noch als DVD in 5.1-Version bereitgestellt hatte – das dann samt viel (teilweise bisher unveröffentlichtem) Bonusmaterial und auch einigen Videosequenzen angereichert wurde, war der Chronologie entsprechend Minstrel in the Gallery dran.

    Jethro Tull: Minstrel in the Gallery – 40th Anniversary La Grande Édition

Diesmal habe ich mir etwas Zeit mit dem Kauf gelassen, denn erwartungsgemäß fällt der Preis (inzwischen von 29,99 € auf 26,99 €), wenn auch die knapp 30 € für diese Edition von 2×2 CDs/DVDs angemessen sind: Minstrel in the Gallery | 40th Anniversary La Grande Edition besticht wieder einmal durch das Remix von Steven Wilson. Alle Instrumente kommen klar heraus. Man hört endlich den Bass und das Schlagzeug genauso deutlich heraus wie die anderen Instrumente. Es ist die reinste Freude (dabei habe ich erst das Stereo-Remix gehört und bin gespannt auf die 5.1-Version).


First look: Jethro Tulls Minstrel in the Gallery – 40th Anniversary La Grande Édition

Natürlich gibt es auch diesmal wieder reichlich Bonusmaterial. Besonders interessant ist dabei eine frühe Version von Requiem, das mir in der Instrumentalisierung fast besser gefällt als das Original, das ich etwas zu kitschig finde. Ebenfalls andere Versionen gibt es von One White Duck und Grace. Und dann ist da noch das geradezu legendäre Live-Konzert aus den Palais Des Sports, Paris, vom 5. Juli 1975 in einem Stereo-Mix und auch als 5.1-Version von Jakko Jakszyk. Bei diesem Konzert wurden auch Filmaufnahmen gemacht, allerdings enthält diese Edition nur die bereits im Netz öfter schon veröffentlichte Aufnahme von Minstrel in the Gallery – immerhin. Ergänzt wird das alles mit einem 80-seitigen Booklet mit reichlich Material zur Entstehung dieses Albums.


Jethro Tull – Minstrel in the Gallery (Full…

Am besten gefällt mir immer noch Baker Street Muse, ein fast 17-minütiges Stück, welches das Dasein eines Straßenmusikers in der Londoner Baker Street beschreibt – Anderson lebte 1974 in dieser Straße. Das Stück ist ähnlich einer Suite in sechs Teile untergliedert.

Diese neue Edition von Minstrel in the Gallery erreichte übrigens Platz 14 der deutschen Charts. Für Hardscore-Tull-Fans ist natürlich auch dieses Viererpaket ein Muss, für alle anderen, die an der Rockmusik der 1970-er Jahre Interesse zeigen, durchaus eine Bereicherung.


Jethro Tull – Minstrel in the Gallery (live at Tampa Stadium, on 31th July 1976 in Tampa, Florida/USA)

Lavinia und Edgar

Eigentlich wollte ich zunächst etwas zu Martin Walser und die Krimis, seine Krimis schreiben. Ja, Walser hat auch Kriminalromane verfasst. Aber oft kommt man vom Weg ab, so auch ich: Bekanntlich hat Walser eine Tochter, Franziska Walser, die Schauspielerin ist. Und diese ist wiederum mit einem Schauspieler, Edgar Selge, verheiratet. Beide waren öfter schon im Tatort und im Polizeiruf 110, beides Krimiserien der ARD, zu sehen – Selge sogar in zwanzig Folgen der Polizeiruf 110-Reihe als Kriminalhauptkommissar Tauber in München und Umgebung.

    Tatort – TV-Reihe der ARD (seit 1970)

Zum ersten Mal gesehen habe ich Edgar Selge in einer Tatort-Folge aus Hamburg mit den Ermittlern Paul Stoever (Manfred Krug) und Peter Brockmöller (Charles Brauer) aus dem Jahr 1989: Armer Nanosh. Das Drehbuch hierzu schrieb sein Schwiegervater, Martin Walser (womit wir wieder bei diesem wären), zusammen mit Asta Scheib.

Warum ich eigentlich auf Selge komme: Letzte Woche gab es im ZDF den Kriminalfilm Hattinger und die kalte Hand, der am Chiemsee spielt. Den namensgebenden Kommissar spielt übrigens Michael Fitz, den wir bis 2007 insgesamt 15 Jahre als Assistent Carlo Menzinger der Münchner Tatort-Ermittler, Batic und Leitmayr, kennengelernt haben. Selge spielt in dem Chiemseekrimi mit Bravour den Mörder Ostermeier, von dem er sagt: „Ostermeier ist eine Art Michael Kohlhaas im Endstadium. Das Leid, das er in seinem Leben erfahren hat, empfindet er so tief, es hat sich über so viele Jahre angestaut, dass seine Zerstörungswut unendlich ist. Die Anarchie hat den Kleinbürger fest im Griff. Da ihm sein eigenes Leben nichts mehr bedeutet, gibt er sich sturzartig all seinen Stimmungen hin. Ein Mensch in seinem Urzustand.“


Hattinger und die kalte Hand – ein Chiemseekrimi (2013)

Schon zuvor glänzte Edgar Selge in der Berliner Tatort-Folge Machtlos aus dem Jahr 2013, in der er ein bewegendes Psychospiel mit den Kommissaren Ritter und Stark treibt. Dank Selge sicherlich eines der besten Tatort-Folgen.


Tatort (858) Berlin: Machtlos (2013)

Letzte Woche gab es (ebenfalls als Wiederholung) auf 3Sat dem Kriminalfilm Ein Dorf sieht Mord aus dem Jahr 2009 mit Lavinia Wilson, die darin eine schillernde Darstellung bietet. Dieser Krimi verbindet den Plot mit einem Meilenstein in der Geschichte der Anti-Atomkraft-Bewegung, dem von Mai bis Anfang Juni 1980 bei Gorleben eingerichteten Hüttendorf „Republik Freies Wendland“. Dank Lavinia Wilson ein sehenswerter Film.


Ein Dorf sieht Mord (2009)

Lavinia Wilson spielte ebenfalls in mehreren Tatort-Folgen, zuletzt in dem Kieler Tatort Borowski und der Engel aus dem Jahr 2013 die Altenpflegerin Sabrina Dobisch und bietet dabei ein spannendes Porträt einer Borderline-Persönlichkeit. Borowski-Tatorte sind meist schon etwas Besonderes, dieser ist ein ganz besonderer (siehe u.a. meinen Beitrag Tatort auf Tatort …).


Tatort (892) Kiel: Borowski und der Engel (2013)

Lavinia und Edgar – Lavinia Wilson und Edgar Selge: Beide gehören ohne Zweifel zur ersten Garde deutscher Schauspieler bzw. Schauspielerinnen. Übrigens sucht Lavinia Wilson für den 8. und 9. August Statisten in Berlin. Wer also gerade zu der Zeit in unserer Bundeshauptstadt weilt …:

Fußball – online

Bis der Ball in der Fußball-Bundesliga wieder rollt, dauert es noch einige Zeit (am Freitag, den 14. August, empfängt Bayern München den HSV zum Saisonauftakt). Das heißt aber nicht, dass bis dahin nichts los wäre, was das Runde anbelangt, das ins Eckige muss. Bis zum 31.08.2015 12:00 Uhr ist nämlich das Transfer-Fenster offen, d.h. bis dahin dürfen die Profivereine des deutschen Fußballs wie auf einem Sklavenmarkt Spieler kaufen bzw. verkaufen.

Und damit sind wir bereits auf eine Website gestoßen, die uns detailliert über Spieler, Vereine und Ligen dieser Welt informiert, was Marktwerte und Transfersummen einschl. der Gerüchte um mögliche Transfers betrifft. Dabei erfährt man auch vieles über die ‚Leistungsdaten‘ der Spieler, über die Kader der Vereine und ich weiß nicht, was sonst noch: transfermarkt.de

Eine für Fußballfans (aber auch andere Sportfans) höchst interessante Website ist ergebnisselive.com. Hier bekommt man so ziemlich alle Ergebnisse aller Fußballspiele unseres Globus geliefert – mit Liveticker, Statistiken, Mannschaftsaufstellungen – und nach dem Spiel meist auch mit Videos von den Höhepunkten des Spiels samt der Tore.

Bei kicker online schaue ich vorbei, wenn ich es etwas genauer wissen will (Spielberichte usw.). Apropos Kicker: Das Wort ist wie Handy, Beamer usw. ein Wort, das englisch klingt, aber (zumindest in der Wortbedeutung) nicht englisch ist. Auf der britischen Insel ist das, was wir Kicker nennen, ganz einfach ein Football Player.

    WilliZ Dauerkarte bei ‚11 Freunde‘

Eigentlich lese ich keine Zeitung und habe auch nicht viel für Zeitschriften übrig: alles Papierverschwendung! Jetzt habe ich mir aber doch ein Abonnement zugelegt: 11 Freunde – Magazin für Fußballkultur – natürlich auch online für lau erhältlich. Mir gefällt das ganz einfach, wie hier witzig, sogar auf gewissen höherem literarischen Niveau über Fußball gefachsimpelt wird. Wirklich empfehlenswert.

Wenn’s denn wieder soweit ist (Bundesligastart), dann rufe ich natürlich bundesliga.de auf: Hier ist man live (Ticker mit Aufstellung und Statistiken – und Radioreportagen) dabei und hat alle laufenden Spielpaarungen der ersten und zweiten Liga auf einem Blick. Ergänzt wird das alles durch Videos, Spielberichte usw. usf.

Natürlich gucke ich auch bei den Öffentlich-Rechtlichen immer wieder gern vorbei: sportschau.de der ARD oder zdfsport.de – da finde ich auch alle anderen Sportarten ausführlich kommentiert und in Bildern/Videos. Bei großen Sportveranstaltungen (z.B. Olympia) werden extra Startseiten geschaltet, über die ich dann alles Wichtige erfahren kann.

Das ist so meine Fußballwelt – online. Natürlich gibt es noch viele andere Websites, die über die (zweit-)schönste Nebensache der Welt informieren: spox.comsport1.de90min.com uvm. Als Werder-Fan besuche ich natürlich immer wieder die Werder-Seite und die Werder-Seiten von weser-kurier.de und kreiszeitung.de aus dem Bremer Umland.

Was sind Eure Websites, über die Ihr Euch über die sportlichen Ereignisse dieser Welt online informiert? Und warum gerade die? Vielleicht schreibt Ihr mir ja einen kleinen Kommentar. Ich freue mich auf jeden Fall! 😉

221B Baker St

221B Baker Street, City of Westminster, London NW1 6XE, England – bei dem es bei dieser Anschrift nicht klingelt, der hat mit den beiden Helden, die hier wohnen (gewohnt haben) nichts am Hut, oder? Sherlock Holmes und Dr. John Watson! Okay, auch noch Mrs. Hudson, die Vermieterin.

Sherlock, die Fernsehreihe der BBC: 221B Baker St

Eigentlich gibt es diese Anschrift (Hausnummer 221 B) im wahren London nicht und hat es nie gegeben. Einige Häuser weiter (232 Baker St) gibt es dafür das Sherlock Holmes Museum, das sich allerdings mit der Hausnummer 221 B schmückt. Sei es darum …


Sherlock Holmes Museum – 232 Baker Street, London

Nun (für die, die es immer noch nicht wissen), Sherlock Holmes ist eine vom britischen Autor Sir Arthur Conan Doyle geschaffene Romanfigur, die zur Zeit des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts als Detektiv tätig war. Dr. Watson ist der Assistent, Freund und Mitbewohner von Sherlock Holmes (Weiteres siehe auch in meinem Beitrag Sherlock Holmes).

Holmes besticht durch seine neuartige forensische Arbeitsmethode, die ausschließlich auf detailgenauer Beobachtung und nüchterner Schlussfolgerung beruht. Er gilt bis heute weithin als Symbol erfolgreichen analytisch-rationalen Denkens und als Stereotyp des Privatdetektivs. Das Werkverzeichnis um den Detektiv umfasst 56 Kurzgeschichten und vier Romane.

Wie man es sich denken kann, so wurden die Abenteuer von Holmes und Watson oft verfilmt. Natürlich sind viele Filme auch als DVD/Blu-ray Sherlock Holmes erhältlich. 2009 gab es eine Produktion mit Robert Downey Jr. als Sherlock Holmes und Jude Law als Dr. Watson, welcher 2011 einen Nachfolger erhielt. Beide Filme sind keine direkten Adaptionen von Arthur Conan Doyles Geschichten. Allerdings gibt es einige Bezüge zu diesen. Regie führte in beiden Fällen Guy Ritchie, zu dem ich später (an anderer Stelle) noch einmal kommen werde.

Sherlock, die Fernsehreihe der BBC

Seit 2010 läuft nun die britische Fernsehserie Sherlock, in der die Kriminalgeschichten von Conan Doyle in die heutige Zeit übertragen wurden. Die Briten Benedict Cumberbatch und Martin Freeman (den wir als Bilbo Beutlin aus der Hobbit-Trilogie kennen) spielen Sherlock Holmes und Dr. John H. Watson. Bisher gab es drei Staffeln zu je drei Folgen. An einer vierten Staffel wird wohl gerade noch geschrieben. Diese dürfte voraussichtlich erst im Sommer 2016 ins deutsche Fernsehen kommen. Eine fünfte Staffel ist auch schon geplant. Allerdings ist ein so genanntes Special abgedreht, das in diesen Tagen im britischen Fernsehen gezeigt wird. Diese Extrafolge, die übrigens ins viktorianische England des Holmes-Autoren Arthur Conan Doyle, also zurück zu den Wurzeln geht, soll es zu Weihnachten geben. Hier schon einmal ein Vorgeschmack im englischen Original:

Die Serie hat bisher ohne Ausnahme hervorragende Kritiken bekommen. Irgendwie hatte ich allerdings ‚den Anschluss‘ verpasst. In den letzten Wochen wurden dann aber in der ARD die ersten sechs der insgesamt bisher neun Folgen jeden Freitag wiederholt. Und die letzten drei Folgen gab es um die Osterzeit in diversen dritten Programmen.

Sherlock, die Fernsehreihe der BBC: Dt. John Watson und Sherlock Holmes

Ja, ich habe mir inzwischen alle Folgen der Serie Sherlock angeschaut und kann die Kritiken nur bestätigen. Was wie ein Wagnis klang, nämlich Holmes und Watson ins 21. Jahrhundert zu verpflanzen, hat sich als Glücksfall erwiesen. Dazu trägt natürlich auch die hervorragende Schauspielerleistung bei – nicht nur in den Haupt-, sondern auch in den Nebenrollen.

Sherlock Holmes (mit vollem Namen William Sherlock Scott Holmes) tritt wie in den Originalgeschichten als beratender Privat-/Amateur-Detektiv („consulting detective“) auf, der dank seiner genauen Beobachtungen und schnellen Schlussfolgerungen („Deduktionen“) der Polizei, von der er häufig konsultiert wird, weit überlegen ist. In der modernen Version arbeitet er bei der Aufklärung der Verbrechen mit moderner Technik des beginnenden 21. Jahrhunderts wie SMS, Internet und GPS. Sherlock macht sich häufig über die Hilflosigkeit der Polizei-Beamten lustig und stellt sie als inkompetent dar. Andererseits wird er von ihnen für seine Exzentrik und Andersartigkeit nicht selten verspottet. Er ist immer wieder veranlasst klarzustellen, er wäre kein Psychopath, sondern vielmehr ein hochfunktionaler Soziopath.

Dr. John Hamish Watson ist der pragmatische Assistent Holmes‘ und ein Mann von gesundem Menschenverstand. Holmes weiß das trotz seiner exzentrischen Art sehr zu schätzen. Als eine Art Running Gag kommt es immer wieder vor, dass man beide für schwul hält. Als Dr. Watson Mrs. Hudson, der Vermieterin, mitteilt, dass er bald heiraten wird, fragt diese, wer denn DER Glückliche wäre. So muss Dr. Watson erklären, dass es eine SIE ist – und er nicht schwul sei.

Ziemlich in der Nähe der Baker Street fand man übrigens in der North Gower Street den geeigneten Drehort für das Haus, in denen Holmes und Watson bei Mrs. Hudson wohnen.


Drehort: North Gower Street, London

Holmes und Watson sind typisch britisch. Und wie sehr ich das Britische mag, habe ich an anderen Stellen in diesem Blog oft genug kundgetan (siehe insbesondere auch Willi und die Swinging Sixties). Es sind diese besonderen Typen, meist sehr exzentrisch und skurril, und der schwarze Humor der Briten, die mir gefallen. Davon hat die Sherlock-Serie eine Menge. Was mir gefällt, das mögen meine Söhne meistens auch. Nachdem mein ältester Sohn, der in Göttingen wohnt, die erste Folge gesehen hatte, kam schon eine Hilferuf nach den weiteren Folgen. Obwohl die jeweiligen Folgen von der Handlung her abgeschlossen sind, so empfehle ich doch, die Serie chronologisch anzuschauen, weil es immer Rückbezüge gibt, die man nicht verstehen wird, wenn man die vorhergehenden Folgen nicht gesehen hat.

Die Sherlock-Serie ist ein kleines Meisterwerk voller herrlicher Einfälle. Ich freue mich schon auf die Special-Folge – und natürlich auf die vierte Staffel. Wie gut, dass ich mir die Zeit bis dahin mit vielen noch nicht gesehenen Tatort-Folgen vertreiben kann (obwohl diese Serie, was neue Folgen anbelangt, bis zum 6. September Sommerpause eingelegt hat).

Mark Twain: Die Tagebücher von Adam und Eva

Liebe auf den ersten Blick war es weiß Gott nicht – so lässt sich der Beginn der Romanze zwischen Adam und Eva beschreiben, wenn wir uns nicht auf die Genesis, sondern auf die Tagebücher berufen, die Mark Twain (1835-1910) seinen biblischen Protagonisten in die Federn diktierte. Mit ebenso humor- wie liebevoller Nachsicht verhandelt der weltberühmte amerikanische Autor hier die keineswegs paradiesischen Unzulänglichkeiten der Geschlechter am Beispiel des ersten Traumpaars der Geschichte. Dass die beiden schließlich doch noch zueinanderfinden, ist ein seltenes Glück für die Menschheit – und für den Leser!

Die Tagebücher von Adam und Eva von Mark Twain gibt es mit paradiesischen Bildern von Henri Rousseau als ‚handfestes‘ Büchlein, gegen das ein digitales Format (eBook) einfach nicht mithalten kann.

Mark Twain: Die Tagebücher von Adam und Eva

Mark Twain ist bekanntlich der ‚Vater‘ von Tom Sawyer und Huckleberry Finn, den wohl bekanntesten Jugendlichen der US-amerikanischen Literatur. Einst als Gegenkonzept zu den damals üblichen Kinderbüchern über Musterknaben und braven Mädchen entworfen, haben diese Klassiker der Jugendliteratur bis heute ihren Reiz nicht verloren.

Aber zurück zu Adam und Eva: Mark Twains kleiner Text hat Übersetzer förmlich wie Nektar die Bienen angezogen, dermaßen viele Übersetzung scheint es zu geben. Hier die ersten Sätze aus Adams Tagebuch:

Mark Twain: Die Tagebücher von Adam und Eva
ist ganz schön lästig. Ständig treibt es sich hier herum und folgt mit überall hin nach. Das behagt mir gar nicht, Gesellschaft bin ich nicht gewohnt. Wenn es doch bloß bei den anderen Tieren bliebe.

Und hier eine weitere Version (neu übersetzt vom Kim Landgraf):

Dieses neue Wesen mit den langen Haaren ist ziemlich im Weg. Es lungert immer irgendwo herum und rennt mir hinterher. Das gefällt mir nicht. Ich bin Gesellschaft nicht gewöhnt. Ich wünschte, es würde bei den anderen Tieren bleiben …

Im deutschen Projekt Gutenberg findet sich eine Übersetzung von Arno Niemer (© 2003):

Dieses neue Geschöpf mit den langen Haaren steht mir ganz schön im Weg. Es lungert nur rum und rennt hinter mir her. Ich mag das nicht, ich hatte vorher ja auch keinen Begleiter. Warum bleibt es nicht bei den anderen Tieren?

… und ebenda noch eine Übersetzung (ohne Namensnennung):

Dieses neue Geschöpf mit dem langen Haar fängt an, mir sehr im Wege zu sein. Es ist immer hinter mir her und lungert beständig um mich herum. Ich mag das nicht; ich bin nicht an Gesellschaft gewöhnt. Ich wünschte, es bliebe bei den übrigen Tieren …

siehe auch (im englischen Original):
Eve’s Diary, Complete by Mark Twain
The Entire Project Gutenberg Works of Mark Twain by Mark Twain

siehe außerdem: Heute Ruhetag (11): Mark Twain – Die Schrecken der deutschen Sprache

Pest und Post – das passt …

Der Streik bei der Post ist schon seit einigen Tagen beendet. Trotzdem kommt es natürlich noch zu Verzögerungen bei der Zustellung von Briefen und Paketen. Ich kann den Streik gut nachvollziehen. Fürs Paketgeschäft gründete die Deutsche Post Anfang 2015 neue Gesellschaften, in denen die rund 6500 Mitarbeiter weniger Lohn als ihre Kollegen im Konzern erhalten (20 bis 30 Prozent schlechterer Bezahlung als im Ver.di-Haustarif). Klar, die Konkurrenz der Post ist groß. Aber diese besondere Form des Outsourcings, also der Auslagerung von Unternehmensaufgaben ist doch sehr anrüchig. Am Ende bleibt‘s aber bei wie gehabt: ein Armutszeugnis für die Gewerkschaft!

Es geht wie in allen Wirtschaftsbereichen um Kosteneinsparungen. Das führte u.a. dazu, dass ab Mitte der 1990er Jahre viele der früheren Postämter geschlossen oder in Postagenturen bzw. „Postfilialen im Einzelhandel“ umgewandelt, sprich: privatisiert wurden. So war bei mir zu Hause in Tostedt die Filiale aus der Poststraße (sic!) bereits in die Bahnhofsstraße gezogen, wurde dann 2006 mit wechselnden Eigentümern Postagentur gegenüber dem Kaufhaus Bade an der B75 (Kastanienallee/Ecke Poststraße), um als Filiale wieder zurück in die Bahnhofstraße zu ‚wandern‘. – Und in Grainau an der Zugspitze, wo wir 2012 Urlaub gemacht hatten, war die Postagentur bereits ganz geschlossen …

Deutsche Pest AG

Ich bin nun seit 45 Jahren Kunde der Postbank (die damals 1980 noch Postscheckamt hieß) und habe mein Geld schon bei vielen Postämtern, -agenturen bzw. -filialen abgehoben. Aber das Folgende ist mir dann doch neu: Da ich in Hamburg arbeite (nahe Schanzenviertel), hebe ich Geld, wenn ich es brauche, beim Geldautomaten der sich in der Nähe befindlichen Postfiliale ab. Die war bis zum 30. Juni in der Susannenstraße – und ist seitdem in einer Querstraße, in der Bartelsstraße als Filiale im Einzelhandel (also privatisiert) zu finden. Gestern nun machte ich mich bei Sturm auf, um mein Portemonnaie aufzufrischen. Nur stand der Geldautomat – schon aufgebockt für den Weitertransport, also außer Betrieb – noch in der alten, geschlossenen Filiale. Geldauszahlungen am Schalter sind in der neuen Filiale aber nicht vorgesehen. Unverrichteter Dinge durfte ich wieder gehen (Natürlich bekomme ich Geld auch bei anderen Bankinstituten). Spätestens nächste Woche soll der Umzug des Geldautomaten endlich vollzogen sein. Denn bei der Post geht es nicht so schnell …

Ich frage mich, ob Pest und Post den gleichen etymologischen Ursprung haben. Okay, das Wort Post wurde im 16. Jh. aus italienisch. ‚posta‘ entlehnt, das zunächst „festgelegter Ort“ bedeutete und aus lateinisch ‚posita‘ „bestimmt, festgelegt“ stammt; das italienische Wort entwickelte die Bedeutung „Wechselstation“ und meinte zunächst den Ort, an dem berittene Boten ihre Pferde auswechselten; das Wort gelangte im 15. Jh. ins Deutsche und verallgemeinerte seine Bedeutung zu „Postamt“ sowie „mit der Post versendete Dinge“. Das Wort Pest ist seit dem 14. Jahrhundert bezeugt; von lateinisch pestilentia, zu pestis, „Seuche, Unglück“.

Weltkulturerbe: Speicherstadt und Kontorhausviertel mit Chile-Haus

Wer Hamburg besucht, sollte sowohl die Speicherstadt als auch das Kontorhausviertel besuchen, nicht nur (aber vielleicht doch auch deshalb) weil beides seit wenigen Tagen zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört – so wie Kölner Dom, das klassische Weimar oder die Museumsinsel in Berlin (Welterbe in Deutschland). Mit der Eintragung von Speicherstadt und Kontorhausviertel mit Chilehaus wird deren Bedeutung als einzigartige Symbole für die Geschichte des Handels gewürdigt. Hierzu nachträglich herzlichen Glückwunsch der Stadt Hamburg!

Speicherstadt Hamburg © Wilfried Albin 2011

Die Speicherstadt in Hamburg ist der größte auf Eichenpfählen gegründete Lagerhauskomplex der Welt. Sie steht seit 1991 unter Denkmalschutz. Sie wurde ab 1883 als Teilstück des Hamburger Freihafens erbaut, der erste Abschnitt war 1888 fertiggestellt.

Das Kontorhausviertel ist die Bezeichnung für den südöstlichen Bereich der Hamburger Altstadt zwischen der Steinstraße, dem Meßberg, dem Klosterwall und der Brandstwiete. Es ist gekennzeichnet durch die großen Kontorhäuser im Stil des Backsteinexpressionismus des frühen 20. Jahrhunderts. Zentraler Platz ist der Burchardplatz.

Die Speicherstadt gehört zur HafenCity Hamburg, wo bis Mitte der 2020er Jahre ein neuer Stadtteil entsteht. Es ist das größte innerstädtische Stadtentwicklungsprojekt in Europa. Sollten die Olympischen Sommerspiele 2024 nach Hamburg vergeben werden, dann wird gegenüber der HafenCity auch die Olympic City mit Olympischem und Paralympischem Dorf,, Olympiastation, Schwimmhalle und Olympiahalle gebaut werden.

siehe hierzu auch meinen Beitrag: Speicherstadt und HafenCity Hamburg

Andreas Hock: Bin ich denn der Einzigste hier, wo Deutsch kann?

    „Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen.“
    Johann Wolfgang von Goethe: Theaterdirektor Serlo zu seinem Freund Wilhelm Meister

Nun ja, der Titel des Buchs Bin ich denn der Einzigste hier, wo Deutsch kann? – Über den Niedergang unserer Sprache von Andreas Hock hat mich ‚aufgeschreckt‘. Und dass es mit unserer deutschen Sprache nicht gerade zum Besten bestellt ist, war mir schon länger bekannt. Aber gleich vom Niedergang sprechen …? Ich selbst habe mich in diesem Blog bereits weitreichend mit dem ‚Niedergang‘ der deutschen Sprache beschäftigt (siehe unten, dort findet Ihr mehrere Handvoll Links auf meine Beiträge zu dem Thema).

    Andreas Hock: Bin ich denn der Einzigste hier, wo Deutsch kann? - Über den Niedergang unserer Sprache

Zum Titel des Buchs: Der Duden sagt, dass „einzig“ normalerweise nicht gesteigert wird, schließt es also nicht bedingungslos aus. Selbst ein Autor wie Martin Walser („Er habe seit längerem geglaubt, er sei schon alt. Das war, wie er jetzt wisse, ein naseweises Anempfinden. Das einzigste, was ein wenig in die richtige Richtung ging, war eine Art Mitleid mit Alten.“ in Der Augenblick der Liebe auf Seite 200) lässt das Wort in ‚gesteigerter Form‘ zu. Fündig wurde ich dann u.a. auch in Übersetzung zu Anthony Burgess‘ 1985, André Gides Die Falschmünzer bzw. Umberto Ecos Der Friedhof in Prag (auch Heinz Strunk in Fleisch ist mein Gemüse benutzt die Steigerung). Es ist mehr ein logisches, als ein sprachliches Problem. Und ein ‚wo‘ statt des Relativpronomens „der“ ist im Duden als landschaftlich salopp (dem Süddeutschen entlehnt) beschrieben.

Es war einmal eine Sprache, die vor lauter Poesie und Wohlklang die Menschen zu Tränen rührte. Die von Dichtern und Denkern immer weiter perfektioniert wurde. Die um ein Haar auf der ganzen Welt gesprochen worden wäre. Das aber ist lange her – und ein für alle Mal vorbei. Heute ist Deutsch ein linguistisches Auslaufmodell!

Wie konnte es nur so weit kommen, dass unsere Kids zwar wissen, wer der Babo ist – aber keine Ahnung haben, wer dieser Goethe war? Warum wundern wir uns nicht, wenn uns die Werbung von Care Companys, Createurs d’Automobiles oder Sense and Simplicity erzählt? Und wieso, verdammt noch mal, nennen wir unsere Kinder Justin, Cheyenne oder Jeremy?

Andreas Hock fand Antworten auf diese und viele anderen Fragen über den Niedergang unserer Sprache – der eigentlich vor Hunderten von Jahren schon begann und an dem nicht nur Friedrich der Große, Adolf Hitler oder Helmut Kohl Schuld sind. Sondern voll wir alle, ey!
(Umschlagtext des Buches)

Soviel sei gleich gesagt, Andreas Hock ist nicht unbedingt ein Sprachpurist, geschweige denn ein Bewahrer der deutschen Sprache. Dazu dilettiert er zu sehr im Gebiet der Linguistik. Sein Buch will in erster Linie provozieren, versteht sich als Polemik und ist dabei durchaus witzig zu lesen. So neigt der Autor neben all den Verallgemeinerungen zu gewollten Übertreibungen, z.B. die Verwendung des Apostrophes: Bertha’s Snack’s. Leider wird beim Genitiv ziemlich häufig dieses kleine Häkchen verwendet, auch wenn es nur bei Namen erlaubt ist, die auf S und ähnliche Zischlaute enden (z.B. Klaus‘ Snacks). Das Plural-S ist dagegen nicht nur schlechtes Deutsch, sondern Dummheit wie ‚hausgemachte’s Rind’sgulasch‘. Solche und ähnliche Beispiele sind ausgesprochene Einzelfälle und belegen in keiner Weise den Niedergang unserer Sprache, sondern nur die Dummheit einzelner Personen. Das hätte sich Herr Hock ersparen können.

Sicherlich ist ein großes Problem die große Flut von Anglizismen. Nur sollte man schon einen Unterschied zwischen normalen sprachlichen Entwicklungen, dem Gebrauch in Fachsprachen und wirklichen Missständen machen (z.B. das Denglische). Ein Übel, wenn vielleicht auch ein notwendiges, ist die Verwendung von Abkürzungen, besonders in Fachsprachen (z.B. in der IT, also Informationstechnik).

Apropos Informationstechnik: Andreas Hock hegt eine allumfassende Abneigung gegen alles, was mit moderner Kommunikationstechnik (z.B. Internet) zu tun hat und macht gerade hier den Verfall unserer Sprache aus. E-Mails und Kurznachrichtendienste (SMS) sind die Brutstätte verbaler Unzulänglichkeiten. In Wikipedia erkennt er „das Speicherplatz gewordene Nachschlagewerk der Oberflächlichen“ (S. 88) und bleibt selbst äußerst oberflächlich. Es ist ja nicht so, dass er völlig Unrecht hätte. Was ich z.B. täglich an E-Mails bekomme wimmelt nur so von Flüchtigkeitsfehlern. Aber – bezogen auf Jugendliche – um eine SMS zu schreiben, muss man immerhin lesen und schreiben können.

Der Autor ist kein Freund der neuen Rechtschreibung. Auch ich habe seinerzeit besonders die Konzeptlosigkeit des Rats für deutsche Rechtschreibung bemängelt. Vor rund 10 Jahren gab es ein einziges Tohuwabohu, z.B. weil Schriftsteller und Zeitungen anders schrieben, als es die offizielle Rechtschreibung verlangte. Inzwischen hat sich das längst geglättet und auch ein Schriftsteller wie Martin Walser schreibt nach den neuen Rechtschreibregeln. Eigentlich ist die Debatte um die Rechtschreibreform längst der Schnee von gestern. Nicht so bei Herrn Hock, der zudem noch Zusammenhänge herstellt, die bei den Haaren herbeigezogen sind. Er schreibt: Laut einer Studie der Universität Hamburg von 2011 können nun 7,5 Millionen Menschen in unserem Land nicht richtig lesen und schreiben. Das sind: drei Millionen mehr als vor der Reform! (S. 161)

Andreas Hocks Buch ist in erster Linie dem wohlfeilen Sinnen vieler selbsternannter Sprachhüter geschuldet und von daher eher ein Ärgernis als ein Appell, sich der Wurzeln der deutschen Sprache zu bedienen, dieser also wieder neues Leben einzuhauchen.

Der Autor begibt sich in die Niederungen der Deutschen Sprache und meint nun, alles und jedes dort Aufgewühlte verallgemeinern zu müssen. Er fürchtet den Verlust der deutschen Identität. Nur versteht er sicherlich etwas anderes darunter als z.B. ich. Unsere Sprache des Alltags ist nun einmal nicht voll ‚lauter Poesie und Wohlklang‘. Im Zusammenhang mit der neuen Rechtschreibung schrieb ich vor etwa anderthalb Jahren: Ich denke, dass man eindeutig unterscheiden muss, nämlich zwischen einer amtlichen Rechtschreibung, die z.B. für Behörden, Gerichte, natürlich auch für Schulen gültig ist, und einer ‚nichtamtlichen’, bei der dann allerdings „jeder nach eigenem Gutdünken schreiben darf“. Letztere sollte man positiv sehen: Es gab und gibt genügend Schriftsteller, die sich bewusst nicht an die amtliche Rechtschreibung halten und sei es nur, um ungewöhnliche Wortneuschöpfungen zu kreieren. Sprache hat auch etwas mit Phantasie zu tun – und der sind bekanntlich keine Grenzen gesetzt, auch keine amtlich reglementierten.

Lächerlich, aber gekonnt im Buch platziert ist dabei der wiederholte Hinweis, dass deutsch „um ein Haar auf der ganzen Welt gesprochen worden wäre“: Erst fast Weltsprache, jetzt nur noch Auslaufmodell! So ein Buch verkauft sich ‚wie warme Semmeln‘.

siehe auch ein Interview mit Andreas Hock in der Süddeutschen Zeitung – Magazin

Bevor ich auf meine eigenen Beiträge ‚in dieser Sache‘ verweise, möchte ich einige Fehler in dem Buch aufdecken, die ich ärgerlich finde. Zunächst geht es um die Brüder Grimm (S. 34). Hier vermischt Herr Hock die Deutsche Grammatik, die allein Jacob Grimm verfasst hat, mit dem Mammutwerk des Deutschen Wörterbuchs. Ich habe den Eindruck, dass Herr Hock bisher noch nie einen Blick in dieses Wörterbuch geworfen hat.

Herr Hock spricht von der Beatgeneration (S. 47) der Sechzigerjahre und Beatniks (S. 93) und meint wohl die Generation der so genannten Beatmusik (Beatles, Rolling Stones usw.). Als Beat Generation wird eine Richtung der US-amerikanischen Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg in den 1950er Jahren bezeichnet und ist als solches ein fester Begriff. Und R ‘n‘ B (Rhythm and Blues) war gewissermaßen der Vorläufer des Rock ’n’ Roll, gab es also nicht zeitgleich mit Techno, Hip-Hop usw. (S. 132).

    So wühlt man sich durch den deutschen Wortschatz

siehe auch meine Beiträge:
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm
Von Archaismen und Neologismen
technosexual lifestyle
Was ist ein Jackpot?
You need Zugzwang
Wenn der Amtsschimmel wiehert
Typisch deutsch: Gemütlichkeit
Wörterbuch der Szenesprache
Man spricht Deutsch
Bedrohte Sprachen in Deutschland
Daher der Name Bratkartoffel (1)
Daher der Name Bratkartoffel (2)
Kafkas Wortschatz und Kiezdeutsch
Wortschatz
Unworte
Deutsch 3.0
Jugendkriminalität und das geschriebene Wort

Blech statt Gold Bronze

Tore entscheiden nun einmal ein Fußballspiel. Im Spiel um Platz drei bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Kanada musste sich die deutsche Mannschaft mit 0:1 in der Verlängerung den Engländerinnen geschlagen geben, weil sie ihre vielen Chancen vergaben. Der Elfmeter, der zum einzigen Tor des Spiels führte, war vielleicht nicht ganz unumstritten, aber wer es nun einmal nicht schafft, Tore zu schießen, der hat auch den Sieg nicht verdient.

Wären nicht die US-Amerikanerinnen, die im Endspiel gegen Japan deutlich und verdient mit 5:2 gewannen, dann müsste man sagen: Diese Frauen-WM war nicht nur für die deutschen Spielerinnen eine große Enttäuschung. Der erhoffte Schritt nach vorn blieb aus.

    Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2015

Was mir besonders bei den deutschen Spielerinnen aufgefallen ist, das ist diese bescheidene Schusstechnik: Das Schussbein streckt sich so zum Ball, während der Körper nach hinten fällt. Damit bewegt sich der Körperschwerpunkt weg vom Ball – und der Schuss geht in die Wolken. Um einiges besser machten es die US-Girls, die besonders im Endspiel eine sehenswerte Leistung boten.

Ebenfalls am Wochenende endete die Europameisterschaft der U-17-Mädchen in Island. Die deutschen Juniorinnen schieden in ähnlicher Weise im Halbfinale aus (0:1 gegen die Schweizerinnen) wie die Seniorinnen bei der WM. Trotz klaren Übergewichts im Spiel erzielten sie keine Tore. Europameister wurde Spanien nach einem 5:2-Sieg gegen die Schweiz.

Und auch die südamerikanische Kontinentalmeisterschaft Copa América 2015 hat am Wochenende ihren Abschluss gefunden: Gastgeber Chile siegte im Elfmeterschießen gegen Favorit Argentinien.

Während die Mannschaft der Bundesliga bereits aus dem Urlaub zurückgekehrt sind und sich auf die neue Saison vorbereiten, startet heute die U-19-Europameisterschaft der Junioren in Griechenland. Auch hier ist eine deutsche Mannschaft beteiligt, die übrigens Titelverteidiger (mit Spielern wie Joshua Kimmich, Davie Selke bzw. Levin Öztunali) ist.